"Ein Oskar für Bayern"
Haha, was für eine Überschrift war das: "Ein Oskar für Bayern".
Gemeint ist nicht der Film-Oskar, sondern Oskar Maria Graf, der Schrfitsteller. Und zwar so, als wäre man in Bayern stolz auf ihn, Oskar Maria Graf. Stolz, so einen gehabt zu haben, in Bayern. So einen wie Oskar Maria Graf und seine "Rebellionen".
Man erinnere sich, die Nazis regierten das Deutsche Reich. Und auch Oskar Maria Graf ging lieber ins Ausland, als lange bei den Nazi-Herren zu bleiben.
Trotz allem Sperrigen, was Oskar Maria Graf an sich hatte, reiste er in die USA ab. Obwohl der Akzent des Englischen nicht der seine war. Er Probleme mit seiner Kunst, der Schriftstellerei, in den Staaten hatte. So, als weniger mondäner Mensch; eher der grobschlächtige Ur-Bayer. Ein Klotz von einem Mann.
Für Oskar Maria Graf war die Abreise nach den Vereinigten Staaten, zu der er tatsächlich auch gezwungen war, ein wirklicher Sprung ins kalte Wasser. Er geriet weit jenseits seiner Welt, aus der heraus er schrieb.
Aber, Oskar Maria Graf, er verließ jenes Deutschland trotzdem, in dem die Nazionalsozialisten die Rede führten. Mit der Zeit geriet er nichtsdestotrotz durch die Jahre, konnte in den US-Staaten überleben. Feierte in amerikanischen Städten auch "Oktoberfest", trank deutsches Bier. Nur eben in den Amerika-Staaten gebraut.
Während anderes Volk, Schauspieler, Schriftsteller, Maler, Bildhauer, im deutschen Reich blieb. Zu den Mächtigen drängte es sie hin. Jene Rühmanns, Fritschs, Gründgens. Die sich auch in die Propaganda der Nazi-Bande einfanden. Rühmann war so ein guter Freund des bestimmten Reichspropagandaministers, daß er sogar bei ihm zu Hause dessen Kinderschar anleiten durfte, während er sie abfilmte. Was ewig brauchte, bis es mal ruchbar wurde, wer der Regisseur jener Filme war: Rühmann.
Das scheint geradezu ein Staatsgeheimnis gewesen zu sein.
Aber, Oskar Maria Graf, statt so was für die Nazi-Herren zu vollbringen, schaffte auch er sich lieber ins Ausland. Begab sich sogar über den großen Teich. In die Kälte des Irgendwo. Ein paar, die dort auch Selbstmord begingen. Weil sie allzusehr darbten. Kein größeres Leben für sich fanden. Kein Überleben. Eher nichts als Elend.
Als Oskar Maria Graf aus den Staaten heimkehrte, traf er manche wieder, die in der Heimat geblieben waren. Zum Beispiel ging ihm der so gut es ging bei Begegnungen aus dem Weg, der das mit der "Biene Maja" verfaßte. Ja, Oskar Maria Graf war keiner, mit dem gut Kirschen essen war. Seine Blicke waren keine Anbeterblicke kleiner Mädchen, sondern lasteten. Da setzte man sich lieber in ein gegenüberliegendes Zimmereck, ließ sich bei ihm nicht zu deutlich vernehmen, bei Graf, bei Graf, der einem grob freimütig was auseinandersetzen konnte. Was wahr war. Graf, der über vergangene Zeiten Bescheid wußte, dem das deutlich war, wie man um die Nazis herumscharwenzelt war, lieb Kind sich bei denen gemacht hatte. Vorteil hatte man davon gehabt.
In der Nazizeit wurde sogar ein "Biene Maja"-Film gedreht, mit echten Bienen, echten Bienen, die man dahin mißhandelte, all das so zu tun, wie es sich so bei der "Biene Maja" abspielt. Jener "Biene Maja"-Streifen ein wahrhaftiger Tierquäler-Film. Eben, wen wundert's, was Nazi-mäßiges. Diente ja auch hauptsächlich der Abbildung der Nazi-Ideologie.
Einzig und alleine, auch Oskar Maria Graf, er fand in der demokratisch gewordenen Bundesrepublik Deutschland den einen oder anderen Verlag. Ein gewisses Auskommen. Seinen Beruf als Schriftsteller, daß er ausüben konnte.
Nur, Oskar Maria Graf, der kannte die andern noch genau. JENE. Die es auch in jener Bundesrepublik weiter gab. Ganz groß gingen einige in der Bundesrepublik wieder. Als hätten sie keine bösere Geschichte gehabt. Heinz Rühmann beispielsweise erlebte als Volksschauspieler Höheflüge in die höchsten Sphären. Unglaublich, wie hoch der flog.
Nur, Ihr Wesen von früher, Oskar Maria Graf war sich dessen weiter bewußt. Oskar Maria Graf war in der Lage, offen darauf zu sprechen zu kommen. Auch wenn sie das Thema am liebsten vermieden hätten. So leicht war Oskar Maria nicht von ihnen abzukanzeln, auszugrenzen. Oskar Maria Graf störte es nicht, wenn sie mit ihrem gelehrten Latein nicht an dem Tisch sitzen blieben, an dem er saß.
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