1. Teil: 1.11
Über sich fluchte er. Erneut war um in herum Dunkelheit. Bis er den Kopf hochriß.
Das war doch eine gefährliche Welt, für Jo, den Revolvermann.
Ständiger Gefahr sah er sich ausgesetzt. Im Saloon Empireless in Pain City, daß er sich aufhielt.
Nichts, das er sich eigentlich im Saloon Empireless erlauben durfte. Und doch waren ihm scheinbar die Augen zugefallen, das Kinn zur Brust gesunken. Im letzten Moment, daß ihm das Bewußtsein wiederkehrte.
Ein Blick genügte Jo, dem Revolvermann. Für sich, daß er festhielt, daß Marga, die Barfrau, und der Mörder-Willy lange am Fuß der hölzernen Stiege angekommen waren. Nebeneinander, daß Marga und der Willy der Willys dastanden, komisch nach Jo, den Revolvermann, hinglotzten. Wie neugierig, gespannt. Was sich in der nächsten Sekunde bei Jo, dem Revolvermann, ereignete. Ob Jo, der Revolvermann, nicht jeden Moment von selber umkippte.
Breitbeinig stellte Jo, der Revolvermann, sich zurecht. Beobachtete voller Genugtuung, daß es im hergeschminkten Gesicht Margas zuckte. Während der eine Willy der Willys Gleichmut vorgab.
Bei sich guckte Jo, der Revolvermann, nach links und rechts herunter, nach seinen Revolvern. Beide Waffen, die in ihren Holstern staken. Nichts, das sich zwischenzeitlich daran geändert hatte.
Der Mörder-Willy, der die Augenbrauen hochschob. Seine Daumen lässig in seinen Hosengürtel eingehakt, stecken ließ. Richtung Jo, des Revolvermannes, glotzte der Willy der Willys.
Als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt, daß Marga an der Seite Mörder-Willys blieb. Statt sich davonzuscheren, irgendwohin, weil die Angelegenheit eine zwischen Jo, dem Revolvermann, und dem Willy war.
Die Miene von einer, daß Marga, die Barfrau, aufsetzte, der doch das eine oder andere eines bevorstehenden Geschehens klar war. Dingen einfach ihren Lauf lassen, das wünschte Marga, die Barfrau, sich nicht.
Unterhalb trug Marga, die Barfrau, einen roten Hüftrock, während das oberhalb der Hüfte Jo nach einem roten Mieder aussah.
Am Oberarm faßte der eine Wily der Willys Marga, griff hinten bei Marga irgendwas.
Die Bewegung des einen Willys war, daß dieser an etwas zog.
Sofort war das Jo klar, daß der Willy der Willys hinterrücks bei Marga die Miederverschnürung löste. Das eine, das die Weiber zumeist unten drunten anhatten,das hinterrücks aufging, den Oberkörper Margas herabrutschte.
In einer Sekunde, daß Marga, die Barfrau, die Seite an Seite mit dem einen Willy eingetroffen war, für jedermann, der sie anschaute, barbusig zu begutachten war.
Nicht das geringste, das Marga unternehmen wollte, ihre Blößen zu bedecken. Als Tänzerin,die mitunter selber im Variete tanzte, konnte man sagen, daß Marga einiges an Männer-, Frauenblicken gewohnt.
Grinsend stand Marga bei dem Willy, der ostentativ nach Margas Brüsten schielte. Nicht mißzuverstehen. Ebensowenig, wie das, daß Marga noch rotwangiger im Gesicht wurde.
Reglos blieb Jo, der Revolvermann. Suchte soweit wie möglich seinen Gesichtsausdruck starr zu halten. Das Wenigste seiner Gedankengänge preiszugeben.
Gewaltig, daß es ihn danach gelüstete, einen seiner Revolver herauszureißen. Mit der Schießerei anzufangen.
Ihr Kinn ruckte Marga Richtung Jo, dem Revolvrmann. Irgendwas Spöttisches, Jo anbetreffend, daß Marga Mörder-Willy hinredete.
Die Hand reckte Jo, der Revolvermann, seitlich.
Mörder-Willy wirkte unvermittelt ganz starr, die Augen glasig. Jeder Beobachter der Szene, der begreifen konnte, daß der eine Willy um die Bedeutung der Geste Jo's, des Revolvermannes, wußte: Jo, der Revolvermann, er wollte nicht weiter auf irgendwas Unbestimmtes warten, man konnte sofort die Revolver sprechen lassen.
Marga, der Barfrau, stand plötzlich der Schreck ins Gesicht geschrieben. Als wäre ihr das klargeworden, daß Jo, der Revolvermann, auch ihr eine Kugel verpassen würde. Sobald der Willy der Willy niedergestreckt war, wäre sie dran. Mancherorts hatte Jo, dem Revolvermann, schon mal weniger Anlaß gereicht, als ihm gerade geboten wurde, Leute niederzuschießen.
Die Daumen beider Hände verhakte der Willy der Willys in seiner Anzugshose. Bezeigte, indem er das Jackett zurückgestrichen hatte, daß er gänzlich unbewaffnet war. Was der Mörder-Willy zum Ausdruck brachte: Feuerte Jo, der Revolvermann, drauflos, war das Mord.
Den Kopf schüttelte Jo, der Revolvermann, genervt. Nichtsdestotrotz unternahm er nichts, ließ seine Sechsschüsser in den Lederholstern.
Schlimmere Fehler als Kopflosigkeit gab es nicht. Wenn der Willy der Willys keine Bewaffnung am Leib trug, war der Willy der Willys waffenlos.
Auf sich zeigte Jo, der Revolvermann, auf den einen Willy und auf Marga, die Barfrau, hob den Zeigefinger: Es hatte was zu geschehen. Mörder-Willy sollte sich besser nach Bewaffnung umsehen.
Andererseits: Was konnte Jo, der Revolvermann, anstellen, wenn der eine Willy unbewaffnet blieb. Die Revolver einfach so sprechen lassen, das durfte Jo, der Revolvermann sich nicht erlauben.
Sehr viele waren die, die sich nun plötzlich im Saloon Empireless zusammendrängten? Schulter an Schulter, daß sie dastanden, die Saloonflügel im Rücken. Eine vielköpfige Meute der gesichtslosen Anziehpuppengestalten, lebendig Gewordenes aus dem örtlichen Kramerladen, ob mit Hut auf den Kugelköpfen aufgesetzt oder ohne.
Es schien Jo, dem Revolvermann, daß man von mal zu mal näher an ihn heranrückte. Unmerklich.
Daß sie bis auf Griffweite an ihn herankommen würdek, das konnten die der Meute doch nicht meinen. Kamen sie noch mal ein Stückweit ran, würde Jo, der Revolvermann, mit der Ballerei beginnen, komme am Schluß, was da wolle.
Auch nichts Neues. Nicht für Jo, den Revolvermann. Dann und wann hatte er sich schon den Weg freigeschossen. Waren die eigenen Vielschießer leergeballert, sprang er auf einen am Boden Liegenden zu, bückte sich schnell herab, hob einen Sechsschüsser auf. Oder er riß ihn aus einem fremden Lederholster raus. Jo, der Revolvermann, er mußte nur was zum Schießen in den Fingern haben. Bei Jo, dem Revolvermann, verfeuerte er Bleikugeln, saß jeder Schuß.
Marga, die mit dem nackten Oberkörper, die Gefallen an ihrer Nacktheit, ihren Blößen zu haben schien. Voll die Monde, die an Margas Brüsten aufgingen. Einem Rundtisch, um den niemand herumhockte oder -stand, dem Marge sich angenähert hatte. Nach der Seite beugte Marga sich zu dem Tisch herab, um das Angefaßte hochzunehmen.
Aus unerfindlichen Gründen, daß dort mitten auf der getränkefreien Rundtischfläche ein Revolver herumgelegen war. Mit zwei Fingern hielt Marga die Waffe am Griff in die Höhe.
Nichts weiter unternahm Marga, als das metallene Ding hochzuhalten. Jo, der Revolvermann, der die Szene genau beobachtete, wartete auf die weiteren Geschehnisse. Bloß, Marga fiel nichts weiter ein. Marga fing nicht an, mit dem metallenen Ding rumspielen zu wollen, dabei vielleicht wie nebenher nach Jo, dem Revolvermann, zu zielen. Nach dem Motto: selbst war die Frau. Was sollte der Willy der Willys auf Jo, den Revolvermann, schießen, wenn sie das besser konnte.
Marga unternahm nichts weiter, als den Sechsschüsser am Griff zwischen Daumen und Zeigefinger zu halten.
Dann reichte Marga die Waffe, ein laszives Lächeln aufgesetzt, als handele es sich bei dem von ihr Angefaßten um irgendwas anderes, in einer ruckartigen Bewegung an Mörder-Willy weiter. Der eine Willy, der den Revolver aus Margas Hand tatsächlich nahm, allerdings mit der Hand die metallene Trommel umfaßte, während der Lauf bei ihm Richtung Bauch zeigte.
Unzweideutig erkennbar an Mörder-Willy, daß Jo, der Revolvermann, nicht auf dumme Gedanken kommen sollte. Keinen Anlaß wollte er Jo, dem Revolvermann, geben, in einem Moment zu ziehen und mit dem Rumgeballere anzufangen.
Es spielte sich auch nichts ab, Jo, der Revolvermann, stand rum.
Mit nachdenklicher Miene schob sich Mörder-Willy den Vielschießer in den breiten, schwarzen Hosengürtel. Vermied es dabei, auch nur kurz zu blinzeln.
Jo, der Revolvermann, der auch nichts tat, als sich die Füße in den Bauch zu stehen.
Überlegen grinste Marga in Richtung Jo, dem Revolvermann. Möglicherweise, um Jo, den Revolvermann, zu etwas Unbedachtem zu veranlassen.
Schwer für Jo, dem Revolvermann, die Handlungsweise Margas genauer abzuschätzen. Erst mal war nichts passiert, als das, daß Marga Mörder-Willy eine Schießeisen zuschanzte. Wie es aussah, daß der Willy der Willys die Bewaffnung überhaupt nicht haben wollte. Etwas, das nun, weil bei ihm das mit dem Unbewaffnetsein vorbei war, zu einem Fehler für ihn werden konnte.
Und es war auch eine Fehleinschätzung Margas. Den Finger hob Jo, der Revolvermann, machte einen Schritt vom Tresen fort. Nochmals stellte Jo, der Revolvermann, sich in Positur, ließ die Hände links und rechts nahe den Lederholstern mit den Revolvern herabbaumeln.
Ganz unzweideutig klar, daß Jo, der Revolvermann, sich für das Entscheidungsduell zurechtstellte.
Der Mörder-Willy setzte eine gerunzelte Stirn auf, wirkte wie einer, der angestrengt nachdachte, wie er ein Problem lösen könnte. Die Daumen ließ der Willy im Hosenbund verhakt.
Die Szenerie stank Jo, dem Revolvermann, an. Er begriff sich nicht, worauf er wartete. Der Willy hatte eine Waffe, das mußte reichen. Im Grunde brauchte der eine Willy der Willys nicht mehr. Zumindestens anderswo hätte der eine Willy nichts weiter gebraucht, Jo, der Revolvermann, hätte ihm längst ein paar Kugeln in den Brustkorb gejagt. In dem Saloon Empireless in Pain City allerdings war das anders. Es war der Wunsch Jo's, des Revolvermannes, daß der eine Willy etwas anstellte. Nach seiner Waffe sollte er fassen. Vor den Augen Margas, der Barfrau, wollte Jo, der Revolvermann, den Willy genüßlich in Stücke schießen. Spieken wollte er die Willy-Brust mit Kugeln.
Ein neuer Wink Jo, des Revolvermannes, zu dem Willy hin. Der die Geste zur Kenntnis nahm, aber regungslos blieb.
Es dauerte nicht mehr lange, dann würde jeder im Saloon Empireless verstehen müssen, daß Jo, dem Revolvermann, die Geschichte zu bunt wurde.
Mit dem Finger deutete Jo, der Revolvermann, auf Mörder-Willy, und es war Mörder-Willy Augen anzusehen, daß er den Wink verstanden hatte: Jo, der Revolvermann, er würde dann demnächst doch mal ziehen. Mörder-Willy, er war dann fällig.
Marga, die Barfrau, hatte das ebenfalls mitbekommen, daß sich zwischen dem Willy der Willys, auf den sie setzte, und Jo, dem Revolvermann, etwas änderte.
Als der Willy die leeren Hände freischwebend präsentierte, störte Marga die Szene, indem sie sich beeilte, ihrem Mörder-Willy um den Hals zu fallen.
Damit fing Marga an, das Gesicht des einen Willys mit Küssen zu überschütten, bis der Willy seine Geliebte umarmte. Jo, der Revolvermann, er würde erst ihr in den nackten Rücken schießen müssen, feuerte er auf Mörder-Willy Bleikugeln ab.
Irgendwas, das wie die Mitteilung eines Geheimnisses wirkte, flüsterte Marga Mörder-Willy ins Ohr. Woraufhin Mörder-Willy sichtbar lauthals loslachte.
Ohne daß Jo deswegen eine Kleinigkeit von Mörder-Willys Gelächter vernehmen konnte.
Das blieb Jo, dem Revolvermann, rätselhaft, warum er nichts hörte. Der Barmann hatte sich auch wieder auf den Hocker bei seinem Klavier gesetzt, haute mit viel Hingabe und Körperverrenkungen in die Tasten.
Was die seltsame Gestalt in Schwarz spielte, Jo, der Revolvermann, erlauschte davon nichts nichts.
Aus den Augenwinkeln hatte Jo, der Revolvermann, Bewegung wahrgenommen. Die aufreizenden Tänzerinnen, sie waren auf der Schaubühne des Saloon Empireless zurück, hüpften ohne Unterlaß, warfen ihre lange Beine, hoben ihre Röcke, zeigten, daß weiterhin kein Tuch die Blößen ihrer Hüftgegenden bedeckte.
Die Röcke, daß sie dann überhaupt hochgehoben festhielten, während sie die Beine fast in Gesichtshöhe hochschnellen ließen.
Jo, der Revolvermann guckte und guckte. War ganz fasziniert. Mit jeder dieser Schönheiten hätte er ganze Nächte verbringen wollen.
Eine ziemliche Irritation für Jo, den Revolvermann, die eigene Taubheit und dazu das, daß er ins Taumeln geriet, als hätte ihn ein ärgerer Schlag getroffen.
Den Kopf schüttelte Jo, der Revolvermann, widmete sich aufs neue der Betrachtung Mörder-Willys, bei dem irgendwas war.
Das, was bei Mörder-Willy war, bedeutete, daß es ein gewaltiger Fehler Jo's, des Revolvermannes, sich ablenken zu lassen. Wie konnte er sich das nur erlauben, den Blick von Mörder-Willy und Marga, der Barfrau, fortzunehmen?
Mörder-Willy, er hatte die gute Gelegenheit genutzt. Den Lauf des sechsschüssigen Revolvers, den er von Marga erhalten hatte, daß der Willy einwandfrei auf Jo, den Revolvermann, gerichtet hielt. Aus dem Revolverlauf, daß es schon mal herausrauchte.
Mörder-Willy, er mußte einen Schuß abgefeuert haben.
Nachdem Jo, der Revolvermann, seine Aufmerksamkeit doch wieder auf ihn gerichtet hatte, wartete Mörder-Willy nicht auf irgendwelche weitere Kleinigkeiten, Mörder-Willy, er drückte ab.
Diesesmal, daß Jo, der Revolvermann, allem genau zusah. Aus dem Lauf der Schußwaffe Mörder-Willys, daß es grellgelb herausspritzte.
Der Stoß, den Jo, der Revolermann, an sich bemerkte, ließ ihn Richtung Saloonausschank torkeln.
Zwar, daß Jo, der Revolvermann, seinen rechten Sechsschüsser aus dem Lederholster herausriß. Den Revolverhahn, daß er wie tausendfach geübt mit dem Daumen zurückzog und abdrückte, nichtsdestotrotz war lange alles zu spät.
Die Bleikugel aus dem Sechsschüsser Jo's, des Revolvermannes, traf nahe beim Klavierspieler in die hölzerne Wand.
Das Schußloch konnten die Augen Jo's, des Revolvermannes, fixieren, während er es neuerlich aus der Schußwaffe Mörder-Willys gelbfarben spritzen sah.
Der heftige Einschlag einer Bleikugel aus Mörder-Willys Schußwaffe in die Brust warf Jo, den Revolvermann, mir nichts, dir nichts auf den Saloonfußboden nieder.
Über sich hatte Jo, der Revolvermann, die Holzdecke und irgendwie den Metallüster mit seinen dreizehn Kerzen.
Mit dem Rücken am Holzbohlenboden drunten rumliegend, so gewahrte Jo, der Revolvermann, sich. Haufenweise Glühwürmchen, die oberhalb nahe dem Lüster kreuz und quer durch die Gegend schwärmten.
Der dichtgedrängte Schwarm, der in einer gelben Spirale flog.
Einen Kreis mit Loch in der Mitte, den die gelblichgrellen Schwarmdinger ausbildeten.
Funken schienen schließlich zwischen den einzelnen Lüsterkerzen geschlagen zu werden. Am Balkenhimmel droben, daß ein wahres Feuerwerk abgebrannt wurde. Schön, ihm zuzugucken.
Als mal aller Funkenschlag verglühte, kam nicht die Nachtschwärze über Jo, dem Revolvermann. Eine Malerei Margas geriet ihm in Sicht.
Eine prächtige, fast lebensechte Abbildung Margas. Beste Ölmalerei. Daß man den Künstler und Maler für sein Porträt bloß loben konnte.
Marga auf einem Diwan sitzend, gekleidet in ein rotes Tänzerinnenkleid mit tiefem Ausschnitt. Die roten vollen Lippen Margas zeigten die Andeutung eines Lächelns, das Lächeln von einer, die ihren Willen bekommen hatte.