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Blog von TeddeMehr

"Briefprotokolle der Detektei" (19.04. - 15.06.), No. 1

28. Mai 2014 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #T-Rixi

Schreiben der Detektei Umschau an Herrn Doktor Gregorius Weil-Esch, Datum: 19.04.xxxx

 

"Sehr geehrter Herr Doktor Weil-Esch,

das sind Todesfälle.

 

Insgesamt haben wir drei an der Zahl.

 

Sie erinnern sich, Herr Doktor Weil-Esch, Frau Melanie Uschke hatte uns von der Detektei Umschau in unseren Büroräumlichkeiten aufgesucht. Tags drauf, nach ihrer Rückkehr zu sich nach Hause, hatte Frau Uschke uns von der Detektei Umschau sofort die genauen Namen, Wohnanschriften der Studentinnen übermittelt, die in dem Gebäude, das Frau Uschke gehört, im dritten Stock in einer Wohngemeinschaft zusammengewohnt hatten.

 

Frau Beate Ettnach.

Frau Auguste Dober.

Frau Tamara Haste.

So hießen die drei Studentinnen.

 

Frau Beate Ettnachs Eltern, die waren für Mitarbeiter der Detektei Umschau äußerst unzugänglich.

Nachdem Frau Beate Ettnachs Mutter Helene der Detektei Umschau mit dem Anwalt drohte, sollten wir sie und andere Familienmitglieder weiter belästigen, haben meine Mitarbeiter das Unterfangen aufgegeben, uns mit jemand aus Frau Beate Ettnachs Familie zu einer Unterhaltung zu treffen.

Was sollen wir machen? Wir sind als Detektei auf eine gewisse Kooperationsbereitschaft der Leute angewiesen. Wenn sie uns die Türe nicht aufmachen wollen, bleibt sie zu.

 

Ansonsten haben wir erfahren, daß Beate Ettnach der gleichgeschlechtlichen Liebe den Vorzug gab. Das heißt, Auguste Dober und Beate Ettnach waren während jenen Tagen, die wir an diesem Ort diskutieren, mehr oder weniger ein Paar.

Das wissen wir von Frau Auguste Dobers Vater Rudolf.

Außerdem unterrichtete uns Auguste Dobers Vater, daß es in der Frauen- und Studentinnen-WG Frau Beate Ettnachs damals zuletzt öfters alles andere als harmonisch zuging. Weil: Auguste Dober, die genoß zwar die Liebe Beate Ettnachs. Das bedeutete aber nicht, daß Auguste Dober Beate Ettnach immer treu war. Nicht mal geschlechterspezifisch.

 

Es konnte schon vorkommen, daß es Auguste Dober in Tanzlokalen, Diskotheken gefiel, mit Kerlen herumzumachen. Obwohl Beate Ettnach bei Auguste Dober mit dabei war.

Sogar richtig abschleppen ließ sich Auguste Dober. Von flüchtigen Bekanntschaften. Auguste Dober verschwand schon mal mit welchen, mit denen sie herumgetanzt und an die sie sich herangeschmissen hatte, plötzlich ins Freie hinaus. Während Beate Ettnach alleine zurückblieb, sich irgendwann auf die Suche nach ihrer Freundin machte. Ohne diese wo zu entdecken.

Zu heftigen Eifersuchtsszenen kam es in Beate Ettnachs Wohnung, wenn Auguste Dober anderntags oder nach einem ganzen Wochenende wieder in die Frauen-WG zurückkehrte.

An dem Spiel schien Auguste Dober richtig ihren Spaß zu haben.

Eine Woche vor dem Tod Beate Ettnachs hatte Auguste Dober mit ihrem Vater Rudolf telefoniert. Ihrem Vater gesagt, daß Bea ihr eben wieder eine Riesenszene gemacht hätte. Da hätte sie Bea aber mal was gesagt. Ihr was hingerieben. Nämlich, daß sie, Bea, selber nicht treu wäre. Wenn Bea Manu zu sich mit aufs Zimmer nähme. Da würde es wohl auch kaum so sein, daß Manu nur bei Bea im Doppelbett schnarchte. Eher alle möglichen Dinge, die es über Nacht in Beas Bett geben würde.

Diese Manu, setzte Auguste Dobers Vater uns auseinander, war mit jeder der Frauen-WG zusammen. Die dritte, die Tamara Haste hieß, hatte deswegen zuletzt sogar Streitereien mit ihrem Freund gehabt, weil der abends in Beate Ettnachs Wohnung eingelassen wurde, und Tamara auf ihrem Zimmer mit jener Manu bei einer Bettszene erwischte. Tamara Haste war nackt, hatte ihre Beine auseinander, und Tamaras Hastes Freund konnte dort dazwischen das rote Haar Manus sehen, Manu, die bei Tamara Haste zugange war ...

 

Fall eins: Frau Beate Ettnach.

Beate Ettnach starb im Laufe jenes Tages, von dem Frau Melanie Uschke uns letztens in unseren Büroräumlichkeiten berichtet hatte, im Krankenhaus. Ein paar Stunden nach einer gelungenen Reanimation. Ein totaler Kreislaufzusammenbruch. Schuld: ein besonders schwer Fall von Regelblutung. Außerdem war Beate Ettnach unterzuckert.

Der Blutverlust war bei Beate Ettnach im Laufe des Vorabends dermaßen akut geworden, daß Frau Beate Ettnach unbedingt augenblicklich in nächste Stadtkrankenhaus gebracht werden hätte müssen. Was jedoch nicht geschah. Weil es niemand in Betracht zog, daß der Zustand Beate Ettnachs dermaßen ernst sein könnte.

 

Fall zwei: Frau Auguste Dober.

Vor vier Jahr verstarb Frau Auguste Dober an einer Borreliose-Infektion.

Auguste Dobers Vater Rudolf erzählte den Mitarbeitern, -innen der Detektei Umschau, daß Auguste Dober schon früher oft Zecken gehabt hatte. Auguste Dober schien die Viecher regelrecht anzuziehen; mindestens zwei-, dreimal im Jahr wurde Auguste Dober, die gerne in der Natur war, von einer Zecke gebissen.

Also war das für Herrn Rudolf Dober keine solche Überraschung, telefonisch davon zu erfahren, daß seine Tochter Auguste ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Mit einem Krankheitsbild, das nach einer Borreliose ausschaute. Anscheinend die Folge eines neuen Zeckenbisses.

Obwohl Auguste Dober eigentlich eine Zeckenschutzimpfung hatte.

Im Laufe der darauffolgenden Tage, daß sich die Borreliose-Infektion zu einer schwierig verlaufenden Hirnhautentzündung auswuchs. 

Ohne daß Auguste Dober überhaupt noch einmal klar zu Bewußtsein gekommen wäre, hat es sie dahingerafft. Mit keinem Wort, daß sich Frau Auguste Dober von ihrem Vater Rudolf oder sonst einem Liebsten verabschieden hätte können.

 

Fall drei: Frau Tamara Haste.

Der Tod von Tamara Haste war auf Leukämie zurückzuführen. Vor zwei Jahren.

In der Rehabilitationsklinik befand sich Frau Tamara Haste.

Alles andere als bettlägrig war Tamara Haste bereits wieder, als sie starb.

Ausgiebige Spaziergänge unternahm Tamara Haste bereits wieder mit Mitpatienten der Klinik, mit ihrer Mutter, Freund Klaus oder alleine. Um Mitte Mai an einem Mittwoch in ihrem Einzelzimmer im Klinikbett morgens zu versterben.

Infolge eines unvermittelt auftretenden tückischen Fieberschubs. Das Herz Tamera Hastes hatte einfach zu schlagen aufgehört. Keine Art Reanimierung half bei Tamera Haste.

So wurde es jedenfalls durch die Klinikleitung der Mutter Tamara Hastes mitgeteilt, die Tamara Hastes Freund Klaus über das Unglück unterrichtete. Von ihm - Herrn Klaus Mann - haben wiederum wir von der Detektei Umschau die Informationen. Während Frau Tamara Hastes Mutter uns von der Detektei Umschau mit einer Anzeige bei der Polizei bedrohte, sollte sie noch einmal persönlich oder mittels Telefon von einem Mitarbeiter der Detektei Umschau belästigt werden.

 

Drei Tote, die wir hier haben, Herr Doktor Weil-Esch.

Drei Tote aus dem Umfeld von Frau Angelika Rebhaus, der Freundin von Herrn Bernd Reil.

Quasi wohnte Angelika Rebhaus gegenüber der Drei-Studentinnen-WG Beate Ettnachs.

Angelika Rebhaus besuchte Beate Ettnach, Auguste Dobler und Tamara Haste ab und zu in ihrer Wohnung oben. Und es kam zu Gegenbesuchen der einen oder andern der WG oder von allen drei bei Angelika Rebhaus in den Wohnräumen drüben.

Beate Ettnach, Auguste Dober und Tamara Haste, drei Tote, die mit Frau Angelika Rebhaus in einer engeren Verbindung standen.

Wobei es bei allen vier - Beate Ettnach, Auguste Dober, Tamara Haste und Angelika Rebhaus - eine Namensnennung gibt.

Frau Melanie Uschke hat von einer mit Namen Manu gesprochen. Eine, die sie alle Manu nannten.

Frau Uschke, die an Beate Ettnach die Wohnung im dritten Stockwerk ihres Hauses vermietet hatte, hatte während ihres Besuches in unseren Büroräumen diverse Fotografien vor sich liegen. Auf allen Fotos waren Rothaarige zu sehen.

Was passierte, als Frau Uschke die Farbfotos betrachtete? Zielsicher wählte Frau Uschke das eine Foto, auf dem Manuela Dombrowski - die aus Herrn Bernd Reils Tagebuch-Datei - abgebildet war. Ein Foto noch dazu, Manuela Dombrowski mit rotgefärbtem Haar.

Auch auf Nachfrage blieb Frau Uschke bei ihrer Wahl. Durch nichts ließ Frau Uschke sich verunsichern.

 

Das, daß Frau Melanie Uschke Manuela Dombrowski kannte, warf bei uns Fragen auf.

Zu einem überraschenden Besuch bei Frau Tatjana Christine Dombrowski vor der Türe ihrer Erdgeschoßwohnung in der Hegelstraße fanden sich Agathe und Regine, Mitarbeiterinnen der Detektei Umschau.

Die Mutter Manuela Dombrowskis öffnete Agathe und Regine auf ihr Läuten hin.

Frau Tatjana Christine Dombrowski, sie weiß allerdings weiterhin nur Dinge vom Tod ihrer Tochter Manuela, über die wir von der Detektei Umschau seit langem Bescheid wissen.

Darüberhinaus: nichts.

Mit eigenen Augen, das hat Frau Tatjana Christine Dombrowski Agathe und Regina wiederholt, hat sie, Manuelas Mutter, Manuela im Sarg drinnen liegen gesehen. Sämtliche Umstehenden hätten Manuela bei der letzten Sargöffnung kurz vor der Beerdigung Manuelas im Sarg gesehen. Auf den Körper ihrer toten Tochter Manuela habe sie, die Mutter, sich draufgeworfen gehabt. Weggezerrt hätten grobe Hände sie vom Leichnam ihrer Tochter Manuela. Dann wurde der Sargdeckel wieder draufgestülpt, während Manuela weiterhin im Sarginnern drinnen lag. Äußerlich ohne jede Veränderung, aussehend, als könnte sie sich augenblicklich aus dem Sarg erheben, Manuela. Was jedoch ein Ding der Unmöglichkeit war. Mit Sicherheit lebte Manuela nicht mehr. Eine Autopsie war an Manuela durchgeführt worden. Für das Begräbnis war Manuela nur äußerlich wieder schön hergerichtet worden, daß nichts davon an Manuela zu bemerken war. Ein schwarzes Minikleid, das Manuela anhatte.

Nichts, das Agathe und Regine während ihres Besuchs bei Frau Tatjana Christine Dombrowski mit Manuela Dombrowskis Mutter anfangen konnten. Tatjana Christine Dombrowski wußte als Manuela Dombrowskis Mutter nur das von ihrer Tochter. Andere Möglichkeiten gab es auch nicht; alles andere, so Ideen, Manuela könnte wo gesehen worden sein, das waren Hirngespinste.

 

Die Geschichte Manuela Dombrowskis Mutter Tatjana Christine Dombrowski bleibt also die eine Geschichte, die Sie kennen, Herr Doktor Weil-Esch.

Frische Aspekte, Fehlanzeige. Davon abgesehen, daß Tatjana Christine Dombrowski, Manuela Dombrowskis Mutter, zu Agathe und Regine meinte, daß sie operativ eine neue Hüfte nötig hätte. Das hätte ihr jedenfalls ihr Hausarzt mitgeteilt.

 

Hiermit verbleibe ich,

mit freundlichen Grüßen

 

 

___________________ 

 

Anlage

3 Totenbilder, Bilder von Frau Beate Ettnach, Frau Auguste Dober, Frau Tamara Haste, wie sie bei der jeweiligen Beerdigung auf den Kirchenbänken ausgelegen sind

15 Privatfotos, von Herrn Rudolf Dober an Mitarbeiter der Detektei Umschau übergeben, die seine Tochter Auguste zum Mittelpunkt haben. (Frau Auguste Dober als Kind, Teenager, Studentin.)

7 Fotos, die die Studentinnen-WG vollzählig zeigen (Frau Beate Ettnach händchenhaltend mit Frau Auguste Dober mit Frau Tamara Haste, aufgenommen im Stadtpark; Frau Tamara Haste grinsend, Frau Beate Ettnach und Frau Auguste Dober neben sich, in der Eisdiele, einem Café; Frau Auguste Dober, Frau Beate Ettnach und Frau Tamara Haste, die sich um der Haustüre von Frau Melanie Uschkes Miethaus plazieren, Frau Auguste Dober zeigt auf zwei Bildern den Mittelfinger.)

1 Foto, die Studentinnen-WG (Frau Beate Ettnach, Frau Auguste Dober und Frau Tamara Haste) zusammen mit Frau Angelika Rebhaus (!), Frau Angelika Rebhaus, rote Bob-Frisur, die Frau, die auf der Parkbank steht.)

7 Abzüge, verfertigt von Herrn Augustin, Mitarbeiter der Detektei Umschau (Aufnahmen der Person mit dem Fotoapparat, wie sie sich in den Augen der Fotografierten wiederspiegelt. Diejenige, die die Studentinnen-WG zusammen mit Frau Angelika Rebhaus da fotografiert hat, ist weiblich, hat Mittelscheitel und langes rotes Haar.)

1 Schwarzweiß- und 1 Farbausdruck (das von Herrn Augustin am Computer autovervollständigte Gesicht der Fotografierenden, derjenigen, die das Foto der Studentinnen-WG mit Frau Angelika Rebhaus gemacht hat. Auf dem Schwarzweiß- und auf dem Farbbild zu erkennen: jemand, der Frau Manuela Dombrowski unbestimmt ähnlich schaut. Eine Person, die sogar Frau Manuela Dombrowski sein könnte.

Frau Tatjana Christine Dombrowski, die Mutter Manuelas, hat jedoch keine Reaktion gezeigt, als Frau Regine Datz und Frau Agathe Deuth, Mitarbeiterinnen der Detektei Umschau, ihr den Fotoausdruck in Schwarzweiß und in Farbe auf den Wohnzimmertisch legten. Ausdruckslosigkeit bei Frau Tatjana Christine Dombrowski. Entweder hatte Frau Tatjana Christine Dombrowski ihr bestes Poker-, Maskengesicht auf, oder sie hat tatsächlich keine Ähnlichkeit der Frau auf den Bildern mit einer ihrer Töchter erkannt. Was es eigentlich nicht sein kann. Zumindest die Sätze, daß diejenige Manuela sehr ähnlich schauen würde, hätten kommen müssen.)"

 

*

 

Schreiben der Detektei Umschau an Herrn Doktor Gregorius Weil-Esch, Datum: 25.04.xxxx

 

"Sehr geehrter Herr Doktor Weil-Esch,

ich leite zwar nur eine Detektei. Aber ich habe trotzdem gewisse Beziehungen.

 

Mir ist es gelungen, einen Kontakt wiederzubeleben. 

Herr Robert Plenartz und ich kennen uns eigentlich schon seit Jahren. Immer wieder, daß Robert Plenartz früher meine Dienste in Anspruch genommen hatte.

Ein Jahr lang war ich sogar Chauffeur und Leibwächter Robert Plenartz' in einer Person.

 

Ehedem war Robert Strafverteidiger von Beruf. Hatte eine eigene Anwaltskanzlei.

Dann hat Robert die Seiten gewechselt, ist in den Staatsdienst eingetreten.

In der Gegenwart arbeitet Robert im gehobenen Beamtendienst für die Bundesstaatsanwalt und das LKA.

 

Zwei Monate heute her, daß ich mich in Berlin mit Robert - Herrn Robert Plenartz - zum Abendessen getroffen habe. Während der Zeit, daß Robert und ich gegessen haben, habe ich mit Robert über die verschiedensten Dinge geredet.

Auch Fälle, an denen die Detektei Umschau die letzten Jahre mit Erfolg gearbeitet hat, kamen dabei zur Sprache.

Schließlich habe ich Robert gegenüber den Namen Hans-Georg Tabert ins Spiel gebracht.

Hans-Georg Tabert, ein regionaler Krimineller. In dessen Familie jedoch beinahe mafiöse Strukturen herrschen. Fast ist Hans-Georg Tabert so was wie ein Mafia-Boß, ein Don. Der ganze Rest der Familienmitglieder küßt Hans-Georg Tabert quasi den Siegelring.

Dann habe ich zu Robert gesagt, daß aber nicht dieser Hans-Gorg Tabert, der ohnehin im Gefängnis sitzt, mein momentanes Hauptproblem wäre. Sondern ein Schattenmann Hans-Georg Taberts. Einer, der Drakonie Rupertus Wank heißt.

Das von Herrn Augustin verfertigte Phantombild Herrn Drakonie Rupertus Wanks, das wir von der Detektei Umschau bereits an Pinnwänden in Supermärkten und ähnlichen Orten öffentlich aushängen hatten, habe ich Robert rübergeschoben.

Schließlich habe ich Robert ein paar Kleinigkeiten von diesem Drakonie Rupertus Wank erzählt.

Zum Beispiel, daß Drakonie Rupertus Wank eine soldatische Ausbildung als Einzelkämpfer mit vielseitigem Überlebenstraining haben muß. Ein geübter Fassadenkletterer, dieser Drakonie Rupertus Wank. Jemand, der sich nachts mehrere Stockwerke über dem Gehsteig über ein Fensterbrett hinausschwingt, um an der Hauswand längs in die nächtliche Dunkelheit zu entschwinden. Ohne daß für ihn größere Gefahr bestand, in die Tiefe zu stürzen.

Des weiteren habe ich Robert das deutlich gemacht, wie gefährlich dieser Herr Drakonie Rupertus Wank war. Ein Mann, der zu allem fähig war, was Mord und Totschlag anging.

Daß ich Geschichten kannte, daß Drakonie Rupertus Wank Hans-Georg Tabert bei Unternehmungen Hans-Georg Taberts als Leibwächter dabei war.

Mitglieder der kalabrischen Mafia soll Herr Hans-Georg Tabert getroffen haben. An Hans-Georg Taberts Seite: Drakonie Rupertus Wank. Drakonie Rupertus Wank, die Person bei Hans-Georg Tabert, die für den Beistand sorgen sollte, spielten sich bei Hans-Georg Tabert Unübersichtlichkeiten ab.

Überdies informierte ich Robert darüber, daß uns von Detektei Umschau eine Geschichte mitgeteilt wurde, daß Herr Drakonie Rupertus Wank derjenige war, der, wenn zu viele Drogensüchtige bei Hans-Georg Taberts Händlern mit dem Bezahlen ihrer Drogenschulden hinterherhinkten, der Szene zu neuer Disziplin verhalf. Indem Drakonie Rupertus Wank dem einen oder anderen Süchtigen eine Überdosis setzte. Bis jeder merkte, was Sache war.

Handfeste Beweise für meine Behauptungen hätte ich keine in der Hand. Weder in den Angelegenheiten Hans-Georg Taberts noch denen Drakonie Rupertus Wanks. Weil: Zeugen, die uns von der Detektei Umschau bekannt geworden waren, die eventuell mal aussagewillig sein hätten können, seien plötzlich ums Leben gekommen.

Ich selber, der Chef der Detektei Umschau, wäre froh, daß meinen im Dunstkreis von Herrn Hans-Georg Tabert nach Erkundigungen ausgehenden Leuten noch nichts Schlimmeres passiert sei. Uns von der Detektei Umschau sei es schließlich bewußt, daß im Geiersdorfer Wald genauso schnell gestorben werden konnte wie eine Katze laut kreischte. Ein Menschenleben zählte dort nur etwas, wenn der, der lebte, der vielköpfigen Tabert-Familie angehörte.

Noch mal wiederholte ich es Robert: Die Familie Hans-Georg Taberts, die könnte man als eine funktionierende Firma betrachten. Eine, die kaum irgendwo undichte Stellen aufwies. Geschäftsgeheimnisse auszuplaudern, das war nicht. 

Tief in die Mitte der hochanständigen Landbevölkerung eines ländlichen Bergdorfes habe sie sich wie ein unterirdischer, größer und größer werdender giftiger Pilz eingegraben, die Tabert-Familie. Von einem hochtechnisierten Großbauernhof mit autonomer Energieversorgung aus betrieb die Großfamilie ihre Geschäfte. Die mit Drogen-, Menschenhandel, Prostitution und Geldwäsche zu tun hatten. Richtige Netze, die von dem kleinen Bergörtchen mit Namen Geiersdorf aus in alle Himmelsrichtungen tief in die regionale Umgebung hinein und weiter ausgeworfen wären. Kaum je käme ein Mitglied der Tabert-Familie bei Ermittlungen polizeilicher Behörden irgendwo persönlich zum Vorschein, um vielleicht kurz befragt zu werden.

 

Mein Freund Robert Plenartz hatte allem, was ich ihm sagte, interessiert zugehört, die Dinge, die ich ihm hingeschoben hatte, an sich genommen, sie sich in die Innentasche seines Jacketts gesteckt. Robert meinte zu mir, daß er sich durchaus einmal darum kümmern könnte. Irgendwann während den nächsten Monate könnte ich vielleicht von ihm, meinem alten Freund Robert, was hören.

Dann haben Robert und ich uns über den nächsten Gang unseres Mahles hergemacht, im weiteren Verlauf des Abends nicht mehr über solche Dinge gesprochen.

 

Jetzt habe ich von meinem Freund Robert Plenartz gehört, Herr Doktor Weil-Esch.

Robert hat dafür gesorgt, daß Martin Lengs, der Leiter der Soko Kondome, mit uns, der Detektei Umschau, Kontakt aufgenommen hat.

Soko Kondome, ein mißverständlicher Name. Mit Sex hatte die Arbeit der Soko Kondome nur bedingt was zu tun.

Der Grund, daß die Soko Kondome gegründet worden war, war ein vierzehnjähriges Mädchen.

Am Klo eines Schnellimbisses war die Vierzehnjährige aufgefunden worden. Tot und kilometerweit von daheim.

Die Todesursache bei der Vierzehnjährigen: eine Überdosis.

 

Jedoch kein gewöhnlicher Drogensuizid.

Im Magen der Vierzehnjährigen wurden gefüllte Kondome gefunden. Im Dutzend. Zwei Arten von Drogen: Angeldust und Kokain.

Drei der Kondome unterschieden sich von den restlichen für den Zweck benutzten Kondomen.

Als hätten diejenigen, die diese Dinger weiterreichten, mal einen Engpaß bei den Kondomen gehabt, daß gebrauchte mitbenutzt wurden. Schlimm nämlich: Die Magensäure des vierzehnjährigen Mädchens war in der Lage gewesen, das Plastik dieser besagten Kondome anzugreifen und zu durchdringen.

Die Folge: Die Vierzehnjährige, auf ihrer Reise im Zug alleine unterwegs, erlitt einen immer stärkeren Drogenrausch. Mehrere Male rief die Vierzehnjährige mit ihrem Phone Nummern an, von denen ihr anscheinend mitgeteilt worden war, daß sie sie anrufen sollte, wenn sie schlimmere Probleme mit irgendwas hätte. Aber, die Nummern waren allesamt Nieten. Für die Vierzehnjährige eine Katastrophe. Zu Hilfe kam ihr kein Mensch. Konnte wahrscheinlich auch überhaupt nicht. Auch Mutti und Vati war Hunderte von Kilometern weit weg.

Bei der nächsten Haltestation schaffte die Vierzehnjährige es auf das Klo des Schnellimbisses, sperrte sich ein. Die Vierzehnjährige versuchte alles, das, was sie im Magen hatte, zu erbrechen.

Aber, es nützte nicht viel: Ihrem Schicksal konnte die Vierzehnjährige nicht entgehen.

 

Das Geschäft des vierzehnjährigen Mädchens, das aus der Geiersdorfer Umgebung (!) herstammte, mußte man sich so vorstellen: Unter der Woche ging die Vierzehnjährige wie jedes gewöhnliche Mädchen in dem Alter zur Schule. Im Falle der Vierzehnjährigen war es die Realschule.

Nach dem Schulunterricht Freitag am Nachmittag traf sich die Vierzehnjährige dann allerdings bald mit Männern.

Nicht für Sex-Geschichten. Die Kerle, das waren Dealer. Drogenhändler. Die der Vierzehnjährigen am Wochenende zu ein, zwei Aufträgen verhalfen.

Dann reiste die Vierzehnjährige mit gefälschten Papieren und erfundener Vita ausgestattet im Zug an Orte im In- und Ausland. An den verschiedensten Plätzen traf die Vierzehnjährige sich mit Personen, übergab irgendwann ihre Ware. Reiste danach wieder ab.

Das oben Beschriebene, die Beschäftigung, die funktionierte für die Vierzehnjährige. Alles bestens. Bis mit den Kondomen, die sie geschluckt hatte und mit denen sie auf die nächste Reise gegangen war, etwas schief lief.

 

Der weibliche Teenager, vierzehn Jahre alt, diente einem Personenkreis als Drogenkurier.

Das Hauptziel der Soko Kondome war es nun, herauszufinden, wer die Drahtzieher, Hintermänner für die Aktivitäten des Mädchens waren.

Die Eltern der Vierzehnjährigen, die in Roting, drei Kilometer von Geiersdorf entfernt, wohnten, lebten von staatlicher Unterstützung, Geld, das ihnen hinten und vorne nicht reichte. Bis ihr Kind mit seiner Reisetätigkeit anfing. Beide, Vater und Mutter, wußten genauestens über die ganz Angelegenheit genau Bescheid. Beide Elternteile partizipierten reichlich von dem Geld, das die Tochter steuerfrei heranschaffte.

Aus diesem Grunde sitzen Vati und Mutti in der Gegenwart auch ein. Wie ein paar der Dealer ebenfalls, die mit der Vierzehnjährigen in Kontakt standen und von der Soko Kondome ermittelt werden konnten.

Siebzigtausend hatte die Vierzehnjährige bereits auf verschiedenen Bankkonten im In- und Ausland liegen. Dazu einen größeren Geldbetrag in Aktien- und Wertpapiergeschäften angelegt, von einem Schweizer Anwalt treuhänderisch verwaltet. Bis das Mädchen achtzehn Jahre alt wurde, selbst über das Geld und seinen Zweck entscheiden konnte.

Hübsche Summen, das der Vierzehnjährigen ihre Wochenend- und Schulferienwochenausflüge einbrachten.

Haufenweise Scheinchen, an die die Eltern nach dem Ableben ihres vierzehnjährigen Kindes herankommen wollten. Was den beiden nicht recht klappte.

 

Interessant für uns von der Detektei Umschau eine bestimmte Tatsache ...

Zwei der durch die Soko Kondome ausfindig gemachten und inhaftierten Dealer führten tatsächlich den Namen Tabert im Mund.

Deswegen habe ich, der Chef der Detektei Umschau, die gesamten Unterlagen, die wir, die Detektei Umschau, in der Sache Hans-Georg Tabert und Tabert-Familie haben, an die Soko Kondome weitergeleitet.

Ebenso wie alles, was mit dem Namen Drakonie Rupertus Wank zusammenhängt.

Allerdings nur aus der Sichtweise des Kriminellen heraus. So andere Charaktere, die für uns von der Detektei Umschau das Beiwerk bilden, wurden außen vor gelassen.

 

Jede Menge Datenbanken, die von den Leuten der Soko Kondome in Sachen Fransen beziehungsweise Herrn Drakonie Rupertus Wank geöffnet wurden. Massenweise Fahndungsbilder, die die Soko Kondome europaweit abglich. Auch bei der Interpol wurde nachgefragt. Bis hin zur französischen Fremdenlegion.

Selbst die Russen haben auf das Hilfeersuchen durch die Soko Konkome reagiert, für die Soko Kondome in ihre Datenbestände hineingeschaut.

Fazit: Fransen beziehungsweise Herrn Drakonie Rupertus Wanks Gesicht war mit seinen biometrischen Daten nirgends abgespeichert.

Kein ehemaliger KGB-Agent, kein Elitesoldat, der ins Kriminelle abgerutscht war. Fransen beziehungsweise Herr Drakonie Rupertus Wank war kein unehrenhaft entlassener Soldat. Kein gesuchter Deserteur. Scheinbar nirgends. Nicht in Europa, auch nicht in östlichen Staaten.

Aus in Unehre aus dem Soldatendienst davongejagten Leuten oder Fahnenflüchtigen wird im Grunde genommen weltweit nirgendwo ein größeres Geheimnis gemacht. Wenn aus einem Soldaten einer wurde, der die Seiten wechselte, indem er zum Beispiel zum Verbrecher umsattelte, steht meist dabei, bei welcher Einheit er in der Vergangenheit diente. Zum Beispiel, Mr. XY, vormals US-amerikanischer Berufssoldat, Marine, Einheit so und so.

Weder war Herr Drakonie Rupertus Wank europaweit in faschistischen Kreise auffällig geworden. Noch in denen linker Gruppierungen.

Ebensowenig war Herr Drakonie Rupertus Wank ein gesuchtes Mafiamitglied. Nicht in Italien, Rußland, Albanien, Algerien. Auch die Spur USA blieb blind.

Der Gedanke an einen Islamisten, einen christlichen, jüdischen Fanatiker, der half auch nicht weiter.

 

Was Herrn Drakonie Rupertus Wanks beziehungsweise Fransens echte Vita anbetrifft, sind wir weiterhin auf Kommissar Zufall angewiesen. Auch die Möglichkeiten der Soko Kondome konnten bis jetzt nicht weiterhelfen, Herrn Drakonie Rupertus Wanks wahre Identität aufzuhellen.

Überaus enttäuschend für uns, Herr Doktor Weil-Esch, daß sich uns durch unseren Austausch an Information mit der Soko Kondome und den zusätzlichen Möglichkeiten, die sich uns daraus ergaben, keine Neuigkeiten für uns entstanden, was die Gestalt, die wir von der Detektei Umschau als Herrn Drakonie Rupertus Wank beziehungsweise Fransen kennen.

 

Auch, was den Freiheitsdrang Herrn Hans-Georg Taberts angeht, ist dadurch keine Beschränkung zu bemerken.

Daß es irgendwo Namensnennungen wie Tabert gibt, hat also nicht viel zu bedeuten.

Obwohl es durch die Ermittlungsarbeit der Soko Kondome bisher einige Festnahmen gab - diverse lokale Dealer, die Eltern des vierzehnjährigen Mädchens - ein richtig großer Fisch war nicht darunter.

Eher bleibt kritisch anzumerken, daß die Soko Kondome die Möchtegerns hochgenommen hat, die nun durch ihre Verhaftung in ihrem Drang, vielleicht mal größer werden zu wollen, bis auf weiteres ausgebremst wurden. Wenigstens das.

 

Trotz aller hier aufgeführten Mißerfolge, finde ich das einen Brief, den ich Ihnen schreiben sollte, Herr Doktor Weil-Esch.

 

 

Hiermit verbleibe ich,

mit freundlichen Grüßen

 

 

___________________

 

Anlage

7 e-Mails der Detektei Umschau an die Soko Kondome (Zeitraum: letzte eineinhalb Monate)

5 e-Mails der Soko Kondome an die Detektei Umschau (Zeitraum: letzte eineinhalb Monate)"

 

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