1. Teil: 2.6
Zum xtenmal war Joachim zu sich gekommen. Konnte sogar die Augen aufschlagen, im hellen Deckenlampenlicht blinzeln.
Aber, es war nicht angenehm, wach zu sein.
Er fühlte sich wie flambiert. Als wäre ein Feuer über ihn hinweggegangen.
So schlimm war vorher im Wachen keine Qual.
Fast, als wäre eine Flasche Hochprozentiges über ihm ausgeleert worden. Entweder, weil er das selbst anstellte. Oder irgendwer das bei ihm machte.
Bloß, wer sollte das tun?
Konnte Joachim überhaupt nicht überblicken, ob man jemanden mit Alkohol überschütten, und dann denjenigen so einfach länger in Flammen aufgehen lassen konnte.
Allerdings, Schnaps war brennbar. Fleisch, Früchte waren in der Bratpfanne mit Hochprozentigem zu übergießen. Zündete man das an, loderte eine Stichflamme hoch.
Marga hatte das früher ein-, zweimal in der Küche bewerkstelligt, sich über die hohe Flamme gefreut.
Eher nicht, daß er an was mit Alkoholischem glaubte. Es mußte Brennspiritus gewesen sein.
Andererseits war zu überlegen, das, daß er kurz flamibert worden war, war keine so schlechte Idee. Hätte es bei ihm in der Wohnung ein richtiges Feuer gegeben, dann wäre am Ende die gesamte Wohnungseinrichtung in Flammen gestanden. Hätte es in der Wohnung gebrannt, wäre wohl kein Leben mehr in ihm.
Das mit dem Kohlenmonoxid arbeitete schnell. Wie die Rede ging.
Außerdem wäre bei einem Brand mit Rauchentwicklung Feuerwehr und Polizei innerhalb kürzester Frist vor Ort aufgetaucht. Herbeigefahren gekommen.
Feuerwehrleute hätten den Brand gelöscht, wären über eine lange Leiter durch eines der Fenster zu ihm in die Zimmerfluchten hereingestiegen. Nach anwesenden Personen hätte man sich in den verrauchten Räumlichkeiten umgesehen.
Ein Ding der Unmöglichkeit, daß er nicht entdeckt worden wäre. So breit, wie er im Flurgang rumlag. Auf einer Transportliege oder in einem Plastiktragebeutel hätte man ihn unten auf die Straße geschafft. Wo Sanitäter den Verletzten erwarteten.
Mit Sirenen hätte man ihn Ins nächste Krankenhaus verbracht.
Wäre das ihm geschehen, wäre er nicht bei sich im Wohnungsflurgang erwacht. Sondern in einem Krankenhausbett, rundum in Verband eingemümmelt.
Nichts davon war jedoch wahr. Alles die reinste Phantasie. Die ihn nicht von seinen Qualen erlöste. Ihn allerhöchstens ein klein wenig von seinem Miserabelzustand ablenkte.
Er befand sich alleine in der eigenen Wohnung. Der altbekannte Flurgang seiner eigenen Wohnräume. Alles bestens vertraut.
Außerdem, soweit roch nichts bei ihm verbrannt. Flammen hätten an den Wänden links und rechts Spuren hinterlassen.
Wenn eins tödlich war, dann Rauch ... Und tot, das war er nicht. Der Tod wollte ihn nicht erlösen. Er hatte die Umstände zu ertragen.
Da konnte er herumglotzen, soviel er wollte, wenn es nicht bei ihm in der Wohnung gebrannt hatte, hatte es nicht gebrannt. Das war war anderes, das ihm momentan Schmerzen bereitete, fast, als ob er lichterloh in Flammen stünde.
Das blieb ihm ein Rätsel, woher er sein mieses körperliches Befinden hatte. Was ihm da die Haut herbrannte.
Im ganzen Leben war es ihm nie so übel gegangen, konstatierte Joachim.
In einem Anfall des puren Trotzes gegen die Welt des Schmerzes wünschte sich Joachim, allem entfliehen zu können. Woraufhin Joachim es überraschenderweise fertigbrachte, den Hinterkopf vom Fußboden weg hochzuwuchten. Nach links und nach rechts verdrehte er den Hals.
An der weißgestrichenen Flurwand zu Joachims Linken war der blutige Abdruck einer Hand.
Eine Bluthand, wie was aus einem Horrorfilm.
Nicht frisch. Bereits getrocknetes Blut.
Entsetzt, daß Joachim sich zurückfallen ließ, um hinten mit dem Kopf hart am Fußbodenteppich aufzukommen.
Grelle Blitze hatte er vor Augen. Dann ...