Immer der Weg nach Den Haag
Wirklich, da gibt es in der Bundeswehr der Europaregion Deutschland Probleme mit der richtigen Einordnung von Erinnerungen an altvordere Zeiten. Tage, schon wieder länger her heutzutage.
Es geschehen Dinge, aus einer Einheitsgemeinschaft von Deutschen und Franzosen heraus, die gemeinsam antreten. Und es wird geredet, daß Bundeswehrsoldaten ständig was erzählt wird, wie toll etwa die Wehrmachtskommandos früher gewesen wären. Was für Soldaten! Dieser Kadergeist und dieser Einsatz im Kampf! Am Ende sogar werden die von der SS miterwähnt.
Nur, all das Heldentum derer vor der Bundeswehr, das hat nichts Reines, das ist vielmehr vergiftetes, fehlgeleitetes Heldentum. Einsatz für einen falschen Korpsgeist, falsche Hintergründe.
Man muß wirklich festhalten: Wie viele dieser früheren Wehrmachtsgeneräle wären heute Fälle für das Haager Kriegsverbrechertribunal? Wer von denen bliebe wirklich unerwähnt, müßte nicht mit einer Aufforderung rechnen, daß er nicht in Den Haag anzutreten hätte, würde genauer hingesehen?
An wie vielen Verbrechen waren etwa Wehrmachtssoldaten mitbeteiligt? Bis hinab zu den einfacheren Soldaten?
Einfach zu sehen ist da nichts. Nichts von irgendwen, der ordendekoriert auf alten Bildern zu erkennen ist. Wenn gleichzeitig von zahllosen Massakern die Rede sein kann, auch von Wehrmachtssoldaten verübt. Aus freien Stücken. Nicht, weil die von der Wehrmacht etwa der SS abgeordnet worden wären. Sondern, weil die von Wehrmacht in einen "Wettbewerb" mit jenen von der SS traten.
Auf Vergangenheitsbildern kann man Wehrmachtssoldaten abgebildet sehen, die mit vorgehaltener Waffe dastehen, freiweg etwa jüdische Ortsbevölkerung auszuheben. Für diesen blinden Rassenwahn. Rachekommandos gab es nochgerade haufenweise, Wehrmachtstrupps, die ganze Dörfer, Kleinstädte dem Erdboden gleichmachten. Bei der Suche nach Aufwieglern wurde auf sehr wenig Rücksicht genommen. Ncht auf Kleinkinder, Alte, Frauen. Das, was man "Zivilbevölkerung" nennt. Gegen jede Kriegskonvention wurde von der Wehrmacht wie von der SS verstoßen; alles, was man sich nur denken kann.
Nicht nur von solchen der SS in der Etappe, die denen der Wehrmacht ständig hinterherfolgten, wenn sich der Frontverlauf wieder mal geändert hatte, als es noch eine Zeitlang voranging, wegen Kriegserfolgen.
Schon die Frage: Wie viele Wehrmachtsoffiziere gibt es, deren Name man nennen könnte, daß sie unbeleckt von allem wären? Daß sie eine fleckenlose Weste behielten, würde man ernsthaft gucken gehen. Daß eine Tradition mit ihnen tatsächlich brauchbar, möglich wäre. Daß eine moderne Bundeswehrkaserne ihren Namen tragen müßte.
Ansonsten wäre die sogenannte heutige "Traditionspflege" nichts als Revanchismus sinnloser Ewiggestriger. Daß von Bestimmten hier altvordere Mentalität möglichst kritikbefreit am Kokeln gehalten würde. Weil einfach nicht sein kann, was nicht sein darf: daß diese Alten, die die Soldatenuniform trugen, nicht brauchbar wären als Vorbilder, selbst wenn sie sich heldenhaft aufführten, viel Ehre vor dem Feind und so. Vordergründig. Ohne genaure Betrachtung. Sobald man aber hinsieht. Überhaupt keine Vorbilder, keine Bringer für was, was die Bundesrepublik wiederspiegelt. Als Kommandos mit Führung unter einem Regime, das erwiesenermaßen hauptsächlich eins war: disqualifiziert.
Einen Schnitt, daß die, die Bundeswehr ins Leben riefen, in Wahrheit machen wollten. Einen scharfen Schnitt. Als solche, die über das Alte noch viel besser unterrichtet waren, weil es sie selber noch ganz genau anbetraf. Daß sie sich ernsthafter zu hinterfragen gehabt hatten. Außerdem sich noch vor den Alliierten zu rechtfertigen hatten, die ihnen bei ihrem Treiben scharfäugig zuguckten.
Wirklich, ein ballastfreies Loblied auf die von der Wehrmacht kann man nicht singen. Da hat es zu vieles gegeben, als daß allzu vieles unbesorgt, naiv genommen werden könnte. Für sich angenommen.
Muß man als beständig sehen: Wie viele von diesen ehemaligen Wehrmachtsgenerälen, mit Namen oder nicht, müßten sich heute wohl vor dem Den Haager Kriegstribunal verantworten? Hätten dort in der Gegenwart mit einer Verurteilung zu rechnen. Inhaftierung. Totaler Degradierung. Einer unehrenhaften Entlassung aus dem Soldatendienst. Zu tilgen wären die Namen aus den Annalen, jedenfalls, was eine positive Betrachtungsweise anbetrifft.
Es wurde von den Nazis auch dafür gesorgt, daß niemand, der bei ihnen war, nicht was von ihrem Geist, ihrer Mentalität abkriegte. Und die von Wehrmacht nahmen ebenfalls davon, ganz aus freien Stücken. Eifrig. Unreflektiert.
Zumindest solange, wie die Nazis noch die großen Vorherrscher waren, blieb man damit sorgenfrei. Erst danach gab es das große Erwachen, das Erschrecken. Über sich. Die Erkennen, daß man doch an den vielfältigsten Verbrechen beteiligt war. Daß einem nicht draufgekommen werden hätte dürfen. Wenn wer von wem was erfuhr, hier gab es nichts Gutes für einen. Und der Stolz, die Ehre wegen dem Heldenmut, die konnte einem relativ rasch genommen werden, auch als Wehrmachtsuniformierter. Wurden die eigenen Handlungen entdeckt, war man unmittelbar konfrontiert. Und das war damals kein weiter Weg.
Für den mit den Bärtchen und die SEINEN war man mutig. Zeigte einen fehlgeleiteten Mut, handelte infolge einer feindlichen Ideologie, die man für sich annahm.
Schon ein Zusichkommen voller Schrecken. Ehedem. Öfters. Als man zur Konfrontation gezwungen wurde. Auch dann und wann zu gestehen hatte, ein volles Geständnis abzulegen. Und wenn man Offizier war, dann ... Dann wurde man nicht wieder in die Reihe der vielen zurückgeschickt, die stierend herumstanden. Ganz davon abgesehen, daß auch von dort der eine oder andere bevorzugt herausgeholt werden konnte. Um sich zu unterhalten.
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