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Blog von TeddeMehr

1. Teil: 17.6

30. März 2021 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #dreimal erwachen

Ein Geräusch ließ Joachim zusammenfahren.

Dorthin, wo der Laut herkam, daß Joachim sein Gesicht wandte. 

Das Herz schlug ihm bis zum Hals.

Das Schreckliche, das Befürchtete, es war Wirklichkeit.

Stockie war nicht irgendwo, ein paar Stockwerke höher - Stockie war im Parterre geblieben.

Hinter einem hohen Haufen Kleidung war Stockie still dagelegen. Jetzt, war Joachim der Aufhäufung von menschlichem Kleid zu nahe gekommen war. So nahe, daß Stockie sich gezwungen sah, seinen Leib in die Höhe zu wuchten.

 

Bedenklich zitternd, daß Stockie dastand. Als könnte er jede Sekunde umkippen.

 Wohl weil Joachim ihn zu direkt in die Augen guckte, daß Stockie zu knurren anfing. Böse und gefährlich, daß Stockies Knurrerei sich anhörte.

"Nur die Ruhe, Stockie!" belauschte Joachim das eigene Gekrächze. Das sich für Stockie komisch beunruhigend anhören mußte.

"Ruhig, ruhig, Stockie! Tust du mir nichts, tu ich dir nichts. Bist ein braver Hund, Stockie. Wart 'ne Sekunde, dann wird alles gut. Paß auf, ich laß dich hier raus aus dem Haus, Stockie ... Bist du brav, Stockie, laß ich dich zur Tür raus. Wart, dann laß ich dich raus. In einem Moment bist du hier draußen. Bitte, brav sein, Stockie. Bist du kein Braver, kann ich dich nicht hier zur Haustür rauslassen. Draußen kannst du auch auf Herrchen, Frauchen warten. Vielleicht triffst du die beiden vorm Haus, Stockie. Dein Herrchen, dein Frauchen ..."

 

Lustig war das, wie Stockie den Kopf hin und her wiegte drehte, dabei aussah, als verstünde er jedes Wort Joachims.

Nach rechter Hand wandte er kurz das Gesicht. Die Einschätzung war nicht die verkehrte, daß er der Haustür inäher war als Stockie.

Die Monstertölle der Dottlers namens Stockie, sie befand sich ihm links schräg gegenüber. Knapp dort, wo Reinhardt, der Hausmeister, im Gebäude seine Wohnung hatte.

An einem ziemlich hochragenden Kleiderbündel mußte Stockie als erstes vorüber, was ein klein wenig Umweg für ihn bedeutete.

 

Einfach die verkehrte Seite, die Stockie besetzte. Wenn Joachim zu Hausmeister Reinhardts Wohnungstüre hingewollt hätte, wäre Stockie gut positioniert gewesen. Hätte Joachim, der Zweibeiner, bei Hausmeister Reinhardt Sturm läuten wollen.

Durchaus seltsam für Joachim, daß er im Augenblick wieder wußte, daß der Hausmeister des Wohnblocks, in dem er seit Jahren seine Wohnung hatte, Reinhardt hieß.

Seit Joachim zusammen mit Marga im Haus eingezogen war, war Reinhardt der Hausmeister. Kein anderer.

 

Fürchterlich, daß Stockie auf seinen vier Pfoten dastehend, vor sich hinzitterte. Nichtsdestotrotz, daß der Köter nicht vor Schwäche umsackte.

Die Welt, sie hatte sich gegen ihn verschworen, so empfand Joachim. Warum nur war da dieser gräßliche Riesenhund, der gefährlich ausgehungert aussah? Warum hatte er sich im Parterre mit dem Vieh auseinanderzusetzen, das gut in der Etage oben und in den Wohnräumen von Herr-, Frauchen bleiben können. 

Nicht zu fassen, daß die Wohnungstüre hinein in die Wohnlichkeit, die Herr und Frau Dottler zusammen mit Stockie, dem Hund, bewohnten, offenstand. Ein großes Loch war in die Tür gebrannt worden. Von irgendwas durchschossen. Das metallene Schloß, die Türklinke drinnen in der Dottler-Wohnung, all das weggedampft.  

 

Bilder aus dem Alptraum, den er gehabt hatte, entstanden vor Joachims geistigem Auge. Ein blinkendes Kugelding hatte in dem Traum eine Rolle gespielt. Unwillkürlich hatte das Gebilde ihn an eine Diskokugel erinnert, die er mal in einem anderen Leben anderswo besessen hatte. Einen gelben Energiestrahl hatte er die Kugel abfeuern gesehen, während er hoch im vierten Stockwerk auf der Stelle in der Luft schwebte. 

Der Strahl, der unterhalb eine Glasscheibe in tausend Splitter zerspringen ließ. Ehe das Kugelding sich schmal machte und durch die glaslos Fensteröffnung in die Wohnung der Dottlers hineindrängte. der ein Loch in das Türholz brannte, während die metallene Türvorrichtung ins Nichts verdampfte..

In der Traumszene folgte er dem  blinkenden Kugelding,

Bewußt wollte er das mit nicht. Vielmehr fühlte er sich gezogen, zerrte eine Kraft an ihm. Ein mysteriöser Traktorstrahl? Hinab gelangte er in jedem Fall, den Weg durch das glaslose Fenster hinein.  In die Dottler-Wohnung.

Drinnen in dem Schlafzimmer mit Doppelbett ging es an der still verharrenden Blinkekugel vorüber. Danach durch die Schlafzimmertür auf den Flurgang hinaus. Bis er an der offenstehenden Wohnungtür war, über deren Schwelle hinwegschwebte. Dann war nicht mehr allzuviel. Bis Stockies Schnüffelnase ihn aus der Umdunklung in die Welt zurückholte.

 

Schrecken durchzuckte Joachim.  In die Wirklichkeit, daß er zurückkehrte. Alles andere als eine Traumszene. Obwohl ebenfalls alptraummäßig. Alleine deswegen, weil er sich in einer Situation befand, in der er sich Stockie gegenübersah. Stockie, der große Hund der Dottlers, war auf schreckliche Weise frei. Wie befreit.

Etwas, das einfach nicht wahr sein konnte, Stockie leibhaftig und ihm gegenwärtig.

Zum Glück unternahm Stockie nicht viel, außer auf seinen vier Pfoten schlotternd dazustehen und räudig, ungepflegt auszusehen.

 

Er hatte etwas bei sich, wußte Joachim plötzlich. Eines der Feuerzeuge Lena Gesings hielt er in der geschlossenen Faust. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund hatte das Plastikding an sich genommen. Umklammerte das Ding so fest, daß ihm die Kanten schmerzten.

Wäre Stockie nicht dagewesen, hätte er sich des Dings zum Zigarettenanzünden längst entledigt, es in hohem Bogen gegen die nächste Wand geschmissen. Ohne Stockie wäre es auch das Einfachste auf der Welt gewesen, durch die Haustür hinaus das Gebäude zu verlassen.

Stockies Nähe verklomplizierte die Lage allerdings um ein vielfaches.

Eine Bewegung gewahrte Joachim, vernahm Trippellaute. In Stockie, daß unvermittelt Bewegung kam. Bicht an Ort und Stelle gedachte Stockie zu verweilen, seiner zittrigen Glieder zum Trotz.

 

Ziemlich rasch sah Joachim Stockie, das Hundemonster, auf sich zustürzen.

Das Drecksstück von einem Köter, das bereits unmittelbar bei ihm war, verhielt urplötzlich in der Bewegung, zuckte vor Joachim zurück.

Knurrgeräusche gurgelten böse klingend aus dem Hundekörper. Zahnreihen mit viel gelben Belag sah Joachim. So weiß waren die Beißerchen Stockies nicht.

Stockie, das Schoßhündchen der Dottlers, war schon sehr weit, traute sich bei Joachim, dem Menschen, etwas, sprang ab.

 

Geistesgegenwärtig ließ Joachim sich nach hinten auf die Steinfliesen fallen, landete hart am Rücken, daß es vor Schmerz nur so aus ihm herauskreischte.

Stockie, das Biest, war über ihm, mit vollem Gewicht auf ihm oben, die Vorderpfoten auf seinen Schulterpartien. Stockie praktisch mit Joachim umgefallen.

Stickigen, heißen Atem spürte Joachim an seinem Gesicht.

Stockie war von Joachims Umfaller so überrascht, daß er es vergaß, bei Joachim zuzubeißen.

 

Zu Bewußtsein kam Joachim, daß er die Hand zu Stockies Schnauze hingeschwungen hatte. Die Linke, die das Feuerzeug hielt.

Bis zum Anschlag war das Gas aufgedreht, wohl bereits von Lena Gesing, der des Wegwerffeuerzeug mal gehört hatte.

Eine hohe Feuerzunge, die nach der Nase des Untiers namens Stockie leckte.

Augenblicklich, daß Stockie von seinem Opfer abließ. Die Hundenase herleckend, daß Stockie winselnd davonhüpfte.

Von dem, das er von Joachim erfuhr, hatte Stockie sich einige Momente zu erholen.

 

Das war vielleicht seine letzte Chance, er mußte Richtung Haustür, durchzuckte der Gedanke Joachim.

Obwohl ihm das heiße Feuerzeug den Daumen und Haut herbrannte, ließ er den Feuerzeugdruckschalter erst jetzt los. Der Schmerz der Verbrennung war der Wahnsinn.

Ungelenk rappelte sich Joachim auf die Füße. Während ihm das Herz raste, rappelte Joachim sich ungelenk auf die Füße, eilte zur Haustür.

Die Tür war alles andere als zugesperrt. Am Klinkengriff war die dicke Holztüre locker aufzuziehen.

Die Sonne schien unter freiem Himmel, konstatierten Joachims Gedanken.

 

"Komm her, Stockie!" krächzte Joachim, räusperte sich, schwang für Stockie die Rechte, daß es dem dümmsten Vieh ein Begriff sein mußte. "Hier geht's raus aus dem Haus für dich, Stockie!"

Tatsächlich kam Stockie winselnd mit eingezogenem Schwanz herbeigelaufen.

Ohne sich nochmals um irgendwas bei Joachim zu kümmern, eilte Stockie an Joachim, der ihm die Holztür aufhielt, vorüber.

Kaum war Stockie zur Tür draußen, daß Joachim diese zuwarf.

 

Mit dem Rücken an die Holzfläche der Haustür gelehnt, ließ Joachim sich auf den gefliesten Vorhallenboden herabrutschen.

Es fühlte sich alles bei ihm an, angesichts seines Herzrasens, als müßte er jede Sekunde einen Herzkasper erleiden. Der Daumen der Linken, den die Hitze der Feuerzeugflamme in erster Linie ansengte, brannte von mal zu mal stärkerr.

Von sich schleuderte Joachim das Feuerzeug Lena Gesings, das hochgenommen und zu umklammern ihm lange nicht mal bewußt gewesen war. Und nun hatte ihm das tatsächlich das Leben gerettet.

Daumen und Zeigefinger pustete Joachim her.

Die Geschichte mit Stockie heil überstanden zu haben, unfaßlich, wass das für ein Glück war. Freiwillig hätte er die Szene nicht erleben wollen. Diesen Alptraum mit Stockie, dem er tatsächlich lebend entkam.

Es war denn am Ende alles zuviel für Joachim. Dunkelheit und Nichtwissen überwältigten ihn von einer Sekunde auf die andere.

 

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