Der, der nicht nach Schweden möchte
Oh, also, der von der Aufklärungsplattform, der in London in der Botschaft von Ekuador hockt, bekommt Besuch.
Nein, nicht von den schwedischen Behörden.
Davon ist nicht die Rede, daß es sich um das mit dem Vorwurf der zweifachen Vergewaltigung dreht. Daß hier die schwedischen Behördenvertreter in den Botschaftsräumen auftauchen.
Das sind derzeit, Anfang des Jahres '17 nach dem Millenium, gerade nicht die Besucher, von denen getextet wird, wenn sein Name ins Spiel kommt.
Vielmehr sind es Amerikaner, die bei ihm um Besuchszeit nachfragten, vorbeikommen. Echte Fernsehjournalisten aus den Staaten fragen ihn an.
Abgesandte vom privatfinanzierten Nachrichtensender. Das erzkonservative Lager. Richtung: die Partei, deren Speerspitze derjenige ist, der es bei der Präsidentenwahl Anfang November des Jahres '16 irgendwie schaffte, doch der Gewinner zu sein. Ganz knapp.
Regelrecht feiern die den Republikanern nahe stehenden Medien in den USA den einen Australier momentan. Weil der mit seiner Plattform mitgeholfen hat, Zweifel an der demokratischen Gegenkandidatin zu säen, indem er mit Hilfe seiner Plattform mitten im Wahlkampf elektronischen Briefverkehr veröffentlichte.
Das finden bestimmte wertkonservative Kräfte in Nordamerika denn groß, loben glattweg ihn und sogar seine Enthüllungsplattform. Als hätten sie ihn bis kurzem nicht so was von gehaßt. Daß es im Augenblick so weit geht, daß er Fernsehsendern mit Parteinähe zu den nordamerikanischen Konservativen nun Interviews gibt.
Auch der eine, demnächst Jahr '17 der US-Präsident, zieht die Mundwinkel herunter, voll des Lobes für ihn. Lobesworte, die über seine Lippen kommen, bei ihm in technische Instrumente eingetippt werden. Als könnte einer sich des Danks sicher sein.
Kann er?
He, bald wird das ein ganz neuer Charakter als der, mit dem er in die Botschaft Ekuadors eingezogen ist. Daß sich die Frage zu stellen beginnt: Was hat er nun davon, sich bei dem Bald-US-Präsidenten lieb Kind gemacht zu haben? Ein Mann, der Bald-Präsident, ist das allerdings, ob der aber so beliebt ist bei denen, die in der Ekudoriansichen Botschaft das Sagen haben? Fast schon wirkt es, als hätten sich die Voraussetzungen geändert, unter denen er in den Botschaftsräumlichkeiten bleiben darf.
Könnte nicht irgendwann geradezu die Gefahr bestehen, daß er die Botschaftszimmer auf absehbare Zeit verlassen muß? Um sich doch vertrauensvoll in die Hände der britischen Polizei zu begeben. Die Briten, die altbekannterweise ein Auslieferungsabkommen mit Schweden haben. Daß er schnell in Auslieferungshaft gelangen könnte. Um alsbald Richtung Schweden abzudüsen. Doch persönlich bei seinem Gerichtsverfahren anwesend zu sein, das zwei Schwedinnen betrifft.
Kann er sich tatsächlich auf die verlassen, die morgen in den USA regieren werden? Könnte durch sie alles halb so schlimm kommen, wie er es immer vermutet hat?
Mit denen, die das weiße Haus frisch besetzen werden, daß sich für IHN was tut?
Da war was Anbiederndes mit dabei, als er mit seiner Aufklärungsplattform die e-Mail-Affäre der demokratischen Präsidentschaftskandidatein mitten während den besten Wahlkampftagen mit befeuerte.
Bisher dachte alle Welt dabei daran: daß die Plattform eben Aufmerksamkeit nötig hat.
Persönlich hätte ich sicher erst nach der Wahlentscheidung mit dem Veröffentlichen angefangen. Vor allem wegen des Typen da, der von sich als "Rechtskonservativer", "Anführers einer Bewegung" spricht. Dem zukünftigen Mauererbauer. Auf den hätte ich gut als US-Präsident verzichten können.
Nur, das war nicht.
Was hat man denn nun tatsächlich real davon? Sollte bei den Leuten Ecuadors größer Ärger entstanden sein, muß er vielleicht demnächst raus aus den Botschaftsräumen. Und die Schweden, die könnten immer noch einen Auslieferungsbescheid der USA positiv bescheiden, ist er erst in Schweden eingetroffen. Erst mal ein bißchen Gerichtsprozeß - und dann irgendwann: USA.
Hat sich die Welt in den USA denn für ihn in Echt auf eine Weise geändert, weil nun DER am zwanzigsten Januar des Jahres '17 aufs nordamerikanische Herrschergestühl raufsteigt? Oder könnte sich da nicht auch einer verrechnet haben?
Sind hier wirklich neue Möglichkeiten für ihn, daß er Altes genausogut wegwerfen könnte, wie die Deutschen im Zweiten Weltkrieg bei ihrem Eindringen auf russisches Staatsgebiet ihre Wintermäntel?
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