"Briefprotokolle der Detektei" (09.01. - 02.02.), No. 3
Schreiben der Detektei Umschau an Herrn Doktor Weil-Esch, Datum: 02.02.xxxx
"Sehr geehrter Herr Doktor Weil-Esch,
das will ich weiter nicht verhehlen, daß wir, wir von der Detektei Umschau, davon überrascht wurden. Es läßt sich aber nicht von der Hand weisen, es hat in der Mordsache Josef Greitel eine Festnahme gegeben.
Wie es für die breite regionale Öffentlichkeit dort aussieht, ist mit dieser Verhaftung der Mordfall durch die Polizeibehörden aufgeklärt. Jedenfalls informierten darüber sämtliche Nachrichtenmedien der Region. Die Zeitungen im Einzugsgebiet mit ihren Lokalseiten, die örtlichen Radiosender und das Regionalfernsehen.
Der Festgenommene hat seine Untat außerdem gegenüber den Polizeibeamten gestanden.
Während den polizeilichen Verhören hat er zugegeben, daß er Herrn Josef Greitel umgebracht hat. Das Motiv für die Tat: Haß.
Unser Problem bei der Sache, Herr Doktor Weil-Esch, UNSER Mann ist der nicht. Von dem, den wir als Mörder vermutet haben, ist hier in dem Fall nicht im mindesten die Rede.
Der Täter ist jedoch jemand, wohnhaft in Geiersdorf. Sein Beruf: Er bewirtschaftet einen Bauernhof mit ein paar Hektar Grund.
Damit Sie es sich bildlich vorstellen können, Herr Doktor Weil-Esch: Oberhalb des Hofes der Familie Strauchinger hat dieser Mensch sein Haus mit Garten und Scheunen. Seine Hangfelder grenzen an die Felder Strauchingers.
Berthold Tähl heißt er mit Namen.
Die Beweise, die für die Täterschaft Tähls sprechen, sind erdrückend. Daß bereits ein reiner Indizienprozeß, in dem Herr Berthold Tähl des Mordes angeklagt würde, zu einer Verurteilung wegen Mordes führen müßte. Aber: Die Staatsanwaltschaft hat Seit Montag hat die Staatsanwaltschaft jetzt ein Geständnis aus dem Mund dieses Tähls.
Jetzt möchte ich, Herr Doktor Weil-Esch, hier in diesem Schreiben ein wenig in die Tiefe gehen. Ein weniges was die Frage beantworten: Wer ist dieser Tähl?
Und: Wie könnte es dazu kommen, daß Berthold Tähl auf die Idee gekommen wäre, Herrn Josef Greitel zu knebeln und zu fesseln und auf drei angespitzte Holzpfähle aufzusetzen? Herrn Josef Greitel auf eine brutale Art und Weise umzubringen, die an eine Hinrichtung aus dem tiefsten Mittelalter erinnert?
Die gesamte Problematik zwischen Herrn Berthold Tähl und Herrn Josef Greitel hat ihren Anfang vor zweieinhalb Jahren. Auf dem jährlich stattfindenden Geiersdorfer Mittsommerfest hat Josef Greitel alias Beppi oft mit Babsi Tähl getanzt.
Babsi Tähl ist die Tochter von Herrn Berthold Tähl. Herrn Berthold Tähls einziges Kind. Sein Ein und Alles. Berthold Tähls Augapfel.
Barbara Hilde Tähl, so heißt Babsi mit ganzem Namen, ist mit einer geistigen Behinderung auf die Welt gekommen.
Die Nabelschnur hatte sich im Mutterleib irgendwann immer wieder mal um Babsi Tähls Hals gewickelt. Was die Kinderärztin bei der Untersuchung Brunhilde Tähls, der werdenden Mutter, zufällig während der Ultraschalluntersuchung entdeckte, war, daß sich das kleine Kind im Mutterleib die Nabelschnur anscheinend selber um den Hals legte, sich würgte.
Im Kreiskrankenhaus wurde Babsi Tähl auf Anordnung der ansagenden Stationsärztin per Kaiserschnitt geholt. Praktisch in allerletzter Sekunde. Denn das Ungeborene war dabei, sich knapp vor Ende des sechsten Monats im Mutterleib mit der eigenen Nabelschnur zu erwürgen.
Ehrlich, Herr Doktor Weil-Esch, ganz genau haben meine Mitarbeiter und ich nicht den Überblick, wie das bei Babsi Tähl zugegangen sein könnte. Will das mal so formulieren: Was es nicht alles gibt auf der Welt. Nachdem das Baby Babsi aus ihrer Mutter herausgeholt worden war, stellte man fest, daß die Stationsvorsteherin die Situation genau richtig einschätzte. Nicht viel länger hätte das Baby im Leib ihrer Mutter bleiben dürfen. Die Nabelschnur hatte sich fest um den Hals des Neugeborenen zusammengezogen. Obwohl die Nabelschnur sofort mit einem präzisen Skalpellschnitt durchtrennt worden war, sah es unglücklich aus. Daß Babsi den Zeitpunkt ihrer Geburt überlebte, hatte sie der Chefärztin zu verdanken, die nicht aufgab. Mit Hilfe einer händischen Herz-, Lungenmassage holte die Frau Babsi Tähl doch noch ins Leben zurück. Auf der Geburtenstation kam das Baby Barbara Hilde dann in den Brutkasten, wurde dort an eine Beatmungs- und Herzstimulationsmaschine angeschlossen und mit Nährlösung aufgepeppelt.
Äußerlich war dem kleinen Mädchen Barbara Hilde nie viel von der Tatsache anzusehen, daß es schon bei der Geburt dem Tod nur knapp von der Schippe gehüpft war. Aber das Gehirn des neugeborenen Babys hatte für ein ausreichendes Weilchen eine Unterversorgung mit Sauerstoff erlitten. Daß Barbara Hildes Eltern mitgeteilt werden mußte, daß es bei Klein Babsi zu einer Gehirnschädigung in bestimmten Arealen gekommen war.
Bei Babsi Tähl bekamen Leute immer erst auf dem zweiten Blick mit, daß bei Babsi Tähl etwas anders war. Weil Babsi Tähl ein hübches Kind und heranwachsendes Mädchen war. Überhaupt nicht behindert, daß Babsi Tähl aussah. Trotzdem war es nichts mit einem normalen Kindergarten, und Babsi Tähl mußte nach der Einschulung bald auf die Sonderschule gehen.
Um die Verhältnisse bei Babsi Tähl noch besser verdeutlichen: Babsi Tähl konnte erst mit sechs Jahren laufen. Die Jahre vorher krabbelte Babsi Tähl am Boden herum. Eingeschult wurde Babsi Tähl eilig mit acht. Wobei die Lehrer an der normalen Grundschule schon im Verlauf der ersten Klasse feststellte, daß Babsy nicht mit den anderen mitkam.
Das heißt aber nicht, daß Babsi nicht in der Lage gewesen wäre, überhaupt nicht Lesen und Schreiben zu lernen. Nur am Tempo beim Lernverständnis haperte es bei Babsi. Und Babsi merkte, daß bei ihr etwas los war. In der Schulklasse wurde Babsi mit jedem Monat immer renitenter, haute schon mal wie einer der Knaben nach ihrer Sitznachbarin. Bis Babsi alleine an ihrem Platz hinter der Schulbank hockte.
Mitten im Schuljahr war es soweit, daß die Schulleitung Babsis Eltern einen Schulwechsel antrugen. Am Schluß, daß beide Elternteile das Problem einsahen, dem zustimmten. Ab dem Moment mußten die Eltern Tähls damit leben, daß ihre Tochter Babsi auf eine Behindertenschule ging.
Obwohl, bei Babsi Tähl wäre dann am Ende vieles eigentlich nie richtig schlimm gewesen. Denn Babsi Tähls Vater war Bauer von Beruf. Babsi Tähl hätte, wenn sonst nichts Größeres aus ihr werden konnte, auch Bäuerin am Hof ihres Vaters werden können. Ein Interesse, das Babsi Tähl durchaus hatte. Bestens verstand Babsi Tähl sich mit Tieren. Beim Kühemelken stellte Babsi Tähl sich erstklassig an. Den Stall auszumisten, das hätte Babsi Tähl am liebsten den ganzen Tag gemacht. Nur, Bauer zu sein, das war auch ein Geschäft. Die Hofbesitzerin mußte rechnen können. Wissen, wieviel Geld am Konto war. Mit einem Rechner hätte Babsi auch zurechtkommen müssen. Immer setzte es irgendwann irgendwo bei Babsi aus, wenn es in einer Sache weitergehen hätte sollen.
Das hieß, Babsi brauchte einen tüchtigen, liebe- und verständnisvollen Mann in ihrem Leben.
Bloß, wo gab es den? Wenn alle bei Babsi immer nur an das eine dachten. Babsi Tähl, alles andere als übel, was ihr Äußeres anging.
Babsi Tähl entwickelte sich zu einem hübschen Mädchen. Das überdies frühreif war. Bei dem DAS bestens funktionierte. Schnell mit jedem.
Schon mit neun, zehn waren Babsis Vater Bertold und Mutter Hilde dahinter her, junge, ältere Kerle von Babsi, ihrem Kind, fernzuhalten. Babsi, ein Mädchen, viel zu naiv und zu allem bereit, wenn man nicht auf sie aufpaßte.
Mit jedem, der freundlich zu ihr war, daß Babsi Tähl ins Gebüsch oder sonstwohin mitging. Wodurch es tatsächlich zu ein paar Sachen kam. In denen Babsi Tähl neben dem einen oder anderen Knaben, jungen Mann die Hauptrolle spielte.
Daß DAS Babsi Tähl großartig in Mitleidenschaft gezogen hätte, davon konnte nicht die Rede sein. Vielmehr sah Babsi Tähl aus wie das blühende Leben. Sahen die in der Nachbarschaft Babsi Tähl an, sah Babsi Tähl wie unberührt aus. Nur daß die Tähls, ihre Eltern, mit dem schlechten Ruf der Tochter zurechtkommen mußten, Hinter dem Rücken der Tähls, daß ihr Mädchen Babsi eine läufige Hündin genannt wurde. Hob einer bloß den kleinen Finger, war Babsi Tähl sofort zu allem bereit. Bückte sich nieder. Oder hockte sich auf ihn drauf. Am besten verpaßte Vati Tähl seiner Babsi mal einen Keuschheitsgürtel, statt in der Nachbarschaft in der Gegend herumzumaulen.
Vor dreieinhalb Jahren geschah am Hof Berthold Tähls das größte Unglück. Babsis Mutti, Frau Brunhilde Tähl, starb überraschend. An einer Sepsis.
Ein unfaßliches Unglück für Herrn Berthold Tähl.
Nur eine weiße Blase hinten an der Ferse hatte Brunhilde Tähl gehabt. Sonst nichts. Genervt davon, daß Brunhilde Tähl mit den Fingern die Blase aufgedrückt und die Haut weggerissen hatte. Auf die Idee, daß Brunhilde später daran sterben könnte, weil sie das gemacht hatte und sich nicht um die Sauberkeit der Wunde kümmerte, darauf wäre keiner in ihrer Umgebung gekommen. War auch wirklich nicht das erstemal, daß Brunhilde mal eine Blase wo hatte. Das Problem war, daß Brunhilde Tähl nicht zum Doktor ging, auch als sie sich nicht mehr wohl fühlte. Außerdem brauchte ihr Mann Berthold Brunhilde am Hof.
Ab dem Zeitpunkt des Todes seiner Frau Brunhilde mußte Herr Berthold Tähl alleine mit allem am Bauernhof zurechtkommen. Besonders auch mit seiner Tochter Babsi. Babsi Tähl, die an jedem Finger einen Verehrer hatte, Verehrer, die immer nur eins von Babsi wollten. Dabei trug Babsi kein Schild vor dem Bauch: 'Nimm mich - jetzt sofort'. Unter den Fittichen ihres Vaters Berthold kleidete Babsi sich sogar noch weniger aufreizend als früher. Nur mehr triste, weite Latz- und andere Arbeitshosen kleideten Babsi, wie Vati Berthold sie auch trug. Weit und breit keine Röcke mehr.
Nur, es half nicht viel. Der Ruf Babsis war einfach so. Daß für Berthold Tähl nicht dagegen anzukommen war. Alle paar Tage erwischte Vati Tähl Babsi mit einem, der dafür gesorgt hatte, daß Babsi ihn zu sehen kriegte. Ein Wink genügte, Babsi kam zu ihm. Und der Rest war nicht allzu schwierig.
Der Kerleauftrieb bei Babsi war irgendwann dermaßen schlimm, daß Vater Berthold Tähl die Idee hatte, seine vierzehneinhalbjährige Tochter Babsi zu verheiraten. Damit Babsi ganz offiziell einen Ehemann hätte. Einen am besten, der eifersüchtig werden konnte. Über seine junge Frau wachte. Einer, der unappetitlich wurde, wenn Kerle mal wieder doof bei Babsi ankamen, als müßten einer bei Babsi nur kurz was ansagen, und es geschah das Gewünschte kurz drauf hinterm nächsten Busch.
Bloß ergab sich nichts nach Vati Bertholds Wunsch. Obwohl er einige Hochzeiter am Hof hatte. Kein einziger der möglichen Ehemänner Babsis verweilte für länger bei Herrn Berthold Tähl und seiner Tochter Babsi. Das mit dem Abgang eines Kerls war für Berthold Tähl immer mehr eine unerfreuliche Sache, eine mit bösem Nachgeschmack. Fast sah es aus, als wäre Babsi für die Männerwelt nur ein schöner Körper, den man kurz zur schnellen Befriedigung gebrauchen konnte. Nicht viel anders als eine Sexpuppe aus dem Shop in der Stadt. Die man der Schachtel auspackte, der man die Beine auseinandermachte. Die Puppe blieb so, wie man sie zurechtmachte, bis man selber so weit war. Und wenn man fertig war, packte man die Plastikpuppe wieder in die Schachtel zurück. Babsi war aber kein Gebrauchsgegenstand, den man benutzen und schnell wieder weglegen könnte, sondern ein lebender Mensch, teilte Berthold Tähl dem einen oder anderen auch mit einem tätlichen Angriff mit.
Dann passierte Beppi Babsi Tähl.
Auf dem Geiersdorfer Mittommerfest lernte Babsi Tähl, die sich mal vom Tisch ihres Vaters Bertholds und einigen Verwandten davongemacht hatte, Josef Greitel, kennen. Josef Greitel alias Beppi, der alleine auf dem Dorffest war. Das heißt, Herrn Josef Greitel hatte schon ein paar Begleiter, irgendwelche Freunde, Saufkumpane. Nur eine, die befand sich nicht an Beppis Seite: Klärchen. Klärchen Tabert kam diesesmal nicht in Beppis Begleitung. Obwohl Klärchen Tabert solche Dorffeste ebenso wie Frühlings- und Volksfeste durchaus schätzte, um sich der Welt in der volkstümlichen Frauentracht der Region zu zeigen. Eine Tracht, vom Schneidermeister ihres Vertrauens dem Körper Klärchen Taberts angepaßt. Dem Trachtenkenner ließ Klärchen Tabert erkennen, daß sie die Tochter eines reichen Ökonomen war, verlobt.
Bloß, Klärchen Tabert fehlte an Beppis Seite. Verlassen von Klärchen trug Beppi auch keinen Trachtenanzug, sondern lässige Allerweltskleidung.
Schwer zu sagen, welche Überlegungen Josef Greitel alias Beppi bereits wälzte, nachdem ihm Babsi Tähl ins Auge fiel. Vielleicht, daß Beppi von einem Kumpel was von den Vorzügen Babsi Tähls ins Ohr geflüstert kriegte. Obwohl: Möglicherweise wußte Beppi darüber Bescheid, was mit Babsi Tähl los war. Babsi Tähl, in solch großer Entfernung von den Tabert-Leuten wohnte sie nicht. Jedenfalls, Babsi Tähl war eine, die für ihr Leben gerne tanzte. Und an dem Abend tanzte Babsi Tähl nur noch mit Beppi. Ausschließlich Augen für Beppi hatte Babsi Tähl, Beppi, der sie führte.
Sicher sah auch Berthold Tähl, daß seine Tochter andauernd mit Beppi am Tanzboden herumhüpfte. Daß der Rest der Kerls abgemeldet war. Beppi gestattete auch keinem anderen mehr einen Tanz mit Babsi Tähl.
Ab dem Abend auf dem Geiersdorfer Mittsommerfest traf Beppi sich regelmäßig mit Babsi Tähl.
Erst schien es Herrn Berthold Tähl und den Verwandten von Herrn Tähl, Beppi wäre anders als die anderen, die um Babsi Tähl herumschlawinerten. Beppi ließ sich Zeit mit Babsi. Oder Beppi hatte noch nicht recht die Zeit für Babsi Tähl. Nichtsdestoweniger, Herr Josef Greitel alias Beppi stellte sich am Schluß als der Schlimmste von allen heraus, die sich je an Babsi Tähl herangemacht hatten.
Natürlich fing Herr Josef Greitel an, Babsi Tähl zu lieben, aus der körperlichen Sicht gesehen. Beppi, jedoch irgendwie nicht so unschicklich, plump in der Vorgehensweise, daß Berthold Tähl deswegen einen Tobsuchtsanfall gekriegt hätte. Wohltuend an dem Zusammensein seiner Tochter Babsi mit Beppi empfand Herr Tähl auch die Tatsache, daß seine Tochter Babsi nirgends mehr ohne Erlaubnis herumstreunerte, bei ihm blieb, ob im Haus oder im Stall. Jedes weitere Abenteuer, über die mit Beppi hinaus, waren bei Babsi gestrichen.
Nach einem dreiviertelten Jahr ereignete es sich, daß Beppi Babsi fast täglich abends mit dem Auto abholte, mitnahm. Mit Babsi, daß irgendwohinfuhr, um mit Babsi auszugenen. Nur am Wochenende brachte Beppi Babsi erst früh morgens wieder nach Hause. Worüber Berthold Tähl, Babsis Vati, sich jedoch zu wundern begann, wie verwirrt Babsi tagsüber wirkte. Dinge fielen Babsi aus der Hand. Oder Babsi stand rum wie ein ausgeschalteter Roboter, die Augen weit aufgerissen. Immer mehr verließ Babsi ihre Fröhlichkeit, Natürlichkeit, stellte Herr Berthold Tahl, Babsys Vater, besorgt fest.
Für Herrn Berthold Tähl ergab sich trotzdem kein schlüssiges Bild. Was Babsi mit und bei Beppi erlebte, von dem erzählte Babsy ihrem Vater Berthold Tähl kaum mehr was Besonderes. Babsis fröhliches Getue schien aufgesetzt, ihr kindliches Geplapper noch kindlicher als sonst.
Herr Berthold Tähl konnte sich nicht recht vorstellen, was Babsy denn abends oder wochenends bis in der Frühe an der Seite Beppis auf Rolle trieb, daß es Babsi dermaßen herunterzog, einmal mehr, einmal weniger in ein Häuflein Elend verwandelte. Nur eines fiel Herrn Berthold Tähl von Mal zu Mal auf: Herr Josef Greitel alias Beppi war ihm, Babsi Vati, gegenüber kurzangebunden, distanziert und von oben herab. Nur noch selten kam Beppi zu ihm ins Haus herein, als würde es drinnen stinken. Wenn Herr Josef Greitel nach seiner Ankunft mit seinem Protzauto auf dem Hof schon mal von der Haustüre her nach Babsi schrie, wirkte die Schreierei ungeduldig, Marke Befehlston am Kasernenhof. Als könnte Herr Josef Greitel, erschiene Babsi nicht auf der Stelle, was Babsi sich jedoch nie erlaubte, doch sofort ins Gebäude hineinmachen. Alles um sich herum vergessend. Um mit ein paar Maulschellen für Babsi dafür zu sorgen, daß Babis hinaus- und mitkäme. Herr Berthold Tähl fand bei der ganzen Sache durchaus, daß Beppi langsam ganz vergaß, daß Babsis Vater Berthold nicht weit war.
Schließlich passierte es, daß Berthold Tähl als Babsis Vati dazwischenkam, zu Beppi meinte, Babsi, die wäre nicht sein Hündchen, das folgen müßte. Sich so gegenüber Babsi aufzuführen, das sollte Beppi lassen, wenn Beppi wünschte, daß Babsi mitfuhr.
Wie Berthold Tähl sich ihm gegenüber aufgebaut hatte, schien Beppi schon zu beeindrucken. Trotzdem blieb Babsi nicht hinter ihrem Vati Berthold stehen, sondern gehorchte mit geröteten Wangen Beppis Wink. Nach diesem frühabendlichen Vorkommnis zwischen Beppi und Babsis Vater Berthold Tähl geschah es, daß Babsi, kurz erst sechzehn Jahre alt geworden, nicht wieder heimkam. Einen Tag, zwei Tage, drei Tage.
Am vierten Tag machte sich Herr Berthold Tähl, Babsis Vater, dann auf die Suche nach Beppi. Sogar zu den Taberts auf den Hof begab sich Berthold Tähl. Ohne Josef Greitel alias Beppi vorzufinden. Herr Josef Greitel war für Herrn Berthold Tähl nirgends aufzutreiben. Auch in seiner Stadtwohnung war Greitel nicht.
Herr Berthold Tähl schaltete wegen Babsi die Polizei ein. Die Fahndung der Polizeibeamten war schnell erfolgreich, zumindest, was Herrn Josef Greitel anbetraf. Josef Greitel war bei den Beamten alles andere als schweigsam. So erfuhren die Polizisten, die die Nachrichten später an Babsis Vater Berthold weitergaben, daß er, Greitel, mit Babsy Tähl zusammen regelmäßig die Swinger-Klubs der Umgebung abklapperte. Von Frühabends bis in die Morgenstunden hinein. In den Klubs, daß Greitel Babsi für eine feste Prämie pro Nase verlieh. Babsi war eine, reich bevölkert. Für Babsi war das ein Spaß, meinte Greitel. Babsi konnte und wollte ständig. Herrschte wo in einem Klub Frauenmangel, kriegte Greitel einen Anruf, und Greitel fuhr mit seinem Wagen und mit Babsi los. Babsi war in jedem Sex-Klub immer und zu jeder Zeit ein Star. Zwanzig Minuten, eine längere Pause brauchte Babsi nie, war der Andrang groß.
Alle Geldprämien, die Herr Josef Greitel über ein Jahr lang für Babsi Tähls Dienstbarkeit am Mann erhielt, gingen fast zur Gänze für Josef Greitel Spielsucht drauf. Eigentlich hätte Josef Greitel dafür sorgen müssen, daß Babsi Tähl ihm nicht abhandenkam. Bloß, Josef Greitel wußte beim Verhör auf der Polizei nichts zu erzählen, was den Verbleib Babsi Tähls anbetraf.
Bereits seit Tagen wüßte er, Josef Greitel, nicht mehr, wo Babsi Tähl sich aufhielt, sagte Greitel den Polizisten, die ihn verhörten. Obwohl Babsi Tähl immer eine gewesen war, auf die er, Greitel, sich wirklich verlassen hatte können. Eine wie keine.
Josef Greitel sprach weiter davon, daß er Babsi Tähl, war Wochenende, morgens immer mit dem Wagen nach Hause fuhr. Oder er, Greitel, ließ Babsi Tähl, damit ihr Vater sich keine größeren Sorgen machte, bei Vater Berthold Tähl daheim am Bauernhof anrufen.
Was Herr Josef Greitel darüberhinaus gegenüber den Polizeibeamten aussagte, war folgendes, daß Babsi Tähl ihm im Klub Rosa weggelaufen wäre. Aus dem Klub Rosa wäre Babsi Tähl verschwunden. Als er, Beppi, Babsi Tähl im Klub Rosa suchte, war weit und breit keine Babsi Tähl mehr vorzufinden. Anscheinend war Babsi Tähl, wegen der Auseinandersetzung mit ihrem Vater Berthold, die er, Greitel, am Vorabend hatte, wirr im Kopf. In ihrer Wirrnis wäre Babsi Tähl im Laufe der Morgenstunden mit jemandem anderem mitgegangen, der Babsi Tähl gefragt hatte, ob sie, Babsi, nicht mit ihm mitkommen wollte. Anders wäre das für ihn, Greitel, nicht zu erklären.
Der Klubbesitzer des Klub Rosa bestätigte Herrn Josef Greitels Darstellung. Auch Thomas und Regine, den Mitarbeitern der Detektei Umschau, gegenüber.
Gegen halb zwei Uhr nachts sei Herr Josef Greitel aus dem Klub Rosa weggefahren. Im Klub Rosa wären zu der Zeit weiter drei Männer gewesen, die er, der Besitzer des Klubs Rosa, schon zwei, drei Tage verschärft ins Auge gefaßt hatte. Einer dieser Kerle hatte eine besondere Vorliebe für Babsi Tähl. Immer nur Babsi Tähls Nähe, deren Nähe er suchte. Mit Babsi Tähl, daß er nach nebenan ging. Immer wieder. Um mit Babsi Tähl alleine in einem Raum zu sein. Als Josef Greitel, der Pokerspielen gewesen war, gegen halb fünf Uhr morgens in den Klub Rosa zurückkehrte, nach Babsi Tähl schaute, war Babsi Tähl für Herrn Greitel nicht mehr im Klub aufzufinden.
Vom Besitzer des Klub Rosa ließ Josef Greitel sich die Aufnahmen der Überwachungskameras vorführen.
Auf den Kameraaufnahmen waren die drei Kerle, von denen hier die Rede ist, um kurz nach vier Uhr am Morgen zu sehen, wie sie vorne aus dem Klub Rosa rausgingen. Ohne Babsi Tähl.
Fünf Minuten nach dem Trio spazierte Babsi Tähl in einem sehr kurzen Blümchenminirockkleid beim Klub Rosa zur Vordertür raus. Aus ihrer Handtasche holte Babsi Tähl eine Zigarettenschachtel. An der frischen Luft zündete Babsi Tähl sich eine Zigarette an, stand rauchend herum. Dann entfernte sich Babsi Tähl, die alleine blieb, vom Eingang in den Klub Rosa. Auf dem mit Steinfliesen ausgelegten Weg schritt Babsi Tähl zwischen die Unübersichtlichkeit der Stauden dort.
Herr Josef Greitel sprach davon, mehrere Tage lang die Klubs der Umgebung abgegrast zu haben. Jeden hätte er, Greitel, dort getroffen, nur Babsi Tähl hätte er dabei nicht wiedergefunden. Babsi Tähl blieb für ihn, Josef Greitel, unauffindbar.
Weil er ein junges Mädchen mit geistiger Behinderung der Prostitution zugeführt hatte, wurde Herrn Josef Greitels Bewährung aufgehoben. In der Strafsache Babsi Tähl kam es zu einer Gerichtsverhandlung, in der Herr Josef Greitel zu vier Monaten verurteilt wurde.
Ingesamt hätte Herr Josef Greitel, rechnete man die ehemals auf Bewährung ausgesetzte Strafe hinzu, zwei Jahre im Gefängnis absitzen müssen. Nur legte Herrn Josef Greitels Anwalt Revision ein. Die Revisionsverhandlung war schnell angesetzt. Nach kurzen zweieinhalb Monaten war Herr Josef Greitel wieder ein freier Mann. Die restliche Zeit von den zwei Jahren, die Josef Greitel des weiteren zu verbüßen gehabt hätte, wurde bei Josef Greitel erneut auf Bewährung ausgesetzt. Einen Monat drauf lernten wir von der Detektei Umschau Herrn Josef Greitel kennen.
Der Verteidiger übrigens, Herr Doktor Weil-Esch, den Josef Greitel hatte, der war alles andere als ein Pflichtverteidiger. Herrn Josef Greitels Mann für die Verteidigung gehört der Anwaltskanzlei Hansen&Co an. Hansen&Co, die Kanzlei, die unter anderem für Herrn Hans-Georg Tabert tätig ist.
Im Augenblick kämpft die Kanzlei Hansen&Co für eine weitere Verkürzung von Herrn Hans-Georg Taberts Haftstrafe. Beziehungsweise dreht es sich bei Hansen&Co auch bereits darum, ob man Herrn Hans-Georg Tabert nicht eventuell dieses Jahr bereits in die Freiheit entlassen könnte.
Was Babsi Tähl anging, die blieb, allen behördlichen Fahndungsmaßnahmen zum Trotz, spurlos verschwunden. Wohin Babsi Tähl verbracht worden sein könnte, war für die Polizeibehörden nicht erurierbar. Die Vermutung war, daß die Unbekannten, deren Identität bis heute nicht zu ermitteln war, mit Babsi Tähl weiter weg gefahren waren. Oder Geduld war gefragt. Bis man bei einer Razzia irgendwo auch Babsi Tähl entdeckte, um Babsi Tähl wieder heimzuschicken.
Herr Berthold Tähl, Babsi Tähls Vater, konnte das mit Babsi, seiner Tochter, nicht auf sich beruhen lassen. In einigen der Sex- und Swinger-Klubs der nahen, fernen Umgebung bekam Berthold Tähl Hausverbot, weil er die Leute zu aufdringlich nach Babsi Tähl ausfragte, ein Foto Babsi Tähls aushängen wollte.
Rache schwor Herr Berthold Tähl. Bei jeder Gelegenheit sprach Berthold Tähl davon, daß Josef Greitel für das zahlen würde, was er seiner behinderten Tochter Babsi angetan hätte. Sogar Morddrohungen sprach Herr Berthold Tähl gegen Herrn Josef Greitel aus. Die Haut würde er, Berthold Tähl, Josef Greitel, diesem Beppi, abziehen.
Ende November letzten Jahres meinte Herr Berthold Tähl plötzlich zu seiner Nichte Sophie, die mit Ehemann und Kindern Onkel Berthold auf dem Bauernhof besuchte, daß er jetzt wisse, was mit Babsi passiert wäre. Josef Greitel hätte allen Leuten eine Lügengeschichte aufgetischt. Verkauft hätte Greitel Babsi. Babsi verkauft wie früher mal welche auf dem Sklavenmarkt verkauft wurden. Wie ein Stück Vieh am Viehmarkt hätte Greitel Babsi angeboten und einen Käufer für Babsi gefunden. Einen Großstadtzuhälter. Irgendwo in einer Großstadt müßte Babsi im Rotlicht für diesen Menschenschänder abarbeiten. Vielleicht wußte Babsi, wegen ihrer schweren geistigen Behinderung, heute schon überhaupt nicht mehr, daß sie Babsi heißt. Sondern meinte, daß der Name, der ihr von den Leuten gegeben wurde, wirklich der ihre wäre. Daß Babsi dachte, diesen Namen hätte sie von schon von Geburt an. Bekanntlich war es mit dem Langzeitgedächtnis seiner Tochter Babsi nicht weit her. Babsi lebte immer im Jetzt der letzten drei, vier Tage. Babsi konnte man wirklich alles weismachen.
Dafür würde Greitel büßen. Dafür mußte Greitel büßen. Umbringen würde er, Berthold Tähl, Josef Greitel. Das müßte Josef Greitel mit seinem Leben noch zurückzahlen, daß er sich Babsi für eine Fixsumme abkaufen hatte lassen. Nur um dreckigen Pokerschulden schnell bezahlen zu können, einen Gläubiger vom Hals zu kriegen.
Das hätte ihm, Herrn Berthold Tähl, nämlich ein Anrufer gesteckt, daß das der Grund war, daß Herr Josef Greitel Babsi am Stück abgab. Eine Pokerschuld im privaten Kreis. Mit zwanzigprozentigem Zins. Und derjenige, der Babsi gewonnen hatte, der hat sofort seine Kontakte spielen lassen und Babsi weiterverkauft. Im Klub Rosa hätten diese Kerle Babsi abgeholt, nachdem sie sich Babsi ein paar Tage angesehen hatten.
Standhaft leugnete Josef Greitel in der Gegenwart seines Anwalts, Babsi Tähl für eine bestimmte Geldsumme an irgendwelche Großstadtzuhälter, die er kontaktiert hatte, verkauft zu haben. Josef Greitel wiederholte, Babsi Tähl wäre entführt worden. Aus dem Klub Rosa. Die Polizei sollte gefälligst die drei Unbekannten finden, von denen der eine im Klub Rosa fast nur mit Babsi Umgang hatte. Diese drei hätten dafür gesorgt, der er, Josef Greitel, Babsi Tähl nicht zu ihrem Vater Berthold Tähl heimfahren hätte können, wie es Josef Greitels Absicht war, nachdem er gegen halb fünf im Klub Rosa zurück war.
Dann kam die Nachricht vom Tod Josef Greitels.
Auf drei angespitzte Pfähle aufgesetzt, starb Herr Josef Greitel auf einer Wiesenlichtung am Waldrand in der Nähe von Geiersdorf eines überaus grausamen Todes. Der entweder als Ritualmord gedeutet werden konnte. Oder als eine Hinrichtung. Eine, die in ihrer zynischen Grausamkeit an Geschehnisse aus dem tiefsten Mittelalter erinnerte. Als Pfählungen und dergleichen mehr ein Mittel der Bestrafung waren.
Natürlich hatte die Kriminalpolizei von den schlimmen Drohungen, die Berthold Tähl, Babsis Vater, gegen Josef Greitel ausgestoßen hatte, erfahren. Berthold Tähl wurde auf seinem Bauernhof besucht und befragt.
Es stellte für die Polizeibeamten jedoch heraus, daß Berthold Tähl ein Alibi hatte. Eins, das nicht leicht zu erschüttern war. Während den Abendstunden des dreizehnten Januars war Berthold Tähl auf einer Hochzeitsgesellschaft. Elizabeth, die Tochter von Berthold Tähls Tante Gisela heiratete.
Berthold Tähls Tante Gisela bestätigte nicht nur der Polizei, sondern auch uns von der Detektei Umschau gegenüber, daß Berthold Tähl vom dreizehnten bis zum vierzehnten Januar bei ihr im Haus weilte. In einem Gästezimmer ihres Hofes übernachtete Berthold Tähl.
Während der zwei Tage der Hochzeitsfeierlichkeiten sei Berthold Tähl nirgendwo anders gewesen, meinte Tante Gisela. Auch über Nacht hätte Berthold Tähl ihr Wohnhaus nicht verlassen. Die ganzen zwei Tage, während denen die Hochzeit gefeiert wurde, habe Berthold Tähl nichts anderes getan, als zu trinken. Bier, Schnaps, Wein. Was Berthold Tähl in die Finger kriegte, schüttete Berthold Tähl in sich hinein. Sturzbetrunken war Berthold Tähl, daß Berthold Tähl sich eine Peinlichkeit nach der andern lieferte. In Berthold Tähls trunkenem Zustand ein Ding der Unmöglichkeit, sich ins Auto zu setzen und irgendwo unfallfrei anzukommen. Berthold Tähl war zu einhundert Prozent nirgendwo anders als in ihrem Haus, das sei sie sich ganz sicher, wiederholte Berthold Tähls Tante Gisela.
Trotzalledem, Herr Berthold Tähl hatte ein massives Motiv, Herrn Josef Greitel Schlimmes anzutun.
Deswegen gab es bei Berthold Tähl eine Hausdurchsuchung. Die Spurensicherung war bei Berthold Tähl am Hof. Alles wurde bei Berthold Tähl auf dem Kopf gestellt.
Dabei konnte durch die ermittelnden Polizisten nicht viel gefunden werden, was einen Hinweis darauf gab, daß Berthold Tähl irgendwas mit dem Tod Josef Greitels zu tun haben könnte. Vielleicht, daß ein gewisser Verdacht gegen Herrn Berthold Tähl weiterbestand, aber etwas Handfestes war gegen Herrn Berthold Tähl nicht in die Hand zu bekommen. Jemand anderes mußte Herrn Josef Greitels Mörder sein.
Am siebenundzwanzigsten Januar erhielt die lokale Polizeiinspektion dann überraschend einen anonymen Anruf. In der Angelegenheit Mordsache Josef Greitel.
Der Anrufer redete davon, daß die Spusi längst nicht überall am Hof Berthold Tähls nachgesehen hätte. Bei Herrn Berthold Tähl im Werkzeugschuppen stünde riesengroße Trödelkiste an der Rückwand. Inhalt: aller möglicher Krimskrams. Wenn die von der Spusi die Kiste weggeschoben hätten, hätte ihnen vielleicht auffallen können, daß mehrere der hölzernen Bodenbohlen schon sehr locker waren. Dort sollten die Leute von der Spusi mal drunter nachschauen, ob sich dort nicht irgendwas finden ließe. Etwas, das der Aufklärung eines Kriminalfalles dienlich sein könnte.
Damit hatte sich das mit dem Telefonat, der Anrufende legte auf.
Die Polizei, die den Anruf nachverfolgte, fand heraus, daß der Anruf aus einer Wohnung kam, deren Bewohnerin, eine Rentnerin, sich für ein paar Tage im Krankenhaus befand.
Selbstverständlich ließen die Ermittlungsbeamten die Sache deswegen nicht auf sich beruhen, fuhren Polizeiwägen bei Herrn Berthold Tähl vor. In den Werkzeug- und Geräteschuppen am Bauernhof Berthold Tähls wurde zusammen mit Berthold Tähl, der bereitwillig das Vorhängeschloß öffnete, hineingeschaut.
Die große Holzkiste mit jeder Menge Trödel, auf die die anrufende Partei hingewiesen hatte, wurde von Berthold Tähl geöffnet. Als es drinnen nichts zu entdecken gab, wurde die große Kiste weggeschoben. Nach den Bodenlatten geschaut.
Eigentlich waren die hölzernen Latten ziemlich fest. Trotzdem ließen sich, nachdem Berthold Tähl mithalf, drei der Querlatten mit der Hand lösen.
Ein hübsches Versteck präsentierte sich den Einsatzkräften der Polizei. Eine blaue Mülltüte wurde herausgezogen. In die gelbe Gummistiefel hineingepackt waren. Ein säuberlich zusammengelegtes Kleidungsstück, das sich als gelblicher Trenchcoat herausstellte. Ein Handgelenkskettchen, an dem am Schließplättchen die Initialen J. G. zu lesen waren, J. G., wie Josef Greitel. Eine Schatulle mit mehreren obskuren Bücher über die Inquisition, Hexenverbrennungen und mittelalterliche Geheimbünde. Eines der Bücher hieß Gepfählt, war mit besonders anschaulichen Holzstichen versehen. Eine Vielzahl von Bildern am Hinterteil aufgespießter Menschen und desgleichen mehr. Zu guter Letzt ein auseinandergenommenes Gewehr, in ein Samttuch eingewickelt, Plastik und Schnüre drumherum. In einer Klarsichtfilie unter Silberpapier eine handgroße Platte schwarzer Afghane, zwei Jahrzehnte alt.
An den gelben Gummistiefel entdeckten die Mitarbeiter des Polizeilabors getrocknete Erde, dieselbe Erde wie die auf der Waldlichtung, die der Hinrichtungsort Josef Greitels war.
Am schäbig gelben Trenchcoat fanden sich Haare, die eindeutig Herrn Berthold Tähl zuzuordnen waren. Aber auch von Herrn Josef Greitel stammten einige vereinzelte kurze Haare her.
Müssen wir erwähnen, Herr Doktor Weil-Esch, daß die Füße Berthold Tähls groß genug waren, daß ihm die Gummistiefel paßten, als er sie anprobierte? Auch der schäbige Trenchcoat kleidete Herrn Berthold Tähl, daß ihm keiner der Ärmel auffällig zu kurz oder zu lang war.
Außerdem konnte von der Soko plötzlich Berthold Tähls Alibi erschüttert werden. Das heißt, es gab bei Herrn Berthold Tähl ein Zeitfenster, das ihm die Untat ermöglicht hätte. Die Möglichkeit, daß Herr Berthold Tähl doch für zwei, drei Stunden nicht auf der Hochzeitsgesellschaft war. Der Wagen von Berthold Tähl war gegen dreiundzwanzig Uhr geblitzt worden, als ein anderes Fahrzeug eine rote Ampel überfuhr. Die Nummernschildrekonstruktion ließ nur den einen Schluß zu. Dazu paßte die Information, daß Herr Berthold Tähl ein hübsches Quantum an Alkohol vertragen konnte. Ohne daß bei Herrn Berthold Tähl auf Trunkenheit geschlossen werden konnte.
Einem neuen Verhör in der Mordsache Josef Greitel wurde Herr Berthold Tähl ausgesetzt. Mit den Indizien, die gegen ihn sprachen, konfrontiert. Daraufhin legte Berthold Tähl ohne viel Firlefanz überraschend ein ausführliches Geständnis ab. Es schien beinahe, daß, weil die Beweise gegen ihn, Berthold Tähl, erdrückend waren, alles Wissen aus ihm heraussprudeln müßte.
Wie ein Wasserfall redete Berthold Tähl. Phantasievoll beschrieb Berthold Tähl, wie er die hölzerne Pfähle per Hand in den Erdboden trieb. Wie er, Berthold Tähl, Herrn Josef Greitel, den er gefesselt und geknebelt hatte, vom Boden hochwuchtete, über den Kopf hob. Um den Oberkörper Josef Greitels auf die zwei Meter hohen Pfähle aufzusetzen. Dann sorgte er dafür, daß sich die Holzspitzen auch bei Josef Greitel in den Körper hineintrieben. Damit das Körpergewicht Greitels mit der Zeit den Rest erledigen konnte.
Gewichtheben, wirklich kein Ding der Unmöglichkeit bei Herrn Berthold Tähl. Berthold Tähl war schwere körperliche Arbeit gewohnt. Berthold Tähl, ein sehr robuster Mann. In der Vergangenheit konnte Berthold Tähl gut die schwersten Sachen ganz alleine durch die Gegend hieven. Warf deswegen nicht lange den Traktor an.
Das Obige scheint alles plausibel, nicht wahr, Herr Doktor Weil-Esch. Mit dem Eingeständnis, die Untat an Herrn Josef Greitel begangen zu haben, Herr Doktor Weil-Esch, ist für Polizei und regionale Öffentlichkeit auch der Fall der Pfählung Josef Greitels abgeschlossen. Demnächst steht für die neugierige, sich gruselnde Bevölkerung lediglich noch die Gerichtsverhandlung an.
Weil die Detektei Umschau für Sie arbeitet, Herr Doktor Weil-Esch, haben Thomas und Regine, beide Mitarbeiter der Detektei Umschau, letzten Freitag Frau Gisela Tähl aufgesucht, die Tante von Herrn Berthold Tähl. Berthold Tähls Tante hat uns von der Detektei Umschau bereitwillig die Türe aufgemacht. Sehr gesprächig war Tante Gisela Thomas und Regine gegenüber, nachdem Tante Gisela die Detektiv-Ausweise, die Thomas und Regine ihr vorzeigten, mit der Brille auf der Nase ganz genau überblickt hatte. Unbedingt, daß Tante Gisela bei diesem Besuch von Thomas und Regine was Amtliches sehen wollte. Und die Frau schien damit äußerst zufrieden.
Frau Gisela Tähl setzte Thomas und Regine auseinander, daß sie jedes Verständnis für die Wut Bertholds hätte. Aber ... Klar, Berthold hatte öfters rumerzählt, er würde Josef Greitel umbringen, wenn er ihn die Finger kriege. Nur eins, das störte Frau Gisela Tähl am Tod Josef Greitels. Und zwar die Art wie Josef Greitel gestorben war. Daß Berthold sich so was für diesen Greitel ausdenken sollte. Josef Greitel auf Pflöcke zu spießen, so was passe nicht zu Berthold. Viel eher, wäre Berthold der Mörder, hätte Berthold Josef Greitel den Schädel eingeschlagen. Josef Greitel erst Arme und Beine zu zertrümmern, ihm dann den Schädel langsam einzuschlagen, das wäre doch auch ein schöner Tod für diesen Greitel gewesen. Statt so was, was Berthold gemacht haben sollte. Gemacht haben will. Angespitzte Holzpflöcke in den Boden zu rammen, Greitel droben zu plazieren. Berthold war doch nicht die Heilige Inqusition. Die Idee paßte so gar nicht zu Berthold, Berthold, der ein Hitzkopf war. Berthold sah diesen Greitel, griff ihn an, und ...
Sie, Tante Gisela, hätte überdies gewußt, daß Berthold noch irgendwo ein altes Gewehr von seinem Vater versteckt hatte. Das, das die von der Polizei auch entdeckt hatte. Mit der Waffe hätte Berthold diesen Greitel schon viel früher auf diesen Greitel schießen können, hätte Berthold mehr im Sinn gehabt, als Greitel wortreich zu bedrohen.
Solche Art amerikanische Regenmäntel, wie die Polizei sie in dem Werkzeugschuppenversteck Bertholds gefunden hätte, die hätte Berthold nie getragen. Nie. Daß Berthold so einen Ami-Mantel, einen Trenchcoat, überhaupt besaß, das zu erfahren, war eine weitere Überraschung für Tante Gisela.
Regnete es, warf Berthold sich so durchsichtige oder gelbe Regenhäute aus Plastik über.
Andererseits, diskutierte Tante Gisela, die mit Thomas und Regine, den Detektiven von der Detektei Umschau, zusammensaß, mit sich selber, wenn Berthold doch diese Überlegung hatte, so was Josef Greitel anzutun. Bloß, weil sie, Berthold Tähls Tante Gisela sich das nicht vorstellen konnte ... Die Gummistiefel hätten Berthold auf der Polizei gepaßt, als Berthold sie anprobierte. Auch der Mantel hatte genau Bertholds Größe. Irgendwie könnte Berthold doch das im Kopf gehabt haben, was Josef Greitel am Ende passierte. Hätte ja auch alles gestanden, Berthold. Ließ sich nicht von der Hand weisen: Die Haare am Mantel waren die Bertholds und die dieses Greitels. Vielleicht war es richtig von ihr, Tante Gisela, auszusagen, daß Berthold doch für zwei, drei Stunden nicht im Haus bei den Hochzeitsleuten zu finden war. Obwohl sie, Tante Gisela, sich fragte, mit welchem Auto Berthold weggefahren war. War doch ein Risiko, einen Autoschlüssel zu stehlen. Hätte Berthold sich sicher sein können, daß man ihm auf die Spur käme, hätte einer gemerkt, daß ihm der Schlüssel für sein Auto fehlte.
Sieht alles ganz danach aus, als wäre Herr Berthold Tähl jener Täter. Dieser brutale Mensch, der Herrn Josef Greitel auf angespitzte Holzpfähle aufgesetzt hat. Elendiglich grausam, daß Josef Greitel an den im Feuer gehärteten Pfahlspitzen zugrundegegangen ist.
Ereignet sich nichts Unvorhergesehenes, steht bei Herrn Berthold Tähl die Verurteilung zu einer fünfzehnjährigen Gefängnisstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung an. Nach dem Geisteszustand Herrn Berthold Tähls wurde ebenfalls bereits gefragt.
Bloß, Herr Doktor Weil-Esch, ist Herr Berthold Tähl tatsächlich unser Mann? Ist Herr Berthold Tähl wirklich unser Kandidat? Oder sind wir von der Detektei Umschau nicht die, die, trotz allen Indizien, die gegen Berthold Tähl sprechen, jemanden anderen kennen, der viel eher der Mörder Josef Greitels sein könnte?
Eine Person, die, wird sie irgendwo gesehen, praktisch ständig so beschrieben wird, daß sie Trenchcoat trägt, Stroh- oder Filzhut aufhat.
Herr Drakonie Rupertus Wank beziehungsweise Fransen kennt sich bestens aus in der Geiersdorfer Gegend. Fransen ist in und um Geiersdorf herum ein Schatten. Faktisch überall könnte Fransen rumstehen, wo es finster und umschattet ist.
Wir von der Detektei Umschau, Herr Doktor Weil-Esch, wir sagen Ihnen, dieser Fransen könnte ohne weiteres im Werkzeugschuppen am Hof Berthold Tähls gewesen sein. Berthold Tähls Tante Gisela hat gesagt, daß sie einmal Berthold Tähl besucht hat, gesehen hat, daß bei Berthold Tähl auf der Veranda ein auseinandergenommenes Gewehr herumlag. Schaft, Lauf, Putzmittel. Jene Waffe, die die Polizeibeamten gefunden hatten, als sie die große Holzkiste im Werkzeugschuppen Herr Berthold Tähls weggeschoben hatten. Berthold Tähl hat also jene Schußwaffe an jenem Nachmittag beobachtbar auf der Hausveranda auseinandergenommen, geputzt, zusammengesetzt und wieder auseinandergenommen.
Kein Ding der Unmöglichkeit, daß Herr Berthold Tähl Überlegungen, Absichten mit seinem Gewehr haben konnte, bedenkt man die Sache mit Babsi, seiner Tochter. Den Gedankengang, den könnte Herrn Berthold Tähl durchaus im Kopf gehabt haben, Herrn Josef Greitel aufzulauern und mit dieser Waffe auf ihn zu schießen.
Wurde Berthold Tähl mit dem Gewehr aus einem Versteck heraus mit dem Gewehr beobachtet, könnte es möglich sein, daß Berthold Tähl seinem Beobachter das Versteck unter der Holzkiste verraten hatte. Schließlich hat der Holzschuppen ein Fenster, zwar seit ewigen Zeiten nicht geputzt, aber trotzdem konnte man drinnen Umrisse ausmachen.
Sagen wir, Fransen hat das Vorhängeschloß in einem unbeobachteten Moment mit einem Universalschlüssel aufgesperrt, ist unbeobachtet bei Herrn Berthold Tähl in den Werkzeugschuppen hinein.
Noch etwas, was ich hier mitteilen möchte, das darauf verweist, daß das, was ich Ihnen hier oben schreibe, nicht ins Reich der Fabel verweist. Darauf wurden Thomas und Regine, die Mitarbeiter der Detektei Umschau, von Berthold Tähls Tante Gisela gebracht.
Es könnte möglich sein, daß Herr Drakonie Rupertus Wank beziehungsweise Fransen wirklich bei Herrn Berthold Tähl auf Beobachtungsposten stand.
Warum Drakonie Rubertus Wank beziehungsweise Fransen dort herumstehen sollte, fragen sie, Herr Doktor Weil-Esch. In wessen Auftrag denn?
In dem Hans-Georg Taberts. Drakonie Rupertus Wanks Auftraggeber: Herr Hans-Georg Tabert.
Worum es sich dreht? Hans-Georg Tabert, der möchte ständig nur eins: Seinen eigenen Besitz an Grund und Boden immer noch weiter vergrößern. Obwohl Hans-Georg Tabert seit Jahren im Gefängnis sitzt, arbeitet die Tabert-Familie ständig daran.
Mittelsmänner Herrn Hans-Georg Taberts, das hat Berthold Tähls Tante Gisela Thomas und Regine, den Mitarbeitern der Detektei Umschau, anschaulich auseinandergesetzt, Herr Doktor Weil-Esch, haben die letzten drei Jahre mindestens einmal jährlich ein Gebot für den Kauf seines Bauernhofs bei Herrn Berthold Tähl abgegeben. Obwohl Berthold Tähls Hof und Besitz durch Berthold Tähl überhaupt nicht zum Verkauf angeboten wurde. Berthold Tähl hat das den Anzug-und-Krawatte-Gestalten, die bei ihm an der Haustür erschienen waren, jedesmal klargemacht, daß sie sich irrten. Sein Haus und Hof, seine Besitztümer an Grundstücken, das alles sollte überhaupt nicht verkauft werden. Das machte Berthold Tähl klar, daß man ihm an Geldbeträgen bieten konnte, was man wollte. Er würde nicht verkaufen, nichts, für kein Geld dieser Welt. Ganz davon abgesehen, daß die aufgerufenen Beträge Berthold Tähl allesamt zu niedrig waren. Zu solchen Preisen verkauften höchstens Idioten ihr Hab und Gut.
Das letztemal, daß Herr Berthold Tähl sich nicht mit dem Verkauf einverstanden zeigte, sprachen die zu ihm hingeschickten Aufkäufer von einem guten Preis, den Herr Hans-Georg Tabert ihm, Herrn Berthold Tähl, jetzt bereits mehrfach gemacht hätte; einen besseren könnte es für Berthold Tähl nicht geben. Herr Berthold Tähl würde das irgendwann noch merken; er würde schon noch sehen, was er davon hätte, nichts von dem Geld genommen zu haben.
Vorher hatte Berthold Tähl nicht gewußt, wer derjenige war, der ihm unverlangt seine Abgesandten auf den Hof schickte. Jetzt wußte Berthold Tähl den Namen desjenigen, der das haben wollte, was ihm gehörte: Hans-Georg Tabert. Fast war es Berthold Tähl, er hätte längst von selber da draufkommen können.
Hans-Georg Tabert war hinter dem her, was Herr Berthold Tähl an Eigentum besaß, Herr Doktor Weil-Esch!
Und Drakonie Rupertus Wank, den kann Hans-Georg Tabert ohne weiteres beauftragt, haben, Berthold Tähl auszuspionieren und bei Gelegenheit in der Sache Tähl was zu unternehmen.
Wie es aussieht, Herr Doktor Weil-Esch, hat Drakonie Rupertus Wank seine Arbeit sehr gut gemacht. Erscheinen jetzt irgendwann Abgesandte Taberts vor Berthold Tähl, könnte die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch sein, daß sie bei Berthold Tähl jetzt nicht mehr auf taube Ohren stoßen. Sogar einen Freifahrschein könnten sie bei Berthold Tähl haben.
Betrachten wir uns nur mal die Not genauer, in der Berthold Tähl steckt. Im Gefängnis sitzt Berthold Tähl, kann seinen Bauernhof nicht bewirtschaften. Kredite, die auf seinen Namen laufen, kann Berthold Tähl bald keine mehr bedienen, kommt Berthold Tähl nicht frei. Und danach sieht es einhundertprozentig nicht aus. Berthold Tähls Erspartes reicht nicht ewig, für nichts. Was noch dazu kommt: Auch in einer Gefängniszelle braucht einer Geld. Besser, wenn einer im Gefängnis Geld hat.
Schwer ist es nicht, die Zusammenhänge zu verstehen. Herr Berthold Tähl hat Die nächsten Monate hat Herr Berthold Tähl todsicher ein neues Kaufangebot durch die Tabert-Mittelsmänner zu erwarten. Hans-Georg Tabert braucht nur darauf zu warten, bis mit einer Zwangsversteigerung gedroht wird. Dann könnte die Burg Berthold Tähls im Handstreich erobert werden.
Dabei ist übrigens noch etwas zu sehen, Herr Doktor Weil-Esch. Nämlich die Person Josef Greitel.
Betrachten wir hier noch mal die Seite dieses lausigen Roulette- und Kartenspielers namens Josef Greitel. Des Mannes, der Opfer einer mittelalter Pfählung wurde. Diese Untat, in der Gegenwart für die breite Öffentlichkeit aufgeklärt. Herr Berthold Tähl soll der Mörder sein, der, der grausam Rache genommen hat. Bei dem, der ihm die behinderte Tochter verführte und das Mädchen anscheinend wie Vieh am Markt zum Verkauf in Zuhälterkreisen angeboten hat. Erfolgreich. Bis heute, daß Babsi Tähl, die abgeholt wurde, unauffindbar bleibt.
Herr Josef Greitel, dessen Einblick in das geschäftliche Gebahren Hans-Georg Tabert nicht von schlechten Eltern gewesen sein mußte. Josef Greitel alias Beppi war aktives Mitglied der ersten Einbrecherbande, die Hans-Georg Tabert im Landkreis zusammenstellte. Jahre hatte Josef Greitel eine enge Beziehung zu Klärchen Tabert, daß sich alle Welt bei den Taberts gewundert hat, daß Klärchen Tabert, die Tochter Minchen Taberts, der Tante Hans-Georg Taberts, und Josef Greitel nicht schon lange verheiratet waren.
Dann passierte es, daß Josef Greitel und Klärchen sich wieder mal trennten. Diesesmal jedoch, daß Klärchen Tabert ihren Beppi nicht wieder zurückhaben wollte. Obwohl Josef Greitel das eine oder andere dafür unternahm, bekam Josef Greitel die goldene Scheckkarte Klärchen Taberts nicht mehr in die Hand. Wie es für uns von der Detektei Umschau ausschaut, überschlugen sich die Ideen Josef Greitels. Er brauchte schließlich Geld und immer wieder Geld, Spielschulden zu deckeln. Gefährliche Leute verlangten ihr Geld von Josef Greitel. Starker Druck lastete ständig auf Josef Greitel. Während Josef Greitel woanders weiterspielte, um zu gewinnen.
Dabei eine Möglichkeit Josef Greiltels, wenn ihm nichts anderes übrgblieb: seine Erinnerungen an das Tun und Lassen Hans-Georg Taberts zu versilbern. Das Thema Josef Greitels, von uns von der Detektei Umschau, schon in einzelnen Schreiben angesprochen: Erpressung.
Josef Greitel: Bündel um Bündel Geldscheine, die sich Herr Josef Greitel gerne bei Herrn Hans-Georg Tabert abgeholt hätte. Um es beim Pokerspiel oder am Roulettetisch zu verspielen.
Von einem solchen mit Gummiband umwickelten Geldbündel wissen wir von der Detektei Umschau; Sie ebenfalls, Herr Doktor Weil-Esch.
Der Bedrohung Josef Greitel wurde jedoch ein abruptes Ende gesetzt. Wenn auch auf eine Art und Weise, die an ein Fanal erinnert. Herr Josef Greitel, an Holzpfähle aufgespießt. Etwas, wie aus dem tiefsten Mittelalter.
Warum Josef Greitel auf die Art sterben mußte, nur schwer zu durchblicken.
Mit Sicherheit hätte Josef Greitel auch auf andere Art und Weise umgebracht werden können.
Denn dieses Sterben Herrn Josef Greitels hat jede Menge Aufmerksamkeit erregt. Spuren in der breiten Öffentlichkeit hinterlassen. Weit über die Region hinaus.
Einhundertprozentig schauten sich auch welche der Tabert-Familie an. Vielleicht war sogar Herr Hans-Georg Tabert erregt.
Vielleicht war das am fünfzehnten Januar dieses Jahres irgendein Fingerzeig in Richtung Hans-Georg Tabert, Hans Georg Tabert, der in seiner Gefängniszelle sitzt, die Geschehnisse daheim aus der Ferne verfolgt.
Unter anderem liest Herr Hans-Georg Tabert Zeitungsmeldungen, von wo immer sie auch herkommen. Ein Abonnement mehrerer regionaler Druckzeitungen hat Herr Hans-Georg Tabert. Die läßt sich Herr Hans-Georg Tabert per Post anliefern. An Herrn Hans-Georg Taberts derzeitige Wohnadresse: die Justizvollzugsanstalt Eigner.
Das heißt, Herr Hans-Georg Tabert ist über alles auf den Regionalseiten bestens auf dem laufenden.
Bleibt hier in diesem Schreiben noch eine Frage, Herr Doktor Weil-Esch: Warum gesteht Herr Berthold Tähl? Warum hörte Herr Berthold Tähl nicht auf den Rat seines Verteidigers - hat geschwiegen?
Statt diesen Ratschlag zu befolgen, plappert Herr Berthold Tähl drauflos. Alles hat Herr Berthold Tähl zugegeben. Ein Geständnis wurde von Herrn Berthold Tähl unterschrieben.
Wissen Sie, was wir von der Detektei Umschau darüber denken, Herr Doktor Weil-Esch? Wir sind der Meinung, darüber, wie Beppi alias Herr Josef Greitel gestorben ist, darüber ist Berthold Tähl nicht unzufrieden. An so eine Todesart für Beppi hatte Berthold Tähl zwar nicht selber gedacht. Aber jetzt, nachdem er über alles Bescheid wußte, hätte Berthold Tähl Greitel durchaus selber gerne so umgebracht.
Hiermit verbleibe ich,
mit freundlichen Grüßen
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Anlage
1 Speicherstick mit aufgezeichneten Sendungen des Lokalradios und des regionalen Fernsehsenders, die die Festnahme Herrn Berthold Tähls im Zusammenhang mit dem Todesfall Herrn Josef Greitel behandeln, Zeitungsdokumenten und den beiden Gesprächen, die wir von der Detektei Umschau mit Frau Gisela Tähl hatten"
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