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Blog von TeddeMehr

deMehr's K.K.-Expo, I 18

5. April 2013 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #K.K.

 

18. Der Besuch im "Kasino"

 

* Bei den Pfahlbauten blieb es ruhig. Vielleicht ginge es hier bei Dunkelheit richtig ab, konnte Raul den Mund nicht halten; wenn die Lichter brennen würden, die Neonreklame am Dach des größten Holzbaus aufleuchte, das Wort "Kasino" blinke ... Pierre Raul lachte. Männliche, weibliche Soldaten, setzte Raul fort, Alkohol, was zu rauchen. Das Leben, das müßte doch nicht immer aus langweiligem Dienst bestehen, aus Sitte, Ordnung und Gehorsam; zwischendurch könnte man doch auch Spaß miteinander haben. Die Offiziere mehr, die gewöhnlichen Soldaten weniger.

 

* Sie sollten von hier verschwinden, zurück, in die Richtung, aus der sie gekommen wären, sprudelte es aus René Depart heraus; dort müßten sie überlegen, wie das mit dem Spähtrupp weitergehen sollte. Irene Depart schüttelte zu ihrem Vater hin den Kopf, das bockige Mädchengesicht aufgesetzt. Gleich darauf, ohne über ihre Absichten zu unterrichten, brachte Irene Depart sich in Bewegung, war weg. Irene schritt über den Platz, auf den großen Pfahlbau zu, auf dem die aufgerichtete Neonreklame mit dem Wort "Kasino" draufstand, das Strohdach schmückte.

 

* Wenn Irene zurück wäre, würde sich der Trupp zur "Peter" zurück auf den Weg machen, zeigte René Depart sich jetzt fest im Entschluß; die Mannschaft der "Peter" müßte eben zusehen, die "Peter" alleine irgendwie flott zu bekommen. Außerdem hätten sie Diesel und einen Motor, bräuchten keine Segel. Müde nickte Pierre Raul. Gina Davies hatte sich von René Depart abgewandt. Ivan Hammer zupfte an seiner Kleidung herum, als wären dort irgendwelche Stacheln wegzureißen. Ein Schrei. Ein Schrei aus dem größten Pfahlbau. Eine weibliche Stimme. Irene, die schrie. Ohne groß sich mitzuteilen, rannte Ivan Hammer los, Irene zu Hilfe. Mit gerunzelter Stirn verstellte René Depart Pierre Raul und Gina Davies den Weg, ehe sie ebenfalls davon waren. Irgendwer müßte hier sichern, erklärte Depart; es wäre nett von Pierre und Gina, wenn sie beide das tun würden.

 

* Atemlos horchte René Depart, die Handfläche an der Holztüre, die angelehnt war. Depart erlauschte ein Schluchzen; Irenes Schluchzerei. Langsam stieß Depart die Türe ganz auf. Da stand Ivan Hammer, fast in der Raummitte, Irene im Arm, Irene, die den Kopf an Ivan Hammers breite Männerbrust drückte. Früher mußte das einmal ein angenehmer Gesellschaftsraum mit allem Drum und Dran gewesen sein, empfand René Depart: ein großer Billardtisch, wo Ivan Hammer und Irene beieinanderstanden. Bequeme Bastsessel. Rundtische. Sofas. Eine langgestreckte Bartheke mit Tür seitlich, wahrscheinlich in die Küche. Der einzige Bildschirm im Raum war der eines großen Fernsehgeräts, knapp unter der Decke. Mitten im Fernseherbildschirm steckte ein armdicker Ast. Die Scherbenbatterie der Flaschenwand hinter der Theke: jemand hatte die Flaschen als Zielscheiben benutzt. Die bunten Langsofas waren zerschnitten, der gelbe Schaumgummi herausgerissen. Ein paar Stühle, zerdeppert, andere einfach bloß umgeschmissen. Am Billardtisch: das Grün durchstoßen und an einigen Stellen mit Liebe zerschnitten. Irgendwie ein Zeichen, für den, der da käme, sich das Ganze einmal anzuschauen.

 

* Ivan Hammer, der Irene losließ, Irene, die sich die Hände vors Gesicht geschlagen hatte, forderte René Depart auf, beim Nordfenster mal hinter die an die Wand gestellte Tischfläche zu gucken. Die Ahnung, daß er dort nichts Angenehmes zu schauen bekäme, bestätigte sich für René Depart: fünf Totenköpfe und ein Haufen Knochen. Im Dschungel müßte niemand lange warten, bis er abgefieselt wäre, wenn sich niemand drum kümmere, versetzte Hammer. Und Hammer setzte fort: Ein Schädel hätte einen glatten Durchschuß. Außerdem hätte er, Hammer, einen Stoffetzen in der Hand gehabt. Das Stück einer Uniform. Samt Abzeichen. Ein Offizier. Die Toten, amerikanische Soldaten, Marinesoldaten, "Navy".

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