"Briefprotokolle der Detektei" (19.04. - 15.06.), No. 3
Schreiben der Detektei Umschau an Herrn Gregor Weil-Esch junior, Datum: 12.05.xxxx
"Sehr geehrter Herr Weil-Esch junior,
woher sollten wir von der Detektei Umschau denn etwas von den genauen Absichten Ihres Vaters wissen?
Herr Doktor Gregorius Weil-Esch hat uns mit keinem Wort etwas von seinen Absichten, Vorhaben mitgeteilt.
Auf den Punkt gebracht: Wir - die Detektei Umschau - wurden von Herrn Doktor Gregorius Weil-Esch, Ihrem Vater, über nichts unterrichtet.
Wir wußten von nichts.
Mit den ferneren Angelegenheit Ihres Vater haben wir demzufolge in dem Sinne nichts zu tun.
Bitteschön, welche Art von Schuld sollten wir, wir von der Detektei Umschau, an Dingen haben, die sich ereignet haben?
Die Detektei Umschau hat für Ihren Vater lediglich Informationen zusammengetragen. Die die Detektei Umschau übermittelt hat.
Weiter wurde nichts von der Detektei Umschau gemacht. Oder 'betrieben', wie Sie es ausdrücken, Herr Weil-Esch junior.
Was sich Ihr Vater sich gedacht hat, wir von der Detektei Umschau, wir hätten ihm dringlichst davon abgeraten, dabei alleine zu bleiben.
Um das deutlich auszudrücken. Wir von der Detektei Umschau, wir hätten uns nicht außen vor gelassen. Die Detektei Umschau hätte durchaus Geleitschutz geben können.
Ich wiederhole es hiermit schriftlich, was ich telefonisch Ihnen gegenüber bereits zum Ausdruck brachte, Herr Weil-Esch junior: Ihr Vater, Herr Doktor Gregorius Weil-Esch, hat sich meinen Mitarbeitern, -innen vor Ort nicht zu erkennen gegeben.
Unter einem falschen Namen - Wendolin Gregoria - ist Ihr Vater im Mandlinger Hof abgestiegen. Wovon kein einziger Mitarbeiter der Detektei Umschau irgend etwas wußte. Ebensowenig wie ich persönlich auch.
Keiner meiner Mitarbeiter, etwa Herr Thomas Setzer, Frau Regine Datz und Frau Agathe Deuth, kannte Herrn Doktor Gregorius Wel-Esch. Nie war ihnen Herr Doktor Gregorius Weil-Esch in Person begegnet. Den Namen Herrn Doktor Gregorius Weil-Esch kannten Thomas, Regine und Agathe kannten lediglich als den Namen des Auftrag- und Geldgebers der Detektei Umschau.
Außer mit mir, war Herr Doktor Gregorius Weil-Esch in der Vergangenheit nur noch mit Herrn Augustin, der ebenfalls für die Detektei Umschau tätig ist, zusammengetroffen.
Das heißt, hätte ich Ihren Vater irgendwo gesehen, ich hätte gewußt, wie Ihr Vater ausschaut, ihn erkannt. Das gleiche gilt oder galt für Herrn Augustin. Nicht jedoch für Thomas, Regine und Agathe.
Thomas Setzer und Regine Datz sagten am Telefon, daß sie beim Anblick ihres Vaters an einen Mann gedacht hätten, der eine junge Frau nötig hätte. Der grauhaarige Mann mit der weißem Spitzbart, eben einer, der die Nähe jugendlicher Damen suchte. Immer adrett in einen schwarzen Nadelstreifenanzug gekleidet.
Ein paar Fotos schoß Thomas von ihm.
Früh morgens, als Ramona Gleibt sich aufgemacht hatte, in die Arbeit zu fahren, da hat die ältliche Person, die Wendolin Gregoria hieß, sich dann endgültig entschlossen, Ramona Gleibt nicht mehr nur von Ferne anzuhimmeln, ihr hinzuwinken oder so. Abgepaßt hat Gregoria Wendolin Ramona Gleibt.
Am Hotelparkplatz hat Ihr Vater, Herr Weil-Esch junior, sich Ramona Gleibt gegenüber aufgebaut. Ein paar Worte mit Ramona Gleibt gesprochen.
Weil wir von der Detektei Umschau ein Auge auf Ramona Gleibt hatten, uns nicht so leicht etwas entging, was Ramona Gleibt anbetraf, mußte es das erstemal gewesen sein, daß ihr Vater Ramona Gleibt direkt gegenübertrat.
Als Ramona Gleibt am Nachmittag desselben Tages in den Mandlinger Hof zurückkehrte, hat Ihr Vater wieder die Nähe Ramona Gleibts gesucht. Sie gegrüßt, ein paar Worte mit ihr gewechselt, Ramona Gleibt nach der Hand gefaßt.
In der Vorhalle des Mandlinger Hofs beobachtete Regine, daß es sich ereignete, daß die ältliche Type, die den Namen Wendolin Gregoria führte, mit dem nächsten Versuch, sich Ramona Gleibt anzubiedern, abblitzte. Eine Maulschelle Ramona Gleibts wischte Wendolin Gregoria über die Wange. Nicht richtig fest. Sondern eher, um Verhältnisse deutlich zu machen.
Zwei Tage, ehe Polizeibeamte Ramona Gleibt in der Bankfiliale an ihrem Arbeitsplatz verhafteten, bemerkte Frau Regine Setzer, daß Ramona Gleibt gegen achtzehn Uhr am frühen Abend ihr Hotelzimmer verließ. Nicht etwa, um sich aus dem Mandlinger Hof hinauszubegeben, zu ihrem Wagen zu gehen und fortzufahren, vielleicht Richtung des Wohnhauses ihres Freundes Josef Hänsels. Überraschenderweise, daß Ramona Gleibt abbog, ins Hotelrestaurant hineintrat. Sich im Restaurant des Mandlinger Hofs zu einer Tasse Tee und einem Stück Kuchen an einen der Restauranttische zu setzen.
Mehrere Minuten, daß Ramona Gleibt alleine am Tisch herumsaß, am Tee nippte, Kuchenstücke mit der Gabel spießte. Als etwas Unerwartetes geschah: Dieser Wendolin Gregoria trat zu Ramona Gleibt an den Tisch dazu. Auf Regine machte es den Eindruck, daß Wendolin Gregoria Ramona Gleibt mit dem Finger nur zeigte, ob er sich auf diesem Stuhl Platz nehmen dürfte. Tatsächlich nickte Ramona Gleibt zu Wendolin Gregoria hinauf, störte sich an nichts. Eine Szene war das, die aussah, als hätte Ramona Gleibt genau auf die Ankunft Wendolin Gregorias gewartet.
Aber, Kurznachrichten konnten Ramona Gleibt nicht geschickt worden sein. Es war Regine das reinste Rätsel, wie sich die Kommunikation zwischen diesem Wendolin Gregoria und Ramona Gleibt abgespielt haben könnte, wenn Ramona Gleibt durch sie, Thomas und Agathe totalüberwacht wurde. Irgendwas hätten Thomas, Regine und Agathe mitkriegen müssen. Oder wurden bei den kurzen Begegnungen zwischen Wendolin Gregoria und Ramona Gleibt irgendwelche codierte Botschaften ausgetauscht?
Sogar die Hand legte Wendolin Gregoria sich vor die Lippen, während er Ramona Gleibt, zu ihr hingebeugt, dies und das auseinandersetzte. Mit ausdrucksloser Miene hat Ramona Gleibt alles zur Kenntnis genommen. Ramona Gleibts Hand griff sich Wendolin Gregoria, küßte Ramona Gleibt andeutungsweise den Handrücken. Wie ein alter Charmeur, der zu wissen glaubte, was Frauen wünschten. Direkt an Ramona Gleibts Ohr sprach Wendolin Gregoria, der Grauhaarige, das eine oder andere.
Meine Mitarbeiterinnen Regine und Agathe, die die Szene aus der Ferne beobachteten, dachten bei diesem Wendolin Gregoria an wirklich nichts anderes als an einen greise gewordenen Schwerenöter. Einen, auf der Jagd nach einsamen Damen, noch mehr Mädchen als Dame. Solche, die er auf seine Gentleman-Tour becircen konnte. Damit die eine oder andere irgendwann das Hotelbett mit ihm teilte.
Nichts anderes fiel Thomas, Regine und Agathe bei Wendolin Gregoria ein.
Tut mir sehr leid, Herr Weil-Esch junior. Hätten wir von der Detektei Umschau die leiseste Ahnung gehabt, daß Ihr Vater, Herr Doktor Gregorius Weil-Esch sein könnte, hätten wir uns Herrn Wendolin Gregoria vorgestellt. Ihm die Chance gegeben, sich uns vorzustellen.
So aber ist keiner der Detektei Umschau, der sich im Mandlinger Hof aufhielt, irgendwie auf den Einfall verfallen, daß Herr Doktor Gregorius Weil-Esch, der unser Auftrag- und Geldgeber war, aufgrund unserer detektivischen Arbeit jemals leibhaftig in den Mandlinger Hof kommen könnte. Hätte ein Mitarbeiter der Detektei Umschau eine Ahnung davon gehabt, hätten wirselbstverständlich ein Auge auf Herrn Doktor Gregorius Weil-Esch beziehungsweise Wendolin Gregoria gehabt.
Glauben Sie mir: Wir von der Detektei Umschau schicken niemanden einfach so in den Untergang. Wenn wir von der Detektei Umschau Bescheid wissen.
Sei dem, wie ihm sei.
Möchte mich hier mit diesen Zeilen nochmals bei Ihnen, Herr Weil-Esch, bedanken, daß Sie Ihren Anwalt angewiesen haben, bei der Polizei Irrtümer aufzuklären.
Frau Agathe Deuth, Mitarbeiterin der Detektei Umschau, ist durch diese Intervention wieder auf freiem Fuß.
Trotzdem muß Agathe sich zur Verfügung der lokalen Behörden halten, hat ihre Ausweise abgeben müssen, darf nirgendwohin weiter weg abreisen.
Unglücklicherweise ist durch die Festnahme meiner Mitarbeiterin Agathe Deuth auch die Detektei Umschau ins volle Blickfeld polizeilicher Ermittlungen geraten.
In unseren Büros hatten wir nicht nur Anrufe von der Behörde entgegenzunehmen, wir von der Detektei Umschau hatten bereits die Polizei in unseren Büroräumlichkeiten.
Dafür möchte ich mich wirklich bedanken, Herr Weil-Esch, daß Sie mir erlaubt haben, auch vertraulichere Unterlagen, die den Fall, an dem wir von der Detektiv Umschau für Ihren Vater arbeiten, betreffen, an die Polizei auszuhändigen.
Bitte, Herr Weil-Esch junior, so, wie die Detektei Umschau in den Fall involviert ist, ist es doch irgendwie logisch, daß ausgerechnet wir von der Detektei Umschau in Form von Frau Agathe Deuth jenes Fahrzeug finden, das Ihr Vater, Herrn Doktor Gregorius Weil-Esch, sich gemietet hatte.
Diesen Fall, daß wir von der Detektei Umschau für Ihren Vater, Herrn Doktor Gregorius Weil-Esch, bearbeiten. In ihm sind wir vertraute Personen. Wir treten auf. Da spielt nicht unbedingt der Zufall bei etwas die Rolle.
Die Polizeistrategie war die, daß die Polizei den Wagen Ihres Vaters, des Herrn Doktor Gregorius Weil-Esch, im gesamten Landkreis suchte. Während die Detektei-Umschau-Mitarbeiter Thomas, Regine und Agathe einfach in ihre Wägen gestiegen sind, um nach Geiersdorf zu fahren.
In und um Geiersdorf herum, daß Thomas, Regina und Agathe gesucht haben. Auf Kies- und Waldwegen sind sie durch die Landschaft gekurvt.
Dann: Bei Agathe war der Treffer.
Ganz in der Nähe des Tabert-Gehöfts am unteren Ende von Geiersdorf. Eigentlich hätten Thomas, Regine und Agathe den Wagen noch schneller auffinden können.
Da ist Agathe In ihrem Mietauto ist Agathe auf einem mit Kies aufgeschütteten Feldweg längs gefahren.
Bis Agathe am Waldrand bei einem alten, verfallenden Stall anhielt. Aus ihrem Fahrzeug ist Agathe ausgestiegen.
Mit ihrer Taschenlampe in die heruntergekommene Stallung hineingeleuchtet - Bingo!
Drinnen stand ein fast neuer, silberfarbener Wagen geparkt. Alles andere als unsichtbar. Wie frisch dorthin kutschiert.
Jenes vierrädrige Gefährt war es, das Wendolin Gregoria für seine Fahrten nutzte, wie Agathe wußte, weil Agathe sich das Autokennzeichen im Kopf gemerkt hatte.
Persönlich würde ich ja sagen, Herr Weil-Esch junior, was Agathe Deuth, Mitarbeiterin der Detektei Umschau, die den Wagen Ihres Vaters Herrn Gregorius Weil-Esch gefunden hatte, eigentlich tun hätte sollen: Thomas und Regine herbeirufen. Beratschlagen hätten sich die drei sollen. Über das weitere Vorgehen.
Blöderweise hat Agathe, verwirrt wie Agathe scheinbar von dem Glück war, die alleinige Finderin zu sein, das nicht getan.
Statt sich wieder in ihr Auto zu setzen, wegzufahren, hat Agathe mit ihrem Phone unverzüglich bei der Polizei angerufen hat. Informiert hat Agathe auf der Polizeiinspektion, daß sie, Agathe, das überall Landkreis gesuchte Auto gefunden habe. Oben in Geiersdorf. In einer aufgelassenen Stallung. Mittenrein geparkt.
Nach ihrem Telefonat wartete Agathe brav auf die Ankunft der Polizeidienstwägen.
Davon, daß Agathe nicht die richtigen Einfälle kamen, haben wir von der Detektei Umschau nun das Bündel, das wir zu tragen haben. Schwer lastet es auf unseren Schultern.
Wie es aussieht, hätte Agathe das nie tun dürfen, was sie getan hat. Bei der Anonymität hätte Agathe es belassen müssen. Der Polizei von irgendwoher anonym eine Nachricht zukommen zu lassen, wo das Fahrzeug des Herrn Doktor Gregorius Weil-Eschs abgestellt war.
Überallhin hätte das gereicht. Für Agathe. Die gesamte Belegschaft der Detektei Umschau.
Herr Weil-Esch junior, Ihr Vater, Herr Doktor Gregorius Weil-Esch, befand sich nicht in dem Mietfahrzeug drinnen. Der Kofferraum des Wagens stand zwar auf. War aber leer.
Weit und breit in der Umgebung des Stalles kein Leichnam. Herr Doktor Gregorius Weil-Esch war spurlos verschwunden.
Frau Agathe Deuth, Mitarbeiterin der Detektei Umschau - weil sonst niemand da, dem man habhaft werden hätte können -, wurde aus dem Stand heraus verhaftet. Als dringend tatverdächtig. Handschellen wurden Frau Agathe Deuth, der Detektivin, angelegt. Als ob sie auch sofort die Mörderin wäre, wenn sie schon die Polizei ruft.
Wirklich wahr!
In mehrstündigen Verhören haben ein Hauptkommissar, ein Kommissar und ein Kriminalinspektor von Agathe eine Aussage zu erlangen gehofft. Wer ihre Hintermänner wären. Wie alles gemacht worden wäre.
Der Klubleiter der Motorradfreunde Dead Riders - Dexter mit Spitznamen - und noch ein paar von denen wurden während ihres Klubabends in Roting nahe von Geiersdorf festgenommen.
Die Mitglieder der Dead Riders wurden alle ebenfalls in derselben Angelegenheit in die Mangel genommen, mit der die Kriminalisten Agathe zusetzten.
Warum diese Verhaftungen? Die von der Polizei hatten eine Phone-Unterhaltung Agathes mit diesem Dexter, der den Motorradklub leitet, abgespeichert auf Agathes Phone gefunden.
In dem Gespräch zwischen Agathe und jenem Dexter ging es um eine Entführungssache, etwas, was in Planung wäre. Agathe hat in ihr Phone hineingesprochen, daß sie, Agathe, sich durchaus vorstellen könnte, den Lockvogel zu geben.
Für Dexter und die anderen.
Und jetzt war Ihr Vater, Herr Weil-Esch junior, verschwunden - und Frau Agathe Setzer war ausgerechnet die Person, die den silbermetallikfarbenen Wagen in dem Stallbau unterhalb von Geiersdorf gefunden hatte.
Wenn das keine Zufälle waren. Einmal die Planung eines Kidnappings. Dann das Verschwinden eines älteren Herrn. Dessen Auto sie, Frau Agathe Deuth, wie zufällig auffindet.
Der Lockvogel konnte sie also gewesen sein. Daß sie, Frau Agathe Deuth, Mitarbeiterin einer Detektei war, das hatte in dem Fall nichts zu besagen. Das schloß nicht aus, daß Agathe Deuth zu keiner Handlung aus niedrigen Beweggründen fähig sein könnte.
Außerdem, was hieß das, Detektiv? Den Ausweis, den Frau Agathe Deuth bei sich dabei hatte, mit Foto, ihrer Unterschrift - den hatte man in den Büroräumen der Detektei Umschau selber ausgedruckt. Das hat Frau Agathe Setzer selber mitgeteilt, damit zugegeben. Daß alles amtlich ausschaute, dafür wurde von der Detektei Umschau selber gesorgt.
Nun gut, Herr Weil-Esch junior, es ist eine Grauzone, unsere Legitimierung und unser Handeln als Detektei.
Trotzdem ist die Detektei Umschau ein öffentlicher Begriff. Mit dem Detektei Umschau Kunden gewinnt. Erkundigungen dürfen wir als Detektive einziehen. Und eher nicht zufällig kann ein Mitarbeiter einer Detektei auch am Ort eines Verbrechens sein.
Das heißt jedoch noch lange nicht, daß der Detektiv dann dieses Verbrechen begangen hat.
Schon unglücklich, daß bei Agathe, der Mitarbeiterin der Detektei Umschau, eine Phone-Gesprächsaufzeichnung gefunden wird, die auf Vorhaben wie ein Entführungsdelikt hinweist.
Trotzdem: Daß deswegen geglaubt wird, Agathe könnte an der Entführung dieses Wendolin Gregoria, Ihres Vaters, Herr Doktor Weil-Esch, auch wirklich mitgeplant haben, bei der Ausführung der Tat in der Nähe gewesen und geblieben sein ...?
Vielleicht, weil Agathe ja als Detektivin eine gewisse Tarnung hatte.
Hätte Agathe die Phone-Unterhaltung zwischen ihr und diesem Dexter, Mitglied eines Motorradklubs, schon wieder gelöscht gehabt, hätte man Agathe vielleicht ja auch als nicht weiter als eine Detektivin gesehen ...
Wendolin Gregoria, ihr Vater, Herr Doktor Weil-Esch, hatte als Beruf zwar Unternehmer angegeben.
Aber nach ganz großen Geld hatte die Gestalt Wendolin Gregoria, die Thomas und Regina - und somit auch Agathe - erst seit ein paar Tagen im Mandlinger Hof ins Bild getreten war, nicht ausgesehen. Herr Wendolin Gregoria unternahm den Versuch, sich Ramona Gleibt zu nähern, Frau Ramona Gleibt, die von Thomas, Regina und Agathe abwechselnd beobachtet wurde.
Sonst war mit Wendolin Gregoria jedoch nicht viel, was wir von der Detektei Umschau herausfinden hätten wollen.
Agathe streitet mir gegenüber sowieso alles ab. Agathe sage mir, sie hätte keine Geldsorgen. Auch keine größeren Kredite laufen, die sie, Agathe, in Zahlungsschwierigkeiten brächten. Mit diesem Dexter, dem Klubleiter, hätte sie öfters mal telefoniert, dann und wann sich mit ihm getroffen. Alles aber nur im Rahmen, im Rahmen ihrer Arbeit für die Detektei Umschau.
Herausfinden wollte Agathe als Mitarbeiterin der Detektei Umschau eben, welche genaueren Beziehungen der Klub der Dead Riders zu der Tabert-Familie hatte. Drogen, Prostitution und so weiter. Mehr über die Pläne Dexters, des Klub-Chefs, wollte Agathe erfahren. Wie ernst es Dexter wirklich war, eine Person mal mit Haut und Haaren zu entführen, ob das bei Dexter schon über den Status des Planungsstadiums hinausgekommen war, das wußte Agathe nicht zu sagen. Davon hätte sie eben gerne mehr gewußt.
Daß Agathe, meine Mitarbeiterin, sich mit Dexter, dem Vorstand der Dead Riders, sich intensiver abgab und mit ihm umtriebig, davon hatten Thomas und Regine, die beiden anderen Detektei-Umschau-Mitarbeiter in der Sache Ramona Gleibt und Geiersdorfer Gegend, nicht viel klar in ihrer bewußten Aufmerksamkeit. Sagen die beiden mir wenigstens.
Agathe Deuth, eine meiner Detektivinnen, das ist die eine Überraschung für mich, Herr Weil-Esch junior.
Die andere, die ist für mich Ihr Vater, Herr Doktor Gregorius Weil-Esch, und das spurlose Verschwinden Ihres Vaters.
Keiner der Detektei Umschau wurde von Ihrem Vater, Herrn Doktor Gregorius Weil-Esch, über irgendeine seiner Absichten in Kenntnis gesetzt. Das kann ich hier nur wiederholen: Ihr Vater, Herr Doktor Gregorius Weil-Esch, hat sich unter falscher Identität in den Mandlinger Hof in Zimmer 09 eingemietet. Wendolin Gregoria nannte sich Ihr Vater. Einen Ausweis hatte Ihr Vater der Rezeptionsdame im Mandlinger Hof präsentiert, mit aktuellem Paßbild. Einen auf den Namen Wendolin Gregoria.
Um das hier noch mal in diesem Schreiben festzuhalten: Agathe Deuth kannte das Aussehen Herrn Doktor Gregorius Weil-Eschs, Ihres Vaters, Herr Weil-Esch junior, nicht. Ebensowenig wie Thomas und Regine, die auch an dem Fall arbeiteten, gewußt haben, wie derjenige, der der Auftraggeber der Detektei Umschau war, ausschaute.
Lediglich dem Namen nach war Herr Doktor Gregorius Weil-Esch Thomas, Regine und Agathe als der bekannt, der die Detektei Umschau für ihre Nachforschungsarbiet bezahlte.
Und die Planungen dieses Dexters von den Dead Riders, einen zu kidnappen, daß die dann ihren Vater als Ziel haben könnten? Ihren Vater, um den sich Agathe Deuth nur als eine Person kümmerte, die Ramona Gleibt belästigen wollte. Daß Ramona Gleibt ihm Küsse schenke. Wobei Wendolin Gregorias Firma, die, die Wendolin Gregoria besitzen sollte, nirgends mittels einer Suchmaschine genauer erurierbar war ... 'Unternehmer' konnte sich wirklich jeder nennen, sich als 'Fabrikant' ausgeben..
Da hatte dieser Dexter, denke ich, mit Sicherheit jemand lohnenswerteren im Kopf, über den er besser Bescheid wußte. Der sein Entführungsopfer sein sollte. Und nicht Ihren Vater, Herr Weil-Esch junior, der bis dahin nichts als eine flüchtige Erscheinung war.
Deshalb ...
Bleiben trotzdem weiterhin unzählige Fragen: Was waren nun die Absichten Herrn Doktor Gregorius Weil-Eschs, Ihres Vaters? Warum mietete sich Herr Doktor Gregorius Weil-Esch, Ihr Vater, im Mandlinger Hof ein Zimmer? Aus welchem Grund hat die Detektei Umschau nicht darüber Bescheid bekommen oder wissen dürfen, daß derjenige, in dessen Auftrag die Detektei Umschau Nachforschungsarbiet betrieb, im Mandlinger Hof abgestiegen war?
Was wollte Herr Doktor Gregorius Weil-Esch, ihr Vater, eigentlich unter einer falschen Identität im Mandlinger Hof? Was war der Zweck des Ganzen, das Ziel, das Herr Doktor Gregorius Weil-Esch damit, daß er sich im Mandlinger Hof einmietete, erreichen wollte?
Frau Ramona Gleibt? Oder sonstwer, mit dem Ramona Gleibt ihn zusammenbringen konnte?
Im Mandlinger Hof hat sich der Herr Doktor Gregorius Weil-Esch vor allem an Ramona Gleibt herangemacht, Frau Ramona Gleibt, die in der Gegenwart in der Mordsache Josef Hänsel in Untersuchungshaft sitzt.
Im Hotelrestaurant konnten wir, wir von der Detektei Umschau, Wendolin Gregoria, von dem die Mitarbeiter der Detektei Umschau lediglich diesen Namen kannten, beobachten, wie er Ramona Gleibt, die überraschenderweise ins Restaurant des Mandlinger Hofs heruntergekommen war, nach der Art eines alten Charmeurs herbusselte, Frau Ramona Gleibt Dinge ins Ohr flüsterte.
Und Frau Ramona Gleibt flüsterte ihm ebenfalls etwas ins Ohr. Wie bei einem Techtelmechtel.
Aber was hatten Frau Ramona Gleibt und Wendolin Gregoria, der Ihr Vater war, Herr Weil-Esch junior, miteinander zu flüstern?
Wurde etwa der Zeitpunkt ausgemacht, die Räumlichkeit, um das Hotelrestaurantgeplänkel zwischen einem älteren Mann und einer jünger Frau mit heißeren Küssen zu vertiefen?
So dachten sich das meine Mitarbeiter, die Mitarbeiter der Detektei Umschau, Thomas, Regine und Agathe. Nur, das war wahrscheinlich der Trugschluß. Weil, das sollte schließlich auch jeder zufällige Beobachter denken, daß dem so wäre.
Wie sind hier nun meine Ideen, Herr Weil-Esch junior, worum es in Wirklichkeit ging? Ich hege nämlich einen Verdacht.
Nicht unbegründet, denke ich.
Alles eine Frage der Perspektive.
Frage mich, Herr Weil-Esch junior, wie sehr Sie mit dem Fall, an dem die Detektei Umschau für Ihren Vater arbeitet, vertraut sind. Was wissen Sie darüber?
Für mich, der die Detektei Umschau leitet, Dinge mit den Mitarbeitern der Detektei Umschau durchspricht, gibt es nämlich ein paar Antworten.
Wenn ich mich zum Beispiel frage, warum nähert sich Herr Doktor Gregorius Weil-Esch Ramona Gleibt - kann ich als der Chef der Detektei Umschau, der die Arbeit seiner Mitarbeiter begleitet und überblickt, außerdem Berichte und Briefe hauptverantwortlich verfaßt, Kleinigkeiten vorstellen.
Und zwar solche, daß Herr Doktor Gregorius Weil-Esch, Ihr Vater, Herr Weil-Esch junior, in der Gestalt Wendolin Gregorias überhaupt nichts von Ramona Gleibt wollte. Keinen Kuß, keine Bettgeschichte, nichts.
Aber klar, Ihr Vater, der wollte als Wendolin Gregoria schon etwas von Frau Ramona Gleibt. Nur nicht das eine. Das eine, nach dem es für Thomas, Regine und Agathe ausschaute. Sicherlich ausschauen sollte.
Und, wie es mir, dem Inhaber der Detektei Umschau, vorkommt, hat Herr Doktor Gregorius Weil-Esch, Ihr Vater, das, nach dem es ihm begehrte, auch von Ramona Gleibt bekommen.
Frau Ramona Gleibt war im Restaurant des Mandlinger Hofs lediglich die, die Nachrichten übermitteln sollte.
Wie das zuging, daß Thomas, Regina und Agathe, wir von der Detektei Umschau, nichts davon mitkriegten, das ist das Problem der Detektei Umschau. Diesen Schuh müssen wir von der Detektei Umschau uns gewiß anziehen.
Anscheinend konnte es geschehen, daß wir von der Detektei Umschau hinschauten - und trotzdem blind geblieben sind. Keine Ahnung hatten wir von der Detektei Umschau. Nicht die geringste.
Daß Ihr Vater, Herr Gregorius Weil-Esch, Herr Weil-Esch junior, IHN treffen wollte.
ER, das ist Herr Drakonie Rupertus Wank.
Um IHN drehte es sich bei den Flüstereien Frau Ramona Gleibt mit Ihrem Vater.
Nur das kann die Lösung sein.
Für mich, als der Leiter der Detektei Umschau,ist das die Lösung.
Irgendwohin hat Herr Doktor Gregorius Weil-Esch sich mit seinem silbermetallikfarbenen Mietauto sich nach dem Austausch mit Frau Ramona Gleibt im Restaurant des Mandlinger Hofs begeben. Zu einem Treffpunkt.
Herr Doktor Gregorius Weil-Esch hat IHN getroffen. IHN, Herrn Drakonie Rupertus Wank.
Ganz einfach.
Und jetzt ist Herr Doktor Gregorius Weil-Esch verschwunden, Herr Weil-Esch junior ...
Wir von der Detektei Umschau, wir hatten Ramona Gleibt unter Beobachtung. Ramona Gleibt im Mandlinger Hof. Ramona Gleibt, die, wenn sie sich nicht an ihrem Arbeitsplatz befand, ziemlich seltsame, unübersichtliche Verhaltensweisen an den Tag legte.
Wie Ramona Gleibt sich zum Beispiel im Mandlinger Hof aufführte. Mit wem Ramona Gleibt, wie wir von der Detektei Umschau vermuteten, eine Beziehung haben könnte. Womit wir nicht Josef Hänsel, Ramona Gleibts offiziellen Freund und Geliebten meinen. Den, von dem vermutet wird, daß Ramona Gleibt diejenige war, die Josef Hänsel zerstückelt hat. Sondern jemand anders. Jemanden, von dem in dieser Geschichte auch die Rede ist. Eine Person, die kaum zu Gesicht zu bekommen ist.
Lange Rede, kurzer Sinn: Vielleicht hat sich Ihr Vater, Herr Weil-Esch junior, bei dieser aufgelassenen, verfallenden Stallung am Waldesrand mit Drakonie Rupertus Wank getroffen. Des Abends, Nachts. Jedenfalls bei Dunkelheit.
Alleine, ganz alleine, Ihr Herr Vater.
Furchtlos und entschlossen.
Ohne daß irgendein Mitarbeiter der Detektei Umschau davon die leiseste Ahnung hatte.
Wir von der Detektei Umschau, wir haben von Ihrem Vater keinerlei Mitteilung erhalten. Aufklärung über seine Vorhaben, Pläne, Fehlanzeige.
Obwohl wir, wir von der Detektei Umschau, doch eigentlich im Sold Ihres Vaters, Herrn Doktor Gregorius Weil-Esch, standen.
Auch heute noch, nach dem Verschwinden Ihres Vaters, reicht das an uns im voraus übermittelte Geld aus, daß wir sagen können, wir stehen im Dienst Ihres Vaters.
Unter anderem auch einer der Dienste, die wir von der Detektei Umschau anbieten: daß Mitarbeiter als Leibwächter zur Verfügung stehen.
Wäre dieses Angebot der Detektei Umschau von Ihrem Vater, Herrn Doktor Gregorius Weil-Esch, in Anspruch genommen worden, hätten wir Ihren Vater, begleitet. Meine Mitarbeiter, -innen hätten vielleicht in die Abläufe der Geschehnisse eingreifen können.
So aber ...
Niemand von der Detektei Umschau war auch nur ansatzweise eingeweiht, was Ihr Vater vorhatte, Herr Weil-Esch junior. Wir waren nicht in der Nähe Ihres Vaters, wissen nichts Genaures, was Ihrem Vater geschehen sein könnte.
Den Schuh, daß wir von der Detektei Umschau an irgend etwas schuld sein könnten, ziehen wir uns aus dem Grund wirklich nicht an. Lassen ihn uns auch nicht anziehen. Nicht von Ihnen, Herr Weil-Esch junior oder den staatlichen Behörden, die in einer Mordsache ermitteln.
Was wir für Herrn Doktor Gregorius Weil-Esch getan haben, war unsere Arbeit. Detektivische Arbeit. Die Arbeit einer Detektei. Nichts weiter.
Wenn sich Herr Doktor Gregorius Weil-Esch, Ihr Vater, aufgrund unserer Tätigkeit ohne unser Wissen unübersichtlichen Gefahren aussetzt, wir von der Detektei Umschau, wir haben ihn nicht dazu aufgefordert. Keiner der Detektei Umschau hat Ihrem Vater das geraten.
Die Gedanken, die er sich machte, hat Herr Doktor Gregorius Weil-Esch, Ihr Vater, sich schon eigenständig gemacht. Die, die ihn dazu veranlaßten, in sein Mietauto zu steigen, in ihm in die nahe Umgebung von Geiersdorf zu fahren. Um aller Wahrscheinlichkeit nach eine Begegnung herbeizuführen.
Uns also gewissermaßen für das Verschwinden Herrn Doktor Gregorius Weil-Eschs mitverantwortlich machen zu wollen, das finden wir von der Detektei Umschau wirklich weit hergeholt. Sehr weit.
Wir von der Detektei Umschau werden sehen, inwieweit wir uns nicht anwaltlich gegen solche Anwürfe verteidigen können.
Noch einmal für die klar verständliche Ausdrucksweise: Wie es für uns von der Detektei Umschau aussieht, ist Herr Doktor Gregorius Weil-Esch, Ihr Vater, Herr Weil-Esch junior, in einer festen Absicht im Mandlinger Hof erschienen. Unter dem Namen Wendolin Gregorius hat Ihr Vater sich im Mandlinger Hof ein Hotelzimmer genommen. Ihr Vater hat als Wendolin Gregorius dafür gesorgt, daß er Frau Ramona Gleibt trifft.
Irgendwas muß Herr Doktor Gregorius Weil-Esch alias Wendolin Gregoria Ramona Gleibt bei einer seiner flüchtigen Begegnungen mit Frau Ramona Gleibt Frau Ramona Gleibt angesagt haben, daß man davon sprechen kann, daß Wendolin Gregorius erfolgreich war.
Mit welchen Vorschlägen Herr Doktor Gregorius Weil-Esch genau an Frau Ramona Gleibt herangetreten ist, darüber rätseln wir, Herr Augustin, mein engster Mitarbeiter, und ich zwar ein klein bißchen. Nichtsdestotrotz kam es als Folge davon im Hotelrestaurant des Mandlinger Hofs zu einem Austausch an interessanten Nachrichten.
Womit alles am Schluß geendet hat: IHN, Herr Weil-Esch junior, hat Herr Doktor Gregorius Weil-Esch nahe bei Geiersdorf getroffen.
IHN, das ist ER, Herr Drakonie Rupertus Wank. Niemandem anderen ist Herr Doktor Gregorius Weil-Esch gegenübergetreten.
Nur leider, dieses Zusammentreffen, das war für Ihren Vater, fürHerrn Doktor Gregorius Weil-Esch, wie ein Ticket ohne Wiederkehr.
Mit jedem Tag, den Herr Doktor Gregorius Weil-Esch verschwunden bleibt, wird uns von der Detektei Umschau das deutlicher.
Hoffnung wollen wir Ihnen, Herr Weil-Esch junior, deswegen keine nehmen. Nur: Wir von der Detektei Umschau sind Angriffen ausgesetzt. Die mit den Handlungen Ihres Vaters in Verbindung stehen.
Es wäre nett, wenn dafür gesorgt würde, daß die Augen von uns, der Detektei Umschau, und den Mitarbeitern der Detektei Umschau weggenommen würden.
Hiermit verbleibe ich,
mit freundlichen Grüßen
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Anlage
13 Fotos (Herr Wendolin Gregoria, der Frau Ramona Gleibt auf dem Parkplatz des Mandlinger Hofs gegenübergetreten ist; Herr Wendolin Gregoria zusammen mit Frau Ramona Gleibt an dem hier in dem Schreiben diskutierten Abend am Rundtisch im Hotelrestaurant des Mandlinger Hofes. Wendolin Gregorius mit Ramona Gleibt im Mandlinger Hof, tags drauf.)
35 Fotos (die alte, verfallende Stallung, der Fundort des Autos von Wendolin Gregorius, und ihre nähere Umgebung; auf drei Fotos sehr gut getroffen: die Nähe zum Tabert'schen Großbauerngehöft.)
1 Speicherstick, laufende Bilder und 50 Einzelfotos (die bei der Stallung am Waldrand eingetroffene Polizei. Polizeibeamte, die sich mit Frau Agathe Deuth, Mitarbeiterin der Detektei Umschau, auseinandersetzen, Frau Agathe Deuth, die angerufen hatte, nachdem sie den silbermetallikfarbenen Wagen Wendolin Gregorias in dem Abrißstall entdeckte. Auf den letzten Fotoaufnahmen: Frau Agathe Setzer, die in ein Polizeiauto einsteigen muß.)"
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