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Blog von TeddeMehr

1. Teil: 17.2

27. März 2021 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #dreimal erwachen

Ruckend war die Aufzugskabine drunten im Keller erneut angekommen. Die Schiebetür öffnete sich mit einem leisen Geräusch, blieb offen.

Tief, daß Joachim durchatmete. Davon erleichtert, daß er Stockies Gegenwart das nächstemal gesund entkommen war.

Obwohl es ausgesehen hatte, als ob Stockie derjenige war, dem es nicht besonders ging. Bloß, das mit einer Schwäche, das konnte täuschen. Außerdem: Mit seinem Gebiß konnte Stockie jede Sekunde ein bißchen was anstellen, gleichgültig, wie schlapp er sich auf seinen vier Pfoten gerade fühlte.

 

Auf das, was er mit beiden Armen eilig ins Kabineninnere hineingeschoben hatte, blickte Joachim herab. Um wacklig davor in die Hocke zu gehen.

Was er am Aufzugboden daliegen hatte, war ein modischer weißer Stadtrucksack. Des weiteren seltsam verschwurbelt wirkende Kleidung.

Ein dunkelblauer Anorak, aus dem der Kragen ein weißen Schörts in komischer Weise hochragte.

Eine blaue Röhrenjeans, an der mädchenhaften Schönheit mit Sicherheit hauteng. Ein Paar milchig-weißer Turnschuhe, und eine normale schwarze Klarsichtstrumpfhose, die seltsam in beiden Schuhen stak.

 

Eine Jugendliche, die sich wahrscheinlich so kleiden würde. Oder eine jüngere Frau.

Feiner heller Staub befand sich überall an dem Kleiderhaufen. Klebte sich Joachim an die Fingerkuppe.

Irgendwie empfand Joachim die Staubmasse ekelhaft, fühlte sich von der Substanz derart abgestoßen, angewidert, daß er mit Würgreiz kämpfte. Ohne sich das bewußt machen zu können, warum.

 

An dem schmucken Rucksäckchen fand sich ein pinkes Durchsichtplastik, in dem ein daumenbreites, -langes Zettelchen eingeschlossen war.

BERLIN KREUZBERG - las Joachim in großen Blockbuchstaben.

Als Joachim das Plastikteil rumdrehte, war da ein Name: LENA GESING.

 

Eine Lena Gesing, die in Berlin ihre ursprüngliche Heimatstadt hatte, war Joachim als Gebäudemitbewohnerin unbekannt.

Vielleicht war Lena eine Studentin, die im Haus zu Besuch war oder einziehen wollte.

Im dritten Stock der Dottlers wohnten mehrere Studenten in unterschiedlichen Wohnungen in einer Wohngemeinschaft zusammen. Dort war immer ein Kommen und Gehen.

 

An dem Reißverschluß des kleinen Rucksackes fingerte Joachim, stöhnte vor Schmerz.

An den Fingern begann Joachim einfach so aus den Poren zu bluten. Mattigkeit spürte Joachim unvermittelt in sich.

Trotz dem, mit dem er überrascht wurde,  brachte er es beim dritten Versuch fertig, das Reißverschlußteil, bei dem es wegen eines dazwischengeratenen Rucksackfetzelchens klemmte, nach der Seite aufzuzerren.

 

Herum drehte Joachim das Schmuckrucksäckchen, schüttelte Inhalt aus.

Lena Gesing war Raucherin.

Drei Zigarettenschachteln plazierte Joachim linker Hand von sich. Zwei grüne Wegwerffeuerzeuge. Zweimal gelbe Papiertaschentuchpackungen mit japanischer oder chinesischer Schrift. Eine Klarsichttüte mit einem Dutzend blau-, rotfarbenen Kondomen, alle mit Glitzerpunkt in der Mitte und ebenfalls asiatischer Herkunft. Ein kleines Wörterbuch mit dem Titel Spanisch-Deutsch. Einen Taschennotizkalender des letzten Jahres, Made in Vietnam. Zwei Kugelschreiber mit den Aufdrucken erigierter Penisse in Silberfarbe. Eine angebrochene Schachtel Tampons. Eine Tüte Gummibärchen. Und ein Phon.

 

Freude durchflutete Joachim wegen der tragbaren Telefonie augenblicklich. Ohne lange auf irgendwas zu warten, hob Joachim die Gerätschaft auf, drückte auf das Telefonsymbol.

Der Phon-Bildschirm, der aufleuchtete.

Die PIN sollte bei einem rosa Hintergrund von Joachim in ein gelbes Balkenfeld eingegeben werden.

 

Kaum jedoch überblickte Joachim die Phon-Begebenheiten, war die Anzeigefläche wieder dunkel wie die sternlose Nacht.

Was das bedeutete, das war nicht mißzuverstehen. Es hieß: Der Akku war alle. Das Phon, das hätte an das Ladegerät angehängt und ans Elektrizitätsnetz angesteckt werden sollen, um neu geladen zu werden.

Einzig und alleine, ein Ladekabel fürs Anstecken war nicht im Rucksack.

Die Gerätschaft fürs Akku-Laden hatte Lena Gesing  daheimgelassen, als sie ausging. Als käme sie innerhalb der nächsten paar Stunden wieder nach Hause zurück, würde dann dort jederzeit alles passend zusammenstöpseln können.

 

Leise fluchte Joachim, vernahm die eigenen Krächzlaute. Bald mal mußte er sich eine neue Wasserflasche zum Trinken aus seiner Wohung oben holen, die eine Flasche, die am Aufzugfußboden herumstand, war leergetrunken.

Am liebsten hätte er Lena Gesings Phon nach draußen auf die Steinfliesen des Kellerfußbodens geworfen, so sehr stank ihn die gesamte Angelegenheit mit dem Finstermonitor an.

Ein weiterer Fehlschlag auf der ganzen Linie.

Warum nur war das Miststück namens Lena Gesing ohne ein Akku-Ladegerät für den Stromanschluß mit einem Phon-Teil in der weiten Welt unterwegs? Bei Marga war das früher nicht, Marga hatte immer ein Zweitladegerät zum Anstecken in der Handtasche dabei, wohin immer sie auch ausging.

Auch schwer einzusehen für Joachim, wie es mit dem Phon weitergegangen wäre. Schließlich wußte er keine einzige der erforderlichen PIN-Zahlenreihen. Zahlen, die alleine Lena Gesing im Kopf hatte.

Oder - sollte er sich den Taschennotizkalender ansehen? Ob auf den Seiten interessante Zahlen zu entdecken waren.

Was nützte andererseits irgendwas etwas, solange das Phon, kaum war es an, sofort ausging?

 

 

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