Man könnt zurückgesetzt werden
Sich zurücksetzen lassen.
Na, nach damals.
Damals, im Jahr '33.
Eine Wahl. Einen Wählerentscheid mit Auszählung gab's. Nicht ganz so eindeutig, das Endergebnis, aber mit einer Mehrheitspartei.
Aber, nicht so. Nicht, daß SIE alleine hätte können. ALLES schon gar nicht.
Dafür brauchte es schon noch ein paar andere dazu. Welche anderer Parteien. Von denen sich jedoch viel zu viele lange DENEN angenähert hatten. Daß man kaum noch von einem Unterschied sprechen konnte. Es sei denn, man guckte kurz nach dem Parteinamen. So unterschiedslos war man geworden, auf der Jagd nach Wählerstimmen. Daß man eigentlich nur dem Namen nach nur noch nicht zu der anderen Partei gehörte.
Aber, trotzdem brauchte es Seilschaften. Es gab anscheinend doch so was wie ein Zögern. Ein greiser Weltkriegsgeneral hatte zu moderieren. Traut zu reden.
Daß er wichtig war, ein entscheidender Faktor, das zeigt der Umstand, daß SIE dann später hinter seinem Holzsarg herschritten. SIE, die ihm eine letzte Ehre quasi zu erweisen. Dem, der mithalf. IHNEN.
Daß alles kommen konnte, wie es gekommen war: Man war ermächtigt worden, konnte nun umsetzen. Die "Weimarer Republik", die man abschaffen durfte. Das große Regionalgebiet kriegte eine andere Verfassung. Daß das Neue vor Recht und Gesetz Wirklichkeit ward. Das mit der Gleichschaltung aller Institutionen im Staate. Ein Einparteienstaat. Mit einem einzigen starken Mann an der Spitze, der durchregieren konnte. Ein "Führer".
Der mit dem Bärtchen, die ewige Charlie Chaplin-"Tramp"-Fälschung, hatte die ersten Tage seiner Herrschaft. Und dafür war er mal dankbar, daß er im Jahr drauf zu einem Termin kam. Vorndran, daß er einem Sarg und dem Toten drinnen das Geleit schenkte..
Sehr, daß dieser Greis ihm weiterhalf, daß alles kommen konnte, wie es gekommen war. Daß das aufschien, was nun das Dritte Reich genannt wurde.
Der Siegreiche hatte die umfänglichsten Vollmachten im Staate. Quasi ein Allmachtsherrscher. Der in Schrift und per Wort anwies. Ein wahrer Dekrete-Regent.
Erst mal war im Reichsgebiet aufzuräumen. Erste Orte gab es, von denen Dachau einer war.
Dachau. Dachau, dieses Sammellager war mit unter den ersten im Land.
Verhaftungswellen rollten überall an. Sozialdemokraten, die verhaftet wurden, "Kommunisten", die anderen, die gerne eine ähnliche Position wie diese an Machtorten eingenommen hätten, aber nicht die Siegreichen der Wählerbefragung der "Weimarer Republik" waren. Jeder, der als sicherer, möglicher Systemfeind benannt werden konnte, bei dem bestand die Möglichkeit, von einem Sonderkommando festgenommen zu werden. Lastwagenflächenvoll Leute wurden nach den Lagern verfrachtet. Jede Stadt, die kleinste Örtlichkeit.
Alles diente der Festigung der eigenen Machtposition im Staate. Dafür kümmerte man sich bei Gelegenheit sogar um so Kräfte in der eigenen Partei. Die sich zuviel Kompetenz einbildeten.
Nie, daß Dachau die Jahre über eigentlich geschlossen wurde. Nach Dachau verbrachte man am Ende denn auch so Bevölkerung, nicht wie zuvor bloß die möglichen Aufwiegler, Widerständler, sondern die, die mit dem eigenen Rassedenken und ihrer "Reinheit" zu tun hatten. Dachau wandelte sich nun zu einem Konzentrationslager. Eins, wie Auschwitz, Bergen-Belsen. Dabei mitten unter Reichsvolk gelegen.
Aber, dreiunddreißig, dort stand erst mal alles auf Anfang. War quasi auf die Null gesetzt. Das, was zwölf Jahre brauchte, sich zu deutlich vorzuzeigen. Das mit dem gewaltigen Großverlierertum. Das dem Blindesten, Betäubtesten erkennbar zum Vorschein zu bringen.
Zwölf Jahre, eine Zeit, viel zu lange, daß die tauben, dumpfen Jahre dauerten. Bis das Verliererwesen ganz groß ging. Schlagartig, daß das zum Vorschein kam, das zuvor lediglich ein Umriß war. Daß man selber Schlüsse hätte ziehen müssen. Als die dunklen Winkel einem erhellt wurden, durfte man die gräßliche, scheußliche Gestalt überblicken. Obwohl es dort bei ihr, umtriebig wie sie war, eigentlich nie so dunkel war. Es hatte schon was zu sehen gegeben.
Anno dreiunddreißig jedoch, da war sie ein Alphatier. Hatte die Frische, die weite Fläche des Siegers. Entwickeln konnten die Larven sich. Sich entpuppen.
Nach '33 zurückgesetzt zu werden, da kann vielen mancherlei lang werden. Zwölf Jahre, viel zu vielen wurden sie auch lang. Das Ende kriegten manche wegen der Länge jener Tage nicht zu sehen, das, als er befreit tanzte, der große Verlierer. Jeglicher Hemmung ledig. Während da im Jahre '33 nur so das Siegreiche zu übersehen ist. Der, der mit seiner Partei die Fäden der Macht im Staate in die Hand kriegte.
Wenn also sich wer an dem erfreut, daß da einer immerhin zwölf Jahre hatte ... Bei den Reichsdeutschen damals. Ehe dem damaligen Reichsbürger das allermeiste zerlegt war. Selbst mit seinem Charakter hatte er zu tun, da auch noch mit rumzukämpfen. Zu rechtfertigen hatte er sich, zu überzeugen ... Was der vormalige Dritte-Reich-Bürger da nicht glasklar zu durchblicken kriegte. Was einem nicht unzweifelhaft klargemacht wurde.
Zu sehen hatte man es, umfänglich. Die gefangenen Soldaten, auch Helden darunter, wurden damit konfrontiert. Die "Trümmerfrauen". Kräfte zerrten und zogen an einem, und wenn die nationalsozialistische Bürokratie auf einen verwies, Hinweise gab. Dann bekam man möglicherweise daheim Besuch, hatte Gespräche zu führen, sich zu erklären. Die Alliierten hatten einen Fragenkatalog, Punkte, daß sie abhakten.
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