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Blog von TeddeMehr

1. Teil: 15.4

30. Dezember 2020 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #dreimal erwachen

Dabei, daß Joachim zuschaute, wie sich Multivitamin-, Magnesium- und Calciumtabletten im mit Mineralwasser gefüllten Glas auflösten.

An sich, daß er sich gut füllte. Sogar in der Duschkabine war er gewesen, hatte lauwarmes Wasser, schwach eingestellt, über sich drüberregnen lassen. Sich später mit Papiertüchern trockengetupft. Dabei, wenn möglich, vermieden, sich selber zu oft und zu lange im Spiegel zu sehen.

Es war kaum erträglich, sich bluten zu sehen, und so klasse sauber wurde er auch nicht.

 

Jetzt war er in die Küche zurückgekehrt, wartete darauf, ganz trocken zu werden. Außerdem sollte da und dort der Blutfluß langsam wieder stocken.

 Am metallenen Küchenstuhl war rumzusitzen. Nahezu ohne weiteres. Am Trinkglas zu nippen. Ohne den Kopf vor Kraftlosigkeit auf die Tischfläche legen zu müssen. Wie schon die Zeit zuvor oft.

Alles war eine neue Situation geworden. So ohne jedes technisches Gerät, mit dem in der Welt hinauszurufen war. Austauschen konnte er sich mit niemandem mehr.

Obwohl an seiner Situation nichts bleiben, wie die Geschichte war. Daß es ihm weiter gutging, sogar ein Stückweit besser als früher, das war etwas für den Augenblick.

Er benötigte dringende ärztliche Versorgung. Viel zu lange hatte er eins, Glück. Und, Glück, das war nichts, auf das einer sich verlassen konnte.

 

Es war weiterhin daran zu denken, daß sich jederzeit bei ihm was entzünden konnte. Oder daß das mit dem Bluterei doch mal wieder schlimmer losbrach, vielleicht, ohne aufhören zu wollen.

Unter diesen Umständen, daß von ihm auf ärztliche Pflege und Diagnose nicht zu verzichten war.

Nach jeder Menge Tagen brauchte er endlich handfesten Kontakt zur Außenwelt. Jemanden, der ihm Fragen beantwortete. Nachdem der zweite Joachim die Telefonanlage, die einzelnen Phons, das Läppie und die Rechneranlage zerdeppert hatte, blieb wirklich nichts mehr übrig, als die eigenen zwei Beine. Auf denen mußte er jetzt seine Wohnung verlassen, ob er das nun wollte oder nicht.

 

Den Inhalt des Trinkglases trank Joachim aus.

Ohne sich das vorher bewußt überlegt zu haben, rumpelte er aus dem Sitzpolster des metallenen Küchengestühls in die Höhe, daß das Küchenmöbel nach rückwärts kippte.

Plötzlich bedenklich wacklig auf den Beinen, daß Joachim sich auf der Tischfläche abstützen mußte.

Er hatte das Empfinden, jede Sekunde erbrechen zu müssen. Beinahe, als hätte er sich in der Situation verschätzt, was seine Kräfte anbetraf. Wäre es mit seinem körperlichen Befinden doch nicht viel weiter her.

 

Das war andererseits keine Weltreise, die er nach irgendwohin zu unternehmen hatte. Einfach zur Wohnungstür raus, Richtung Nachbarwohnung. Wenn ihm dort kein Mensch aufmachte, war der Aufzug nicht fern, wollte er es nicht noch mal mit einer weiteren Klingel versuchen.

Sobald sich mal eine Tür rein in eine Wohnung öffnete, sich der erste Mitmensch um ihn bemühte, war der gesamte Rest gebongt. Innerhalb von ein paar wenigen Minuten fand er sich auf einer Liege in einem schnell herbeigerufenen Sanitätsauto wieder. War an einen Tropf angehängt. Beruhigend wurde auf ihn eingeredet, daß er sich keine Sorgen zu machen bräuchte; man unterwegs in ein Krankenhaus.

Alles hieß, keine weiteren Mühseligkeiten, üblen Zustände mehr. Auf Krankenstation wurde er einer gründlichen Kontrolle unterzogen. Mit ein paar gespritzten Schmerz- und Kräftigungssubstanzen verlor jeder Übelstand derart an Bedeutung, daß beizeiten, hatte er sich erst erholt, jede Erinnerung an manche traurige Szene verblaßte.

Dann, war er erst wieder gesund und munter, konnte er sich aufs neue um Marga und Willy kümmern. Es dem Liebespaar besorgen, wie immer er das wollte.

Oder gehorchte er Margas Ratschlag, versuchte Marga zu vergessen, suchte sich doch eine andere?

Andererseits, Marga war nur schlecht aus dem Kopf zu kriegen, Marga, die ihre Nächte mit Willy verbrachte. Mit Willy.

 

Der Mitbewohner im Haus, derer waren nicht wenige. Einige kannte er persönlich und mit Nach- und Vornamen. Ob auf derselben Etage wohnend oder nicht. Ebenso den Hausmeister, der beste Kontakte zum Vermieter hatte. 

Das versuchte Joachim, sich auf Namen zu entsinnen. Ohne, daß ihm ein einziger einfiel.

Da war er momentan blockiert.

Nur eins wußte er, daß er das schon parat gehabt hatte, wie beispielsweise der Hausmeister vollständig hieß.

Klar war nur, die Dottlers wohnten im Stockwerk unter ihm. Ihren Hund, den riefen die Dottlers Stockie. Ansonsten ging ihm Menzle, der Personaler, klar. Ebenso Marga und Willy. Von Debbie hatte er kurz erst geträumt, Deborah, die bei Frau Fjörde Bürokraft war. Dann wußte er plötzlich, daß so einer, an sich nichts als eine Traumerscheinung Hekkie gerufen wurde. Hekkie, einer aus dem Lager, mit dem er am Arbeitsplatz Streitereien gehabt hatte.

Der Rest, im Moment wie weggeblendet. Da mußte er denn warten, bis in seinem Gehirn Impulse blitzten, daß er früher Selbstverständliches erneut abrufen konnte. Wie manches Erinnerungsstück ganz im allgemeinen. Das sich einfach verabschiedet hatte.

 

Auf alle Fälle würde sich ihm alles unterwegs sofort auflösen.

Öffnete ihm keiner im Haus die Tür, waren das jede Menge, die ihm am Gehsteig entgegenkamen, an ihm vorüberschritten. Irgendwer war mit Sicherheit immer wo unterwegs. Der sich ansprechen ließ. Wer eben des Weges kam.

Nur, die leuchtenden Kugeln, von denen er eine drunten auf der Straße schweben gesehen hatte, die waren ein Problem. Vor denen gruselte er sich. Von denen wollte er keiner einzigen begegnen.

Zum Digitalradio taumelte Joachim. Es mußte doch endlich wo mal was aufklingen. Bei den vielen Radiostationen, die es gab. Haufenweise, die er am Gerät reinkriegen konnte.

Noch mal, daß er die abgespeicherten Sendeplätze durchprobieren wollte.

Die Stille, sie war doch nicht zu fassen hier. Vor kurzem noch genügte ein Fingertippen auf  den Ein-, Ausschalteknopf, die Musik lief in der Küche. Ein Nachrichtensender wäre echt mal nützlich gewesen, ein bißchen Information abkriegen zu können, was los war auf der Welt.

 

 

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