1. Teil: 15.6
31. Dezember 2020 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #dreimal erwachen
Es war Anfang, Mitte Mai. Kühle Nachtstunden waren die Möglichkeit. Regen.
Allzu viel, daß er sich nicht anziehen konnte. Angesichts der Überempfindlichkeit seiner Haut.
Unbekleidet holte sich jeder den Tod. Der länger wo liegenblieb, in saft- und kraftlose Dösigkeit geriet.
Kam kein Nacht- oder Frühmorgenspaziergänger des Weges, war alles mögliche drinnen. Auch der letzte Atemzug.
An was dachte er die ganze Zeit? Nichts als wirre Gedanken. Wenn es doch genügend Etagen im Gebäude gab.
Daß er alleine im Haus wohnte, davon konnte kein bißchen die Rede sein. Er kannte diesen und jenen persönlich, auch wenn seinem Gedächtnis gerade die Namen irgendwie abhandengekommen waren.
Andererseits - doch besser, sich etwas anzuziehen. Velleicht öffnete ihm im Moment keiner die Wohnungstür.
War gut die Möglichkeit, daß jeder nur dann über die Wohnungsschwelle hinaustrat, wenn er unbedingt mußte. Zum Einkaufen oder so. Das Allernötigste zu erledigen.
Das, was Marga in ihen Kurznachrichten von den leuchtenden Kugeln getextet hatte, das war nicht außen vor zu lassen.
Jetzt, nachdem er so eine gelbe Leuchtkugel schon unten auf der Straße dahinschweben gesehen hatte, war alles mögliche in die Rechnung miteinzubeziehen. Auch das, daß nach dem Klingeln zwar durch den Türspion geguckt wurde. Aber sonst sich nicht das geringste ereignete. Alles still blieb.
Als er sich im Spiegel im Badezimmer betrachtet hatte, sah er aus wie ein dunkel verschorftes Ungeheuer aus einem Horrorfilm. Wie so ein gefährliches, wenig vertrauenerregendes Biest.
Also war das nicht von der Hand zu weisen, daß ihm womöglich kein Spaltweit aufgemacht wurde.
Trotzdem, es mußte schon etwas passieren. Mehr, als stundenlang darauf zu warten, daß zufällig mal irgendwo wer aufsperrte und zur Wohnungstür herauskam.
Das war sicher nicht sein Wunsch, sich außerhalb seiner Wohnung lange wo anzulehnen und hinzuwarten, bis sich was abspielte.
Dafür begab er sich nicht hinaus.
Fuhr er im Aufzug runter, sollte er sich zuvor irgendeine Gewandung übergeworfen haben.
Er mußte irgendwas sein, das ihm am Leib blieb, nicht jeden Moment an ihm herunterflutschte.
Es war das nächstemal das Schreckliche in Reinkultur. Wie es aussah, hatte er die Zähne fest zusammenzubeißen und sich eine Turnhose überzustreifen.
Dieses und jenes Kleidungsstück mußte er an sich ertragen. Irgendwas von Übergröße finden, das ihm die Haut nicht zu sehr herscheuerte. Blieb zu hoffen, daß die Bluterei unterwegs nicht wieder verstärkt bei ihm begann.
Wo auf der Straße rumliegen, das durfte er auch unter normalen Umständen nicht.
Würde er aber sicherlich auch nicht müssen, wenn auch des Nachts mehr als genug Leute in der Stadt rumliefen. Zumindestens normalerweise war das der Fall.
Begegnete er wider Erwarten niemandem, der sich zu einer Freundlichkeit herabließ, wurden die Meter zur nächsten Apotheke oder in die Straße, in der sein Hausarzt seine Praxis hatte, zur größten Qual.
Irgendwas mußte er an den Füßen anhaben. Sandalen? Pantoffeln? Hatte er nicht schon Schwellfüße bei sich konstatiert.
Am liebsten wäre er barfuß aufgebrochen, statt sich wo reinzuquetschen.
Blieb zu hoffen, daß seine Sorgen unbegründet waren. Daß das, draußen von seiner Wohnung zu sein, schnell zu etwas führte. Bei jemandem, bei dem einfach nur zu klingeln war, nichts weiter. Einer, eine, die nicht die Hosen voll hatte.
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