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Blog von TeddeMehr

1. Teil: 16.1

5. Februar 2021 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #dreimal erwachen

Er schien zu schweben.

Ein seltsamer Schwebezustand.

Unvermittelt war für ihn festzuhalten, daß er jemanden an der Seite hatte, der mit dahinschwebte.

Nach der Begleitung hin mußte der Kopf verdreht werden, hingesehen.

Diejenige, die in kleiner Entfernung bei ihm sich aufhielt, mit ihm wie im luftleeren Raum schwerelos voranschwebte, sie war durchaus keine Unbekannte. Ihren Namen kannte er auf der Stelle - Marga.

Seine Marga!

Oder nicht seine Marga? Weil Marga einen anderen hatte, einen, der Willy hieß, Willy, der mal sein bester Freund war.

Unerfreuliche Dinge waren zwischen Marga, Willy und ihm vorgefallen. Nichtsdestotrotz befand sich Marga neben ihm, war seine Begleiterin im Schwebeflug. Zwischen einer Häuserflucht.

 

Auf eine irritierende Art und Weise war die eine Marga. Marga, die starr, reg-, teilnahmslos wirkte und  in ein knöchellanges weißes Nachthemd gekleidet war. 

Schwer zu sagen, was Marga sonst noch anhatte. Das Weiß war ziemlich blickdicht. Bloße Füßknöchel präsentierte Marga, Marga war barfuß.

Margas Hüften erschienen Joachim ein wenig zu breit. Daß er genauer hinsehen mußte. 

 

Irgendwie war zu vermuten, daß sich da irgendwer bei Marga verbarg. Und tatsächlich hielt sich jemand bei Marga dahinter auf.

Dann sah Joachim denjenigen plötzlich vereinzelt, hatte freie Sicht auf ihn. Ein Stückweit nur entfernt war der andere.

Fremd war ihm der eine nicht. Der, der freiweg herangeschwebt kam. Scheinbar das mitgekriegt hate, daß Joachim direkt nach ihm hinsah.

An Größe gewann die Gestalt, Joachim unsympathisch.

Was für eine Körpergröße der eine üblicherweise hatte, so groß wurde er dann. Er, gleichfalls in einem weißfarbenen Nachthemd, wie Marga. Barfüßig. Unzweideutig die männlichen Knöchel, Füße. Ohne, daß Joachim deswegen alles bis in jede Einzelheit an dem Kerl erkennen mußte, bei dem das Laken für die Blicke durchscheinender war als bei Marga.

 

Das war nichts, was Joachim freute: daß er vor einen Moment an ihn dachte, und schon war Willy bei ihm und Marga gegenwärtig. Unablässig grinste Willys schiefes Maul.

Schwer zu sagen, woher Willy sein Dauergrinsen herhatte. Spaßig war hier das Wenigste.

Liebend gerne hätte Joachim dafür gesorgt, daß Willy die Grinserei wegging. Bloß, es fiel ihm schwer, an seiner Schweberichtung irgendwas zu ändern. An Willy heranzukommen, das war nicht. Nichts war damit, Willymal das eine oder andere gesundzustoßen. Oder Willy zu dieser oder jener abfälligen Geste gegenüber Joachim zu bewegen, die Marga eventuell drüber hinwegsehen ließ, kriegte Willy ein paar Grobheiten ab. Von Joachim.

 

Willy fand sich dann auf gleicher Höhe mit Marga am Schweben, wahrte jedoch die Distanz zu Joachim.

Willy in voller Körpergröße, und iin dem einem weißfarbenen Tuch, das jede Menge von ihm erkennen ließ. Dort, wo Joachim die Einzelheiten lieber bei Marga geblickt hätte. Während das, dort aufs neue bei Willy hinzusehen, einigen Widerwillen in Joachim hervorrief. Ohne daß er deswegen irgendwas Handfestes unternehmen hätte können, nichts, als zu versuchen, nicht dorthin zu blicken.

Lästig blieb Willy, verschwand nicht. Drehte nicht ab, verzog sich irgendwo hin. Auf Nimmerwiedersehen.

Nichts von Willy wünschte Joachim sich. Wegen ihm hätte Willy sonstwo bleiben können. Für Willy fehlte ihm jeder Bedarf.

 

Willy, total unausstehlich, wie er Margas Begleitung mimte.  

Mehr als genug verhinderte Willy, was Joachim gerne mit Marga zusammen unternommen hätte. Schon alleine mit seiner puren Anwesenheit.

Als wäre das das Selbstverständlichste auf der Welt, verweilte Willy an Margas Seite. Als wäre Willy das gestattet, sich in der Umgebung Margas aufzuhalten. Auch wenn Joachim sich um Marga herum befand. Ganz und gar unverfroren, die Person mit dem Namen Willy.

Obwohl Joachim sich das mal von der Welt erwarten hätte dürfen, sich alleine mit Marga an einem Ort aufzuhalten.

Zumindestens Willy hätte nirgends bei Marga und ihm dabei sein müssen. Bei dem vielen, was es zwischen ihnen, Marga und ihm, zu klären gab. Wovon Willy nichts hätte mitzukriegen brauchen.

 

Allerdings, Willy ließ sich nicht abschütteln. Obwohl Joachim von hier nach dort schwebte, beim Schweben an Tempo zulegte, während Marga ihm folgte.

Nur, es blieb dabei: Willy nahm seinen Platz, wo Marga war.

Marga von Willy zu trennen war ein Ding der Unmöglichkeit.

 Einen unzufriedenen Gesichtsausdruck hatte Willy aufgesetzt, als dächte er ungefähr das von Joachim, was Joachim von ihm dachte. Als wäre Joachim der, der Willy lästig war.

Als hätte auch Willy jemand anders in der Vorstellung, den er lieber bei Marga und sich gesehen hätte.

 

Plötzlich wurde Joachim etwas an Willy gewahr. Eine andere Möglichkeit, sich die Miene eines Unzufriedenen bei Willy zu erklären.

Verschiedene Male, daß Joachim hingucken mußte, bis er die Tatsache glaubte. Daß Willy mit jedem Moment ein Stückweit mehr an Durchsichtigkeit gewann. Während sich Marga und Joachim ihre Körperlichkeit beibehielten, wurde Willy durchscheinend.

Eine halbdurchsichtige Erscheinung war Willy. Und Marga, ihr entging das nicht, Marga glotzte freudlos nach Willy hin.

Der Schrecken in Margas Gesicht, der dann nichts zu wünschen übrig ließ. Nichts, das Willy entging. Genausowenig wie die boshafte Schadenfreude, die Joachim sich als das eigene Mienenspiel bewußt war.

 

Mehr ein durchscheinendes Geisterwesen war Willy unvermittelt. Eins, das trotzdem schwebend bei Marga rumlungerte. Bei Marga, die in Ordnung und körperlich dieselbe zu sein schien.

Was von Willy nicht zu behaupten war. Willy erinnerte an Gespenst in einem weißen Laken. Nur, daß Willy der bleiche Stoff nicht über den Kopf gezogen war. Mit ausgeschnittenen Gucklöchern für die Augen.

An sich, daß Joachim nebenher herabguckte, ob sich an ihm nicht auch gewisse Kleinigkeiten veränderten. 

Die eigenen Hüften betatschte er, meinte, seinen Körper üblich zu spüren, den Hosenstoff.

Alles schien weiterhin bei ihm das Gewöhnliche zu sein. Nur einen Revolvergurt hatte er aus irgendeinem unerfindlichen Grund nicht umgebunden. Den ledernen Gurt mit den beiden Sechsschüssern. Die sonst zu Jo dem Revolvermann dazugehörten.

 Ohne Schießeisen war er wie nackt. Liebend gerne hätte er seinen Revolvergurt umgebunden gehabt, links und rechts seine Revolver. Selbst wenn die Durchsichtigkeit des einen Willys es einem schwer machte, daran zu denken, daß eine auf ihn abgeschossene Kugel nicht durch ihn hindurchgegangen wäre. Hätte er doch liebend gerne wenigstens eines seiner Schießeisen zur Hand gehabt, bei Gelegenheit auf Willy zu schießen.

 

 

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