"Briefprotokolle der Detektei" (20.09. - 19.10.), No. 2
Paketgeleitschreiben der Detektei Umschau an Herrn Doktor Gregorius Weil-Esch. Datum: 27.09.xxxx
"Sehr geehrter Herr Weil-Esch,
wir von der Detektei Umschau beschäftigen uns weiter in dem Fall, den Sie an uns herangetragen haben.
Damit möchte ich in meinem Schreiben an Sie, Herr Doktor Weil-Esch, beginnen, daß Herr Augustin, der quasi meine rechte Hand ist, am einundzwanzigsten September mit Agathe zusammen zu Besuch bei den Eltern von Herrn Bernd Reil war.
Ein Anruf durch uns von der Detektei Umschau, eine kurze Erklärung der Sachverhalte, die Frage an Herrn Bernd Reils alte Herrschaften, ob Herr Augustin, Privatdetektiv, Mitarbeiter der Detektei Umschau, nicht vorbeikommen dürfte, schon war die Sache geritzt. Nur ein paar kurzeFragen, die ihren Sohn Bernd anbetreffen, wolle Herr Augustin ihnen, Herrn Bernd Reils Eltern, stellen. Dann wieder gehen.
Das erste, das Herr Augustin bemerkte, als er und Agathe vorm Elternhaus Herrn Bernd Reils vorfuhr, war, daß es am Wohngebäude rege Umbauarbeiten gab. Eine Baufirma aus der Umgegend war dabei, auf das doppelstöckige Gebäude ein weiteres Stockwerk draufzubauen. Herr Reil, Bernd Reils Vater, erklärte Herr Augustin, daß es zu beiden breiten Hausseiten hin Treppenaufgänge geben würde. Zweck der Baumaßnahmen: die Vermietung der Einzimmerwohnungen im ersten und zweiten Obergeschoß an Studenten.
Jetzt hoffen Herr Bernd Wolfgang und Frau Bettina Tanja Reil, daß die neu einziehenden Mieter ihnen dauerhaft genügend Einnahmen für einen angenehmen Lebensabend sichern werden. Daß infolgedessen die Sorgen aufhörten, die man die letzte Jahre angesichts der wiederholten Arbeitslosigkeit von Herrn Reil senior hatte. Zukünftig möchte Herr Bernd Reil senior den Titel Hausmeister als berufliche Tätigkeit für sich genannt wissen.
Herr Augustin sagt, Herr Doktor Weil-Esch, Herr Bernd Reil junior, der würde sein altes Elternhaus heute kaum mehr wiedererkennen, würde er nach Hause kommen.
Wie Ihnen das bekannt ist, Herr Doktor Weil-Esch, hatte Herr Bernd Reil junior verschiedene Rechner, Laptops, Tablets, Smartphones und Handys in seinem Besitz. Herr Augustin und Agathe, die für die Detektei Umschau arbeiten, hatten Glück. Glück in dem Sinne, daß in der Familie Reil technische Geräte nicht einfach auf den Müll geworfen oder für die Entsorgung zu einer Recycling-Firma gebracht werden.
Deshalb fanden sich zwei kaputte Rechner und ein funktionierender, die alle Herrn Bernd Reil junior gehört hatten, weiter in der Garage der Familie Reil. Überdies zwei Laptops, die Herr Reil in Gebrauch hatte. Ein Tablet-Computer mit einem in der Mitte zerbrochenem Monitor. Darüberhinaus vorzufinden: drei von Herrn Bernd Reil benutzte Handys, drei Smartphones. Das letzte Smartphone, das Herr Bernd Reil besaß, befand sich bei Ludmilla Günther, der erstgeborenen Tochter von Herrn Bernd Reils ältester Schwester Bettina. Frau Bettina Günther, Ludmillas Mutter, hat jenes Phone an Herrn Augustin übergeben, da es ohnehin demnächst mal weggeschmissen werden sollte, weil Ludmilla längst zwei neue Phones hatte.
Überhaupt: Sämtliche Handys, Smartphones, die alle mal Herr Bernd Reil als Eigentümer hatten - keines mehr im geschäftsmäßigen, tagtäglichen Gebrauch. Ebenso wie die Rechner und Laptops des Herrn Bernd Reil. Deswegen wurden Herrn Augustin, dem Mitarbeiter der Detektei Umschau, diese Dinge ohne weiteres überlassen. Die Ansage an Herrn Augustin und Agathe war, wir von der Detektei Umschau dürften mit dem alten technischen Gerät Bernds tun und lassen, was immer wir wollten. Am Schluß müßten wir aber auch für die Entsorgung sorgen. Zurückbringen bräuchten wir nichts mehr.
Das heißt, Herr Doktor Weil-Esch, derjenige, der diese alten technischen Hilfsmittel jetzt entsorgt, das sind Sie. Weil wir die PCs, Laptops, den Tablet-Computer, die Handys, Smartphones, die einmal Herrn Bernd Reil als Besitzer sahen, in diesem großen Paket heute an Sie weitergeschickt haben.
Natürlich haben wir von der Detektei Umschau uns, seit dem Erhalt der Handys, Smartphones, PCs und Laptops, Tablets, ehemals Eigentum von Herrn Bernd Reil junior, sehr intensiv um diese Hilfsgeräte für die alltägliche Kommunikation gekümmert. Wir haben die Computer mit den älteren, neueren Betriebssystemen drauf eingeschaltet.
Auch die Datensätze der kaputten Festplatten hat Herr Augustin, Mitarbeiter der Detektei Umschau, sichtbar gemacht, daß es keinen schwarzen Monitor mehr gab. Gelöschte Dateien wurden von Herrn Augustin wiederhergestellt.
Zu einem weiterführenden Ergebnis konnte Herr Augustin deswegen nicht kommen. Keinerlei Hinweise konnte Herr Augustin darauf finden, daß Herr Bernd Reil sein Tagebuch, das er zuletzt foxy.jpg. nannte, nach dem 10. Juli irgendwo weitergeführt hätte.
Allerdings fehlen uns bis zu diesem Moment der letzte Tablet-Computer, den Herr Bernd Reil junior in Gebrauch hatte. Sowie das Smartphone, das Herr Bernd Reil zuletzt benutzt hatte. Das war für uns von der Detektei Umschau bis jetzt unauffindbar. Ob es zusätzliche Speicher-Sticks existieren, die irgendwo gelandet sind, schwer zu sagen.
Zaubern können wir von der Detektei Umschau nicht. Wenn etwas verschwunden ist, ist es verschwunden.
Aber wir haben doch ohnehin genügend Material erhalten. Oder nicht, Herr Doktor Weil-Esch?
Der eine Rechner Herrn Bernd Reils, der im Elternhaus Herrn Bernd Reils stand, enthält Herrn Bernd Reils digitales Tagebuch. Jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt, als Herr Bernd Reil nach den Streitigkeiten und der Stromausschaltung aus dem Haus seiner Eltern abgefahren war.
Herr Augustin hat die Bilddateien auf den vorhandenen Laptops Herrn Bernd Reils und sämtliche anderen Daten, die einmal gelöscht wurden, wiederhergestellt hat.
Besonders werden Sie, Herr Weil-Esch, auf die Fotografien schauen. Die Herrn Bernd Reils Freundin Angelika Herrn Bernd Reil von den Laptops gelöscht hatte.
Jene Fotos, die Herr Bernd Reil in seinem Tagebuch, später foxy.jpg. herausragend erwähnt.
Wir haben da zum einen ein Porträtfoto Manuela Dombrowskis. Die Dateien mit den größer gemachten Augen Manuela Dombrowskis. Der Fotorückseite mit der roten Schrift, Aufschrift Foto Händel, Strichcode und Datum mit unleserlicher Jahreszahl.
Des weiteren das besagte Foto, auf dem Manuela und Christine Dombrowski auf einer Blümchenwiese herumstehen.
Das hat Herr Augustin auch wiederhergestellt.
Manuela und Christine Dombrowski, weiße Miniröcke und kurze, weiße Hemdchen mit viel Nabelfreiheit an, grinsen zum Fotografen hin. Beide, Manuela und Christine Dombrowski im Partner-Look mit den kupferrotfarbenen langen Haaren, die Herr Bernd für wichtig befand.
Dann haben wir den Scan einer Fotografie, auf dem Manuela Dombrowksi mit kupferrotem Haarschopf vor einem großen Spiegel dasteht, in dem sich außer Manuela Dombrowski nichts einer Umgebung spiegelt.
Schließlich entdeckten wir ein Bild, das Manuela Dombrowski, auch kupferrothaarig, mit einem verwaschenen Umriß präsentiert.
Allerdings sollte das ein Pferdekopf sein. Die Schnauze eines Pferdes schwingt von Manuela Dombrowskis Schulter in der Sekunde weg, als fotografiert wurde.
Eher ein Handy-Foto, sagte Herr Augustin.
Auch die Fotorückseiten, die Herr Bernd Reil einscannte, sind vorhanden. Unleserliche Zahlen leider, interpretierbar.
Zu beachten ist auch die von Herrn Augustin im System des zuletzt von Herrn Bernd Reil verwendeten Laptops entdeckte Datei, die Herr Bernd Reil fug0723fug.jpg. nannte.
Nach einem fünfminütigen Porno, zwei Frauen mit einem Mann in den verschiedensten Stellungen, kommt eine Handy-Kameraaufnahme zum Vorschein. Am sechsundzwanzigsten Juli - fünf Tage vor den schrecklichen Ereignissen bei Herrn Bernd Reil abgespeichert, meint Herr Augustin.
Die Zahlen 0723 könnten 23.07. bedeuten.
Die Wohnung von Herrn Bernd Reils Freundin Angelika. Man hört Herrn Bernd Reils verzerrte Stimme.
Herr Bernd Reil sagt Unverständliches, dann hört man: ... halb acht am Abend. Ich mach das jetzt, Angelika. Ich geh auf den Gang, warte, daß Manu aus dem Zimmer kommt. Manu, der nächste Versuch. Ich will das Miststück endlich ins Bild kriegen ... Einmal in tausend Jahren muß uns das doch klappen, daß einer von uns das Miststück hier bei uns drinnen draufkriegt. Hier drinnen bei uns. Ohne, daß die mal was mitkriegt. Dann will ich mal auf das Erscheinen von ihr warten ... Herrn Bernd Reils Hand, die die Türklinke des Zimmers drückt. Auch den Flurgang der Wohnung Angelikas, Herrn Bernd Reils Freundin, begibt Herr Bernd Reil sich. Das Bild wird schwarz.
Die Helligkeit kehrt zurück, die Badezimmertüre öffnet sich.
Eine rothaarige junge Frau, die auf den Gang herausgetreten kommt. Splitterfasernackt.
Als die rothaarige Schönheit Herrn Bernd Reil erblickt, bleibt sie grinsend stehen. Dann ändert sich der Gesichtsausdruck der Rothaarigen. Sichtlich, daß sie wütend wird.
Machst du das sofort wieder aus, du Kretin (oder so), daß sie schreit. Auf Herrn Bernd Reil stürzt sie los.
Einen tätlichen Angriff auf sich erlebt Herr Bernd Reil, das Phone-Bild wird verwaschen.
Das Smartphone entfällt Herrn Bernd Reil. Entweder, weil das Phone Herrn Bernd Reil aus der Hand geschlagen oder Herr Bernd Reil es fallengelassen hat.
Am Fußboden unten landet das Smartphone. Das Bild wird schwarz.
Weil sein Smartphone Herrn Bernd Reil nicht kaputtgegangen ist, sahen wir, wir von der Detektei Umschau, uns in der Lage, uns die Phone-Kameraszene schon mehrmals anzusehen, Herr Weil-Esch. Wir haben die Aufnahme sogar aufbereitet, die noch klarer, schärfer zu bekommen.
Wir müssen festhalten: Die, die Herr Bernd Reil auf der Aufnahme Manu nennt, hat unglaublicherweise eine große Ähnlichkeit mit der jungen Frau Dombrowski, Frau Manuela Christiane Dombrowski.
Unser Personenerkennungsprogramm - Clear Identities -, spricht von einer Übereinstimmung von neunundachtzig Prozent, daß diese Manu, die dort unbekleidet aus dem Badezimmer heraustritt, Frau Manuela Christiane Dombrowski ist.
Ein Problem für jeden - auch für uns -, weil Frau Manuela Christiane Dombrowski an jenem Tag bereits ein geraumes Weilchen zu einhundert Prozent tot sein sollte. Etwa eineinhalb Jahre.
Bis zum heutigen Tag arbeitet Herr Augustin an der Problemlösung. Ohne daß sich für Herrn Augustin ein neuer Aspekt ergeben hätte.
Schließlich war Herr Bernd Reil jemand, der ein Profifoto- und -filmbearbeitungsprogramm auf seinen Laptops oben hatte. Herr Bernd Reil, müssen Sie wissen, Herr Doktor Weil-Esch, kannte sich mit der Film- und Fotobearbeitung aus.
Es ist Herrn Bernd Reil zuzutrauen, daß er Bildsequenzen original aussehen lassen kann.
Wir müssen das durchaus in Betracht ziehen, weil Herrn Bernd Reils Freundin Angelika ihre Haare zu der Zeit der Aufnahme auf Fotos plötzlich rotgefärbt getragen hatte. Die vollen, runden Wangen nun eingefallener und bleich hergeschminkt. Die Lippen, die zu viel roten Lippenstift erwischt hatten ...
Es besteht eventuell die Möglichkeit, Herrn Bernd Reils Freundin Angelika könnte jene Manu gewesen sein. Herrn Reils Freundin Angelika, die aus dem Bad heraustritt, Angelika, die von Herrn Bernd Reil in dem Moment nicht unbekleidet mit dem Smartphone aufgenommen werden wollte ...
Später, daß Herr Bernd Reil die aufgenommene Szene nachbearbeitet hat, Angelika zu Manu werden ließ. Obwohl, wie erwähnt, von Herrn Augustin keine Spuren einer Nachbearbeitung an den Szenenfolgen auszumachen sind. Wenn aber einer perfekt arbeiten will, kann er es auch perfekt machen.
Unsere Problematik bei der ganzen Sache bleibt nämlich, daß es, was die Gesichts-Punkte jener Manu angehen, mit Bernd Reils Freundin Angelika eine Übereinstimmung von siebenundvierzig Prozent gibt. Bei siebenundvierzig Prozent spricht Herr Augustin von sehr viel.
Bisher waren wir von der Detektei Umschau mit unserem Personenerkennungsprogramm Clear Identities immer sehr zufrieden, Herr Weil-Esch. Es hat uns allerbeste Dienste geleistet.
Nach den Daten, die Clear Identities liefert, ist das nicht Herrn Bernd Reils Freundin Angelika. Trotzdem sind das immerhin siebenundvierzig Prozent, daß das doch Angelika sein könnte. Obwohl die echte Übereinstimmung mit einer bestimmten Person bei Clear Identities bei siebenundsiebzig Prozent anfängt.
Bei siebenundsiebizig Prozent bin ICH sicher langsam ICH. Kann man von ausgehen, daß man mich als diejenige Person in Betracht ziehen mußte.
Siebenundvierzig Prozent bleiben jedoch ein Faktor. Unter dreißig Prozent könnte man das mit Sicherheit bestreiten, daß das Angelika wäre.
Sehen Sie sich aber bitte die Smartphone-Filmszene, die sich Bernd Reil auf seinen Laptop geladen hatte, selber an, Herr Doktor Weil-Esch.
Als der, der uns für unsere Dienste bezahlt, sind es auschließlich Ihre Eindrücke, die zählen.
Auf dem Smartphone, das Herr Bernd Reil als vorletztes in Benutzung hatte - wie oben erwähnt, ist das letzte Smartphone Herrn Reils nicht vorhanden -, sind acht Aufnahmen zu finden, die Herr Bernd Reil in einem Ordner namens Manuela abgelegt hatte.
Auf den Bildern - aufgenommen im Zeitraum zwischen dem 11.07. bis zum 26.09 des folgenden Jahres; immer abends oder nachts -, sehen wir eine rothaarige Frauensperson, deren Gesicht meistens irgendwie nur teilweise zu sehen oder umschattet bleibt.
Nie das ganze Gesicht von derjenigen. Immer nur ein Stückchen davon.
Die Wange. Die Nasenspitze. Der eine Mundwinkel, der andere. Die Unterlippe. Das Kinn. Ein Ohrläppchen, die roten Haare dahintergelegt.
Vielleicht könnte man sagen, Herr Bernd Reil hätte ruhig versuchen können, ein paar bessere Aufnahmen von der Rothaarigen hinzubekommen, indem er mal das ganze Gesicht fotografiert. Andererseits: Unter Umständen will uns Herr Bernd Reil damit zum Ausdruck bringen, daß er diese Fotoaufnahmen nur bei einer guten Gelegenheit im geheimen oder von hinter einem Versteck heraus machen hätte können. Mal kurz das Smartphone gezückt, draufgehalten auf die Rothaarige, ohne vorher groß nach dem Objekt gucken zu können. Ein Glücksfaktor, wie die Aufnahme werden würde.
Die Bildfolgen des Manuela-Ordners von Herrn Bernd Reil haben wir hergenommen, Herr Doktor Weil-Esch, sie auf unseren Rechnern sequenziert, angepaßt und die einzelnen Teile am Schluß wie bei einem Puzzlespiel zusammengesetzt.
Dabei hat sich für uns eine Überraschung gegeben. Müssen wir zugeben, daß wir von der Detektei Umschau von den Socken waren.
Auf dem farbigen, vom Programm vervollständigten Bild sehen wir Manuela Christiane Dombrowski.
Auch nachdem wir die gesamte Arbeit ganz von vorne wiederholt haben, blieb das Tatsache.
Die auf dem Bild, die ist mit einer Wahrscheinlichkeit von fünfundachtzig Prozent Frau Manuela Christiane Dombrowski. Keine andere.
Was wir, wir von der Detektei Umschau, davon halten sollen, Herr Doktor Weil-Esch?
Bei den Smartphone-Fotos im Ordner Manuela, Herr Weil-Esch, können wir eigentlich nicht glauben, daß Herr Bernd Reil irgendwo auf den Einfall gekommen wäre, die Fotodateien, ohnehin Schnipsel, nachzubearbeiten.
Wie sollte Herr Bernd Reil daran gedacht haben?
Herr Bernd Reil würde sich wohl kaum überlegt haben, daß in der Zukunft irgendwelche Mitarbeiter einer Detektei Umschau oder sonst jemand daherkommt, die Fotos einscannt. Um die einzelnen Bildstücke zu einem ganzen Bild zusammenzufügen. Dann die Funktion: Autovervollständigung. Weiterhin: Zuschaltung des Personenerkennungsprogramms.
Ergebnis: Das ist sicher nicht Angelika, Herrn Bernd Reils Freundin.
Die, die wir erkennen, ist Frau Manuela Christiane Dombrowski. Bei Frau Tatjana Christine Dombrowski, der Mutter Manuela Christianes, haben wir die Aufnahmen Bernd Reils bereits gezeigt. Frau Dombrowski hat gesagt, daß sie solche Spaßbilder ihrer Tochter Manuela Christiane nie besessen hätte. Ihr Mann, hätte der derartige Aufnahmen gemacht, hätte sie gelöscht. Damit wäre Manuel Ernst nicht zufrieden gewesen.
Was jedoch gewisse Fragen aufwirft, Herr Doktor Weil-Esch. Vor allem die eine: Warum bei der Betrachtung einer ziemlich versteckten Laptop-Datei und der Bilder des Smartphone-Ordners Manuela Frau Manuela Christiane Dombrowski zum Vorschein kommt.
Es stimmt schließlich, was Herr Bernd Reil in seinem Tagebuch beziehungsweise in foxy.jpg. des öfteren schreibt, daß Frau Manuela Christiane Dombrowski ihre letzte Ruhestätte auf dem Gnaden-Friedhof ihrer Heimatstadt hat. Nach allen offiziellen Bekundungen, Informationen ist Frau Manuela Christiane Dombrowski tot. Tot. Bei diesem Autounfall nahe bei Geiersdorf ums Leben gekommen.
Wie kann das dann sein, daß Herr Bernd Reil in der Zeitspanne zwischen dem 11.07. und dem 26.07. komische Fotos von einer Frau schießt und abspeichert, die, wie wir herausgefunden haben, zu fünfundachtzig Prozent Frau Manuela Christiane Dombrowski war? Wie kommt es, daß Frau Manuela Christiane Dombrowski - mit neunundsiebzigprozentiger Wahrscheinlichkeit ist SIE es - mit kupferrotgefärbten Haar, nackt aus dem Badezimmer in der Studentwohnung Angelikas, der Freundin Herrn Bernd Reils, tritt?
Es ist der Flurgang der Wohnung von Bernd Reils Freundin Angelika.
Es gibt hier also einiges an Ungereimtheiten zu entdecken, Herr Weil-Esch.
Dafür sind wir, wir von der Detektei Umschau, allerdings da, Licht ins Dunkel zu bringen.
Dafür werden wir bezahlt, daß wir daran arbeiten. Uns nach bestem Können und Gewissen daran versuchen.
Hiermit verbleibe ich,
mit freundlichen Grüßen
___________________
Anlage
3 PCs aus dem Besitz Herrn Bernd Reils
2 Laptops
2 Tablet-Computer
3 Handys
2 Smartphones"
*
Schreiben der Detektei Umschau an Herrn Doktor Gregorius Weil-Esch, Datum: 04.10.xxxx
"Sehr geehrter Herr Weil-Esch,
ein Einschreibebrief von Herrn Hans-Georg Tabert hat mich, den Inhaber der Detektei Umschau, persönlich erreicht.
Im Brieftext - den wir von der Detektei Umschau Ihnen, Herr Weil-Esch, in der Anlage im Original übermitteln - steht erst mal geschrieben, daß er, Hans-Georg Tabert, nicht recht weiß, was er mit uns von der Detektei Umschau und unseren Anliegen anfangen soll. Da könnte doch wirklich jeder bei ihm mit seinem Zeugs ankommen.
Manuela Dombrowski interessiere ihn, Hans-Georg Tabert, in der Gegenwart nicht mehr das kleinste bißchen. Auf den Fotos und den laufenden Bildern auf dem Speicherstick, die wir von der Deteiktei Umschau ihm, Hans-Georg Tabert, mit einem Schreiben in einem kleinen Paket auf gewöhnlichem Postwege in die Justizvollzugsanstalt geschickt haben, sehe er lediglich eine Rothaarige. Eine, die Frau Manuela Dombrowski ähnlich schaut. Weiter könne er nichts an der erkennen. Wäre das Frau Manuela Dombrowski, die mit ihm, Hans-Georg Tabert, einmal vor Jahren zusammen war, hätte sie kein rotes Haar am Kopf. Sondern wäre weiterhin dunkelblond. Weil, Rot- oder Kupferhaarige, die entsprächem nicht seinem, Hans-Georg Taberts, Geschmack. Weiber, die nicht von Natur aus rotes Haar hätten, sondern sich ihr Haar rot färben würden, möge er, Herr Hans-Georg Tabert, nicht. So eine wäre ihm höchstens für eine Minute unter die Augen gekommen, aber nicht für eine Liebesgeschichte, die Jahre gedauert hat.
Des weiteren informierte Herr Hans-Georg Tabert in dem Text die Detektei Umschau, daß er es ablehnt, mir, dem Inhaber der Detektei Umschau, im Besuchsraum der Justizvollzugsanstalt Eigner zu begegnen. Eine Unterhaltung mit einem von der Detektei Umschau fände er ganz und gar unnötig, ob ich nun der Eigentümer, Leiter einer Detektei wäre oder nicht. Es gäbe keinen Gesprächsbedarf, nicht mit mir noch mit irgendwem anderen, der mit der Detektei Umschau in Verbindung steht. Wäre der Text von ihm, Hans-Georg Tabert, mißverständlich formuliert worden, sollten wir von der Detektei Umschau das mit den Anwälten klären, die für ihn, Hans-Georg Tabert, arbeiten. Oder mit der Polizei. An die Polizei könnte er, Herr Hans-Georg Tabert, sich im übrigen auch demnächst wenden, sollte die Detektei Umschau nicht damit aufhören, Familienmitglieder von ihm, Hans-Georg Tabert, zu belästigen. Stalken und Terror seien eine Strafrechtssachverhalt.
Weil ich hier eben oben Herrn Hans-Georg Taberts Anwaltskanzlei - die Kanzlei Hansen und Co. - angesprochen habe, Herr Doktor Weil-Esch ...
Herrn Hans-Georg Taberts Anwälten ist es die letzten Tage gelungen, Herrn Hans-Georg Taberts Haftstrafe, die von zwölf Jahren auf vierzehneinhalb Jahre heraufgesetzt worden war, zu reduzieren. Jetzt sind es statt vierzehneinhalb nur mehr neun Jahre.
Man stelle sich das vor. Was gute Führung ausmachen kann. Das, daß Herr Hans-Georg Tabert im Gefängnis ein Jurastudium aufgenommen hat, bei dem Herr Hans-Georg Tabert sich heute im zehnten Semester befindet. Nächstes Jahr macht Herr Hans-Georg Tabert sich daran, einen Doktortitel zu erwerben.
Damit hat Herr Hans-Georg Tabert eine sehr gute Sozialprognose. Herr Hans-Georg Tabert könnte nach seiner Entlassung seine eigene Kanzlei in Strafsachen aufmachen.
Wir sollten uns das wirklich gewärtig sein, Herr Doktor Weil-Esch, daß Herr Hans-Georg Tabert, dem bereits Freigang zugestanden wurde, der in der Kanzlei Main in der Nähe der Justizvollzugsanstalt Eigner im Praktikantenstatus mitarbeitet, sich übernächstes Jahr oder spätestens in dem darauf in Freiheit und daheim in Geiersdorf befinden könnte.
Vorher könnte Herr Hans-Georg Tabert sich einen längeren Urlaub auf den Maledieven gönnen. Die Maledieven, die Herr Hans-Georg Tabert gegenüber den weiblichen Büromanagerinnen der Kanzlei Main als sein liebstes Urlaubsziel bezeichnet. Eine, Frau Esmeralda Retov mit Namen, ist Herrn Hans-Georg Tabert ganz besonders gewogen.
Wenn ich in meinen obigen Zeilen von der Tatsache schreibe, Herr Doktor Weil-Esch, daß Herr Hans-Georg Tabert bereits wieder ziemliche Vorzüge genießt, ist das noch besser zu verstehen, daß Herr Hans-Georg Tabert weder mit mir noch mit einem anderen Mitarbeiter der Detektei Umschau viel sprechen möchte.
Denn es besteht die Gefahr, daß wir von der Detektei Umschau zu viel alten Staub aufwirbeln, Herrn Hans-Georg Tabert einen Strich durch die Rechnung machen. Schließlich betrachten wir von der Detektei Umschau unter anderem auch den Fall Frau Manuela Christiane Dombrowski. Betreiben Nachforschungen in der Angelegenheit.
Von Herrn Hans-Georg Taberts Familie läßt gegenwärtig niemand einen Mitarbeiter, -in der Detektei Umschau über die Türschwelle seines Wohnhauses, seiner Wohnung. Unterhaltung sind gestrichen.
Wenn wir, wir von der Detektei Umschau, anrufen, wird am anderen Ende der Leitung abgehoben, gefragt, was für ein Anliegen wir haben. Sagen wir das dann, teilen wir mit, wer wir sind, sind wir einen Moment drauf weggedrückt.
Als meine beiden hübschen Mitarbeiterinnen Regina und Agathe Herrn Hans-Georg Taberts älteren Bruder Heinrich, der zusammen mit seiner Frau Hennie - Henriette - am Supermarktgelände oberhalb von Geiersdorf den Einkauf einräumte, ihn konfrontierten, fragten, ob wir von der Detektei Umschau nicht irgendwo noch einmal ein Gespräch über Frau Manuela Christiane Dombrowski und Frau Manuela Dombrowskis Schwester Christine Marianne mit ihm führen dürften, hat Herr Heinrich Tabert ziemlich erbost darauf reagiert.
Die Polizei hat Herr Heinrich Tabert mit seinem Smartphone herbeigerufen. Polizisten, die der Mann herbeitelefoniert, man stelle sich vor.
Einer Anzeige durch Herrn Heinrich Tabert sehen wir uns ausgesetzt, Herr Doktor Weil-Esch. Das anwaltliche Schreiben hat uns bereits per Fax erreicht. In dem Text wird von uns verlangt, daß wir von der Detektei Umschau uns keinem Mitglied der Familie Dombrowski mehr zu nähern hätten. Rechtliche Schritte gegen die Detektei Umschau wären bereits in die Wege geleitet.
Der Anwalt Herrn Heinrich Taberts, ein Herr Andreas Rette, ist übrigens Mitarbeiter der von Herrn Hans-Georg Tabert in seinen Angelegenheiten beauftragten Kanzlei Hansen und Co. Erst letztes Jahr, daß Herr Andreas Rette sein Jurastudium beendet hat.
Weil ich eben ein bißchen von Hindernissen, die sich uns von der Detektei Umschau bei unseren Nachforschungen in den Weg stellen ...
Herr Heinz Händel, der nach dem Ableben seines Vaters Heinz Foto Händel geerbt hat, bedroht die Detektei Umschau ebenfalls mit einer Anzeige bei der Polizei.Sollten Mitarbeiterinnen der Detektei Umschau noch mal zu ihm kommen, um bei ihm zudringlich nach Kundeninformationen zu fragen, würde auf dem Polizeipräsidium angerufen.
Mitarbeiter, -innen der Detektei Umschau wären keine Polizei, hätten im Gemeinde- und Staatswesen keine irgendwie geartete Funktion. Privatschnüffler wären die von der Detektei Umschau, auch nicht besser wie jemand, der aus seiner Wohnung in die Nachbarswohnung reinschielt. Oder mit dem Fernglas nach dem Treiben von Leuten Ausschau hält.
Wenn er, Herr Heinz Händel, jemandem Einsicht in die Kundendaten von Foto Händel gewährt, dann ausschließlich der Polizei. Hätten Polizeibeamte, Durchsuchungsbefehl vorzuzeigen, könnte dagegen nichts gemacht werden. Ansonsten gebe es keinerlei Information aus dem Kundenstamm für irgendwen Nichtsnutziges. Nichts. Nicht für den kleinsten Betrag Schwarzgeld unter der Hand. Von niemandem.
Deswegen, nachdem das bei Foto Händel solch eine schlechte Entwicklung genommen hatte, haben wir von der Detektei Umschau uns unsere Gedanken gemacht. Zu Frau Tatjana Christine Dombrowski, der Mutter Manuela Dombrowskis, in die Hegelstraße sind meine Mitarbeiterinnen, die Detektivinnen Agathe und Regine gefahren.
Nach mehrmaligem Läuten hat Frau Tatjana Christine Dombrowski die Wohnungstüre aufgemacht.
Seltsam fahrig, gehetzt, wirkte Frau Tatjana Christine Dombrowski gestern nachmittag. Bleich im Gesicht, ungeschminkt; dunkle Krähenfüße unter den Augen.
Frau Tatjana Christine Dombrowski sah aus, als hätte sie die letzten Tage nicht viel geschlafen.
Vor die Füße Agathes hat Frau Dombrowski in ihrer verhuschten Nervosität in der Küche eine tönerne Teekanne auf den Fußboden geschmissen. Die Kanne zerbrach in viele Stücke. Heißes Wasser ist Agathe gegen die Hosenbeine gespritzt.
Ein wirklich schlechter Eindruck, den Frau Tatjana Christine Dombrowski auf Agathe und Regine, Mitarbeiterinnen der Detektei Umschau, gemacht hat. Darüber sprechen, was sie derart auseinandersetzte, fertigmachte, wollte Frau Tatjana Christine Dombrowski jedoch mit keinem Wort.
Haben Agathe und Regine Frau Tatjana Christine Dombrowski danach gefragt, wann jemand von ihrer Familie zuletzt etwas zu Foto Händel zum Entwickeln gebracht hätte. Ob sie, Frau Tatjana Christine Dombrowski, vielleicht mit Agathe, Regina zu Foto Händel mitkommen wolle. Wäre sie, Frau Tatjana Christine Dombrowski, dabei, könnte Herr Heinz Händel nicht anders, müßte Antwort darauf geben, ob noch Fotos oder etwas in der Art irgendwo in seinen Schubfächern liegengeblieben sei, die Frau Tatjana Christine Dombrowski und ihre Familie anbeträfen. Gegenüber Frau Tatjana Christine Dombrowski müßte Herr Heinz Händel mit Einzelheiten aus dem Kundenverzeichnis herausrücken.
Prinzipiell war Frau Tatjana Christine Dombrowski damit einverstanden, dem Wunsch meiner Mitarbeiterinnen Agathe und Regine zu entsprechen und zu Foto Händel zu begleiten.
Hat Agathe Frau Christine Dombrowski nach der Erlaubnis gefragt, ob sie, Agathe, den von ihr mitgebrachten Laptop anstecken dürfte. Ehe man zusammen aufbräche, sollte Frau Tatjana Christine Dombrowski sich erst mal schnell noch ein paar Bilder am Laptopmonitor anschauen.
Um den Wohnzimmertisch in der Sozialwohnung Frau Tatjana Christine Dombrowski sind alle versammelt gesessen. Agathe und Regina links und rechts von Frau Tatjana Christine Dombrowski.
Das betreffende informative Fenster hat Agathe für Frau Tatjana Christine Dombrowski geöffnet.
Zunächst durfte Frau Tatjana Christine Dombrowski sich dieSmartphone-Bilder Herrn Bernd Reils anschauen, die Herr Bernd Reil in Manuela-Ordner auf seinem Smartphone hatte.
Eine Wange sah Frau Tatjana Christine Dombrowski, zweimal Mund-, Kinnwinkel. Die Nase im Profil. Die Oberlippe. Ein Teil von Ober- und Unterlippe. Die Bildershow endete nach dem achten Fotos. Dann kam es, das EINE, das von uns konfigurierte Bild. Das eine Frau Mitte den zwanziger Jahren ihres Lebens zeigte, kupferrotgefärbte Haare.
Starr hat Frau Tatjane Christine Dombrowski auf das vermeintliche Abbild ihrer jüngeren Tochter Manuela Christiane geglotzt, die Lippen geschürzt.
Gefragt haben Agathe und Regine Frau Tatjana Christine Dombrowski, ob das Manuela Christiane sei.
Hat Frau Tatjana Christine Dombrowski erst mit dem Kopf genickt. Dann: mehrmaliges Kopfschütteln Frau Tatjana Christine Dombrowskis.
Meinte Agathe zu Frau Tatjana Christine Dombrowski, daß sie, Agathe, sich wundere, daß Manuela Christiane in der letzten Zeit ihr Haar immer kupferrot trägt. Obwohl Manuela Christiane es früher eher immer gehaßt hätte, sich das Haar zu färben.
Hat Frau Tatjana Christine Dombrowski dumm nach Agathe hingeschaut und die Augen gesenkt, um weder Agathe noch Regine offen anzublicken. Keine Frage hat Frau Tatjana Christine Dombrowksi in der Folge mehr direkt beantwortet.
Also öffnete Agathe in dem Datenordner das mit der Smartphone-Kamera wackelig aufgenommene Filmchen mit der Stimme Herrn Bernd Reils. Die Nackte mit den Kupferhaaren, die aus dem Badezimmer heraustritt.
Sagt Agathe zu Frau Tatjana Christiane Dombrowski, die sich mit offenem Mund mit dem Rücken an die Sofalehne angelehnt hatte, ihr Augenpaar aufgerissen hatte, daß die, die dort aus dem Bad kommt, dann Herrn Bernd Reil angreift, auch sehr bedenklich Ähnlichkeiten mit Manuela Christiane hätte. Eineinhalb Jahre nach dem Tod Manuela Christianes seinen die Smartphone-Fotos von Herrn Bernd Reil aufgenommen worden; die filmisch laufenden Bilder auch zur gleichen Zeit.
Plötzlich war für Agathe und Regine in dem vermüllten Wohnzimmer in dem Haus in der Hegelstraße ganz anders. Aus dem Kopf hat es Frau Tatjana Christine Dombrowski die Augen getrieben; Schaum hatte die Frau vorm Mund.
Unglaublich, daß Frau Tatjana Christine Dombrowski ausgesehen hätte, haben Agathe, Regina und Thomas mir wiederholt, Herr Doktor Weil-Esch.
Agathes Laptop hat Frau Tatjana Christine Dombrowski mit einer Hand vom Wohnzimmertisch heruntergewischt. Aufgesprungen ist Frau Tatjana Christine Dombrowski von ihrem Platz am Sofa. Kreischend hat Frau Tatjana Christine Dombrowski angefangen, mit ihren dicken Beinen, der Morgenmantel war ihr aufgeklappt, nach Agathe und Regine zu treten, mit den Armen um sich zu schlagen.
Überwältigen wollten Agathe und Regine Frau Tatjana Christine Dombrowski. Losgerissen hat Frau Tatjana Christine Dombrowski sich geifernd und gellend, versucht, nach Agathe, Regina und Thomas zu beißen.
Frau Tatjana Christine Dombrowski beabsichtigte, aus dem Wohnzimmer hinauszuflüchten. Den Weg über die Wohnzimmerschwelle haben Agathe und Regine Frau Tatjana Christine Dombrowski verbaut.
Hat Frau Tatjana Christine Dombrowski sich mit dem Gesicht knapp zur Wand hingestellt, begonnen, sich die Stirn gegen die Wand zu schlagen. Vier-, fünfmal hintereinander und immer stärker. Aus der Nase und einer Stirnwunde hat Frau Tatjana Christine Dombrowski losgeblutet.
Damit das mit dem Selbstverletzen aufhört, hat Agathe Frau Tatjana Christine Dombrowski den Fuß dahintergestellt, Frau Tatjana Christine Dombrowski mit einem Griff zu Boden geworfen. Regine und Agathe haben sich gemeinsam damit beschäftigt, die sich wie wahnsinnig aufbäumende Frau zu bändigen.
Schließlich ist Frau Tatjana Christine Dombrowski reglos wie tot dagelegen, daß Agathe den Notarzt rufen konnte. Erst als Regine Frau Tatjana Christine Dombrowski an den Hals faßte, um zu sehen, wie es bei der Frau um den Herzschlag stand, ist es Frau Tatjana Christine Dombrowski wieder losgegangen.
Knapp zehn Minuten hat es gedauert, bis der Rettungswagen da war, die Notärzte eingetroffen waren. Eine ewige Zeit. Bis dahin hatte Frau Tatjana Christine Dombrowski Agathe und Regine zweimal abgeschüttelt, um sich zu schlagen. Und sich vor der Raumwand aufzustellen, den Kopf gegen die Wand zu hauen.
Bis Agathe und Regine Frau Tatjana Christine Dombrowski abermals im Griff hatten. Beziehungsweise sich am Schluß, anscheinend entkräftet, kaum noch wehrte. Tierische Heullaute waren alles, was Frau Tatjan Christine Dombrowski von sich gab.
Ins Krankenhaus wurde Frau Tatjana Christine Dombrowski mit dem Sanka gefahren.
Von dem Ortskrankenhaus aus ging es für Frau Tatjana Christine Dombrowski, nachdem Frau Tatjana Christine Dombrowski zum wiederholten Male angefangen hatte, sich ungebärdig aufzuführen, zu schreien und zu toben, ins nahe Klinikum für Nervenerkrankungen und Entzugskranke.
Agathe und Regine, meine Mitarbeiterinnen, mußten ebenfalls ärztliche Versorgung in Anspruch nehmen. Blutige Nasen haben Agathe und Regine abgekriegt, Kratzer; Agathe schwollen beide Augen zu. Die hübschesten Veilchen, Agathe. Und Agathe weiß nicht, wie ihr das bei Frau Tatjana Christine Dombrowski geschehen konnte.
Der von den Notärzten herbeigerufenen Polizei hatten Agathe und Regine Rede und Antwort zu stehen. Agathe und Regine, beide haben gegenüber den Polizisten ausgesagt, daß sie Mitarbeiter der Detektei Umschau sind, bei Frau Tatjana Christine Dombrowski in der Wohnung geklingelt hätten, um Frau Tatjana Christine Dombrowski ein paar Fragen zu stellen und sie dazu zu bringen, mit ihnen von der Detektei Umschau zu Foto Händel mitzukommen.
Außerdem teilten Agathe und Regine den Polizisten ohne weiteres mit, daß sie vor ihrem Aufbrechen zu Foto Händel Frau Tatjana Christine Dombrowski ein paar Fotoaufnahmen und einen Film einer Person gezeigt hatten, die der jüngsten Tochter Manuela Christiane Frau Tatjana Christine Dombrowskis ähnlich schaute. Als Frau Tatjana Christine Dombrowski, die sich erst Fotografien angeguckt hat, das kurze Filmchen schaute, das eine Frau mit einer Ähnlichkeiten mit Frau Tatjana Christines Dombrowski Tochter Manuela Christiane zum Mittelpunkt hatte, sei Frau Tatjana Christine Dombrowski nach dem Ende des Filmes urplötzlich komplett ausgerastet. Geschäumt habe Frau Tatjana Christine Dombrowski richtig, wie eine Tollwütige.
Drei Tage ist das heute her, Herr Doktor Weil-Esch. Seitdem befindet sich Frau Tatjana Christine Dombrowski im Bezirksklinikum unter ärztlicher Obhut.
Zumindest körperlich hat Frau Tatjana Christine Dombrowski sich von ihrem Anfall erholt, soviel wir, wir von der Detektei Umschau, heute vormittag auf Nachfrage in dem Klinikum erfahren durften. Gegen halb elf Uhr am heutigen Vormittag hat mich, den Inhaber der Detektei Umschau, ein Anruf der lokalen Polizei in meinem Büro erreicht. Die verschiedensten Fragen, die mir wegen meinen Mitarbeiterinnen Agathe und Regine von einem Kriminaloberinspektor gestellt wurden. Allerdings konnte ich dem Oberinspektor der Kriminalpolizei auch keine anderen Aspekte als Agathe und Regine vermitteln. Nur das bestätigen, was Agathe und Regina bei ihren Aussagen auf der Polizeidienststelle ausgesagt hatten.
Wenn das Laptop funktionsfähig wäre, das die Polizisten vor drei Tagen in der Wohnung Frau Tatjana Christine Dombrowski in der Hegelstraße bis auf weiteres konfisziert hatten, wäre unter den Fotodateien ein Dateiordner mit Namen Manuela zu finden. Inhalt: Fotos und eine Filmszene, mit einer Smartphone-Kamera aufgenommen.
Diejenige, die auf dem einen Foto und auf dem Kurzfilm zu sehen ist, könnte gut eine Doppelgängerin Manuela Christianes sein, der jüngsten Tochter Frau Tatjana Christine Dombrowskis. Als Frau Tatjana Christine Dombrowski sich die Filmbilder betrachtete, ist Frau Tatjana Christine Dombrowski nach der letzten Szene des kurzen Filmchens total ausgetickt. Wahrscheinlich, daß für Frau Tatjana Christine Dombrowski die Ähnlichkeit der Rothaarigen mit ihrem verstorbenen Kind Manuela Christiane zu viel des Guten war.
Als Polizei könnte man vielleicht auch bei Frau Dombrowski und den sie behandelnden Ärzten nachfragen, warum die Frau in einen solchen Zustand gerät. Nicht nur die Schuld bei den Mitarbeitern, -innen der Detektei Umschau suchen.
Noch etwas habe ich parat, was hier zum Thema dazugehört:
Die Drogerie Schubert in Geiersdorf, die existiert in der Gegenwart nicht mehr, Herr Doktor Weil-Esch.
Dorthin ist das in Herrn Bernd Reils Tagebuch erwähnte Geiersdorfer Waffen- und Anglergeschäft Angel&Jagd umgezogen. Inhaber: ein gewisser Herr Gerhardt Anton Ranzinger.
Kois für die Aufzucht kann der Liebhaber bei Herrn Gerhardt Anton Ranzinger im Ladengeschäft erwerben, Katzen-, Hundefutter. Desgleichen mehr.
Und eben alles, was das Jäger- und Anglerherz begehrt. Gewehre, Munition; Angeln, Angelhaken, Köder ...
Interessant ist Herr Gerhardt Anton Ranzinger dadurch, weil meinen Mitarbeiterinnen Agathe und Regine in Geiersdorft unter der Hand von einem in der Nachbarschaft von Angel&Jagd wohnenden Mann gesteckt wurde, daß Herr Gerhardt Anton Ranzinger bis vor kurzem in größeren Geldnöten war.
Mit Beteiligungen an höchstspekulativen Fonds hat Herr Gerhardt Anton Ranzinger jede Menge Geld versenkt. Daß sogar die Gefahr bestand, Herr Gerhardt Anton Ranzinger würde sein eigentlich wegen dem Tourismus gutgehendes Geiersdorfer Ladengeschäft zusammen mit der vor zwei Jahren eröffneten Nachbarstadtfiliale mit gleichem Namen verlieren.
Die allerhöchste Not bestand bei Herr Gerhardt Anton Ranzinger. Warenlieferungen konnte er nicht mehr bedienen. Die Bank hat einen Herrn Gerhardt Anton Ranzinger gewährten Kredit nach ein halben Jahr Laufzeit einseitig gekündigt. Alles schien bei Herrn Gerhardt Anton Ranzinger voll den Bach runterzugehen ... Bis ... Bis, so wurde gegenüber Agathe und Regine in Geiersdorf geflüstert, Herr Doktor Weil-Esch, sich Herr Gerhardt Anton Ranzinger seiner guten Bekanntschaft mit der Tabert-Familie erinnerte.
Herr Heinrich Tabert, der ältere Bruder Hans-Georg Taberts, hatte eine Zeitlang Eheprobleme, war ein paar Wochen jeden Tag im Wirtshaus Weißmüller in Geiersdorf zum Mittag- und zum Abendessen. Dort, bei Herr Heinrich Tabert am Tisch, speiste unter anderem irgendwann mittags auch Herr Gerhardt Anton Ranzinger täglich. Herr Gerhardt Anton Ranzinger, der bereits früher öfters zu Jagdgesellschaften Herrn Hans-Georg Taberts eingeladen war.
Herr Hans-Georg Tabert persönlich soll aus dem Gefängnis heraus eine sechsstellige Summe für Herrn Gerhardt Anton Ranzinger angewiesen haben. Dafür hätte sich die Tabert-Familie die Mehrheit an Herrn Gerhardt Anton Ranzingers Ladengeschäften gesichert. Heute sei Herr Gerhardt Anton Ranzinger im Grunde kein freier Geschäftsmann mehr, sondern ein angestellter Lakai in Diensten der raffgierigen, alles fressenden Tabert-Bande.
Unternahm niemand bald irgend etwas dagegen, meinte unser Informant, könnte es gut möglich sein, daß ganz Geiersdorf in allernächster Zukunft den Verbrechern mit dem Familiennamen Tabert gehörte. Gut vorstellbar, daß, so wie Hans-Georg Tabert, obwohl ein Sträfling, der im Gefängnis hockte, fühlte, Geiersdorf dann zu Ehren Hans-Georg Taberts in Hansgeorghausen umgetauft würde.
Sind Sie zufrieden mit dem, was ich Ihnen in meinem Schreiben mitteile, Herr Doktor Weil-Esch? Wir, wir von der Detektei Umschau, versuchen jedenfalls mit den uns zu Verfügung stehenden Mitteln unser Bestes.
Hiermit verbleibe ich,
mit freundlichen Grüßen
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Anlage
7 Kopien von Schreiben Hans-Georg Taberts und von Herrn Hans-Georg Taberts Anwaltskanzlei Hansen, der Kanzlei Main, in der Herr Hans-Georg Tabert als Freigänger der Justizvollzugsanstalt Eigner mitarbeitet, an die Detektei Umschau zu Ihren Händen, Herr Doktor Weil-Esch"
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