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Blog von TeddeMehr

deMehr's K.K.-Expo, I 29

15. April 2013 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #K.K.

 

29. Der dicke Brummer aus dem Mund

 

* Jedes Zeitgefühl war René Depart abhanden gekommen; Verzweiflung machte sich in ihm breit. Als hätte es die Viecher vorher nicht genauso gegeben, umschwärmten ihn die Insekten in Massen, sobald er einmal eine kleine Pause einlegte. Überall, wohin er auch ging, war er von einer diversen Meute von Fluginsekten umgeben. Außerdem hatte René Depart die Hosenbeine zerrissen, was im Sumpf Blutegeln und sonstigem Getier die Möglichkeit bot, sich ihm an der Haut festzusaugen.

 

* Hin und wieder war um René Depart herum Gehusche. Ohne daß er je zu Gesicht gekriegt hätte, was dort huschte. Einmal war René Depart, daß sich ihm im Sumpfwasser etwas Größeres näherte. Dem Gefühl René Departs nach war das andere ihm bereits sehr nahe. Eine feste Fläche Erdboden im Sumpf war die Rettung, bewahrte ihn davor, das kennenzulernen, was ankommen hatte wollen. Reines Glück.

 

* Zwei Schüsse krachten. Ein Schrei, von einem Mann. Gar nicht so weit von René Depart entfernt. René Depart raffte sich von dem dicken Wurzelstrunk hoch, auf dem er sich zur Rast niedergelegt hatte, gleichgültig gegen die kleinen Drecksviecher, die sich auf ihn draufhockten, Blut zu saugen. Der wahnsinnige Einfall kam René Depart, einen der Jäger zu überwältigen. Die Jäger hatten die Waffen, die funktionierten. Mit einer Schußwaffe in der Hand, das war sofort eine andere Lage. Von diesem Gedankengang befeuert, schlug René Depart ungefähr die Richtung ein, aus der die Schüsse zu vernehmen gewesen waren.

 

* Vor René Depart erschien ein vermoderter Baum, übermannshoch, bloß noch zwei Zweigstümpfe droben. Hier war er, René Depart, schon mal; die Wahrheit, daß er nichts anderes getan hatte, als im Kreis herumzuturnen. Gereizt näherte sich Depart dem Baumüberrest. Unvermittelt glaubte René Depart, irgendwas im Wasser zu sehen, etwas wie ein grünes Hemd. Ein paar weitere Schritte, weiterhin fester Boden. Scharf sog René Depart die Luft ein. Das war Hammer, Ivan Hammer. Ivan Hammer, bis zur Brust in Sumpfwasser. Verschiedene Insekten umschwirrten Ivan Hammer, der die Augen weit aufgerissen hatte, dem der Mund offenstand. Mitten in der Stirn hatte Ivan Hammer einen daumennagelgroßen roten Punkt. Zwischen Ivan Hammers Lippen schlüpfte ein echt fetter, schwarzer Brummer heraus, erhob sich in die Luft, wählte zweimal die Umlaufbahn um Hammers Kopf.

 

* Wenn einer aussah, als könnte er nie sterben, dann war das Ivan Hammer. Ivan Hammer, das war die Lebenskraft in Person. Und jetzt war dort ausgerechnet Ivan Hammer, Ivan Hammer, der Tote an diesem Ort, im sumpfigen Wasser. Eine Stimme drängte sich René Depart ins Bewußtsein. Die Männerstimme meinte, ehe er seine Trophäe nicht hätte, wäre daran kein Gedanke zu verschwenden, zurückzugehen. Den Kopf würde er abtrennen, einpacken. Das würde ein schöner Schrumpfkopf, und die Kugel, die würde er in eine Schatulle legen, eine Klarsichtschatulle, unten mit rotem Samt.

 

* In Ruhe, aber doch so geräuschlos und schnell wie möglich, suchte René Depart, sich davonzumachen; ins Sumpfwasser durfte er dabei nicht treten, das würde sofort gehört. Da wäre der andere, gellte eine Frauenstimme. Schüsse krachten augenblicklich, und René Depart spürte einen schweren Schlag gegen die linke Brust, der ihn rückwärts warf. Zum Glück fiel er nicht ins Schmutzwasser, sondern landete zwischen Wurzelsträngen. Die "Grünen" griffen an, kreischte die Frauenstimme. Schießen. Das war das letzte, was René Depart erlauschte.

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