Overblog Alle Blogs Top-Blogs Literatur, Comics & Gedichte
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
MENU
Werbung
Blog von TeddeMehr

Altes Gift mit falschem Korpsgeist

8. Mai 2017 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #Kurzware

Hm, die "Tradition" ist doch eigentlich nur schwer zu nehmen. Was soll das überhaupt für eine Tradition sein, in der deutschen Europaregion? Hier was "Traditionspflege"?

Das aus der Vergangenheit, dreißiger, vierziger Jahre des letzten Jahrhunderts, das ist vergiftetes, besudeltes Heldentum. Weil der Held den, dem Falschen diente. Solchen, in deren Fänge die Heimat mit dem Bild des Nationalen geriet. Ein Personenkreis, der um den, der Charlie Chaplin fälschte, ja schlimmer als jeder Feind.

Es wurde von den Nationalsozialisten außerdem dafür gesorgt, daß niemand sich entziehen konnte. Daß nicht scharf von "SS" oder der "Wehrmacht" zu unterscheiden war. Die Wehrmacht durfte, konnte sich nicht abseits stellen; ganz davon abgesehen, ob das dort überhaupt welche wollten. Man kann von den Wehrmachtssoldaten nicht als die "guten Soldaten" sprechen.

Auch Wehrmachtsoffiziere drängelten sich nach vorn, sich am Treiben der SS hinter der Front zu beteiligen. Die Soldaten der Wehrmacht waren nicht nur einfache Soldaten, die in einem mörderischen Krieg mutig waren. Sondern vielfach auch an Erschießungen und Sonderkommandos beteiligt, die ihren Gipfel in Massakern, Greueln gegen die Zivilbevölkerung hatten. So rassistisches, vorurteilsbeladenes Leuteausheben und Racheunternehmungen in irgendwelchen Ortschaften, die man nichts als "Kriegsverbrechen" nennen kann. Die bis heute nichts als Kriegsverbrechen sind.

Deshalb ist ja auch Geschichte, daß die, die in fünfziger Jahren eine neue Soldatenstruktur in Westdeutschland einführen durften, sollten, manches anders machen wollten: Mit dem Geist der Bundeswehr, wie die damals neue Armee irgendwann hieß, sollte das der Wehrmacht aus dem dritten Reich wenig bis nichts zu tun haben. Ein scharfer Schnitt sollte sein.

Schließlich wollte man auch mit dem dritten Reich und seinen Herrschern und ihrem Geist kaum was zu schaffen haben. Das dritte Reich eben, das gerade auch den Helden pervertierte, seinem Heldenmut, seiner Opferbereitschaft einen Makel verlieh. Alles, was "Ehre" hieß, wurde durch die Nazis und ihre Ideologie, die sich umsetzte, eine Fratze aufgesetzt.

Schließlich waren viel zu viele Wehrmachtsoffiziere an zu vielen der Verbrechen im Dritten Reich massivst beteiligt. Dergleichen rassistisches Denken teilten sie, wie es sich in der SS als Mentalität abbildete. Schwer zu unterscheiden, wer eine Wehrmachts- oder eine SS-Uniform trug. Das lag geradezu im Momentum, welche Uniform einer gerade an sich präsentierte.

Deshalb konnte man sich mit dem zur damaligen Zeit neuen, fragilen Gebilde der Bundeswehr nicht naiv auf eine "Tradition" beziehen: Man verteidigte als Soldat mit der Waffe ja praktisch ein anderes Land mit einer anderen Geisteshaltung. Das Alte konnte niemand unkommentiert auf sich beruhen lassen, nach dem vielen, was in der Uniform deutscher Wehrmachtssoldaten während dem Krieg passierte. Worin sich Wehrmachtssoldaten einfanden. Daß es kaum Dritte-Reich-Offiziere gab, die man als Unbeteiligte irgendwo ausmachen hätte können. Um ihn für Bundeswehrsoldaten als Vorbild zu nennen. Tja, mutig waren einige schon, begingen Heldentaten, hatten Schlachtenglück, nur ...

Wenn im heutigen Bundesheer deshalb von "Traditionspflege" gesprochen wird, altvordere Wehrmachtsränge ins Bild kommen, ordenbewährt, ohne daß man genauer erfährt, was das früher für einer war, was der eventuell sonst noch im dritten Reich alles getrieben hat, dann ist das höchstens etwas im Geist eines falschen Geschichtsverständnisses. Oder, daß sich in der Bundeswehr damit wiedergängerische Kräfte zeigen, denen man wirklich keine Schnipsel an Vertrauen entgegenbringen sollte, dürfte.

Wenn sie sich etwa an Geschichtsverklärung versuchen, mit dem Spruch, die Wehrmacht wäre doch verschieden von der SS gewesen. Das stimmt jedoch ganz unzweideutig einfach nicht: Das Treiben der SS hinter der Front, an dem waren vielfach Wehrmachtssoldaten mit beteiligt. Und alles andere als willfährige Abgeordnete, sondern als handelnde Täter, die wußten, was sie als Kommando taten. Dem Wehrmachtssoldaten war klar, was er für Ideen an den Tag legte und wo er mit dabei war.

Das mit dem Heldischen im dritten Reich ist deshalb eine reine Giftküche. Denn dieser Held hat allzu vieles auf dem Kerbholz, auf eine unsägliche Weise. Wer im dritten Reich als Held starb, der ist ja geradezu als Held in einem falschen Geist für was Falsches gestorben. Für die falschen Leute. Da kommt das ganze Traditionspflegeproblem her, warum man alte "Helden" nicht einfach bei ihren altvorderen Heldentaten lassen kann, sondern er-, aufklärend was zu ihnen sagen muß, statt sie naiv zu verklären.

Unbesprochen, unkommentiert darf da das Wenigste von den Alten aus den dreißiger, vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts bleiben. Fast nichts.

Kritikfreiheit: beinahe verboten. Bei jedem "Helden" aus dieser Zeit könnten immer größerflächigere, bösere Flecke auf der nur vordergründig sauberen Weste zum Vorschein kommen ...

 

 

 

------

Werbung
Diesen Post teilen
Repost0
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post