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Blog von TeddeMehr

"Briefprotokolle der Detektei" (09.01. - 02.02.), No. 2

28. Mai 2014 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #T-Rixi

Schreiben der Detektei Umschau an Herrn Doktor Gregorius Weil-Esch, Datum: 22.01.xxxx

 

"Sehr geehrter Herr Doktor Weil-Esch,

Sie haben den Rest nicht auf das Konto bei unserer Bank überwiesen.

Wir von der Detektei Umschau wissen nicht, was wir davon halten sollen. Sie müssen sich schon an die Vereinbarungen halten.

 

Es stimmt, Sie haben am 16.01. einen Betrag auf das Bankkonto der Detektei Umschau überwiesen. Aber damit ist der Monat Dezember des letzten Jahres nur knapp abgedeckt. Zumindest die reinen Personalaufwendungen.

Aber nicht die Spesen. Die anderen Ausgaben, die wir bei unserer Arbeit im Dezember für Sie hatten. Für die müssen ebenfalls aufkommen. Wie es vertraglich zwischen uns vereinbart ist, Herr Doktor Weil-Esch.

 

Solange Sie den Rest nicht bezahlen, sehen wir von der Detektei Umschau uns nicht in der Lage, noch viele weitere Dinge in Ihren Angelegenheiten zu unternehmen.

Ich habe meine Mitarbeiter, -innen angewiesen, vorerst nur das Nötigste in dem Fall des Tagebuches Reil zu unternehmen.

 

Weil - warum sollten wir von der Detektei Umschau uns in die Nesseln setzen, wenn wir dafür nicht in einem zufriedenstellenden Maße entlohnt werden?

Bitte, Herr Doktor Weil-Esch, überlegen Sie sich einmal die Situation: Herr Augustin und Agathe, die für die Detektei Umschau arbeiten, beobachten Frau Sonja Gleibt, Frau Ramona Gleibts Mutter, wie Frau Sonja Gleibt am 27.12. aus dem Hotel Weintraube herauskommt.

Hinter Frau Sonja Gleibt gehen Herr Augustin und Agathe her, um sich am Gehsteig der folgenden Straße zwei Streifenpolizisten gegenüberzusehen. Herr Augustin und Agathe müssen stehenbleiben, werden von den Polizeibeamten angehalten, sich auszuweisen. Auf die nächste Polizeiwache müssen Herr Augustin und Agathe mitkommen.

Von der Polizeiwache aus werde ich, als der Chef der Detektei Umschau, angerufen. Fragen werden mit mir abgeklärt. Auseinandergesetzt wird mir außerdem, daß Frau Sonja Gleibt nicht möchte, daß Mitarbeiter der Detektei Umschau sie stalken. Genau das würden wir, die Leute von der Detektei Umschau, tun, Frau Gleibt zu stalken. Aufhören sollten wir damit.

 

Vom 15.01. haben wir von der Detektei Umschau ein Schreiben des Anwalts der Frau Sonja Gleibt vorliegen. In dem es heißt, daß die Detektei Umschau in den folgenden Tagen ein behördliches Schreiben erhalten wird, daß jedem Mitarbeiter, jeder Mitarbeiterin der Detektei Umschau untersagt wird, sich bei Strafe auch nur auf ein paar wenige Meter Frau Ramona Gleibt, Frau Sonja Gleibt, der Mutter Ramonas, zu nähern. Gleiches sollten wir bei jedem anderen Mitglied der Familie Gleibt ebenfalls unterlassen.

Das ist jetzt also Fakt, Herr Doktor Weil-Esch. Keine leere Redensart mehr.

 

Oder sehen wir die andere Geschichte, Herr Doktor Weil-Esch. Darüber hab ich Sie bereits telefonisch informiert, was Thomas und Regine am 06.01. dieses Jahres geschehen ist.

Thomas und Regine waren im Auto in der Mitte von Geiersdorf am Marktplatz angekommen. Um sich im Schuhmacherweg privat mit Klärchen Tabert für ein Gespräch in Minchen Taberts Geiersdorfer Eigentumswohnung zu treffen. Klärchen Tabert hatte sich bereitgefunden, sich mit Thomas und Regine zu unterhalten. Etwas zum Tod Beppis beziehungsweise Josef Greitels, das Klärchen uns mitteilen wollte. Als wüßte Klärchen doch noch was anderes, was das mit Josef Greitel gewesen sein konnte.

Ein paar Meter spazieren Thomas und Regine von ihrem Fahrzeug fort am Gehsteig in der Geiersdorfer Mitte ihres Weges, kommen plötzlich mehrere junge Männer mit Glatze und Springerstiefel, die Thomas und Regine bei ihrer Ankunft bereits am Geiersdorfer Brunnen herumstehen gesehen hatten, auf Thomas und Regine los. Eingekreist wurden Thomas und Regine. Einige der Kerle schafften plötzlich Baseballschläger her.

Nicht über irgendwelche politische Inhalte wollten die Glatzköpfe mit Thomas und Regine diskutieren, Thomas und Regine wurden aufgefordert, sich aus den Angelegenheiten der Familie Tabert herauszuhalten. Nirgendwo sollten Thomas und Regine sich mehr sehen lassen, wo ein Tabert wohnte. Sonst würden Thomas und Regine ein paar ungesunde Dinge passieren. Um zu beweisen, daß die Drohungen ernst gemeint waren, bekam Thomas von einem einen Faustschlag mitten auf die Nase, ein zweiter drosch Thomas seinen Baseballschläger vor den rechten Oberschenkel. Während Regine lediglich die Beine weggetreten wurden. Danach haute die Schlägerbande ab, um zu ihren blonden Mädels, die hinter dem Lenkrad hockten, ins Innere ihrer Autos hineinzuspringen und davonzufahren.

 

Also, Herr Doktor Weil-Esch ... Thomas und Regine wurden massiv körperlich angegriffen. Und Ärger von Amts wegen droht uns von der Detektei Umschau auch noch.

Und dann noch, das muß ich Ihnen nicht extra wiederholen, wie Beppi alias Herr Josef Greitel gestorben ist, nicht wahr? Könnte sein, daß ein Mitarbeiter der Detektei Umschau, wühlen wir weiter in Dingen herum, die uns nichts angehen, ein ähnliches Schicksal erleiden könnte.

Um es deutlicher zu machen. Nehmen wir mal die Einbrecherbande, bei der Beppi früher Mitglied war, wie Josef Greitel erzählte. Von der leben jetzt nur noch Rocko und Hanno.

Dort, wo der Dunstkreis Hans-Georg Taberts ist, wird gestorben. Und die natürliche Ursache des einen oder anderen Todes läßt sich schwer anzweifeln, ändert sich die Perspektive.

 

Man muß sich nur den Todesfall Josef Greitel betrachten, könnte man wissen, was los ist.

Im übrigen, Herr Doktor Weil-Esch, gibt es seit drei Tagen die Aussage von zwei Freundinnen. Darüber hat uns ein Informant unterrichtet, daß die beiden sich in Sachen Greitel bei der Polizei gemeldet haben.

Die zwei haben einen Mann mit Trenchcoat und Art Cowboy- oder breitrandigen Basthut auf der besagten Feldlichtung gesehen, auf der Josef Greitel zu Tode kam.

Als Frühmorgen-Joggerinnen waren die beiden Frauen auf Wegen im und am Geiersdorfer Wald unterwegs. Sind unter anderem bei besagter Lichtung kurz stehengeblieben. Dort haben sie gesehen, wie der Unbekannte mit dem oben beschriebenen Aussehen einen oben und unten angespitzten, armdicken Holzpfahl umfaßte und diesen mit der Kraft seiner beiden Arme in die Feldkruste hineintrieb. Was dem ziemlich leicht fiel, weil, der Frost sollte ja erst die folgende Nacht wirklich kommen.

Als die männliche Gestalt, die gelbe Gummistiefel an den Füßen hatte, auf das Frauenduo aufmerksam wurde, nach ihnen hinschaute, ist es schnellstens weitergelaufen. Die Angst saß den Damen im Nacken, daß die schräge Type hinter ihnen herkäme. Mit dem wollten sie kein Rendezvous haben.

 

Trenchcoat, Art Basthut, Herr Doktor Weil-Esch, eine Personenbeschreibung, wie wir von der Detektei Umschau sie seit längerem kennen. Im Zusammenhang mit einer bestimmten Person.

Die morgendlichen Joggerinnen haben den gesehen, der unter dort in der Umgegend als Fransen bekannt ist. Dürfen wir von der Detektei Umschau dem glauben schenken, was wir von dem Mann schon herausgefunden haben, heißt er mit richtigem Namen Drakonie Rupertus Wank.

Herr Drakonie Rupertus Wank bei seinen Tatvorbereitungen?

Muß wohl so sein. Nicht viel anderes kann die Beobachtung der beiden Frauen heißen. Als das, daß Beppi - Herr Josef Greitel - tatsächlich von Herrn Drakonie Rupertus Wank umgebracht wurde. Auf eine makabre Art und Weise, die an eine mittelalterliche Pfählung erinnert.

Möglicherweise hat Herr Drakonie Rupertus Wank den Mord nicht einfach aus freien Stücken ausgeführt, sondern im Auftrag begangen. Auftraggeber: Herr Hans-Georg Tabert.

Herr Hans-Georg Tabert persönlich, der Herrn Josef Greitel aus dem Weg geräumt sehen wollte. Vielleicht, weil Josef Greitel zu lästig für ihn wurde.

Andererseits: Warum deswegen ein Fanal mit viel öffentlicher Aufmerksamkeit veranstaltet werden mußte, als hätte der Tod Josef Greitels mancherlei zu bedeuten, schwer zu überblicken. Hätte doch reichen können, Josef Greitel irgendwo in einen Abgrund hinabzustoßen.

Wie es für uns von der Detektei Umschau aussieht, hat Herr Drakonie Rupertus Wank den Verräter Josef Greitel in der Geiersdorfer Wohnumgebung der Familie Tabert auf mittelalterlich brutale Art und Weise exekutiert. Und nachdem Herr Drakonie Rupertus Wank in der Vergangenheit hauptsächlich für Herrn Hans-Georg Tabert die Angelegenheiten bereinigt hat, für keinen anderen der Taberts, ist das vielleicht ein Zeichen an den Rest der Familie Tabert, was eventuell einem Verräter innerhalb des Familienverbundes geschehen könnte. Schließlich war Herr Josef Greitel einer, der wegen seines Zusammenseins mit Klärchen Tabert ein geraumes Weilchen fast schon zur Tabert-Familie gehört hatte.

 

Etwas anderes wird es wohl kaum gewesen sein als Erpressung, die Herrn Josef Greitel bis kurz vor seinem Ableben dazu verhalf, auf die Kosten von jemand (Hans-Georg Tabert, einer der Tabert-Brüder?) jeden Abend entweder in einem oder zwei Kasinos spielen zu dürfen, bis er pleite war. Das Geldbündel, das Josef Greitel in der Tasche hatte, als er bei seiner Vermieterin in bar bezahlte, muß aus derselben Quelle stammen.

Übrigens, dieses Geld ... Geld wurde bei Herrn Josef Greitel keines gefunden, auch keine anderen Wertgegenstände. Nichts hatte Herr Josef Greitel in einer seiner Jackettaschen, als man ihn von den Pfählen heruntergenommen hatte.

Wir von der Detektei Umschau, wir können nur vermuten ... Wenn das stimmt, daß die zwei Laufsportlerinnen gesehen haben, hat vielleicht Drakonie Rupertus Wank die Geldscheine an sich genommen. Vielleicht durfte Fransen sich die Scheinchen als Belohnung behalten.

 

Demzufolge ist für Sie alles klar, Herr Doktor Weil-Esch. Es sind große Unübersichtlichkeiten, denen wir von der Detektei Umschau uns gewahr sein müssen. Sollten die Detektive, die für die Detektei Umschau arbeiten, weiter an der Geschichte dranbleiben, muß zwischen mir, der die Detektei Umschau leitet, und Ihnen eine Einigung erzielt werden.

Das bedeutet, wenn Sie uns von der Detektei Umschau überhaupt weiter in diesen Angelegenheiten, die sich aus den Geschichten, die in Herrn Bernd Reils digitalem Tagebuch geschrieben stehen, ergeben, für sich arbeiten lassen wollen, daß Sie daran denken sollten, eine bessere Zahlungsmoral an den Tag zu legen.

Außerdem sollten Sie überlegen, uns eine angemessene Gefahrenzulage bezahlen. Schließlich haben wir es bei der Familie Tabert mit höchst mafiösen Strukturen zu tun.

Dieser Drakonie Rupertus Wank, der bei unserer Ermittlungsarbeit eine herausragende Rolle spielt, scheint ein Killer zu sein, der jedem Mafiamörder zu Ehren gereicht. Anscheinend ist dieser Wank in der Lage, beinahe jede Art Auftrag auszuführen.

 

Da die Tabert-Seite über uns, uns von der Detektei Umschau, nun schon ziemlich gut unterrichtet ist, kann es uns geschehen, daß, geht einer von den Detektiven der Detektei Umschau bei seinen Nachforschungen irgendwohin, er damit sein Leben unmittelbar gefährdet.

Was dabei das Ergebnis sein kann, macht der Mordfall Josef Greitel überdeutlich.

 

Kurzum, Herr Doktor Weil-Esch: Entweder zahlen Sie pünktlich, übernehmen die Kosten der Spesen hier, überlegen sich überdies eine angemessene Gefahrenzulage - oder wir von der Detektei Umschau sehen unsere vertragliches Verhältnis als gekündigt an. Beziehungsweise, wir leisten nur noch ein Minimum an Arbeit. Praktisch ohne die Fleißpunkte.

 

Damit verbleibe ich,

mit freundlichen Grüßen

 

 

___________________"

 

*

 

Schreiben der Detetei Umschau an Herrn Gregorius Weil-Esch, Datum: 14.02.xxxx

 

"Sehr geehrter Herr Doktor Weil-Esch,

vielen Dank, daß Sie Zeichen gesetzt haben. Verstanden haben, daß es uns wichtig ist. Wir von der Detektei Umschau wissen nun, daß Sie weiterhin daran interessiert sind, daß die Detektei Umschau für Sie arbeitet.

 

Der Potenzierung des Gefahrenmoments für die Mitarbeiter der Detektei Umschau ist damit gewissermaßen wirklich Rechnung getragen.

Schlimme Dinge sind schließlich im letzten Monat geschehen, Herr Doktor Weil-Esch.

Thomas, Mitarbeiter der Detektei Umschau, hatte ein gebrochenes Nasenbein, eine Wangenknochenprellung. Die Nase Thomas' mußte sogar operativ gerichtet werden. Im Sinne einer kleinen Schönheitsoperation. Überdies war Thomas' Sehkraft eineinhalb Wochen lang eingeschränkt. Weswegen auch ärztliche Besuche fällig waren.

Wie Thomas hatte Regine, die am Geiersdorfer Marktplatz wie üblich an der Seite von Thomas sich aufhielt, eine Beinprellung und verschiedenste Hämatome.

Arztkosten sind nicht von schlechten Eltern, wenn es besser ist, Privatpatient zu sein ... 

Mittlerweile sind Thomas Setzer und Regine Datz, die bei der Detektei Umschau mitarbeiten, aber wieder auf dem Damm und einsatzfähig.

Aber trotzdem, als Detektei abgesichert zu sein, passiert etwas, das hat was.

Von einer Anzeige bei der Polizei gegen die möglicherweise behördlich bekannten Schläger haben Thomas und Regine im Januar abgesehen. Um keine Nachfragen durch die Beamten der Polizeibehörde zu riskieren. Wäre nicht so passend gewesen, hätten Thomas und Regine als Privatdetektive Auskunft geben müssen. Thomas und Regine hätten am Ende sicher zugeben müssen, daß sie sich ihre Verletzungen bei der Ausübung ihres Berufes zugezogen haben. Daraufhin hätten die Behördenleute alles ganz genau wissen wollen. Was ebenfalls nur Fisimatenten mit sich gebracht hätte.

 

Anderer Themenkreis, Herr Doktor Weil-Esch ...:

Frau Ramona Gleibt begibt sich seit Anfang Januar wieder jeden Tag an ihren Arbeitsplatz in der Bankfiliale. Jeden Freitag nach Arbeitsschluß läßt sich Ramona Gleibt im Taxi zum Bahnhof fahren, steigt in den Zug.

Nach stundenlanger Zugfahrt kommt Ramona Gleibt an ihrem Bestimmungsort an, wird von ihrer Mutter Sonja am Bahnhofsvorplatz nachts erwartet. Im Taxi läßt sich Ramona Gleibt in Begleitung ihrer Mutter Sonja nach dem Sanatorium Sonnenglück bringen.

Den ganzen Samstag verbringt Ramona Gleibt im Sanatorium Sonnenglück. Sonntags gegen sechzehn Uhr verläßt Ramona Gleibt das Sanatorium Sonnenglück wieder, wird von ihrer Mutter Sonja abgeholt, um im Taxi zu der Mietvilla gefahren zu werden, die Mutter Sonja Gleibt zusammen mit Mutter Sonjas Verlobten Heinz Eberhardt, Immobilienmakler von Beruf, mit Hauspersonal wie Butler und Köchin bewohnt.

In der Villa von Makler Eberhardt, den Mutter Sonja demnächst zu heiraten gedenkt, verlebt Ramona Gleibt die Abendstunden. Bis Ramona Gleibt ein Taxi gegen dreiundzwanzig Uhr abholt. Im Taxi fährt Ramona Gleibt, begleitet von Mutter Sonja zum nächsten Bahnhof. Auf dem Bahnhofsgelände steigt Ramona Gleibt in den letzten Zug, um nach mehrmaligem Umsteigen sechs Uhr wieder in der Stadt anzukommen, in der Ramona Gleibt ihre Wohnung hat.

Wie Thomas und Regine von der Detektei Umschau auf Nachfrage bei dem Bankinstitut, das Frau Ramona Gleibts Arbeitgeber ist, in Erfahrung bringen konnten, wird sich Frau Ramona Gleibt ab dem 04.03. für einen Monat Urlaub nehmen, um sich in psychiatrische Behandlung zu begeben.

Wahrscheinlich, daß Ramona Gleibt gedenkt, zu ihrer Mutter Sonja hinaufzufahren und vier Wochen im Sanatorium Sonnenglück zu verbringen, unter der Obhut der dortigen Ärzte.

 

Das wären jetzt ein paar Neuigkeiten von Frau Ramona Gleibt.

Vor vier Tagen hatten wir von der Detektei Umschau nachmittags plötzlich in unseren Büroräumen Besuch. Ein Mann, der ohne Voranmeldung zu uns hereinmarschiert kam. Sofort, daß Herr Augustin und ich uns den genauer in Augenschein nahmen.

Es stellte sich dann heraus, daß der, der uns besuchen kam, Herr Dieter Johann Gleibt, der Vater von Ramona, der bei uns erschien. Herr Dieter Johann Gleibt ist in die Büroräume der Detektei Umschau gekommen, sich mit uns zu unterhalten.

 

Das Gespräch mit Herrn Dieter Johann Gleibt hat Herr Augustin in seinem Büro alleine geführt.

Für die Transkription des Tonmitschnittes ist Frau Agathe Setzer verantwortlich. Die Originalaufnahmen zum Selberanhören finden Sie in der Anlage dieses Schreibens, Herr Doktor Weil-Esch.

 

Detektei Umschau (Herr Augustin): Woher haben Sie die Adresse der Detektei Umschau gegeben, Herr Gleibt?

Herr Dieter Johann Gleibt: Eh, meine Tochter Sonja hat mir Ihre genaue Adresse per Kurznachrichttext geschickt. Sonja hat sie von meiner ehemaligen Frau Soni. Hätte ich nicht noch Sonja, wüßte ich von nichts. Von Sonja weiß ich auch, daß Ramona und meine Exfrau Soni Ihnen schon einiges von unserer Familie erzählt haben. Auch von mir. Da dachte ich, ich schau mal selber vorbei. Vielleicht habe ich auch was dazu zu sagen. Kann was richtigstellen. Ramona und meine Exfrau reden sicher nicht gerade positiv von mir.

Detektei Umschau: Hm, viel Schlimmes haben Ihre Tochter und Ihre Frau eigentlich nicht von Ihnen erzählt. Ihre Exfrau redet eigentlich überhaupt nicht mit uns. Sie hat sogar anwaltlich verfügt, daß wir uns ihr und Ramona nicht mehr nähern dürfen.

Herr Dieter Johann Gleibt: Tatsächlich? Komisch, Sonja hat gemeint, Ramona und Mutti Soni hätten viel mit Ihnen geredet.

Detektei Umschau: Ihre Tochter Ramona war die, die zu zwei Detektiven von uns gekommen ist. Mit Thomas und Regine hat Ihre Tochter Ramona sich unterhalten.

Herr Dieter Johann Gleibt: Sie meinen, ich war überhaupt nicht das Thema? Wundert mich jetzt aber. Sonja hat gesagt ... Ist ja auch egal. Jetzt bin ich hier. Ich hatte einfach gute Lust, Sie aufzusuchen. Um mich euch mal anzuschauen. Für mich gilt übrigens nichts, was Soni, dieses Miststück, meint ... Ha, wenn das Miststück euch nichts von mir erzählt hat, vielleicht erzähl ich euch was von Soni. Mehr als genug Geld hat das Miststück mich gekostet. Soni war die, die sich scheiden lassen wollte. Soni hat das Programm durchgezogen. Mit fremden Leuten zu reden, von denen Soni nichts hält, ist deswegen das Wenigste. Gerne würde ich Soni Sachen antun, die schlimmer sind als das. Meine Tochter Ramona ist übrigens auch nicht viel besser als meine Exfrau.

Detektei Umschau: Sie sind ein wenig angetrunken, Herr Gleibt. Vielleicht kommen Sie wieder, wenn Sie nichts getrunken haben ...

Herr Dieter Johann Gleibt: Warum denn? Haben Sie was dagegen, wenn ich Ihnen was erzähle? Zum Beispiel was über meine geschiedene Frau Soni? Bitte, hier bin, fragen Sie mich. Auf alle Fragen werde ich Antwort geben.

Detektei Umschau: Eigentlich geht es in der Geschichte, in der wir von der Detektei Umschau Nachforschungen betreiben, nicht um Ihre Eheprobleme, Herr Gleibt.

Herr Dieter Johann Gleibt: Scheißegal. Hier bin ich. Stellen Sie mir Ihre Fragen. Wenn von den Gleibts die Rede ist, wird auch über meine Exfrau Soni gesprochen werden müssen, nicht wahr?

Detektei Umschau: Na schön, Herr Gleibt. Wie Sie meinen. Ihre Ehe ist, soweit wir darüber Bescheid wissen, hauptsächlich deswegen in die Brüche gegangen, weil Sie Ihrer Frau fremdgegangen sind.

Herr Dieter Johann Gleibt: Und wenn schon. Soni soll vor ihrer eigenen Tür kehren. Sie kann sich auch mal schnell bücken, wenn sie Lust hat. Am Schluß war es sogar so, daß es das Miststück Soni war, das einen anderen hatte. Mit dem sie nicht nur kurz in Bett steigen, sondern ständig zusammensein wollte. Da hatte ich mir mal länger keine aufgetan gehabt, kommt mir die mit ihrem Geliebten an, sagte, sie möchte sich trennen. So bald als möglich. Hab ich gar nicht gemerkt gehabt, daß Soni einen andern hatte. Bis Soni es mir gesagt hat ... Hatte damals auch viele andere Dinge im Kopf. Hatte mich um mein Geschäft zu kümmern ...

Detektei Umschau: Ihre Tochter Ramona sagte aber, daß nur Sie an der Trennung schuld wären ...

Herr Dieter Johann Gleibt: Ramona ist auch so eine verlogene Spaßbremse. Soll erst mal bei ihren eigenen Liebesgeschichten alles in Ordnung bringen. Da geht es auch schon mal drunter und drüber. Deswegen muß mein Eheweib am Schluß nicht mein Geschäft kaputtmachen, weil sie eine Trennung will, sich scheiden lassen möchte. Soni hat mich mit ihren überhöhten Forderungen richtiggehend zerstört. Verlangt hat das Luder, daß ich sie auszahle. In die Privatinsolvenz hat Soni mich damit getrieben. In die Privatinsolvenz bin ich gegangen, deswegen. Heute lebe ich nur noch knapp über Pennerniveau. Was die Scheidung mich kostete,. geht auf keine Kuhhaut ... Die beiden Bankkredite konnte ich nicht mehr bedienen. Meinen Innenstadtladen hat mich Soni gekostet.

Detektei Umschau: Wie wir Ihnen jetzt in der Sache weiterhelfen, Herr Gleibt?

Herr Dieter Johann Gleibt: Meine Frau ist sauber aus allem raus. Mich hat sie mit ihren Anwälten abgewickelt. Meine taugten anscheinend nicht so viel. Heute wohnt Soni, das Luder, mit ihrem neuem Freund, so einem linken, hinterfotzigen Häusermakler, in einer Riesenvilla. Ihn, Eberhardt heißt der, möchte Soni noch dieses Jahr heiraten, hat mir Sonja, meine Jüngste, erzählt. Während ich noch froh sein kann, daß ich nicht irgendwo in der Gosse hocke ...

Detektei Umschau: Und, Herr Gleibt ...?

Herr Dieter Johann Gleibt: Haha! Kann mir euch zwar nicht leisten, aber reden kann ich ein bißchen mit euch. Habt ihr hier eigentlich nichts Richtiges zu trinken? Bier, Wein, Schnaps?

Detektei Umschau: Eine Flasche Mineralwasser und ein Glas zum Trinken für Sie - reicht das denn nicht?

Herr Dieter Johann Gleibt: Doch, doch. Bin schließlich nicht unbedingt hier, mit Ihnen ein Gläschen zu heben ... Ramona hat mit Ihnen geredet. Meine Exfrau Sonja hat Ihnen gegenüber sicher schon was abgesondert, was mit mir zu tun hat. Da darf ich sicher jetzt auch meinen Senf dazugeben, oder? Darf aus meiner Sicht was sagen. Oder nicht?

Detektei Umschau: Klar!

Herr Dieter Johann Gleibt: Von Sonja, meiner jüngsten Tochter, weiß ich, daß sich Ramona mit euch Detektiven zuerst über so Ferienerlebnisse in Geiersdorf unterhalten hat. So Geschichten, Jahre her heute. Jetzt spricht Ramona doch nicht mehr mit Ihnen. Müßten Sie doch froh sein, wenn Ihnen jemand anders was sagt, nicht?

Detektei Umschau: O ja ...

Herr Dieter Johann Gleibt: Wissen Sie, ich war damals auch dabei ... Das eine oder andere habe ich auch mitgekriegt.

Detektei Umschau: Dann fangen Sie doch mal an, was zu erzählen ...

Herr Dieter Johann Gleibt: Ich weiß, daß Sie sich für so mysteriöse Sachen interessieren, die bei uns passiert sind. Es stimmt, bis zum Tod Gabis hatten wir ein paar komische Geschehnisse zu verarbeiten. Aber auch später war mal immer wieder so eine schwer zu verstehende Sache ... Weiß überhaupt nicht, ob es so gut für Ramona ist, wenn meine frühere Frau Leute an ihrer Arbeit hindert, die mehr Licht in die damaligen Vorkommnisse bringen wollen. Soviel ich weiß, war Ramona erst vor einem Monat für ein paar Wochen in einem Sanatorium, mußte von Psychologen auf den Damm gebracht werden. Die Weihnachtstage über. Jetzt ist Ramona immer noch nicht vollständig am Damm, was ich von Sonja, meiner Jüngsten, höre. Psychiater, Psychologen, Nervenärzte, bei Ramona ein Dauerzustand.

Detektei Umschau: Was Neues würde ich gerne hören, Herr Gleibt ...

Herr Dieter Johann Gleibt: Geld ist eine Währung. Die hilft viel was bei einer Detektei. Sie hatten mit Ramona Gespräche, wollten das weiter, sich mit Ramona unterhalten. Was meine Ex verhindert. Aber ich, ich bin jetzt bei Ihnen hier. Schauen wir mal, was ich so alles in der Vergangenheit mitgekriegt habe. Und als Dank, als Dank für meine Auskünfte - je nachdem, wie Sie das finden, was ich sage -, könntet ihr von Detektei Umschau so nebenbei was für mich tun. Diesen Eberhardt, Immobilienmakler, mit dem meine Ex zusammen ist, könnte sich eure Detektei genauer für mich anschauen. Wenn Eberhardt nicht Dreck am Stecken hat, weiß ich nicht. Da wüßte ich gerne was von ...

Detektei Umschau: Dieses Phantombild hier hatte Ihre Tochter im Supermarkt an der Pinnwand hängen sehen. Der Mann auf dem Bild, Herr Gleibt - die Person kennen Sie, oder?

Herr Dieter Johann Gleibt: Natürlich kenne ich den. Das ist der, den meine Tochter Gabi 'Fransi' genannt hat. 'Fransi' hat Gabi den genannt.

Detektei Umschau: Sie wissen, wie der Mann mit richtigem Namen heißt?

Herr Dieter Johann Gleibt: Nein. Weiß ich nicht. Sollte ich das wissen?

Detektei Umschau: Ihre Tochter Ramona hat uns erzählt, daß diese Person, dieser 'Fransi', der Familie Gleibt das erste Mal im Geiersdorfer Wald begegnet ist. Als sich Ihre ganze Familie beim Pilzsuchen im Wald verlaufen hatte.

Herr Dieter Johann Gleibt: O ja! Das war schrecklich. Der Dreckskerl ist aus der Erde gekrochen gekommen. Einfach aus der Erde. Erst war da eine Hand, dann eine zweite. Schöner Horror. Die Hände haben Erde weggewischt. Da war eine Plastikplane. Augesetzt hat er sich. Samt einem Militärschlafsack und Plane war der unter der Erde eingebuddelt. Kann nur sein, daß der uns reden gehört hatte. Irgendwann fand er es an der Zeit, von unter der Erde herauszukommen. Erst mal hatte er uns alle fast zu Tode erschreckt.

Detektei Umschau: Und vorher, vorher ist der Ihnen nie igendwo über den Weg gelaufen? Schließlich haben Sie jedes Jahr in den Sommerferien Ihrer Kinder auf dem Hof Strauchinger Ferien am Bauernhof gemacht. Da hätte er Ihnen in Geiersdorf immer wieder irgendwo über den Weg laufen können. Da wohnte er schließlich überhaupt nicht weit vom Strauchinger Hof entfernt im Tabert-Bauernhaus. Da könnte man sich vorstellen, man müßte sich irgendwann begegnen. Vor allem in der Gegend von Geiersdorf hat sich dieser Fransen herumgetrieben. War auf dem Tabert-Bauernhof als Hausmeister angestellt. Mit monatlicher Lohnzahlung.

Herr Johann Gleibt: Kann schon sein, daß ich ihn aus der Ferne kannte. Wüßte aber nicht, daß mich der viel tangiert hätte. Als er sich, aus der Erde kommend, hochgesetzt hatte, ist er mir nicht das bißchen bekannt vorgekommen. Wüßte nicht, daß ich mit dem und seinem Aussehen viel anfangen hätte können. Hat nichts klick gemacht. In der Unterhose, und einem Unterhem ist er aus seinem Schlafsack im Waldboden gekrochen. Aber, ab dem Zeitpunkt kannte ich ihn. O ja. Habe ihn dann die Tage drauf tatsächlich das eine oder andere Mal abends in Geiersdorf herumlaufen sehen. Zweimal hatte ich sogar die Polizei angerufen, daß ich ihn gesehen habe. Ab dem Moment im Wald kannte ich den. Jedesmal ist er mir auf der Stelle ins Auge gefallen. Hat mich sogar höhnisch gegrüßt, diese eklige Pennertype. Trenchcoat, kackfarbene Hose, breitkrempiger Strohhut. Heruntergekommene Type. Die Polizei hatte leider nie viel mit dem gemacht. In Geiersdorf sind die Polizeifahrzeuge rumgefahren. Waren bei diesen Taberts auf dem Hof. Sonst war nichts. Der war nicht anzutreffen. Auch schon im Verlauf des einen späteren Abends nicht, nachdem er uns, meine Frau Soni, mich, meine Kinder, aus dem Wald herausgeführt hatte, als die Polizisten, als wir ihnen alles gesagt hatten, was war, vom Hof der Strauchingers auf das Gelände des Taberts-Hauses rübergefahren war. Hätten es auch sofort bleibenlassen können, die Polizei zu rufen. Wenn sowieso nichts war, weil man keinem habhaft werden konnte.

Detektei Umschau: Sie kannten ihn also wirklich nicht vorher, Herr Gleibt ...? Gabi könnte Sie nicht dort hingeführt haben?

Herr Dieter Johann Gleibt: Weiß nicht, daß Gabi nicht auch wie jeder andere damals erschrocken wäre ... Vielleicht kannten wir den vom Gesicht her. Oder wußten irgendwann, daß wir den doch schon öfters ganz in der Nähe gesehen haben. Aber, mußte das was heißen? Bloß, weil jemand Ihnen schon mal hin und wieder von fern über dem Weg gelaufen ist, muß das doch nicht heißen, daß Sie sofort auf den kommen, oder? Mir mußte erst der Strauchinger sagen, daß dieser Fransi doch bei uns in der Nachbarschaft bei den Taberts drüben wohnt ... Ehrlich, ich war voll perplex. Aber, ab da kannte ich den, wenn ich ihn wo sah, das dürfen Sie mir glauben. In Geiersdorft am Marktplatz habe ich ihn die Woche drauf gesehen, bin ich zu ihm hinüber, fällt mir jetzt wieder ein. Er hat sich von mir abgewandt, ist vor mir davongeeilt ...

Detektei Umschau: Echt wahr? Und so als Vater, Herr Gleibt ...? Drei Töchter hatten Sie mit Ihrer Frau zusammen. Ihre Tochter Ramona hat uns von ein paar Vorgängen erzählt, die alle ein paar Tage nach dem Geschehen da im Geiersdorfer Wald geschahen. Obwohl Ihnen der Schreck in die Glieder gefahren war, sind Sie schließlich nicht bei den Strauchingers abgereist. Weiterhin waren Sie zu Gast auf dem Bauernhof der Familie Strauchinger. Ihre ältere Tochter Ramona hat uns von nächtlichen Geräuschen aus dem Einzelzimmer Ihrer Tochter Gabi erzählt. Ramona hat uns gesagt, sie hätte den Abdruck einer Leiter, die die Nacht an das Fensterbrett ihrer vierzehnjährigen Tochter Gaby angelehnt gewesen sein mußte, im Blumenbeet unter dem Erdgeschoßfenster gesehen ... Ramona sagt, Gabi hätte eine Art Beziehung zu dem Mann, jenem 'Fransi', gehabt. Daß Fransi bei Gabi auf dem Zimmer war, und sie haben davon nichts mitgekriegt, obwohl Sie bei Gabi auf dem Zimmer waren. Gabi hat Ihnen die Zimmertüre aufgemacht ...

Herr Dieter Johann Gleibt: Stimmt schon, ich war bei Gabi auf dem Zimmer. Da, aus Gabis Zimmer, habe ich mitgekriegt, daß die Seufzer, das Stöhnen, die Aufschreie herkamen ... Viel zu laut. Mußte aufs Klo, hab ich das unten gehört. Und als ich vom Klo zurückkam, war das immer noch. Klar, Gabi war vierzehn und in der Pubertät. Da kommen schon mal Dinge vor. Obwohl Gabi eigentlich ein eher stilles, braves, verschlossenes Mädchen war. Daß die auf die Idee kommen konnte ... Daß bei Gabi einer im Zimmer sein konnte. Daß Gabi, und das auch noch ganz laut ... Nein, mußte ich auf die Reihe kriegen. Schließlich stellte Gabi sich kurz vor Ende ihres Schuljahrs an, als ein Junge probiert hatte, sie am Wandertag mit Zunge küssen zu wollen, echt wahr, die Schule wollte Gabi danach wechseln. Ein paar Tage war Gabi wirklich nicht in die Schule gegangen ...

Detektei Umschau: Sie sind also die Stiege hoch, haben Ihre Tochter Ramona am Gang oben gesehen ...

Herr Dieter Johann Gleibt: Blieb dabei, dort oben, wo meine Mädels ihre Zimmer hatten, kam das Ganze her. Dachte an Gustl, alles mögliche. Bin hoch, hab mir überlegt, wie ich mich verhalten sollte. Das drinnen konnte auch Gustl sein. Ramona habe ich vom Treppenabsatz her sofort bei Gabi vor der Tür stehen sehen. Nach drinnen hat Ramona gelauscht, die Hand an der Türklinke, als wollte Ramona zu Gabi hinein, wäre aber zu. Dann hat Ramona mich gehört, ist zusammengezuckt, ist schnell von Gabis Tür weg. Am Gang ist Ramona mir entgegengekommen, als hätte sie bei sich und Sonja aus dem Zimmer raus müssen, aufs Klo ... Habe bei Ramona nachgefragt, was sie am Flur mache. Aufs Klo wolle sie, meinte Ramona. Hab ich zu Ramona gesagt, daß ich sie nicht aufhalten wollte, wenn sie aufs Klo müßte. Dann hab ich mich nicht mehr um Ramona gekümmert. Vor Gabis Tür bin ich hingetreten. Bei Gabi drinnen war, wie es sich anhörte, schwer was mit Gabi los. Stöhnen, Seufzen. Volle Pulle. Richtige Ekstase. Habe ich bei Gabi an die Tür geklopft, die Türklinke herabgedrückt. Bei Gabi war offen, echt wahr. Gabi stand mitten in ihrem Zimmer. Ihr Nachthemd hatte Gabi an, ist Gabi bis zu den Knien herabgefallen. Von einem Kerl bei Gabi drinnen war weit und breits nichts zu entdecken. Zwar war bei Gabi das Fenster offen, die Vorhänge aufgezogen. Der müßte schon ziemlich schnell bei Gabi übers Fensterbrett drübergehüpft sein, der Kerl, dachte ich. Vielleicht wäre es wirklich besser gewesen, ich hätte mich nicht lange von Gabi aufhalten lassen sollen. Hätte an die Möglichkeit einer Leiter denken können, um kurz mal ans Fenster zu treten, um dort hinauszublicken. Aber, Gabi, die stand mir gegenüber aufgebaut. Mitten in Gabis Zimmer sind Gabi und ich uns gegenübergestanden. Gabi flennte, schniefte. Als ich sie gefragt hab, was das Ganze denn sollte, heulte, schniefte Gabi noch mehr. Gabi sprach davon, daß sie sich einen Spaß erlaubt hätte. So getan hätte sie, als ob ... Als ob sie ... Wegen Mona. Mona sollte denken, sie würde ... Sie würde mit einem auf ihrem Zimmer ... Habe ich mal laut gelacht, ungläubig den Kopf zu Gabi hin geschüttelt. Dann hab ich zu Gabi gemeint, so was will ich die Nacht jetzt nicht wieder hören. Das sollte Gabi sich nicht noch mal erlauben, wenn ich bei ihr draußen wäre. Das hätte dann Folgen. Was sollten die Strauchingers denn denken? Wenn die das gehört hätten, dann ... War doch nicht möglich, das, bei ihr, Gabi; nicht zu glauben wäre es. Plemplem. Gabi hat geweint und geschluchzt. Geschluchzt und geweint. Danach bin ich bei Gabi wieder raus. War mir sicher, daß die Nacht nichts mehr weiter sein würde. Auch die folgenden Tage war nichts mehr dahingehend. Außer daß Gabi sich die Tage drauf öfters komisch aufführte, war nichts mehr.

 Detektei Umschau: Ihre ältere Tochter Ramona sagte, Gabi hätte aber doch etwas mit einem Mann gehabt. Mit einem bestimmten. Diesem Fransi. Etwas war zwischen Gabi und dem bereits zu dem Zeitpunkt im Wald geschehen, wie es uns Ihre Tochter Ramona erzählt hatte. Gabi war von dem ab da wie behext. Jede gute Gelegenheit soll Gabi genutzt haben, sich mit ihm zu treffen. Bei Gabi soll er die Tage drauf sogar drinnen im Zimmer gewesen sein. Gabi und er ... Nur, daß es bei Gabi nicht wieder so laut zuging ...

Herr Dieter Johann Gleibt: Ramona und Sonja haben uns davon nichts gesagt. Soni und ich, wir wußten von nichts. Wenn diese Person zu Gabi die Tage drauf rein war, hab ich leider davon nichts mitbekommen. Muß ich Ihnen wirklich gestehen, in meinem Kopf hatte ich ganz andere Sachen. Mir gegenüber war Gabi wie immer. Hat für mich eigentlich auch nicht viel anders ausgesehen wie sonst auch, meine Tochter Gabi. Na gut, ein bißchen bleich im Gesicht war Gabi, wirkte dauernd unausgeschlafen. Weiß nicht. Hätte ich mir deswegen Fragen stellen müssen? Gabi war vorher nie DIE. Gabi war ja eigentlich noch schüchterner als Sonja, meine Elfjährige. Sonja, die knutschte mit elf schon Jungs, müssen Sie wissen. Mutti Soni hat Sonja erwischt. Als sie, im Stroh ... Sonja war die, über die Soni und ich geredet haben. Und nicht Gabi. Daß Gabi auch ... - nein, da war keine Idee. Außerdem hatten Soni und ich zur damaligen Zeit auch viel Streit ...

Detektei Umschau: Das ist uns neu, das mit Sonja. Von ihrer jüngeren Schwester Sonja hat ihre Tochter Ramona bei uns nicht viel erzählt.

Herr Dieter Johann Gleibt: Schrien auch nicht groß rum, deswegen. Ich und Mutti redeten ein paar Töne mit Sonja. Sonja schien zu hören. Und Mutti hatte dann ein Auge auf Sonja. Auf Sonja hatten meine Frau und ich ein Auge, nicht auf Gabi. Die erste Woche, daß wir als Familie am Hof der Strauchinger verbrachten, hatte ich Gustl, den älteren Sohn der Strauchingers, schon mit Sonja im Stall erwischt. Gustl hatte Sonja im Arm. Ihr Unterhöschen hatte Sonja so eben noch an. Kaum hatte Gustl mich gesehen, hat Gustl Sonja von sich gestoßen, ist in seiner Unterhose vor mir getürmt. Hinten durch die Tür aus dem Stall ist Gustl raus. Das Regal mit den leeren Kanistern hat Gustl mir vor die Füße geschmissen. Sonja war dann auch fort, als ich mich nach ihr umgedreht habe, um mich um sie zu kümmern. Habe Sonja dann später erklärt, als Sonja und ich abends alleine in der Strauchinger Küche hockten, daß sie auch mit elf schon Mutti werden könnte. Und Gustl der Papi der Kindes. Gustl hab ich auch beiseite genommen. Gustl hat mir versichert, daß er Sonja von nun an aus dem Weg gehen würde; Sonja wäre ihm sowieso noch zu jung ... Glaubte ich Gustl das mal, sagte Gustl, daß ich es seinen Eltern sagen würde, wenn noch mal was vorkäme. Habe es Gustls Eltern dann nicht gesagt. Keine Ahnung. Haha! Wahrscheinlich, weil Gustl mich gesehen hatte. Als ich Tante Grete geküßt habe. Draußen, jenseits von den Stauden. Da war dann auch Gustl plötzlich bei uns dabei, hat seine Tante und mich angesehen, um sich umzuwenden und davonzulaufen. Mußte also am Ende nicht sein, daß ich Gustl lange wegen dem mit Sonja hinhänge. Das heißt, wenn Gustl sich bei Sonja zurückhielt. Wenn aber noch mal was vorkam - dann ... Hahaha! Ging wirklich rund damals ...

Detektei Umschau: Sie hatten dann trotzdem Ärger wegen Ihres Liebeslebens. Nach dem Geiersdorfer Mittsommerfest. Es gab jetzt so kleine Probleme mit Ihrer Frau ...

Herr Dieter Johann Gleibt: Ja. Soni wollte sich von mir scheiden lassen. Zwar nicht das erstemal ...

Detektei Umschau: Auf gepackten Koffern ist Ihre Frau gesessen ...

Herr Dieter Johann Gleibt: Stimmt. Hätte Gabi nicht den Zusammenbruch gehabt, wäre ins Krankenhaus gefahren worden, wäre meine Frau am Morgen nach dem Mittsommerfest sicher abgereist.

Detektei Umschau: Was war da eigentlich genau mit Ihrer Tochter Gabi los, Herr Gleibt? Das war der erste von Gabys Zusammenbrüchen, oder? Es fing damit nur ein paar Tage nach dem Schrecken im Wald an, nicht?

Herr Dieter Johann Gleibt: Weiß ich so nicht. Gabi ging es aber dann relativ bald wieder gut. Gaby war unterzuckert. Irgendwie hatte Gabi zuwenig Eisen und Zucker im Körper. Fehlte es bei Gabi an roten Blutkörperchen ... Die Tage vorher schien Gabi nicht ausreichend gegessen und getrunken zu haben, wenn Gabi ihre Tage nicht hatte. War das zu glauben, zu wenig gegessen, getrunken? Fragte mich, ob ich Gaby nicht was essen gesehen hatte. Gaby hatte sicher schon was gegessen. Dann hatte Gabi auf dem Geiersdorfer Mittsommerfest anscheinend Alkohol getrunken ...  Null komma neun Promille hatte Gabi, und weil körperliche Verfassung schlecht war, war das, als hätte Gabi zwei Promille ...

Detektei Umschau: Gabi war doch auch betrunken?

Herr Dieter Johann Gleibt: Irgendwas hatte Gabi auch getrunken irgendwo ... Ach, wissen Sie - so schlimm war das da mit Gaby eigentlich nicht. Gaby war am nächsten Vormittag im Krankenhaus schon bald wieder auf den Beinen. Einen Kreislaufzusammenbruch kann man auch haben, wenn man jünger ist, dachte ich. Nein, mehr war das nicht für mich. Außerdem, Mädchen sollten Eisentabletten schlucken ...

Detektei Umschau: So wenig aufregend, schlimm fanden Sie das alles? Ihre Tochter Ramona meinte ...

Herr Dieter Johann Gleibt: Soni hat sich die meisten Sorgen wegen Gabi gemacht. Soni hat sich aufgeführt als wäre die Welt am Untergehen. Ich habe mir wegen Gabi keine großen Sorgen gemacht. An was sollte ich denn denken? An das, was später bei Gabi war? Nein. Gesundheitliche hatte Gabi vorher nicht viele. Eigentlich war Gaby immer ziemlich eine Gesunde. Von ein paar Erkältungen im Winter abgesehen, den üblichen Kinderkrankheiten, die Gabi alle gut überstanden hatte. Mir fiel zu der Zeit eher auf, daß Gabi immer mehr Mucken kriegte. Die Launen bei Gabi, als wäre Gabi eine kleine Prinzessin. Wir, die Leute um Gabi herum, die wären Gabis Diener. Nein, wenn Gabi etwas fallen ließ, sollte Gabi es gefälligst selber vom Boden aufheben. Zusammen mit Mutti, mir, Ramona und Sonja sollte Gabi gefälligst wie früher am Hof der Strauchingers mitarbeiten. Wie sich das gehörte. Das Maul hat Gabi mir gegenüber aufgemacht, ist mir damit schief gekommen, daß ich Mutti mit Bauernschlampen aus der Verwandtschaft der Strauchingers betrügen würde. Bauernschlampen, Gabys Ausdrucksweise. Hab ich zu Gabi gemeint, sie sollte sich mal hübsch zusammenreißen. So hochwohlgeboren war sie nicht, daß wir ihr hinterherräumen müßten. Eine Schlampe war wohl eher die, die alles liegen ließ, nichts aufräumte. Also: Eine Schlampe war schnell eine, auch sie, Gabi.

Detektei Umschau: Gabi hat Sie direkt darauf angesprochen, auf Ihr Fremdgehen?

Herr Dieter Johann Gleibt: Gabi blieb bockig. Dabei verstand ich mich schnell wieder mit Mutti. Soni wollte nicht weiter abreisen, ist sogar bald wieder zu mir hinuntergezogen. Dann kam der nächste Zusammenbruch Gabis. Wieder ist Gaby ins Krankenhaus gefahren worden. Damit reichte es. Alles reichte mir. Ich war wirklich froh, daß unser Aufenthalt bei den Strauchingers durch die Kränklichkeit Gabis, deren Ursache keiner so recht durchblickte, ein abruptes Ende fand. Für mich waren das keine schönen Tage mehr. Die eine wollte das von mir - die andere das. Nichts als Forderungen an mich. Die eine führte sich auf, als wäre sie schon von größerer Bedeutung für mich - die andere, die verlangte meine unbedingte Treue. Nein, in Geiersdorf wurde mir die Welt zu klein. Ich wollte zurück in die Stadt. Da hatte ich schnell wieder meine Ruhe. Die Frage stellte sich sogar, obwohl wir alle in einem Jahr wieder auf den Hof der Strauchingers zurückkehren würden. Oder ob die Familie Gleibt woanders Ferien machen würde.

Detektei Umschau: SDie Familie Gleibt hat keinen Urlaub auf dem Bauernhof bei den Strauchingers in Geiersdorf mehr gemacht, nicht?

Herr Dieter Johann Gleibt: Stimmt! In Planung hatten wir den im folgenden Jahr zwar, nur ...

Detektei Umschau: Gabi ...

Herr Dieter Johann Gleibt: Im Jahr drauf ging es Gabi um die Zeit der großen Ferien herum sehr, sehr schlecht. Gabi war auf Kur an der Ostsee. Vier, fünf Tage von dort zurück in unserer Wohnung, hatte Gabi den nächsten Zusammenbruch. Ins Krankenhaus mußte Gabi gefahren werden. Ramona war achtzehn, und Ramona wäre, glaub ich, sowieso nicht mehr zu den Strauchingers auf den Hof mitgefahren. Und Sonja hatte auch ganz andere Interessen als Ferien am Bauernhof zu machen ... Nein, Soni und ich, wir sagten der Familie Strauchinger ab.

Detektei Umschau: Will wieder auf Gabi zu sprechen kommen ... Sie waren also damals vom Hof der Familie Strauchinger abgefahren, um heimzukehren. Wie haben Sie die Tage im Detail erlebt, nachdem Sie wieder in der Stadt zurück waren, das neue Schuljahr anfing und so weiter? Kehren wir in diese Zeit zurück ...

Herr Dieter Johann Gleibt: Nachdem wir heimgekehrt waren, besuchten Soni und ich mit Gabi die verschiedensten Ärzte. Ein paar Meinungen haben wir eingeholt, was mit Gabi eventuell los sein hätte können. Dann schlief das ein, daß Soni und ich, wir uns Sorgen wegen Gabi machten. Gabi war fit. Wieder normal fit. Nicht so, wie am Bauernhof der Strauchingers am Schluß. Meine Frau Soni und ich, wir redeten darüber, das das komisch wäre. Weil, wir fuhren ja zu den Strauchingers, machten bei denen Ferien am Bauernhof, damit die Familie aus der Stadt rauskam, Kraft tankte. Ein bißchen mehr Grün sehen als nur den Stadtpark. Echte Tiere, Blumen, nicht nur als Dokumentation, wenn der Monitor an war. Das war immer die Idee hinter unserem jährlichen Ferienaufenthalt bei den Strauchingers. Hatte meinen Töchtern ja eigentlich bis dahin jedes Jahr immer gefallen. Auch wenn sie ziemlich früh für die Stallarbeit aus den Betten mußten. Ramona, unsere Ältere, kam auch immer noch mit, obwohl sie schon eigene Sachen hätte machen können. Bestimmt hätten wir Ramona was erlaubt. Zwei, drei Liebhaber hatte Ramona ja auch schon. Ramona war damals immerhin schon siebzehneinhalb, hatte sich erst zwei Monate zuvor von einem getrennt, mit dem sie ein halbes Jahr zusammen war. Plötzlich war es aus mit dem Schnösel. Obwohl Ramona und der Pläne geschmiedet hatten, zu zweit im Zug kreuz und quer durch Europa zu reisen.

Detektei Umschau: Dann, nachdem es bei Gabi ausschaute, als wäre alles wieder normal, wissen wir von dem, was Ihre Tochter Ramona uns erzählte, daß an Ihrer Tochter Gaby wieder etwas verändert war?

Herr Dieter Johann Gleibt: Das neue Schuljahr damals hatte angefangen. Bis November oder so war bei Gabi die Welt wie immer. Alles vollkommen in Ordnung. Dann, Mitte November rum, war auf unbestimmte Weise irgendwas bei Gabi. Soni redete mit mir, daß Gabi so seltsam bleich im Gesicht war, wenn sie an den Frühstückstisch kam. Und daß Ramona und Gabi sich in den Haaren hatten. Und zwar immer verschärfter. Bei jeder Kleinigkeit zickten Ramona und Gabi sich an. Als hätten beide jemanden im Auge, auf den scharf wären. Besonders Ramona wirkte, als wäre sie auf Gabi eifersüchtig. So richtig in Zusammenhang bringen konnten Soni und ich das nicht. Ramona und Gabi hatten nämlich trotzdem irgendwie eine unterschiedliche Welt.  Als hätte Ramona und Gabi einen gemeinsamen Bekannten, den jede für sich alleine wollte. Sprechen wollten aber weder Ramona noch Gabi viel mit Soni oder mir darüber. Aber, Gabi, die besuchte nach der Schule eigentlich immer nur Freundinnen besuchte. Von der einen oder andern Freundin war die Rede. Eine hieß Trixi, weiß ich noch. Soni und ich, wir konnten das bei Gabi nicht mit dem bei Ramona in Beziehung bringen. Oder war es doch was anderes, um das sich das zwischen Gabi und Ramona drehte? Ich meine, Ramona hätte doch auch nicht jeden Tag pünkllich nach der Schule heimkommen müssen. Ramona hätte auch was unternehmen können, mit ihren Freundinnen. Oder sich einen eigenen Freund zulegen, wie schon mal. Ab November besuchte Gaby fast täglich bis acht, neun, halb zehn Uhr am Abend ihre Freundinnen. Das konnte es nicht sein, daß Gabi morgens so bleich ausschaute. Einen Sonnenbrillentick entwickelte Gabi auch. Sogar in der Wohnung trug Gabi ihre schwarzen, grünen, orangen Brillen.

Detektei Umschau: Dann kam es in den Weihnachtsferien zu dem ersten richtigen Zusammenbruch Gabis, nicht wahr?

Herr Dieter Johann Gleibt: Ja. Gaby mußte im Rettungswagen ins Krankenhaus gefahren werden. Irgendwas war mit den Regelblutungen bei Gaby nicht in Ordnung, fanden die Ärzte. Irgendwas stimmte am Blutbild Gabis nicht. Da war ein Virus, der bei Gabi auftrat, sich zurückzog, auftrat. Eine immer schlechtere Blutbildung hatte Gabi. Das änderte sich trotz Blutbildungspräparaten und Eisentabletten, die Gaby schlucken mußte, nur immer zeitweise. Blutwäsche wurde bei Gabi wiederholt gemacht. Das Ganze bei Gabi gipfelte dann darin, daß die Krankenhausärzte Soni und mir im Sommer drauf mitteilten, daß bei Gabi eine akute Leukämie festgestellt worden sei. War nur schwer für Soni und mich begreiflich, wie und warum. Ich und Soni ließen uns auch auf so was hin untersuchen, ohne daß wir als Eltern irgendwas in der Hinsicht gehabt hätten. Auch in Sonis und meiner Familie gab es keine großartigen Leukämiefälle. Daß daher das mit Gabi kommen hätte können. Nein, kein solcher Fall in unserer näheren Verwandtschaft. Aber bei Gabi war das so und so. Das Krankheitsbild war dabei, bei Gabi voll auszubrechen. Immer schlimmer war alles bei Gabi.

Detektei Umschau: Aber - Gabi war nicht nur krank. Es soll bei Ihnen in der Wohnung zu seltsamen Vorkommnissen mit jenem einen bestimmten Mann gekommen sein, den die Familie Gleibt von Geiersdorf her kannte. Woran erinnern Sie sich, Herr Gleibt?

Herr Dieter Johann Gleibt: Stimmt! Der Mann da am Bild ... Es waren damals wirklich ungeheuerliche Vorfälle. Der ist Fassaden geklettert, sage ich Ihnen. Ramona hat Soni und mir erzählt, daß er bei Gabi im Zimmer war. Ehe er was von ihr, Ramona, gewollt hat ...

Detektei Umschau: Das hätten Sie doch eigentlich irgendwann schon früher mitbekommen müssen, daß dieser Mann, der Ihnen eigentlich nicht unbekannt war, bei Ihnen um das Wohnhaus herumschleicht, oder? Nichts gehört? Ich meine, so einer müßte in der Nachbarschaft aufgefallen sein. Einer im Trenchcoat, Hut auf, der da nachts bei Ihnen um die Häuser schleicht ... Ihrer Tochter Ramona hat er sich gezeigt, wenn es Ihrer Tochter Gabi mal nicht so gut ging ...

Herr Dieter Johann Gleibt: Eigentlich hatte ich damals anderes im Kopf. Ich hatte Probleme im Geschäft ...Tut mir leid. Ramona hat zu Soni, also Mutti, und mir, zu der Zeit mal gesagt, daß wir doch mal zu Bewußtsein kommen hätten müßten. Ramona, die dauernd mit Gabi gestritten hat, sagte zu Soni, daß Gabi zwar nachmittags nach der Schule oder so ihre Freundinnen besucht. Daß Gabi sich dann aber, wenn sie abends von ihren Freundinnen weggegangen ist, mit einem Mann traf. Einmal meinte Ramona sogar, daß Mutti den Kerl, mit dem Gabi sich traf, doch kannte. Das wär der, der uns im Wald aus der Erdboden gekommen ist. Daß der und Gabi sich trafen ... 

Detektei Umschau: Was hat Ramona doch so deutlich zu Ihnen gesagt ...?

Herr Johann Gleibt: Fast ständig haben Ramona und Gabi sich gestritten. Am Schluß war Soni und mir das fast schon zu krass, wie Ramona und Gabi sich an die Gurgeln gingen. Ramona hätte fast alles über Gabi gesagt, wenn es nur schlimm genug gewesen wäre. So ein Haß zwischen unseren Töchtern ... Ich und Soni, wir überlegten, ob ich Ramona nicht doch helfen sollte, eine Wohnung zu finden ... Oder Ramona doch fest zu Sonis Mutti dürfte ... Achtzehn war Ramona immerhin zu der Zeit schon ... Ramona mußte alles selber wissen, was sie wollte ... Beinahe von Tag zu Tag, daß Mutti Soni und ich bei Ramona geschaut haben. Und dann, wenn Soni und ich so weit waren, war was mit Gabi ... Die Ansagen in Richtung Ramona waren wieder vergessen. Ohnehin fuhr Ramona beinahe bald jedes Wochenende zu ihrer Omi ... Schon nach der Schule ist Ramona freitags zum Bahnhof. Erst am Sonntagabend ist Ramona von Omi zurückgekommen. Kann ich was dafür, wenn Ramona mit ihren Freundinnen zusammen keine Wohnung findet? Ramona und ihre Freundinnen hätten auch selber eine Wohnung finden können, nicht? Was mußte ich denen bei der Wohnungssuche helfen? Vielleicht, wenn Soni wirklich mal was zu mir gesagt hätte, daß ich in meinem Bekanntenkreis ... Mit Nachdruck.

Detektei Umschau: Es kam die Zeit, daß es Gabi nur noch schlecht ging. Da war doch was, bei Ihnen in der Wohnung, oder? Der Mann dort am Bild, der war bei Ihrer Tochter Mona nachts auf dem Zimmer ... Wissen wir von Ramona, was sich abgespielt hat ...

Herr Dieter Johann Gleibt: Erinnere mich gut an die Nacht. Gabi war im Krankenhaus gewesen. Da war der da plötzlich bei uns in der Wohnung. Mitten in der Nacht. Ich hatte im Schlafzimmer was gehört. Soni lag nicht neben mir im Bett. Ich bin schnell aufgestanden. Sonja ist am Gang gestanden. Mutti Soni ist bei Ramona auf der Türschwelle gestanden. Gekreischt wurde, herumgeschrien. Keine Ahnung hatte ich, was das war. Was bei Ramona im Zimmer los sein könnte. Ich bin hin. Gerede. Geschrei. Ein Mann stand bei Ramona mitten im Zimmer. Hat so gemein mit Ramona gesprochen, mit dem Finger in Richtung Ramona gezeigt. Habe mir alles nicht allzu lange angehört. Bin hineingestürmt in Ramonas Zimmer. Vorm offenen Fenster stand diese Type, der aus dem Geiersdorfer Wald. Der, der bei den Strauchingers in der Nachbarschaft am Tabert-Grund seine Behausung hatte. Obwohl ich ihn kennen sollte, war er mir vorher bewußt noch nicht über den Weg gelaufen. Trenchcoat hatte er an, Filzhut am Kopf. Mit Geheul bin ich auf ihn losgestürzt. Er hat mich schnell angepackt, mich hochgehoben als wäre ich für ihn ein Federgewicht. Er hat mich Richtung Ramonas Bett geworfen. Mit dem Hinterkopf habe ich gegen die Mauer geschlagen. Dann weiß ich nichts mehr. Ich war also nicht in der Lage, den Eindringling zu stoppen. Soni, meine Frau Soni, die konnte das damals ... Mit ihrem Phon. Der Mann hat mitgekriegt, daß Soni bei der Polizei anrief. In ihr Telefon hat Soni geschrien, die Polizisten sollten sofort kommen, unsere Adresse. Polizisten, die brauchte der Eindringling nicht. Im Nu war er am Fensterbrett, hat sich droben draufgehockt, mit zornigen Augen zu Soni und Sonja hingestarrt. Dann hat er sich nach der Seite weggeschwungen, als wäre da was, was er greifen hätte können. Ich hab mir das am hellichten Tag angesehen. Dabei war mir aufgegangen, daß ich zwar da wohnte, aber überhaupt noch nicht oft die Fenster hinausgeschaut hatte. Wahnsinn. Da war nichts als kleinkörnige Mauer, nirgendwo größere Spalten, sich draußen an der Hauswand irgendwo festzuhalten. Die Abstände von Fenster zu Fenster waren auch ganz schön groß. Und, ich mein,e, wir, die Gleibts, wir wohnten nicht Parterre. Wir wohnten im dritten Stock. Ein Fehler, falscher Griff im Dunklen, der wäre unten am Gehsteig gelegen. Hätten Passanten den gefunden. Hatten die aber nicht. Interessiert haben die Polizisten, als die dann da waren, mich, meine Frau Soni, Ramona und Sonja betrachtet, als wären wir ein Haufen aufgeschreckter Hühner. Unsere Geschichte haben sie sichtlich nicht recht glauben mögen. Hat komisch in ihren Ohren geklungen. Ein Mann, bei uns in der Wohnung im dritten Stock. Er läuft nicht zur Wohnungstür raus, sondern nimmt nachts den Weg zum Fenster raus. Im Düster hangelt er sich über die Hausfassade fort, als wäre das für ihn das Allernormalste auf der Welt. Klingt doch übel nach Schwachmatte, oder? Oder was sagen Sie?

Detektei Umschau: Könnte man so sehen, ja. Obwohl die Fassadenkletterei ist ein Sport wie Bergsteigen. Viele klettern abends im Sportverein an Wänden hoch. Dann gibt es noch eine andere Sportart, Parcour genannt. Die Sportler machen auch irre Sachen. Nehmen Anlauf und laufen vor dir Wände hoch. Sogar ziemlich hohe Wände. Auch einige Polizisten treiben den Sport, um beruflich am Ball zu bleiben ...

Herr Dieter Johann Gleibt: Er war ein unheimlicher Mann, wie er da so bei Ramona im Zimmer stand. Das habe ich noch überhaupt nicht gesagt.

Detektei Umschau: Mit dieser Frage beschäftigt sich unsere Detektei auch. Weil, anderes ist auch schwer unübersichtlich, geradezu unheimlich, von was da die Rede ist. 

Herr Dieter Johann Gleibt: Keine Ahnung. Weiß auch nicht, was der nötig hatte. Ramona vergewaltigen? Wären meine Frau und ich nicht dazwischen gekommen, hätte er Ramona mit Sicherheit was angetan. So verkommen, wie ich von Ramona gehört habe, daß der dahergeredet hat. Steigt bei Leuten zum Fenster rein, der Mann. Bei Gabi soll er tagelang rein sein. Zu Ramona wollte er dann ... Wie einer, der sich nimmt, was er will. Gibt man es ihm nicht freiwillig, nimmt er es sich sich auch mit Gewalt. Mit Gewalt wollte er Ramona nehmen. Die Polizisten hätten uns damals wirklich nicht so anzugucken brauchen. War echt schon öfters in der Zeitung gestanden, daß welche nachts durchs Fenster in Wohnungen eindringen ... Auch ein paar Stockwerke höher, als es normal möglich wäre. Da gibt es welche, die hält nichts ab.

Detektei Umschau: Tja. Die Polizei war in der Wohnung Ihrer Familie, sonst brachte das aber keine Ergebnisse?

Herr DieterJohann Gleibt: Nein. Wir gaben die Personenbeschreibung von ihm. Sagten aus, woher wir den bereits kannten. Damit hatte es sich eigentlich. So was, was man Erfolge nennt, hatten die von der Polizei uns nicht mitzuteilen. Bis heute nicht.

Detektei Umschau: Keine Fahndungserfolge? Nicht mal irgendwann eine Festnahme? Obwohl die Polizei ihm schon das eine oder anderemal habhaft geworden ist ...

Herr Dieter Johann Gleibt: Nein. Nichts. Meine Tochter Ramona ist nach Ende des Schuljahres zu Sonis Mutter umgezogen. Ihrer Omi mütterlicherseits. Obwohl Gabi ... Die ganzen Sommerferien verbrachte Gabi in der Klinik. Später war Gabi überhaupt nur noch tageweise bei uns, ihren Eltern, daheim. Im besten Fall mal für eine Woche. Dann mußte Gabi schon wieder weggebracht werden. Zugesehen werden, daß Gabi ärztliche Behandlung kriegte. Schon komisch, das mit Gabi. Immer, ist Gabi zu uns heimgekommen, hat Gabi sehr erholt ausgesehen. War bester Stimmung. Nach zwei, drei Tagen wieder daheim, ging es Gabi wieder schlecht. Daß Gabi bald darauf mit dem Rettungswagen abgeholt werden mußte. Dann teilten die Klinikärzte mir und Soni Mitte Dezember mit, daß der Versuch einer Chemo bei Gabi fehlgeschlagen war. Rasant würden sich die Krebszellen in Gabys Körper frei vermehren. Trotzdem erholte Gabi sich tatsächlich noch mal, konnte ein paar kurze Tage herumlaufen, heimkommen. Sylvester hat Gabi bei uns, Soni, mir und Sonja, daheim in der Wohnung verbracht. Mit Sonnenbrille, Schal vorm Hals, hat Gabi sich das Knallen und Sylvesterfeuerwerk am Nebenplatz vom Gehsteig aus angeschaut. Auf eigenem Wunsch. Nicht einmal wollte Gabi sich hinsetzen, obwohl Soni einen Klappstuhl für sie bereit hatte. Sylvester, das war es dann für Gabi. Irgendwie gab Sylverster Gabi den Rest. Ich weiß noch, wir alle waren wieder oben zurück in der Wohnung. Dachten, alle wären in der Wohnung, Gabi bloß auf ihr Zimmer verschwunden. Eine Stunde nach Mitternacht war es oder so. Da wurde bei uns an der Wohnungstür geklingelt. Leute haben Gabi auf dem Hinterhof zwischen Mülltonnen gefunden, in einem Zustand. Ausgesehen hat es, als ob Gabi schnell mal mußte. Dort hatte Gabi sich niedergehockt, da hatte es bei Gabi wild rauszubluten angefangen, und Gabi war zusammengeklappt. Fast schwarz hat das Blut im Licht meiner Taschenlampe ausgesehen. Der Kreislauf war Gabi zusammengebrochen, sagten mir die Notärzte. Die beiden Ärzte brachten Gabi noch mal kurz zu sich. Auf eine Liege wurde Gabi gelegt. Ins Krankenhaus gefahren. Drei Wochen hat Gabi ab da noch im Dämmer auf der Intensivstation des Krankenhauses noch gelebt. Angeschlossen an die Beatmungsmaschine, vollgepumpt mit chemischen Substanzen und Nährlösungen ... Im Koma war das ein langes Sterben bei Gabi. Ein langes Sterben. Bis die Ärzte meinten, das mit Gabi, das würde nichts mehr. Es wäre zu Ende. Die Maschinen wurden abgeschaltet. Fünfzehneinhalb war Gabi da erst alt. Auf der Krankenhausliege sah Gabi aus wie ihr eigener Schatten. Total eingefallene Wangen, wächserne, bleiche Haut. Wie Gabi ausschaute, stellte man sich eine Tote vor. Ich wollte es nicht glauben. Soni hatte einen Zusammenbruch.

Detektei Umschau: Traurige Geschichte.

Herr Dieter Johann Gleibt: Nach dem Tod Gabis waren Soni und ich nicht mehr lange zusammen. Mit jedem Tag konnten Soni und ich uns immer weniger ausstehen. Streit, Streit, Streit. Ich bin schließlich nicht mehr zu Soni und Sonja in die Wohnung, sondern bin über Nacht im Büro meines Ladens geblieben. Hatte da zwei Liegesofas. Mußte, wenn ich die zusammenschob, nicht alleine auf dem Sofa schlafen. So Mitte April, ein Vierteljahr nach Gabis Tod, ist Soni vormittags zu mir in den Laden gekommen. Auch mal wieder hat Soni sich bei mir blicken lassen. Hab ich zu Soni gesagt, daß ich ihr nicht einen müden Cent zahle, wenn sie nicht bei mir zur Arbeit kommt. Dann hat Soni mir auseinandergesetzt, daß sie mich verlassen möchte. Das wäre es mit unserer Ehe, sie verlange die Scheidung. Gründe dafür gäbe es genug. Fremdgehen, das würde ich ihr, Soni, fast ununterbrochen. Kein Rock wäre vom mich sicher. Das Lehrmädchen hätte ich mir im Oktober nur zugelegt, daß ich fest eine im Laden hätte, die ich besteigen könnte. Wissen Sie was? Ich habe Soni recht gegeben. Ich habe zu Soni gesagt, daß sie vollkommen recht hat. Ich und sie, wir sollten uns wirklich scheiden lassen. Wir hätten uns beide vielleicht sogar schon viel früher scheiden lassen sollen. Wegen den Kindern müßten wir lange nicht mehr zusammensein. Mona wäre neunzehn, Sonja dreizehn. Große Mädchen. Sie konnten bei der Mutter bleiben. Oder zu mir kommen. Wann immer sie wollten. Ganz, wie es ihnen beliebte. Sogar ganz wegbleiben konnten die beiden. In allen Punkten habe ich Soni zugestimmt, nur um Soni vom Hals zu kriegen. Die Wohnung konnte sie ganz haben, wenn sie sie wollte. Wenn sie eine Arbeitstelle in Aussicht hatte, würde ich den Vermieter anrufen, daß ich ausgezogen bin, meine Frau Soni würde die Wohnung übernehmen, die Miete von nun an zahlen. Mein Zeug habe ich von einer Möbelpackerfirma am nächsten Tag sofort abholen lassen. Keine langen Umstände mußte Soni sich deswegen machen. Eigentlich war alles nur noch unten drunten damals, in der Familie Gleibt. Sonja hatte mir ihren dreizehn Jahren einen zwanzigjährigen Freund. Sonja heulte rum, weil dieser Lars sie verlassen hatte. Ein Vierteljahr waren Lars und sie doch nur zusammen. Hat Sonja, die bei mir zu Besuch war, mich gefragt, warum Lars das machte, sie zu verlassen. Sage ich zu Sonja, wird wohl der Grund sein, daß sie jetzt dreizehn wäre. So erfahrene Mädchen mochte der Kerl vielleicht nicht. Jetzt würde Lars sich eben eine jüngere suchen. Hat Sonja mich angeglotzt, ist bei mir raus. Die Hintertüre meines Ladengeschäfts hat Sonja zugeworfen, daß ich Sonja hinterher bin. Aber Sonja war die Passage hoch schon über alle Berge. Hat Sonja Glück gehabt. 

Detektei Umschau: Ihre Familie hat Gabis Tod also überhaupt nicht gut verkraftet ...

Herr Dieter Johann Gleibt: O ja, irgendwie waren wir danach am Spinnen. Alle haben wir gesponnen. Voll gesponnen. Ramona, war die hysterisch, als die im Mai jenes Jahres zu mir gekommen war. Voll hysterisch war die. Ramona hat mir erzählt, Gabi hätte kurz vor ihrem Tod noch zu ihr, Ramona, gemeint, sie, Gabi, würde nicht tot sein. Sie, Gaby, würde nicht tot sein. Es würde der Tag kommen, da würde sie zu ihr, Ramona, kommen, zusammen mit ihrem Geliebten, demjenigen, den ich kenne würde. Der, der Trenchcoat trägt, wäre das. Mit dem, das hat Gabi gesagt, würde sie zu Ramona kommen. Aussaugen würden sie beide sie, Ramona, aussaugen; alles Blut würden sie und ihr Geliebter ihr aus dem Körper saugen. Bis zum letzten Tropfen. Dieser Horror hatte Ramona ziemlich erwischt, muß ich sagen. Ramona hat das ernst genommen. Ist ja auch eine Type, muß schon sagen. Kommt dir mitten im Wald aus dem Boden raus, plötzlich. Irgendwo ist er plötzlich da, steht dir gegenüber. Oder er ist im Zimmer deiner Tochter, im dritten Stock, kommt von draußen vom Fenster rein ... Anscheinend einer, dem kann man alles zutrauen.

Detektei Umschau: Er verfolgte Ramona immer noch ...?

Herr Dieter Johann Gleibt: Weil Ramona den 'Geliebten' Gabis und auch Gabi ständig überall blickte, wo Ramona nur hinschaute, mußte Ramona damals für ein paar Wochen in eine psychiatrische Klinik. Hat Ihnen das Ramona nicht erzählt? Ramona geht zu Psychiatern. Schon öfters war Ramona wochenlang in der Klinik. Daran anschließend, Ramona, zweimal die Woche einen Termin beim Psychiater. Für eine Doppelstunde.

Detektei Umschau: Nein, so hat Ihrer Tochter Ramona das uns gegenüber nicht erwähnt.

Herr Dieter Johann Gleibt: Sehen Sie, es ist doch für etwas gut, daß ich zu Ihnen gekommen bin, Ihnen was sage. Ah, damals, die Scheidung, die Scheidung zwischen Soni und mir, keine Trennung in bestem gegenseitigem Einvernehmen. An alles hatte ich damals bei den Terminen damals gedacht, nur nicht daran, daß Soni, meine Frau, die, die sich von mir scheiden lassen wollte, mich am Schluß auch um meinen Laden bringen könnte. Meine beiden Töchter Ramona und Sonja schlugen sich auf die Seite Sonis. Den Kontakt zu mir brachen Ramona und Sonja ab. Ramona bis heute. Ramona blieb fest bei Omi wohnen, Sonja zog mit Mutti Soni in Sonis neue Wohnung, obwohl ich Soni die alte überlassen hatte. Was ich mich ständig fragte. War ich in der Vergangenheit so gemein zu meinen Töchtern? Ich wußte inicht, daß ich denen viel angetan hätte. Daß beide nichts mehr von mir wissen wollten. Mußte der Einfluß Sonis sein, die nur noch ständig schlecht über mich geredet hat.

Detektei Umschau: Ihre Tochter Ramona, die war also viel in psychiatrischer Behandlung ...?

Herr Dieter Johann Gleibt: Sagte ich vorhin, ja. Wegen Gabi und Gabis Worten, die Ramona nachgingen. Und wegen diesem Mann, von dem Ramona sagte, daß er Gabis Geliebter war. Meine vierzehnjährige Tochter Gabi und diese schmierige, dreckige Type ... Es haut dir in den Kopf. Hätte ich doch nur irgendwie ein bißchen mehr mitgekriegt. Aber, von alldem wußte ich erst später so richtig was. Erst als alles zu spät war ...

Detektei Umschau: Wenn er aber Ramona auch ...? Ihre Tochter Gabi starb mit fünfzehneinhalb. Während ihre ältere Tochter Ramona heute eigentlich nicht ausschaut, als würde sie viel verfolgen. Zumindest äußerlich ist Ihrer Tochter Ramona nichts anzumerken, daß sie etwas hätte. Sicherlich nicht das, was Ihre Tochter Gabi hatte, die gestorben ist, nicht wahr? Jahre her schon wieder ...

Herr Johann Gleibt: Ja. Bei Ramona war alles wohl eher die Einbildung. Das, daß Gabi sie, Ramona, oder diese Figur, der im Trenchcoat, ein Monster ... Außerdem ging es eigentlich alles an mir vorbei. Um nichts konnte ich mich kümmern. Wollte auch nicht mehr viel von meinen Töchtern Ramona und Sonja wissen. Nachdem die so zu mir waren ... Ramona, Sonja und Soni, meine Ex, sind hier bei der Sache die eine Seite. Ich die andere. Trotzdem weiß ich was. Von Sonja. Bin schließlich ihr Vati. Sonja hat mich irgendwann mal angerufen. Eines Sommernachmittags. Manchmal treffe ich mich heute mit Sonja. Oder ich besuche Sonja. Da erzählt Sonja mir ein bißchen was von sich. Und dem Rest. 

Detektei Umschau: Was denn unter anderem, wenn ich fragen darf?

Herr Dieter Johann Gleibt: Da war was, als Ramona bei Soni Mutti gewohnt hat. Hat Ramona Ihnen davon was erzählt?

Detektei Umschau: Nein! Was denn? Daß viel bei ihrer Omi gewesen wäre, bei der Ramona wohnte, wissen wir nicht.

Herr Dieter Johann Gleibt: Dann soll ich es Ihnen erzählen?

Detektei Umschau: Klar!

Herr Dieter Johann Gleibt: Wenn Sie's interessiert ... Ramona war mit Sack und Pack zu Omi umgezogen. Fest hat Ramona bei Omi gewohnt. Das, was ich Ihnen jetzt erzähle, war damals Ende Mai. Samstag, Sonntag. Am Wochenende. Zeitlich ein halbes Jahr nach Gabis Tod. Ramona hatte gefeiert, daß die Bank, bei der sie sich beworben hatte, sie nehmen wollte. Bescheid hatte Ramona bekommen, daß sie ab erstem September eine Banklehre beginnen könnte. Mit ein paar Freunden, Freundinnen war Ramona durch die verschiedensten Diskotheken gezogen. Einer der Kerle ist nüchtern geblieben, hat alle kutschiert. Gegen halb drei Uhr, daß Ramona ziemlich mit Schlagseite nach Hause gekommen war. Ramona, die im Haus herumlärmte, hatte Sonis Mutti, ihre Omi, aufgeweckt. Reden wollte Ramona nicht viel mit ihrer Omi, aber Omi mußte Ramona helfen, das Klo zu finden, in ihr Bett hochzukommen. Schließlich war das geschafft, Ramona war oben auf ihrem Zimmer, lag in ihrem Bett, einen Eimer aus der Küche vorm Nachkästchen. Gut, Omi hatte gesehen, daß Ramona weggetreten war, hat bei Ramona im Zimmer das Licht ausgemacht, ist wieder die Stiege nach unten. In der Küche werkelte Omi noch ein bißchen herum, machte sich einen Tee. Dann wollte Omi auch wieder in ihr Bett. Da war Omi, unten am Flur plötzlich, sie höre da was, bleibt stehen, lauscht. Von droben aus dem Obergeschoß, aus der Richtung von Ramonas Zimmer, hörte Omi Stimmen. Einen Mann und eine Frau. Die weibliche Stimme, die gehörte Ramona. Eindeutig war das Ramona, Ramona, die wieder wach sein mußte. Wer aber war der Mann da bei Ramona? Wer unterhielt sich da mit Ramona? Niemanden hatte Ramona mit nach Hause mitgebracht. Alleine war Ramona heimgekommen. Hätte Ramona jemanden mitgebracht, hätte Omi den doch sofort zu Gesicht gekriegt. Aber, da war keiner bei Ramona. Obwohl Ramona das eigentlich tun hätte dürfen, einen netten jungen Mann mitbringen. Ramona war kein Kind mehr. Das, das doch plötzlich jemand im Haus und bei Ramona oben war, das ließ Omi keine Ruhe. Omi verstand das nicht. Fest geschlafen hatt Ramona, war fast bewußtlos im Bett gelegen. Ramona wie eine, die nichts anderes mehr tun konnte, als ihren Rausch auszuschlafen. Und jetzt war irgendein Mann bei Ramona. Das hätte sie, Omi, in der Küche mitkriegen müssen, hätte Ramona jemandem die Haustür aufgemacht. Die Dinge paßten Omi einfach nicht zusammen. Im Nachthemd machte Omi wieder auf, stieg die Hausstiege leise hoch. Vor Ramonas Zimmertüre begab sich Omi. Horchte drinnen auf Geräusche. Erst mal hörte Omi drinnen nicht viel. Als hätte es Omi was vorgemacht. Dann war da so ein Geräusch. Wie Saugen. Was Sexuelles. Vor der Tür blieb Omi. Für Omi war das ein Mann, der saugte. An Ramona? Die Türe von Ramona war schließlich nicht zu, hatte Omi vorhin selber leise nur angelehnt. Die Türe ist nach innen aufgeschwungen. Einen Blick hinein hat Omi riskiert. Mit auseinandergespreizten Beinen sah Omi Ramona am Bett, Ramona im Schein der nicht eben hellen Nachttischlampe mit weit offenen, starren Augen. Wie der Mann ausschaute, der sich damit beschäftigte, bei Ramona zwischen den Beinen herumzumachen und von dem die Sauglaute herkamen, das konnte Omi nicht fassen. Dem seine Beschreibung kannte Omi. Soni hatte ihr die gegeben, Sonis Kinder Ramona und Sonja auch. Einen altertümlichen Trenchcoat hatte der, der bei Ramona am Bett kniete, am Oberkörper an, einen schartigen Strohhut am Schädel. Noch dazu war der Kerl mit seinen Stiefeln in Ramonas Bett gestiegen. Omi konnte nicht anders, redete den einfach an: 'Was treiben Sie denn da, Sie -?' Hoch ruckte der Kopf des Unbekannten, nach der Seite verdrehte er den Kopf. Nach Omi schielte er. Dunkel besudelte Lippen hat Omi an ihm gesehen, von denen Soße lief - Blut. Ramonas Blut. Das Kinn lief es ihm herunter, tropfte auf das Bettlaken. Vom Bett schwang er sich runter, stellte sich auf die Beine. Nach Omi glotzte er ein paar längere Augenblicke hin. Machte jedoch keine Anstalten, auf Omi loszustürzen. Richtung offen stehendem Fenster ist die große Gestalt. Übers Fensterbrett kletterte er hinaus. In einem Moment war der im Trenchcoat, mit dem Strohhut am Kopf, draußen in der Finsternis verschwunden, als wäre er aus dem Oberstock hinuntergesprungen. Was Omi gesehen hatte, darüber schüttelte Omi den Kopf. Viel zu alt, gräßlich und heruntergekommen für Ramona fand Omi den. Als Omi schnell ans Fenster getreten war, hörte Omi am Kiesweg noch sich entfernende laufende Schritte. Statt die Polizei oder irgendwen anzurufen, kümmerte Omi sich um Ramona, Ramona, die starr ekstatisch geglotzt hat. Als hätte Ramona ungeahnte Wonnen kennengelernt. Aber Omi fand das, was sie bei Ramona schaute, alles andere als eine schöne Sache. Bei Ramona blutete es aus vier Wundmalen die rasierten Schamlippen heraus. Um Ramona kümmerte sich Omi, suchte dafür zu sorgen, daß bei Ramona die Bluterei aufhörte. Was gedauert hat.

Detektei Umschau: Das ist bei der Mutter Ihrer Ex-Frau Soni im Haus geschehen?

Herr Dieter Johann Gleibt: So hab ich es von Sonis Mutter erzählt gekriegt. In der Stadt hab ich sie zufällig mal getroffen. Mit Sonis Mutti hatte ich keinen größeren Streit. Sonis Mutti und ich sind in ein Café gegangen. Drinnen im Café sind wir auf das Thema Typ mit Trenchcoat gekommen. Das hat Sonis Mutti mir gesagt, daß diese Figur, die bei Ramona am Zimmer war, Ramona zischen die Beine reingebissen hat. Mit spitzen Zähnen. Total durchgeknallt. Als hätte er bei Ramona Blut rausgesaugt, das Blut ... Ekelhaft. Erst hatte Sonis Mutti an Sex gedacht. Daß der bei Ramona ... Sie wissen schon. Aber das viele Blut ... Den Notarzt hat Omi für Ramona rufen müssen. Weil zwar die Bluterei aufhörte, Omi Ramona aber einfach nicht zu sich brachte. Keinen Puls spürte Omi bei Ramona. Als wäre Ramona tot. Hätte der für sie unbekannte Mann Ramona mit seinem Blutsaugen umgebracht.

Detektei Umschau: Aber Ramona lebt. Heute lebt Ramona immer noch.  Nur Ramonas Schwester Gabi ist tot ...

Herr Johann Gleibt: Die herbeigekommenen Notärzte brachten Ramona mit Schocks wieder zu sich. Im Rettungswagen wurde Ramona ins Krankenhaus gefahren. Nach ein paar Infusionen ging es Ramona am Vormittag wieder voll gut. Ramona konnte nicht im Bett liegen bleiben, mußte schon wieder herumlaufen, klagte mir die eine Krankenschwester. Weiß ich, weil ich an dem Vormittag im Krankenhaus war. Ramona wollte mich nicht sehen, obwohl ich zu ihr hineingedurft hätte. Bin ich wieder gegangen.

Detektei Umschau: Was hat Ramona denn den Leuten gesagt, als Ramona bei Bewußtsein war?

Herr Johann Gleibt: Zu den Ärzten hat Ramona gemeint, daß sie sich an nichts mehr erinnere. Sie wisse von nichts mehr. An überhaupt nichts könnte sie sich erinnern. Darauf, daß ein großer Mann bei ihr im Zimmer gewesen sein sollte, könnte sie sich nicht entsinnen. Zurück bei Omi im Haus, hat Ramona sofort ihre Reisesachen gepackt, ist zu ihrer Mutti Soni abgereist. Sonis Mutti hat mir bei unserer Unterhaltung im Café gesagt, daß Ramona voll durch den Wind war. Gezittert hätte Ramona wie ein Espenlaub. Gleichzeitig war Ramona hochfahrend. Total hysterisch. Einen Geigerzähler hatte Soni Ramona mit der Scheckkarte kaufen müssen. Mit dem hat Ramona alle paar Stunden an sich herumgemessen. Weil - Gabis Körper hatte erhöhte Radioaktivität. Bei Ramona hatte der Geigerzeiger bei der ersten Messung einen solchen Ausschlag, lärmte, daß Ramona vor Panik herumgeschrien hat. Mutti, Sonja, Omi, alle sollten raus aus dem Zimmer, sofort. Zwei, drei Tage war Ramona noch ausgeflippt. Dann zeigte der Geigerzähler überhaupt nichts mehr an. Nur das, was ein normaler Mensch gewöhnlich ohnehin aushalten mußte. Vielleicht war der Geigerzähler beim ersten Messen Ramonas auch noch nicht richtig durch Ramona eingestellt. Die Laborwerte, die Ramon bei einer neuen Untersuchung einen Monat später mitgeteilt kriegte, wiesen keine Werte mehri auf, daß Ramona sich hätte Sorgen machen hätte müssen.

Detektei Umschau: Sie erzählen mir also, daß der Mann, von dem Sie wissen, daß er mit Ihrer Tochter Gabi zugange war, auch schon bei Ihrer Tochter Ramona war, Herr Gleibt? Ziemlich freie Schußbahn, wie Sie das sagen, daß er bei Ramona schon hatte. Jederzeit konnte er zu Ramona kommen, und Ramona hat ihm aufgemacht ...

Herr Dieter Johann Gleibt: Genau das. Er war bei Ramona, wie er bei Gabi war ... 

Detektei Umschau: Und, Herr Gleibt?

Herr Dieter Johann Gleibt: Schwer für mich, es auszudrücken. Er war bei Ramona, und Gabi, die war da schon tot. Bei Gabi sind vom Ausbruch ihrer Krankheit bis zu ihrem Tod nur ein paar Monate vergangen. Das mit Ramona aber ... Ramona hatte Sachen mit dem - und lebt seitdem wie sonst auch. Von Sonja weiß ich, daß Ramona sich von ihrem Hausarzt alle sechs, acht Wochen Blut abnehmen läßt. Im Labor wird Ramonas Blut regelmäßig untersucht. Und Ramona läßt sich das Ergebnis der Blutuntersuchung mitteilen. Ramona hat zu Sonja sogar schon gesagt, daß sie sicher nicht so sterben will wie ihre Schwester Gabi gestorben ist. Bis heute ist auch nichts von dem, was bei Gabi war, bei Ramona. Obwohl Ramona, sagt Sonja, immer wieder dem, von dem wir hier sprechen, begegnet. Er taucht bei Ramona in unregelmäßigen Abständen auf, und Ramona läßt ihn zu sich rein. Trotzdem ist bei Ramona nicht im entferntesten das ausgebrochen, was bei Gabi war. Auch nicht, obwohl Ramona die vergangenen Jahre jährlich mindestens einmal mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gefahren wurde ... Anämische Vorfälle gibt es bei Ramona. Wie Gabi sie hatte. Als hätten wir so was in der Familie. Sonja sagt aber, daß sie so was nicht hätte.

Detektei Umschau: Es sind bei Ramona die gleichen Vorkommnisse, sagen Sie, Herr Gleibt ... Sie wundern sich aber, daß bei Ihrer Tochter Ramona trotzdem nichts von dem ausbricht, was bei Ihrer Tochter Gabi war ... Verstehe ich Sie richtig?

Herr Dieter Johann Gleibt: Eigentlich müßte man Ramona danach fragen. Ich bin hier für alles fast der falsche Ansprechpartner. Ich bekomme die Dinge bei Ramona nur vom Hörensagen mit. Ramona hatte sich während der Zeit meiner Scheidung von Soni auf die Seite ihrer Mutter Soni geschlagen. Wie eigentlich auch Sonja, meine Jüngste. Nur daß ich heute zu Sonja ein ein wenig besseres Verhältnis habe. Sonja und ich telefonieren ab und zu miteinander, treffen uns mal für einen Plausch irgendwo. Auch mit Sonis Mutti kann ich noch das eine oder andere Wort wechseln. Trotzdem ... Wie es ganz genau zugeht, das müßte man Ramona fragen.

Detektei Umschau: Wissen Sie noch von irgendwelchen Vorkommnissen mit dem Mann im Trenchcoat und dem Hut? Mit jenem Mann, von dem wir wissen, daß er Drakonie Rupertus Wank heißt, umgangssprachlich Fransen genannt wird?

Herr Johann Gleibt: Ramona hat ihn sogar bei der Polizei angezeigt. Sogar öfters. Der Mann ist polizeilich bekannt. Habhaft geworden ist die Polizei seiner deswegen nicht. Auch nicht in der Geiersdorfer Gegend. Obwohl er dort bis heute gesehen wird, soviel ich weiß.

Detektei Umschau: Die Geiersdorfer Gegend ... Da, ganz in der Nähe, hat Ihre Tochter Ramona ihren Arbeitsplatz auf der Bank, Herr Gleibt ...

Herr Johann Gleibt: Ramona lebt dort. Ganz verstehe ich das nicht, wie Ramona auf die Idee gekommen ist, dorthin zu ziehen. He, die Landschaft dort war gut für ein paar Wochen Ferien am Bauernhof. Abwechslung vom Stadtleben war das damals. Soni und ich hatte gedacht, die Kinder müßten mal raus aus der Stadt, was anderes sehen. Ramona quengelte wegen Tieren, die sie gerne hätte ... Auf dem Bauernhof der Strauchingers gab es Katzen, Hunde, Schweine, Kühe; auch Ziegen hatten die Strauchingers mal ... Jedes Jahr war die Familie Gleibt dann in den Sommerferien bei den Strauchingers am Hof. Seit Ramona neun war ... Hören Sie, meine Tochter Ramona ist eine Bänkerin, die sich in Börsenfragen weiterbilden hat lassen. Eigentlich sollte meine Tochter an der Börse Handel treiben. Das wollte Ramona ja auch ursprünglich mal, an der Börse landen. Leider hat Ramona ihre eigenen Pläne geändert. Lieber hat meine Tochter dafür gesorgt, daß sie aufs Land versetzt wird. In die Geiersdorfer Gegend ...

Detektei Umschau: Zu uns hat Ihre Tochter Ramona gesagt, daß sie dorthin in die Filiale einfach versetzt wurde, Herr Gleibt ...

Herr Dieter Johann Gleibt: Nein, nein. Wie sollte das zugehen? Ramona hat was dafür gemacht, daß sie dorthin in die Bank kam. Hat sich extra dafür beworben, obwohl für Ramona perspektivisch eigentlich etwas anderes vorgesehen war. Statt dessen arbeitet Ramona heute in einer Bankfiliale, von der aus man im Auto in einer Viertelstunde, zwanzig Minuten nach Geiersdorf kommt. In ihrer Filiale steht Ramona hinter dem Schalter. Oder Ramona hat einen eigenen Raum, in dem sie ein paar Bankkunden in Aktiengeschäften berät. Nein, nein, dorthin versetzt hat Ramona keiner. Alle wollen sie in die großen Städte. Nur Ramona sich extra darum bemüht, in eine Filiale auf dem Land zu wechseln. Sogar in ein bestimmtes Gebiet. 

Detektei Umschau: Sie sagen uns, Herr Gleibt, Sie meinen - um IHM damit näher zu sein, jenem Mann im ewigen Trenchcoat, der auch oft Strohhut trägt? Jenem Fransen?

Herr Dieter Johann Gleibt: Denk ich doch mal. So sehe ich das. Sonst sehe ich eigentlich keinen Grund, daß eine wie Ramona aufs Land wollte, wenn Ramona eigentlich andere Vorlieben hätte ...

Detektei Umschau: Hm!

Herr Dieter Johann Gleibt: He, haben Sie schon mal mit Hänsel unterhalten, Josef Hänsel, Ramonas Freund?

Detektei Umschau: Mit wem - Hän-sel?

Herr Dieter Johann Gleibt: Na, mit Hänsel. Hänsel heißt der. Mit Familiennamen Hänsel. Wird aber auch Hänsel genannt.

Detekte Umschau: Kennen keinen Hänsel.

Herr Dieter Johann Gleibt: Ramona und der sind aber zusammen ... Müßten den doch kennen ...

Detektei Umschau: Nie direkt von dem gehört. Nein, kennen keinen Josef Hänsel. Ihre Tochter Ramona hat gemeint, sie wär solo, als sie sich mit unseren Detektiven unterhalten hat. Einen mit Klarnamen Josef Hänsel hat Ihre Tochter nicht erwähnt.

Herr Johann Gleibt: Hänsel und Ramona sind seit ungefähr einem Jahr dort unten in der Stadt zusammen. Einmal getrennt, zusammen, getrennt, zusammen. So geht das zu bei denen, soweit ich von Sonja weiß. Vielleicht waren Ramona und der sich wieder mal spinnefeind, als Ramona sich mit Ihren Detektiven unterhalten hatte. Persönlich kenne ich diesen Hänsel ja eigentlich auch nicht. Weiß das von Ramona und Hänsel nur, weil Sonja den erwähnt. Wegen Ramona telefoniert dieser Hänsel auch schon mal mit Sonja telefoniert. Um sich wegen Ramona Rat bei ihr, Ramonas jüngerer Schwester, zu holen. Hänsel hat Sonja erzählt, daß Ramona bei ihm immer so Launen hätte. Ohne daß groß vorher was gewesen wäre, wolle Ramona nicht mehr, daß er, Hänsel, sie besuche. Plötzlich unnahbar, Ramona, gereizt. Als würde Ramona ihn, Hänsel, nicht kennen. Wären sie nie ein Paar gewesen.

Detektei Umschau: Josef Hänsel heißt der?

Herr Johann Gleibt: Josef Hänsel heißt er, ja. Ehrlich, was Sonja von dem zwischen Hänsel und Ramona erzählt, kling das, als spiele Ramona mit diesem Hänsel ein Heiß-, Kalt-Spiel. Fast denke ich, wäre ich dieser Hänsel, ich hätte mich schon längst von Ramona verabschiedet. Ich meine, als Mann kann man sich auch nicht alles bieten lassen. Sonja sagt aber, mit diesem Hänsel kann Ramona das machen. Der geht weg, kommt aber bald wieder bei Ramona vor dieWohnungstür, winselt, er möchte zu Ramona reingelassen werden. Eigentlich hätte Hänsel schon gewollt, daß Ramona und er in einer Wohnung zusammen wohnen. Aber, Ramona, die will das nicht. Ramona wollte ihre Wohnung behalten, wie Hänsel die seine behalten sollte. Länger als ein paar Tage hat Ramona es diesem Hänsel bisher nicht erlaubt, bei ihr in der Wohnung bleiben zu dürfen.

Detektei Umschau: 'Jo-sef Hän-sel' ...

Herr Dieter Johann Gleibt: 'Hänsel', wie Hans bei 'Hänsel und Gretel'. Wissen Sie, da fällt mir was ein, was Sonja mir erzählt hat. Letzte Woche, da hat Hänsel wieder mal bei Sonja angerufen. Wegen Ramona. Hat Hänsel Sonja am Telefon was von einem Riesenschrecken erzählt, der ihm beinahe das Blut in den Adern gerinnen hätte lassen. Vor Schreck wäre er fast in Ohnmacht gefallen. Ramona und er, Hänsel, waren im Schlafzimmer von Ramonas Wohnung. Ramona und Hänsel waren miteinander im Bett. Hatten das miteinander gemacht, was man so miteinander macht, wenn man zu zweit ist. Hänsel mußte dann aufstehen, mußte schnell wohin. Auf die Füße hat Hänsel sich gestellt. Die Situation war die: Das Schlafzimmerfenster war zugeklappt. Der Rolladen draußen jedoch nicht heruntergelassen. Die Vorhänge waren auch nicht zugezogen. Da ist Hänsel, weil er dachte, da wäre was am Fenster. So ein komischer Umriß. Näher ans Fenster tritt Hänsel. Hänsel sieht tatsächlich Lippen, Lippen, die sich an der Fensterscheibe festgesaugt haben. Etwas, das komisch so Eckzähne sein konnte. Die Fratze eines Gesichts erkennt Hänsel. Weit aufgerissene, faszinierte Augen. Als Hänsel zu Ramona hin schreit, da wäre einer am Fenster, da trennen sich die Lippen vom Glas. Hänsel gewahrt die Visage eines kahlköpfigen älteren Mannes, so vierzig, fünfzig. Einen hellen Trenchcoat hatte der am Körper an, meinte Hänsel zu Sonja. Der grinste dann breit zu Hänsel herein. Ramona war auch an Fenster getreten, hatte das gleiche wie Hänsel gesehen. Gestöhnt hat Ramona, die Vorhänge schnell vorgezogen. Ehe Ramona zugezogen hatte, hat Hänsel noch mitgekriegt, daß der draußen sich einfach mit den Händen nach hinten wegstößt. Wie Spiderman hat er sich nach rückwärts hinunterfallen lassen. Sechs, sieben Meter ist es von dort am Fenster schon für jemand in die Tiefe gegangen, informierte Hänsel Sonja. Das Fenster hat Hänsel aufgerissen, um auf die Straße hinunterzuschauen, wo der gelandet sein könnte. Ob dem was passiert war. Angefaucht hat Ramona Hänsel, er soll das Fenster sofort wieder zumachen. Als Hänsel keine Anstalten machte, hat Ramona nach Hänsel hingefaucht, ist mit voller Wucht von der Seite nach Hänsel hingesprungen, daß Hänsel sich an der Wand abfangen hat müssen, um sich nicht den Kopf anzuhauen. Das Fenster hatte Ramona auf der Stelle zugeschmissen. Den Rolladen hat Ramona herunterschießen lassen, daß es knallte. Die Vorhänge hat Ramona zum Schluß auch noch vorgezogen. Den kurzen Moment, daß er, Hänsel, runtergeblickt hätte, meinte Hänsel zu Sonja, hätte er drunten keine Gestalt, irgendwas erkennen können.

Detektei Umschau: Wieder unser Mann, Herr Gleibt. Seine Beschreibung ...

Herr Dieter Johann Gleibt: Genau den, den hat Hänsel am Schlafzimmerfenster von Ramonas Wohnung gesehen. Die Polizei wollte Hänsel herbeirufen. Wegen dem, daß da ein Kerl da war. Einer, der die ganze Zeit vielleicht die ganze Zeit spannermäßig hereingegafft hatte, während Ramona und er, Hänsel ... Hat Ramona Hänsel nicht erlaubt, daß er die Polizei herbeiruft. Das Vorkommnis mit dem am Fenster hat Ramona gegenüber Hänsel total heruntergespielt. Wirklich, total heruntergespielt. Sie, Ramona, sie hätte da keinen Mann gesehen. Eigentlich war da keiner. Nur er, Hänsel, hätte so getan, als wäre da wer. Daß sie sich erschrocken hätte. Die Panik hätte sie gekriegt. Aber jetzt, wenn sie so darüber nachdachte. Sie könnte gegenüber keinem Polizisten behaupten, daß sie mit ihren Augen auch nur irgendwas gesehen hätte. Nur so Schatten. Schattenspiel. Da war wohl wahrscheinlich nichts. Hänsel sollte wieder ins Bett kommen, sich wegen der Sache nicht lange einen Kopf machen. Das am Fenster war sicher nichts. Nicht viel dahinter. Hänsel bestand zwar darauf, daß er gesehen hätte, was er gesehen hatte. Aber, die Polizei anzurufen, das hat Hänsel dann bleibengelassen. Das würde nicht wieder vorkommen, meinte Ramona auch; daß das sicher nicht wieder vorkommen würde. In einem Ton sagte Ramona das, als könnte Ramona darüber bestimmen, wann etwas vorkommt und wann nicht.

Detektei Umschau: Das ist für uns schon wirklich interessant, Herr Gleibt, daß Ihre älteste Tochter Ramona eine Beziehung zu dem Mann im Trenchcoat und mit Hut hatte und hat, den wir als Drakonie Rupertus Wank beziehungsweise Fransen kennen.

Herr Dieter Johann Gleibt: Tja, hat meine Tocher sicher einfach ein paar Einzelheiten weggelassen. Etwas zu erwähnen vergessen. Hat auch mit Ramonas Beruf zu tun. Da müssen Kunden auch schon ein bißchen selber recherchieren, ob alles so ist, wie Ramona es ihnen mitteilte. Was risikolose Börsengeschäfte angeht ... Oder sie erfahren es von jemand anders, wie zum Beispiel Sie dadurch, daß ich bei Ihnen vorbeikomme. Oder man macht schlechte Erfahrungen. Wenn die Börsenkurse sinken, und man nicht verkauft hat, solange der Preis noch über dem Preis war, zu dem man das Papier gekauft hatte. Dann hat man wirklich Geld verloren ... Aktienkurse muß man im Auge haben.

Detektei Umschau: So, wie es Ihrer Tochter Gabi am Schluß ging, so was haben Sie bei Ramona nicht erlebt? Ihre Tochter Gabi lebt ja nun schon seit Jahren nicht mehr, ist nach so eineinhalb Jahren verstorben, nachdem Sie die Bekanntschaft mit dieser Person gemacht hatte. Während sich das mit Ihrer älteren Tochter Ramona jetzt bereits über eine längere Zeit hinzieht. Verstehe ich das richtig, wovon Sie mir was erzählen. Eigentlich bis heute. Mehrere Jahre. Ohne daß Ramona ernstlicher erkrankt wäre. Mit dem Tod ringt Ramona nicht gerade.

Herr Dieter Johann Gleibt: Weiß das auch nicht, was das ist. Stimmt, Gabi ist seit Jahren tot. Während Ramona. Wäre alles bei Ramona wie bei Gabi, müßte Ramona jetzt länger tot sein.

Detektei Umschau: Oder er begegnet Ramona. Dann läßt er sie länger wieder in Ruhe. So ähnlich. Oder, was sagen Sie?

Herr Dieter Johann Gleibt: Könnte sein. Nur, was hat man davon ...?

Detektei Umschau: Andere Frage: Warum meldet sich Ramona, Ihre älteste Tochter, bei uns, der Detektei Umschau, Herr Gleibt, wenn sie mit IHM eigentlich in einer engeren Beziehung steht ...? Warum kommt Ramona zu den Leuten von der Detektei Umschau?

Herr Johann Gleibt: Jetzt, jetzt macht Ramona das eigentlich nicht mehr, mit irgend jemandem der Detektei Umschau zu sprechen, oder? Jetzt wurde das für Sie doch durch meine frühere Frau Soni ziemlich erschwert, an Ramona heranzukommen. Meine Ex-Frau hat ihren Star-Anwalt ins Spiel gebracht. Der verhindert weitere Begegnungen Ihrerseits mit Ramona. Oder sehe ich das anders?

Detektei Umschau: Nein. Das stimmt schon.

Herr Dieter Johann Gleibt: So! Schön, mit Ihnen gesprochen zu haben. Ich geh jetzt dann wieder. Ich meine, ich gebe Ihnen einen einfachen Rat: Behalten Sie meine Tochter Ramona im Auge. Bei Tag und bei Nacht. Bei Ramona sind Sie nicht auf der verkehrten Spur ... Habe die Ehre!

 

Das war die Unterhaltung mit Herrn Dieter Johann Gleibt mit Herrn Augustin.

Herr Dieter Johann Gleibt, Herr Doktor Weil-Esch, hat zugesagt, mit uns von der Detektei Umschau in Verbindung zu bleiben. Sobald Herr Johann Gleibt wieder interessantere Details erfährt, wird er die Detektei Umschau darüber unterrichten. Außerdem dürfen wir von der Detektei Umschau Herrn Dieter Johann Gleibt jederzeit auf seinem Smartphone anrufen.

Dafür werden wir von der Detektei Umschau nicht nur um die Geschichte bei Ramona uns kümmern, sondern auch die Verhältnisse bei Herrn Dieter Johann Gleibts Ex-Frau Sonja ausleuchten. Insbesondere, was den derzeitigen Lebenspartner von Herrn Gleibts Ex-Frau anbetrifft.

 

 

Damit verbleibe ich, 

mit freundlichen Grüßen

 

 

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Anlage

1 Speicherstick (der Mitschnitt der Unterhaltung Herrn Augustins mit Herr Dieter Johann Gleibt, dem Vater von Gabi und Ramona.)"

 

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