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Blog von TeddeMehr

DeMehr's K.K.-Expo, I 10

28. März 2013 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #K.K.

 

10. Taschen unter Palmen

 

* Außer frisch aus den Eiern geschlüpften Mini-Schildkröten, die auf dem Weg ins Meer waren, begegnete dem Spähtrupp, der den Strand runtermarschierte, nichts. Irene Depart und Gina Davies ließen wissen, daß sie sich mal kurz entfernen würden, "Frauengeschäfte". Stumm warteten René Depart, Ivan Hammer und Pierre Raul; die Damen ließen sich Zeit. Plötzlich war Schreierei. Irenes Schreie; kein Wort war zu verstehen. Schlagartig brach das Gekreische ab. Ohne daß einer von ihnen ein Zeichen gegeben hätte, stürzten René Depart, Hammer und Raul zwischen die Büsche, stürmten dorthin, wo geschrien worden war.

 

* René Depart, die Pistole vor sich haltend, Hammer und Raul, ihre Gewehre in Anschlag, entdeckten Gina Davies, die im Sand dahockte, Irene streichelte, die ihr den Kopf in den Schoß gelegt hatte. Irene schluchzte, zitterte am ganzen Leib wie ein Espenlaub. Leise redete Gina auf Irene ein.

 

* Gina Davies berichtete, daß Irene einer Fußspur gefolgt wäre. Unter Palmen hätte Irene eine mannsgroße Tragtasche entdeckt. Die Neugierde hätte Irene übermannt, und sie habe den Reißverschluß der Tasche aufziehen müssen. Das Gesicht einer Frau wäre zum Vorschein gekommen, da hätte Irene zu kreischen angefangen. Und dann wäre Irene weggelaufen.

 

* Nur kurz mußten Ivan Hammer und Pierre Raul suchen. Es waren sogar vier schwarze Tragtaschen in Männergröße mit zweimal zwei Griffen aus Leder, aus denen ein Summgeräusch zu vernehmen war. Von jeder der Taschen aus lief ein Draht eine Palme hinauf. Das seien Kühltaschen, rief Raul; durch den Draht würde Strom geleitet. Da war diese Frau, deren regloses Gesicht aus der Tragtasche herausschaute. Eine Situation zum Frösteln, empfand René Depart, und er konnte Irenes ausgeflippte Reaktion überaus gut verstehn.

 

* Für Ivan Hammer und Pierre Raul war das das wenigste, auch noch die Reißverschlüsse der übrigen Kühltaschen aufzuziehen. Drei glatzköpfige, mittelalte Kerle und eine kurzhaarige Frau undefinierbaren Alters, alle splitterfasernackt. Sehr merkwürdig, alles. Denn die Art, wie die Männer und die Frau aussahen, wirkte, als könnten die vier jeden Augenblick die Augen aufschlagen, sich mit einem Ruck aufsetzen, fragen, was denn hier los wäre, wie sie hierhin kämen.

 

* Ivan Hammer konnte nicht genug kriegen; grinsend machte er sich daran, den am nächsten bei sich befindlichen Toten in der Tragtasche aufzusetzen. Das Haupt des Mannes kippte nach vorne auf die Brust. Irenes Schrei gellte. René Depart, Raul und Davies sahen es auch: zwei  fingernagelgroße Wundmale am Nacken des verstorbenen Unbekannten. Hysterisch sprach Irene von "Vampiren"; genau solche Male hätten die Opfer in Vampir-Filmen.

* Die drei Männer und die Frau - sie hatten allesamt die gleichen Verletzungen: diese zwei kreisrunden Wunden, fingernagelbreit, ungefähr fünf Zentimeter auseinander, praktisch parallel, im Nacken. Irene wollte nicht von dem Vampir-Gedanken abkommen. Das wäre doch glasklar, daß die vier an Blutverlust gestorben seien. Ivan Hammer zuckte die Schulter, bleckte die Zähne, meinte, er glaube, er hätte noch etwas anderes hier gesehen. Grob rollte Hammer den toten Mann in der Tragtasche in die Seitenlage, bis die Sicht gut war. Alle hier sollten mal zum Schauen kommen, versetzte Hammer, wiederholte es, bis jeder gehorchte, hinguckte. Das Emblem eines Seehundes mit dem Schriftzug "American Navy" darunter war zu blicken. Das waren tote Amerikaner; amerikanisches Militär kannte das Eiland.

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