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Blog von TeddeMehr

1. Teil: 8.3

10. April 2020 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #dreimal erwachen

Willy und Marga, die zwei, die ein Paar waren.

Vor seinem geistigen Auge sah Joachim einen Baum. In die Baumrinde eingeritzt war ein Herzchens. Zwei Namen, daß drinnen in dem geritzten Herz geschrieben standen: Marga+Willy.

Zu dem Baum hatte Joachim sich hinbegeben, nachdem Willy und Marga von da fortspaziert waren

 

Willy, eigentlich wäre er für Joachim auch im Heute anrufbar gewesen. Willy hatte seine Nummern nicht wegen Joachim geändert. Willy waren Anrufe Joachims egal. Kannte er eine Nummer Joachims, ging Willy einfach nicht ran.

Jederzeit konnte Joachim demnach Willy anrufen.

Bisher hatte er das nur nicht so oft gemacht, Willy am Telefon oder Phon zu belästigen. Vielleicht hätte er das weitaus öfter tun sollen.

Im Moment bereute Joachim das ein wenig, Willy, diesen Mistkerl, außen vor gelassen zu haben.

 

Andererseits: Er hatte Willy schon das eine oder andere Mal antelefoniert.

Weil er Marga an der Membran erwischen wollte. In der Erwartung, es könnte Marga sein, die sich meldete.

Einzig und alleine, es war der Wunsch Willys, daß ihm auf die mailbox gesprochen wurde.

Was polizeilich verwertbares Sprachmaterial wollte Joachim denn nicht unbedingt bei Willy abliefern. Dinge, die er Marga gegenüber bereits dann und wann von sich gab, wenn es zu einer Begegnung von Marga und ihm kam.

Vor allen Dingen, wenn es ihm gelang, Marga einen Moment auf die Seite zu ziehen. Da hatte Joachim einige Worte frei gesprochen, bis Marga sich von ihm losriß, sich zu einer ihrer Freundinnen oder einer Arbeitskollegin flüchtete. Eine, die die ganze Zeit über nichts als doof guckte. Was gut fürs Reinhauen in die Visage gewesen wäre.

Schade, daß Marga sich, wenn sie sich bei Willy aufhielt, nicht doch melden wollte. Vielleicht, um bei Willy daheim auch mal ein paar zornige Worte in Joachims Richtung Joachim abzusetzen. Nicht nur immer so was in der Art eines Hinweises, wie unnütz all die Sachen doch waren, die Joachim unternahm. Auf die Weise, wie er das anstellte, konnte er sie, Marga, mit Sicherheit nicht zurückgewinnen.

 

Das ging Joachim durch den Kopf, daß Marga doch bei Willy bleiben könnte, weiter Willys schiefes Maul küssen.

Andererseits hatte er auch das schon des öfteren zu sich gemeint. Ohne dann ablassen zu können, sich was mit Marga zu überlegen. Auch was dahingehend in die Tat umzusetzen.

Schlagartig bedrängte Joachim ein Gedanke: Wolllte er wegen Marga irgendwas, brauchte Geld. Um seine Miete und andere Kleinigkeiten des Alltags zu bezahlen, für alles benötigte er Geldbeträge. Ohne geregeltes Einkommen war es schwierig, weiterhin Marga hinterherzusein.

Für seinen Monatslohn hatte er einen Arbeitsplatz. Er ging in die Arbeit. Eigentlich legte er wert auf die eigene Arbeitsmoral und die Pünktlichkeit. Kaum je einen Fehltag, daß er sich je leistete.

Und jetzt - was war, wenn man ihm kündigte? Wie lange fehlte schon an seiner Arbeitsstelle? Zwei Tage waren das mit Sicherheit. Ein paar mehr mußten es darüberhinaus sein, über den Daumen gepeilt.

 

Die Kollegen, sie würden die Arbeit für ihn miterledigen müssen.

Niemand im Büro wußte irgendwas davon, was mit Joachim los sein könnte. Er hatte sich noch nicht ein einzigesmal gemeldet. Keinen Anruf getätigt, nichts.

Sein Fehlen irgend jemandem zu erläutern, das war nicht. Bis zum jetztigen Zeitpunkt hätte Joachim das auch überhaupt nicht gekonnt.

Insbesondere Menzle, den hätte er mal zwischendurch antelefonieren müssen, sich bei ihm melden. Bei Personaler Menzle. Ein netter Kerl, Menzle, der Mann für die Personalfragen, und doch war Menzle ein Dreckssack.

 

Die ihn tief in seinem Innern erschütternde Erkenntnis durchzuckte Joachim heiß, daß längst das Wochenende vor der Tür stehen konnte. Und derjenige, der dem laufenden Firmenbetrieb tagelang unentschuldigt fehlte, das war er, Der Jo.

Der Jo, der schickte kein ärztliches Attest. Ließ nicht das geringste von sich vernehmen. Nichts per Kurznachrichtendienst. Elektronischer Post.

Unentschuldigte Fehlzeiten waren das. Die eine Kündigung zur Folge haben konnten.

Personaler Menzle, der war einer, der kündigte gerne den Leuten. Lehrlingen, Praktikanten, welchen, die sich im Verlauf ihrer Probezeit was leisteten, denen gab Personaler Menzle zwar den Vorzug. Denjenigen erklärte Personaler Menzle unzweideutig deutlich, daß es nichts wurde mit einer Festanstellung.

Schwer mit den Kündigungsschreiben war Personaler Menzle unterwegs. Und jetzt war das Joachim, der Personaler Menzle in Aufregung versetzte.

 

Das wäre das mindeste gewesen, mal seine Stimme in dem Laden hören zu lassen.  Sich Menzle, den Personaler, klarzumachen. Sich mit Personaler Menzle über das weitere Prozedere zu verständigen. Darüber zu informieren, daß das Arztattest nicht länger auf sich warten lassen würde.

Und jetzt waren das etliche Tage, daß keiner Den Jo auf Arbeit gesehen hatte. Personaler Menzle würde das kaum bekümmern, erklärte ihm Der Jo, daß es ihm überaus mies gegangen war, die ganzen Tage durch. Konnte Joachim kein Attest herbeischaffen ...

Im Augenblick konnte es gar nicht anders sein, als daß sich Der Jo ganz oben auf Liste Personaler Menzles befand. Personaler Menzle mußte sich den Familiennamen Joachims rot angestrichen haben.

An irgendwas anderes war nicht zu denken. Was nichts hieß, als daß mit Personaler Menzle dringenst ein Gespräch geführt werden mußte. Personaler Menzle war dies und das auseinanderzusetzen, zwingend.

 

Das war für Personaler Menzle zu einhundert Prozent nicht zu akzeptieren, daß er von nichts etwas wußte und noch kein ärztliches Attest zu Gesicht bekommen hatte. Personaler Menzle keiner, von dem man Verständnis für fahrlässiges Verhalten erwarten konnte. Und nicht sich mit ihm  irgendwie in Verbindung gesetzt zu haben, ob man halb tot war oder nicht, das war in jedem Fall eine Fahrlässigkeit.

Es war ein Ding der Unmöglichkeit, daß Personaler Menzle nicht längst bei Joachim angerufen hatte. Telefonisch und am Phon. Womöglich hatte Personaler Menzle ihm lange einen elektronischen Brief mit unzweideutigen Worten zukommen lassen.

Erinnerte Joachim sich recht, hatte er sein Phon kurz  in den Fingern gehabt: um bei Marga anzurufen. Sonst wußte er nichts. Nichts hatte er bemerkt; anderes war ihm nicht zu Bewußtsein gekommen. 

Bloß das mit Marga hatte er im Sinn gehabt. Der Rest, der blieb außen vor. An den verschwendete er auch erst jetzt größere Gedanken.

 

Unter Umständen hatte Personaler Menzle auch Marga schon eine Nachricht betreffs Joachim geschickt.

Personaler Menzle und andere wußten, daß Der Jo mit Marga zusammen war.

Das mit der Trennung von Marga, davon hatte Joachim dem und dem Mitteilung gemacht. Aber nicht Personaler Menzle. Personaler Menzle war nicht darüber unterrichtet, daß Der Jo und seine Marga kein Paar mehr waren.

An seinem Büroschreibtisch hatte Joachim ein gerahmtes Porträt Margas stehen. Und Joachim notierte mal die unterschiedlichsten Telefon- und Phon-Nummern auf einen kleinen Klebezettel, den er seitlich an den Rand des Flachbildschirm klebte.

Dort, wo Marga arbeitete, konnte Personaler Menzle sicher jemand erreichen, auch Marga. Die eine Nummer war unverändert dieselbe, auch wenn Marga sofort auflegte, erkannte sie Joachims Stimme am anderen Ende der Leitung. Was nicht hieß, daß Marga den Anruf Personaler Menzles wegdrückte. Personaler Menzle, der sie anredete, um sich bei ihr nach Dem Jo, ihrem Freund, zu erkundigen.

 

 

 

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