Das reinste Privatvergnügen
Schwarze Rauchsäulen über Hamburg. Schwere Krawalle. "Linksorientierte" Leute, die sich darbieten. Die Rede von "schwarzen Blöcken". Der maskierte Mob, der durch die Straßen zieht. Oder so was.
Viele Angriffe auf Polizei, Staatsmacht. Zahllose verletzte Polizeibeamte. Als hätte es dort, wo man selber regiert, nicht bald auch eine Staatsgewalt in Form von Uniformierten mit Polizeifunktion. Ähnliches in der Art; Uniformität in jeden Fall. Was immer da kleidet. Wenn etwa die "Hell's Angels" wo durchgreifen, gibt's auch eine bestimmte Ordnung. Nur, wer möchte am Ende von den "Hell's Angels" beherrscht werden?
Weiß nicht, für was diese Aggression gut ist, die sich in Hamburg vorzeigt. Dieses Kriegerische. Diese Lust, was kaputtzuschlagen. Zu zündeln. Das, was ein anderer besitzt zu zerstören. Der kriegt doch eigentlich nur später was Neues für das Kaputtgemachte. Von der Versicherung, von woher auch immer, vielleicht den Schaden ersetzt. Eine Neurenovierung seines Hauses, ohne allzu viel selber zu bezahlen. Bloß ein paar Scherereien mehr hat er. Muß sich eben um einen Neu-Wagen kümmern. Oder die Baufirma, die kommen soll, frisch zu renovieren.
Nur: Irgendeinen politischen Wechsel gibt es dadurch nicht. Veränderungen in der Politik. Jede Wahlprognose, was die beispielsweise für die Jahr-'17-September-Bundestagswahl erzählt, geradezu bereits was Betoniertes. Für die Zukunft der Europaregion Deutschland. Das sollt man mal sehen, was hier in den Startlöchern steht.
Diese vielgestaltigen Gewalttätigkeiten, der sogenannte Haß, die zur Schau gestellte Aggression, helfen ja regelrecht eher dem politischen Gegner, dem Establishment, als sie irgendwem sonst nützen. Das reinste Privatvergnügen, daß sich manche als Wilde, Krieger oder so darstellen, Pfefferspray in die Augen kriegen, die und die Narbe für später.
Der wahre politische Kampf wird eigentlich woanders geführt. Durch Überzeugungsarbeit, die auch frustrieren kann. Oder möchte wer hier behaupten, daß die Hamburger Gewalttätigkeiten viel für die Zukunftstage bewirken werden?
Was war das mit den Gewalttaten der Rote Armee Fraktion? Haben die großartig viel gebracht? Diese Leute, wer immer die waren, haben keinen sonderlichen politischen Kampf geführt, der irgendwelche tiefere Spuren hinterlassen hat. Außer daß sie als Waffenschwinger und Bombenbauer ein paar private Morde begingen, haben sie nichts vollbracht. Geradezu blieb alles beim alten. Nichts, das die bestehenden Verhältnisse anknackste.
Diese Art von schein-zorniger Handlung, statt Kerner-Arbeit in einer Partei zu leisten. Auf die Straße zu gehen, sich lange mit Bevölkerung zu unterhalten, auseinanderzusetzen. Lieber sind die von der Roten Armee Fraktion einfach ungeduldig hergegangen, haben ihr politisches Streithandwerk aufgegegeben, für ein doofes Schießgewehr. Eine Bombe. Das eine oder andere Abenteuer haben sie damit erlebt, wie so Banditen im Film haben sie wild um sich geschossen. Um hinter tristen Gefängnismauern zu enden.
Durchaus ansehnliche Frauen waren bei der Rote Armee Fraktion dabei. Gutaussehende Männer, die sympathisch rüberkommen hätten können. Nur, so ohne jede Geduld, mit einer Pistole in der Hand, ein paar Begleiter dabei, denen man was erzählen konnte, aber keinerlei Übliche aus der Volksmasse darüberhinaus mitnehmend ... Was sollte dann das Ganze? Nichts als miese Charakterisierung, die man zugewiesen kriegte. Blinder Vandalismus bloß, den man übte, vergleichbar mit dem Einwerfen einer Fensterscheibe von einem Besoffenen. Der mal Bekanntschaft mit Polizisten macht, danach. Weil er vielleicht gesehen wurde. Viel besser sind die derzeitigen Geschichten, Szenen auch nicht zu sehen, wie sie sich in Hamburg zeigen.
Nee, das in Hamburg - und wo auch immer sich so was ähnliches zukünftig noch abspielen soll -, das ist reine Schau, hilft mit all der ausgeübten Gewalt nur denen an der Macht. Über die man eigentlich nicht aufklärt, die aber auf einen selber deuten können. Ein Kuhlnisfaktor, sinnlos, weil im besten Falle für einen selber. Ganz hübsch kühl war man wo, als man das mal gemacht hat, das und das angestellt. Und die von der Roten Armee Fraktion, das waren auch eiskalte Mörder. Was denn sonst? Als das haben sie sich gezeigt, ansonsten das Allerwenigste für irgend jemanden bewirkt.
Wenn man sich zudem überlegt, wie schnell da von Leuten gehüpft werden kann. Von links nach rechts. Von roter Farbe zu brauner Farbe. Da sieht man dann, daß das mit dem Politischen ein Kreis ist. Daß im Kreis sich äußere Ränder berühren, die großen Unterschiede sich anders darstellen. Dann erklärt sich das nämlich leicht, daß einige scheinbar von einer Sekunde zur anderen ihre Ansichten ändern können. Aus dem roten Lager ins braune übersiedeln und umgekehrt.
Man nehme zum Beispiel den, der Mitte des Jahres '17 nach dem Millenium in Ungarn um Asyl bettelte. Diesen Braunen, Erzfaschisten. Unbelehrbar, die Type. In der Gegenwart. Einer, der die von Roten Armee Fraktion früher mal als Anwalt verteidigt hat. Der jedoch bei den gegenwärtigen Rechtsdrehern in Ungarn vorsprach, weil es ihm in der Europaregion Deutschland so schlecht ginge, als Rechter mit allem Drum und Dran, der überhaupt nicht mehr von seinem braunen Müll runterkommen möchte.
So ferne sind sich welche also nicht. Der Weg von einem zum anderen nicht sehr weit, nur weit scheinend. Steht man voll im Kreis, werden aus Roten wie nichts öfters Braune, aus Braunen Rote. Alles Katzensprünge.
Nee, die in Hamburg da Steine schmeißen, andere Leute Sachen anzünden, sich mit Polizisten prügeln, diese angreifen, sind nicht zu unterstützen. Die unterliegen einer Täuschung.
Ich bin da eher mit denen, die Zettel verteilen, auf der Straße oder in einer Partei Meinungsmaloche betreiben, statt sich mit unduldsamer Gewalt privat vergnügen zu wollen. Damit einem Trug zu unterliegen. Schließlich: Was hat man hier die Geduld zu verlieren?
Sonst ist das Thema höchstens noch: Gegen Polizei sein, aber dann selber bei erstbester Gelegenheit einen strikten Polizeistaat errichten. Rechts oder links. Dann ganz egal. Ist nur eben eine Sprachregelung. Wie man sich den Kommunismus mit seinem Sprech anlernen muß. Konnt nach dem zweiten Weltkrieg auch der eine oder andere Nazi. Der begriff und rasch wie ein Linker daherredete. War er denn links, Hauptsache, er hatte seine Ruhe. Im Gleichschritt und als Befehlsempfänger war er auch linker Hand zu gebrauchen, übte in der DDR das Soldatische. Selbst an den Schulen gab's dort Kriegsspielzeug. Das Soldatenspielen. Nicht viel anders wie bei den Nazis ehedem. Da konnte einer regelrecht die Heimat von früher spüren.
------