Was Art Nichtmehrwähler
Ellenlang war von Wählerwanderungen die Rede.
Da fand diesesmal noch was größer Erwähnung: Es gab da Nichtwähler. Eine hohe Zahl an Nichtmehrwählern.
Viele, viele Wähler, die etwa eine bestimmte Partei gegenüber dem Wahltag von vor Jahren noch hatte.
Solche waren nicht mehr präsent, die quasi immer DIE wählten. Treu. Fast so treu, wie mancherorts Vati oder Mutti. Vati und Mutti, die eigenen Eltern, immer für dich da.
Auf den Gedanken, daß es so was auch bei Parteien geben könnte, muß man erst kommen.
Da wählten tatsächlich welche nicht, weil sie pötzllich eine andere Meinung angenommen hätten. Oder weil sie nicht gerne wählen gegangen wären. Sondern weil sie schlichtweg nicht mehr konnten. Als Stammwähler.
So althergebrachte, vertraute Stammwähler, die zu den Toten abwanderten.
Im Laufe der letzten vier Jahre, daß sie der einen oder anderen Partei geradezu mir nichts, dir nichts wegstarben. So getreue Gefolgsleute. Eben fast wie bei einem selber Vati und Mutti. Die, plötzlich nicht mehr am Ort, weil zwischendurch gestorben. Einfach weggestorben.
Bei der Wahl von zuvor hatten sie da noch ihre Kreuzchen hingemacht. Einwandfrei hinsetzen können.
Von einer Zahl von achthundertausend war da die Rede. Achthundertausend! Achthunderttausend, die starben. Leute, die SIE zuletzt noch gewählt hatten.
Achthunderttausend war so eine Zahl für Bayern, jene deutsche Region. Mit einer hohen Einwohnerzahl.
Jetzt weiß ich nicht: Die andere Zahl war eins Komma drei Millionen. War das nun eine restdeutsche Zahl, eben ohne die, die in Bayern ausstarben?
Die Treuesten der Treuen: einfach tot. Von Gevatter Tod geholt. Der ist bei so Einzelpersonen vorübergekommen, die deswegen überhaupt nicht mehr auf irgendeiner Alterspyramide oder bei der Rentenkasse aufscheinen. Weil sie still und leise und nahezu unbemerkt aus der Welt verschwunden sind. Verschieden.
Geredet wurde nicht viel drüber, daß so viele starben. Massive Stammwählerschaft.
Zwei Komma eins Millionen praktisch an Nichtwählern. Die da ein konservatives Parteiendoppel plötzlich in der Gegenwart nicht mehr hatte, zählt man die Bayern-Zahl mal mit der anderen Zahl zusammen.
Das sind nicht gerade wenige, die ausstarben. Und das nicht großartig in der breiten Öffentlichkeit diskutiert. Obwohl es auf die Prozentzahlen einer bestimmten Partei großen Einfluß nimmt. Sowohl bayernregional als die gesamtdeutsche Regionalität.
Diese Wählerschaft wird auch nicht mehr zurückzubekommen sein. Kann man sich nicht wiederholen. Die Verläßlichen der Verläßlichen. Die allermeisten von IHNEN solche, die todsicher wieder so gewählt hätten. Nämlich SIE. Wahrscheinlichkeit bei einhundert Prozent. Es war nie anders.
SIE sind weg, und sie kommen wirklich mehr wieder. Wie bei dir der Vati, die Mutti. Die Omi, der Opi. Wenn sie gestorben sind. Dann mußt du ohne SIE zurechtkommen. Kriegst nichts mehr von ihrer Rente ab. All das, was sie dir irgendwo zustecken hätten können.
Daß das aber direkt auch so Parteien so gehen könnte, darauf muß man erst aufmerksam gemacht werden.
Die Treuesten der Treuen, die sich nie drum Gedanken machten, je was anderes größer als DIE zu wählen. Jetzt sind sie nicht mehr. Liegen auf den Friedhöfen oder sind eingeäschert.
Ohne daß allzu viel davon im Vorlauf gesehen wurde, geschah da ein schleichendes Aussterben von verläßlichster Wählerschaft. Derer mit der unverbrüchlichen Treue. Keine Wechselwähler: einmal die, dann die anderen, wie's eben kommt, lustig ist.
Und wenn eine einzige Partei die letzte Jahre durch achthunderttausend ins Totenreich verliert, dann ist das für eine einzige Partei sicher keine unerhebliche Menge, wenn da noch ein paar andere Parteien auch mit am Tableau stehen, mit denen man sich im Wettbewerb befindet.
Insgesamt, hab ich das richtig begriffen, starben dort zwei Komma eins Millionen einfach so weg. Zwischenzeitlich. Vergingen irgendwohin in den Äther, ohne noch mal Briefwahl zu machen, irgendwie aufbrechen zu können, noch mal Kreuze für eine Stimmabgabe hinzumalen.
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