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Blog von TeddeMehr

1. Teil: 1.6

9. Dezember 2019 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #dreimal erwachen

Ein Schattenwurf war.

 

Dann wurde ihm der Blick klar. Den Saloonschwingtürflügeln befand er sich gegenüber. Er war Jo, der Revolvermann.

Ein Gefühl der Bedrohung, das Jo, der Revolvermann, spürte. Eins, das ihm sagte, daß es das Aller-, Allerbeste wäre, kehrtzumachen. Susan loszubinden, auf Susans Rücken sich hinaufzuschwingen und auf und davon zu reiten. Weit, weit weg. Von diesem Ort, Pain City mit Namen.

Würde zwar von jedem, der es mitkriegte, als Flucht angesehen werden können. Als das, daß Jo, der Revolvermann, kniff. Kein besonderer Vorzug für Jo's Ruf in der Welt. Der ohnehin mittlerweile ein klein wenig ramponiert war. Überall durfte Jo, der Revolvermann nicht mehr hinreiten, ohne daß mit dem Finger auf ihn gezeigt wurde.

Früher war niemand länger stehengeblieben, wenn Jo, der Revolvermann, zu ihm hinschaute. Die Beine hat man in die Arme genommen; oder zumindest den Blick gesenkt. Im Gegensatz zur Gegenwart.

 

Seine Auftraggeber im Osten, gut möglich, daß sie bald neue Scheinchen investierten. In irgend jemanden, der sich auf die Spur Jo's, des Revolvermannes, setzte.

Immer häufiger in der letzten Zeit, daß Jo, der Revolvermann, sich umblickte. Nach Gesichtern Ausschau hielt, die ihm unvermittelt bekannter vorkamen.

Nur, bis dato hatte Jo, der Revolvermann, sich noch keinem genähert, der wirklich etwas von ihm gewollt hätte. Und: Von hinterrücks hatte ihn bisher auch noch keine Kugel erwischt.

Ihr Geld allerdings, das die Ost-Leute deswegen nicht wiederkriegten. Daß denen doch mal die Geduld abhandenkommen konnte. Schließlich hatte Jo, der Revolvermann, zu dem Abgesandten, der ihm die Golddollars aushändigte, gemeint, daß er davon per Telegraph Meldung geben würde, sobald er seine Arbeit erledigt hätte. 

Je mehr Zeit allerdings verstrich, um so größer die Gefahr, daß die aus dem Osten hier in der Gegend doch mal Erkundigungen anstellen ließen. Wie es um die Gesundheit von Jo, dem Revolvermann, bestellt war, was mit dem war, mit dem Jo, der Revolvermann, etwas anstellen sollte.

Der Eindruck, den man erhalten konnte: Überhaupt nicht gut, daß es um die Sache bestellt war. Nicht das bißchen, daß es so aussah, daß Jo, der Revolvermann, für die Dollars, die er längst gekriegt hatte ...

 

Nur, Jo, der Revolvermann, war nach Pain City, dieser Willy-Stadt, hineingeritten.

Brauchte keiner, der hinter Jo, dem Revolvermann, her war, sich darum bekümmern, daß er vielleicht, Jo, dem Revolvermann, gegenüber, nicht schnell genug mit dem Ziehen des Schießeisens war.

Bis vor kurzem war der Ruf Jo, des Revolvermannes, tatsächlich nicht von schlechten Eltern.

Wenn jemand bei Jo, dem Revolvermann, ankam, sich Jo, dem Revolvermann, gegenüberstellte. Einer, der Jo, den Revolvermann, hinterrücks erschoß, der hatte am Ende keinen zusätzlichen Gewinn davon. Er fand sicher nichts von irgendwelchem Geld. Außer der Summe, wie sie Jo, der Revolvermann, ebenfalls erhalten hatte. Führte er einen Mordauftrag für die Ostler aus. Darüberhinaus gab's nichts mehr bei Jo, dem Revolvermann, zu holen.

Die Schulter zuckte Jo. Was dachte er dauernd darüber nach, ob ihn irgendwer verfolgte? Ob ihn nicht ein Schuß in den Rücken treffen konnte? Nun hielt er sich in Pain City auf. Erledigte Jo, der Revolvermann, das, für das er die Golddollar gekriegt hatte, mußte er sich nicht weiter mehr über etwaige Verfolger besorgen.

Mit der Auftragserledigung war für Jo, dem Revolvermann, die Geschichte wieder geritzt.

Vielleicht war dann auch noch ein Beweisstück der Telegraphennachricht ostwärts hinterherzuschicken, auf dem Postweg.

Mußte Jo, der Revolvermann, sehen, was dafür gut war.

Ein abgeschnittener Ringfinger? Der eine Willy liebte Goldringe an den Fingern. Hatte auch goldene Ringe in den Ohren.

Er konnte auch ein Ohrläppchen schicken.

 

Vor den hölzernen Saloonschwingflügeln stand Jo, der Revolvermann, mit zum gerippten Holz herabgesenkten Augen herum. Seit einem geraumen Weilchen jetzt bereits.

Kein Geräusch aus dem Salooninneren drang an seine Gehörgänge. Nichts und niemand näherte sich, wollte aus dem Empireless herauskommen, in das Empireless hinein.

Jo, der Revolvermann, worauf wartete der eigentlich? Jo, der Revolvermann, er duellierte sich gerne. Jo, der Revolvermann, er war schnell. Hatte das bereits mehrfach bewiesen, wie schnell er war.

Andere waren in gezimmerte Särge gelegt worden, nicht Jo, der Revolvermann.

Wenn Jo, der Revolvermann, die Dinge in Pain City geregelt hatte, das die Runde machte, daß er ein weiteresmal heil davonkam, dann änderte sich für Jo, dem Revolvermann, wieder einiges. Dann jagte er wirklich wieder selber, hetzte die Leute. Statt sich als Gejagter zu fühlen, wie zuletzt die Zeit. Wie er die Angelegenheit seit einem Weilchen vermehrt zu empfinden begann: daß er nervös den Hals verdrehte. Oder wegen eines Knacksens in der Nähe zusammenzuckte.

 

Die ledernen Halteschnüre zog Jo von den Hähnen seiner beiden Revolver links und rechts herunter. Jo lockerte die eisernen Dinger in den Holstern.

Auf der Stelle blieb Jo nichtsdestotrotz stehen, den Blick jetzt jedoch Richtung Holzbohlen gesenkt.

Das gestern war gestern, das im Heute war heute. Eine neue Situation. Was er mal überlebt hatte, heil überstanden, das gehörte der Vergangenheit an. Sollte er nicht doch besser alles auf sich beruhen lassen? Abdrehen, sich auf Susan schwingen - davonreiten?

Allerdings war er in Pain City eingetroffen. Mit Sicherheit wurde das beobachtet, wer in die Stadt hineinritt. Jo, der Revolvermann, daß er Pain City war, das konnte lange seine Kreise gezogen haben.

Jetzt eine Flucht - das hätte was zu bedeuten. Für Jo, den Revolvermann.

Jo, der Revolvermann, er flüchtete besser nicht. Jetzt nicht mehr, nachdem er bereits vor den Saloonschwingflügeln herumstand. Er durfte das jetzt nicht mehr, einfach abdrehen, die Flucht ergreifen. Am Ende zeigte noch jedes Kind mit dem Finger auf Jo, dem Revolvermann. Meinte zu Jo, dem Revolvermann, er wäre ein Feigling. Eine Memme.

 

So weit war er gekommen, daß er bereits auf der Schwelle hinein in das Empireless herumstand.

Den Rest, den hätte er sich tatsächlich bereits früher mal überlegen können. Zum Beispiel, ehe er sich von denen aus dem Osten beauftragen ließ. Gedankenlos. Den Zaster der Östlichen hatte er auch noch genommen. Bis auf ein bißchen was all die Golddollars verpraßt, ausgegeben. Aber bis jetzt nichts dafür getan. Längst hätte er die Angelegenheit geregelt bekommen müssen. Da und dort hätte sich ihm eine Chance geboten, wo hinzureiten und ...

Für seinen Auftrag war das nicht maßgeblich, daß Marga sich irgendwo in der Nähe herumtrieb. Mit Marga persönlich hatte die Geschichte in dem Sinne nichts zu schaffen. Bei einer Kugel zwischen den Augen - wenn Jo, der Revolvermann, sie einem verpaßte.

Davon hätte Marga am Ende früh genug noch erfahren können.

Wie die Tränen Marga, der Barfrau, aus den Augen kullerten, das hatte Jo, der Revolvermann, sich oft vorgestellt.

Nur, der Anlaß war weiterhin nicht gegeben, daß Marga, die Barfrau, mit irgendeiner Heulerei anfangen hätte müssen.

 

Als Revolverheld hatte Jo einen guten Leumund in der Welt. Dadurch einen Standpunkt zu verteidigen. 

Weit und breit wurde Jo's Schnelligkeit gerühmt. Jo, der Revolvermann, war gefürchtet.

Warum also sollte sich Jo, Jo, der mit seinen Revolvern und seinem Gewehr ständig am Üben war, plötzlich vor Angst in die Hosen machen?

Langsamer war Jo, der Revolvermann, die jüngste Zeit nicht geworden. Nur lieber in der Landschaft umhergeritten, statt zu viele Städte aufzusuchen. Anders wie früher, als er in jede Stadt hineinritt, an der er vorüberkam.

Trotzdem, auch wenn Marga im Saloon Empireless in Pain City wie altbekannt ihrer Arbeit nachging, hätte Jo, der Revolvermann, deswegen lange nicht nach Pain City reiten müssen, seinen Auftraggebern aus dem Osten Genüge zu tun. Genügend Gelegenheiten hatte Jo, der Revolvermann, andernorts schon gehabt.

Von dem her, es schien, daß Marga doch der Grund für alles war. Weil Marga einfach nicht dort bleiben hatte wollen, wo sie war, und dort wie sonst immer auf Jo wartete. Das erwartete, daß Jo, der Revolvermann, das nächstemal wieder bei ihr im Hotel vorbeischaute.

Wenn Jo später wieder wegritt, ritt Jo alleine aus der Stadt. Kein einzigesmal, daß Jo mit Marga zusammen die Stadt verlassen hatte. Auch nicht für einen Vergnügungsausritt. Und das, obwohl Marga öfters meinte, sie liebe Pferde, wäre keine schlechte Reiterin.

Und nun, nachdem Marga sich entschieden zeigte. Marga in dem Hotel, in dem sie jahrelang als Barfrau beschäftigt war, die Koffer packte, ihre alten Reisekoffer, die sie für sich hinten auf einen Kutsche laden ließ, deren Kutscher sie bezahlte ...

Einem Lockruf, daß Marga Folge leistete. Dem von einem ...

Grund genug war das, Grund genug, Marga zwischen die Augen zu schießen.

Die Sechsschüsser zog Jo halb aus ihren Lederholstern, schob sie zurück.

 

 

 

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