deMehr's K.K.-Expo, I 19
6. April 2013 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #K.K.
19. Fernes Schießen
* Der Trupp der "Peter" suchte Deckung zwischen den Bäumen; schoß jemand auf sie, traf es hier vielleicht nicht jeden zur gleichen Zeit. Zwischen ihnen herrschte Schweigen. René Depart beobachtete seine Freunde. Auffällig wie Pierre Raul schwitzte; außerdem hatten Rauls Wangen Flecken, an solche Flecken konnte Depart sich bei Raul überhaupt nicht erinnern. Ivan Hammer zuckte der Mundwinkel; Hammer wischte sich verstohlen über die Stirn und die Wangen. Auch bei Gina Davies war auszumachen, daß etwas nicht stimmte; eine Art Verstörtheit, Unruhe bei Davies, nichts, das viel mit Davies' üblichem Gehabe einer lebenslustigen Abenteuerin zu tun hatte. Und Tochter Irenes Blick: ewig leer, seit sie aus dem "Kasino" draußen war; Irene, ein hübsches Püppchen. Das alles erzählte René Depart, daß es bei ihm nicht viel besser aussah, und daß es jetzt reichte; hier und jetzt reichte es.
* Die Mehrheit stimmte darin überein, der nächste Weg wäre der auf die "Peter". Jeder des Spähtrupps war damit einverstanden, zurückzugehen. Nur Irene Depart verweigerte ihre Zustimmung, obwohl sie nicht gerade gut aussah, eher wie eine mit teigiger, bleicher Totenmaske. Eben beabsichtigte der Spähtrupp, aufzubrechen, von dem Ort der Pfahlbauten loszumachen, um nach Möglichkeit vor Einbruch der Dunkelheit auf der "Peter" anzukommen, da hörten sie ferne Schüsse. Eindeutig das Geräusch von Gewehrfeuer. Irgendwer ballerte auf irgendwen oder irgendwas, nichts Neues, seitdem sie an Bord der "Peter" vor dem Eiland eintrafen.
* Herausfordernd starrte Ivan Hammer René Depart ins Gesicht. Sich hinterm Ohr kratzend, meinte Hammer, ob das nun Unglück wäre, egal; das Glück der Welt müßte das gewiß nicht sein. Aber es wäre ein trotzdem ein Zeichen, ein Zeichen dafür, daß sie von der "Peter" noch ein letztes vorhätten. Und zwar das, einen Blick auf diese Leute zu werfen. Sonst wäre der ganze Auftrag sinnlos gewesen, mit dem sie von der "Peter" aufgebrochen wären. Am besten wäre es jedoch, sich diese Leute anzuschauen, ohne selber gesehen zu werden. Das müßten sie jetzt bringen, wenigstens das.
* Der Pfahlbau des "Kasinos" und der gesamte Rest blieb hinter ihnen, als hätten sie das Gesamte geträumt. Wo der aufgeschüttete Kiesweg im Dschungel sich fortsetzte, schritten die Leute von der "Peter" voran. Keiner von ihnen, der nicht sein Gewehr schußbereit hatte, die Pistole. Fast waren sie auf jede Überraschung gefaßt, nur daß sich nichts weiter abspielte. Ein paar einzelne Schüsse, die sich jedesmal lauter anhörten, das war es. Dann verhielt der Spähtrupp im langsamen Marsch, schauten allesamt nachdenklich. Zwischen hohem Fels mündete die Dschungelstraße in eine Passage. Von jenseits des Felsspalts war Männergejohle zu vernehmen; schrill kreischte Weiblichkeit. Das klang spaßig. So was hatte nichts Bedrohliches. Vielmehr: Wollte man nicht dort hin? Und das war sofort Irenes Idee. René Depart forderte Irene auf, bei ihren Freunden zu bleiben; die auf der anderen Seite, das wären nicht ihre Freunde.
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