"Briefprotokolle der Detektei" (20.02. - 12.04.), No. 3
Schreiben der Detektei Umschau an Herrn Doktor Gregorius Weil-Esch, Datum: 25.04.xxxx
Sehr geehrter Herr Doktor Weil-Esch,
wochenlang war Ramona Gleibt spurlos verschwunden war.
Seit vierzehn Tagen ist Ramona Gleibt wieder zurück. Aber, es ist einiges anders wie es zuvor war.
Es war der Montag vorletzte Woche. Plötzlich ist Ramona Gleibt gegen neunzehn Uhr am frühen Abend mit verschlammten Sportschuhen in die Vorhalle des Hotel Bertha hineinspaziert gekommen.
Eher zufällig, daß Regine das mitkriegte. Regine, die sich unten in den Restaurantsbereich im Hotel Bertha aufgemacht hatte. Als Regine Ramona Gleibt erblickte.
Von der Rezeptionsdame ließ sich Ramona Gleibt, die eine schwarze Kunstlederjacke, eine durchnäßte, dreckige Jeans anhatte, die Zimmerkarte geben. Zimmer sechzehn.
Ganz so verhielt Ramona Gleibt sich, als wäre sie nicht seit Wochen abgängig gewesen. Dazu aufgerufen, der an der Rezeption irgendwas erklären zu müssen, fühlte Ramona Gleibt sich nicht.
Auf Zimmer sechzehn zog Ramona Gleibt sich aus, begab sich in ihr Badezimmer. Nach einer Stunde kam Ramona Gleibt aus dem Bad zurück, legte sich in ihr Bett.
Am Dienstag in der Frühe ist Ramona Gleibt mit einem Mietauto in die Bankfiliale gefahren. An ihrem Arbeitsplatz hat Ramona Gleibt sich eingefunden, als wäre nie etwas geschehen.
Die Wochen Fehlzeit wurden Ramona Gleibt ohne die Möglichkeit einer nachträglichen Krankmeldung auf ihr Arbeitszeitkonto angerechnet.
Seit dem Arbeitsneustart bei Ramona Gleibt leistete Ramona Gleibt schon mal bis in den Abend hinein Überstunden. Im nächsten Monat ist auf der Bank geplant, daß Ramona Gleibt sich die Nachtschicht nimmt. Für den Börsenhandel in Übersee.
In Sachen Börse ist Ramona Gleibt schließlich eine ausgewiesene Fachfrau. Aktien- und Derivatenhandel.
Im Sinne der Bank und einiger -kunden soll Ramona Gleibt Geschäfte abwickeln.
Ansonsten nimmt Ramona Gleibt ihren Platz hinter dem Schalter ein, sitzt in dem abgetrennten Raum nebendran, der hauptsächlich ihr gehört.
Das alles, als wäre Ramona Gleibt nie abgängig gewesen.
Der vergangene Donnerstag ...
Erst mal: Am Donnerstag waren Thomas und Regine im Gasthof zur Gans zum Mittagessen.
Hauptsächlich Fleisch wird im Gasthof zur Gans aufgetischt.
Rinds-, Schweine-, Kalbsfleisch, Wild. In allen Variationen. Das ganze Tier, bis auf die Hufe. Sogar Rinderhirn haben Thomas und Regine für Samstag auf der Speisekarte entdeckt, Rinderhirn mit Möhrchen, Erbsen und Bohnen.
Wie erwartet, daß Herr Sibach, der Leiter der Bankfiliale, in der Frau Ramona Gleibt arbeitet, im Gasthof zur Gans zur Eingangstüre hereinkam. Zufällig war Herr Sibach einmal alleine.
An den für ihn reservierten Rundtisch setzte Herr Sibach sich, überschaute die Speisekarte. Die Bedienung kam zu Herrn Sibach, und Herr Sibach bestellte bei der Frau.
Thomas und Regine fanden, das sei eine gute Gelegenheit, daß Herr Sibach so verlassen an seinem Tisch herumhockte, begaben sich zu Herrn Sibach.
Ob er und seine Begleiterin Regine sich kurz zu ihm an den Tisch setzen dürften, fragte Thomas.
Herr Sibach beschaute sich ein paar Momente lang ausgiebig das Dekolleté bei Regine, zuckte die Schulter, verwies mit einer ausschweifenden Geste auf die leeren Stühle.
Bei Herrn Sibach, dem Filialleiter, am Mittagstisch sitzend, unterrichtete Thomas darüber, daß er und Regine Detektive seien. Für die Detektei Umschau, daß er, Thomas, und seine Begleiterin Regine arbeiten würden.
Tolerant war Herr Sibach. Herr Sibach meinte, Detektive könnte man immer wieder für was brauchen, zuckte die Schulter. Detektive wären bestimmt eine Überlegung wert, wollte man bei Gelegenheit ein paar der Belegschaft überwachen lassen. Detektive wären mit Sicherheit auch nützlich, wenn man eine Tochter hatte, die nichts wie Firlefanz und Dummheit im Kopf hatte. Ein Detektiv könnte sich gut einen Überblick darüber verschaffen, was das Mädchen so trieb, was es für einen Umgang hatte. Das Thema Freundinnen, Kerle, mit denen es sich so rumtrieb, wenn es aus der Schule herausmachte. Ohne sofort nach Hause zu gehen. Oder wenn die Kleine abends zum Ausgehen das Elternhaus verließ.
Von Thomas wollte Herr Sibach wissen, was es denn kosten könnte, die Detektei Umschau für sich tätig werden zu lassen. Hätte eine Detektei nicht feste Tarife?
Die Karte mit der Adresse und einigen Nummern der Detektei Umschau abgedruckt drauf reichte Thomas an Herrn Sibach weiter. Kurz setzte Thomas ein bißchen was von den Geschäftsbedingungen der Detektei Umschau auseinander.
Schweinebraten mit brauner Soße und großem Kloß, das Essen Herrn Sibachs. Dazu trank Herr Sibach Dunkelbier im Halb-Liter-Glas.
Danach erkundigte sich Thomas, ob er Herrn Sibach ein paar Fragen zu einer seiner Mitarbeiterinnen in der Bankfiliale stellen dürfte.
Herr Sibach gab zur Antwort, das käme ganz auf die Fragen an. Und von wem Thomas etwas wissen wollte.
Thomas eröffnete Herrn Sibach, daß es Frau Ramona Gleibt wäre, über die er, Thomas, und seine Begleiterin Regine sich gerne als Detektive, die für Detektei Umschau arbeiteten, unterhalten würden.
In Herrn Sibachs Gegenwart erörterte Thomas die Tatsache, daß sich die Detektei Umschau seit geraumer Zeit mit Vorfällen beschäftige, die sich in und um Geiersdorf zugetragen hätten. Bestimmte Geschehnisse, die sich die Dektei Umschau noch mal genauer betrachte. Ob in ihnen wirklich alle Aspekte in Betracht gezogen worden wären.
An der Laune Herrn Sibachs änderte sich nichts, also redete Thomas sich voran: Bei den Nachforschungen durch ihre Detektive wäre die Detektei Umschau auf die Familie Gleibt gestoßen. Auf unbestimmte Weise wäre die Familie Gleibt in die Umgebung undurchsichtiger Vorfälle geraten. Ohne daß die Familie Gleibt an irgendwas direkt schuld gehabt hätte. Eigentlich spreche man von der Familie Gleibt nur aus einem Grund: Die Familie Gleibt hatte das Pech, jahrelang in Geiersdorf auf einem Bauernhof die Sommerferien verbracht zu haben.
Ungerührt horchte Herr Sibach Thomas' Geschwätz zu. Thomas sprach davon, daß Ramona Gleibt, die älteste Tochter der Familie Gleibt, nun überraschend einige Wochen spurlos verschwunden war, unauffindbar. Jetzt aber, daß Ramona Gleibt wie aus dem Nichts wieder auftauchte, daß man sich bei der Detektei Umschau frage, woher Ramona Gleibt so plötzlich herkam. Ein Erklärung dafür hätte niemand der Detektei Umschau. Jetzt arbeite Ramona Gleibt wieder an ihrem Arbeitsplatz, beinahe, als wäre überhaupt nichts vorgefallen.
Herr Sibach erklärte Thomas und Regine, die beide bei Detektei Umschau beschäftigt waren, daß Ramona Gleibt sich so eine lange Absenz von ihrer Arbeit nicht noch ein paarmal erlauben würde dürfen. Daß sich wegen ihres Fernbleibens vom Arbeitsplatz nichts direkt bei Frau Ramona Gleibt ereignete, hätte damit zu tun, daß man über die seelische Instabilität von Frau Ramona Gleibt Bescheid wisse, wisse, daß Frau Ramona Gleibt sich in einer schwierigen Lebensphase befände. Fraz Ramona Gleibt hätte sich bereits wieder mit den Ärzten von 'Gestärktes Leben e.V.' in Verbindung gesetzt, ihre Therapie hätte Ramona Gleibt zeitnah wiederaufgenommen. Das wäre das eine. Das andere war, daß die Bank Ramona Gleibt nicht einfach fallenlassen konnte, wie irgendwen rausschmeißen. Bei Ramona Gleibt durfte durchaus mal etwas vorkommen, worüber hinwegzusehen war. Eine außerordentlich verdiente Mitarbeiterin der Bank, das wäre Ramona Gleibt. Mit ihren Kenntnissen in Sachen Aktien und Derivate, dem schnellen Computerhandel hätte Frau Ramona Gleibt der Bankfiliale geholfen, ein Riesenproblem zu meistern, das Auswirkungen auf das Bankinstitut im Ganzen haben hätte können. Das Bankhaus wäre Ramona Gleibt zu einigem Dank verpflichtet. Eine solche Angestellte wie Ramona Gleibt wie jede andere zu behandeln, das könnte man sich bei der Konkurrenz zwischen den Bankhäusern nicht leisten. Deshalb habe man sich entschlossen, Ramona Gleibt wie eine Künstlerin zu betrachten. Ein Künstler zu sein, das hatte nichts mit einem Job von acht Uhr morgens bis sechzehn Uhr am Nachmittag zu tun. Die vergangenen Tage durch habe man vielmehr mit Ramona Gleibt darüber gesprochen, daß sie in die Bank kommen könnte, wann immer sie wolle. Genauso wäre es mit dem Urlaub. Urlaub dürfte Ramona Gleibt sich selber genehmigen, solange es ein übersehbarer Zeitraum war. Das einzige, um das man Ramona Gleibt gebeten hätte, wäre, daß sie eine längere Abwesenheit eventuell vorher ankündigte. Damit man sich darauf einstellen könnte, Bescheid wüßte.
Wir von der Detektei Umschau finden, das war eine interessante Mitteilung, die Herr Sibach uns zur Mittagszeit im Gasthof zur Gans gemacht hat. Mehr konnten wir von Herrn Sibach, dem Filialleiter der Bank, für die Frau Ramona Gleibt tätig ist, fast nicht an Information verlangen.
Apropos, Herr Doktor Weil-Esch, 'Gestärktes Leben e.V.' ...
Jeden Wochentermin dienstags und donnerstags bei 'Gestärktes Leben e.V.' hat Ramona Gleibt seit ihrem Wiederauftauchen wahrgenommen.
Auch den am Donnerstag, als Thomas und Regine mittags im Gasthof zur Gans mit Herrn Sibach, dem Filialleiter von Ramona Gleibts Bank, zusammengesessen waren, hat Ramona Gleibt nicht ausfallen lassen. Am frühen Abend hat Ramona Gleibt ihren Mietwagen auf das Bauernhofgelände von 'Gestärktes Leben e.V.' hineingelenkt.
Gegen zweiundzwanzig Uhr dreißig verließ Ramona Gleibt das Gelände von 'Gestärktes Leben e.V.'. Nicht etwa, um ins Hotel Bertha zurückzukehren.
Thomas und Regine, die Ramona Gleibts Fahrzeug hinterherfuhren, ging es auf, daß Ramona Gleibt ihr Fahrzeug wirklich dorthin lenkte, wo Josef Hänsel wohnte. Das hätten Thomas und Regine nicht erwartet.
Ihren Wagen parkte Ramona Gleibt gegenüber dem Wohngebäude, in dem Josef Hänsel sein Appartement bewohnte. Die Straße überquerte Ramona Gleibt, schaute nach der beleuchteten Leiste der Klingelknöpfe.
Bei Josef Hänsel oben läutete Ramona Gleibt. Anscheinend wollte Josef Hänsel wissen, wer denn unten da wäre. Über die Gegensprechanlage antwortete Ramona Gleibt auf Josef Hänsels Frage. Daraufhin sorgte Josef Hänsel dafür, daß Ramona Gleibt mit leichtem Schulterdruck die Haustür aufmachen konnte.
Ramona Gleibt, sie betrat das Haus.
Erst am nächsten Morgen gegen zwanzig nach sieben Uhr verließ Ramona Gleibt das Gebäude wieder, in dem Josef Hänsel seine Wohnung hat.
Durch die Stadt fuhr Ramona Gleibt, stellte ihr Mietauto auf dem Parkplatz in der Nähe des Bankhauses ab, in dem Ramona Gleibt ihren Arbeitsplatz hatte.
In der Bäckerei mit Stehkaffee - Backwerk Heim - kaufte Ramona Gleibt sich eine Tasse Kaffee und kleines Frühstück. Zehn Minuten vor Arbeitsbeginn schritt Ramona Gleibt wie üblich in das Bankgebäude hinein, um sich noch vor acht Uhr früh an ihren Tisch mit Rechner und allem Drum und Dran in dem abgetrennten Nebenraum zu begeben.
Gegen halb zehn Uhr am Vormittag hat Thomas, Mitarbeiter der Detektei Umschau, bei Josef Hänsel in den Wohnräumen oben geläutet. Josef Hänsel, derzeit ohne Arbeitsplatz, war daheim, meldete sich per Sprechanlage an der Haustür.
Zu Josef Hänsel fuhr Thomas im Aufzug hoch.
Ohne weiteres öffnete Josef Hänsel Thomas die Wohnungstüre. Josef Hänsel ließ Thomas zu sich in die Räumlichkeiten ein.
Nicht viel, daß Thomas bei Josef Hänsel drumrum schwatzte. Thomas meinte zu Josef Hänsel, daß er wüßte, daß Ramona Gleibt die Nacht bei ihm in der Wohnung verbracht hätte. Das müßte er, Josef Hänsel, ihm, Thomas, genauer erklären, wie das sein konnte, daß Ramona Gleibt bis in der Früh bei ihm in den Räumen geblieben war.
So was von guter Laune hatte Josef Hänsel. Total aufgeräumt war Josef Hänsel. Josef Hänsel blies sich Thomas gegenüber auf wie ein Pfau. Beschwingt gab Josef Hänsel Thomas gegenüber kund, daß er und Mona die ganze Nacht durch nichts als gevögelt hätten; die ganze Nacht hätten sie durchgevögelt.
Es war Freitag, und wenn Mona nachmittags aus der Bank käme, würde sie sofort wieder zu ihm, ihrem Hänsel, hinkommen. Erst mal würde was zu essen bestellt, tüchtig gegessen, und dann würde es weitergehen, mit dem Vögeln.
Thomas verstand die Situation nicht recht, schüttelte den Kopf. Daran erinnerte Thomas Josef Hänsel, daß Ramona Gleibt ihm im letzten Monat eine Weinflasche über den Schädel gezogen hatte. Als er ungefähr dasselbe von Ramona Gleibt gewünscht hatte, wovon er, Josef Hänsel, daherredete, daß er es heute von Ramona Gleibt kriegen würde.
In der Gegenwart jetzt wäre alles ganz anders, erklärte Josef Hänsel Thomas. Am späten Donnerstagabend gegen dreiundzwanzig Uhr hätte Mona bei ihm, Hänsel, in der Wohnung geläutet. Hochgekommen wäre Mona. Die Wohnungstüre hätte er, Josef Hänsel, Mona aufgemacht. Total überrascht hätte Mona ihn. Richtiggehend, daß Mona auf ihn losgesprungen wäre. Nicht, um Hänsel mit Schlägen zu traktieren, sondern ihn mit Küssen zu überschütten. Geküßt hätte Mona ihn, geküßt. Und Wasser und Rotz geheult. Ganz verzweifelt hätte Mona sich bei Hänsel wegen dem mit der Weinflasche entschuldigt. Ihn immer weiter mit ihren heißen Küssen eingedeckt. Heißer als heiß wäre Mona gewesen. Nötig hätte es Mona gehabt; total nötig. Am Flur hat Mona es mit ihrem Hänsel getrieben. Die ganze Nacht durch, daß Mona es brauchte. Überhaupt nicht genug hätte Mona bekommen können. Alles hätte der kleine Hänsel geben müssen, bis zum letzten Tropfen. Geschrien hätte Mona; laute Schreie der Lust. Zum Glück wären im Haus die Wände ordentlich gedämmt, sonst hätte es Ärger mit den Nachbarn geben können.
Noch mal hat Thomas Josef Hänsel daran erinnert, daß Ramona Gleibt bei ihrem letzten Besuch nicht viel von ihm angefaßt werden wollte. Erwiderte Josef Hänsel, daß das gestern eben anders war als vor einem Monat. Am gestrigen Abend konnte von so was keine Rede sein. Vielmehr wollte Mona, daß Hänsel überall bei ihr hinfaßte; kein Ort mußte ausgespart werden oder so. Nichts, das Mona das allerkleinste Problem bereitete. Vor vier Wochen hätte Mona das schon so haben können, hätte es den Rest mit der Portweinflasche nicht gebraucht.
Früh am Morgen nach dem Aufstehen hätte Mona sich nochmals vielfach dafür entschuldigt, daß sie ihrem Hänsel mit der Weinpulle eins drübergezogen hätte. Jetzt wären alle Geschichten zwischen ihnen ausgeräumt. Mona wäre bei ihrem Hansi heiß, heißer, am heißesten; der kleine Hänsel hätte schlimm zu tun gehabt. Der kleine Hänsel würde, wenn Mona, die kurz in der Arbeit war, dann sofort zu ihrem Hansi in die Räume zurückkehren wollte, böse, böse zu tun kriegen.
Kopfschüttelnd ist Thomas wieder bei Herrn Josef Hänsel zur Wohnung raus, Herr Doktor Weil-Esch. Thomas mit so einem seltsamen Gefühl, als ob hier einige Dinge nicht zusammenpassen. Regine meinte das gleiche wie Thomas, als Thomas Regine alles erzählte.
Wir von der Detektei Umschau werden von nun an ein geschärftes Auge auf das Wohngebäude haben, in dem Herr Josef Hänsel zur Miete wohnt. Ob Ramona Gleibt sich drinnen aufhält oder nicht.
Tatsache, Herr Doktor Weil-Esch, kein Mitarbeiter der Detektei Umschau, der mit dieser Sache und ihrer Problematik vertraut ist, überblickt das so recht, warum Ramona Gleibt unvermittelt zu Josef Hänsel hinfährt. Um Josef Hänsel ein Teil ihres Sex-Lebens werden zu lassen. Ramona Gleibt, von Null auf einhundert zurück bei Josef Hänsel.
Seine Wünsche erfüllte Ramona Gleibt ihm, Josef Hänsel, gerade so, als wären es die ihren. Oder, als hätte sie, Ramona Gleibt, bei Josef Hänsel etwas gutzumachen?
Bloß, was sollte das sein? Josef Hänsel war der, der etwas mit ihr anstellen wollte, nicht sie, Ramona Gleibt, etwas mit Josef Hänsel. Gegen das, was Josef Hänsel bei ihr zu tun beabsichtigte, hatte Ramona Gleibt sich gewehrt, nichts weiter.
Betrachten wir uns die Szene noch einam näher, Herr Doktor Weil-Esch.
Mit Gewalt hatte Josef Hänsel Ramona Gleibt nehmen wollen. Pech hatte Josef Hänsel, Ramona Gleibt kriegte eine Glasflasche in die Finger, hat sie Josef Hänsel über den Schädel gezogen. Daß die Flasche Josef Hänsel am Kopf zerbrochen ist.
Ein paar Tage war Josef Hänsel vom Arzt krankgeschrieben.
Wochenlang jedoch war Ramona Gleibt spurlos von der Bildfläche verschwunden. Einfach unauffindbar, die Frau. Vom Erdboden verschluckt.
Ehe das bei Josef Hänsel geschehen, daß Ramona Gleibt mit dem Flaschenkörper zuhaute, hatte Ramona Gleibt Josef Hänsel das eine oder andere zu erklären versucht.
Unter anderem redete Ramona Gleibt vor einem Monat davon, daß sie das nicht wolle, was Josef Hänsel von ihr wollte. Weil kein fremder Same an sie, Ramona Gleibt, herankomen dürfte. Mehrere Male wiederholte Ramona Gleibt Josef Hänsel das. Das, daß das schlecht wäre, würde ihr, Ramona Gleibt, etwas geschehen. Grund: ER würde es riechen.
Wer ER? Wer ist ER?
Der Charakter mit dem Namen Drakonie Rupertus Wank genannt Fransen?
Ramona Gleibt setzte Josef Hänsel auseinander, keine größere Freude würde ER, sobald ER das gerochen hatte, daran haben, daß jemand anders als ER mit ihr, Ramona Gleibt, beisammen war. Als Folge davon hätte Josef Hänsel einiges zu befürchten. Etwa das, daß ER, mit dem Josef Hänsel ohnehin schon Bekanntschaft machte, demnächst zu ihm käme.
Dinge könnten Josef Hänsel daraufhin geschehen, daß selbst das Schlimmste keine Überraschung wäre.
So ähnlich war der Inhalt von dem, was Ramona Gleibt zu Josef Hänsel geredet hatte, aufzufassen.
Nachdem Ramona Gleibt das verhindern konnte, was Josef Hänsel ihr antun wollte, war die Welt allerdings dahingehend weiter für Josef Hänsel in Ordnung. Josef Hänsel hatte durch IHN nichts zu befürchten.
Oder nicht? Oder hat Josef Hänsel heute doch was von IHM zu befürchten?
Oder doch nicht?
Was paßt hier an der Stelle nicht zusammen?
Also: Ramona Gleibt war damals abgetaucht, weil sie daran dachte, Josef Hänsel wäre durch den Vorfall mit der Portweinflasche Schlimmeres geschehen. Diese Situation mußte Ramona Gleibt auseinandergesetzt haben, warum sie Josef Hänsel eine rüberziehen mußte und daß Josef Hänsel vielleicht durch den Hieb mit der Flasche verstorben war.
Über einen Monat blieb Ramona Gleibt spurlos verschwunden. Dann kehrt Ramona Gleibt überraschend ins Hotel Bertha zurück. Als hätte es Wochen gedauert, bis Ramona Gleibt und ihre Umgebung etwas davon mitkriegte, daß mit Josef Hänsel überhaupt nichts war, was der Rede wert war, daß man abgetaucht bleiben mußte.
Nun allerdings ist Ramona Gleibt zurück, und wir von der Detektei Umschau erleben Ramona Gleibt unvermittelt ganz anders. Geradewegs lenkt Ramona Gleibt ihren gemieteten Wagen vor das Wohnhaus Josef Hänsel. Begibt sich in Josef Hänsel Wohnräume hoch, als wäre dieser Josef Hänsel nicht einer gewesen, der sich von ihren Worten nicht aufhalten lassen wollte. Ein Ekelpaket, zu Gewalt fähig. Ramona Gleibt treibt es mit Josef Hänsel, daß Josef Hänsel fast die Spucke wegbleibt.
Als hätten sich hier irgendwelche Voraussetzungen geändert.
Nur welche? Was war los?
Jeder Menge fremder Same, der nun durch Josef Hänsel an sie, Ramona Gleibt, herankam. Direkt, daß dieser fremde Same in Ramona Gleibt hineinfloß.
Als wäre das egal. Als wäre das heute egal, was im letzten Monat noch nicht egal war.
Ich stimme meinen Mitarbeitern Thomas, Regine zu, daß hier bei Ramona Gleibt, die sich Josef Hänsel gegenüber aufführt, als könnte sie überhaupt nicht von allem genug bekommen, irgendwas nicht stimmt.
Irgendeine Änderung hat Ramona Gleibt erfahren. Etwas ist bei Ramona Gleibt anders geworden.
Als wäre Ramona Gleibt plötzlich nicht mehr so viel wert wie noch vor einem Monat.
Als ob Ramona Gleibt für irgendeine Besonderheit aufgespart werden hätte sollen. Dieses Besondere Ramona Gleibt jedoch abhandengekommen wäre.
Wenn Josef Hänsel in der Gegenwart mit Ramona Gleibt machen darf, was er will. Genauer gesagt, Ramona Gleibt sich aufführt, als ob Josef Hänsel alles mit ihr machen dürfte.
Vielleicht, daß ER Ramona Gleibt sogar zu Josef Hänsel hinschickte. Daß Ramona Gleibt Josef Hänsel zu Willen sein muß. Alles darf Josef Hänsel mit ihr anstellen, was Josef Hänsel mit ihren anstellen möchte.
Als wäre es eine Art Bestrafung. Als würde Ramona Gleibt bestraft. Für irgendwas bestraft.
Vielleicht, weil Ramona Gleibt sich irgendwas zuschulden kommen hat lassen.
Nur - was könnte es sein?
Mit Josef Hänsel kann es nicht zusammenhängen, weil Ramona Gleibt nichts mit Josef Hänsel gemacht hatte, vor vier Wochen.
Oder hat es doch damit zu tun?
Ist der Fehler, den Ramona Gleibt vor einem Monat gemacht hatte, daß sie überhaupt zu Josef Hänsel hingefahren war?
Mit dieser Fragestellung will ich dieses Schreiben an Sie nun beschließen, Herr Doktor Weil-Esch.
Hiermit verbleibe ich,
mit freundlichen Grüßen
___________________
Anlage
10 Fotos (Frau Ramona Gleibt bei ihrer Rückkehr ins Hotel Bertha)
50 Fotos (Frau Ramona Gleibt auf dem Weg zur Arbeit in der Bankfiliale; Frau Ramona Gleibt in der Mittagspause mit Arbeitskolleginnen und -kollegen unterwegs.)
1 Speicherstick (Videoclips, Hauptrolle Frau Ramona Gleibt. Ramona Gleibt beim Kleiderkaufen, Ramona Gleibt im Supermarkt, Ramona Gleibt, die sich in das Bauernhofgebäude von 'Gestärktes Leben e.V.' hinein- und hinausbegibt, Frau Ramona Gleibt, die abends aus ihrem Fahrzeug aussteigt, über die Straße spaziert und das Wohnhaus betritt, in dem Herr Josef Hänsel seine Wohnung hat.)"
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Schreiben der Detektei Umschau an Herrn Doktor Gregorius Weil-Esch, Datum: 08.04.xxxx
"Sehr geehrter Herr Doktor Weil-Esch,
Sie erinnern sich, wir haben Zimmer sechzehn, das Frau Ramona Gleibt im Hotel Bertha bewohnt, verwanzt.
Nur Kameras konnten Thomas und Regine, die Detektive, die für die Detektei Umschau, arbeiten, nicht fest installieren.
Nach Cams halten die Angestellten, die im Hotel Bertha aufbetten, die Zimmer putzen, wegen Vorfällen in der Vergangenheit Ausschau. Kameras, solches Gerät, entdeckt man im Hotel Bertha.
Deswegen verzichten wir von der Detektei Umschau auf webCams.
Ein Lauschangriff muß reichen. Was soll's?
Außerdem hat Herr Augustin Ramona Gleibts Klapprechner bei seinem Besuch damals auf Zimmer sechzehn damals parallel mit unseren Rechnern geschaltet.
Auch die restlichen transportierbaren Gerätschaften Ramona Gleibts, sind sie angeschaltet, stellen für uns von der Detektei Umschau keinerlei Problem dar. Wir haben Verbindung.
Thomas und Regine, die im Auftrag der Detektei Umschau Ramona Gleibt hauptsächlich beschatten, wissen über jede Kurznachricht Bescheid, die Ramona Gleibt an irgendwen schreibt, mit wem Ramona Gleibts telefoniert ...
Daher können Thomas und Regine, die für die Detektei Umschau arbeiten, gut was darüber aussagen, daß das gesamte gegenwärtige Verhalten Ramona Gleibts ein anderes ist, als vor ihrem spurlosen Verschwinden nach ihrer Flucht aus Josef Hänsels Wohnung.
Vor den Ereignissen bei Josef Hänsel vor bald zwei Monaten hatte Frau Ramona Gleibt, befand Frau Ramona Gleibt sich im Hotel Bertha auf ihrem Zimmer, fast immer ihren Klapprechner angeschaltet.
Viel hielt Ramona Gleibt sich in Chats auf. Zum Beispiel dem Hexenweiber-Chat. In Sex-Chats wechselte Ramona Gleibt.
Vor laufender Klapprechner-Kamera hatte Ramona Gleibt das Licht in ihrem Hotelzimmer gedämmt. Ihr Gesicht blieb im Schatten und war, mit einem zugeschalteten Programm, sogar unmerklich verpixelt. Was sicher nur für jemand interessant würde, der beim Spiel Interesse an Ramona Gleibts Mienenspiel hatte.
Einige der Chat-Unterhaltungen Ramona Gleibts haben Thomas, Regina und Agathe nicht nur mit angesehen und mitgelesen, sondern sie auch kopiert und somit dokumentiert.
Das meiste davon haben Sie durch uns, die Detektei Umschau, schon erhalten, Herr Doktor Weil-Esch.
Durchaus öfters war Ramona Gleibt am Telefonieren. Auch wenn nicht Ramona Gleibt war, die anrief, Ramona Gleibt wurde angerufen. Anrufe nahm Ramona Gleibt entgegen. Mit Leuten aus dem Kreis ihrer Freunde und Arbeitskollegen, -innen telefonierte Ramona Gleibt. Mit ihrer Mutter Ramona Sonja.
Davon - heute nichts mehr. Nicht das bißchen.
Toteste Hose ist das bei Frau Ramona Gleibt.
Nicht ein einzigesmal, daß Frau Ramona Gleibt seit ihrer Rückkehr auf das Zimmer sechzehn im Hotel Bertha ihren Laptop angeworfen hätte.
Telefongespräche, von Ramona Gleibt geführt: keinmal. Gleichgültig, wer anruft, Ramona Gleibt geht nicht ans Telefon. Auch zurückgeschrieben wird von Ramona Gleibt nicht, auf keinen Text antwortete Ramona Gleibt.
Zu Josef Hänsel fährt Ramona Gleibt in die Wohnung. Aber darüberhinaus haben Ramona Gleibt und Josef Hänsel keinen Kontakt.
Das Fernsehgerät auf ihrem Hotelzimmer hat Ramona Gleibt nie an. Keine Art von Musik spielt; auch kein Phone-Klingelton.
Stille herrscht in Ramona Gleibts Zimmer.
Als wäre überhaupt keine Ramona Gleibt in Zimmer sechzehn unten drinnen.
Es war die vergangenen Tage schon mal so weit, daß Thomas, Regine, die für die Detektei Umschau arbeiten, kurz zu Frau Ramona Gleibt hinuntergehen wollten, nur um bei Ramona Gleibt anzuklopfen, mit Ramona Gleibt reden. Zu sehen, was Ramona Gleibt die ganze Zeit auf Zimmer sechzehn im Hotel Bertha eigentlich so treibt. Mit sich anfängt. So ganz ohne jede Art von Unterhaltung.
Nur Art Gewandgeraschel kann hin und wieder erlauscht werden, was beweist, daß Ramona Gleibt noch auf Zimmer sechzehn ist.
Aufs Klo geht Ramona Gleibt wie auf Zehenspitzen. Die Spülung betätigt Ramona Gleibt nur, wenn sie groß gemußt hat. Sonst nicht.
Für Thomas und Regine ist das, was bei Frau Ramona Gleibt los ist - beziehungsweise nicht los ist -, geradezu unausstehlich.
Schwerer auszuhalten, als alles früher bei Ramona Gleibt. Unglaublich.
Schon ausgiebig haben Thomas und Regine das Thema diskutiert.
Zu einem Ergebnis sind Thomas und Regine bei ihren Diskussionen auch gekommen, Herr Doktor Weil-Esch. Thomas und Regine denken, daß es Ramona Gleibt untersagt worden ist, an ihren Klapprechner zu gehen, mit ihrem Phone zu telefonieren oder Kurznachrichten zu schreiben. Ramona Gleibt darf auch keine Musik hören. Oder fernsehschauen.
Alles ist Ramona Gleibt verboten.
Und Ramona Gleibt, die hält sich an das Verbot.
Es muß eine tiefsitzende Angst in Frau Ramona Gleibt sein, daß Frau Ramona Gleibt sich nicht den kleinsten Augenblick eines Trotzes erlaubt. Als gäbe es in Ramona Gleibt die Gewißheit, daß das böseste Folgen haben könnte, würde sie bei einem Akt des Ungehorsams erwischt. Auch nur per bösen Zufall.
Die eigene Furcht, die bei Frau Ramona Gleibt auf Wachposten steht?
Anders können Thomas und Regine es nicht umschreiben, Herr Doktor Weil-Esch.
Wenn Thomas und Regine, die sich in der Überwachung Ramona Gleibts abwechseln, nichts direkt mitbekommen, was Frau Ramona Gleibt ängstigen könnte - muß es alleine die Möglichkeit sein, daß irgendwer, der das nicht durfte, etwas mitkriegte.
Ist Ramona Gleibt im Hotel Bertha in Zimmer sechzehn - ist die Welt in Zimmer sechzehn eine der Stille.
Nicht mal aufs Klo geht Ramona Gleibt oft. Quasi auf den letzten Drücker.
Noch mal, Herr Doktor Weil-Esch: Hält sich Ramona Gleibt in ihrem Hotelzimmer im Hotel Bertha auf, tut sich bei Ramona Gleibt nicht das geringste. Fast nichts, was wir aus Zimmer sechzehn zu hören bekommen.
Unsere Abhörgeräte sind nicht defekt. Meine Mitarbeiter Thomas und Regine wechseln sich in ihrer Arbeit ab, sind motiviert.
Sollte Ramona Gleibt in ihrem Zimmer, von draußen vom Flur her, durch ein Fenster, von woher auch immer, Besuch bekommen, müßten Thomas und Regine das mitbekommen.
Es ist aber nichts. Überhaupt nichts.
Nichts als Bedrückung und Lautlosigkeit beherrscht die Welt Ramona Gleibts.
Besonders auffällig war es während der ganzen vergangen Woche durch. Weil Ramona Gleibt sich nicht zu Josef Hänsel in die Wohnung begeben hatte. Von Montag bis Donnerstagabend war Ramona Gleibt nicht einmal bei Josef Hänsel.
Nur in die Arbeit auf der Bank ist Ramona Gleibt gefahren. Am Dienstag und am Donnerstag zu den Abenden bei 'Gestärktes Leben e.V.'.
Die Pflichttermine hat Ramona Gleibt also wahrgenommen. Aber nicht ein einzigesmal den bei Josef Hänsel.
Josef Hänsel hat Ramona Gleibt am Donnerstagnachmittag sogar wieder am Hinterein- und ausgang der Bankfiliale abgepaßt. Um Ramona Gleibt zur Rede zu stellen.
Als Ramona Gleibt nach Arbeitsschluß gegen halb fünf Uhr nachmittags durch den Ausgang hinten aus der Filiale herauskam, trat Josef Hänsel Ramona Gleibt in den Weg. Ein kurzes Wortgefecht, Ramona Gleibt hat Josef Hänsel von sich weggeschubst. Vor Josef Hänsel ist Ramona Gleibt davongerannt, um in ihren blauen Wagen am Parkplatz zu springen. Als Ramona Gleibt drinnen im Wagen hockte, war nichts mehr für Josef Hänsel zu machen. Weggefahren ist Ramona Gleibt, an Josef Hänsel vorüber. Im letzten Moment konnte Josef Hänsel wegspringen, sonst wäre Ramona Gleibt ihm über die Füße gefahren.
An späteren Donnerstagabend ist Ramona Gleibt dann doch wieder zu Josef Hänsel hingefahren. Weil Ramona Gleibt das mußte.
Frage: Woher wissen wir von der Detektei Umschau, daß Ramona Gleibt das mußte?
Wie immer befand Ramona Gleibt sich am Donnerstag bei 'Gestärktes Leben e.V.' auf dem weitläufigen Gelände. Thomas und Regine haben sich in der Umgebung von 'Gestärktes Leben e.V.' herumgetrieben. Sind spazierengegangen, haben sie am Ein- und Ausfahrtstor von 'Gestärkes Leben e.V.' abgewechselt.
Regine hatte sich dann wieder zu 'Gestärktes Leben e.V.' hineingeschlichen, sich drinnen umzusehen. Thomas war jenseits der Straße, hinter Gebüsch.
Als Thomas zwischen den Stauden heraustrat, hat Thomas gesehen, wie jemand in heller Kleidung über die Straße lief. Dreihundert Meter Entfernung. An der Mauer blieb die Person stehen. Sprang ab, um wie ein Flummi zweieinhalb Meter die Mauer hochzuspringen, hinter der sich 'Gestärktes Leben e.V.' befindet. Die obere Mauer lief derjenige entlang, zu den hohen Bäumen, die dort standen.
Eine Kurznachricht hat Thomas Regine geschrieben, daß jemand vorne von 'Gestärktes Leben e.V.' auf dem Mauerstück hockte. Dort, wo das Geäst der Bäume verbarg.
Der, die Unbekannte rührte sich nicht mehr.
Der Mantelstoff war hell, und Thomas konnte ihn auf der Mauer hockend ausmachen. Regine schieb Thomas auch, daß sie auch glaubte, da wäre wer dort auf der Mauer am Dasitzen.
Freie Blick hatte derjenige, der auf der Mauerkante saß, auf dem Vorderein-, -ausgang des Bauernhofes von 'Gestärktes Leben e.V.'. Lange gewartet werden mußte von ihm nicht. Gegen einundzwanzig Uhr kam die gesamte Therapiegruppe, von der Ramona Gleibt ein Teil ist, heraus.
Bei den therapeutischen Sitzung Ramona Gleibts drehte sich momentan alles um die Urängste. Die urtümlichen Ängste in jedem von uns. Zum Beispiel die Angst vor dem Dunkeln.
Erst standen alle der Ramona-Gleibt-Gruppe im Lichtschein der Lampen herum. Alle erhielten von den beiden Therapeuten ihre Instruktionen. Dann nahmen sich jeweils drei an den Händen. Einer der Psychologen füllte die letzte Gruppe auf. In Dreiergruppen wurde in die nächtliche Dunkelheit zwischen das Gebüsch und den Baume hineingelatscht. Herumspaziert. Bis der eine der Psychologieprofessoren, Laurenzen mit Namen, das Hoflicht wieder anmachte, alle zusammenrief.
Die darauffolgen Minuten erzählten sich die Leute was von ihren Empfindungen im Dunkeln. Neue Anleitugen gaben die Psychologen. Nun mußte jeder für sich in der Abenddunkelheit zwischen dem Baumbestand herumspazieren.
Leider hatte das Nachtsichtgerät Regines einige Aussetzer. Trotzdem hatte Regine Ramona Gleibt im Bild. Ramona Gleibt ist Regine gefolgt. Dann kam Ramona Gleibt an die Mauer geschritten, dorthin, wo die Zielperson auf der Mauer hockte. Derjenige sprang von der Mauer herunter. Auf Ramona Gleibt los, Ramona Gleibt, die nicht einen Mucks von sich gab. Obwohl sie eigentlich von dem, der ganz in ihrer Nähe die Mauer herabsprang, überrascht hätte sein müssen.
Die zwei Personen auf Regines Bild zu einer. Während Regine sich daranmachte, näher heranszuschleichen.
Eine Minute verstrich, Ramona Gleibt und die zweite Person trennten sich.
Gepreßte Worte glaubte Regine zu hören: 'Du der Dregg - du Hän-sel ... Du zu Hän-sel ...'
Das Scheißding, das Regine vor Augen hatte, und das ihr die Nacht aufhellen sollte, zeigte wieder die Finsternis. Trotz allem war Regine sich sicher, daß der Mann bei Ramona Gleibt sprang. Bewegung, an der Mauerkante zog er sich hoch. Auf der Mauer lief er ein paar Meter, um auf der anderen Seite hinabzuhüpfen.
Einen hellen Trenchcoat hatte die Type an.
Also unser Trenchcoat-Freund. Den, den wir von der Detektei Umschau als Herrn Drakonie Rupertus Wank alias Fransen kennen. Auf einen anderen trifft die Beschreibung in dem Fall nicht zu.
Irgendwas hatte der Ramona Gleibt gegenüber auf dem Herzen, was mit Josef Hänsel zu tun hatte. So hatte Regine es verstanden. Und Thomas und Regine erhielten sofort die Bestätigung.
Als sie bei 'Gestärktes Leben e.V.' gegen zweiundzwanzig Uhr dreißig mit dem Wagen abfuhr, lenkte Ramona Gleibt nicht Richtung des Hotel Bertha. Sondern zu Josef Hänsel. Gegenüber von dem Gebäude, in dem Josef Hänsel seine Wohnung hatte, parkte Ramona Gleibt. Stieg aus, überquerte die Straße, drückte den Klingelknopf, daß es bei Josef Hänsel in der Wohnung klingelte. Josef Hänsel entriegelte von droben die Haustüre für Ramona Gleibt.
Die ganze Nacht bis in der Frühe blieb Ramona Gleibt bei Josef Hänsel. War Josef Hänsel zu Willen. Erst in der Früh, daß Ramona Gleibt von Josef Hänsel aufgebrochen ist, um mit ihrem Auto unmittelbar Richtung Bankfiliale zu fahren.
Jede Nacht steht jetzt Josef Hänsel auf Ramona Gleibts Programm. Am Wochenende kam Ramona Gleibt überhaupt nicht von Josef Hänsel weg.
Am Montagnachmittag war Ramona Gleibt nach der Arbeit nach dem Hotel Bertha gefahren. Für drei Stunden blieb Ramona Gleibt auf Zimmer sechzehn im Hotel Bertha. Öfter hat Ramona Gleibt leise losgeschluchzt. Übermäßig glücklich schien Ramona Gleibt das nicht zu machen, daß ihr gesagt worden war, sich wieder bei Josef Hänsel einzufinden.
Jetzt wissen wir, Herr Doktor Weil-Esch, daß Ramona Gleibt nicht aus freien Stücken zu Josef Hänsel hinmacht. Daß das die richtige Vermutung war: Ramona Gleibt mußte das. Ramona Gleibt wurde zu Josef Hänsel geschickt.
Das, daß Ramona Gleibt zu Josef Hänsel MUSSTE, das hat durchaus was zu bedeuten.
Eine Strafe? Ein Statusverlust?
Was immer.
Hoffe, Sie sind einigermaßen zufrieden mit dem Schreiben hier, Herr Doktor Weil-Esch.
Hiermit verbleibe ich,
mit freundlichen Grüßen
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Anlage
1 Speicherstick (Videoaufnahmen: Ramona Gleibt auf dem Gelände von 'Gestärktes Leben e.V.'.; das aufgehellte Szenen: der Trenchcoat-Mann, der Ramona Gleibt umarmt. Es sieht aus, als ob der Kerl Ramona Gleibt in den Hals beißt. Ein Tuch um den Hals, das sie aus ihrer Handtasche gezogen hatte, trug Ramona Gleibt bei ihrer Rückkehr zu den übrigen Mitgliedern ihrer Therapiegruppe. Auch auf dem Weg über die Straße zu Josef Hänsels Wohnhaus hatte Ramona Gleibt das Kopftuch noch um den Hals geschlugen.)"
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