Sich nicht mal ein bißchen absprechen?
Oder kann man schon aus dem Nähkästchen was erzählen? Alles locker. Hat eh keine Folgen, wenn wer noch was merkt.
Die Arroganz der Macht? Diese Gewißheit, Selbstsicherheit? Alles unter Kontrolle?
Auf türkischem Gebiet scheint man sich uneins zu sein, echt wahr. Was die Sicht auf was anbetrifft.
Da wurde nun der Jahrestag des einen Putschversuches großtuerisch gefeiert; ein riesiges Monument, das daran erinnert. Der eine war bei Ansprachen der Hauptredner, der mit den seinen seitdem beinahe die Allmacht auf demTürken-Gebiet ausübt. Der Rest, der flötet dabei höchstens ein wenig rum.
SEIN Regime: totalitär zu nennen. Despotisch.
Er zeigt sich hauptsächlich in Anzug mit Krawatte, ganz nach Mode des Westens. Als wäre er DAS, westlich, und dabei irgendwie zivil. Seine Worte bei den Ansprachen jedenfalls waren das nicht unbedingt: zivil. Da sprach er wahlweise von "Köpfe abreißen" oder sie "abschlagen", die "Zunge herausreißen". Die Todesstrafe möchte er denTürken einführen. Und so momentan insbesondere die, die an dem "Putsch" Beteiligten, mit dem Tod strafen, wie es scheint. Nur, bei so einer Todesstrafe sind nicht bloß die mit inbegriffen.
Das war das, das aus der Türkei an Tonart in die weite Welt hinausschallte.
Aber noch was anderes, so nebenher. Ganz und gar beiläufig. Nicht zu glauben. Da war man selber fast schon so weit, bei so Fernseherszene, daran zu denken, der Putsch könnte doch ernster gewesen sein.
Bis dann ... Dann ... Man fragt sich wirklich, wie das sein, zugehen kann, dort. Schon die Frage, wovon die dort sprechen, was die verbreiten, in der Türkei. Warum so uneins? Als wisse der eine nicht, was der zweite vielleicht von sich geben könnte. Oder hat er an einer Örtlichkeit geredet, wo er dachte, er könnte das, traut sprechen, dieser Zweite. Einer, der normal den türkischen Staatspräsidenten mit anderen umsteht, ihm geflissen eins zunickt, während er das hört, was der eine zu ihm spricht. Derjenige, er hat in einer anderen Rede zum betreffenden Putsch-Jahrestag ungefähr so was von sich gegeben, als wäre jener Türkei-Putsch von vor einem Jahr ein begleiteter Putsch gewesen.
Ein "begleiteter Putsch".
Was ist DAS denn, bitteschön, ein "begleiteter Putsch"?
Heißt das, es war alles lange nicht so schlimm, weil jemand immer dabei war, scharf aufpaßte, bei dem Putsch, nach Möglichkeit darauf achtete, daß nichts zu arg würde? Daß die Szene ein gewisses Maß nicht verläßt.
Ständige Kontrolle, oder was?
Oder wie oder was? Wie soll man das nun sehen? Es annähernd begreifen, was der eine daherredet, so freiweg?
"Begleiteter Putsch": daß man eigentlich bei dem laufenden Putschversuch mit seinen verschiedenen Abläufen ständig weitestgehend die Geschehnisse kontrollierte?
Sobald was zu gach wurde, daß man augenblicklich eingegriffen hat? Das durchaus konnte?
Wie auf so einem Foto, eins von vor einem Jahr: Das böse Schießgewehr einem schmalen Jungelchen rasch weggenommen. Ein blasser, trübe blickender jugendlicher Soldat, wie so ein doofer Neu-Rekrut, der nicht viel Ahnung von was hatte, aber von welchen mit massigem Körperbau umringt wurde. Im Nu entwaffnet, scheinbar, der junge Knilch. Breitschultrigst, die Kerle im Rund bei ihm. Mit geübten, entschlossenen Griffen dabei, als wären sie nicht bloß so Volk, das mal aus den Häusern gelaufen gekommen ist.
Auch das, als dann tatsächlich einige dazukamen, aus der und der Kaserne oder der einen Luftwaffenbasis, die mitmachen wollten, da wird dann von der "türkischen Bevölkerung" geredet, die rauskam auf die Straßen und dazwischenging. Dem nächtlichen Aufruf nachkam. Für IHN und die SEINEN einzutreten.
Man sieht dann des weiteren Putschisten-Soldaten, denen daraufhin urplötzlich alle Entschlossenheit flöten ging. Die Hände über den Köpfen, daß sie abgeführt wurden. Rausgeholt aus ihren Panzern.
Komisch. Ein "begleiteter Putsch". Das meint da einer, spricht von so was zu den seinen? SEINEM Publikum? Als könnten ihn Dasitzende nicht verstehen, was so plaudernd mitteilsam ausgesprochen wird. Als wäre man unter sich.
Ein Putsch, wie von Leuten der Marke "Agent provokateur" angerissen. Nicht zu viele auch, die im Vorlauf mitkriegten, daß da wirklich ein Putsch bevorgestanden wäre. Erst, als was am Laufen war, daß ein paar wahre Putschisten dazukamen. Über die man allerdings schnellstens die Oberhand gewinnen konnte. Ehe was so richtig abgehen hätte können. Ein falscher Ablauf: minimiert.
Ein "begleiteter Putsch". Man hat gespielt oder was? Beim Spiel denn immer die gezinkten Karten überblickt, die nie aus den Augen verloren.
Dadurch im nachhinein alles gewonnen? Ist ja deutlich in der Türkei: Es gibt da nur einen Großputschisten und EINE Partei, die einen Putsch siegreich gestalten konnten: ER und die SEINEN, die von oben herab, putschten.
ER, dessen Dekrete-Vorherrschaft sich wieder verlängert. Als wäre es DAS, was ER den Türken eigentlich zu präsentieren hätte, diese Tage. Was ER ihnen klarzumachen hätte: die Einfachheit seiner Machtausübung. Daß er immer geblieben wäre, selbst wenn mal was anders für ihn ausgegangen wäre. Wie bei so einem Volksreferendum. Er hätte dann noch SEIN Dekret gehabt. Auf alle Fälle. Eins für alle Fälle.
Das Dekret verleiht IHM diese Macht. Und ER regiert ganz freimütig, offen auf diese Art: per Dekret.
SEIN Putsch, den ER mit den SEINEN führte, war der eigentlich erfolgreiche. Eine relative Parlamentsdemokratie, die er mit den seinen nun abschaffte. Für ein Präsidial-System, eins für den Autokraten. Despotismus-Freund.
Die neue Verfassung für die Türkei, die kommt irgendwann. Vielleicht Ende des oder im Laufe des nächsten Jahres, daß es ist: SEIN "Ermächtigungsgesetz" in Staatsgesetz gegossen die Realität.
Einstweilen mal genießt ER sie noch, die Dekrete-Herrschaft.
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