Ein Prozeßende deutet sich an
Ein jahrelang laufender Prozeß, bei man viel Klares bei mancherlei Undeutlichlichkeit mitkriegen konnte, geht im Juli des Jahres '17 nach Millenium tatsächlich auf die Schlußgeraden.
So viele, viele Jahre, daß der Strafprozeß nun bereits am Laufen gehalten wurde.
Es scheint zu einer Verurteilung zu kommen. Jahrelanger Haft für die, die auf der Anklagebank sitzt. Jedenfalls klingt das, was von dort, wo sich das Prozeßgeschehen abspielt, langsam unzweideutig bestimmt, wie die Angeklagte, die Mittelpunkt des Gesamten ist, zu sehen sei. Als Mitglied einer Bande von Leuten, die im Untergrund mit faschistischem Hintergrund mörderische Anschläge verübten. Mutwilliges Morden nach einem gewissen Zufallsprinzip: Hauptsache, es trifft Leute, die nach entfernterer Herkunft ausschauen.
Drei sollen das immer nur gewesen sein; niemand darüberhinaus, der, die wo hindeutete. Die dritte im Bunde, die Überlebende, sie, bevölkerte die Anklagebank. Sie, der Kitt jenes Trios. Zwar nirgends unmittelbar dabei. Trotzdem der Sachverwalter. Der Kassenwart. Der für die restlichen beiden die Heimat gestaltete, das Drumherum, daß sie unbesorgt sein konnten. Die zwei, die wie so nebenher nach einem Banküberfall in einem Wohnwagen verstarben.
Selbstmord, daß sie begingen. Sich selbst, daß sie in dem angezündeten Fahrgeschäft ums Leben brachten. Nachdem ihnen Polizeikräfte zu nahe kamen, eine Verhaftung echt bevorzustehen schien.
Immer nur von einem "Trio" ging die Rede. Nie so recht von einer Terrorzelle. Als wären nicht auch die, die mit auf der Anklagebank bei ihr, der einen, in der Nähe herumhockten, größer wichtig gewesen. Als Zubringer. Bekanntschaften, auf die man immer wieder zurückgreifen hätte können. Eventuell. Obwohl das Prinzip einer Zelle so benannt wird, daß sie ungefähr zehn Personen umfassen müßte, die dabei ebenfalls ein Umfeld haben. Bei dem Prozeß reduzierte man auf drei. Eine Dreier-Bande. Die unmittelbar Handelnden. Von denen nur noch eine größer zur Verfügung stand.
Jetzt überblickt man langsam das Schlußbild dieser zähen Prozeßunternehmung. Wobei, sie, die eine, sie hat bereits so Spuren hinterlassen. Filme wurden gedreht, Schauspieler lernten Texte, Worte, die das Trio gesprochen haben sollte; Sätze, ihnen in den Mund gelegt. Schauspielernde spielten Szenen durch, die sie und ihre beiden Hauptbegleiter, die all die Untaten im Namen der Nebenleute und "einer Sache" vollbrachten, zum Mittelpunkt hatten.
Der Charakter der Hauptangeklagen, obwohl sie so was ungefähr am liebsten abstreitet: die einer aktiven Person. Es wurde zumindest festgestellt, daß sie sehr gut Einfluß auf die laufenden Geschehnisse nahm, bei denen, die handelten, die Mordgeschichten verübten. Sie diejenige, die dafür sorgte, daß alles wie geschmiert lief. Man sich unter anderem was leisten konnten, mit Geld. Das von irgendwo herkam. Etwa von Banküberfällen. Oder durch Spendenaufkommen. Die monetäre Seite, die sie verwaltete, daß kaum je größer was fehlte, wie es scheint.
Bei den beiden. So wird sie mittlerweile umfänglich vom Gericht gesehen. Was ihr eine Gefängnisstrafe einbringen könnte. Möglicherweise mit der Feststellung der Schwere der Schuld.
Daß sie, ist sie erst verurteilt, schwerlich wieder rauskommt, aus der Knastszene. Der Eintönigkeit des Gefängnisalltages. Bei dem jedwedes Publikum fehlt, wie derzeit noch bei ihren Gerichtsauftritten.
Keine Blicke mehr, die auf sie gerichtet wären. Außer denen, wenn sie mal die von Gefängnisgenossinnen wahrnimmt. Die der Schließer.
Man könnte sagen: Auch ein Geschick, vor dem sie sich fürchten mag. Der Moment, wenn ihr die große Alltäglichkeit passiert. Niemand mehr kommt, sie abzuholen, sie wegzufahren, an einen weiter entfernten Ort zu fahren. Die Szenerie bei ihr eingeschränkt, die einer in einer Gefängniszelle Eingesperrten. Die höchstens noch die Freiheit für was anderes sieht, wenn sich die gesamte Gesellschaftsform in der Europaregion Deutschland ändert.
Dann könnte sie vielleicht plötzlich den schwedischen Gardinen entkommen, den männ-, weiblichen Gefängniswärtern fliehen, die sie mit mehr oder weniger Interesse betrachten.
Sollte es jedoch geschehen, daß alles so würde, wie es früher schon mal in jenem deutschen Reich war, als sie bereits Jahre regierten, die EINEN - könnte sie nicht plötzlich erleben, daß man sie feiern würde? Den roten Teppich für sie ausrollen?
Nun, ihr ist das mit Sicherheit nicht entgangen, daß es da eine Partei in der deutschen Europaregion gibt, eine ihr entsprechende, die größer unter das Volk gerät, nimmt man so Wahlprognosen her. Wenn man sich das betrachtet, daß da Parteimitglieder von denen demnächst "gewichtige" Reden schwingen werden dürfen, im europäischregionalen Bundestag. Vorerst alles einigermaßen im unklaren bei denen, weiter nicht die ganz alte Deutlichkeit; dem gemeinen Bürger, daß man brauchbar erscheinen möchte. Unter anderem auch, indem seine Vorurteile und das angesprochen und vertieft werden. SIE, die da sein wollen, sich vorne zeigen, schreien Leute wegen irgendwas lauter rum. Empören sich, als scheinbare Normalbürger, Ottonormalverbraucher, das. Der doch Sorgen hat, immer wieder den einen oder andern Kummer.
Nur klarer bei dieser einen Parteilandschaft, bis dato, daß sie in die Ära vor Adenauer, Erhard zurückwollen. Dorthin. Ohne es den Interessierten genauer zu benennen, was das für Zeiten wären.
Wären DIE allerdings größer in ihrem Aufschwung, daß die Pralinenschachteln sich bei ihr vielleicht anhäufen würden, daß sie welche von ihnen verschenken müßte. Als eine, die auf ihre Figur achtet, das nicht alles essen kann, darf. Allzu viele Süßigkeiten schlagen schließlich böse auf die Hüften. Bei ihr, als Frau.
Sie wäre wieder eine angesehene Person. Schlagartig. Änderte sich was.Deutschregional.
Wer sie irgendwann schräg anguckte, der sollte sich besser dann seines Blickes von früher entsinnen. Denn, wenn eins sicher ist: Sie könnte sich vieles gemerkt haben. Wie man sie ansprach, wer und wo. Als was man sie offensichtlich sah, bezeichnete, statt sie zu ehren. Den opferbereiten Kampf zu sehen, den sie zusammen mit den beiden anderen führte. Den Getreuen, die so ein tristes Ende in einem Wohnwagen fanden.
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