"Briefprotokolle der Detektei" (07.12. - 30.12.), No. 4
Schreiben der Detektei Umschau an Herrn Doktor Gregorius Weil-Esch, Datum: 30.12.xxxx
"Sehr geehrter Herr Doktor Weil-Esch,
Frau Sonja Gleibt, die Mutter Ramona Gleibts, möchte bis auf weiteres nicht, daß wir von der Detektei Umschau versuchen, Kontakt mit ihrer Tochter Ramona aufnehmen. Als ob die Detektei Umschau das in der letzten Zeit probiert hätte.
Telefonisch sagte Frau Sonja Gleibt, Ramona Gleibts Mutter, mir folgendes: Wir von der Detektei Umschau hätten sicherlich mitbekommen, daß Ramona gesundheitlich angeschlagen ist. Eine schwere Nervengrippe, diehätte Ramona befallen. Wegen dieser Erkrankung hätte Ramona nur die Weihnachtsfeiertage bei ihrer Mutti verbringen können. Am siebenundzwanzigsten Dezember in der Frühe sei Ramona auf eigenen Wunsch wieder das Klinikum zurückgekehrt. Dort wolle Ramona für die nächsten paar Wochen bleiben und mit niemandem sprechen, der nicht Mitglied der Familie Gleibt oder Klinikarzt ist. Wenn Ramona sich wieder so weit von ihrer nervlichen Schwäche erholt hätte, sich mit Detektiven der Detektei Umschau unterhalten würde können oder wollen, würde Ramona die Detektei Umschau gewiß darüber verständigen. Bis Ramona sich jedoch dazu in der Lage sieht, Lust dazu hätte, sollten wir von der Detektei Umschau Rücksicht nehmen und Abstand halten. Der Wunsch Ramonas sollte von der Detektei Umschau respektiert werden. Auch die Familie Gleibt würde es schön von der Detektei Umschau finden, würde durch die Detektei Umschau auf jeden weiteren Versuch der Kontaktaufnahme mit Ramona verzichtet.
Im Grunde überraschend, daß wir von der Detektei Umschau so einen Anruf durch Frau Ramona Gleibts Mutter Sonja erhalten. Schließlich haben meine Mitarbeiter nur am Arbeitsplatz Frau Ramona Gleibts angerufen, dort danach gefragt, ob man etwas vom Verbleib Frau Ramona Gleibts wisse. Als das der Fall war, daß man Bescheid wüßte, wo Frau Ramona Gleibt sich im Moment aufhielte, haben wir von der Detektei Umschau uns damit zufriedengegeben.
Dem Wunsch von Frau Ramona Gleibts Mutter Sonja werden wir von Detektei Umschau außerdem entsprechen, Herr Doktor Weil-Esch. Wenn Frau Ramona Gleibt uns Neuigkeiten mitzuteilen hat, wird Frau Gleibt sich bei uns melden müssen.
Weil Sie es uns nicht erlauben, Ihnen e-Mails zu schicken, Herr Doktor Weil, und Sie uns informierten, daß Sie vom achtzehnten bis neunundzwanzigsten Dezember nicht postalisch erreichbar sein würden, auch nicht antelefoniert werden wollten, wir von der Detektei Umschau bis zum neunundzwanzigsten Dezember keine Briefsendungen an Sie in Ihr Büro abzuschicken bräuchten, schicken wir Ihnen nun in diesem Begleitschreiben in dem kleinen Paket an Sie als erstes den Wortlaut des letzten Gesprächs, das Frau Ramona Gleibt am achtzehnten Dezember abends mit Herrn Thomas Setzer und Frau Regine Datz den Mitarbeitern der Detektei Umschau geführt hatte. Die Diktiergerätaufzeichnung ins Reine zu tippen, die Arbeit, die machte sich Frau Agathe Setzer.
Detektei Umschau: Heute ist der achtzehnte Dezember, halb neun Uhr abends. Genaue Uhrzeit: 20:27 Uhr. Wir, Thomas Setzer und Frau Regine Datz, Mitarbeiter der Detektei Umschau, sind auf schnellstem Wege zu Frau Ramona Gleibt in die Wohnung gekommen. In Frau Ramona Gleibts Wohnzimmer befinden wir uns jetzt. Frau Ramona Gleibt sitzt uns am Sofa gegenüber. Frau Ramona Gleibt, Sie wollten uns über die Phon-Verbindung nicht sagen, was bei Ihnen los ist. Jetzt sitzen Sie uns hier zwar einigermaßen bleich im Gesicht, aber doch ziemlich ruhig auf Ihrem Sofa gegenüber. Als Sie mich vor einer halben Stunde auf meinem Phon angerufen haben, hörten Sie sich total aufgeregt an. Sie haben richtig hysterisch in ihr Phon gegellt, geschrien, sofort müßte ich zu Ihnen in die Wohnung kommen. Sogar in Lebensgefahr, daß Sie sich befänden, Frau Gleibt ...?
Frau Ramona Gleibt: Stimmt, ich habe gekreischt. Daß Sie auf der Stelle kommen sollen, das habe ich gesagt. Und das auch, daß ich mich bedroht fühlte. In Lebensgefahr.
Detektei Umschau: Ich und Regine, wir haben an Ihrer Wohnungstüre geklingelt, Sie haben uns sofort die Türe geöffnet, Frau Gleibt. Dann sind Regine und ich bei Ihnen in jedem Raum Ihrer Wohnung gewesen. Es befindet sich niemand bei Ihnen in den Räumlichkeiten. Sie sind ganz alleine ...
Frau Ramona Gleibt: Es war nur ... Reinkommen, das war nicht ... Es ist dunkel geworden, ich habe dann die Rolläden von meiner Wohnung heruntergemacht. Da wollte ich eben aus meinem Schlafzimmer hinaus, nachdem der Schlafzimmer-Rolladen unten war, da habe ich ein leises Klopfen gehört. Gegen den Rolladen in meinem Schlafzimmer hat es geklopft. Das Klopfen hat sich wiederholt. Das hat mich nicht nur erschrocken. Das totale Entsetzen ist über mich gekommen. Hatte weiche Beine. Konnte mich nicht mehr auf den Füßen halten. Bin zu Boden gegangen ...
Detektei Umschau: Sie wohnen hier im dritten Stock, Frau Gleibt ... An den Rolladen vor Ihrem Fenster im dritten Stock, daß es geklopft hatte ...?
Frau Ramona Gleibt: Ich dachte auch, das dürfte doch nicht sein. Das dürfte nicht möglich sein. Warum das, wieder? Sie wissen, so was kommt bei mir nicht das erste Mal vor ... Ich kenne das. Ich kenne das, daß bei mir gegen den Rolladen geklopft wird. Kratzen oder klopfen gegen meinen Rolladen ... Drei Stockwerke hoch wohne ich hier im Haus ... Alles nichts Neues für mich. Das erste Mal hatte ich das in der Wohnung meiner Eltern. Als meine Schwester Gabi noch ... Danach, muß ich gestehen, immer wieder mal auch ... Zum Glück habe ich Ihre Phon-Nummern ... Die von Ihnen, Herr Setzer, habe ich angerufen. Ich konnte mit meinem Verlangen fertig werden, den Rolladen hochzumachen. Den Rolladen habe ich nicht hochgemacht. Habe ich nicht, habe ich nicht. Statt dessen auf allen vieren in mein Wohnzimmer gekrochen, in dem mein Phon am Tisch herumlag. Gezittert hab ich wie noch was. Mein Phon hatte ich am Boden liegen, Ihre Nummer habe ich gewählt, Herr Setzer ... Zum Glück haben Sie sich sofort gemeldet ...
Detektei Umschau: Sie denken, Frau Gleibt, es ist alles das gleiche wie früher? Sie denken, daß derjenige, von dem Sie uns in mehreren Sitzungen jetzt bereits Dinge erzählt haben, daß der wieder ... Daß der das vor Ihrem Fenster war? An Ihren Rolladen, daß von außen geklopft wurde - von dem?
Frau Ramona Gleibt: Ja! Wer sollte es sonst sein?
Detektei Umschau: Aber - jetzt ist ER anscheinend fort ... Ohne etwas mit Ihnen gemacht zu haben. ER hat Sie nicht mal dazu gebracht, IHM das Fenster zu öffnen ...
Frau Ramona Gleibt: Sie reden, als hätte ich IHM das Fenster aufmachen sollen. Stellen Sie sich vor, vielleicht ist ER jetzt, während wir uns hier miteinander unterhalten, irgendwo draußen ...
Detektei Umschau: Sollen wir nachschauen? Wir haben Leuchten in unserem Wagen ... Sollen wir die Hausfassade ableuchten?
Frau Ramona Gleibt: Nein, ich möchte das jetzt nicht. Ich glaub, ich kann mich kaum auf den Füßen halten, so zittere ich schon wieder. Ich fürchte, ER könnte in der Lage sein, durch den Rolladen brechen, über uns kommen ...
Detektei Umschau: Sollen wir die Polizei rufen?
Frau Ramona Gleibt: Was sagen wir denen, bitteschön? Daß ich verfolgt werde? Daß einer mir nachgeht?
Detektei Umschau: Unter anderem das, das könnten wir sagen.
Frau Ramona Gleibt: Nein! Das will ich nicht. Mag keine Polizei. Am Schluß erfahren die in der Bank was davon, daß zu mir die Polizei gekommen ist. Nein, kein Bedarf. Nein, keine Polizei. Keine Polizei.
Detektei Umschau: Schon ein mulmiges Gefühl, daß hier die Möglichkeit besteht, daß einer in diesem Moment bei Ihnen im dritten Stock vorm Rolladen sein könnte. Hier mithört oder sogar über uns hier hereinbricht ... Sollten wir nicht hier verschwinden, Frau Gleibt?
Frau Ramona Gleibt: Und wenn ER uns dann vor der Haustür unten auflauert? Nein, ich meine, Sie beide sind bei mir in der Wohnung. Es geht IHM bisher nur um mich. Wenn ich mir eine neue Wohnung suche, dann morgen ... Heute ist es für alles zu spät ... Manchmal frage ich, warum eigentlich meine Schwester Gabi heute nicht mehr lebt. Ich dagegen, ich lebe schon noch. Das ist komisch.
Detektei Umschau: Was soll daran komisch sein?
Frau Ramona Gleibt: Die Drohungen, die meine Schwester Gabi damals gegen mich ausgesprochen hat. Daß sie ihm sagen würde, daß ER mir was antut. Aber, ich lebe noch. Dafür ist Gaby heute tot. Seit Jahren ist Gabi tot. Obwohl ER auch damals an meinem Fenster war ... Gabi und ER ... Gabi gegenüber hat ER SEINE Versprechen nicht gehalten. Nicht eines.
Detektei Umschau: Hm, Frau Gleibt, was für Versprechen denn?
Frau Ramona Gleibt: Gabi hat bei jeder Gelegenheit davon geredet, daß sie noch leben würde, wenn ich schon lange tot wäre. Und bald wäre ich tot. Wiederholt und wiederholt hat Gabi es mir, daß ER bald zu mir kommen würde, für ein einziges Mal. Ein einziges Mal. Dann wäre ich für den Sarg. Meinen Tagesablauf hab ich total umgestellt. Kaum bin ich von der Schule heimgekommen, hab ich mich schlafen gelegt. Zu Mutti hab ich gesagt, daß ich nachts besser lernen könnte. Hab auch nachts gelernt. Und auf die Geräusche meiner Umgebung gehorcht. Blöde, ich hätte ab und zu gerne Musik gehört, hab mich das aber nicht getraut. Hätte ja was am Fenster oder in meiner Umgebung überhören können. Meine beiden Phons lagen griffbereit. Falls was war, wollte ich sofort Mutti und die Polizei anrufen. Jeden Freitagnachmittag bin ich nach der Schule sofort zum Bahnhof, bin übers Wochenende zu meiner Omi mütterlicherseits gefahren bin. Bei Omi bin ich von Freitag bis Sonntag geblieben. Außerdem habe ich Freundinnen von mir gefragt, ob ich nicht bei ihnen übernachten dürfte. Bei jeder Gelegenheit habe ich unter der Woche öfter bei Impi oder anderen übernachtet. Meine Mutti habe ich bedrängt, ob Mutti mir nicht doch bei Vati helfen wollte. Damit Vati, der viele Leute kannte, seine Beziehungen spielen ließ, damit ich zu einer eigenen Wohnung käme. Vati hätte sicher mit den Leuten reden, daß sie mir bei der Monatsmiete und den Unkosten entgegengekommen wären. Hat aber alles nicht viel genützt, ich hab Gabi nicht ganz entkommen können. Bei meinen Eltern war der nächste Urlaub am Bauernhof bei den Strauchingers in Geiersdorf in Planung ... Diesesmal aber, das teilte ich Mutti Soni mit, würde ich nicht zu den Strauchingers auf den Bauernhof mitkommen. Bei Omi wollte ich die Ferien durch bleiben, mir vielleicht eine Ferienarbeit suchen. Ein paar Wochen vor Schuljahrende habe ich wieder mit Mutti Soni über eine eigene Wohnung geredet, sagte Mutti, daß vielleicht nach der Zeugnisübergabe darüber geredet werden könnte, ob Vati mir nicht hilft, eine eigene Wohnung zu bekommen. Groß war Vatis, Muttis Wunsch zwar nicht, daß ich von daheim auszog, solange ich noch in die Schule ging. Aber, wenn ich unbedingt ausziehen wollte. Ich war achtzehn ... Am Ende des nächsten Schuljahres allerdings hätte ich mein Abitur. Da konnte ich, wollte ich das, auf eine Universität weiter weg gehen und mir dort eine Studentenbude suchen. Oder ich könnte mir irgendwo eine Lehrstelle suchen. Hätte ich eigenes Geld, könnte ich dann die eigene Wohnung mit meinem eigenen Geld bezahlen ...
Detektei Umschau: Das heißt, Frau Gleibt, Sie konnten Ihrer Schwester Gabi öfters aus dem Weg gehen. Aber nicht ganz. Es hat immer wieder Reibungen zwischen Gabi und Ihnen gegeben, und die Drohung, die stand ständig im Raum, daß die Drohung, die Gabi gegen Sie ausgesprochen hatte, wahr würde ...
Frau Ramona Gleibt: Ja. Wirklich wahr. Gabi hatte angesagt, daß ER zu mir kommen könnte. Ein einziges Mal. Und daß dann nicht mehr viel wäre, zu was ich fähig sein könnte. Wochen vergingen, Monate, aber, ER ist nie zu mir gekommen. Nur die Drohung, daß ER kommen könnte, die stand im Raum, wie eh und je. Nach Möglichkeit habe ich mich um nicht viel bei Gabi gekümmert. Hat Gabi mich auch nur kurz angeschaut, habe ich sofort den Blick gesenkt. Wenn meine Schwester Gabi die von uns war, die schlecht ausschaute, habe ich das ignoriert. Wieder war ich übers Wochenende bei Omi, war die Nacht wach auf meinem Zimmer, habe gelernt, gechattet, dies und das gemacht. Dann bin ich morgens in die Küche gelatscht. Ein wenig verspätet, ich, weil ich für ein Weilchen weggedöst gewesen war. Verdammt, dachte ich, ich würde Gabi begegnen. Sonst war ich schon zur Schule unterwegs, kam Gabi aus ihrem Zimmer. An dem Morgen jedoch kam es vor, daß Gabi nicht in der Lage war, von selber aus dem Bett aufzustehen. In die Schule zu gehen, unmöglich für Gaby. In den Armen Muttis wurde Gabi ohnmächtig. Mutti spürte bei Gabi keinen Puls mehr. Vati hat den Notarzt für meine Schwester Gabi gerufen. Es war Vati, der fand, daß Gabi doch noch Puls hätte; wenn auch schwach. Ins Krankenhaus wurde Gabi auf Anweisung des eingetroffenen Notarztes gefahren. Nachdem Gaby so weit wieder auf den Beinen war, reiste Gaby zur Kur ab. Für drei Wochen. Das war damals im Mai.
Detektei Umschau: Wenn wir das richtig überblicken, Frau Gleibt, hatte Ihre Schwester Gaby da nur noch etwas mehr als ein halbes Jahr zu leben. Was war denn mit Ihrer Schwester Gabi?
Frau Ramona Gleibt: Ehrlich gesagt, ich konnte die Freude darüber, daß es Gabi schlecht ging, kaum verhehlen. Nur das Schlechteste wünschte ich Gaby. Sogar den Tod. Den Tod. Gefreut hätte mich der Tod Gabis. Hätte Gabi die Lage schlecht eingeschätzt: Nicht ich war die, die starb, sondern sie. Leider tat Gabi mir den Gefallen nicht, im Krankenhaus zu sterben. Die Ärzte im Krankenhaus halfen Gabi, wieder auf die Beine zu kommen. Wenigstens mußte ich Gabi nicht sehen, weil sie auf Kur war. Als einzige der Familie hab ich die Reise nach Westfalen nicht mitgemacht, habe Gabi in dem Kurbad nicht besucht.
Detektei Umschau: Und ER, wo war ER denn nun?
Frau Ramona Gleibt: In meiner Nähe war ER nicht. Das hätte ich wahrscheinlich sofort gespürt, wäre ER irgendwo in unmittelbarer Nähe gewesen. Jetzt, momentan, während wir, ich und sie, so beieinandersitzen, ich Ihnen wieder was erzähle, spüre ich auch nichts mehr von IHM. Nicht so, wie vor ein paar Minuten noch. Ich glaube, ER ist erst mal wieder fort.
Detektei Umschau: Ja?
Frau Ramona Gleibt: Klar doch! ER ist jetzt woanders. Nicht mehr hier in meiner Umgebung.
Detektei Umschau: Soso. Ihre Schwester Gabi hat nun wieder nicht mehr gefehlt, Frau Gleibt, sie ist nach Hause gekommen, nicht wahr? Was erzählten Ihre Mutti Soni und Ihr Vati Didi Ihnen und Ihrer Schwester Sonja so?
Frau Ramona Gleibt: Sonja war viel besser informiert als ich. Sonja hatte nicht diesen Ärger mit Gabi, wie ich ihn hatte. Weiß eigentlich nicht, warum Sonja nicht irgendwann auch bei Gabi und mir dazwischengekommen ist. Sonja, ich weiß nicht, wenn ich mir das so überlege, hätte Sonja auch Ärger mit IHM haben müssen. Aber Sonja spielte bei Gabi keine Rolle. Bis heute spielt Sonja auch bei mir keine größere Rolle. Keine Ahnung. Wirklcih nicht.
Detektei Umschau: Sie, Frau Gleibt, und Ihre jüngste Schwester Sonja, Sie sind am Leben. Gabi starb dann allerdings ein halbes Jahr später ...
Frau Ramona Gleibt: Jedesmal, war was mit Gabi, gingen die Ärzte erst mal von zu starken Regelblutungen bei Gabi aus. Daß der Blutverlust bei Gabi deswegen so hoch war, weil Gabi wieder ihre Tage hätte. Daß keine Eisenpräparate oder Medikamente zur Blutbildung bei Gabi länger viel halfen, war ein Problem. Mit Infusionen peppelten die Ärzte im Krankenhaus Gabi auf, sagten zu Mutti, Vati, daß Gabi wieder zu regelmäßigen Untersuchungen vorbeikommen müßte. Die Photophobie verging Gabi lange nicht mehr. Gabi war wirklich sehr lichtempfindlich. Eine Brille aus ihrer Sonnenbrillensammlung trug Gaby sogar in der Wohnung ständig. Damals, von dem Tag, von dem wir gerade jetzt sprechen, war bei Gabi eine Enzephalitis diagnostiziert worden. Die Enzephalitis bildete sich innerhalb von ein paar Tagen zurück, daß Gaby als gesund anzusehen war. Dann brach die Enzephalitis nach Gabis Rückkehr aus dem Kurbad ohne ersichtlichen Grund bei Gabi plötzlich wieder aus. Eingehend befragt wurden Vati und Mutti, ob Gabi in der Vergangenheit öfters Zecken hatte. Oder von sonst einem Tier gebissen wurde. Auch die Tollwut wurde meinen Eltern gegenüber erwähnt. Der Virus in Gabis Körper, der in Episoden sich in Gabi vermehrte, um innerhalb kürzester Frist wieder abzusterben, wurde mit dem Tollwutvirus in Verbindung gebracht. Bitte, ich bin für die Details der Erkrankung meiner Schwester Gaby nicht der richtige Ansprechpartner. Um alles ganz genau zu erfahren, sollten Sie mit Vati oder Mutti sprechen. Sie wissen, wie mein Verhältnis zu meiner Schwester Gabi war. Gabi und ich, wir haben uns gehaßt. Gabi hat mich gehaßt, ich habe Gabi gehaßt. Das stimmt einfach, daß ich mich jedesmal darüber gefreut hab, wenn ich mitgekriegt hab, daß es Gabi irgendwo schlechter ging. Stellen Sie sich vor: Nicht ein einzigesmal bin ich freiwillig mitgefahren, wenn Vati, Mutti und Sonja Gabi im Krankenhaus besucht haben. Entweder habe ich Vati und Mutti gegenüber mein Mitgefühl dafür geheuchelt, daß es Gabi irgendwie dreckig ging. Oder ich habe Vati, Mutti gegenüber überhaupt keinen Hehl daraus gemacht, daß es mich freute, daß es Gaby übel ging. Daß Gabi mit einer Krankheit rang, deren Ursache nicht eindeutig identifiziert werden konnte, das fand ich besten Fall interessant. Als Vati und Mutti sonntags beim gemeinsamen Mittagessen in der Küche davon redeten, Gabi könnte Leukämie haben, habe ich ganz spontan vor Freude in die Hände geklatscht, daß Vati und Mutti mich aus der Küche schickten. Es gab zwischen Vati und Mutti und mir Auseinandersetzungen wegen meiner Bosheit, was meine Schwester Gabi anbetraf. Zur Rede wurde ich ein paarmal von Vati oder Mutti oder Vati, Mutti gestellt, warum ich mich bei Gabi nicht zurückhalten könnte. Auch ich sollte mich um ein besseres Verhältnis zu meiner Schwester Gabi bemühen. Gabi strengte sich schließlich auch an. Aber ich hab nicht hinterm Berg halten wollen, es auch gesagt, daß ich meine Schwester Gabi haßte. Warum sollte ich lügen? Wäre andererseits alles auch kein Problem, hätten Vati, Mutti mir geholfen, eine Wohnung für mich zu suchen. Dann hätte es nichts mehr zwischen Gabi und mir gegeben, wenn Gabi wieder auf den Beinen war, mit mir schlägern konnte, obwohl Gabi ausschaute wie ein Schatten ihrer Selbst. Klapprig, mager, wie ausgelutscht. Das alles hätte es nicht gegeben, weil ich richtig von daheim ausgezogen gewesen wäre und nicht nur tageweise oder fürs Wochenende. Hätte ich Gabi, meine fünfzehnjährige Schwester, nicht mehr sehen müssen, wäre ich die glücklichste Person auf der Welt gewesen.
Detektei Umschau: Eh - Leukämie, Leukämie wurde bei Ihrer Schwester Gabi diagnostiziert, Frau Gleibt?
Frau Ramona Gleibt: Schon. Der jährliche Sommerferienaufenthalt auf dem Bauernhof der Strauchingers wurde von Vati abgesagt. Das erste Mal seit Jahren, daß die Familie Gleibt nicht zu den Strauchingers auf den Hof in Geiersdorf gefahren ist. Gustl und ich haben um die Zeit herum zwei-, dreimal länger miteinander telefoniert. Gustl war schockiert von dem, was ich ihm von Gabi zu erzählen hatte. Gustl meinte zu mir, daß er mich trotzdem bei seinen Eltern am Bauernhof erwartet hätte. Gustl sagte mir, daß er die letzten Monate viel von mir geträumt hätte. Von den Dingen, die bereits zwischen mir und ihm geschehen waren. Das hätten wir jeden Tag machen können; jeden Tag. Ganz offen, daß Gustl das zu mir meinte. Gustl fragte mich, ob ich, Mona, nicht in den großen Ferien zu ihm fahren könnte. Würden meine Eltern sicher nichts dagegen haben. Nein, alleine wollte ich das nicht. Außerdem ist mir SEINE Fratze vor Augen entstanden, die von dem mit dem Trenchcoat. Gustl wünschte sich freie Fahrt bei mir. Aber dort, in der Nähe des Bauernhofs der Strauchingers, war eigentlich auch ER daheim. Momentan war ja Gabi die SEINE. Wenn ER jedoch mir hinterherreiste. Nein. Entweder fuhr die ganze Familie Gleibt - und damit auch Gabi. Oder es fuhr keiner der Gleibts zu den Strauchingers auf den Hof.
Detektei Umschau: Sie hatten also kein größeres Begehren mehr, mit IHM zusammenzusein, wie Sie sich anhören, Frau Gleibt?
Frau Ramona Gleibt: Ja. Stimmt schon. Danach hört sich das an. Entspricht aber nicht der Wahrheit. Es war nur ... Wie soll ich das ausdrücken? Es hatte Pause. War auf Pause geschaltet. Als Gustl mit mir darüber redete, ich auf meinem Bett, mein Phon an meinem Ohr ... Gustl erzählte mir von seinen Träumen von jenem Abend. Sie wissen, welchen. Dann, der Morgen, als ich zu mir kam und Gustl auf mir drapiert sah, merkte, daß Gustl mich ... Gustl redete mit mir von seinen Träumen, was jenen Abend, jene Nacht anging. GustlTräume waren viel, viel detailreicher als meine.
Detektei Umschau: Inwiefern war die Träume, die Gustl hatte, was diesen Abend, die Nacht darauf und den Morgen anbetraf, viel detailreicher?
Frau Ramona Gleibt: Leute hat Gustl in seinen Träumen sich wiegen und tanzen gesehen. Leute in langen schwarzen oder braunen Mänteln. Die zu einer Art Altar blickten. Die zuschauten, wie Gabi ihn, Gustl, und mich peitschte. Oder Gabi haute zur Abwechslung mit einem Stecken zu. Er, Gustl, und ich waren an den Händen und Beinen an einem Gestell aufgehängt. Vor Schmerz wanden wir uns, schrien. Gustl hat geträumt, er würde Gabi sehen, Gabi, die in die Pobacken biß, daß ich blutete ... Auch ihn, Gustl. Bei Gustl dasselbe. Das Blut, das mir dort herauslief, Gabi fing es in einem Goldkelch auf. Den Kelch haben die Leute dann wandern lassen. Und Gustl sah IHN. An sich. Vor und hinter sich ... An mir war ER auch ganz eng dran ... Und die Leute in den Mänteln bei denen goldene Kelche herumwanderten, führten sich auf, als wäre ER ihr Gebieter. Ihr Oberhaupt. Ganz krank, was Gustl mir am Phon sagte. Ganz krank eigentlich. So klar Gustl Träume. So klar. Fast, als wäre es kein Traum. Eher, als ob Gustl sich erinnern würde. Hab ich Gustl das auch gefragt, ob er sich erinnert. Hat Gustl mir geantwortet, daß er sich nicht erinnert. Nur, seine Träume, die wären so böse klar. Als wären sie eigentlich Erinnerung. Würde er Erinnerung träumen.
Detektei Umschau: Ihre Schwester Gabi, als führe sie rituelle Handlungen an Ihnen aus, Frau Gleibt ...?
Frau Ramona Gleibt: Schon, Gabi ... Ich hab Stellen an meinen Pobacken, die Bißspuren von Gabi könnten das sein. Es ist nur, daß mir die nie aufgefallen waren. Erst nach dem Telefongespräch mit Gustl, daß ich genauer hinten anschaute. Bis ich die Stellen entdeckte. Sehen Sie, ich war an dem Tag und an den folgenden Tagen am ganzen Körper grün und blau geschlagen. Habe zugeschaut, daß niemand mich so sieht. Bis ich nicht mehr aufpassen mußte, weil nicht mehr viel zu sehen war. Da auch das meiste hinten am Po verheilt.
Detektei Umschau: Ihre Schwester Gabi, Frau Gleibt ...? Leukämie ist ein schwere Erkrankung.
Frau Ramona Gleibt: Leukämie, was auch immer, Enzephalitis, Gabi schien sich während den Tagen ihres Kuraufenthalts gut von allem erholt zu haben. Scheinbar keine Krankheit weit und breit, keine Leukämie, nichts anderes. Fit und gesund schaute Gabi aus, als sie nach den drei Wochen Kur heimgekommen war. Hatte richtig Farbe im Gesicht, Gabi. Von bleichem, teigigem Teint, nichts mehr bei Gabi zu bemerken. Ist sogar sofort wieder montags in die Schule gegangen, die liebe Gabi. Waren ja auch nur noch ein paar Tage. Schien mir schwer lebenslustig, meine Schwester Gabi. Nett war Gabi zunächst zu jedem, scherzte viel in der Gegend rum, vor allem mit Sonja. Als hätte einer die andere, böse Gabi gegen die alte Gabi ausgetauscht. Nur ich, ich hab mich erwischen lassen, daß ich nach Gabi faßte, Gabi in den Unterarm gezwickt habe. Keuchend hat Gabi mit mir gerungen hat. Ehe zwischen Gabi und mir noch was passieren konnte, war Vati Didi dazwischengekommen. Weil Vati mich anfuhr, mich durchgeknallt und noch ein bißchen was nannte, habe ich zu weinen angefangen, bin ich auf mein Zimmer gelaufen. Rechtzufertigen hatte ich mich vor Vati, weil ich Gabi angegriffen hatte. Wobei ich doch immer behauptete, Gabi wäre die Böse. Die Woche verging. Am Wochenende war ich mal nicht bei Omi. Der nächste Morgen war der letzte Schultag, dann sollten große Ferien sein. Auch ich hockte mit Mutti Soni, Vati Didi und Sonja in der Küche am Frühstückstisch, kaute unlustig an einem Marmeladebrötchen, als es passierte, daß die Küchentür aufknallte. Gabi stand auf der Schwelle. Mußte Gabi nur kurz ansehen, habe ich auf der Stelle gewußt, was mit Gabi los war. Diese Totenblässe von Gabis Gesicht. Mir war seit zwei, drei Tagen klar, daß die Dinge bei Gabi wieder anders waren. Nachts hatte ich meine Wahrnehmungen. Nichts, das ich mir nur eingebildet hätte. ER war da, drinnen im Zimmer bei Gabi. Halb drei Uhr nachts, Samstag war es auf meiner Phon-Anzeige, nachdem ich mich in meinem Bett aufgesetzt hatte. Weil mir war, als ob jemand ganz nahe bei mir an meinem Ohr wispern würde. Nur, bei mir im Zimmer war keiner. Auch nicht draußen von meinem Fenster. Alleine war ich. Schließlich hab ich mich nicht mehr beherrschen können. Auf den Flur mußte ich raus. Vor Gabis Zimmertüre bin ich gestanden, habe bei Gabi an der Tür gelauscht. Ah, ER war bei Gabi drinnen. So was war auch früher schon. Aber diesesmal war etwas anders.
Detektei Umschau: Was soll denn anders gewesen sein?
Frau Ramona Gleibt: Es herrschte so eine Spannung. Leider konnte ich nicht genau hören, was drinnen gesprochen wurde. Streit gab, das habe ich mitbekommen, obwohl keiner bei Gabi auf dem Zimmer geschrien hat. Dann war plötzlich Stille. Eine Stille. Erschrocken bin ich schnell von der Zimmertür Gabis weg, hab auf mein Zimmer gemacht. Zum Glück hab ich die Tür nur angelehnt, und sie ist mir nicht ins Schloß geschnappt. Mir war, als ob Gabi bei sich aufgemacht hätte und auf den Gang herausschaute. Das Türschnappen hätte Gabi direkt hören müssen. Weiß nicht, was dann passiert wäre. Vielleicht hätte ER sich an Gabi vorbeigedrängt, sich zu meiner Zimmertür begeben. ER wäre zu mir hereingekommen ...
Detektei Umschau: Irgendeinen Streit zwischen Ihrer Schwester Gabi und IHM, Frau Gleibt ...?
Frau Ramona Gleibt: Ja. Klar. Warum soll ich es jetzt nicht sagen. Ich bin nach einer halben, dreiviertelten Stunde wieder raus aus meinem Zimmer, habe bei Gabi gelauscht. Drinnen bei Gabi drehte es sich darum, daß ER wollte, daß Gabi IHM die Erlaubnis geben sollte, sich über die Schwelle von Gabis Zimmertür hinauszubegeben.
Detektei Umschau: Was? Wirklich, Frau Gleibt? Gabi sollte IHM das erlauben, bei ihr über die Türschwelle ihres Zimmers drüber zu gehen?
Frau Ramona Gleibt: Stimmt aber. Darum drehte es sich. Es stank IHN an, daß Gabi IHM das nicht gestatten wollte. ER konnte das nicht einfach so. Irgendwie konnte ER das nicht. Nur, wenn Gabi IHM das erlaubte. Gabi mußte IHM die Erlaubnis dazu geben. Und Gabi, die gab IHM die Erlaubnis nicht. Gab sie IHM einfach nicht.
Detektei Umschau: Wenn ich wo bin, muß ich auch wo raus. Zum Beispiel mal aufs Klo. Da kann mich doch niemand auf seinem Zimmer einsperren, Frau Gleibt.
Frau Ramona Gleibt: Hihi. Stimmt. Aber - ER konnte nicht aus Gabis Zimmer raus. Weil Gabi ds nicht wünschte, konnte ER das nicht.
Detektei Umschau: Müssen wir das verstehen, Frau Gleibt?
Frau Ramona Gleibt: ER mußte Gabi gehorchen. Es hatte mit Gabis Eifersucht zu tun. Gabi wollte IHN für sich alleine. Nur ihr alleine sollte ER gehören. Niemand von uns anderen sollte IHN haben.
Detektei Umschau: Aber, Gabi, die hat Sie doch mit IHM bedroht, Frau Gleibt, oder? Daß ER da nicht zu Ihnen kommen hätte dürfen, Frau Gleibt?
Frau Ramona Gleibt: Wäre ER herausgekommen, von Gabis Zimmer aus auf den Flur hinausgetreten, hätte ER aber nicht nur zu mir kommen können. Sondern auch zu meiner jüngeren Schwester Sonja. Zu Vati, Mutti. Um mich alleine ging es da überhaupt nicht. Unsere Wohnung wäre IHM dann offengestanden.
Detektei Umschau: Schwer zu verstehen, was Sie uns erzählen, Frau Gleibt.
Frau Ramona Gleibt: Hm! Hm! Mir ist alles klar. ER hätte Gabi wegen nichts mehr fragen müssen. ER hätte Gabi glatt übersehen können, hätte ER gewollt.
Detektei Umschau: Sie finden das verständlich, was Sie uns hier erzählen, Frau Gleibt? Einmal so, dann gefällt es Ihnen wieder anders. Was denn nun? Sollte ER nun wieder NICHT zu Ihnen kommen, um irgendwas Schlimmes mit Ihnen zu machen?
Frau Ramona Gleibt: Könnte sein, daß Gabi das aus dem Grund nicht ansagen konnte. Sie mußte sich ihre Wichtigkeit bei IHM bewahren. Deswegen hat Gabi IHM das nicht erlaubt, frei bei uns in der Wohnung herumzugehen und zu jedem von uns nach Belieben hineinzuschauen. Als ER damals auf der anderen Straßenseite herumlungerte, sich mir im Lampenlicht gezeigt hatte, wenn ich an mein Fenster herantrat. Sogar an meinem Rolladen war ER, hat dran gekratzt, hat geklopft. Bei geöffnetem Fenster war ER ganz kurz auf meinem Fensterbrett. Bis Gabi zu mir ins Zimmer hereingestürmt ist. Da wußte Gabi doch von nichts. Anscheinend hatte ER dafür gesorgt, daß Gabi nicht viel mitgekriegt hatte. Als Gabi richtig Bescheid wußte, war es damit schließlich vorbei. Aber, jetzt wollte ER mehr von Gabi. Und da war nicht nur ich inbegriffen. Soweit ich das bei Gabi drinnen verstehen konnte, wollte ER durch Gabis Zimmertüre auf den Gang raus. Gabi hat IHM den Weg verbaut - und ER konnte nicht weiter. ER mußte dem gehorchen, daß Gabi IHM das untersagte, bei ihr durch die Zimmertüre hinauszugehen.
Detektei Umschau: Sie meinen, Frau Gleibt, es hätte zwischen Gabi und IHM feste Regeln gegeben, an die ER sich halten hätte müssen?
Frau Ramona Gleibt: Klar. ER muß was. Ab dem Zeitpunkt, als Gabi aus der Kur zurück war, waren Dinge bei Gabi trotzdem anders. Früher blieb ER nur für kurze Zeit bei Gabi im Zimmer drinnen. Dann hüpfte ER bei Gabi raus. Jetzt blieb ER länger. Jene Nacht von Freitag auf Samstag bliebe ER ganz bei Gabi. So ab Mitternacht war ER bei Gabi. Jeder der Familie hatte während des Wochenendes einen unruhigen, schlechten Schlaf. Sonja kam mitten in der Nacht aus ihrem Zimmer, sah mich am Gang stehen. Aufs Klo ging Sonja. Sonja kam vom Klo zurück, und ich stand immer noch am Gang rum, als warte ich an der Bushaltestelle auf den letzten Bus, der aber sicher nicht kam, weil der letzte Bus schon vor einer halben Stunde abgefahren war. Sonja sagte aber nichts zu mir, sondern ging, den Kopf gebeugt, zurück auf ihr Zimmer. Auch Vati und Mutti mußten, öfters. Sahen mich am Gang dastehen, wenn ich es nicht in mein Zimmer geschafft hatte. ER war bei Gabi drinnen, Gabi, sie hatte IHN zu sich eingelassen, und jeder von uns spürte was davon, auch wenn ihm nichts direkt klar war. Bis in der Früh blieb ER bei Gabi. Dabei hatte ER das Problem, daß ER nicht über Gabis Türschwelle hinwegkam, solange Gabi IHM das nicht erlaubte. So ging es bei Gabi drinnen zu, verstehen Sie?
Detektei Umschau: Nein! So ganz verstehen wir nicht, wovon Sie sprechen, Frau Gleibt ...
Frau Ramona Gleibt: Dann verstehen Sie es eben nicht. Mir egal. Mir ganz egal.
Detektei Umschau: Schön, Frau Gleibt. Gabi, und dann höchstens noch Sie? Was war eigentlich mit Ihrer Schwester Sonja? War die echt so ahnungslos?
Frau Ramona Gleibt: Von Sonja hatte ich nie mitbekommen, daß mit Sonja irgendwas war. Nur an meinem Fenster war ER. Sonst - keine Ahnung. Ich weiß nur eins sicher, Gabi war eine eifersüchtige Person. Gabi hatte bei IHM den Wunsch, die einzige zu sein. Die Erste. Die Oberste. SEINE Königin. Wie immer Sie das nannen wollen.
Detektei Umschau: Dann hat Gabi also eifersüchtig darüber gewacht, daß sich ihr Status nicht ändern konnte, oder?
Frau Ramona Gleibt: Dann ... Dann ... Dann hat ER was bei Gabi gemacht. Gabi war plötzlich wieder kaputt. Nach nur ein wenigen Tagen von der Kur zurück, war Gabi schon wieder total am Ende. Am Montagmorgen kam Gaby nicht zum Frühstück in die Küche. Es war aber immer noch Schule. Wenn schon die Ferien gewesen wären, hätte Mutti wahrscheinlich nicht nach Gabi geschaut. Weil am vorletzten Schultag gewiß jeder in die Schule gehen könnte, wie Mutti sagte, latschte Mutti zu Gabi ins Zimmer. Aus Gabis Zimmer hörten Sonja und ich Muttis Schrei bis in die Küche. Auf ihrem Bett lag Gabi, die Beine weit auseinandergespreizt. Jede Menge Blut, das bei Gabi dazwischen rausgelaufen war, das die weißen Laken besudelte. Die glasigen Augen standen Gabi starr weit offen. Aber Gabi sah niemanden, Gabi war bewußtlos. Das Gesicht Gabis, blutleer. Blaß wie bei einer Leiche. Die Wangen patschte, haute Mutti Gabi panisch her, Mutti, die keine Ahnung hatte, was bei Gabi sein hätte können, daß alles bei Gabi so ausschaute. Gabi, als wäre einer über Gabi gekommen. Für Mutti unbegreiflich, es war dritter Stock ... Gabi blieb reglos. Gabi atmete scheinbar nicht mehr; keinen Puls fand Mutti bei Gabi. Der Notruf wurde von Sonja gewählt, Mutti schrie unseren Wohnort, Namen, alles in das Telefon, das Sonja ihr hingereicht hatte.
Detektei Umschau: Erzählen Sie nicht weiter, Frau Gleibt?
Frau Ramona Gleibt: Das nächstemal also, daß der Notarzt in der Wohnung der Familie Gleibt war. Unten, vor der Haustür, daß zum Notarzt- ein Rettungswagen stand. Mutti, Sonja, drei Sanis - und ein weiterer Notarzt, der nach zwei, drei Minuten zum ersten dazukam - drängelten sich in Gabis Zimmer. Gabi wurden Spritzen gegeben. An Gabi wurde herumgemacht, Herzmassage, so was. Dann meinte der eine Notarzt zum zweiten, daß sie Gabi nun doch wieder gekriegt hätte, Gabi wäre zurück auf der Welt. Nun konnte Gabi sogar auf die für Gabibereitgestellte Liege geschnallt werden. Hinten und vorne hoben je ein Mann Gaby in die Höhe. Eine junge Sanitäterin hielt den Infusionsbeutel in die Höhe. Aus unserer Wohnung ging es für Gabi hinaus. Die Sanitäter mußten die Etagen mit Gabi auf der Liege zu Fuß runter, weil der Lift streikte. Der Rettungswagen schaffte Gabi ins Krankenhaus. Die gleiche Geschichte, die wir mit Gabi nun schon öfters erlebt hatten. Mutti, Sonja fuhren Gabi ins Krankenhaus hinterher. Vati, der schon um sieben Uhr früh rum in sein Ladengeschäft aufgebrochen war, wollte ebenfalls sofort ins Krankenhaus kommen. Nur ich, ich bin nicht mit Mutti und Sonja mitgefahren. Ich habe zu Mutti gemeint, einmal bei Gabi mit dem Hammer auf den Kopf, wäre Ruhe im Karton. Sagte Mutti zu mir, daß sie noch mit mir darüber reden werde. Sage ich zu Mutti, daß ich gerne ausziehen würde. Am liebsten schon morgen. Jetzt, in den Sommerferien, daß ich mir das nicht nehmen lassen wollte, mir eine eigene Wohnung zu suche. Oder, wenn das nicht klappte, daß ich zu Omi umzöge. In die Schule bin ich gegangen, als wäre nichts. Für die zweite Stunde war ich dort, normal in meiner Klasse. Als ich nachmittags von der Schule heimkam, fand ich niemand in der Wohnung daheim vor. Entweder waren sie alle immer noch im Krankenhaus bei Gabi oder schon wieder. Mir war das so was von schnuppe. Als alle, Vati, Mutti, Sonja, nach Hause kamen, habe ich nur kurz gefragt, wie es Gabi ginge. Besser ging es Gabi schon wieder, aber sehr gut ginge es Gaby deswegen lange nicht, das wurde mir geantwortet. Dann bin ich auf mein Zimmer, habe Vati, Mutti, Sonja in der Küche gelassen. Ich frage mich heute, hätte ich es nicht wissen müssen, daß ich in meinem Zimmer ...
Detektei Umschau: Was hätten Sie wissen sollen, Frau Gleibt?
Frau Ramona Gleibt: Das mit IHM. Daß ER zu mir ans Fenster kommt. Daß ER zu mir kommen würde. Gabi war nicht da war, also kommt Er schnell zu mir. Das hätte ich mir denken sollen. Das erste Mal seit langem, daß ER an mein Fenster gekommen ist. Gegen halb zehn habe ich es bei mir am Rolladen kratzen gehört. Dann leise klopfen. Dann war ER in meinem Ohr. Ich habe SEIN Flüstern gehört. Direkt sprach ER mich an. Mit meinem Namen, Ramona. ER meinte, so ein schöner Name, Ramona. Ich, Ramona, sollte IHM öffnen. Wenn nicht, würde ER bei mir Rolladen und Fenster eindrücken. Knapp bin ich am Fenster gestanden. Ohne es erst mal zu schaffen, IHM aufzumachen. Immer ungeduldiger war ER mir mir. ER hob den Rolladen an, ließ los, daß er herabkrachte. Gegen den Rolladen schlug ER mit der Faust. ER: 'Du willst mich. Hier bin ich. Mach mir endlich hier auf. Oder ... Oder ich komme aus Gabrielles Zimmer zu dir ...' Hab ich gezischt: 'Glaub nicht, daß DU das kannst. Wenn Gabi nicht da ist, kannst DU da nicht reinkommen. Nur wenn Gabi es DIR erlaubt, kannst DU da rein.
Detektei Umschau: Hätten Sie nicht besser die Polizei gerufen, Frau Gleibt?
Frau Ramona Gleibt: Auf den Einfall bin ich nicht mal gekommen. Obwohl ER nicht nett war. ER war alles andere als das. ER war herablassend, arrogant zu mir. ER hat mich nicht weiter gebeten, sondern mich aufgefordert, daß ich IHN einlasse. Beim nächsten Schlag von IHM gegen den Rolladen hat das Fenster bedenklich geknackst und vibriert. Plötzlich werde ich mir bewußt, beobachte mich, wie ich gehorche, den Rolladen hochmache. Meine Hand habe ich am Fenstergriff, ich öffne IHM das Fenster. Die Vorhänge ziehe ich noch kurz zur Seite, mache IHM das Fenster ganz weit auf. Wie selbstverständlich ist ER zu mir ins Zimmer hereingestiegen. Als wäre das Erdgeschoß, nicht der dritte Stock. ER befand sich bei mir im Zimmer, und ... Imposant ist ER mir eigentlich nicht vorgekommen. Zwar ein großer Mann. Aber sein Trenchcoat war abgeschabt, schäbig. Seine braune Hose, die eines alten Mannes. Als ER grinste, dachte ich, ER hätte keinen einzigen Zahn im Mund. Wirklich. Und ER stank. Er stank. Das war ein Gestank, der von IHM wegging. Den Kopf habe ich geschüttelt, so ein Geruch war das. So armselig sah ER mir gegenüber aus. Nur leider, ich hatte IHN jetzt trotzdem bei mir drinnen. Und außer IHN zu beobachten und blöde anzugaffen, zu mehr war ich nicht in der Lage. Ich gaffte IHN an, distanziert, wie eine außerhalb, nicht mitten dabei in der Szene. Wie eine interessierte Zuschauerin, die mit den Geschehnissen um sich herum jedoch eigentlich nichts zu tun hatte.
Detektei Umschau: So entzaubert sehen Sie IHN, Frau Gleibt. Da müßten Sie doch ...
Frau Ramona Gleibt: Es war schon spaßig. Der Wunsch war immer in mir gewesen, IHN bei mir zu haben. Daß ich DIE wäre, an Gabis Statt. Daß ER mich nähme, nicht meine Schwester Gabi. In dem Moment, während ich IHN so sah, fühlte ich mich jedoch irgendwie betrogen. Von IHM betrogen. Und von Gabi. Aber, vor allem von IHM. Weiß nicht, wie ich es sonst ausdrücken soll. Diese ganze Schäbigkeit, die ich wahrnahm. Nichts als Gehässigkeit blinkte in SEINEN Augen. Wenn ich eins wußte, wenn ER bei mir dran war, würde ich nicht viel Gutes zu erwarten haben. Eigentlich wollte ich nichts anderes als davonlaufen. Statt dessen bin ich wie eine Statue herumgestanden ...
Detektei Umschau: Sie sitzen uns hier gegenüber, Frau Gleibt ... Sie sehen nicht so schlecht aus. Irgendwie sind Sie IHM also entkommen ...
Frau Ramona Gleibt: Schuld daran war ich nicht. Es war halb elf Uhr nach. ER hatte einfach zuviel Lärm gemacht. Viel zuviel. Und ich hatte vergessen, meine Zimmertüre abzusperren. Plötzlich wurde meine Zimmertüre aufgerissen. Mein Vati, der hereinstürzte. Mutti kam Vati hintendrein gelaufen. Vati hat IHN nicht lange angesehen, nach etwas gefragt, Vati hüpfte sofort auf IHN los. Auf mein Bett hat ER Vati geschmissen, als hätte Vati kein Gewicht. Vati haute sich an der Wand den Kopf an, rutschte mit Nasenbluten auf mein Bett herunter. Was uns alle, mich, Vati, Mutti, Sonja rettete, war, daß Mutti ihr Phon in der Hand hatte. Die Notrufnummer hatte Mutti auf der Anzeige parat, Mutti rief an, schrie unsere Adresse. In ihr Phon schrie Mutti: 'Ein Einbrecher. Kommen Sie schnell. Ein Einbrecher bei uns in der Wohnung.' Sonja stand bei mir in der Türe, machte mit Blitzer Fotos von IHM. Nach mir schlug SEINE Hand, traf mich, und ich bin irgendwo hingestürzt. Ich wußte nichts mehr. Ein kleines Weilchen war ich bewußtlos.
Detektei Umschau: Was - ER hat Sie niedergeschlagen, Frau Gleibt?
Frau Ramona Gleibt: Ja. Als ich wieder zu mir gekommen bin, war der Notarzt über mir. Ich und Vati, wir wurden beide versorgt. Ich hatte zum Glück nicht mehr als einen Wackelzahn. Den hat mir der Zahnarzt gerichtet. Und Vati fehlte auch nicht viel. Von ein bißchen Schädelbrummen abgesehen.
Detektei Umschau: Sonst fehlte keinem irgendwas? Ihre Mutti und ihre Schwester Sonja - was kriegten die ab?
Frau Ramona Gleibt: Nichts. Gar nichts. Er ist über das Fenstersims ins Freie raus. Mutti war, als wäre ER hinabgesprungen. Aber das konnte nicht sein. Das war schließlich dritter Stock.
Detektei Umschau: Und später? ER war nun schon bei Ihnen im Zimmer drinnen, Frau Gleibt ... Da konnte ER jederzeit wiederkommen, nicht wahr?
Frau Ramona Gleibt: Keine Ahnung. Bitte, ich möchte nicht mehr weiter was erzählen. Ich möchte, daß Sie jetzt gehen. Würden Sie jetzt bitte gehen. Verlassen Sie bitte meine Wohnung. Das reicht jetzt, was ich Ihnen bis heute gesagt habe. Es reicht wirklich. Gehen Sie bitte - jetzt! Verlassen Sie meine Wohnung, sofort!
Niederschrift des Telefongesprächs, das Frau Regine Datz, Mitarbeiterin der Detektei Umschau, am 20.12. mit Frau Sonja Gleibt, der Mutter von Frau Ramona Gleibt, führte:
Detektei Umschau (Frau Regine Datz): Guten Abend, Frau Gleibt! Mein Name ist Regina Datz. Ich bin Mitarbeiterin der Detektei Umschau. Wir haben bereits am Vormittag kurz miteinander gesprochen. Sie haben dann mit mir ausgemacht, daß ich Sie am Abend um halb sieben herum wieder in der Wohnung von Frau Ramona Gleibt anrufen darf.
Frau Sonja Gleibt: Sie geben ja sonst keine Ruhe. Also muß ich das jetzt, mich mit Ihnen zu unterhalten. Dieses eine Gespräch mit Ihnen werde ich jetzt führen. Wenn Sie danach dann keine Ruhe geben, noch mal bei mir anrufen, denke ich, werde ich die Angelegenheit an meinen Anwalt weiterleiten. Damit der die Polizei einschaltet.
Detektei Umschau: Bitte? Sie müssen doch Ihren Anwalt nicht einschalten. Oder die Polizei. Nicht wegen uns. Bloß weil wir, die Detektei Umschau, ein paar Auskünfte von Ihnen haben wollen.
Frau Sonja Gleibt: Das hoffe ich, daß ich die Sache nicht meinem Anwalt übergeben muß.
Detektei Umschau: Ich bitte Sie! Die Detektei Umschau ist eine angemeldete Detektei. Die Detektei Umschau verfügt über einen guten Leumund. Die Detektei Umschau betreibt Recherche, führt Unterhaltungen. Ihre Tochter Ramona selber hatte sich bei uns, der Detektei Umschau gemeldet. Weil sie einen Aushang von uns an einer Supermarktpinnwand gesehen hatte. Ihre Tochter Ramona hat bereits mehrere Gespräche mit mir und meinem Kollegen Thomas geführt. Ganz freiwillig. Gezwungen, mir und Herrn Setzer Dinge zu erzählen, hat Ihre Tochter Ramona keiner.
Frau Sonja Gleibt: Im Moment spreche ich auch mit Ihnen, sehr geehrte Frau Datz. Wenn ich auch daran denke, nach diesem Gespräch hier nur noch meinen Anwalt für mich mit Ihnen sprechen zu lassen.
Detektei Umschau: Wie geht es Ihrer Tochter Ramona denn im Moment, Frau Gleibt? Geht es Ramona nun wieder besser?
Frau Sonja Gleibt: Ramona befindet sich auf dem Weg der Besserung. Trotzdem bleibt es dabei: Ich mache Sie, Sie von der Detektei Umschau, für Ramonas Zusammenbruch verantwortlich. Sie sind dafür die Hauptverantwortlichen. Weil Sie Dinge aufrühren haben müssen, die jetzt wieder ein paar Jahre her sind ... Morgen, irgendwann im Laufe des Vormittags, wird Ramona mit mir von hier abreisen. Für einen vierzehntägen Sanatoriumaufenthalt mit psychologischer Betreuung. Von ihrem Arbeitgeber auf der Bank hat Ramona zwei Wochen Urlaub bekommen. Ramona ist eine verdiente Mitarbeiterin, hat ihre Lehre in der Bank gemacht. Außerdem haben wir sowieso die Weihnachtszeit. Nähert sich Neujahr ... Für vierzehn Tage, drei Wochen werden sie Ramona in der Bank entbehren können. Glaube auch, daß Ramona in spätestens drei Wochen wieder auf dem Damm sein wird.
Detektei Umschau: Das freut mich zu hören, Frau Gleibt.
Frau Sonja Gleibt: Wären Sie und Ihre Detektei nicht, Frau Datz, bräuchte Ramona keinen Urlaub, den sie eigentlich nicht angefragt hat, keine Betreuung, keinen Sanatoriumaufenthalt.
Detektei Umschau: Wir haben mit Ihrer Tochter Ramona nur geredet, Frau Gleibt. Die Geschichten, die Ramona zu uns erzählte, wollte Ramona uns erzählen. Wir haben Ramona zu nichts gezwungen. Sie hätte uns absagen können, hätte sie das wollen. Dann wären wir überhaupt nicht vorbeigekommen. Hätte Ramona uns ihre Wohnungstüre nicht aufgemacht, uns in ihre Wohnung gebeten, wären sicher nicht zu Ramona hineingegangen ...
Frau Sonja Gleibt: Damit ist es jetzt vorbei: Bleiben Sie von Ramona weg, hören Sie? Ramona möchte niemanden von der Detektei Umschau mehr sehen. Kehrt meine Tochter Ramona von ihrem Sanatoriumaufenthalt in vierzehn Tagen hierher in die Stadt zurück, hat Ramona gesagt, daß sie niemanden von der Detektei Umschau vor ihrer Wohnungstüre sehen möchte. Nie wieder möchte Ramona von einem Mitarbeiter dieser Detektei, der Detektei Umschau, belästigt werden. Das heißt, Sie stehen nicht wieder bei Ramona vor dem Haus herum. Sie klingeln nicht wieder bei Ramona in der Wohnung. Und Sie erlauben sich keine weiteren Anrufe auf Ramonas Smartphone. Ramona hat zu mir gesagt, daß sie keine weiteren Gespräche Ramonas mit der Detektei Umschau mehr will. Ramona will niemanden mehr von der Detektei Umschau sehen. Habe ich mich klar und deutlich ausgedrückt, Frau Datz? Haben Sie verstanden, was ich gesagt habe?
Detektei Umschau: Natürlich habe ich verstanden, was Sie gesagt haben, Frau Gleibt. Wenn Ihre Tochter Ramona das wünscht, wird Ramona nicht wieder von uns aufgesucht. Wir halten uns von Ihrer Tochter fern.
Frau Sonja Gleibt: Das will ich schwer hoffen. Ramona hat davon gesprochen, daß die Dame und der Herr, die beide für die Detektei Umschau arbeiten, während ihren Besuchen bei ihr bei den Unterhaltungen immer ein Gesprächsaufzeichnungsgerät mitlaufen haben lassen. Daß jedes gesprochene Wort Ramonas aufgenommen wurde. Was besagt, Sie von der Detektei Umschau, Sie verwenden die Tonaufnahmen für irgendwas. Weil Sie eine Detektei sind, geben Sie die Aufnahmen an einen Dritten weiter. Als Detektei an diejenige Person, für die Sie arbeiten. An Ihren Auftrag- und Geldgeber, diejenige Person, für die Sie Nachforschungen anstellen, nicht wahr? Ohne jemandem, der Sie dafür bezahlt, würden Sie schließlich in einer Sache überhaupt nicht aktiv. Denke, ich sehe das richtig, nicht?
Detektei Umschau: Stimmt schon. Wir sind eine Detektei. Wir haben einen Auftraggeber. Von dem wir bezahlt werden.
Frau Sonja Gleibt: Ramona möchte, daß Sie von der Detektei Umschau die Aufnahmen, die bei den Sitzungen mit Ramona gemacht haben, löschen, vernichten. Aus dem Besitz der Detektei Umschau sollen sie verschwinden. Jemand Drittes soll nichts von dem übermittelt bekommen, was Ramona gesagt hat. Ich glaube, daß in dieser Angelegenheit unser Anwalt sicher tätig werden wird. Vielleicht wird eine einstweilige Verfügung gegen Sie und Ihre Detektei erwirkt werden können.
Detektei Umschau: Ramona, Ihre Tochter, hat, wie ich bereits vorhin angesprochen habe, aus eigenen Stücken mit uns Kontakt aufgenommen, Frau Gleibt. Ihre Tochter Ramona wurde von uns gefragt, ob wir ihre Erzählungen mitschneiden dürfen. Sie hat diese Tatsache nicht abgelehnt. Zwischen uns von der Detektei Umschau und Ihrer Tochter Ramona bestand immer ein Einverständnis, daß wir wieder zu ihr in die Wohnung kommen könnten, das Gespräch mit ihr fortzuführen. Wir, wir von der Detektei Umschau, wir haben Ihre Tochter Ramona also jedesmal gefragt. Nach allem haben wir von der Detektei Umschau Ihre Tochter Ramona zuerst gefragt. Zu allem hat uns Ihre Tochter Ramona die Erlaubnis gegeben, auch dazu, das Diktiergerät mitlaufen zu lassen. Deshalb konnten wir die Mitschnitte überhaupt erst machen ...
Frau Sonja Gleibt: Viel zu vertrauensselig war Ramona Ihnen gegenüber gewesen. Gegenüber Detektiven. Wer seid ihr Leute denn? Darauf kann die Detektei Umschau sich verlassen, daß mein Anwalt das prüfen wird, welche Möglichkeiten es gibt, gegen die Detektei Umschau vorzugehen. Ob wir gegen die Detektei Umschau nicht ein Verfahren zur Unterlassung und zur Herausgabe erwirken können. Das heißt, ob Ihnen von der Detektei Umschau verboten werden kann, die Gesprächsmitschnitte, die Sie bei den Erzählungen Ramonas angefertigt haben, an Dritte weiterzugeben. Ramona möchte das nämlich nicht, daß fremde Menschen, zum Beispiel Ihr Auftraggeber, Frau Datz, sich das anhört, was sie, Ramona, bei den Sitzungen mit Ihnen im guten Glauben gesagt hat. Am liebsten wäre es Ramona, Sie würden die Aufnahmen unverzüglich löschen, und uns eine notarielle Versicherung zukommen lassen, daß die Detektei Umschau auf die Anfertigung von Kopien verzichtet hat. Außerdem, daß die Detektei Umschau Versandtes von Ihrem Auftraggeber zurückerhalten hat. Daß auch derjenige nichts kopiert hat.
Detektei Umschau: Ich kann nur wiederholen, Frau Gleibt, Ihre Tochter Ramona hat darin eingewilligt, daß wir das Diktiergerät einschalten und mitlaufen lassen dürfen. Sonst hätten wir nicht auf den Einschaltknopf gedrückt. Mehrere abendliche Unterhaltungen mit Ihrer Tochter Ramona und uns hat es bis heute gegeben, Frau Gleibt, und Ihre Tochter Ramona hat uns, den Mitarbeitern der Detektei Umschau, jedesmal bei den Vorbereitungen zugeschaut. Ramona hat darauf gewartet, bis alles bereit war. Dann haben wir eingeschaltet, und Ihre Tochter Ramona hat mit dem Sprechen angefangen. Nie hat Ramona plötzlich davon gesprochen, wir sollten das mitlaufende Gerät ausschalten. Wir denken, Frau Gleibt, wir von der Detektei Umschau sind in der Angelegenheit auf der sicheren Seite.
Frau Sonja Gleibt: Das denken Sie. Wir werden das dann ja sehen. Auf alle Fälle sollten Sie die aufgezeichneten Aufnahmen nicht bereits an Ihren Auftraggeber weitergegeben haben. Das verbietet sich Ramona, daß Sie das getan hätten. Das Beste, Einfachste wäre es, Sie würden jetzt sofort mündlich zusichern, daß Sie die Mitschnitte löschen, Frau Datz.
Detektei Umschau: Heute vormittag haben Sie, Frau Gleibt, noch anders geklungen. Als wir anriefen, haben Sie gesagt, daß Sie abends mit uns sprechen wollen. Gesprochen haben Sie außerdem davon, daß wir Sie auch zum Tod Ihrer Tochter Gabrielle befragen dürften.
Frau Sonja Gleibt: Na schön, das habe ich. Werde ich Ihnen also etwas sagen. Meine Tochter Gabrielle ist mit fünfzehneinhalb Jahren in dem privaten Klinikum, in dem wir Gabrielle einen Monat vor ihrem Ableben unterbringen haben lassen, auf der Intensivstation an Leukämie gestorben. Das heißt, Gabrielle hatte Blutkrebs. War unheilbar daran erkrankt. Am Ende ging alles bei Gabrielle ganz schnell. Für Gabrielle konnte nichts mehr getan werden. Leider waren für die Krankenhausärzte die Krankheit die ersten Monate nur schwer diagnostizierbar. Gabrielles Körper hatte nur an bestimmten Tagen Probleme mit der normalen Blutbildung. Auch hatte Gabrielle von jeher eine starke Regelblutung. Dann gab es Wochen, war bei Gabrielle alles wieder ganz normal. Als wäre Gabrielle gesund. Bis sich die nächsten Vorfälle ereigneten, die darin gipfelten, daß Gabrielle anämisch ins Krankenhaus gebracht werden mußte.
Detektei Umschau: Ja, Frau Gleibt? Ich höre noch zu.
Frau Sonja Gleibt: So recht weiß ich das wirklich nicht, warum ich davon lange zu Ihnen spreche. Was das die Detektei Umschau eigentlich angeht. Aber gut. Über ein Jahr, daß sich die Problematik bei Gabrielle dahingeschleppt hatte. Sogar ein seltsames Virus, das in Gabrielle entdeckt wurde, das sich jedoch nach kurzer Zeit wieder zurückzog. Immer wieder, daß Gabrielle ins Krankenhaus gefahren werden mußte. Die Ärzte sprachen da zwar bereits von der Gefahr einer akuten Leukämie. Erkundigten sich danach, woher bei Gabrielle die erhöhten radioaktiven Werte kämen, die an Gabrielle gemessen wurden. Jeder unserer Familie hat immer wieder radioaktive Messungen an sich machen lassen. Aber weder bei meinem Mann, bei mir, bei meinen anderen Töchtern Ramona und Sonja war der Wert der gemessenen Radioaktivität jemals so hoch wie bei Gabrielle. Der erhöhten Radioaktivität Gabrielles gaben die Klinikumsärzte schließlich die Schuld daran, daß aus der akut auftretenden Leukämie bei Gabrielle eine chronische Leukämie wurde. Gabrielle war am Schluß unheilbar erkrankt. Die Lebenstage meiner Tochter Gabrielle waren gezählt. Die modernste Medizintechnik half Gabrielle nichts mehr. Es dauerte am Ende wirklich alles nicht allzu lange. Es war, wie das Ärzteteam es voraussagte. Gabrielle war zum Sterben verdammt, mit fünfzehneinhalb Jahren.
Detektei Umschau: Ihre Tochter Gabrielle hatte zu der Zeit, als ihre Erkrankung langsam akut wurde, eine Bekanntschaft mit einem älteren Mann. Das wissen wir aus den Erzählungen Ihrer älteren Tochter Ramona. Jemand, mit dem Sie, Frau Gleibt, zum ersten Mal mitten im Wald bei Geiersdorf auf eine komische Art und Weise zusammengetroffen sind. Aus dem Waldboden ist er ihrer gesamten Familie auf einer kleinen Lichtung herausgekrochen gekommen. In der Geiersdorfer Gegend ist dieser Mann als 'Fransen' bekannt. Wie wir durch unsere Nachforschungen wissen, heißt der Mann mit vollem Namen Drakonie Rupertus Wank. Dürfen wir den Worten Ihrer Tochter Ramona glauben schenken, hat Ihre Tochter Gabrielle diesen Mann in der Folgezeit des öfteren im geheimen getroffen. Er könnte der Schuldige sein, derjenige, der schuld hat an den erhöhten Strahlenwerten bei Ihrer Tochter Gabrielle.
Frau Sonja Gleibt: Nein. Darüber unterhalte ich mich nicht mit Ihnen. Das ist zu mir zu blöde. Vielleicht hat mit der erhöhten radioaktiven Strahlung bei Gabrielles auch nur daran gelegen, daß es niemandem bekannt war, daß Gabrielles Körper die Radioaktivität stärker speichert als wir anderen. Sonst hätten wir diese Werte schließlich auch haben müssen. Schließlich waren wir nirgendwo anders als Gabrielle auch war. Sehen Sie, überall um uns herum gibt es radioaktive Strahlung. An manchen Orten ist sie höher als an anderen. Damit müssen wir leben. Es war eben Gabrielles Pech, Fluch, wie immer Sie das nennen wollen, daß Gabrielle strahlenempfindlicher war als andere Leute. Wie zum Beispiel wir, der Rest ihrer Familie.
Detektei Umschau: Das glauben Sie, Frau Gleibt? Sie sehen das nicht so, daß jemand Drittes beteiligt sein könnte? Daß jemand die Schuld an Gabrielles Zustand hätte?
Frau Sonja Gleibt: Was ich eben zu Ihnen gesagt habe, Frau Datz, hört sich für mich plausibel an. Ich werde mich mit Ihnen nicht über Verhaltensweisen meiner verstorbenen Tochter, einer pubertierenden Vierzehn-, Fünfzehnjährigen, unterhalten. Ich mich werde mich nicht auf Hirngespinste einlassen, die eine bestimmte Person angeht. Auch wenn meine ältere Tochter Ramona vielleicht so was erzählt hat. So! Ich habe Ihnen erklärt, daß meine Tochter Gabrielle an einer chronischen Leukämie verstorben ist. Das muß Ihnen jetzt wirklich mal hier reichen.
Detektei Umschau: Frau Gleibt, wir glauben ...
Frau Sonja Gleibt: Sehen Sie, Sie geben keine Ruhe. Sie wollen immer weitermachen, mehr, mehr und mehr, Frau Datz. Weil ich immer noch so freundlich bin, mich mit Ihnen unterhalte, denken Sie ... Daß ich Ihnen sage, meine Tochter Gabrielle ist im Klinikum an ihrer chonischen Leukämie verstorben, das ist Ihnen einfach nicht genug. Ich sage Ihnen, Frau Datz, mit wem meine Tochter Gabrielle sich im Laufe ihres letzten Lebensjahres getroffen hat und mit wem nicht, ob das der letzte Penner war oder sonst etwas, das geht Sie und den anderen von Detektei Umschau einen feuchten Dreck an. Im Grunde genommen hat EUCH von der Detektei Umschau nichts, das mit der Familie Gleibt zu tun hat, irgendwie zu bekümmern. Wer seid ihr denn? Wer sind Sie und Ihre Detektei Umschau eigentlich? Wer ist das denn überhaupt, die Detektei Umschau? Der Zweck der Nachforschungen der Detektei Umschau, für mich nur schwer nachvollziehbar. Warum Sie sich stundenlang was von meiner Tochter Ramona Dinge erzählen haben lassen, Frau Datz - was Sie von der Detektei Umschau samt Ihrem Auftraggeber am Ende daraus machen wollen, keine Ahnung. Was Sie mit dem Ganzen bezwecken. Schwer für mich zu überblicken. Vielleicht wollen Sie auch nur eins: Andere Leute in den Dreck ziehen. Zum Beispiel das Andenken an meine Tochter Gabrielle besudeln. Das meiner Tochter Gabrielle, jetzt Jahre tot. Sonst wollen Sie nichts. Ich sage Ihnen, meine ältere Tochter Ramona will Ihnen, den Leuten von der Detektei Umschau, nicht wieder begegnen. Das hat Ramona zu mir gesagt. Ramona hat Ihnen nichts mehr mitzuteilen. Nichts weiter über Gabrielle, nichts weiter über sich selber oder die restliche Familie Gleibt. Wir, die Familie Gleibt, wir verlangen, daß Sie davon Abstand nehmen, noch einmal zu versuchen, mit jemandem der Familie Gleibt in Kontakt zu treten. Sollten Sie trotzdem weitere Versuche unternehmen, Ramona oder sonstwen der Familie Gleibt zu belästigen, werden rechtliche Schritte gegen die Detektei Umschau eingeleitet. Habe ich mich klar genug ausgedrückt?
Detektei Umschau: Wir sind eine Detektei. Wir haben einen guten Ruf. Wir haben Ihre Tochter Ramona nicht belästigt. Aus freien Stücken ist Ihre Tochter Ramona mit uns in Kontakt getreten. Ihre Tochter Ramona hat uns zu sich eingeladen, Ihre Tochter Ramona hat uns gestattet ...
Frau Sonja Gleibt: Jetzt gestattet Ramona Ihnen nichts mehr. Von nun an möchte Ramona, daß Sie ihr nicht mehr in die Nähe kommen. Daß das klar ist. Wer sind Sie denn überhaupt, Frau Datz? Sie beziehungsweise Ihre Detektei? Haben Sie irgendwelche polizeiliche Vollmachten? Haben Sie die? Nein, haben Sie nicht. Eigentlich, denke ich darüber nach, haben Sie nicht mehr Befugnisse als irgendein Säufer in einem Gasthof. Der einen andern zu sich an den Tisch einlädt, ihn bei einem Bier auszufragen anfängt. Wenn der eine Säufer dann nichts mehr von sich und seiner Frau daheim erzählen möchte, hat es sich damit. Hat dann Schluß zu sein. Mehr ist das bei Ihnen auch nicht, Frau Datz. Und noch was, Frau Datz: Die Detektei Umschau ist nichts andres als ein privates Wirtschaftsunternehmen. Mit Eintrag im Handelsregister. Die Detektei Umschau bietet ihre Dienste für Geld an. Was ein Kunde eben zahlen will. Für den Rest gibt es festgesetzte Tarife. Weiter ist da nichts dahinter. Jeder kann sich selber am Drucker daheim einen Ausweis anfertigen, Foto von sich drauf, Unterschrift druntergesetzt, wie Sie ihn haben. Ist er auch kein schlechterer Detektiv wie Sie, Frau Datz. Wie Sie und Ihre Kollegen. Ihr Chef. Ich sage Ihnen, Frau Datz: Halten Sie sich von Ramona fern. Oder es werden gegen Sie größere rechtliche Schritte eingeleitet. Es könnten polizeiliche Untersuchungen in den Büroräumen der Detektei Umschau stattfinden. Am Schluß könnte es zu einer Löschung der Detektei Umschau aus dem Handelsregister kommen. Dann hat sich das mit der 'Detektei Umschau'. Den ganzen privaten Ermittlungen von Ihnen, Frau Datz, und dem Rest Ihrer ganzen Bande, die sich zur 'Detektei Umschau' zusammengetan hat. Keine Detektivspielchen mehr. Aus und vorbei damit. Habe ich mich klar und deutlich ausgedrückt, Frau Datz? Haben wir uns verstanden?
Detektei Umschau: Ich habe Ihnen zugehört, Frau Gleibt. Habe alles klar und deutlich verstanden, was Sie zu mir gesagt haben, ja.
Frau Sonja Gleibt: Dann ist ja gut. Dann wünsche ich Ihnen jetzt noch einen schönen, angenhemen Abend, Frau Datz. Grüßen Sie mir Ihre Kollegen lieb.
(Transkribiert hat das aufgezeichnete Telefongespräch Frau Agathe Setzer, Mitarbeiterin der Detektei Umschau)
Wir von der Detektei Umschau werden uns also von Frau Ramona Gleibt und Frau Ramona Gleibts Familie fernhalten, Herr Weil-Esch. Das heißt allerdings nicht, daß wir Frau Ramona Gleibt zukünftig ganz aus dem Auge lassen. Nur sehen lassen wir von der Detektei Umschau uns nicht mehr ganz offen.
Das heißt, wir von der Detektei Umschau, werden uns weiter um Frau Ramona Gleibt und Frau Ramona Gleibts Umfeld kümmern. Wenn das auch dezent zu geschehen hat. Geduldig.
Damit verbleibe ich,
mit freundlichen Grüßen
___________________
Anlage
1 Stick, das abgespeicherte Hörprotokoll der letzten Unterhaltung der Detektei-Umschau-Mitarbeiter, Frau Regine Datz und Herr Thomas Setzer mit Frau Ramona Gleibt. (Bitte, Herr Doktor Weil-Esch, denken Sie daran, rechtliche Schritte könnten gegen die Detektei Umschau eingeleitet werden. Das sollten Sie in Ihre Überlegungen einbeziehen, was Dinge angeht, die wir von der Detektei Umschau Ihnen bereit zugesandt haben, die Frau Ramona Gleibt anbetreffen."
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