Was mit der Entnazifizierung
Die Frage der Entnazifizierung. Wenn die sich stellt.
Im Jahr '17 nach dem Millenium ist so eine bekanntere Schauspielerin in einem hohen Alter von über neunzig Jahren gestorben.
Kurz vor ihrem Tod hat sie noch ein Interview gegeben. Bei dem Gespräch erzählte sie, daß sie nach dem zweiten Weltkrieg mal so orientierungslos abhing. So als eine Schauspielerin. Ein Beruf, in dem sie arbeiten wollte. Wofür es dann auch eine Gelegenheit für sie einstellte: eine Theaterrolle.
Aber es reichte ihr nicht aus, dort am Theater einfach einen Vertrag zu unterzeichnen. Sie mußte dafür auch bei den Alliierten vorstellig werden. In ein Büro kommen.
In der Räumlichkeit stellte ihr also ein Offizier als einer, die sich eine Besonderheit für sich wünschte, Fragen. Darum drehte es sich, was sie während dem zweiten Weltkrieg und davor nebenher trieb.
Einen regelrechten Fragenkatalog arbeitete der Mann bei ihr ab. Nach besten Wissen und Gewissen beantwortete sie die Fragestellungen. Durfte wenig später als jemand, der "unbedenklich" war, in das Theater kommen, ihre Schauspielerinnenrolle anzunehmen.
Und es kam für sie nichts größer hinterher. Weil sie sich wirklich als jemand herausstellte, der sich während der Nazizeit an nichts größer Auffälligerem beteiligte. Nichts, mit dem man noch mal auf sie zurückkommen hätte können.
Während andere damals das nicht unbedingt konnten, kaum nach Ende des großen Krieges, freiweg wieder in einem exklusiven Schauspielberuf auftreten zu dürfen. Für Bestimmte gab es erst mal Lagerhaft und derartiges. Je nachdem, zu wie vielen Jahren man verurteilt wurde. Einige hatten so eine Strafe anzutreten, wurden dann zu unterschiedlichen Zeiten irgendwann in den fünfziger Jahren wieder in die Freiheit entlassen.
Es existierte nach dem zweiten Weltkrieg ein Entnazifizierungskatalog. Den die Siegermächte abhakten, den Deutschen das zu Bewußtsein zu bringen, wer die Leute waren, die seit dem Jahre '33 über sie geherrscht hatten. Jene Despoten mit "Führer"-Erscheinung, in deren Willkürstaat sie lebten. Ständig von der Propaganda und Weltsicht dieser Leute bedrängt.
Nicht so ohne Erfolg die Alliierten. Die, die vor Adenauer, Erhard waren. Was die Deutschen anbetraf.
Mehrheitlich, daß die Deutschen tatsächlich zu sich kamen. Das blickte man, was bei und mit einem angestellt wurde, in was man hatte verwickelt werden können, wenn man nicht scharf aufpaßte. Durchaus, daß dem einen oder anderen heiß war, von wegen dem, was ihm über die eigene Person selber klarwurde. Ängstlich guckte man aus der Wäsche, angesichts der Eindrücke der KZs, die sich vermittelten. Jene grausamen Orte, in denen Rassisten im Namen des reichsdeutschen Volkes verbeamtet, industriell Massen-, Völkermord betrieben. Bis hin zu einer Vermarktung der Leichname. Ware wurde aus dem von Toten verfertigt. Dinge für das gewöhnliche Leben, die der notige Bürger im "Reich" einkaufen durfte.
Jedenfalls, ganz groß konnte so was in der deutschen Europaregion nicht mehr so werden. Unverzüglich Rückkehr halten, das war nicht. Glattweg auch ab da nicht, als die Alliierten nicht mehr so auf alles achteten. SIE, die vorn von dem von zuvor nicht ablassen konnten, blieben samt ihrem Ungeist eine taube Minderheit. Obwohl sie sich natürlich mit sich versuchten. Etwa so beläufig bei der Bundeswehr, als welche, die den Kluggewordenen mimten, damit scherzten, spöttelten, so unbekanntere Generäle aus den Zweiter-Weltkrieg-Tagen als Namensgeber von Kasernen zu installieren. Nur das konnte so ein Kreis, zu weiterem konnte es nicht kommen.
Bis man die Weltkriegsgeneräle eben entlarvte, ihr wahres Treiben während der Nazizeit zum Vorschein kam, weil jemand doch noch mal genauer hinschaute. Dann war es vorbei mit der Namensgebung, sobald umbenannt wurde.
Erst heute scheinen solche Personen des rechtslastigen Klüngels tatsächlich wieder größer unter das Volk kommen zu können. Siebzig Jahre danach, daß man sich in der deutschen Bevölkerung wieder Lügen erzählen lassen möchte, frühere Zeiten und so was anbetreffend.
Die Gegenwart, da haut ihnen nun wieder besser was hin. Mit einer Parteineugründung.
Im Grunde viele Parteien, die sie die Jahre durch über immer wieder gegründet hatten. Sich damit ausprobierten. Ohne daß deswegen größer was Besonderes gewesen wäre. Bis heute.
Da könnte man gegenwärtig, denkt man an den Zeitgeist, geradewegs den Entnazifizierungs-Katalog der Alliierten auch überarbeiten. Die alten Fragen für die Jetztzeit umformulieren. Sie entstauben, den Mief von ihnen wegnehmen. Schließlich kommen dir die auch "neu". Als Nachgeborene, aber Erbnehmer; als wäre das ein nützliches, brauchbares Erbe, daß sie sich großmächtig vor dir hinstellen.
Das hätten sie im Sinn, daß du ihrem altvorderen Trug naiv für eine Neuigkeit aufsitzt.
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