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Blog von TeddeMehr

Der Allmachtskapitän

1. März 2017 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #Kurzware

Durchaus witzig: Ein Journalist wurde in der Türkei wegen "Aufwiegelung der Bevölkerung" festgenommen. Obwohl er für eine Medienanstalt außerhalb der türkischen Regionallandschaft arbeitet.

Das heißt, auch wenn einer eher für eine Zeitung im Ausland schreibt, ist seine Wahrheit doch eine Gefahr für die türkischen Machthaber, die derzeit dafür trommeln, daß sich die Türken national in Despotenhand begeben.

Dahin wiegelt die eine Partei des Staatspräsidenten, der gerne die Allmacht im Staate für die offizielle Sicht der Welt hätte, die Bevölkerung auf. Daß sich der türkische Bürger, ergriffen von Nationalgefühl und ähnlichem, blind in sein Schicksal, das Diktatur heißt, ergeben möge.

Schließlich soll das alte Gebilde einer relativen Demokratie auf dem Staatsgebiet der Türkei durch ein Präsidialsystem ersetzt werden. Eins, in dem sich also kein Ministerpräsident mehr vor einem Parlament zu rechtfertigen hat, um Mehrheiten zu kämpfen. Obwohl die in jüngster Zeit immer ziemlich klar waren. Sondern ein einzelner Staatspräsident soll statt dessen die Allmacht im Staate erhalten. Seine einzige Rechtfertigung: vielleicht noch die vor "Gott". Und - ist das tatsächlich viel, wenn einer doch selber mindestens gottgleich sein könnte? Irgendwann mal, daß in Tempeln der eine Name schallt, daß er angerufen wird. Pilger, die an seinen Schrein kommen, ekstatische Gebete sprechen .... Ansonsten ist er zu Lebenszeit ein Dekrete-Schreiber, der bis hinab in die kleinste Ortsgemeinde durchregieren möchte. Mit harter, despotischer Hand. Lebenslang.

Dahingehend sollen sich die Türken einfinden, dafür wird ihnen das mit dem blinden Nationalismus, dem Pflichtbewußtsein vor der Nation vorgeredet. Wird ihnen was von der Notwendigkeit des neuen Systems erklärt, daß dann immer Milch und Honig fließe, türkeiweit. Weil unter dem einen Machthaber, Vorherrscher die Wirtschaft blüht, wie sie sonst nie blühen könnte, wäre alles noch beim alten.

Und jedes Schiff braucht einen Kapitän, der den Kurs vorgibt, sagen sie. Einzig und alleine einer kann an Bord das Sagen haben. Nur - wenn der Kurs eigentlich nicht mehr stimmt, könnte die mürrische Mannschaft auch ankommen, einen anderen zum Kapitän wählen wollen. Der wieder in die richtige Richtung fährt. Aber das weiß der eine Kapitän. blickt sich ständig um unter der Schar seiner Offiziere. Ob sie auch gehorsam sind, nicht andere Gedanken verfolgen. Damit das Schiff auf dem von diesem Kapitän bestimmten Kurs bliebe. Und wer in der Mannschaft murrt, der wird gefangengesetzt. Oder geht über die Planke. Wofür eine Todesstrafe auch gut wäre. Und dafür soll ein eigenens Referendum in der Türkei kommen. Eins, das vorgibt, die türkische Bevölkerung, die ständig nur in eine Richtung manipuliert wird, kaum einen anderen Horizont sieht, hätte sich dafür entschieden. Wenn das Volk das spricht, was soll dem Volk widersprochen werden?

Um auf den verhafteten Journalisten zurückzukommen: Der eine Journalist sitzt wegen "Volksverhetzung" im Gefängnis. Weil das nicht die Richtung ist, die er vertritt, in die die eine Ermächtigungspartei in der Türkei gerne die Leute hingehetzt hätte. Für die Gleichschaltung aller Institutionen in der Türkei a la Jahr '33 im deutschen Reich. Als der mit dem Bärtchen den Deutschen denn tanzte.

"Der Gewaltherrscher, der soll endlich offiziell eintreffen", singen sie als Mitglieder der einen Partei das Große-Diktatur-Lied: "Daß er nicht mehr nur per Dekret vor der Welt regiere. Sondern sein Wort Recht und Gesetz würde. Für sein weltweites Ansehen."

 

 

 

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