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Blog von TeddeMehr

"Briefprotokolle der Detektei" (07.12. - 30.12.), No. 2

28. Mai 2014 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #T-Rixi

Fortsetzung des Gesprächs Frau Ramona Gleibts mit Mitarbeitern der Detektei Umschau (Herr Thomas Setzer und Frau Regine Datz; die Diktiergerätaufzeichnung ins Reine getippt hat Frau Agathe Deuth):

 

Detektei Umschau: Sie haben uns angerufen, Frau Gleibt, hier sind wir.

Frau Ramona Gleibt: Habe doch gesagt, daß ich gegen neunzehn Uhr daheim sein werde. Sie sind pünktlich gekommen ...

Detektei Umschau: Beginnen wir bitte wieder mit der Unterhaltung, Frau Gleibt. Jetzt ist es neunzehn Uhr siebzehn. In der Küche von Frau Ramona Gleibt.

Frau Ramona Gleibt: Gestern abend habe ich davon gesprochen, daß alle der Familie Gleibt auf dem Geiersdorfer Mittsommerfest waren. Nachdem für mich, Mona, die verschiedensten Dinge sich schlecht entwckelt hatten, bin ich mitten in der Nacht dann nach Hause zurückgekommen war. Daheim hatte ich durch Sonja erfahren, daß Mutti mit meiner Schwester Gabi im Rettungswagen mitgefahren war. Gabi mußte vom Notarzt zu sich gebracht werden, wurde zur näheren Untersuchung ins Kreiskrankenhaus gefahren.

Detektei Umschau: Was war mit Ihrer Schwester Gabi, Frau Gleibt?

Frau Ramona Gleibt: Vati war gegen halb vier in der Früh mit der ganzen Strauchinger-Familie auf den Hof zurückgekommen. Nachdem Vati von mir und Sonja erfahren hatte, daß Gabi umgekippt und regelrecht kollabiert war, hat Vati auf der Stelle ein Taxi herbeigerufen. Mit dem Taxi ist Vati zu Mutti Soni und Gabi ins Krankenhaus gefahren. Sonja ist mit Vati Didi im Taxi mitgefahren. Nur ich, ich hatte nicht die geringste Lust, mit Vati und Sonja mitzukommen. Auch zu Gabi ins Krankenhaus mitzufahren, hatte ich keinen Bedarf. Konnte mich wirklich immer noch kaum einkriegen, was Gabi gemacht hatte. Daß Hinni und ich auf der Geiersdorfer Bachbrücke Gabi begegnen hatten müssen ... Alles mit Hinni hatte Gabi mir praktisch kaputtgemacht. Wenn Gabi im Krankenhaus gestorben wäre, ob mich das viel ausgemacht hätte? Konnte mich schließlich keiner zwingen, ins Krankenhaus mitzukommen, Gabi lange im Krankenbett herumliegen zu sehen. Fiel mir nicht ein, auch nur so zu tun, als bereite mir der miese Zustand Gabis irgendwelche Sorgen. Am Nachmittag war Gabi sowieso wieder bei uns daheim im Strauchinger-Haus. Viel hatte Gabi eigentlich ohnehin nicht gefehlt, wenn ich das so richtig mitkriegte. Gaby hatte nur so eine Bluteisenmangelanämie. Gabis Geruch erklärten die Ärzte auch damit. Ein paar Infusionen. Vormittags im Krankenhaus bei Gabi einen Blutaustausch, schon hatte sich soweit erholt, daß Gabi im Krankenhaus aufgefordert werden mußte, im Bett liegen zu bleiben. Auch wenn es ihr besser ging, übertreiben müßte sie nicht, wurde von den Ärzten zu Gabi gesagt. Muß sagen, als Gaby wieder auf ihrem Zimmer im Bauernhaus der Strauchingers war, geschaut habe ich nach Gaby nur kurz. Und da war Gabi dabei, im Bett rote Grütze zu essen. Abends war Gabi wieder voll fit, ist nur ein wenig bleich im Gesicht in der Küche herumgesessen. Mir hat Gabi Zunge gezeigt, und ich Gabi den Mittelfinger.

Detektei Umschau: Immer noch zornig auf Ihre Schwester ...?

Frau Ramona Gleibt: Warum sollte ich nicht wütend sein? Erstens: mein Laptop war hinüber. Ich hatte immer noch mein altes Gerät. Und Hinni hat mich den ganzen Tag nicht einmal angerufen. Ganz, wie ich mir das gedacht hatte. Als ich mich am späteren Nachmittag so vor dem Verrichten der Kühe und Schweine in ihren Ställen, überwunden hatte, bei Hinni anrief, hat Hinni meine Nummer, als er sie auf der Anzeige gesehen hat, weggedrückt. Als hätte Hinni die extra für diesen Zweck mit meinem Namen gespeichert. Mehrere Male machte Hinni das. Auf keine Kurznachricht von mir hat Hinni geantwortet. Doof bei Hinni angelaufen zu kommen, das wollte ich dann nicht. Wie die Vollidiotin bei Hinni an der Wohnungstüre seiner Eltern zu stehen, von Hinni eine Abfuhr verpaßt zu bekommen, darauf konnte ich gut verzichten.

Detektei Umschau: Hat sich zwischen Ihnen und Hinni wirklich nichts mehr eingerenkt? Gibts doch nicht.

Frau Ramona Gleibt: Nein! Hinni, das mit dem, das war gelaufen. Und meine Schwester Gabi, die sich schön auf ihrem Zimmer herumflözte, hinten und vorne von allen bedienen ließ, hatte die Schuld dran. Gabi war die Schuldige. Das Gesicht hätte ich Gabi herunterkratzen können. Gabi irgendwas, was mir zunächst herumgelegen ist, über den Schädel ziehen.

Detektei Umschau: Und die Geschichte zwischen Ihrer Mutti Soni und Ihrem Vati Didi ...? Ihr Vati, der anscheinend etwas mit einer Strauchinger-Verwandten hatte - was war damit?

Frau Ramona Gleibt: Mutti hatte im Sinn gehabt, im Laufe des Vormittags oder gegen Mittag des Tages eins nach dem frühabendlichen Beginns des Geiersdorfer Mittsommerfestes abzureisen. Zu ihrer Mutter in die Wohnung zu fahren, bei ihr für einige Zeit zu bleiben. Bloß das, das mit Gabi, das, daß Mutti sich um Gabi, die ins Krankenhaus mußte, kümmern mußte, hat Muttis schnelle Abreise verhindert. Dann war es so, daß Vati Didi und Mutti Soni sich irgendwie wieder nähergekommen sind. Wahrscheinlich wegen dem mit Gabi. Weil Vati Didi sich ebenso wie Mutti Soni um Gabi seine Sorgen machte. Kein einziges Mal, daß Vati Didi noch mal für kürzer oder länger im Laufe eines Tages irgendwohin verschwand. Vati Didi war von in der Früh bis zum späten Abend am Strauchinger-Hof. Am Wochenanfang verstanden Mutti Soni und Vati Didi sich tatsächlich wieder so gut, daß Mutti zu Vati ins Schlafzimmer im Erdgeschoß zurück umgezogen ist. Sonja war die, die sich am meisten darüber freute. Sonja sagte, jetzt wäre sie kein Scheidungskind mehr.

Detektei Umschau: Ihre ganze Familie, Frau Gleibt, ist trotzdem bald nach dem Geiersdorfer Sommerfest vom Bauernhof der Familie Strauchinger abgereist?

Frau Ramona Gleibt: Anfang der folgenden Woche ist die Familie Gleibt wieder nach Hause gefahren.

Detektei Umschau: Nach dem Geschehnissen, die sich beim Pilzesuchen bei der Familie Gleibt ereigneten, so eineinhalb Wochen drauf. Aber nur ein paar wenige Tage nach dem Geiersdorfer Mittsommerfest ...?

Frau Ramona Gleibt: Schuld, daß abgereist werden mußte - natürlich eine: Gabi ...

Detektei Umschau: Wir dachten, Frau Gleibt, Ihrer Schwester Gabi wäre es nach dem Zusammenbruch während dem Geiersdorfer Mittsommerfest wieder besser gegangen, sie hätte sich tags drauf wieder erholt gehabt?

Frau Ramona Gleibt: Am Sonntag früh mußte Gaby mit denselben Symptomen wieder mit dem Rettungswagen wie in der Nacht nach dem Geiersdorfer Mittsommerfest ins Krankenhaus gefahren werden. Die Krankenhausärzte konnten Mutti und Vati jedoch nicht viel anderes sagen als die Woche zuvor. Genauere Laboruntersuchungen hatten bei Gabi ergeben, daß ein seltsamer Virus Gabi befallen hatte. Dieser Virus schien Gabi immer wieder kurzzeitig außer Gefecht zu setzen. Trotzdem, für die Anämie bei Gabi schien das Virus nicht ursächlich hauptverantwortlich zu sein. Auch diesesmal, daß Gabi sich wieder schnell erholte. Am folgenden Montagmorgen war Gabi wieder aus dem Kreiskrankenhaus zurück. Befand sich auf ihrem Zimmer, hatte Hunger wie ein Wolf. Schluckte wegen ihres anämischen Blutbilds alle paar Stunden Eisentabletten, verschiedene Nahrungsergänzungsmittel, deren Schachteln ich bei Gabi auf dem Zimmer nur aus der Ferne zu Gesicht kriegte. Betrat schließlich Gabis Zimmer nicht mehr, weder bei den Strauchingers noch bei uns daheim. Vati Didi reichte im Kreiskrankenhaus die Neuigkeit mit diesem Virus, die er und Mutti Soni mitgeteilt bekommen hatten. Weil einer aus der Familie etwas Schlimmeres zu fehlen schien, ein Krankheitsbild, das bei Gabi jederzeit wiederkehren konnte, haben Vati Didi und Mutti Didi entschieden, den Urlauf am Bauernhof bei der Familie Strauchinger abzubrechen. Von Ärzten seines Vertrauen aus dem Bekanntenkreis von Vati sollten bei uns daheim an Gabi ausführlichere Untersuchungen durchgeführt werden. Den Dingen mußte grundsätzlich auf den Grund gegangen werden.

Detektei Umschau: Sie, Frau Gleibt, haben zu uns bei früheren Gesprächen gesagt, daß sie dem Mann namens Drakonie Rupertus Wank alias Fransen, den Ihre Schwester Gaby Fransi nannte, die Schuld am Tod Ihrer Schwester. Könnten wir jetzt darauf zu sprechen kommen, wie es dazu kommt, daß Sie Herrn Drakonie Rupertus Wank beschuldigen, ja?

Frau Ramona Gleibt: Das kam ja nicht von ungefähr. Auch das hat eine Geschichte. Muß ich ausholen. Als wir in diesen Sommerferien noch auf dem Bauernhof der Strauchingers waren, erinnere ich mich an zwei Nächte, die ich wach geworden bin. Hatte das Gefühl, da wäre jemand bei Gabi nebenan im Zimmer. Nur, daß es bei Gabi nicht mehr laut zuging. Verstehen Sie? Sonja nebenan im Bett schien auch wach zu sein. An jedem Morgen der bestimmten Tage, von denen ich spreche, hatte ich Gabi ganz besonders im Auge. Ich weiß noch genau, daß es Gabi früh morgens so ging, daß sie es kaum aus dem Bett schaffte. Ganz taumelig war Gabi, Gabi, die verspätet bei uns allen unten in der Strauchinger-Küche ankam. Extra starke Brühe hat Mutti Strauchinger Gabi gekocht, damit sich Gabi schnell wieder kräftiger fühlte. War schließlich Stallarbeit angesagt. Auch für Gabi.

Detektei Umschau: Was mit Gabi war, die richtige Diagnose konnte niemand stellen?

Frau Ramona Gleibt: Machte mir zwar Gedanken, trotzdem keine Gedanken. Weil ich mich mit Gaby nicht so gut verstand. Habe nur mitgekriegt, daß Gabi tagsüber tröger war als früher. Wie jemand, der zu wenig Schlaf abkriegte. Allerdings, das hat sich geändert, sobald der Abend kam. Da wurde Gabi irgendwie munter. Gegen halb sieben Uhr abends beim Abendessen, da hat Gabi reingehauen. Das war dann schon am Strauchinger-Hof so. Im Haus der Strauchingers ist Gabi herumgegeistert. Selber hat Gabi sich im nachts bei den Strauchingers am Kühlschrank bedient. Auch als wir in der Stadt zurück waren. Nachts hatte Gabi Hunger, mußte ihr niemand extra was holen, damit sie mal was aß. Wenn Gaby mitten in der Nacht Hunger hatte, hat Gaby mitten in der Nacht was gegessen.

Detektei Umschau: Bleiben wir doch noch ein bißchen dort, als Ihre Familie noch bei den Strauchingers am Hof war, Frau Gleibt. Was hat es da noch Genaures gegeben.

Frau Ramona Gleibt: Ab dem Wochenende hatte Gabi komplett gesponnen. Hatte weder in der Früh noch am Abend, wenn Vati, Mutti, Sonja und ich mit den Strauchingers im Stall waren, noch mal bei der Arbeit mithelfen mögen. Nicht beim Kühemelken, Schweine füttern, die Hühner versorgen. Für die harte Stallarbeit wäre Gaby zu schwach, sagte Mutti. Habe ich Gabi zufällig mal gesehen, hat Sonja Gabi angeredet, hustete Gabi los, taumelte, als hätte sie eine Schwäche in den Beinen oder hätte sie Alkohol gesoffen. Mir war das egal. Mein Problem, wenn Gabi Schnaps besorgte war, daß das keiner bemerkte, und ich das nicht recht ansprechen konnte. Sie wissen ja, ich war Gabi spinnefeind. Hätte gerne was unternommen, daß Sachen bei Gabi schlechter gelaufen wären. Sobald Gabi in meiner Nähe auftauchte, habe ich zugesehen, schnell der Umgebung Gabis zu entkommen. Leider blieb das nicht unbemerkt. Mutti mich immer wieder mal beiseite genommen, mich gefragt, warum ich nicht nett zu meiner Schwester wäre. Ich sollte damit aufhören, Gaby schief anzureden. Ich wäre doch die Ältere, müßte begreifen, daß das nicht ging, wie ich mich verhielt. War Samstagnachmittag, Gustl hatte einen süßen Hundewelpen bekommen. Tolle, hat Gustls kleiner Bruder den getauft. War bei uns allen die Schau, der kleine Tolle. Nur Gabi, Gabi mochte Tolle nicht. Mit dem Fuß hat Gabi nach Tolle getreten, weil Tolle nicht aufhörte, bei Gabi zu knurren und Gabi anzukläffen. Hätte Gabi Tolle getroffen, hat Gustl zu Gabi gemeint, hätte er sie, Gabi, niedergehauen. Dabei war Gabi früher eine, die niemand von einem kleinen Hund wegbekommen hätte können. Aufgeführt hätte Gaby sich. Mehrfach haben Vati Didi und Mutti Soni Gabi einen Hund oder eine Katze ausgeredet.

Detektei Umschau: Wie Sie sich ausdrücken, Frau Gleibt, könnte man meinen, es wäre Ihrer Schwester Gaby eigentlich nicht so mies gegangen. Lediglich ihre Tagesabläufe hätte Ihre Schwester Gaby geändert. Tagsüber müde, abends, nachts munter ...

Frau Ramona Gleibt: Stimmt. Mann, Mann, mich durfte man, was Gaby anging, nicht viel ansprechen. Ich konnte Gabi, nachdem Gabi mir das mit Hinni angetan hatte, kaum mehr riechen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Roch ich Gabi, stank Gabi mir. Wirklich, ich hab mich gewundert, wo die andern ihre Nasen hatten. Von Gab ging eindeutig ein Geruch weg. Fand es nicht zu fassen, daß Vati, Mutti, niemand Gabi mal auf ihr Parfüm ansprach. Auch Sonja schien da nicht allzu viel in die Nase zu steigen. Nur ich, ich konnte den Duft sofort riechen, wenn ich Gabi auch nur gesehen habe ...

Detektei Umschau: Und - was war nun mit diesem Fransen? Wann haben Sie denn wieder mal zu Gesicht bekommen?

Frau Ramona Gleibt: Sie wissen, Gabi schlief bei den Strauchingers im Haus im Einzelzimmer nebenan. Erinnere mich, daß ich zwei-, dreimal nachts wach geworden bin. Weil mir war, da wäre was los. Jemand wäre da bei Gabi im Zimmer. So richtig zu hören war aber für niemand mehr viel. Seit dem einen Mal ... 

Detektei Umschau: Ja?

Frau Ramona Gleibt: Bei Gaby im Zimmer ging es nicht mehr laut zu. Einmal haben Sonja und ich, wir uns auf den Flurgang rausgeschlichen. Sonja und ich, beide haben wir im Dunkeln unsere Ohren an Gabis Zimmertür gelegt und gelauscht. Glaubte, ich höre so ein Schmatzen. Seltsames Gewisper. Eine geflüsterte Antwort. Sonja hat mich am Unterarm gefaßt, mich fortgezogen. Bei uns im Zimmer zurück, sagte Sonja zu mir, sie hätte Angst gekriegt. Gabi, die wäre nicht alleine auf dem Zimmer, und bei Gabi drinnen, war es Sonja, wußte Gabi und der, der bei ihr war, Bescheid, daß jemand an der Türe herumstand. Sonja war, als könnte die Zimmertür jede Sekunde aufgehen. Konnte Sonja nicht widersprechen. Auch mein Herz hatte einen Sprung gemacht. Es war mir, jemand nähere sich der Zimmertüre. Und das war nicht Gabi.

Detektei Umschau: Sie meinen also, unser Mann war bei Gabi drinnen?

Frau Ramona Gleibt: Ich meine, ja. Nur, zu Gabi reinzugehen, bei Gabi nachzusehen, das hätte jemand anders machen müssen. Vati Didi. Oder Mutti Soni. Ich jedenfalls, ich wollte mich damit nicht in die Nesseln setzen. Ich habe es auch Sonja überlassen, etwas zu sagen. Sonja hat sich jedoch Vati, Mutti gegenüber jedoch auch ausgeschwiegen.

Detektei Umschau: Hm!

Frau Ramona Gleibt: Gut, erzähle ich Ihnen das. Gustl hatte also Tolle, den Hundewelpen, gekriegt. Sonja und ich haben, wir haben mit Gustls kleinem Bruder und Tolle im Sandkasten gespielt. Es war nach dem Abendessen. Kommt Gustl zu Sonja, mir, seinem kleinen Bruder im Sandkasten dazu. Sagt Gustl zu mir: 'He, Mona, weißt du was ich eben gesehen hab? Ich hab Gabi eben zwischen dem Stachelbeerstrauch und den Hagebutten verschwinden sehen. Gabi hat sich echt aufgebröselt. Wißt ihr, wo Gabi so aufgebröselt hingehen möchte?' Ich: 'Wie, aufgebröselt?' Gustl: 'Gabi hat sich voll angemalt. Blutrote Lippen. Rouge. Lange Wimpern ... Schaut echt Grufti aus, Gabi; voll Grufti. Dabei hab ich Gabi echt nur einen Moment gesehen. Wo will Gabi denn hin, in dem Aufzug? Will die in die Disko? Oder geht Gabi auf den Friedhof?' 'Keine Ahnung, was Gabi will, Gustl', redete ich zu Gustl hoch: 'Machen wir Gabi doch hinterher ...' Gustl, der gerne mit mir zusammen war, nickte begeistert. Gustl: 'Hochhackige Schuhe hat Gabi an. Mit den Schuhen muß Gabi am Bach Spuren hinterlassen ... Schnell jetzt, Mona!'

Detektei Umschau: Und, Frau Gleibt ...?

Frau Ramona Gleibt: Sonja wollte nicht mit Gustl und mir mitkommen. Sonja ist bei Tolle und Gustls kleinem Bruder zurückgeblieben. 'He, heute ist Mokassintag', hat Gustl zu mir gemeint, machte mich darauf aufmerksam, daß ich und er Mokassins anhatten. Die braunen Mokassins, die meine Mutter gekauft hatte, und von denen Gustl auch ein Paar versprochen hatte. Zwischen den Stauden, Brombeer und stachelige Hagebutte, sind Gustl und ich durch. Gustl suchte herum, zeigte mir stumm den Abdruck von den hochhackigen Schuhen, die Gabi anhatte. Den Bach hinunter war Gaby gegangen. Gustl und ich sind losgegangen. Plötzlich hat Gustl mich auf Höhe meiner Brüste am Shirt angefaßt, deutete mit dem Finger nach vorn. Ich stand an Gustls Seite, schaute dorthin, wohin Gustl zeigte. Dort stand Gabi am Straßenrand im Gras. Die Teerstraße hinauf überblickte Gabi. Gabi, gekleidet in einem schwarzem, kurzem Lederminirock, löchriger schwarzer Strumpfhose. Ganz durchsichtigem schwarzem Samthemdchen. Darunter trug Gaby einen schwarzen Büstenhalter. Abrupt wandte sich Gabi zu Gustl und mir um. Die Zähne hat Gabi feindselig gebleckt. Viel mit Stiften, daß Gabi gearbeitet hatte, Eyeliner, jede Menge Puder, dick aufgetragener Lippenstift für blutrote Lippen. Zu Gustl und mir hat Gabi ein Weilchen hergestarrt. Dann hat Gabi mich Schwesternfotze genannt, sich herumgeworfen. Weggerannt ist Gabi. Gustl und ich sind Gabi hinterhergelaufen. Bis Gustl vor mir stehengeblieben ist, sich den Finger gegen die Lippen hielt, sich hinter einem Gebüsch niederbeugte, mich zu sich herabziehend.

Detektei Umschau: Und? Was war weiter?

Frau Ramona Gleibt: Gustl und ich haben sehen müssen, daß Gaby in unsere Richtung gewunken hat. Ich habe Gustl angeschaut, Gustl mich. Aufstehen wollte ich. Weil - was sollte das, daß wir, Gustl und ich, uns hinterm Gebüsch versteckten, wenn das Miststück Gabi uns doch sah und uns sogar extra zugewunken hat. Hat Gustl mich am Ärmel meines Shirts festgehalten, daß ich in Hockstellung geblieben bin. Dann ... Sie beide müssen sich eine Zeitreise vorstellen ...

Detektei Umschau: Was müssen wir? Eine Zeitreise uns vorstellen ...?

Frau Ramona Gleibt: Ja, eine Zeitreise. Aber das wußte ich da noch nicht, als ich die Augen wieder aufgemacht hab. Erst mal hatte ich aber Gustl nur stöhnen gehört, und als ich Gustl sah, kriegte ich mit, daß Gustl auf mir drauf war. Zwischen meinen Beinen war Gustl, und Gustl hat ... Gustl hat weiter. Gustl mit seinen glasigen Augen, als wäre er überhaupt nicht richtig da. Aber, plötzlich spüre ich, daß Gustl ... Gustl hat die Augen weit aufgerissen, und Gustls Augen waren klar. Als sähe er mich plötzlich, wäre bei klarem Bewußtsein. Mir starrte Gustl, der die ganze Zeit noch weitermachte, ins Gesicht. In einer Sekunde hatte Gustl sich von mir gelöst. Bei mir zwischen den Beinen hat Gustl herausgezogen. Mit großen Augen hat Gustl an sich herabgestiert, den Kopf geschüttelt. 'Was ...?' ist es Gustl entfahren.

Detektei Umschau: Sie sagen, Gustl hat Sie ...? Sie sind zu sich gekommen, und Gustl ist oben bei Ihnen gelegen, hat Sie ...?

Frau Ramona Gleibt: Ja! Gustl war zwischen meinen Beinen ... Gustl hat mich ... Noch nie habe ich davon jemandem erzählt. Sie sind die ersten, denen ich das erzähle. Gustl war auf mir gelegen, hat ... Aber, als Gustl klar im Kopf war, wußte, wer er war, ist Gustl sofort aus mir raus ... Gustl konnte das nicht fassen. Ebensowenig fassen, wie ich das mit Gustl fassen konnte. Die Hände hat Gustl sich vor die Körpermitte gelegt. Als ob das was gemacht hätte, wenn er eben ... Ich habe mich langsam aufgesetzt, hab an mir heruntergeschaut. Schmerz spürte ich keinen. Mit Gewalt genommen hat Gustl mich nicht. 'Entschuldige, Mona - ich ...', hörte ich Gustl: 'Mona, ich weiß nicht ...' 'Halt den Mund', fuhr ich Gustl an. Den Mund hat Gustl gehalten. Die Mundwinkel hat Gustl herabgezogen, schaute mich total entgeistert an. Gustl und ich, wir waren hinter dem Gebüsch, hinter dem hervor wir Gabi gesehen hatten. Nur war keine Gabi weit und breit. Die Sonne schien außerdem anders, aus einer anderen Richtung. Mir kam es vor, es wäre - früh am Morgen. 'Was ist hier los, Gustl?' habe ich gefragt: 'Es ist früh morgens, Gustl - oder täusch ich mich? Schau doch zur Sonne hoch, Gustl.'  Wie ich von ihm verlangte, hat Gustl geschaut. 'Könnt sein, daß die Sonne da vor kurzem erst aufgegangen ist ...' kam es von Gustl: 'Was ist hier los? Es ist nicht zu fassen.' 'Ich seh unsere Klamotten nicht, Gustl', raune ich gereizt Gustl hin: 'Wo sind unsere Klamotten, Gustl?' Herumgeschaut hat Gustl in der Umgebung, konnte ebenfalls nirgendwo irgendwas von einem Kleidungsstück von uns entdecken. Nichts, das wir angehabt hatten, lag in der Gegend herum. 'Scheiße, wir sollten uns beide bald mal was anziehen, Mona', flüsterte Gustl: 'Hier kann jederzeit wer vorbeikommen. Oder wer schaut aus einem Fenster, sieht uns ...' Stimmte. So einsam war der Ort nicht. Und Gustl und ich, wir waren nackt. Splitterfasernackt. Eine peinliche Situation, wenn Gustl und mich einer sah ...

Detektei Umschau: Sie sagen, Sie sind einfach zu sich gekommen, und Gustl und Sie ...? Gustl war eben dabei, Sie ... Hihi!

Frau Ramona Gleibt: Sie finden das lustig? Ich und Gustl - keiner von uns fand das lustig. Nichts war lustig. Nicht für Gustl. Nicht für mich. 

Detektei Umschau: Schon gut. Entschuldigen Sie!

Frau Ramona Gleibt: 'Scheiße, Mona, er steht mir weiter, obwohl ich ...', sagte Gustl leise zu mir. 'Ich bin auch - prall', seufzte ich zu Gustl hin: 'Mir geht es auch nicht weg, Gustl.' 'Wie wir aussehen, Mona ...', machte mich aufmerksam: 'Schau dich mal genauer an, Mona ...'Gustl. Ich hab an mir heruntergeschaut, gekeucht. Mein Bauch, meine Oberschenkel, alles war mit blauen Flecken übersät. Bei Gustl war es nicht anders. Gustl: 'Jemand hat auf uns geschlagen, Mona.' Gustl und ich schweigen uns kurz an. Gustl: 'Scheiße, Scheiße, Scheiße, Mona!' Ich: 'Wir müssen bald hier weg, Gustl. Uns sieht noch jemand, wenn wir nicht hier verschwinden. Wir müssen irgendwie, zu dir nach Hause auf den Hof kommen, Gustl, ohne daß jemand uns sieht.' 'Was war mit uns, zwischen uns, Mona, daß ich ..?' fragte Gustl mich, als hätte ich eine Ahnung. Den Kopf hab ich zu Gustl hin geschüttelt. Ich: 'Ich weiß das doch auch nicht, Gustl. Ich bin hier aufgewacht, weil ich was gespürt hab. Und das, was ich gespürt hab, warst du. Du ...' Gustl: 'Gehen wir dorthin, Mona, dort ist das Gebüsch dichter.' Ich: 'In Ordnung, Gustl.' Tiefer ins Gebüsch haben Gustl und ich uns verzogen. Das Wahre war es trotzdem nicht. Gustl: 'Es war gestern abend, Mona - wenn es heute früher Morgen ist. Da sind Stunden vergangen dazwischen. Was war in der Zwischenzeit, Mona? Weißt du irgendwas?' Ich: 'Ich kann mich im Moment an nichts erinnern, Gustl. An überhaupt nichts.' Gustl: 'Daß ich, Mona ... Du bist mir nicht böse?' Ich: 'Weiß ich noch nicht. Jetzt weiß ich das noch nicht. Das muß ich erst sehen. Vielleicht, wenn ich mich wieder an was erinnere, Gustl, daß ich dir böse bin.' Gustl: 'Bitte, Mona ... Ich weiß nicht, wie ich ... Ich weiß wirklich nicht ... Wenn du es deinen Eltern sagst, die es den meinen ... Bitte, Mona, sag es deinem Vati, deiner Mutti nicht.' Ich: 'Vielleicht, Gustl. Solange ich nichts genauer weiß aber nur ...' Gustl: 'Bitte, Mona! Das letzte, an was ich mich erinnere, ist, daß wir beide Gabi da vorn auf der Teerstraße gesehen haben.' Ich: 'Das weiß ich auch noch.' Gustl: 'Nicht das bißchen, was mir einfällt, was danach war ...' Ich: 'Der Rest fehlt mich auch, Gustl. Weiß nichts seitdem.'  Gustl: 'Vielleicht weiß ich doch noch was, Mona. Du weißt, daß Gabi zu uns hin gewunken hat, ja?' Ich: 'Daran erinner ich mich, Gustl.' Gustl: 'Da konnte Gaby uns gemeint haben, nicht wahr? Ich habe aber trotzdem den Kopf seitwärts gedreht, Mona. Da habe ich eine Gestalt in einem hellbraunen Trenchcoat, mit Strohhut am Kopf bei uns in der Nähe stehen gesehen, Mona ...' Ich: 'Du hast da jemand gesehen, Gustl?'  Gustl: Glaube, das  war der Penner, der sich bei den Taberts rumtreibt, Mona. Der, der euch im Wald aus dem Boden gekrochen gekommen ist ...'

Detektei Umschau: Gustl hat IHN gesehen? Gustl hat Fransen gesehen?

Frau Ramona Gleibt: Hat Gustl mir gesagt. Ich muß sagen, ich wußte davon nicht das bißchen was. Hatte keine Erinnerung ab dem Moment, nachdem Gabi gewunken hatte ...

Detektei Umschau: Wenn ER dort in Ihrer Nähe gestanden war, Frau Gleibt ... Sie denken Sie doch ...? Oder nicht?

Frau Ramona Gleibt: Genau das denke ich. ER hat mit Gustl und mir irgendwas angestellt. Weiß nicht, was ER mit Gustl und mir gemacht hat. Ich konnte mich schließlich an nichts erinnern. Gustl wußte auch sonst nichts zu erzählen. Vielleicht hat ER Gustl und mich hypnotisiert. Dann, als es reichte, Gustl und mir gesagt, wir sollten alles vergessen. Alles vergessen, was mit uns angestellt wurde. Ein Fingerschnippser, Gustl und ich, wir haben vergessen ...

Detektei Umschau: Es könnten Ihnen auch K.O.-Tropfen verabreicht worden sein. Und Pillen, solche für die Dauererektion bei Gustl, Ihre Prallheit, Frau Gleibt ...

Frau Ramona Gleibt: Hypnose ist, daß Leute Dinge machen, die sie vielleicht gerne mal gemacht hätten. Ich meine, so schlimm fanden Gustl und ich uns nie, daß Gustl und ich uns nicht irgendwann tun hätten können, bei was Gustl und ich uns hinterm Gebüsch entdeckt hatten. Bloß, in Echt hatte so was bis dahin zwischen Gustl und mir nicht passieren wollen. Gustl war damals knapp fünfzehn, ich siebzehneinhalb. Daß Gustl sein Steifer nicht wegging, obwohl er ... Stimmt, das kann mit einem Mittelchen zu tun haben, das er ... Auch bei mir ist alles - äh, prall - geblieben. Gustl und ich, wir hätten gerne ein Gegenmittel gehabt. Sofort.

Detektei Umschau: Halten wir das mal kurz fest, Frau Gleibt. Sie sagen uns, als die Welt Gustl und Ihnen damals in Bewußtsein zurückgekehrt war, meinten sie irgendwann, es sei früher Morgen. Als Sie Ihrer Schwester Gabi hinterhergegangen waren, was es abends nach dem Abendessen. Da sind ein paar Stunden dazwischen. Jede Menge Zeit, die Sie und Gustl irgendwo gewesen sein müssen. Können Sie sich wirklich an überhaupt nichts erinnern?

 Frau Ramona Gleibt: Nein. Nicht direkt. Nur, ich träume manchmal von Dingen ... Keine angenehmen Träume. Alpträume. Wenn ich mich an einen Traum erinnern kann, weiß ich, daß die Dinge, um die es in dem Traum geht, von damals sind ... Gabi kommt in den Träumen vor, er, Gabis Fransi. Und ich bin dort mit Gustl zusammen ... Denke immer, wenn ich aus einem dieser unschönen Träume erwacht bin, daß ich mich im Traum immer an Geschehnisse erinnere. Die damals wirklich so gewesen sind. Vielleicht.

Detektei Umschau: Was sind das für Alpträume, Frau Gleibt?

Frau Ramona Gleibt: Immer befinden sich Gustl und ich in diesen Träumen irgendwo in einem Raum. Entweder ein großer Stall. Oder es ist eine Höhle. Das wechselt, als wären es zwei Geschichten. Oder Gustl und ich, wir waren in der gleichen Nacht an zwei Orten. Oder: ein Ort, zwei Räume. Oder doch zwei unterschiedliche Ereignisse. Nur, daß ich mit dem einen überhaupt nichts anfangen kann. Also kann es nur das eine sein, nicht?

Detektei Umschau: Ja, Frau Gleibt?

Frau Ramona Gleibt: Ja. Träume ich das, sehe ich brennende Kerzen. Mit Gustl liege ich am schwarzen Erdboden. Um Gustl und mich herum bewegen sich Gestalten im Schatten. Aber auch die Schatten.Gustl und ich wollen dort weglaufen. Aber, wo immer Gustl und ich hinkommen, sind Wände. Wände, die Gustl und mich hochnehmen und zurückschleudern. An mir sehe ich silbernfarbene Kette, die an einem Eisenring im Boden festgemacht ist. Dann erscheint Gabi bei Gustl und mir, Gabi, den nackten Oberkörper blutrot angemalt. In einem anderen Traum ist das auch jemand anders. Irgendeine, die ich nicht kenne. Rothaarig. Gabi oder die, es ist auch egal. Gabi tanzt, hüpft spöttisch um mich herum. Eine Peitsche schwingt Gaby irgendwann durch die Luft. Keine so Peitsche wie der Löwenbändiger sie im Zirkus sie hat, sondern eher eine andere, kürzere. Sagen wir: eine Neunschwänzige. Immer wieder tritt die, die in meinem Traum öfter Gabi ist als die andere, an mich und Gustl heran, trifft mich am Rücken, an den Beinen. Bei Gustl ist das nicht anders. Ich sehe Gustl kreischen. Dann erscheint ER. ER, gekleidet in einen roten Mantel mit goldenen Sternen besetzt. Hinter ihm sind jede Menge Schatten am Herankommen, sich wiegende, vor und zurück tanzende Schatten. Schatten, die miteinander wispern. Die Schatten begehren etwas. Etwas führt ER auf, so wichtige Gesten vollführt ER. Gabi, wenn das Gabi ist, tanzt weiter. Dann öffnet ER seinen Samtmantel, streift ihn von sich herunter. Über Gustl und mir steht ER. Steht ER. Einen Kelch über sich erhoben. Über Gustl und mich beugt ER sich herab, läßt seine Finger suchend über uns drüberstreichen. Dann ... Dann sehe ich SEINEN Mund. SEIN Gebiß, das kein Gebiß ist. Eher ist ER zahnlos. Das ändert sich jedoch. Eckzähne werden sichtbar. Eine Art Vampiralptraum ist das, den ich habe. Erst schlägt ER seine Eckzähne in Gustl, Gustl, der sich nicht mehr bewegt, kreischt. Höhe von seinem Geschlecht macht ER das. Das Blut Gustls läßt ER in den Kelch laufen. Dann bin ich an der Reihe. Wenn ich dran bin,  wache ich immer schweißgebadet auf, mache schnell das Licht an. Bin froh, daß ich weiter in meiner Wohnung bin. Daß nichts aus meinem Traum der Wirklichkeit entspricht.

Detektei Umschau: Also - alles nur ein Traum? Oder wollen Sie uns sagen, Frau Gleibt, daß der Alptraum etwas Reales hat?

Frau Ramona Gleibt: Eigentlich, ja. Extra für Sie habe ich mich rasiert, um Ihnen das mal zu zeigen ...

 

Frau Regine Datz, eingefügter Kommentar: Frau Ramona Gleibt erhob sich von dem Sofa, Thomas und mir gegenüber. Den Gürtel ihrer schwarzen Anzughose öffnete Frau Ramona Gleibt, streifte die Hose bis zu den Fußknöcheln herunter. Mit ihrer lila Unterhose machte Frau Ramona Gleibt das gleiche.

Erst deutete Frau Ramona Gleibt auf die eine Pobacke, dann auf die andere.

Auf jeder Pobacke hat Frau Ramona Gleibt so Spuren auf der Haut. Wie Bißspuren. Vier an der Zahl.

Der Bißabdruck: die Größe eines Mundes.

Als nächstes hat Frau Ramona Gleibt sich Thomas und mir zugedreht. Thomas und ich blickten auf Frau Ramona Gleibts Geschlecht. Frau Ramona Gleibt ist glattrasiert.

An Frau Ramona Gleibts Geschlecht ist zu dasselbe wie an Frau Ramona Gleibts Pobacken zu erkennen. Daß dort etwas reingebissen hatte. Mundgroß. Wie angespitzte Zähne. Jeder tiefergehendere Bißstellen wie die an den Pobacken. Um die zu sehen, hätte Frau Ramona Gleibt nicht extra zu Thomas und mir herantreten müssen.

 

Frau Ramona Gleibt: Haben Sie gesehen. Normalerweise bin ich keine Frau, die sich intim rasiert. Nur für Sie beide habe ich das gemacht. Um Ihnen das zu zeigen. Gustl hat auch so Stellen. Gustl hat sie mir gezeigt. Aber Gustl hat noch was anderes. So zwei Bißstellen bei sich hinten im Nacken. Und: Über Gustls Geschlecht verdeckt das Schamhaar bei Gustl Stellen, die rot geblieben sind. Rote Punkte. Auch so tief wie bei mir hier, nur dunkelrot.

Detektei Umschau: Schon eine Sache. 

Frau Ramona Gleibt: Damals waren Gustl und ich fast überall am ganzen Körper irgendwo grün und blau. Wie grün und blau geschlagen. Wirklich, jede Menge Hämatome. Nur nicht im Gesicht. Und am Hals. Den Stellen, die normal keine Kleid verdeckt. Da ist weder Gustl noch mir was zu sehen gewesen.

Detektei Umschau: Mit der Peitsche ...?

Frau Ramona Gleibt: Müssen nicht unbedingt nur die Peitschenhiebe gewesen sein. Könnten auch noch mit was anderem geschlagen worden sein, Gustl und ich. Nur, Gustl und ich, wir hatten an nichts eine Erinnerung. Gezeigt haben Gustl und ich, solange wir verhauen ausschauten, nach Möglichkeit niemandem.

Detektei Umschau: Sie hätten doch zur Polizei gehen können. Es anzeigen.

Frau Ramona Gleibt: Nein, haben wir nicht gemacht. Auf die Idee sind Gustl und ich nicht gekommen. Nicht einmal.

Detektei Umschau: Aber, das muß man doch vorzeigen, wenn mit einem so was geschehen ist, Frau Gleibt. Zumindest eine Anzeige gegen Unbekannt, die kann man machen.

Frau Ramona Gleibt: Nein. Gustl und ich, wir haben ein paar Tage lang aufgepaßt, daß uns keiner nackt gesehen hat. Zum Baden ist Gustl nicht mehr gefahren, soviel ich weiß. Ich war sowieso mit meiner Familie nicht mehr in der Gegend. Ein paar Tage hatte ich noch schulfrei. Zum Baden gegangen bin ich eben nicht, das war alles. Wenn jemand mich anfaßte, ich 'au' meinte, habe ich gesagt, ich hätte einen Sonnenbrand. Einen schlimmen Sonnenbrand.

Detektei Umschau: Verstehen wir nicht, Frau Gleibt.

Frau Ramona Gleibt: Gustl hat niemandem viel erzählen wollen. Ich auch nicht. Erinnern konnten Gustl und ich uns auch an nichts. Das einzige, was ich sagen kann, ist, daß diese Alpträume, die ich habe, mit dem von damals zusammenhängen. Das an diesen schlimmen Träumen etwas dran ist. So was könnten Gustl und ich wirklich erlebt haben.

Detektei Umschau: Aber, eine Peitsche ...? Beibende Spuren hat die Peitsche - oder was immer es war - bei Ihnen auf der Haut nicht hinterlassen, Frau Gleibt? Wir haben da an Ihnen nichts von Hinterlassenschaften von einer Auspeitschung oder Schlägen gesehen.

Frau Ramona Gleibt: Ich habe mich mal so Sachen über Peitschen, Gerten gelesen. Habe gelesen, daß zum Beispiel Dominas Peitschen, Gerten benutzen, die, wenn man mit Ihnen zuschlägt, die Haut nicht aufplatzen lassen. Auch Flecke kriegt man von Hieben mit einigen von den Dingern nicht. Nur rote, dunklere Haut. Striemen. Die ganzen grünen, grüngeränderten und blauen Flecke sind mir dann nach einer Weile wieder vergangen. War dann nichts mehr zu erkennen, daß ich je so ausgesehen hatte. Habe damals wirklich ein paar Tage dafür gesorgt, daß mich niemand nackt im Bad erwischt ... Das einzige, warum ich mich wirklich über mich ärgere, ist, daß ich damals keine Fotos von mir gemacht. Die könnte ich Ihnen jetzt als Beweis zeigen. Habe ich dafür also heute keine Beweise. Sie müssen meinen Worten glauben, daß ich so ausgesehen habe.

Detektei Umschau: Wie ist es nun mit Ihnen und Gustl nackt hinter dem Gebüsch weitergegangen, Frau Gleibt? Trotzdem schwer zu verstehen, daß Sie sich verstecken. Fast hätten Sie dafür sorgen müssen, daß jemand die Polizei ruft. So, wie Sie sagen, daß Sie und Gustl ausgesehen haben ...

Frau Ramona Gleibt: Haben Gustl und ich aber nicht. Nein, Gustl und ich, wir waren froh darüber, daß uns keiner sieht. Gustl und ich, wir wollten keine Aufmerksamkeit. Daß jemand uns so sieht, nackt, grün und blau geschlagen. Jede Deckung haben Gustl und ich ausgenutzt. War jemand in unsere Nähe, haben Gustl und ich gewartet, bis der oder die fort war. Für Gustl war schlimm, daß Gustl mal mußte. Und er stand Gustl weiter hoch. Gustl hatte richtige Schmerzen. Unterm Arm mußte ich Gustl fassen, Gustl stützen. Immer herzerweichender gestöhnt hat Gustl.

Detektei Umschau: Gustl ging es also immer schlechter, weil es ihm nicht abgeschlafft ist?

Frau Ramona Gleibt: Ja. 'Wenn wir bei dir daheim sind, Gustl, und es bleibt so, müssen wir den Notarzt rufen', sage ich leise zu Gustl. Gustl: 'Nein. Keinen Notarzt. Mann, Mann, das muß doch irgendwann bald weggehen, Mona, oder? Das ist nicht mehr lustig. Und trotzdem steht er mir ...' Ich: 'Damit ist nicht zu spaßen. Wenn's nicht bald weggeht, Gustl, muß dir ein Arzt helfen. Bleibt überhaupt nichts anderes übrig, als daß ich den Notarzt rufe. Für uns beide. Uns beiden muß geholfen werden, Gustl. Wenn es nur ein Arzt kann ...' Gustl: 'Das tust du nicht, Mona. Du rufst keinen an. Mann, mein Vati bringt mich um, sieht er mich so ... Erfährt er, daß ich und du ...' Ich: 'Du kannst auch bald tot sein, Gustl. Ich habe mal was im Netz gelesen, daß eine Schauspielerin an so was gestorben ist. Die konnte auch nicht, am Klo. Wegen einer Droge. Das geht bei einem ganz schnell. Es vergiftet dich innerlich, von unten nach oben.' Gustls Stöhnen hört sich so schrecklich jämmerlich an. 'Gustl, dir muß geholfen werden, mir auch ...', hab ich zu Gustl gemeint, nachdem wir uns schnell niedergebückt hatten, weil drei Mädchen nahe vorbeigegangen sind.Endlich waren Gustl und ich am Bach lang beim Gebüsch und den Hagebutten angekommen. Dort, wo wir zwischendurch zu den Strauchingers auf den Hof konnten. Plötzlich konnte Gustl da Wasser lassen, schoß ihm der Strahl heraus. Wenigstens so weit war Gustl abgeschlafft, daß Gustl das konnte. Auch ich habe mich sofort niedergehockt. War ich glücklich darüber. So glücklich war ich noch nie in meinem Leben drüber. Umarmt haben Gustl und ich uns.

Detektei Umschau: Ihre Geschichte hört sich spaßig an, Frau Gleibt. Sie beide, Gustl und Sie, so nackt und in Dauerregung. Gesehen hat Sie so wirklich niemand? Auch nicht bei den Strauchingers am Hof?

Frau Ramona Gleibt: Ganz sicher weiß ich das natürlich nicht, ob nicht doch jemand mich und Gustl irgendwo gesehen hat. Mich und Gustl, nackt und grün und blau geschlagen. Angesprochen hat Gustl jedenfalls nie jemand drauf, soviel ich weiß. Und ich, ich war dann nicht mehr in Geiersdorf. 

Detektei Umschau: Sie haben es in Gustls Elternhaus hineingeschafft, ohne gesehen zu werden?

Frau Ramona Gleibt: Gustl und ich vorsichtig zwischen dem Gebüsch durch. Haben ständig gehorcht. Geschaut. In der Frühe sind bei den Strauchingers Stallarbeiten. An dem Morgen schien jedoch keiner viel in den Ställen was zu arbeiten zu haben. Gustl und ich, wir hörten die Kühe griesgrämig muhen. Die Schweine an ihren leeren Trögen. Die Hühner sind herumgelaufen. Kein Mensch war bei Gustls und meiner Rückkehr zu sehen. Als wären sie alle ausgestorben. Der kleine Hundewelpe hat Gustl und mich aus seinem Zwinger heraus angesehen, gequietscht und geschwänzelt. In den Kuhstall sind Gustl und ich reingeschlüpft. Dort wußte Gustl Kleidung. Blaue Jacke, blaue Hosen. Gustl und ich haben uns jeder schnell eine blaue Hose und Jacke angezogen. Dann erst sind Gustl und ich rüber zum Haus von Gustls Eltern.

 Detektei Umschau: Kein Mensch in den Ställen. Niemand irgendwo. Was war denn nun bei den Strauchingers am Hof los?

Frau Ramona Gleibt: Im Haus drinnen haben Gustl und ich Opi Strauchinger in der Küche vorgefunden. Sonst keinen Menschen. Gustl und ich, wir haben Opa Strauchinger kurz 'Guten Morgen' gesagt. Dann haben Gustl und ich Opa Strauchinger Opa Strauchinger sein lassen. Gustl hat mich gefragt, ob ich gesehen hätte. Natürlich hatte ich gesehen: Auf der Uhr in der Küche war es dreiviertel sieben. Gustl ist im Erdgeschoß sofort auf sein Zimmer gelaufen. Ich selber bin ins Obergeschoß. Kurz im Bad unter die Dusche. Dann habe ich mir in Sonjas und meinem Zimmer frische Kleidung Unterwäsche besorgt. Immer hergeschlagener begann ich mich zu fühlen, schmerzhafter wurden die vielen blauen Flecke für mich. Bei jeder meiner Bewegungen war es ein ungemütliches Ziehen. Die Dusche hatte ich schwächer einstellen müssen, weil ich den herabschießenden Wasserschauer kaum konnte.

Detektei Umschau: Wir hätten die Polizei verständigt, Frau Gleibt ...

Frau Ramona Gleibt: An Polizei dachte ich keine Sekunde. Unter der Dusche hat mich die Angst befallen, wenn ich von Gustl schwanger würde. Gustl könnte mich geschwängert haben. Das mit meinen Tagen, das stand bevor. Auf früh konnte sich schon was tun ... Bei dem, was ich gewünscht hätte, daß es zwischen Hinni und mir nachts auf dem Geiersdorfer Mittsommerfest passiert wäre, da hatte ich selber Kondome dabei. Für den Fall, daß Hinni keine gehabt hätte, hätte ich ausgeholfen ... Aber Gustl, der hatte nichts drüber ... Und Gustl ist er zu sich gekommen, als er ... Weil er ...

Detektei Umschau: Tja ...

Frau Ramona Gleibt: Konnte mich im Bad oben schnell wieder beruhigen. Daß ich fürchtete, ich könnte schwanger sein, das hat noch nicht geheißen, daß ich es wirklich war.

Detektei Umschau: Vielleicht hätte die Polizei, hätten Sie sie gerufen, alles geklärt.

Frau Ramona Gleibt: Nein, nein, Polizei wurde von mir keine gerufen.

Detektei Umschau: Gustl hat aber ... Gustl war eingeführt, Gustl, der war da, hat Sie ... Dahingehend verstehen wir doch nichts falsch, oder?

Frau Ramona Gleibt: Nein, nein. Was wollen Sie dauernd mit der Polizei? Gustl, Gustl bei der Polizei ... Dafür hatte ich keinen Grund. Gar keinen. Hatte ich Ihnen das alles vorhin nicht erklärt? Gustl und ich ... Ich fand Gustl nicht so schlimm. Gustl war zwar jünger wie ich, fünfzehn. Aber, Gustl hätte mich auch mal küssen dürfen ... Und daß Gustl mich da, auf mir, während diesen Momenten, als mir alles ins wache Bewußtsein zurückgekehrt war ... Nein, Gustl war dann davon auch überrascht, daß er ... Ich haben seine Augen gesehen, seinen Unglauben, als er das entdeckt hat, daß er auf mir liegt, mich ... Nein, hören Sie, nicht mal die Idee hatte ich, Gustl deswegen hinzuhängen. Bei meinen Eltern nicht. Bei seinen Eltern nicht. Und schon gar nicht bei der Polizei. Und ob ich von Gustl schwanger war, das mußte ich erst sehen. Solange ich nicht schwanger war, mußte ich keinem was erzählen, wenn ich nicht wollte. Erst mußte ich schon wirklich schwanger sein, nicht vorher schon austicken.

Detektei Umschau: Was war dann bei den Strauchingers am Hof los, daß bei den Strauchingers früh am Morgen keine Stallarbeiten waren? Wenn im Haus von Gustls Eltern niemand außer Opi Strauchinger anzutreffen war - wo waren Sie alle hin?

Frau Ramona Gleibt: So fünf nach sieben Uhr, bin ich in einer langen blauen Jogginghose, rotem Shirt, weißen Socken und Sandalen in die Küche runter. In der Küche ist Gustl schon bei Opi Strauchinger gesessen, Opi Strauchinger, der mich breit grinsend und so mit blinzelnden Augen begrüßte. Ich und Gustl, tststs, sagte das wohl. Wäre ein Fehler gewesen, hätte ich mich zu knapp zu Opi Strauchinger dazugehockt. Opi Strauchinger hätte sofort angefangen, an mir herumzutätscheln. Gustl forderte Opi Strauchinger auf, mir zu sagen, was er ihm, Gustl, gesagt hatte. Und Opa Strauchinger wiederholte die Neuigkeiten für mich. Opi Strauchinger hatte Gustl darüber unterrichtet, daß Gabi im Rettungswagen schon wieder in Kreiskrankenhaus abtransportiert worden war. Im gleichen Zustand, in dem sie das letztemal auch ins Kreiskrankenhaus gebracht werden mußte. Alle seien ins Krankenhaus hinterhergefahren. Total verantwortungslos, weil die Viecher im Stall warteten. Dort hätte die Arbeit verrichtet werden müssen. Ins Krankenhaus hätten alle dann immer noch fahren können. Das Krankenhaus wäre keinem davongelaufen.

Detektei Umschau: Ihre Schwester Gabi also, die wieder ins Krankenhaus gefahren werden mußte ...

Frau Ramona Gleibt: Gustls Mutti war sofort nach dem Aufstehen kurz aus dem Haus raus, da hatte sie Gabi draußen vor der Haustür mit dem Oberkörper auf der Fußmatte liegend vorgefunden. Gabi regte sich kein bißchen mehr, daß Frau Strauchinger kreischend in die Küche zu ihrem Mann lief, meinte, Gabi wäre tot. Mutti Soni und Vati Didi, die waren schon im Bad, hatten sich für die Stallarbeit fertig gemacht, kamen sofort herbei, eilten zur Haustürschwelle. Mein Vati Didi hat für Gabi den Notarzt gerufen. Herr Strauchinger war kühl, bemerkte bei Gabi noch so etwas wie einen Puls. Der Notarzt in seinem Auto und ein Rettungswagen waren zehn Minuten nach Vatis Anruf am Hof. Lange hat der Notarzt an Gabi herumgemacht, haben Vati und Mutti mir erzählt, als ich sie am Nachmittag wiedergesehen habe. Richtig reanimieren mußten die Leute Gaby. Nach langen Minuten war Gaby so weit wieder stabil, daß Gaby transportiert werden konnte. Mit Gaby ist der Rettungswagen Richtung Krankenhaus abgefahren. Auch die Strauchingers sind zusammen mit Vati Didi, Mutti Soni und Sonja dem Rettungwagen sofort ins Kreiskrankenhaus hinterhergefahren. So in Sorge waren alle wegen des schlechten Zustands Gabys. Ein Wunder, daß es Gabi nur zwei, drei Stunden später wieder so ging, als wäre alles bei ihr wie immer. Nur, der strenge Duft bei Gabi, der ließ die Nasen rümpfen ... Ein Duft, der nach Tod roch. Obwohl Gabi am Leben war.

Detektei Umschau: Daß Gustl, der ältere Sohn der Strauchingers, und Sie, Frau Gleibt, anscheinend nicht daheim im Haus der Strauchingers waren, das hat niemand größeren Kummer bereitet? Keiner hat Sie darauf angeredet, nachdem Gustl Eltern, die Ihren, Frau Gleibt, wieder am Strauchinger-Hof zurück waren?

Frau Ramona Gleibt: Nein, wegen mir und Gustl hat niemand groß herumgesucht. Damit hat sich kein Mensch lange aufgehalten. So schlecht, wie es Gaby ging, waren Gustl und ich wirklich nicht weit oben auf der Sorgenliste. Immerhin war ich schon siebzehneinhalb. Kein ganz so kleines Mädchen mehr. Und Gustl, der fuhr in der Frühe hin und wieder an den kleinen Stauhangsee nicht weit oberhalb von Geiersdorf zum Angeln. Das, hat Gustl gesagt, daß er auch an dem Morgen gemacht hätte. Nur, das, was gebissen hätte, daß hätte er sofort wieder ins Wasser zurückgeworfen. Kleine Schrumpelfische wollte er nicht heimbringen ... Und ich? Mich fragte irgendwie niemand, wo ich abgeblieben war. Anscheinend war ich groß genug, als Mädchen zu wissen, was ich nachts treiben wollte oder nicht. Wichtig war für Vati und Mutti nur, daß es Gabi schon wieder besser ging. Über Gabis Gesundheit wurde gerätselt. Außerdem setzten Vati und Mutti an dem Vormittag in der Küche, als sie von Gabi aus dem Zimmer heruntergekommen, mir und Sonja auseinander, daß wir packen sollten. Im Laufe des Nachmittags, daß die gesamte Familie Gleibt nach Hause fahren würde. 

Detektei Umschau: Bei Ihrer Schwester Gabi - also dasselbe Krankheitsbild, mit dem sie bereits ein paar Tage zuvor ins Krankenhaus gebracht worden war?

Frau Ramona Gleibt: Gabis Gesundheitszustand gab Rätel auf. Gabi war böse anämisch. Hatte zu wenige weiße Blutkörperchen im Körper. Wie eine, die zu starke Regelblutungen hatte. Dabei sagte Gabi zu den Krankenhausärzten, als die sie wieder richtig bei Bewußtsein war, sie hätte ihre Tage nicht. Der starke Blutverlust, den brachten die Krankenhausärzte, die diesesmal Gaby untersuchten, trotzdem mit Regelblutungen bei Gabi in Verbindung. Mit sonst nichts Mysteriösem. Erklärten das so Mutti und Vati. Das andere mit dem geheimnisvollen Virus, das blieb mysteriös. Der Laborbefund ließ sich jedoch nicht von der Hand weisen. Am frühen Nachmittag sind wir, die Familie Gleibt, vom Bauernhof der Familie Strauchinger abgereist. Schuld daran hatte alleine Gabi, sonst nichts und niemand. Weil Mutti und Vati sich das mit den Zusammenbrüchen Gabys nicht erklären konnten. Unzufrieden waren Vati und Mutti mit den Mitteilungen, die ihnen die Ärzte im Kreiskrankenhaus gemacht hatten. Verstärkt hätten Vati und Mutti ein Auge auf Gabi, ihre vierzehnjährige Tochter, haben sollen. Damit Vati und Mutti das auch mal mitkriegen konnten, wenn Tochter Gabi den nächsten Zusammenbruch hatte. Außerdem sollte Gaby ihr verordnete Präparate zur Blutbildung auch einnehmen. Ruhe wäre für Gabi das Angesagte, keine stundenlange, schwere Arbeit am Bauernhof. Für Vati und Mutti hieß das, Ende des Urlaubs am Bauernhof. Vielleicht nächstes Jahr wieder der Bauernhof der Familie Strauchinger. Zu den Strauchingers sagte Vati, daß sie an nichts die Schuld hätten. Daheim würden Fachärzte weitere eingehende Untersuchungen bei Gabi durchführen; über die Laborergebnisse würden die Strauchingers auf dem laufenden gehalten. Dann war die Abfahrt fällig. Es ging im Taxi zum Bahnhof. Während der Zugreise war Gabi sehr still. Wie wir alle eigentlich auch. Das war ein Ferienaufenthalt bei den Strauchingers mit jeder Menge unglaublicher Erlebnisse. Für Vati, Mutti. Aber auch für mich. Sonja war auch nicht fröhlich, weil Sonja sich von Tolle, dem Hündchen Gustls und dessen kleinen Bruders trennen hat müssen. Sonja hätte Tolle gerne mitgenommen. Gustl hatte schon die Schulter gezuckt, war einverstanden. Aber Vati und Mutti erlaubten es Sonja nicht, Tolle mitzunehmen. Vati, Mutti setzten Sonja auseinander, daß in unserer Wohnung keine Haustiere gestattet waren; wollte Sonja ein Tier wie einen Hund, eine Katze, müßten Vati und Mutti erst umziehen, sich eine neue Wohnung suchen.

 Detektei Umschau: Wirklich, Sie erinnern sich an nicht, was die Nacht zuvor war, ehe Sie hinter dem Gebüsch zu sich kam, mitbekommen mußten, daß sie von Gustl, dem älteren Sohn der Strauchingers ...
Frau Ramona Gleibt: Nein. An die Stunden zuvor fehlen mir jede Erinnerung. Nur in meinem Träumen sehe ich IHN ... IHN und Gabi. Ihn mit einer Peitsche. Gabi mit einer Gerte, glaube ich ... Es sind Alpträume. Aus denen ich schon das eine oder ander Mal schreiend erwacht bin ...
Detektei Umschau: Dieser Fransen ...
Frau Ramona Gleibt: Nein! Bitte, könnten wir jetzt wieder hier mit allem Schluß machen. Ich mag nicht mehr reden. Ich habe alles hier satt. Bitte gehen Sie! Jetzt sofort, ja?
Detektei Umschau: Klar gehen wir.
Frau Ramona Gleibt: Ich rufe Sie an.
Detektei Umschau: Wenn Sie anrufen, kommen wir jederzeit vorbei, Frau Gleibt.
 
Sobald Frau Ramona Gleibt sich wieder bei uns, der Detektei Umschau, meldet, erhalten Sie sofort Nachricht, Herr Doktor Weil-Esch. Außerdem werden wir von der Detektei Umschau Ihnen sofort alles, was Frau Ramona Gleibt mitteilt, schriftlich und zum Nachhören als Tonaufzeichnung übermitteln.
 
Hiermit verbleibe ich,
mit freundlichen Grüßen
 
 
___________________
 
Anlage
2 Speichersticks (der Tonmitschnitt der Unterhaltungen, die Herr Thomas Setzer und Frau Regine Datz, Mitarbeiter der Detektei Umschau, am Freitag und am Samstag mit Frau Ramona Gleibt in Frau Gleibts Wohnung führten.)
 
*

 

 

 

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