1. Teil: 5.1
Nichts und alles erwartend, starrte Jo, der Revolvermann, herum. W.'s Saloon Welcome war wahrlich kein Ort, sich wohlbehalten und in Sicherheit zu fühlen.
Eine unvermittelte Bewegung aus den Augenwinkeln heraus ließ Jo, den Revolvermann, zusammenzufahren.
An der Wand linker Hand erkannte Jo, der Revolvermann, einen Umriß. Nachdem er den ersten im Blick hatte, bemerkte er weitere Umrisse.
Sechs Stück.
Fast war es, als bilde die Holzwand Gestalten aus. Welche in Grau- und Schwarztönen.
Grau-, schwarzfarbener Stoff quellte auf. Graue, schwarze Gewänder. Alles Männeranzüge. Sechsmal ohr- und gesichtslose Kugel- und Ovalkopfformen. Lederartigkeit in Hautfarbe.
Das Kugelrunde und die Ovalform, die wirkten hier tatsächlich, als wären sie mit Nähwerkzeug zusammengeflickt worden.
Die rosa Hautfarbe des Ledernen der Kugel- und Ovalköpfe, bei seltsam langen Hälsen, sie faszinierte Jo, den Revolvermann.
Still, reglos blieben sie allesamt erst mal mit dem Rücken an die Wand gelehnt stehen.
Schwer zu sagen, für Jo, dem Revolvermann, ob diejenigen durch die hölzerne Seitenwand hindurchgegangen waren. Diese durchdrungen hatten. Oder, wie das sonst geschehen konnte, was geschehen war.
Jedenfalls waren sie zu sechst in W.'s Saloon Welcome. Jo, der Revolvermann, konnte sie betrachten.
Sechs von IHNEN, das bedeutete, daß das die gleiche Anzahl war, wie bei den Geschehnissen auf der Hauptstraße der Stadt Pain Way. Als dort alles anfing.
Anscheinend wollte sich die gesamte Geschichte im Gästeraum des Willys Welcome wiederholen.
Mit dem Impuls kämpfte Jo, der Revolvermann, seine beiden Revolver aus ihren Holstern herauszureißen und mit dem Schießen anzufangen.
Allerdings war das nicht einfach. Ohne jeden Grund draufloszuballern.
Die außerhalb, die auf der Straße und links und rechts der Straße, in die konnte zu jeder Sekunde Bewegung kommen. Dann befand Jo, der Revolvermann, sich einer Übermacht gegenüber. Einer, der er hilflos ausgeliefert war. Sollten die vielen keine Zurückhaltung mehr kennen.
Seltsam fand Jo, der Revolvermann, das, daß er das nicht länger eindeutig festhalten konnte, ob die Kugel- und Ovalköpfigen, die sich an der Holzwand nicht rührten, nicht bereits im Gästebereich befunden hatten. Ohne, daß er sie in der Wahrnehmung gehabt hätte. Daß es ihm lediglich vorkam, als ob diejenigen, durch eine Wand hindurch ...
Womöglich hatten seine Sinne diejenigen nur nicht wahrgenommen. Trotz der schwarzen und grauen Anzugfarben, den graufarbenen Hemden und den schmalen schwarzen Bindern, die den Männergestalten die Hemdbrust schmückten. Aber, das Braun der Holzfarbe war ziemlich dunkel.
Womöglich waren SIE ihm von vorneherein nicht aufgefallen. Hätte der in der Mitte sich nicht zufällig geregt, vielleicht, daß das Augenpaar Jo's, des Revolvermannes, weiterhin blind für die Sechserreihe geblieben wäre.
Jo, der Revolvermann, er hatte nicht die Absicht, irgendeine seiner wertvollen Kugeln zu vergeuden. An keinen der sechs Kugel- und Ovalköpfe.
Was dann Sache war, nachdem er mehrfach geblinzelt hatte, war, daß er nicht mehr nur sechs, sondern neun zählte. Fast, als hätte er ohne Verzug zwingend schießen müssen.
Aus sechs waren neun geworden. Die bedrohlich wirkten.
Alles fing an, wie auf der Straße. Was nur eins bedeuten konnte: Jo, der Revolvermann, er mußte weiter.
Seitlich rechts beim Ausschank hatte Jo, der Revolvermann, vorhin, als er das Willys Welcome betrat, beim flüchtigen Drüberblicken eine hellgraue Holztür mit Metallklinke gesehen.
Zu der Tür mußte er jetzt. Die Tür dort hatte er zu nehmen.
Wenn die Tür verschlossen war, mußte er sich mit der Schulter gegen sie werfen. Oder mit dem Revolver das Schloß kaputtschießen. Aufreißen, hineinschlüpfen, hinter sich zuschmeißen und den Revolver sofort nachladen.
Mit dem Arm am Tresen rutschte Jo, der Revolvermann, langsam Richtung der Holztür. Darauf hoffend, daß die Absicht unbemerkt blieb. Sah auch danach aus, daß sich keiner der sechs an der Holzwand Befindlichen deswegen um was besorgte. In Bewegung gerieten sie nicht.
Zwölf der Kugel- und Ovalköpfe zählte Jo, der Revolvermann, nachdem sie ihm wieder mehr vorgekommen waren.
Wieder waren es drei mehr. So durfte es nicht weitergehen, daß sich das Willys Welcome nach und nach auffüllte.
Die Stufen in die nächsthöheren Stockwerke hinauf, die wären ebenfalls noch eine Wahlmöglichkeit gewesen.
Allerdings nicht die von Jo, dem Revolvermann, bevorzugte. Wiewohl Jo, der Revolvermann, mit dem Finger aufwärts zeigte, so tat, als würde er jede Sekunde die Stufenfolgen hinaufrennen wollen.
Auf die neuerlich mehr Gewordenen kam es an, was er wollte oder nicht. Und sie bewegten sich Schulter an Schulter nicht das bißchen.
Irgendwie war Jo sich sicher, daß er die bessere Idee hatte. Die eine Tür rechter Hand vom Ausschank.
Diese war mit Sicherheit normal für die meisten Gäste in dem Willys Welcome verboten. Höchstens den Willys, den Herren im Willys Welcome, daß der Zutritt dorthinein gestattet war. Allerhöchstens noch ein paar höher gestellte Angestellte des Willys Welcome, die sich durch die Tür ebenfalls in das dahinter hineinbegeben durften.
An sein Ziel angekommen, entdeckte Jo, der Revolvermann, sich. Wartete, breitbeinig sich zurechtgestellt, was sich abspielte, die Hände in der Nähe seiner Sechsschüsser.
Groß bekümmete nichts, nicht irgendwas, das sich bei Jo, dem Revolvermann, tat. Die Kugel- und Ovalköpfigen, wieder drei, vier mehr geworden, blieben auf ihren Plätzen.
Herum wandte sich Jo, der Revolvermann, näherte sich der Holztür mit Klinke.
Hinter dem Ausschanktisch war auch jetzt weiter keiner. Keiner, der da auftauchen wollte, während Jo, der Revolvermann, hinblinzelte.
Kein livrierter Bediensteten ließ sich unvermittelt blicken, dazu da, Whiskeygläser zu füllen.
Vielleicht auch, daß er ein Schlagwerkzeug in den Händen halten oder eine Schrotflinte hochrecken hätte können. Um Jo, dem Revolvermann, zu bezeigen, daß er stehenzubleiben hätte. Abzuwarten.
Jo, der Revolvermann, wußte, daß er dem Rest im Willys Welcome den Rücken zudrehte. Jeder bewaffnet, mit einem oder zwei Revolvern in den Lederholstern gegürtet.
Den Blick starr auf sein Ziel gerichtet, hoffte Jo, der Revolvermann, daß nicht abgesperrt war. Um nicht doch eine Kugel an das Türschloß verschwenden zu müssen.
Auf die Klinke legte er die linke Hand, drückte sie herab, die Rechte am Revolvergriff des Sechschüssers im Holster an seiner rechten Hüfte.
Kein herbeieilender Schritt zu erlauschen, kein klingender Sporenklang.
Nach drinnen schwang die Türfläche einwandfrei auf.
Hinein, daß Jo, der Revolvermann, in einem Sekündchen schlüpfte, die Tür zuschob. Den im Schloß steckenden Schlüssel, daß er zweimal herumdrehte.
Um sich am Absatz herumzuwerfen, sich der Betrachtung des Flurgangs zu widmen.
Ein grelles Petroleum-Licht erhellte mit ausgelegtem rotem Teppich, der bis an die Wandflächen heranreichte.
Ein langer türloser Flur, daß das war. Eine Optik, als nehme er kein Ende.