1. Teil: 18.4
Ein seltsames Stöhnen drang Joachim in den Gehörgänge.
Was an das Zähneklappern erinnerte, das ihn vor kurzem zusichkommen ließ. Auch die Stöhnlaute, die ihm selber entstammten.
Auf den Bauch konnte Joachim sich unvermittelt drehen, noch ein Stückchen näher zur Haustür hinrobben.
Das flackernde Feuerzeugflamme zeigte Joachim die verschiedensten Kleidungsstücke, die in der unmittelbareren Nähe der Ein- und Ausgangstür am Fliesenboden rumlagen.
Ein schwerer Regenmantel war das obere eines Kleiderhaufens.
Neben dem Haufen leuchtete Joachim mit dem brennenden Feuerzeug über zwei schlampig zusammengerollte Jeanshosen.
Wie absichtsvoll nebeneinander hinplaziert.
Ein Paar parallel stehender Wanderschuhe beleuchtete Joachim auch.
Er selber hätte die Schuh in der Weise für sich bereitstellen können.
Das eine Leuchten auf der Schwelle der Hausüre hatte Joachim vor seinem geistigen Auge. Das aus seinem Alptraum.
Obwohl es um ihn her finster war, nachdem er die Flamme des Wegwerffeuerzeug ausgehen hatte lassen, bildete er sich ein, die dastehenden Stiefel zu erkennen.
Das, das wie absichtsvoll Hingestellte war reine Unheimlichkeit.
Daß da was wie hingemankelt aussah, und es trotzdem nicht direkt mit Leuten in Verbindung zu bringen war, das war nicht von schlechten Eltern.
Daß sich fragen ließ, was das sollte. Warum sollte irgendeine jener Leuchtkugel solcherart Späßchen treiben wollen?
Wie war die Fortsetzung der Geschichte, spann er da die Überlegungen weiter?
Zur nachtschwarzen Vorhallendecke reckte Joachim den Kopf hoch.
Oberhalb war nichts zu bemerken.
War es nicht besser, an sich selber als den Spaßmacher zu denken?
Schließlich, da war was doch Mist, für so ein sonnenähnliches Kugeldings.
Alleine, die Vorstellung, daß so ein Flugteil zu so was eine Beziehung haben konnte, solcherlei spaßige Sachen anzustellen.
Frage: Brachte der Mist einem Ding, wie einem jener Kugelgebilde irgendwas?
Es blieb für Joachim dabei. Daß er zwar nicht wußte, wie, weshalb. Trotzdem war es, als wäre jemand im Haus gewesen, hätte da Sachen bereitgelegt.
Nur - auf seinen zwei Beinen war niemand zur Haustür hereingekommen. Hilfsbereites im Sinn von Mitmenschlichkeit war das nicht, das die Szene in sich barg. Auch wenn darüber nachzudenken war, den Regenmantel zu fassen und in ihn reinzuschlüpfen.
Schwer zu sagen, ob er den Mantel mittlerweile länger tragen konnte.
Demnach, wenn er seine Situation zusammenfaßte, war er ziemlich sich selbst überlassen. In einer Situation, in die zu kommen, sich normal nie einer wünschen würde. Mit Abenteuerlust hatte das Momentane bei ihm nichts zu schaffen.
Da hatte ihn was Optik eines befremdlichen Fluggerät wahrgenommen, wie er bewußtlos am kalten Fliesenboden rumlag, mit kaum was an.
Statt sich um die Gesundheit Joachims zu sorgen, kümmerte DAS Unbekannte sich darum, daß die Gebäudetür offenstand. Eisig kalter Wind, der hereinwehte.
Regen erlauschte Joachim. Regen, der anfing, immer heftiger auf den Gehsteig niederzuprasseln. Regelrechter Starkregen. Eine wahre Sturzflut.
Wäre hier der eine oder andere Mensch vorübergekommen, wäre ein Lichtschalter gedrückt worden. Ein klein wenig später wäre Joachim auf der Reise gewesen. In ein Krankenhaus.
Vor Kälte schlotterte Joachim jämmerlich vor sich hin.
Wenigstens war die Schlotterei ein Zeichen, daß das mit dem eigenen Befinden noch einigermaßen normal war. Wenn schon sonst nicht viel normal war.
Viel schlimmer wäre es gewesen, hätte es sich nach Hitze und somit Fieber angefühlt. Dann ...
So wartete er weiter noch darauf, sich den Tod zu holen. Was zu einer Sekunde zur anderen der Fall sein konnte.
Sturm und Regen wollten außerhalb vom Gebäude nur unwesentlich nachlassen.
Den Kopf hob Joachim in die Höhe, starrte Richtung Haustüröffnung, ließ das Feuerzeug auf ein neues ein kleines Weilchen aufleuchten.
Das nächstemal, daß ein Schreck ihn durchzuckte.
Das Wohngebäude, es war im Grunde doch auch Stockies Heimat. Von hier aus gingen die Dottlers mit Stockie Gassi.
Die Angst, die Joachim tief in sich spürte, war, daß Stockie jeden Moment durch die offenstehende Tür hereingelaufen kam. Um Schutz vor dem Regen zu suchen.
Eine unleugbare Tatsache: auch Stockie war in dem Wohngebäude daheim.
Der Horror überwälitgte Joachim, daß Stockie ...
Gewimmere entfloh ihm.
Stockie, zwar nichts Dämonisches, lediglich ein Hund. Nicht mit einem der zumeist grell leuchtenden, daherschwebenden Kugelkörper zu vergleichen. Einer, der mit Sicherheeit mit seinem grellen Leuchten den Türrahmen zuletzt vollständig ausgefüllt hatte.
Nur, wenn Stockie urplötzlich in die Gebäudevorhalle hereinstürmte, war das eine so schlimm wie das andere.
Stockies Zahnreihen waren am Ende einfach fürchterlich.
Wahrhaftige Reißzähne, die eines Raubtieres, das Fleisch fraß. Die hatte Stockie im Maul.
Wenngleich Herrchen und Frauchen Stockie das Fressen hinstellten. Aus der Dose. Ein Inhalt mit leckeren Fleischstückchen. Zumindestens für den Hund war die Sauce, die Paste Leckeres. Der Hund, der es sich schmecken lassen konnte.