1. Teil: 13.10
Margas Stimme, für die Sprachnachrichten abgespeichert, die wiederholte sich.
Marga, die zu dem ihrem Stimmenklang Lauschenden das eine sprach: "Hier ist Margas Mailsbox. Du willst was von mir ... Ob ich aber auch was von Dir will ...? Hast Du mir was zu erzählen, dann nach dem - PIEP!"
Enttäuschend, daß Marga nicht persönlich ranging. Sondern höchstens sich anhören wollte, was der Anrufende ihr mitzuteilen gedachte.
Dabei war Marga diejenige, die sich das wünschte, daß man sich noch mal vernünftig miteinander besprach, unterhielt, Seine Standpunkte entweder in einem telefonischen Gespräch oder per Text untereinander austauschte.
Wenn es nach Marga gegangen wäre, hätte das Vergangene lange vergangen sein können.
Die Vergangenheit, Marga hätte sie am liebsten auf sich beruhen lassen. Dabei hatte Marga bereits Jahre mit Joachim zusammengelebt.
Trotzdem, Marga wischte alles, was früher war, einfach hinweg. Marga erklärte, daß Willy und sie jetzt ein Liebespaar wären. Zur Kenntnis nehmen sollte Joachim das, sich eine andere suchen.
Einzig und alleine, Joachim wollte sich nicht kleinste bißchen irgendwas bewußt machen. Am Allerwenigsten das, daß Marga Willy küßte.
Aus dem Kopf konnte Joachim überhaupt nichts bekommen. Angesichts der Tatsache, daß Marga seine Geliebte war. In einer Wohnung, daß sie bereits ein geraumes Weilchen zusammenwohnten. Während Willy nichts als eine Randfigur war, ein Freund Joachims. Der dann und wann bei Joachim an der Wohnungstür vorbeischaute, nach Joachim fragte.
Willy, ein Kumpel Joachims, mit dem Joachim sich schon mal Marga gegenüber rechtfertigen hatte müssen. Marga, die das nicht einsehen konnte, daß dieser Willy und er miteinander befreundet waren. Als seinen besten Freund, daß Joachim Willy bezeichnete.
In erster Linie Marga wollte sich darüber unterhalten, daß Joachim endlich das einsähe, daß sie und Willy.
Mit seinen ewigen Nachstellungen sollte Joachim aufhören. Dem jungen Glück, das Marga und Willy heiß, das Glücklichsein erlauben.
Großzügig Joachim gegenüber wäre Marga ein allerletztes Mal. Eine Großzügigkeit, die außenstehende Personen kaum einsehen würden, so wie die Verhaltensweisen Joachims ab und an waren.
Solange Joachim sich im Gespräch oder bei seinen Kurznachrichten, elektronischen Briefen einer passenden Wortwahl geziemte, würde sie die eine Phon-Nummer nicht ändern, die sie Joachim aufs Phon übermittelte. Aus einem einzigen Grund: daß zwischen ihnen endgültig Schluß gemacht werden könnte.
Hielt Joachim sich an die Regeln, schrieb man sich nicht nur, sondern telefonierte vielleicht auch mal miteinander. Auch Willy hätte Joachim noch mal für ein paar letzte Worte gesprochen.
Eine einzige Überschrift hatte bei Marga die Angelegenheit: sie und Willy. Daß sie und Willy ein Paar waren.
Am liebsten hätte Joachim Marga entführt. Hätte sich Marga geschnappt, hätte ihr ein Tuch mit einem Betäubungsmittel vor den Mund gehalten und Marga hinten in einen Transporter geworfen.
Nur, solche Überlegungen waren schwierig, wenn Marga an der Seite Willys irgendwo war. Außerdem davonstürzte, kaum daß sie Joachims Nasenspitze wo blickte.
Überdies hatte Joachim für eine Entführung nicht den brauchbaren fahrbaren Untersatz. Hatte ihn sich bisher noch überhaupt nicht besorgen wollen.
Statt so was wahr werden zu lassen, das schlimm enden hätten können, hoffte Joachim weiter darauf, daß Marga das Gesicht Willys doch wieder mal blickte. Und zwar so, wie es schon mal für sie aussah.
Wenn schon eigentlich nichts Rechtes für Joachim zu unternehmen war, blieb diese eine Hoffnung.
Soweit blieb zwischen Marga und ihm alles beim alten: daß sie ständig was miteinander zu besprechen hatten. Wobei sich Szenen ergaben, daß Joachim bei Marga auf der richtigen Spur war. Erfolg, daß er dabei hatte, Marga irgendwo zu entdecken. Obwohl Marga Schleichwege nehmen wollte. Überdies sehr unpünktlich wo herauskam.
Dann und wann stand man sich eben doch Auge in Auge gegenüber. Etwas, was in ein Geschubse ausarten konnte. Schläge Joachims trafen Marga. Vieles ereignete sich, das Marga sich selber zuzuschreiben hatte. Was maulte sie einem auch daher, sie wolle nichts mehr von ihm, sie hätte sich getrennt, von ihm, Joachim. Auf keinem Fall, daß sie zu ihm zurückkäme. Fiel ihr überhaupt nicht ein, irgendwohin mitzugehen, wo nur noch sie und Joachim wären.
Gestand Joachim ja ein, daß er bei Marga viel zu gerne durchdrehte. Daß er jähzornig zum Unterschiedlichsten fähig war.
Nicht zu fassen, daß das wahr war, daß Marga Willy küßte.
Dauernd der falsche Film.
Oder doch nicht? Warum sollte Marga Willy, den mit dem schiefen Maul, denn nicht doch weiter küssen?
Der Rest war am Ende tatsächlich, wie Marga es sagte. Eine uneinsichtige Stalkerei Joachims.
Was dann aber dem großen Frieden wieder entgegenstand, kamen Joachims Gedanken zu dem einen Punkt: daß Willy mal ein Freund war. Als Freund hatte Joachim Willy angesehen.
Unter dem Deckmantel der Freundschaft mit Joachim hatte Willy an der Wohnungstür Joachims geklingelt. Sobald Marga ihm öffnete, hatte Willy nach Joachim gefragt.
Willy, der Mistkerl drängte sich Marga auf. Irgendwann, daß es passierte, daß Marga Willy zur Tür hereinließ. Wenn Willy meinte, er wolle auf Joachim warten, müßte er das nicht draußen tun, konnte das auch drinnen in der Wohnung machen.
Viel zu freundlich, daß Marga Willy behandelte. Nicht so, wie Willy es sich tatsächlich verdient gehabt hätte. Willy mit seiner Klingelei und seiner schiefmäuligen Fragerei nach Joachim.
Etwas, das Marga Willy durchgehen ließ. Weil Joachim und Willy doch beste Kumpel waren.
Mit Joachim war Marga zusammen. Schon lange bei Joachim eingezogen. Marga war Joachims Geliebte und Mitbewohnerin.
Und Willy, der erschien früh abends bei Marga vor der Wohnungstüre. Marga hätte die Nachfragerei Willys, ob Joachim schon von der Arbeit heimgekommen wäre, doch irgendwann seltsam finden müssen. Das eine, unter der Woche und Tag für Tag er, Willy. Schlußendlich hätte Willy auch die Kneipen nach Joachim absuchen können. Die nächste Bar mit Stangentänzerinnen nebenan.
Nur, Willy, der drückte an der Tür zu Joachims Wohnung den Klingelknopf.
Am Wochenende unternahm Willy das jedoch nicht. Am Wochenende, daß Willy sich nicht bei Marga blicken ließ.
Samstags und sonntags, da war Joachim auch zumeist bei sich zu Hause. Aber, da ließ Willy sich bei Joachim nicht blicken. Während Marga das auffallen hätte können. Ihr zu einem Begriff werdn. Das eine, wann Willy das nächstmal an der Wohnungstüre auftauchte und wann nicht.