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Blog von TeddeMehr

Froemmler allueberall

22. Dezember 2016 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #Kurzware

Ein netter, freundlicher, anständiger Typ. Gläubig. Fromm. Immerzu im Tempel. Mitten zwischen den Betern knieend. Aufgefallen ist er keinem viel. Nur warme Worte, die man für ihn dort, in seiner Gemeinde, übrig hat. Ein Anständiger unter Anständigen.

Hat nur ein wenig mehr gebetet, schlecht von anderen Religionen, Andersgläubigen geredet. Seinen Glauben aber mehr gelebt als andere.

Die Täter, was die alles anstellen, vorher! Vor so Untaten, daß sie brav religiöse Regeln befolgen. Ganz, ganz Brave, Folgsame. Wollten sie ja auch, leben, ganz nach der Vorschrift der Schrift, die ihnen heilig war. Pünktlich hat jeder immer seine Gebete gesprochen. Nur eins verpaßt, wenn's mal nicht anders möglich war.

Jede Menge Gebetseinheiten haben so Personen also gesprochen, ehe sie aufbrachen. Nach der Art seiner Religion rituelle Waschungen an sich volllzogen. Innere Reinigungen. Alles mögliche angestellt, wie es vom im Glauben Lebenden gefordert war. Ehe man dann aufbrach. Gleichzeitig hatte der eine oder andere darüberhinaus geistige Unterstützung mit Anleitung, was zu tun wäre. Hat Verbindung gehalten zu seinem geistlichen Führer. Solange er konnte. Daß man das auch wirklich unternehmen konnte, was man getan hat. Daß es etwas Leichtes war. Und auch danach reinigte er sich sofort, vollführte Verlangtes. Hatte vielleicht dabei gewisse Ansprache, daß alles leicht werde ums Herz, die Reinheit wiederkehre. Die geringe Beschwernis. Aller Untat zum Trotz.

Eine Stimme war zu hören: "Ungläubige" hätte er im Sinne seiner Religion umgebracht. Nur "Ungläubige". Leute, im Grunde auch nichts anderes als irgendwelches Vieh. Tun und lassen kann man mit den "Ungläubigen", was man will. Sie in den Dreck stoßen, dabei das Wenigste.

Steht tatsächlich so in religiösen Textzeilen. Nachlesbar.

So sehen SIE die Sache!

So sollte der, der deswegen ausging, es betrachten, als einer, der seinen Glauben entschlossen lebte.

Das gab es schon lange zuvor von seinen Vorbetern zu erfahren: Daß es ihm nicht schwer ums Herz sein müßte, ermordet er "Ungläubige". "Ungläubige" dürfte er eigentlich töten, so viele, wie er will. Mit ihnen anstellen, alles, ganz, wie es beliebt.

Angesehen ist er nun bei seinen Freunden sogar noch mehr. Nachdem er getan, was er tun mußte, ist er bei ihnen vorn. Durch ihn gibt es ein paar Ungläubige weniger auf der Welt. Deswegen würde man ihn gewiß nicht verachten, könnte er jederzeit dorthin zurückkehren, in die Gemeinde, aus der er herkommt. Umarmen würde man ihn. Jede Menge Ansehen, Ehre könnte er dort empfangen. Der Vorbeter war und ist mit ihm. Wäre da eine Schwere in seinem Herzen, der Vorbeter würde alles dafür tun, daß ihm sofort wieder leicht ums Herz würde.

Das ist die eine Religion. Das andere ist auch Religion. Eine Religion. Wenn man sich dorthin begibt, in ein Gotteshaus, dort zu trauern. In das Gotteshaus von Leuten, in deren Schrift eigentlich ebenfalls das drinnensteht, was den einen religiösen Mörder zu seinen Untaten veranlaßt hat. Auch da kann man Zeilen entdecken, nachlesen, wie mit "Ungläubigen" zu verfahren wäre. In jenem einen Hauptbuch der Bücher steht es geschrieben wie im anderen. Was zu tun wäre, mit denen, die das nicht annehmen wollen, was man selber angenommen hat, glaubt.

Alles ist also Religion hier, und keiner möchte im allgemeinen größer über Religion nachdenken.

Ein Priester steht oben an der Kanzel, spricht vor den Reihen der Trauernden. Während ein anderer Priester ähnlichen Rangs jederzeit auch den Mörder bei sich aufnehmen könnte. Ihm für ein Weilchen Unterschlupf gewähren. Ihn zu umsorgen. Ihm zu essen und zu trinken zu geben und zu umsorgen und zu hegen. Ihm weiterzuhelfen auf seinem Weg.

Nebenbei, noch 'ne Frage: eine "Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche".

Was, bitteschön, ist eine "Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche"? "Kaiser Wilhelm"? Was "Kaiser Wilhelm-Gedächtnis"?

Glaub ich das? Glaub ich, ich brauch 'nen gekrönten "Kaiser"? Bin ich schon ganz "Kaiser" hier?

Sind schon wirre Zeiten. Irre wirr. Für die geistige Verwirrung ist viel unterwegs.

 

 

 

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