1. Teil: 10.4
Es waren diese Hände nicht zu fassen. Das, wie sie sich an Marga, der Barfrau, beschäftigten.
Genauso unfaßlich war das, wie teilnahmslos Jo, der Revolvermann, blieb. Wie unbeteiligt er allem zuschaute. Hingenommen wurde von ihm ein Geschehen, das er vor kurzem noch als Affront empfinden hätte.
Geschossen hätte Jo, der Revolvermann.
Als ob es für irgendwas nötig gewesen wäre, daß derjenige, der sich im Moment im Rücken Margas, der Barfrau, verrenkte, seine Hockstellung beibehielt, auf die Beine aufgestellt hätte. Früher hätte Jo, der Revolvermann, nicht auf viel gewartet, nicht gezögert. Wenn es Jo, dem Revolvermann, einfach genügt hätte, beide Revolver zu ziehen und mit der Schießerei anzufangen.
Wäre Marga, die Barfrau, getroffen von dieser oder jener Bleikugel, niedergegangen, wäre sicherlich mehr von dem Kerl hinterrücks von ihr zum Vorschein gekommen. Mehr, als lediglich die zugeknöpften Hemdsärmel an seinen Unterarmen und die haarigen Patschepfötchen.
Sobald Jo, der Revolvermann, die Visage desjenigen geblickt hätte ... Sofort mittenrein zwischen die Augen. Das wäre die Geschichte ehedem gewesen
Statt dessen blieb es dabei, daß Jo, der Revolvermann, allem zuguckte.
Unvermittelt richtete der eine hinter Marga, der Barfrau, sich zur vollen Körpergröße auf.
Wie es nicht anders zu erwarten war, er war es, der eine Willy der Willys. Der Willy der Willys, der, für den sich Marga, die Barfrau, sich herausputzte. In ein Kleid sich warf, daß in ihr auch eine Braut zu vermuten war.
All die Grapschereien an Marga, der Barfrau, der Willy der Willys, daß sie sich gestattete.
Der eine Willy der Willys. Hinter dem Jo, der Revolvermann, viel zu lange schon her war.
Über das ganze Gesicht grinsend präsentierte sich der Willy der Willys, während Marga, die Barfrau, die Augen weit aufriß. Wohl deswegen, weil der, der im Sattel am Rücken seines Pferds saß, weiterhin kein anderer als Jo, der Revolvermann, war.
Jo, der Revolvermann, bei dem das ein Spiel mit dem Feuer war, ihn in irgendeiner Weise herauszufordern. Aufzustacheln.
Trotzdem, es ereignete sich nichts. Jo, der Revolvermann, ließ seine Schießeisen stecken. Glotzte nach dem einen Willy, dem Willy der Willys, der mit seiner Grinsevisage mit einem Augenaufschlag zurückglotzte, als könne ihm keiner auch nur irgendwas. Am allerwenigsten Jo, der Revolvermann, dem er sich gegenüberbefand. Auch wenn Jo, der Revolvermann, war und blieb.
Jo, der Revolvermann, dessen Hände allerdings noch nicht mal andeutungsweise gezuckt hatten. Jo, der Revolvermann, hatte nicht mal gezogen, geschweige denn zu schießen begonnen.
Jeder der Revolver Jo's, des Revolvermannes, der in seinen Hüftholstern stak. Als gäbe es hier irgendwelche Kleinigkeiten, Dinge, über die Jo, der Revolvermann, sich mit dem Willy der Willy unterhalten wollte.
Es war unfaßlich.
Trübe guckte Jo, der Revolvermann. Der Willy der Willys, bei Marga, der Barfrau, stand der, das breiteste unverfrorene Grinsen im Gesicht. Und ein Ziel abgebend, groß genug für Jo, den Reolvermann. Bloß, Jo, der Revolvermann, er ließ stecken. Wiewohl er sich gefordert fühlte, der eine Willy einen Waffengurt umhatte, blieben die Sechsschüsser in ihren Holstern.
Weil er dem Willy der Willys ansah, wie er sich an den kleinen Dingen um sich herum erfreute? Deswegen, daß Jo, der Revolvermann, ihn nicht einfach abknallte, wie einen räudigen Straßenköter?
Seinen Spaß hatte der Willy der Willys, der eine, dem Jo, der Revolvermann, seit einer halben Ewigkeit hinterherjagte. Kaum einkriegen konnte sich der Willy, der darauf zu warten schien, daß Jo, der Revolvermann, als erstes zog.
Etwas, das Jo, der Revolvermann, auch nicht so gewohnt war. Üblicherweise waren es die, die ihm gegenüberstanden, die nicht auf irgendwas warten konnten, ihre Hände an die Revolvergriffe zucken ließen. Erst ab dem Moment war Jo, der Revolvermann, der Schnellere.
Nichts als Spott, Häme für sich konnte Jo, der Revolvermann, aus den Gesichtszügen des Willys der Willys herauslesen. Der Arm des Willys schwang zu Marga, der Barfrau, hinüber, wischte über den an Margas Gestalt tiefer gewordenen Brustausschnitt hinweg.
Eine kaum mißzuverstehende, besitzergreifende Geste, und Jo, der Revolvermann, regte sich nicht, ertrug in Fortsetzung die hämevolle Grinse-Fratze des Willys.
Der Willy der Willys war, übersah man seinen Revolvergurt, gekleidet in einen guten, teuren grauen Ausgehanzug.
Ein besserer Anzug, genausogut geeignet für eine Reise in einer Hochzeitskutsche. Auf der Fahrt zur Eheschließung. Der Verheiratung mit Marga, der Barfrau.
Auf dem Polstersitz neben sich hatte der eine Willy, Marga, der Barfrau, die als Brünette und in ihrem tief ausgeschnittenen Brautkleid unvermittelt unnatürlich bieder, brav aussah. Als könnte sie kein Wässerchen trüben. Würde ihren Ausschnitt ohnehin dann mit einem weißen, undurchsichtigen Überwurf bedecken, daß angesichts der Anstandsdame niemand auf den Gedanken kam, sie hätte seit ihrer Ankunft im Wilden Westen kein Leben geführt, das nicht nur darin bestand, als Tänzerin die Beine hochzuschleudern.
Nichts half mehr Marga, der Brünetten, mehr was. Unvermittelt konnte sich Jo, der Revolvermann, jene Marga auch gut an einer Herdstelle einer Farm vorstellen konnte. Während Kinder im Rund nach ihrer Mutti riefen.
Vielleicht gestattete der eine Willy das Marga, der Barfrau, das auch. Sobald er mit ihr verheiratet, auch. Das, daß Marga, die Barfrau, einen Teil ihres alten Lebens vergessen durfte. Hinter sich lassen. Daß es dem Willy der Willys genügte, wenn Marga Tänzerinnen aus nah und fern in bunten französischen Gewändern anleitete und bei ihnen mit Dollars gefüllte Beutel kassierte.
Seinen Revolvergurt würde der Willy der Willys später irgendwann ablegen müssen. Wollte er sich zu seiner Braut dazugesellen.
Sorglos stemmte der Willy der Willys die Arme herausfordern in die Hüften, guckte so Jo, dem Revolvermann, entgegen. Spott und Häme in der Visage, daß Jo, der Revolvermann, es nicht begriff. War Jo, der Revolvermann, gefesselt? Hatte Jo, der Revolvermann, nicht seine Hände frei? Beide Hände. Jo, der Revolvermann, der in dem Ruf stand, in einem Augenblick ziehen zu können. Überdies alles zu treffen, was er ins Auge faßte.
Der eine Willy der Willys, hatte er ein wenig mehr geübt? Daß er dachte, er könnte ... Gegen Jo, den Revolvermann.
Der eine Willy, gegürtet; links und rechts schwere, großkalibrige Revolver in den dunkelbraun ledernen Holstern.
Ein wenig ähnelte er so Jo, dem Revolvermann.
Jede Moment schien es so weit zu sein, daß Jo, der Revolvermann, seine Geschäfte mit dem einen Willy der Willys zu einem Ende bringen könnte. Das er das erledigt hatte, wofür ihn die aus dem Osten schon seit längerem bezahlt hatten.
Nichts stand allem noch im Wege, nachdem der eine Willy selber Waffen trug. Dabei unmißverständlich dastand, die Hände nahe den Revolvergriffen. Als könnte er jederzeit ziehen.
Alles wäre wie schon so oft gewesen, hätte Jo, der Revolvermann, es gewagt, von Susan, seinem Wallach, herunterzusteigen. Sich wie und je zum Duell aufzustellen, einem Widersacher gegenüber.
Einzig und alleine, so von einem Pferd herunter, hatte Jo, der Revolvermann, sich eigentlich noch mit niemandem irgendwo duelliert.
Schwer zu sagen, wie der Wallach die Knallerei ertragen würde. Durchgehen konnte Susan, der Wallach, seinem Reiter, kaum, daß der erste Schuß fiel.
Eine derartige Situation hatte Jo, der Revolvermann, noch nicht: daß es bei ihm schlichtweg darum ging, daß er sich das nicht traute, von seinem Pferd herunterzusteigen.
Sonst immer kam er in ein Städtchen hineingeritten, um Susan, den Wallach, irgendwo anzubinden oder ihn in einer Stallung unterzubringen. Anschließend begab er sich auf den Weg. Nach dorthin, wo er wußte, daß er den von ihm Gesuchten aller Wahrscheinlichkeit nach finden, antreffen würde. Wenn das Duell nicht ohnezu zu einer vereinbarten Zeit geschah. Daß Jo, der Revolvermann, erwartet wurde, weil es keine Fluchtgelegenheit mehr gab. Die Sache mußte ausgetragen werden, einer in seinem Blut im Dreck herumliegen.
Weiter, daß Jo, der Revolvermann, im Sattel am Rücken Susans, seines Wallachs, herumhockte. Geradezu eine verrückte Neuigkeit für Jo, den Revolvermann. Riß der Willy der Willys denn einen seiner Vielschießer heraus, war Jo, der Revolvermann, schneller, wußte er trotzdem nicht, was anschließend geschehen würde. Davon abgesehen, daß, zeigte es sich, daß Jo, der Revolvermann, es war, das Marga gut zu vermitteln war, daß der Willy der Willys doch sicher gewesen war, siegreich aus dem Revolverkampf hervorzugehen. Obwohl sein Gegner Jo, der Revolvermann, war.
Oder Jo, der Revolvermann, fragte bei Marga, der Brünetten, nicht mehr nach viel. Schaute dam nicht lange zu, wie Marga sich, vor Schmerz kreischend, über den Willy der Willys beugte. Der eine Willy, der in seinem Blut auf den Holzbohlen unten oder mit seinem Oberkörper über den Holzlattenstufen des Aufgangs gebreitet dalag, von einer Bleikugel aus einem Revolver Jo's, des Revolvermannes, dahingerafft. Weil der Willy der Willys zuerst gezogen hatte.
Warum jene Marga, die sich in dieser Weise elendlich zeigte, wegen des Sterbens des einen Willy, nicht auch erschießen?
Nichts ereignete sich. Jo, der Revolvermann, wartete. Der eine Willy der Willys wartete.
Der eine Willy, der das beibehielt, dümmlich und spöttisch nach Jo, dem Revolvermann, hinzugrienen. Sonst aber unterließ der Willy die kleinste Zuckung.
Mit der linken Schulter zuckte Jo, der Revolvermann, als meine er irgendwas.
Der eine Willy, der Jo, den Revolvermann, genau im Blick hatte, blieb abwartend. Obwohl eins sonnenklar war: geschossen würde werden. Jo, der Revolvermann, und der Willy der Willys, sie beide würden nach ihren Waffen greifen.
Der Augenblick der Entscheidung, der war an diesem Ort über den Wolken gekommen.
Willies Kommen - hatte es auf dem Holzschild geheißen, und es war dem so: der eine Willy der Willys, er hatte der sich eingefunden, zeigte Bewaffnung vor.
Nahe den Revolvergriffen hatte Jo, der Revolvermann, seine Hände. Sah den Willy der Willys in gleicher Weise dastehen.
Es kam wirklich auf das leiseste Zucken des einen oder das anderen an. Ohne daß Jo, der Revolvermann, sich irgendwelche unbestimmte Sorgen machte. Jo, der Revolvermann, ihn überraschte die eigene Schnelligkeit mit Sicherheit nicht. Vielleicht würde die Schnelligkeit Jo's, des Revolvermannes, den einen Willy überraschen.
Nur einen konnte es am Ende geben: entweder Jo, den Revolvermann. Oder eben ihn, den Willy der Willys.
Eben wollte Jo, der Revolvermann, nochmals ein Schulterzucken vorzeigen, um in einer einzigen fließenden Bewegung rechts zu ziehen. In der Sekunde, daß im Rücken Margas, der Brünetten, und seitlich des einen Willys die Haustür des Farmgebäudes aufgerissen wurde.
Noch ein Willy, einer der sinnlosen Knilche, der in einem braunen Knitteranzug über die Türschwelle auf die Verandaholzbohlen heraustorkelte. Hinterrücks von Marga und den Willy der Willys trieb die Schlagseite des Besoffenen den einen nutzlosen Willy vorüber. Der Willy schwang gegen Latten der Verandabrüstung, ohne schwungvoll über sie hinwegzustürzen.
Was ein angesoffener Willy!
Fest hielt sich der Allerwelts-Willy an einem dicken, runden Vordachstützpfosten, damit ihm erst mal nichts weiter geschah.
Eine nachtschwarze Whiskeyflasche umklammerte dieser Willy mit der Hand, erkannte Jo, der Revolvermann. Der Willy, der dem einen Willy der Willy gleichsah, nur ein wenig anders angezogen war, ohne das kleinste bißchen mit dem Willy der Willys vergleichbar zu sein.
Mit dem Arm holte der vom gewöhnlichen Willy-Gesindel aus, schleuderte die Schnapsflasche nach Jo, dem Revolvermann. Um sein Ziel weit zu verfehlen.
Nicht mal Susan, der Wallach, hatte sich bewegt, obwohl der Wallach das mitkriegte, daß etwas rumflog. Und das, angesichts dieses besoffenen Willys und seiner läppisch geworfenen Whiskey-Pulle, zu ziehen, das fiel Jo, dem Revolvermann, überhaupt nicht ein.
Da mußte es schon mehr sein, was der Willy anstellte, als mit der Flasche ellenweit vorbeizuwerfen.
Am milchigweißen Wattewolkeboden schlug der Flaschenkörper auf. Um mit dem Flaschenbauch aufwärts bis zur Hälfte drinnen in der dort anscheinend nachgiebigen Bodenfläche zu stecken.
Überhaupt nichts Festes sorgte dafür, daß die Pulle noch mal irgendwelchen Halt fand. Es dauerte allerhöchstens ein Momentchen, der schwarze, hochgereckte Bauch einer Whiskey-Flasche, er war allem entschwunden. Als wäre dort niemals die kleinste Kleinigkeit gewesen.
Aus den Augenwinkeln bemerkte Jo, der Revolvermann, daß ihm gewunken wurde. Zur Farmhausveranda hin, daß Jo, der Revolvermann, blickte, verärgert darüber, daß er sich ablenken hatte lassen.
Statt sich um das wirklich Wichtige zu kümmern - den einen Willy der Willys -, guckte er nach belanglosen Dingen.
Es war der eine Willy der Willys, der mit der Winkerei. Mit einem Revolver in der Hand war der eine Willy am Winken.
Auch den zweiten Revolver hatte der eine Willy aus dem Lederholster gezogen, zielte mit ihm freiweg auf Jo, den Revolvermann. Den Oberkörper Jo's, des Revolvermannes, visierte der Willy an. Zitterte dabei kein bißchen.
Ein irrer Fehler von Jo, dem Revolvermann, sich von dem Saufbold der Willy-Sippschaft in seiner Aufmerksamkeit beeinträchigen zu lassen. Besser wäre es gewesen, dem einen Willy der Willys bei seinem Treiben zuzuschauen..
Das metallische Einrastgeräusche der Revolverhähne belauschten die Ohren Jo's, des Revolvermannes. Der Willy der Willys wartete nicht auf weiteres bei Jo, dem Revolvermann, der Willy der Willys, er drückte ab.
Je eine gelbe Flamme spritzte aus beiden Läufen. Weißer Rauch stieg bei den Willy-Schießeisen auf.
Zwei harte Schläge trafen Jo, den Revolvermann, vor die Brust.
Zweimal böse getroffen, legte es Jo, der Revolvermann, am Rücken Susans, seines Wallachs, nach hinten.
Langsam kippte Jo, der Revolvermann, nach rechter Hand von Susan, dem Wallach, herunter. Am Watteweiß der Bodenfläche landete Jo, der Revolvermann.
Jo, der Revolvermann, beobachtete, den Oberkörper hochreckend, das Jubelieren des Willys der Willys.
An den Hüften packte der vor Freude, Glück mit beiden Beinen hüpfende eine Willy Marga, die Brünette, hob sie vom Holzbohlenboden hoch und schwang sie im Kreis herum.
Auf die Füße hochstellen wollte sich Jo, der Revolvermann, um mit dem Gesicht voraus auf das Watteweiß des Bodens zuzustürzen. Mit der Stirn, der Nasenspitze traf er auf Weiches, Nachgiebiges; im Mund und auf der Zunge fühlte sich alles schaumig an.
Große Seifenblasen tanzten vor den Augen Jo's, des Revolvermannes. Bis eine der Blasen mit vielen bunten Farben zerplatzte.