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Blog von TeddeMehr

1. Teil: 2.7

11. Januar 2020 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #dreimal erwachen

Es war die reine Pein, die ihn ins Wache zurückholte.

Gerne hätte Joachim wieder mal was anderes gehabt als diese Ganzkörperwahrnehmung von Schmerz, ein Brennen, als stünde bei ihm die Hautoberfläche in Flammen.

Übelkeit, Benommenheit und so diese gelblichgrellen Leuchtphänomenen vor den Augen setzten ihm zudem zu.

 

Überraschend entdeckte Joachim, daß er Gefühl in den Fingern seiner Rechten hatte. Irgendwas war da.

Glattes, Festes und doch Nachgiebiges. Ein gläsernes Material spürte Joachim.

Plötzlich war es Joachim klar, was das war. Weiterhin konnte er dieses wirklich Interessante ertasten.

Das Herz Joachims machte einen Sprung.

 

Es war fast nicht zu glauben, Joachim schaffte es, den rechten Arm anzuheben, ohne daß ihm der Gegenstand aus der Handfläche flutschte.

Vor die blinzelnden Augen konnte er sich das Teil halten,

Sein Phon!

Goldfarbenes Lackdesign hinten und an den Seiten. Das mit der Antäuschung von Gold, angeberisch, der Prahlhans.

Hatte Marga früher das eine oder andere Wort Joachim gegenüber fallengelassen. Das angesprochen, daß an Joachims Phönchen nicht das bißchen was echt und teuer war. Außer daß es so aussah, als wäre es etwas, das einem Besseren gehörte.

 

Verkehrtherum hielt Joachim das gute Stück für die Kommunikation. Deshalb war alles unvertraut, als die Anzeige aufleuchtete.

Nicht gerade viel Akkuleistung, hielt Joachim die Tatsache fest, als er sich orientiert hatte.

Außerdem war die Anzeige ziemlich blutverschmiert. Blut, das Joachim an der Hand lief, weil da bei ihm wegen den vielen Bewegungen Verkrustetes Risse kriegte.

Das Teil fürs Telefonieren, Nachrichtenschreiben und internationales Netz legte Joachim bei sich auf die feuchte Hemdbrust.

Eine dunkle Verkrustung an Handrücken, -gelenk ... Joachim weigerte sich, da drüber sich Gedanken zu machen.

Andere Dinge waren wichtiger: Es mußte die Anzeige sichtbar, lesen bleiben. Das feuchte Rot mußte nützen, die Anzeigefläche sauber zu kriegen.

Herab zur Hüfte schwang Joachim den Arm, wischte mit der Anzeigeseite am Teppich auf und ab.

Eine kleine Ruhepause benötigte Joachim bald. Das Ungemütliche war momentan ein wenig in den Hintergrund getreten. Nichtsdestotrotz: Mit seinen Kräften war es nicht soweit her; er war wegen nichts rasch erschöpft.

 

Alles war ganz einfach für ihn. Als wäre manches plötzlich wieder weniger ein Problem für ihn, das bis vor kurzem von ihm überhaupt nicht fertigzubringen war.

Wie selbstverständlich konnte er etwa kompliziertere Fingerübungen unternehmen. Das Phon mit der Linken in die Höhe halten, sich den Zeigefinger der Rechten in Mund stecken, Blut weglutschen und am Phon herumdrücken.

Als hätte er nicht ewig was andere Umstände bei sich gehabt, hätte ihm nicht jedewede Taubheit überall an den Körpergliedern mitgespielt.

Die Zugangscodes, die ihm sein Phon abverlangte, hatte er eingegeben. Sich wie wahnsinnig darüber gefreut, daß sein Gedächtnis ihm bei der Zahleneingabe keinen Streich spielen wollte.

Die nächsten zirpenden Tastendruckgeräusche. Ein Fingerdruck mit Zirpen - grüne Drucktaste mit Telefonsymbol - der Anruf ging ab.

Margas Nummer, die er aus dem Kopf eingegeben hatte, hatte Joachim vor den Augen: die eine Nummer, die gewählt wurde.

 

Der Wahnsinn, jede einzelne Zahl hatte Joachim richtig eingetippt.

Und er war, anders als er das erwartet hatte, nicht gesperrt, blockiert. Der Anrufsversuch ging einwandfrei durch.

Konnte Joachim sich im Augenblick nicht so erklären, daß Marga Joachims Nummer von der Blockierliste genommen hatte.

"Marga-Schatzi hier", erlauschte Joachim Margas ein wenig verzerrte, ferne Stimme. "Du rufst auf Margas Mailsbox an. Du willst was von mir ... Ob ich aber auch von dir was will ...? Nun, du hast mir was zu erzählen ...? Na dann, leg los nach dem - PIEP!"

Margas altbekannte Sprachnachrichtenansage. An der änderte Marga nicht mehr irgendwas.

"Bitte, Marga - Jo hier!" krächzte Joachim in die Gerätschaft, die er sich Höhe Sprechmembran vor den Mund hielt, räusperte sich. "Jo, ist hier. Du weißt, Jo. Jo ... Du mußt schnell zu mir herkommen ..."

 

Stockie, der Straßenköter der Dottlers in den Wohnräumen unterhalb von Joachims Wohnung, bellte lautstark. Zu ihm, daß das Mistvieh heraufkläffte.

Umbringen hätte Joachim das Vieh können, weil ihm bei jedem weiteren Sprechversuch dazwischengebellt wurde.

Den Arm mußte Joachim vor Schwäche herabsinken lassen, sich zurücklegen. Vor seinen Augen sah er grelle Spiralen, Kreise.

Schwer zu sagen, ob Marga sein Gekrächze verstehen konnte, wenn sie die Sprachmitteilung abhörte. Eigentlich war die gesamte Geschichte ärgerlich, mindestens genauso wie das Bellen Stockies.

Was hatte er nur ewig mit Marga? Warum pfiff er nicht auf die? Auf die, die sich was mit seinem besten Freund anfing. Mit dem ins Bett stieg, obwohl der aussah ... Daß Willy jemals Margas Typ sein würde, daß Marga fähig wäre, mit Willy ins Bett zu gehen, früher hätte Joachim das nicht geglaubt. Das lag jenseits jeder Möglichkeit.

 

 

Warum also wählte er Margas Nummer, statt ohne irgendwas den Notruf zu wählen?

Die Antwort, sie war klar. In die Taschen mußte er sich nicht lügen.

In Wahrheit wollte er nicht, daß irgendwelche Leute herbeikamen. Sondern wünschte sich eins: daß Marga eintraf und anfing, sich Sorgen um ihn zu machen. Schließlich war sein körperliches Befinden wirklich mies zu nennen.

War Marga erst dazu zu veranlassen, bei ihm vorbeizukommen, dann bemerkte Marga, wie dreckig es ihm erging. Dann ...

Dafür verzichtete er auf das Wählen der Notrufnummer.

 

 

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