Der Mai-Rißpilz im September
Das wird ein Wahlsonntag, der im September des Jahres '17 nach dem Millenium.
Da wird aufgetischt werden, wie so die fein duftende Pilzsuppe mit Mai-Rißpilz zu Septembertagen.
Knollenblätterpilze könnte man auch gefunden haben, grün-, gelbfarbene. Sie sich reinzuschneiden, in den brodelnden Topf, um es dann am Tisch zu servieren.
Diese Neuigkeiten der Septemberwahl stehen dafür, was man da im Pilzkorb Schönes drinnen hat. Und all zu vieles davon, das kennt man überhaupt nicht. Den Mai-Rißpilz, den grünen und den gelben Knollenblätterpilz. All das im Bastkörbchen, man stelle sich vor.
Man läßt sich zwar reingucken in den Korb, aber das Gerede von Pilzkennern juckt schon lange nicht mehr. Man möcht fast zuhauen, wenn die dummschwatzen. Nee, einfach alles bringt man sich jetzt mal mit nach Hause mit. Um dort zu tun, was man so mit Pilzen eben immer macht.
Einge der Giftpilze, die sehen einfach auch allzu prächtig aus. Kann's doch nicht geben, daß die giftig wären, nicht? Muß Lüge sein, was einem erzählt wird. Bei der Schönheit dieser grünen, gelben Pilze.
Klar, von Knollenblätterpilzen und so hat man schon mal da und dort was gehört. Aber, auch noch was von einem "Mai-Rißpilz"? He, der Pilz, der hat, trotz der Rißstellen, eine viel zu schöne, große Kappe. Rötlicher Hauch doch.
Alles viel zu griffest im Körbchen, als ob man das von irgendwelchem Geschwätz einsehen könnte. Das, was so Leute einem im Vorübergehen nebenher an Gemaule an den Tag legen. Mit was sie doofreden, das Maul aufreißen. Kann man nur die wegwerfende Handbewegung machen, zu denen hin.
Glaubst es, der Mai-Rißpilz soll giftig sein. Und der grüne und der gelbe Knollenblätterpilz: tödlich giftig.
Nein, nein, nichts ist da giftig. Man wird dann in der Heimatküche die Kappen mit dem Pinsel putzen, die Stile. Dann wird man alles, was man an Rotkappen, Pfifferlingen und so hat, kleinschneiden.
He, der Mai-Rißpilz, wenn der tatsächlich doch jetzt im September gewachsen ist ... Ist doch kein Mai-Rißpilz dann. Zur Septemberzeit, nicht? Der hat auch allerhöchstens so eine leicht rote Rißkappe mit herrlichen Lamellen. Und rot ist doch die Rotkappe, nur ein wenig röter ...
Pah! Klar wird das aufgetischt werden. Der ganzen Familie. Jung und Alt. Niemand, der nicht vorbeikommt, der nicht davon probieren darf. Von unserem Pilzgericht.
Da sind wir ganz großzügig. Brot hat man, ins eigene Fleisch wird reingeschnitten. Muß sich keiner drum Sorgen machen. Bei diesen allerallerschönsten Prachtpilzen, die man aus dem Wald geholt hat, wo sie rauswuchsen.
Jeder selber schuld, der dort die Stellen vorbeilatschte und die Pilze stehengelassen hat. Dafür hat man sie jetzt eben im Bast. Hat überhaupt nicht übermäßig lange wegen ihnen rumsuchen müssen. War eine lockere Pilzsuche.
Solche Prachtexemplarpilze hat man lange nicht mehr gesehen. Kann man nur empfehlen. Haben die Nachbarn auch schon was davon erfahren, als man abdeckte und sie in den Korb reinglotzen hat lassen. Der eine oder andere hat die Glotzer richtig aufgerissen. Der Neid, sichtlich aufgekommen. Da kommt denn auch der und der, der auf die Schulter gehauen hat, später vorbei, schaut nach, wie's einem so geht. Oder man bringt's rüber, wie versprochen, das, was übriggeblieben ist.
Als Pilzsucher muß man doch bei so einer Pracht an Pilzen keinen lange fragen. Ein "Mai-Rißpilz", du faßt es nicht. Im September doch rausgewachsen. Was da Idioten nur blöde daherreden. Sind wahrscheinlich nur selber nicht besonders informiert ... Voll der Neid. Schaut nur hin, kann denn ein giftiger Knollenblätterpilz so prachtvoll gewachsen sein? Wie soll was von dieser wohlgeformten Prächtigkeit giftig sein?
Das wird eine Mahl werden, das am Sonntag, ich sag's euch, Leute. Versprochen, ihr kriegt was ab. Auf alle Fälle. Das wird was geben. Wir feiern ein Fest.
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