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Blog von TeddeMehr

deMehr's K.K.-Expo, II 5

8. Mai 2013 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #K.K.

 

5. Die Tochter des Zirkusdirektors

 

* René Depart tigerte im Motelzimmer auf und ab. Wieder hielt er vor dem Fenster an, schaute hinaus. Außerhalb sah er nichts als bleiches Neonlicht aus der Nebelsuppe leuchten. Er würde sich jetzt erst mal eine Zigarre anzünden, verkündete Jack Spearbow, der auf dem Sofa lümmelte, Bier trank; die Braut würde sicher kommen. Es klopfte. Auf der Stelle sprang René Depart zur Tür, drückte die Klinke, öffnete. Rebecca Sponti stand auf der Schwelle, Sonnenbrille vor den Augen, den Kragen des grauen Männertrenchcoats hochgestellt, einen roten Schal vor den Lippen. Lächelnd bat René Depart Rebecca Sponti herein. Natürlich käme sie gerne überallhin, wenn der Mann, der dem Zirkus Sponti zweihunderttausend Dollar spendete, das von ihr verlangte, meinte Rebecca Sponti, nachdem sie in die gute Stube reingeschritten war, die Sonnenbrille abnahm, sich von Schal und Trenchcoat befreite. Zwar verstünde sie nicht, warum sie den Gönner, der dem Zirkus über die nächste schwere Zeit hinweghalf, nicht in einem besseren Rahmen der Öffentlichkeit präsentieren dürfte, warum daraus ein Geheimnis gemacht werden müßte, aber der, der zahlte, der hätte das Sagen. Da wär sie nun, in diesem Hinterzimmer in einem billigen Motel, statt in einem noblem Restaurant zusammen mit Zirkusmitarbeitern und Freunden.

 

* Was er nötig hätte, wären Informationen, raunte René Depart Rebecca Sponti hin, die auf dem einzigen Stuhl in der kargen Räumlichkeit Platz genommen hatte. Die rothaarige, hübsche Rebecca Sponti nickte. Jaques hieße der Mann, hinter dem er her wäre, informierte René Depart; Jaques, das wäre der Mann, der ihm an einem mysteriösen Ort die Tochter genommen hätte. Wenn ihr Vater nicht spurlos verschwunden wäre, wäre der gewiß der bessere Ansprechpartner, redete Rebecca Sponti, die Stirn gerunzelt. Seltsam, daß bloß die Zugwaggons total ausbrannten, in denen sich die präparierten Dinosaurier befunden hätten, die der Zirkus Sponti in seiner "Dschungel-Schau" ausstellte, wechselte René Depart das Thema. Es wäre jetzt gewiß, daß sich ihr Vater Dominik in keinem der Waggons befunden hätte, unterrichtete Rebecca Sponti. Die Sachverständigen, die der Zirkus zuzog, bestätigten außerdem die Tatsache, daß es ein Kurzschluß gewesen wär, der zu dem Brand geführt hatte, der schnell von Waggon zu Waggon übersprang. Unzufrieden blaffte René Depart, daß das ein Blinder sehen müßte, daß die Sache zum Himmel stank, daß es die, die das Feuer gelegt hätten, nur darauf abgesehen hatten, die Dinosaurier-Ausstellung lahmzulegen.

 

* René Depart stellte fest, daß er seinem "Freund" Jaques schon ein Stückchen näher wäre, wenn er wüßte, woher der Zirkus Sponti die Sammlung der präparierten Dinosaurier hätte. Ihr Vater hätte die großen Kisten einfach von seiner letzten Reise nach Südamerika mitgebracht, gab Rebecca Sponti zurück. Es wäre für sie alle unfaßlich gewesen, als ihr Vater die Kisten hatte öffnen lassen. So was hatte die Welt noch nicht gesehen: Dinosaurier, die aussahen, als könnten sie jeden Moment lebendig auf einen zuspringen. Oft hätte sie sich vor dem Ende der Schau gefürchtet, wenn sie die letzte war, die das Licht ausmachte; unglaublich echt, plastisch und lebendig, diese Kreaturen. Ihr Vater Dominik hätte einmal nebenbei gemeint, er hätte die Dinosaurier für einen Sonderpreis gekriegt; wieviel genau das trotzdem war, hätte ihr Vater nie preisgegeben. Außerdem hätte Vater Dominik, weil die Schau solch ein Publikumserfolg war, richtig Geld in die Kasse des Zirkus spülte, in kürzester Zeit sämtliche Schulden des Zirkus Sponti getilgt.

 

* Woher die Präparate kämen, da wüßte sie was, versetzte Rebecca Sponti, blickte in irgendwelche unbestimmten Fernen. Sie könnte sich erinnern, daß ihr Vater Dominik von einem General gesprochen hätte. Ihr Vater Dominik war in Südamerika unterwegs, um Tiere für den Zirkus einzukaufen. Auf einer seiner Fahrten durch die Lande hatte Vater Dominik den Generals getroffen. Ihr Vater hätte bei dem General gespeist. Nach dem Essen hätte der Mann zu ihrem Vater gesagt, daß er da vielleicht etwas Nettes wüßte, etwas, wofür Vater Dominik sich brennend interessieren würde. Am nächsten Nachmittag erschienen zwei Unteroffiziere im Hotel ihres Vaters. Zu dritt stiegen sie in einen großen Wagen. Vater Dominik durfte nicht mitbekommen, wohin die Fahrt ging, also verband man ihm die Augen; keine angenehme Sache. Als Vater Dominik die Augenbinde wieder abgenommen wurde, befand man sich in einer größeren Lagerhalle, in der große Dinge herumstanden, alles mit weißem Tuch zugedeckt. Nachdem eines der Laken heruntergezogen wurde, stand dort ein Dinosaurier Vater Dominik gegenüber. Ein riesiger Saurier, der so echt aussah, daß Vater Dominik am liebsten davongerannt wäre. Das war es; Vater Dominik zahlte den verlangten Preis, handelte nicht lange wegen dem Geld. Vater Dominik war überzeugt, etwas Echtes vor sich zu sehen; die Arbeit eines hochbegabten Künstlers und Präparators. Klar könnte sie, Rebecca Sponti, die Sachen ihres Vaters Dominik auf den Kopf stellen, nachschauen, ob sie nicht doch Hinweise darauf fände, in welchen Ländern Südamerikas Vater Dominik sich gerade zu der Zeit herumtrieb.

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