Overblog Alle Blogs Top-Blogs Literatur, Comics & Gedichte
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
MENU
Werbung
Blog von TeddeMehr

Der bornierte Regionalhorizont, es geht wirklich immer noch ein wenig kleiner

29. September 2017 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #Kurzware

"Oberbayern" gegen "Franken". "Baden-Badener" gegen "Schwaben".

Dergleichen. Wo immer.

Nein, da lachen nicht die Hühner.

Das ist tatsächlich ernstgemeint. So was von bierernst.

Es ist ernst, wie ein Bierkrug auf deinem Schädel. Dir drübergezogen. Könnte auch einer sein, den eine weibliche Hand dir überzieht. Wenn man da was zu lachen gefunden hast. Eventuell gespöttelt wurde, weil das Gesamte einfach zu gut ist. Das mit diesen Animositäten. Welchen einer unfaßlichen, obskuren Art. Im Grunde voll bizarr.

Bei all den Karren, die trotz "Diesel-Gate" und Feinstaubbelastung irre schnell und in rauhen Mengen fahren. Null auf hundert, das ist wichtig. Bei der Anschaffung. Daß man drinnen bequem thronen kann. Auch gepanzert möchte man fahren, daß einem bei der eigenen Raserei am Ende nicht zu viel passiert.

Jene Art von Regionalmentalität, die man jederzeit ja auch wieder für Landesgrenzen größer entwickeln kann. In Europa. Die geht tatsächlich auch in noch kleineren Maßstäben. Was, noch begrenzter, kleinregionaler als die uralten Grenzziehungen, für die dir heutzutage manche kämpfen, als wäre das ein Ringen um einen weiten Horizont. Im Mittelalter jedoch sind sie bei so was wenigstens noch die Strecken gelaufen oder mußten sie sich auf Pferden erreiten. Die Etappe, das waren pferdegezogenen Planwägen, Huren, die für den notgeilen Soldaten mitliefen, was von seinem Sold abzuknabbern.

Adenauer, De Gaulle, die fingen in den fünfziger Jahren an, tiefste Gräben zwischen so Leuten unterschiedlicher Sprache zuzuschütten. Bloß, heutige Gegenwartswelt: Manche mühen sich redlich ab, da wieder rumzuschaufeln. Für so frische Gräben. Tief, tiefer.

Selbst als General, der im Weltkrieg gegen die Nazis kämpfte, konnte De Gaulle das zur damaligen Ziet. Mit Adenauer zusammen Dinge auf den Weg bringen. Weil das Land, mit deren Vertretern De Gaulle sprach, ein anderes war. Eine andere Regierungsform und alles hatte. Statt all diese vormalige Ekelhaftigkeit mit voll umfänglicher schlechter Charakterbildung, weil da ein großer, rassistischer Diktator seinem Volk jahrelang aufgesessen war. Einer, der dauerhaft für eine entsprechende Geisteshaltung in seiner Bevölkerung sorgte.

Statt sich weiter nur feindselig anzupöbeln, nach all dem Schaden, den man in der Vergangenheit gegenseitig von sich hatte, all dem, was man miteinander erlebt hatte, überall in Europa, wollte man sich nun besser an einen gemeinsamen Tisch setzen.

Erst mal besprach man sich von wegen der eigenen lokalen Wirtschaftswelten. Handel betrieb man ohnehin ständig miteinander. Dabei konnte man nun nebenher anderes ein wenig besser absprechen wie ehedem.

Selbst die Briten, Briten, das muß man sich vorstellen, Briten, die damals sogar noch ursprünglich britischer waren als die heutigen, die zu diesen Tagen ihr Commonwealth wirklich noch größer sehen konnten, anders wie die heute. Weil sich jene Tage ein paar Gebiete noch nicht von Commonwealth unabhängig gemacht hatten. Diese Briten demnach, diese britischen Briten, die setzten sich mit an den Tisch. Mußten geradezu mit dabei sein. Hatten es nötig. Um ja auch was von dem Guten ab- und mitzukriegen. Nicht, daß andere mehr davon kriegten, während man selber im Abseits lediglich rumstand, die Neuigkeiten der Geheimdienst einem zutrug, der erfuhr, wie da einander zugeprostet wurde, daß man Champagner soff. Schließlich am Ende auch eigentlich näher als manch andere Region, den alten Briten, der Kontinent. Mit den tausendsten Wirtschaftsbeziehungen und den Chancen.

Selbst in der Gegenwart reisen Briten auch ins Ausland. Alle möglichen Himmelsrichtungen. Wenn sie sich die Reise leisten können.

Also, statt sich mit bösen Worten dauerhaft zu beharken, hat man die Beziehungen zueinander verbessert. In einem Maße, daß die heutigen Gegenwartsbriten den alten Briten scheinbar geistig überhaupt nicht mehr recht folgen können. Diese Briten, die, allem Anscheine nach, nirgends mehr in nichts was einen Vorteil entdecken können. Außer auf ihrer Insel rumzuhocken. Ihr begrenztes Inselreich exklusiv zu sehen. Als Nabel der Welt.

Aber mit dem starken Arm der US-Amerikaner in der Hinterhand. Da möchte man sich insbesondere anlehnen. Nur, wie stark mag dieser Arm sein, wenn man all zu oft das wenigste von ihm sieht, aber im Dauerstreit mit den Resteuropäern liegt?

Überall in Europa regen sich insbesondere jene uralten Kräfte der Einzelstaatlichkeit. Als ob man vergessen hat, wie sehr sich diese eigentlich disqualifiziert hatten. Das scheint es geradezu zu sein, die allgemeine Großdemenz, daß man in der Gegenwart, geradezu im Selbstverständlichen, das nicht mehr einsieht, was in der Vergangenheit Großes geleistet wurde. Von Leuten. Daß man zurückkehren möchte, so die Ära vor Adenauer, Erhard und De Gaulle. Als ob, was die eigene Größe von ehedem anbetrifft, nicht auch so Worte von Märchen auf die Dauer erwähnenswert wären: "Es war einmal ..."

Überall in Europa, daß sich in der Jetztzeit das Bornierte, Kleingeistige, Enge regt. Die mit dem nationalen Kleingeisthorizont dir was Besonderes auftischen wollen, als gäbe es bei ihnen irgendwie was, was besonders zu erwähnen wäre. Vielleicht die bluttriefende Hand.

Hier, ungefähr diese Landschaft, muß man sich was ungefähr die Qualität vorstellen. Die. Wie was zum Vorschein kommt, wie was zwischen so den "Franken" und den "Bayern". Oder das der "Schwaben" und der "Baden-Badener". Oder ... Oder ...

Hört man da welche reden, sieht man sie sich benehmen, könnt man direkt denken, man ist im falschen Film. Oder stockbesoffen. Auch wenn man nichts getrunken hat. Tatsächlich: Der mit dem Kleingeisthorizont geriert sich in der Gegenwartswelt wie einer, der einem was zu sagen hätte. Schon eine wichtige, bedeutsame Ansage. Da muß man Respekt haben. Mit Sicherheit.

 

 

 

 

-----

Werbung
Diesen Post teilen
Repost0
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post