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Blog von TeddeMehr

1. Teil: 17.5

29. März 2021 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #dreimal erwachen

Irgendwie hatte Joachim keine Lust mehr, Lena Gesings Kleidung zu durchwühlen, sich über irgendwas daran zu verwundern. Das Staubzeug, das allem anhaftete, von allem herabrieselte, war am wenigsten widerlich, wenn man damit nicht in Berührung kam.

Auf die Füße schaffte Joachim sich hoch, drückte auf irgendeinen Knopf an der Nummernleiste.

 

Die Aufzugtüre, die zuglitt, die Kabine, die anruckte. Hinaufgefahren wurde.

Kalter Schreck durchzuckte Joachim, als die Kabine nach kurzer Fahrt schon wieder mit einem Ruck zum Stillstand kam.

Während die Kabinentüre unaufhaltsam aufglitt, starrte Joachim kurz nach der Stockwerksanzeige des Lift.

Er war zurück im Erdgeschoß, nirgendwo anders eingetroffen. Dort, wo Stockie, der große Hund der Dottlers, alles und jeden auf der Szene erwartete.

 

Weit und breit war für Joachim kein Stockie zu blicken. Nur Kleiderhaufen, die in unwillkürlicher Verteilung in der Gebäudevorhalle herumlagen.

Schon die Frage für Joachim, was das war: Früher waren ihm die Bündel nicht so zu Bewußtsein gekommen. Etwas, das sich bei ihm jetzt grundlegend geändert hatte.

Von links nach rechts und zurück verdrehte Joachim den Kopf, starrte ängstlich, ohne irgendwas von Stockie zu Gesicht zu bekommen.

 

Wo war der Drecksköter abgeblieben?

War Stockie auf die Idee gekommen, wieder mal die Stiegen hochzulaufen? Hinauf in den dritten Stock. Dorthin, wo Herr- und Frauchen ihre Wohnung hatten. Joachim war das klar, daß die Wohnungstür oben sicher offenstand. Wegen des großen Lochs, das in die Tür hineingebrannt war.

Ein Brandloch, für das  kein Mensch Joachim verantwortlich machen konnte. So eine Waffe hatte er nicht.

 

War durchaus eine Möglichkeit, die Stockie, das Hundevieh, hatte.

Die Dottlers, bei ihnen durfte Stockie den Wohnungshund spielen. Gut, daß Herr und Frau Dottler in der Vergangenheit mit Stockie umgingen.

Daß Metall der Türschloßvorrichtung und Holzfläche war weggebrannt. Woran auch Stockie keine Schuld trug.

 

Angestrengt horchte Joachim Richtung Haustreppe.

Nichts war von dort zu erlauschen. Keine krallenbewehrte Pfoten, die herabtrippelten.

Im Wohnhaus war alles schon mal von einer weniger komischen, unheimlichen Atmosphäre. Die Welt lebendiger. Männer-, Frauenlachen. Mancherlei Gekreisch. Türeschlagen.

Früh am Morgen ging es los. Der Aufzug in Dauerbetrieb. Auf und ab. Rauf und runter.

 

Vorsichtig begab Joachim sich aus dem Kabineninnern hinaus.

So recht traute er dem Frieden nicht.

Ziemlich deutlich, daß er Stockie vor seinem inneren Auge sah.

Stockie, struppig, ungepflegt das Fell. Matt der Hundeblick. Zittrig die Pfoten. Als litte das Vieh momentan ein klein wenig an einer Schwäche, Schlappheit. Nicht recht verständlich für Joachim.

 

Am liebsten hätte Joachim seinem Gefühl stattgegeben, wäre sofort in die Fahrstuhlsicherheit zurückgeeilt. Der Fahrstuhl, von dem er bald viel zu weit entfernt hatte. Um mitten auf die Schreitfläche herumstehen, wie auf dem Präsentierteller. 

Angesichts der Gefahr, die ihm jede Sekunde durch Stockie drohte, schon eine Sache.

 

Stockie, groß genug, einem Kerl mit Gardemaß gefährlich werden zu können. Selbst nicht mit so einem lupenrein weißem Gebiß. Jedoch mit einem Maul, das Stockie weit aufklaffen lassen konnte, um mit den Zahnreihen zuzufassen.

Stockie in der Lage, jemand zu zerfleischen. Mit einem anzustellen, was immer ihm beliebte.

Keine Ahnung, wie man so ein Riesentier als Schoßhündchen halten konnte. Stockie, eher der Fall für einen Zoo.

 

Verschiedene herumliegende Kleiderhaufen am Steinfliesenboden kamen Joachim zu Bewußtsein. Alles an ihnen, das ungefähr denselben Eindruck auf Joachim machte, wie das Bündel Lena Gesings.

Auch hier staken die Strümpfe in den ledernen Halbschuhen und das untere Hosenbein umhüllte die Socken.

Geradezu stand Joachim eine Horrorszene vor Augen. Die aus aus seinen schlimmsten Alpträumen. Im Traum, daß die Körper Margas, Willys durchsichtig wuren.

Fast erweckte es den Eindruck, daß Menschenkörper sich in Luft auflösten. Der stofflich bleibenden Gewandung entfleuchten.

Oder - wie war das hier Wahrzunehmende sonst zu verstehen? Lena Gesing, sie hatte keinen heißen Strip hingelegt. Für nichts und niemanden.

Trotzdem, mit allem hier geistig zurechtzukommen, das war schwierig. Angesichtd einer letzten Information, die trotzdem weiter fehlte.

 

 

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