1. Teil: 11.7
Sein Gewehr, daß Jo, der Revolvermann, zusammenbaute. Ein Zielfernrohr oben aufsetzte. Alles ganz gemütlich.
Der eine Willy der Willys schien sich mitsamt seiner ehrerbietigen, buckligen Begleiterschar in Sicherheit zu wiegen.
Sogar Feuerholz wurde von denjenigen im livrierten Dienergewand gesucht, ein Lagerfeuer unten auf der Lichtung angezündet. Als gäb's weit und breit nichts zu befürchten.
Den einen Willy, den Jo, der Revolvermann, im Visier hatte. Genüßlich wartete Jo, der Revolvermann, auf den passenden Moment abzudrücken. Als Reiter in breiter Front von überallher aus dem Gebüsch brachen.
Durch das Fernrohr am Gewehr beobachtete Jo, der Revolvermann, daß Marga, die Barfrau, von einem schwarzen Hengst heruntersprang, sich mit ausgebreitetem Armen dem Willy der Willys an den Hals warf.
Die, die bei Marga, der Barfrau, dabei waren, das war eine ganze Bande von Willys. Nahezu ein Soldatenkorps.
Willys zuhauf, viel zu viele, wohl kaum, daß Jo, der Revolvermann, jeden der Neuankömmlinge abknallen konnte.
Sein Gewehr nahm Jo, der Revolvermann von den Wangen, zerlegte es, verstaute die Einzelteile in der Packtasche.
Alles, bis auf das Zielfernrohr, durch das er von der Anhöhe aus auf die Ereignisse hinunterschaute. Dorthin, wo die Willy-Bagage anfing, ein Fest zu feiern. Am Saufen war man.
Allerdings, auch besoffen waren die Willys in der Überzahl. Wobei einzelne nichts tranken. Oder viel zu wenig. Scheinbar dazu abgeordnet, doch auf die Umgebung und die Pferde achtzugeben.
Demnach hatte der eine Willy wieder mal Glück gehabt.
Überdies verlor Jo, der Revolvermann, den Überblick darüber, wer unterhalb der eine Willy war, wer nicht.
Die feiernden, schunkelnden Willys am Lagerplatz schauten allesamt gleich aus. Schoß er drauflos, traf er den einen Willy der Willys nicht sofort, war zwar ein Willy weniger. Nur, es änderte nichts. Außer dem, daß sich alle übrigen Willys in Deckung begaben, das Schießen erwiderten.
Die Folge davon konnte sein, daß Jo, der Revolvermann, zur Flucht gezwungen war. Woraufhin das Willy-Pack die Verfolgung Jo's, des Revolvermannes, aufnehmen konnte.
Der Umstand fiel Jo, dem Revolvermann, auf, daß er Marga, die Barfrau, länger nicht mehr zu Gesicht bekommen hatte. Was eins bedeutete, der eine Willy, der hockte nirgends bei seinen Willy-Kumpanen dabei. Mit Marga, der Barfrau, mußte er irgendwo zugange sein. Wenn nicht hinter einem Gebüsch, dann drinnen in der Kutsche.
Es wäre viel zu schön gewesen, den Willy der Willys einfach abzuknallen.
Jetzt blieb es bei der veränderten Sachlage. Das eine Problem, mir nichts, dir nichts löste sich das nicht für Jo, den Revolvermann.
Der eine Willy hatte seinen Spaß, und Jo, der Revolvermann, hatte alles mit ihm auf später verschieben.
Alles demnach wie eh und je. Seit halben Ewigkeiten mußte Jo, der Revolvermann, darauf hoffen, daß sich für ihn doch eine passende Gelegenheit ergab. Daß es zu einem ablenkungsfreien Duell kam. Daß Jo, der Revolvermann, und der eine Willy sich Auge in Auge gegenüberstanden. Und zogen.
War es dann erst um den einen Willy der Willys geschehen, sollte Jo, der Revolvrmann, nicht zögern. Dann sollte es auch kein Pardon für Marga, die Barfrau, geben.
Das hieß, sah Jo, der Revolvermann, das mit Marga, der Barfrau, nicht anders?
Erst anderntags reichte den Willys das mit ihrer Feierei. Jo, der Revolvermann, guckte dabei zu,, wie die Willys unterhalb grob von den Nüchterngebliebenen geweckt und dazu aufgefordert wurden, ihr Zeug zusammenzupacken.
Der eine Willy der Willys war plötzlich auch wieder zu erkennen, Marga, die Barfrau, an der Seite.
Bis Marga, die Barfrau, als erste in die Reisekutsche einstieg, deren Tür ihr von einem Livrierten aufgehalten wurde. In einem Augenblick folgte der eine Willy, der die hilfsbereite Hand des einen der Dienerschaft zur Seite schlug.
Das wünschte Jo, der Revolvermann, sich, er hätte ein paar Dynamitstangen bei sich gehabt. Gerne hätte er eine an der anderen angezündet und das Dynamit zwischen die unten auf ihre Reittiere aufsteigenden Willys geworfen.
Geleitschutz gaben die Normalo-Willys der Kutsche.
Eine Willy-Abteilung, die vorausritt, die zweite hinterher, ein paar umkreisten das von einem Vierergespann vorangezogene Kutschengefährt ohne Unterlaß. Was Jo, dem Revolvermann, an sich gleichgültig war, weil er auf Susan, nur noch dafür sorgen wollte, die Willy-Bagage nicht aus den Augen zu verlieren.
Nach Pain City, daß die Reise des Willys der Willys ging, das teilte Jo, dem Revolvermann, schlußendlich ein Schild mit, das zwischen anderen Schildern an einer Wegkreuzung mitten in der Wüstenlandschaft angebracht war, derweil sich an der Stelle im Nirgendwo zwei Kutschstraßen kreuzten.
Zurückfallen ließ Jo, der Revolvermann, sich jetzt, verfolgte niemandem mehr.
Der Zielort des Willy-Packs war klar; Besonderes mußte nicht mehr riskiert werden.
Noch früh genug würde Jo, der Revolvermann, in der Umgebung Pain Citys ankommen.
Trotzdem, Jo, der Revolvermann, hätte die Angelegenheit auch auf sich beruhen lassen können. Andererseits war da das sündhaft teure Hochzeitskleid, das der eine Willy der Willys extra aus Paris kommen hatte lassen, für Marga, die Barfrau. Als ob da eine Hochzeit bald bevorstünde.
Da konnte es für Jo, der Revolvermann, nur eins geben: das heiratswillige Paar zu überraschen. Entweder, indem es ihm gelang, den einen Willy zu konfrontieren und dadurch zu einem Duell zu veranlassen. Daß der eine Willy gewzungen war, sich Jo, dem Revolvermann, gegenüber aufzubauen. Nebenher konnte Jo, der Revolvermann, auch mitten in die Hochzeitszeremonie hineinplatzen. Den einen Willy der Willys vorm Traualtar fordern.
Der Gedanke, dazuzukommen, während der eine Willy und Marga, die Barfrau, sich das Jawort geben wollten, der hatte einen großen Reiz für Jo, den Revolvermann.
Nichts reichte bei Jo, dem Revolvermann, an die Vorstellung heran, an die eine, wie es für Marga, die Barfrau, sein würde, wenn der eine Willy der Willys mit starren Augen tot im Dreck lag. Der eine Willy von Jo, dem Revolvermann, abgeknallt.
Mit dem Ableben des Willys der Willys, daß die ganze Geschichte des vielköpfigen Willy-Gesindels ein jähes Ende nahm.
Erst ab dem Augenblick würde es sich zeigen, was Jo, der Revolvermann, wirklich mit Marga, der Barfrau, machte. Erschoß Jo, der Revolvermann, Marga, die Barfrau, wie eine lausige Hündin?
Alles kam ganz drauf an, wie Jo, der Revolvermann, sich fühlte, wenn sich Marga, die Barfrau, über den einen Willy drüberbeugte, tränenüberflossen Kleinigkeiten daherkreischte. Vielleicht ihre Stimme hob, deutliche Worte an Jo, den Revolvermann, richtete. Ob Jo, der Revolvermann, noch ein-, zweimal schoß.
Oder genoß Jo, der Revolvermann, weiter das Elend Margas, der Barfrau? Zwang sie, mit ihm mitzukommen.
Vielleicht traf Marga, die Barfrau, doch noch eine richtige Entscheidung, ließ mit sich reden?
Daß Jo, der Revolvermann, sich das Blei sparen konnte.
Tatsächlich entsprach es der Wahrheit, daß er nichts vom Tod Margas, der Barfrau, hatte. Jo, der Revolvermann, konnte Marga, die Barfrau, überall hinbringen, wohin immer er wollte. Ohne weiteres konnte er Marga, die Barfrau, auch wieder dorthin zurückbringen, in jenes eine Hotel, in dem Marga, die Barfrau, früher die Ankunft Jo's, des Revolvermannes, erwartete.
Dann konnte alles zwischen ihnen wie ehemals immer sein. Von einem abgesehen: Marga, die Barfrau, die hatte augenblicklich für Jo, den Revolvermann, dazusein, wenn sie davon erfuhr, daß Jo, der Revolvermann, in die Stadt kam. War Jo, der Revolvermann, in der Stadt, hatte Marga, die Barfrau, alles stehen und liegen zu lassen.
Ansonsten - was bekümmerten Jo, dem Revolvermann, irgendwelche Dinge, die Marga, die Barfrau, trieb, wenn Jo, der Revolvermann, woanders war?
In Wahrheit hatte das Jo, dem Revolvermann, noch nie sehr viel ausgemacht. Was er haßte, war, daß Jo, der Revolvermann, warten mußte, hatte er Marga, der Barfrau, einen Blumenstrauß zukommen lassen. Hinzuwarten hatte er gehabt, bis Marga, die Barfrau, sich bequemte, ihm eine Botschaft zu schicken. Eine, daß er sich nun ihr dazugesellen dürfte.
Daran war vielleicht jetzt ein klein bißchen etwas zu ändern.
Jedenfalls war Jo, der Revolvermann, schon mal in der Willy-Stadt Pain City eingetroffen. Was hieß unter Umständen hieß, daß er doch was dagegen hatte, daß der eine Willy mit Marga, der Barfrau, den Bumd der Ehe schloß.
Hinter der einen in der Willy-Stadt Pain City neu errichteten Kirche stand Jo, der Revolvermann, auf grüner Wiese herum, versicherte sich, daß die Revolver links und rechts in den Lederholstern staken.
Die fensterlose Holzfassade, die er das nächstemal hinaufschaute, hoch zu dem einem Glockenturm mitsamt schwerer Gußeisenglocke.
Das war unglaublich, aber es schien sicher, daß der eine Willy das hölzerne Kirchenbauwerk nur einen Zweck errichten ließ: um drinnen im Innern mit Marga, der Barfrau, Hochzeit zu halten
Aus dem Augenwinkel gewahrte Jo, der Revolvermann, eine Bewegung. Sofort wandte er den Blick dorthin.
Er beguckte einen hochgewachsenen Kerl in Priesterkleid, der eine dünne Zigarre in der Hand hielt, sie zwischen den Fingern drehte und sich zwischen die Lippen schob.
Als der eine sich ein Streichholz an der Holzlattenwand anriß, sich das Zigarillo anzuzünden, bemerkte das Mitglied einer Priesterschaft, daß er einen Zuschauer hatte.
Erschrocken zusammengezuckt wurde. Das Augenpaar weit aufgerissen.
Das brennende Zündholz und die Rauchware, daß der Religionsgelehrte wegschleuderte.
Lust, irgendwas bei Jo, dem Revolvermann, nachzufragen, hatte der keine. Auf dem Stiefelabsatz, daß der Priester sich abwandte, durch die Seitenöffnung, von der Jo, der Revolvermann, kein bißchen was sah, in die eine hintere Räumlichkeit hineinhuschte, durch die er zuvor herausgetreten war.
Spontan wollte Jo, der Revolvermann, dem Kerl hinterher. Dann wurde ihm klar, daß er vielleicht einen seiner Sechsschüsser ziehen hätte können, auf den Unbekannten zielen. Vielleicht hätte derjenige dann nicht gemuckst.
Statt dessen stand Jo, der Revolvermann, auf den Beinen rum. Trug seine beiden Revolver anscheinend als Schmuck.
Darauf hoffte Jo, der Revolvermann, daß er wenigstens dann seine Bewaffnung herausriß, wenn dann irgendwer, dem der Kirchenmann Bescheid sagte, unvermittelt durch die eine Kirchenhintertür ins Freie raustrat.
Geradezu ein Ding der Unmöglichkeit, daß der eine nichts zu jemandem meinte. Das anklingen lassend, daß draußen einer mit Revolvern dastand.
Noch breitbeiniger stellte Jo, der Revolvermann, sich also bereit, harrte den Kleinigkeiten, die sich ereignen wollten.
Einzig und alleine, es geschah nichts weiter.
Kein Mensch wollte sich vorzeigen.
War des Rätsels Lösung am Ende die Raucherei?
Da war ein Gottesmann, der sich unter freiem Himmel eine dünne Zigarre anstecken wollte. War das der Grund, daß der eine drinnen hinten in der Kirche keinem was mitteilte?
Hatte der Mann sich an sich nicht deswegen erschrocken, weil er in Jo, dem Revolvermann, einen Bewaffneten erkannte? Rührte der Schreck daher, weil er sich ertappt fühlte? Außerhalb bekam jemand was Unstattliches mit: und zwar das, daß einer, unzweideutig einer der Kirchenleute, sich gemütlich ein Zigarrchen anzünden wollte. In einer Sekunde der Einsamkeit.
Dabei geriet ihm daß ihm einer dazwischen: Jo, der Revolvermann. einer mit einem Revolvergürtel, in dem zwei Revolver in ihren Holstern steckten. Dem Gebetsbruder, nichts, daß ihm in den Sinn geriet, weil er dachte, einen Wachmann vor sich zu haben, der hinten bei der Kirche nach dem Rechten schaute.
Durchaus im Bereich des Möglichen, daß der eine Willy der Willys an alle Eventualitäten dachte.
Normalerweise hatte der eine Willy eine Leibwache nötig. Zumeist die Willys, deren Fehlen nicht auffiel, passierte mal irgendwas. Schließlich, der eine Willy der Willys jemand, der in der Willy-Stadt Pain City und anderen Städten für das Glücksspiel sorgte, dafür, daß die Tänzerinnen nicht nur die Beine warfen, sondern Leute zu sich in die Garderobe ließen.
Wie viele Golddollars, sogar Nuggets den Besitzer wechselten, das hatte Jo, der Revolvermann, gesehen, als er den Willy der Willys beobachtete, als dieser ein teures Paris Brautkleid mit Goldnuggets zahlte.
Nichts Ungewöhnliches für dein einen Willy, Drohungen zu vernehmen. Überdies war dem Willy der Willys bewußt, daß Jo, der Revolvermann, hinter ihm her war.
Wachleute mit Revolvern zu Gesicht zu bekommen, das war demach in Pain City für niemanden etwas besonders Überraschendes.
Noch was war überlegenswert: Wenn hier Priesterschaft sich vorbereiten sollte, statt sich eine schmale Zigarre anzuzünden und in der Gegend herumzurauchen, hatte das glattweg was zu bedeuten. Bei der Frage Vorbereitung der Trauungszeremonie. Vielleicht stand die Hochzeit unmittelbar bevor.
Und - Jo,der Revolvermann, war zufällig in der Nähe, hatte links und rechts seine Revolver in ihren Holstern.
Herum um die eigene Achse drehte sich Jo, der Revolvermann. Starrte nach jenem Baumbestand hin, das kleine Stück Wald, das er auf dem schmalen Pfad durchquert hatte.
Ein Verlangen spürte Jo, der Revolvermann, in sich: er sollte sich nicht länger offen zeigen, sondern sich zwischen die Bäume und das Gestrüpp begeben, sich zu verbergen. Am besten rasch.
Es war nicht zu fassen.
Zorn baute sich in Jo, dem Revolvermann, auf.
War er Jo, der Revolvermann, oder war er nicht Jo, der Revolvermann?
Was sollte Jo, der Revolvermann, sich zwischenrein ins Gebüsch stürzen? Zeigte sich irgendeine Nase Jo, dem Revolvermann, gegenüber, stellte sich breitbeinig in Positur ...
Selbst eine ganze Bande konnte Jo, der Revolvermann, niederschießen. Bei je sechs Patronen in den Revolvertrommeln.
Jeder einzelne Willy war langsamer als Jo, der Revolvermann. Und tauchte hier am Ende der eine Willy auf, mußte sich das erst herausstellen, ob sich die Glücksmomente bei ihm wiederholten.