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Blog von TeddeMehr

1. Teil: 10.5

19. Juni 2020 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #dreimal erwachen

Was hieß einer Jo der Revolvermann - wenn Jo, der Revolvermann, eins ums andere der war, der niedergeschossen wurde?

Oder war Jo der Revolvermann, nur dann in der Lage, Kontrahenten und andere Leute abzuknallen, wenn jemand nichts von dem Gesamten wußte? Joachim, der auf alle Fälle, der konnte sich auf nichts von früher her entsinnen, an keinen länger anhaltenden Alptraum, bei dem er Jo den Revolvermann verkörperte und auf Susan dem Wallach in der Prärie herumritt.

Für Joachim war das eher ein schlechter Witz, daß Jo der Revolvermann sich einen Kopfgeldjäger nannte. Einen, der hinter steckbrieflich gesuchtem Gesocks her war. Auftragsmorde, die Jo der Revolvermann anscheinend auch ausführte. Indem er sich mit irgendwelchen Leuten, die ihm bezeichnet wurden, duellierte. Solange man Jo dem Revolvermann einen Beutel Golddollars rüberreichte, war alles gut.

 

Jedenfalls war es erneut Jo der Revolvermann, den Bleikugeln erwischten. Von Susan dem Wallach war er heruntergeknallt worden, von dem einen Willy der Willys.

Kaum lag Jo der Revolvermann am schrecklichen Wattewolkeuntergrund herum, vielleicht tödlich getroffen - öffnete Joachim die Augen.

Am Fußboden herumliegend, entdeckte Joachim sich. Nicht irgendwo innerhalb einer Wolke, sondern in seiner altbekannten Wohnung. In der bis vor ein paar Monaten auch noch Marga gelebt hatte. Die wirkliche Marga und nicht Marga die Barfrau.

Davon wußte Joachim überhaupt nichts, daß Marga irgendwann mal als Bedienung in einem Lokal, einer Wirtsstube oder einem Restaurant gearbeitet hatte. Auch als leichtes Mädchen hatte Marga sich nach Joachims Wissen noch nicht probiert. Nicht mal irgendwo als Tänzerin. Auch Ballett hatte Marga nicht getanzt. Nicht für die Leibesertüchtigung in einer normalen Tanzschule Rhumba, Walzer und das geübt.

Wenigstens hatte Marga Joachim nie irgendwas derartiges erzählt. Nur in ein Fitness-Center war Marga alle paar Wochen aufgebrochen. Obwohl sie dort Mitglied war und zweimal die Woche dort an Geräten trainieren hätte dürfen.

 

Weit und breit kein Farmhauptgebäude in einer komischen Wattebauschwolke. Nirgendwo ein Willy der Willys, dessen Revolver rauchten, während Jo der Revolvermann am Boden rumflözte und seine beiden Schießeisen in den Lederholstern stecken hatte.

Auch keine Marga die Barfrau tauchte über Joachim auf, beugte sich mit brünetter Haarfarbe zu ihm herunter, nachzusehen, wie und wo es ihn erwischt hätte.

Hin und wieder färbte Marga sich früher, als sie noch mit Joachim zusammen in der Wohnung wohnte, ihre dunkelblonden Haare braun. Nachdem sie rumgekreischt hatte, sie hätte ein weißes Haar bei sich entdeckt. Viel zu jung fühle sie sich, daß das mit der Weißhaarigkeit anfangen müßte.

Joachim war das eigentlich gleichgültig gewesen, Marge mit braunem Schopf oder als gewöhnliche Dunkelblonde.

 

Die Welt, war er wach, die reinste Ungemütlichkeit. 

Fast war es besser, Jo der Revolvermann zu sein.

Nicht mal das hatte der Hintern Jo's des Revolvermannes, mitgekriegt, wenn er eine halbe Ewigkeit auf dem Pferderücken Susans des Wallachs im Sattel saß. Ohne ein einzigesmal abzusteigen.

An kein Anhalten erinnerte Joachim sich. Nur schwer vorstellbar, daß einer im wahren Leben über Stunden so was an Dauerreiterei aushielt, ohne einmal für ein kleines menschliches Bedürfnis aus dem Ledersattel zu steigen.

 

Ein weiteres mal war Joachim zu sich gekommen, ohne deswegen allzu viel davon zu wissen, was eigentlich um ihn herum los war.

Ab und zu hatte das echt wirklich gewirkt, Jo der Revolvermann zu sein. Anderes war nahezu nicht vorstellbar; Jo der Revolvermann war Jo der Revolvermann.

Leider war er sich erneut als Joachim bewußt. Obzwar er gut darauf verzichten hätte können, an Joachims Welt teilzunehmen.

Die Worte, sein körperliches Befinden zu umschreiben: Schmerz, Übelkeit. Feuerräder vor den Augen.

 

Es dauerte, wenn das mit den Feuerreädern angefangen hatte, bis diese doch wieder weniger wurden. Bis Joachim erneut was seiner Umgebung genauer erkennen konnte, rumblinzeln.

Öfters, daß er doch befürchtete, er wäre Jo der Revolvermann. Jo der Revolvermann, den die Bleikugeln des Willys der Willys erwischt hatten.

Der eine Willy der Willys hatte Jo dem Revolvermann, zwei einwandfreie Schüsse in den Brustkorb gejagt. Daß die Kugeln tödlich sein konnten, nicht unvorstellbar. Von Susan dem Wallach war Jo der Revolvermann jedenfalls heruntergekippt.

Verrecken sollte jener eine Willy, mit dem Marga, die mit Joachim Schluß gemacht hatte, weiterhin zusammen war.

Mittlerweile war die Geschichte auch schon wieder Monate her.

Unausstehlicherweise spielten Schiefmaul-Willy und Marga ein schlimmes Liebespar. Die echte Marga, die nicht das bißchen was mit Marga der Barfrau zu schaffen hatte. Und trotzdem waren dieser Willy mit seinem schiefen Maul und Marga zusammen und sonnten sich in ihrer Liebe.

Bald würde die beiden - Willy und Marga - noch aufs Land ziehen und Kinder miteinander haben. Zumindestens, wenn das so weiterging, mit denen. Hatte Margalein weiterhin kein Problem damit, daß ihr Nachwuchs das schiefe Maul des Vaters erben könnte.

 

Jo, der Revolvermann, der schoß nicht. Stecken ließ der. Es war der Willy der Willys, der zog seine Revolver. Jo der Revolvermann, von dem gedacht wurde, daß er Gestalten in rauhen Mengen erledigt hatte, ließ sich ablenken.

Gewunken wurde, woraufhin Jo der Revolvermann mitkriegte, daß er in zwei Revolverläufe schaute. Eiskalt drückte der eine Willy ab.

Der Willy der Willys, der nicht lange auf irgendwas bei Jo dem Revolvermann wartete. Kaum guckte Jo der Revolvermann war er schon von seinem Pferd heruntergeknallt.

Was Joachim vor seinem geistigen Auge sah, war, wie der Willy der Willys sich freute. Sich darüber freute, daß er Jo den Revolvermann aus dem Sattel geschossen hatte. 

Marga die Brünette wehrte sich nicht gegen die Hände des Willys der Willys, der ihre Hüften umfaßte, gemeinsam mit ihr im Kreis herumtanzte.

Jene Marga mit brünetten Haaren und einem weißen Kleid, das auch eins für eine Hochzeit sein konnte, die hob der Willy der Willys am Hinterteil in die Höhe, wirbelte Marga feixend lachend mit Tanzschritten herum.

 

Genauso wie Jo der Revolvermann hatte Joachim Bodenlage. Mit dem Hinterkopf auf dem Flurteppich.

Keine Bleikugeln, die Joachim niederstreckten, trotzdem war er voller eingetrocknetem Blut. Aus Rißstellen liefen blutige Rinnsale heraus.

Irgendwie war er dem Tod näher als dem Leben. Schlimm genug dran.

Bei Jo dem Revolvermann waren Kugeln in den Brustkorb gedrungen, während Joachim hier im Grunde nicht sagen konnte, was ihm geschehen war. Nichtsdestotrotz betraf ihn was.

 

Alleine und verlassen befand er sich in seiner altbekannten Wohnung. Mitten in der Stadt.

Lang ausgestreckt fühlte er den Teppich und glatten Bodenbelag. Eine Metallkante drückte sich ihm in den Rücken .

Es war die Küchenschwelle, konstatierte Joachim, der den Kopf anhob, als hätte er noch nie Probleme mit so Unternehmungen gehabt.

Daran glaubte Joachim, sich dunkel zu erinnern, daß er, als er sich dieser Umwelt bewußt gewesen war. In die Küche wollte er, um sich in der Welt Jo's des Revolvermannes vorzufinden, der auf Susan dem Wallach in weißer Watte ritt.

In der Küche hatte er nach seinem Smartie schauen wollen.

Das Phon war wichtig. Irgendwas konnte, mußte los sein, auf der Anzeige seiner Telefonie. Das wollte er gerne nachsehen. Auch wenn es enervierend dabei blieb: Wenn er wirklich von jemandem was erlauschen wollte, dann von Marga. Von seiner Marga. Willy, der mit dem schiefen Maul, der konnte ihm restlos gestohlen bleiben.

 

Aufsetzen konnte Joachim sich abrupt; hing sicherlich mit seiner Wut zusammen.

Nun hockte er rum, ohne daß etwas bei ihm weiterging; hatte er auch schon öfters.

Gewünscht hätte er sich das, daß Marga bei ihm in den Wohnräumen gewesen wäre; Marga hätte ihm unter die Arme greifen und aufhelfen können.

Das gesamte letzte Jahr war dem noch so, daß Marga bei ihm gewohnt hatte. Bloß, da hatte er das ganze Jahr keine besondere Hilfe bei irgendwas benötigt; nicht viel, daß Marga ihm helfen mußte. Vielleicht im Bett.

Wenigstens das elektrische Licht, das brannte ohne Unterlaß. In der Küche wie am Flurgang. Solange die Stromversorgung ewig hinhaute, konnte nicht größer was auf der Welt passiert sein. 

Vor die Wohnungstür waren die Ketten vorgelegt, überblickte Joachim, der den Kopf nach linker Hand verdrehte, nach der Türfläche hinstarrte.

 

Ziemlich das einzige, das paßte. Daß er nicht lahm im Dunkeln in der Gegend herumdrucksen mußte. Zumindest konnte, durfte er was sehen, war dafür nicht auf Tageslicht angewiesen.

An seinen ramponierten, fast richtiggehend von getrocknetem Blut geschwärzten Körper blickte Joachim längs. Zu den größeren, kleineren Rissen in seiner Haut, aus denen es herausblutete.

Gut ließ sich fragen: Warum war er noch nicht verstorben, tot? Was bewahrte ihn vor dem Ableben? So, wie alles an ihm ausschaute, mußte der Sensenmann nahe bei ihm rumstehen. Rasiert konnte er jeden Moment werden.

Kaum, daß Joachim sich das überlegte, daß Schüttelfrost ihn befiel. Die eigenen Zähne hörte Joachim laut klappern.

 

Nach seiner Stirn faßte Joachim mit der zittrigen Rechten. Bestaunte anschließend das frische Blut an seinen geschwärzten Fingern.

Heißer Kopf. Voll heiß. Was eins bedeutete: Fieber. Und Fieber hieß ... Daß die nächste Ohnmacht nahe sein konnte.

Das war alles kein Dauerzustand. Wie die Dinge im Moment waren, konnte nichts bleiben. Daß er in seinem kritischen Zustand am kalten Fußboden herumsaß, daran hatte sich etwas zu ändern. Vom der Bodenfläche mußte er hochkommen, sich aufstellen.

Gegen den aus seiner Sicht rechten Küchentürpfosten gelehnt, versuchte Joachim, sich in die Höhe zu schaffen. 

 

Kurz schien es tatsächlich, daß er das mit Aufstehen auf diese Weise bringen konnte. Indem er sich am hölzernen Pfosten hochschob.

Dann mußte er sich allerdings auf den Fußboden herabplumpsen lassen, spürte den grellen Schmerz, der ihm von seinem Hinterteil her ins Gehirn knallte.

Unter diesen Voraussetzungen war das schwer vorstellbar, daß er für länger am Küchentisch rumsitzen konnte.

Andererseits, irgendwas mußte sich ereignen. Mit ihm. Nichts konnte bleiben wie es war. Wenn er schon am Leben war, wenn auch in einem miserablen Zustand, hatte was weiterzugehen.

Wäre er weiterhin Jo der Revolvermann gewesen, der von Susan, seinem Wallach, heruntergeballert worden war, wäre alles verständlich gewesen. Mit Bleikugeln in der Brust konnte einer sich denken, weshalb es ihm mies ging. Als Joachim war ihm die Szene unbegreiflich.

 

Er war zwischendurch doch bereits mal in der Küche und am Tisch gesessen.

Dort hatte er sein Phon in den Fingern gehabt. Zum Laden des Akkus hatte er es angesteckt.

Mittlerweile mußte der Akku voll geladen sein.

Daß das Phon ausgegangen war, daraus ergaben sich Probleme. Dieselben, die er hatte, als er das Teil schon mal eingeschaltet hatte. An die Zahlen mußte er sich erinnern, die für die PIN-Eingabe nötig waren.

Es blieb ihm nur die Hoffnung, daß es war wie beim anderenmal. Daß er die PIN doch plötzlich wußte. Beim dritten Versuch mußte er die beiden Zahlenreihen gesichert auf Lager haben.

 

Konnte er das bringen, was er bereits mal gebracht hatte, dann setzte sich alles fort. Dann konnte er sich ansehen, was zuletzt an seinem Hilfsmittel fürs Telefonieren, Nachrichtenschreiben und für den Netzauftritt los war.

Einige Nachrichten und Anrufe mußte er in der jüngsten Zeit erhalten haben. Daß ihm verschiedenes auf die mailbox gesprochen wurde.

Schließlich glaubte er, sich darauf zu entsinnen, daß er Margas eine neue Nummer gedrückt hatte. Marga hatte er was hingekrächzt. Unartikuliert. Mußte sich wie was von einem Besoffenen anhören.

Es war eine Hoffnung, daß Marga die Nummer nicht schon wieder geändert hatte.

 

Marga, vielleicht hatte sie sich gemeldet.

Oder Willy. Sein Freund Willy.

Es war nicht zu fassen. Unglaublich.

Er dachte sich irgendwas mit Willy, Willy als einen Freund?

Ein Kumpel, das war Willy mal. Heute hatte Kumpel Willy ihm die Freundin ausgespannt hatte. Wie immer Willy es dazu gebracht hatte. DAS schaffen konnte.

Sicherlich durch Anbiederung, Gewöhnung.

Marga hatte davon durchaus was berichtet. Das erzählt: daß Willy an der Wohnungstür geklingelt hatte. Nach Joachim hatte Willy gefragt. Während Joachim in der und der Kneipe war, in der Willy Joachim eventuell anstreffen hätte können.

Willy hatte sich allerdings nirgends blicken gelassen. Das ausgenutzt, daß Joachim versumpft war. Während er bei Joachim in dessen Wohnung rumhockte, dafür sorgte, daß Marga sich mehr und mehr an ihn und sein schiefes Maul gewohnte.

 

Schiefmaul-Willy, plötzlich, daß er sich mit Marga im Arm vorfand. Mit Marga knutschend. Derweil Joachim nicht nach Hause fand. Oder wenn Joachim doch zufällig heimkam, war nichts mehr. Ganz unklug war Willy nicht.

Zweiundzwanzig Uhr, halb elf am Abend, war Willy dann auf dem Heimweg.

Nichts, das Joachim merkte, auffiel, bei und an Marga, Für ihn war Marga die, die Willy Schiefmaul nannte.

 

Käser, so hieß der Mensch in der Nachbarwohnung mit Familiennamen. Josef Käser mit Vor- und Familiennamen.

Bei Vati und Mutti hätte Joachim sich auch schon öfters mal wieder melden können ...

Jede Menge Nummern, die Joachim am Phon abgespeichert hatte. Während er ständig nur was von Marga wollte. Marga, die mit Willy ... Willy, sein ehemals bester Freund, bei dem er das schiefe Maul übersah. Bis Marga das Schiefmaul Willys nicht länger sah.

Ein echt putziges Kerlchen, Willy. Eins, das Joachim anfragte, wie er denn Weiber auftun sollte.

Willy, der in der Lage war, sich dermaßen wie ein Trampel aufzuführen, daß der beste Ratschlag von Kumpel Joachim nichts half. Den nächsten Abend, den Willy alleine zu Bett ging.

 

Eines allerdings hätte Joachim Willy-Schiefmaul nie geraten: sich an Marga heranzumachen. Daß Willy das überhaupt mal wagen würde, etwas bei Marga zu wagen, es war schlicht nicht zu glauben. 

Um bei Marga nicht ungeschickt zu bleiben, hatte Willy einiges an Hilfe Margas nötig. So grundsätzlich war nichts ein erstes Mal bei Willy. Ab und zu, daß Willy doch von einer rangelassen wurde. Vielleicht aus Mitleid.

Alles hatte Willy schon einmal. Auch zu Nutten war Willy des öfteren gegangen, hatte mal für eine Geld gegeben. Sich stundenweise mit einer beschäftigt. Daß sich in der Stunde mit Sicherheit mal irgendwann etwas ereignete.

Wiederholt hatte Willy hatte gemeint, nachdem Joachim später am Abend gewunken hatte, daß er für seine Getränke zahlen wolle, daß er jetzt, anders wie Joachim, noch nicht nach Hause wolle. Er würde dann mal nach einer Ausschau halten, die alles mit ihm trieb, einen Geldschein in Aussicht.

 

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