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Blog von TeddeMehr

1. Teil: 13.6

20. Oktober 2020 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #dreimal erwachen

Jo der Revolvermann war aus dem Sattel Susans, seines Wallachs, rückwärts heruntergekippt. Auf regendurchnäßter Wiese, daß er am Rücken zu liegen kam.

Danach wurde die Welt für ihn dunkel.

Bis er die Augen aufriß, er sich ganz woanders wiederfand. Wiewohl Jo der Revolvermann tot sein sollte.

Tödlich erwischt hatten die Kugeln des Willys der Willys Jo den Revolvermann, nicht ihn.

Jo, der Revolvermann - der war vielleicht gestorben. Um trotzdem woanders zu sich zu kommen. In einer ganz anderen Welt, in die er in einem Moment hinüberwechselte.

Sogar seinen Namen wußte er wieder: Joachim. Sein wirklicher Name.

 

Nach dorthin war er zurückgekehrt, wo er Joachim hieß.

Das war Joachim bewußt, daß ihn keine der Kugeln aus dem Frauenrevolver des Willys der Willys auch nur irgendwie getroffen oder verletzt hatte.

Joachim konnte das totalegal, daß jener schiefmäulige Willy der Willys auf Jo den Revolvermann zielte und zweimal abdrückte.

Den Kopf hob Joachim von der Bodenfläche hoch, herumzustarren. Weder den stinkenden einen schiefmäuligen Willy der Willys noch Marga die Barfrau sah er um sich herum.

Regen prasselte bei ihm ebenfalls keiner.

 

Im Grunde hätte er das bleibenlassen können, sich nach der Herzgegend zu fassen, dort bei sich herumzutasten.

Was immer bei ihm war, mit Bleikugeln, die in ihn einschlugen, hatte das nichts zu schaffen.

Alles, was Jo dem Revolvermann geschah, nichts als ein Traumgebilde. Alles nur geträumt, sonst nichts.

Irgendwie fühlte Joachim sich augenblicklich besser. Was sein körperliches Befinden anging, war nichts so schlimm.

Obwohl, ganz so super war es auch wieder nicht.

 

Aufsetzen konnte Joachim sich, sich problemlos auf die Füße hochrappeln und sich in seiner Küche zum Kühlschrank begeben. Nach dem blutbesudelten Aufziehgriff greifen und aufziehen.

Zwei Früchtequarks besorgte Joachim sich, eine Flasche Limonade.

Die Plastikschalen gegen die Brust gedrückt, torkelte er zum Küchentisch.

 

Als wäre das eigentlich nichts, alles beinahe wie eh und je, löffelte er die zwei kleinen Plastikbecher Früchtequark leer. Trank bedächtig ein paar Schlucke Limonade aus der Flasche, der er den Verschluß problemlos heruntergedreht hatte.

Was war das? Sein Zustand hatte sich wirklich in der Weise gebessert, daß es fast unbegreiflich war.

Hier konnten bald noch richtig Dinge von Joachim unternommen werden, die er zuletzt nicht so anstellen konnte. Etwa so was, die Wohnungstüre aufzusperren, die Tür zu öffnen und sich aus seiner Wohnung hinauszubegeben. Und das, ohne fremde Hilfe.

 

Von dem metallenen Küchenstuhl erhob Joachim sich. Überlegte, ob er nicht auf Klo gehen könnte, so, wie es ihm im Moment ging.

Nur, der Druck war groß, der Weg zum linken Küchenwaschbecken der kürzere. Auf nur ein klein wenig wackligen Beinen stand Joachim dort, wo er sonst die gewaschenen Teller hineinstapelte, entleerte seine Blase hinein ins Metallbecken. 

Schrillen Schmerz begann Joachim zu spüren, bemerkte, daß es an seinem Glied das mit der Bluterei anfing.

 

Die pochende Pein blieb. Die Harnröhre, aus der es herausgelaufen war, brannte Joachim wie Feuer.

Trotzdem, es war nichts damit, umzukippen. Schwarz vor Augen wurde es ihm nicht. Es war auch nicht sein Wunsch, sofort wieder in die Welt Jo's des Revolvermannes zurückzukehren. Sich erneut Marga der Barfrau und dem Willy der Willys gegenüberzusehen. Dort, wo einer zwar Jo der Revolvermann hieß. Nichtsdestotrotz war es Jo der Revolvermann, der, wenn Dinge geschahen, derjenige war, auf den geschossen wurde.

Nicht mal in die Nähe des Griffs seines Revolvers hatte Jo der Revolvermann seine Finger bekommen. Und so einer hieß Jo der Revolvermann.

 

An den Küchentisch war für Joachim torkelnd zurückzugelangen. Auf die Sitzfläche des Metallstuhls sich niederzuhocken.

Das Unangenehme flaute an seiner Körpermitte auch schon wieder ab. Die Rumsitzerei haute hin.

Solange es so weiterging, bei Joachim, hatte Jo der Revolvermann zu warten. Hatte eine Pause, dieser seltsame Jo der Revolvermann.

Wie es aussah, brauchte er im wahren Leben keinen Willy. Auch keine Marga. Und das, zu diesen schiefmäuligen Willy der Willys zurückzukehren, das benötigte er noch viel weniger. Genauso jene Marga die Barfrau.

 

Auch in der Realwelt legte Joachim keinen Wert auf ihn, Schiefmaul-Willy. Dort, in der Realität, war es an sich echt Frage. wie dieser Willy mit dem schiefen Maul es dazu bringen hatte können, länger Joachims Freund bleiben zu dürfen.

Und Marga, die weiter und weiter irgendwie zu romantisieren.

Was Marga anbetraf, war die Sache an sich auch nicht zu fassen. Marga, schließlich die eine im Heute, die Willy auf sein schiefes Maul küßte. Marga, die sich hinabbeugte, hinsah und überall an Willy herumknutschte.

Irgendwann sollte einer mal mit seiner Marga-Spinnerei aufhören. Marga, bei und mit der er ohnehin schon viel zu weit gegangen war.

Nicht zu begreifen, Marga küßte Freund Willy, und trotzdem hechelte er hinter Marga her, verfolgte sie regelrecht. Daß Marga ihm mit der Polizei drohen konnte. Ihn bei der Polizei anzuzeigen, damit bedrohte ihn Marga. Nahzu überall, selbst bei ihren Freundinnen, daß Marga dafür gesorgt hatte, daß sie Joachim blockierten, Joachims Nummer sperrten. Auch die blockten Joachim, die ihm früher vorkamen, als würden sie gerne die sein, Margas Platz bei Joachim einnehmen.

 

Im Aufstehen und Hinsetzen übte Joachim sich ein paarmal.

Verhältnismäßig gut konnte er sich momentan auf den Beinen halten.

Wenn er sich das mit dem Aufstehen wünschte, kam er auf die Füßehoch. Als wäre die Geschichte bis vor kurzem nicht ein Stückweit anders gewesen.

Auch das mit der Rumsitzerei, das haute lange einwandfrei hin.

Trotzdem, alles hätte Joachim dafür gegeben, nicht die dicke Blutkruste an sich entdecken zu müssen. Das mitanzusehen, wie die Kruste aufbrach und die Blutrinnsale sich ihre Bahnen suchten.

 

Wenn Jo der Revolvrmann ein Alptraum war, war diese Reale auch ein Horror.

Etwas, aus dem aufzuwachen, nicht schlecht gewesen wäre.

Gerne hätte er sein früheres Leben wiedergehabt. Das vom letzten Jahr. Als er noch mit Marga in der Wohnung zusammenwohnte, und der eine Willy einer war, bei dem Marga sich wunderte, daß Joachim DEN seinen besten Freund nannte.

Viel zu oft, daß dieser schiefmäulige Willy an der Wohnungstür vorbeischaute und klingelte, redete Marga gallig. Sie, Marga, sie wundere es nicht, daß dieser Willy nur selten eine abkriegte. Eigentlich müßten die Nutten noch vor Willy davonlaufen, selbst wenn der sie für ihre Dienste im voraus bezahlte.

 

 

 

 
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