1. Teil: 15.7
Müde seufzte Joachim, saß auf der weichen Polsterfläche seines Wohnzimmersofas.
Erholen mußte er sich, einfach nur davon, daß er sich was angezogen hatte.
Eine weite dunkelblaue Turnhose. Zwei rote Schörts von Übergroße, die er mal vor zwei Jahren zugeschickt bekommen hatte, ohne deswegen die Versandschachtel an das Klamottengeschäft zurückzuschicken.
Jetzt war er froh drum, daß die roten Schörts bei ihm in der Wohnung geblieben waren.
Dann hatte er sich noch einen schwarzen XXL-Pullover übergestreift, auch mal Teil einer Warensendung. Jedoch Margas. Marga hatte mit nichts ihres Zugesandten Probleme, nur Joachims Größe, was den Pullover anbetraf, war vollkommen falsch. Lachend hatte Marga dem widersprochen, daß sie sich in der Größenangabe irgendwie vertan hätte.
Zuletzt war er barfuß in Samtpantoffel gestiegen. Um nach den ersten Schritten vor Pein draufloszustöhnen, sich niedersetzen zu müssen.
Am liebsten hätte er jede Kleidung von sich heruntergerissen, biß aber die Zähne zusammen.
Alles war gerade ziemlich gemütlich, seitdem er sich nicht mehr größer regte.
Unvermittelt wollte er nirgendwo mehr hin. Nicht länger losmachen, aufbrechen, fortgehen. Sondern einfach nur dasitzen. Vielleicht, sich kurz niederlegen, die Augen schließen.
Stand er nicht wieder auf, das Schlechteste wäre das auch nicht gewesen.
Ein roter Punkt fiel Joachim unterhalb an der Leiste am Fernsehgerät im Wohnzimmer ins Auge.
Es war zwar das Gerät ausgeschaltet, aber nicht so ganz.
Die Stromzufuhr zum Fernseher war ewig nicht mehr gekappt. Seit jenem einen Sonntag, von dem Joachim noch wußte, daß er ein bißchen was getrunken hatte. Bier, Schnäpschen, Wein.
Daß den Kippschalter an der Fünffachsteckplatzleiste nie einer umgelegt hatte, war sinnloser Stromverbrauch. Das Fernsehgerät, auf der Dauerbereitschaftsfunktion geblieben.
Lediglich auf die Fernbedienung mußte gedrückt werden, schon erhellte sich das Bild. Möglicherweise.
Am Wohnzimmertisch, daß Joachim auf der Suche nach der Fernbedienung rumguckte. Als er sie entdeckt hatte, daß er sich stöhnend vorbeugte, die Infrarotfernbedienung zwischen drei leeren Flaschen Bier hindurchzuschieben.
Die halb volle Flasche Himbeergeist neben den Bierflaschen war nicht zugeschraubt.
Ob der Himbeergeist noch trinkbar war, hätte Joachim probieren müssen. Verzichtete dann jedoch darauf, auch nur kurz an der Flasche zu riechen.
Auf der Fernbedienung, daß er mit der Zeigefingerspitze auf eine beliebige Nummer drückte.
Ein Pling-Geräusch war zu vernehmen, der Flachbildschirm, der sich erhellte. Um ein flimmerndes Monitorbild zu präsentieren. Sonst ergab sich kein Bild.
Sämtliche Sendeplätze, die Joachim durchtippte. Eigentlich hätte das übliche Tages- oder Nachtprogramm laufen müssen.
Statt Filmbilder: nichts als graues Flimmern oder dunkle Monitorfläche, als wäre da was digitale Einstellung. Jedoch ohne sich aufbauendes Filmszenerienbild.
Die Zahl oben links im Monitoreck zeigte an, daß er umschaltete. Daß eigentlich alles funktionierte, davon abgesehen, daß sich ihm keine bewegten Bilder darboten
Dann drückte Joachim auf den Knopf mit der Beschriftung Menü.
Die Sendersuche begann mit nichts als dem weißen Geriesele. Bis zur schwarzen Digitalregion, wo sich eigentlich die übliche Anzahl an Sendeplätzen entdecken ließ.
Zuletzt blieb nichts als ein nachtschwarzer Monitor. Mit einem seltsamen Symbol im Monitorwinkel rechts.
Das war ein anderes Senderplatzzeichen, als gewohnt. Keine übliche Zahl. Erinnerte vielmehr an ein Sonderzeichen. Wie eins bei GmbH&CoKG. Nur auf den Kopf gedreht.
So hatte Joachim das eine Zeichen eigentlich noch nie gesehen, außer, er hielt Arbeit ein papiernes Schreiben verkehrt rum in der Hand.