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Blog von TeddeMehr

"Briefprotokolle der Detektei" (20.09. - 19.10.), No. 3

28. Mai 2014 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #T-Rixi

Schreiben der Detektei Umschau an Herrn Doktor Gregorius Weil-Esch, 05.10.xxxx

 

"Sehr geehrter Herr Doktor Weil-Esch,

 vielen Dank, daß Sie die Kosten für die Schönheitsoperation meiner Mitarbeiterin Regine übernehmen wollen. Regine braucht Ihnen nur die Summe mitzuteilen, überweisen sie diese an die Klinik, die die betreffende Operationen ausgeführt hat. Das ist wirklich nett von Ihnen.

Erst mal aber müssen die Narben im Gesicht und an den Beinen Regines abheilen. Von ihrer Gehirnerschütterung hat Regine sich die letzten Tage so weit erholt, daß Regine heute wieder in unsere Büroräume gekommen ist.

Regine hat mir noch mal erzählt, wie die Geschichte genau passiert ist. Zusammen mit Herrn Augustin bei ihr auf dem Beifahrersitz war Regine von der Villa der Eltern von Frau Angelika Rebhaus, der Freundin Herrn Bernd Reils, weggefahren, als eine Type in einer dicken Karre Regine geschnitten hat. Ins Auto Regine ist er vorne links hineingekracht. Die Windschutzscheibe kriegte einen Knacks. Das Aufprallkissen ging bei Regine und Herrn Augustin auf. Die Digitalkamera, die Regine auf der Ablage hinterm Lenkrad liegen hatte, streifte Regines Kopf. Die Schnitte an den Beinen und im Gesicht - Regine trug einen knielangen Rock und eine Seidenstrumpfhose  - kriegte Regine von herumfliegenden Glassplittern ab.

So gemeine Schmisse entstellen das Antlitz einer hübschen, jungen Frau. Mehr als sie das bei jedem Mann machen. Männer wie Herr Augustin werden durch ihre Narben eher interessanter.

 

Herr Augustin und Regine, die beide für die Detektei Umschau arbeiten, haben also den Eltern Frau Angelikas Rebhaus' einen Besuch abgestattet.

Darum drehte es sich in der letzten Zeit bei den Nachforschungsarbeit durch die Detektei Umschau: die Todesfälle Herr Bernd Reil und Frau Angelika Annalena Rebhaus. Sowohl bei Herrn Bernd Reil als auch bei Frau Angelika Rebhaus die offizielle Version: Selbstmord.

Freitod. Durch einen Sprung in den Tod. Polizeilich bei Herrn Bernd Reil und Frau Angelika Annalena Rebhaus in der Weise festgehalten.

Die Suizide Bernd Reils und Angelika Annalena Rebhaus' haben gemeinsan, daß sich sowohl Bernd Reil als auch Angelika Rebhaus mitten in der Stadt vom Flachdach ihres Wohnhauses hinabstürzten. Sowohl Bernd Reil als auch Angelika Rebhaus sind hinterm Haus auf den Hinterhof aufgeprallt.

Nach dem Selbstmord ihres Partners, Liebhabers, Herrn Bernd Reil, brauchte Angelika Rebhaus dringend einen Tapetenwechsel, war umgezogen. Um dort in der neuen Stadt in einer fremden Gegend ganz von vorne anzufangen. Ihr Studium auf der Universität dort hat Angelika Rebhaus wiederaufgenommen, fortgesetzt.

Drei Monate wohnte Frau Angelika Rebhaus dann dort in dem Gebäude, als sich das Unglück mit ihr ereignete. Trotz psychiatrischer Unterstützung hat die Vergangenheit Frau Angelika Rebhaus anscheinend nicht losgelassen.

 

Die Fragen, die wir von der Detektei Umschau uns stellten: Gab es noch irgendwelche Aspekte, die der Welt, was die Selbstmorde Herrn Bernd Reils und Frau Angelika Annalena Rebhaus anbetrafen, so nicht mitgeteilt wurden? Wie war die Thematik zwischen Herrn Bernd Reil und Frau Angelika Annalena Rebhaus vor Herrn Reils Suizid? Was spielte sich bei Frau Angelika Annalena Rebhaus ab, ehe sie sich von dem Gebäudeflachdach herabwarf?

 Herr Augustin hat deshalb im Namen der Detektei Umschau bei den elterlichen Herrschaften von Frau Angelika Annalena Rebhaus angerufen, bei der Dienerschaft im Hause Rebhaus angefragt. Obwohl es nicht zu erwarten war, wurde vom Hausbutler die Nachricht von unserem Telefonat an Herrn und Frau Rebhaus weitergeleitet.

Tags drauf erhielt die Detektei Umschau einen Anruf mit dem Inhalt, daß Frau Rebhaus es Mitarbeitern der Detektei Umschau gestattete, sie und in ihrem Mann zu einem Gespräch in der Villa aufzusuchen.

Selbstverständlich nahm Herr Augustin den für Freitag am Nachmittag vereinbarten Termin gemeinsam mit Regine wahr.

Die erste Frage, die Frau Rebhaus Herrn Augustin und Regine, den Mitarbeitern der Detektei Umschau, im großen Empfangszimmer stellte, war, warum die Detektei Umschau sich für den Selbstmord Angelika Annalenas und dieses Bernd Reils interessiere und in wessen Auftrag.

Was Herr Augustin und Regine Frau Annalena Rebhaus antworten durften, haben Herr Augustin und Regine Frau Rebhaus darauf zur Antwort gegeben. Frau Rebhaus meinte, daß es ihr eigentlich gleich wäre, wer der Auftraggeber der Detektei Umschau wäre. Jedes Auge sei schließlich von Interesse, das die Sache des Selbstmordes ihrr Tochter Angelika Angelika in Augenschein nehmen wolle; interessante Informationen, was den Fortgang der detektivischen Forschungen der Detektei Umschau anbetrafen, bitte auch an die Adresse Herrn Klaas Rebhaus, Angelika Annalenas Vater.

Die Familie Rebhaus selber hätte bereits die firmeneigene Detektei von Rebhaus&CoKG - die Detektei Schneider - eingeschaltet gehabt. Die Ergebnisse, die die Detektive der Detektei Schneider nach einem Monat Ermittlungen abgeliefert hätten, seien nach dem Geschmack von Herrn und Frau Rebhaus jedoch mehr als dürftig gewesen. Hätte sie, Angelika Annalenas Eltern die Sache auf sich beruhen lassen können. Es hätte vollauf genügt, die Mitteilungen der Polizei zur Kenntnis zu nehmen oder die alten Meldungen der Printmedien noch mal durchzulesen.

 

Bis zum heutigen Tag sind Frau Annalena und Herr Klaas Rebhaus, die Eltern Angelika Annalenas, verzweifelt. Frau Annalena und Herr Klaar Rebhaus wissen nicht, wie sie das mit dem Selbstmord ihrer Tochter Angelika Annalena nehmen sollen. Beide Elternteile leben mit der Schuld, die Unmittelbarkeit der Selbstmordabsicht Angelika Annalenas nicht abgesehen zu haben.

Mutter und Vater Rebhaus war der Umgang ihres Kindes Angelika Annalena mit Herrn Bernd Reil von Anfang an suspekt. Unverständlich für Mutter und Vater, was für einen Narren Angelika Annalena an diesem desperaten Kerl namens Bernd Reil gefressen hatte. Als Angelika Annalena Bernd Reil kennenlernte, wäre der nahezu bankrott gewesen. Einen Kontostand gegen Null hatte Bernd Reil. Studiert hätte Bernd Reil während der ganzen Zeit seines Zusammenseins mit Angelika Annalena kaum etwas. Nur in der Psychiatrie des Meinhardt-Sanatoriums war Bernd Reil oft, hatte eine eigene Psychiaterin, bei der er regelmäßig vorbeischauen mußte. Eine Frau Hella, Frau Doktor Sybille Hella. Keine Ahnung hätte man in der Familie Rebhaus heute, warum Vater Klaas es nicht dabei belassen können, Tochter Angelika Annalena die monatliche Apanage nicht für die Dauer ihres Zusammensein mit Herrn Bernd Reil zu streichen. Hin und wieder zwei, drei Monate weniger an Angelika Annalena zu überweisen, das hätte nicht hingereicht, Angelika Annalena von ihrem Irrtum, was ihre Liebe zu Herrn Bernd Reil anbetraf, abzubringen.

 

Hauptsächlich Mutter Annalena Rebhaus, Herr Doktor Weil-Esch, denkt, daß sie die verschiedensten Dinge damals vor dem Ableben ihres geliebten Kindes anders machen hätte können. Weil sie, die Mutter Angelika Annalenas, eigentlich die richtigen Schlüsse aus der verzweifelten e-Mail ihrer Tochter Angelika Annalena gezogen hatte. Die Mail, die sie am Vormittag, als sie dort nachschaute, im e-Mail-Account ihres Rechners gefunden hatte.

Trotzdem hätte sie als Mutter nur für eine halbe Stunde bei Tochter Angelika Annalena am Smartphone angerufen, sich von Angelika Annalena beruhigen und abwimmeln lassen. Statt dem Chaffeur anzusagen, den Wagen vorzufahren, um in ihm sich auf den Weg zu Angelika Annalena zu machen. Auch wenn das ein paar Stunden Fahrzeit gekostet hätte.

Gegen halb zehn Uhr am Vormittag des Tages ihres Todessprunges habe Mutter Annalena Rebhaus Angelika Annalena auf ihrem Smartphone erreicht. Angelika war in der Uni, saß in der Caféteria. Alles andere als kaputt hörte Angelika sich an; Freundinnen Angelikas lachten im Hintergrund. Angelika sagte, daß sie bis spät nachmittags an der Uni wäre. Nach der Uni gegen drei Uhr, daß sie zu sich in die Wohnung heimfahre. Das wäre für sie, Angelika Annalena, aber kein Problem, die Tasche zu packen, den nächsten Zug zu nehmen und zu ihren Eltern nach Hause zu fahren. Wenn ihre Mutti sich das wünschte.

Mutter Annalena Rebhaus gibt sich die Schuld, daß sie sich von der guten Laune ihrer Tochter Angelika beruhigen hätte lassen. Sie danach auch keine weiteren Telefonate mehr mit Angelika geführt habe, deswegen nicht erfahren hätte, wie es um ihr Kind stand. Als wäre die Welt Angelika Annalenas in allerbester Ordnung.  Statt, daß irgendwer von Angelika Annalenas Familie was unternommen hätte, erhielt Herr Klaas Rebhaus gegen neunzehn Uhr einen Anruf. Polizei war am anderen Ende der Leitung. Eine Polizistin unterrichtete, daß Angelika Annalena sich etwas angetan habe. Vom Dach ihres Wohnhauses hätte Angelika Annalena sich heruntergestürzt.

 

Vorwürfe über Vorwürfe, die sich Frau Annalena und Herr Klaar Rebhaus seit dem Ableben ihres ältesten Kindes Angelika Annalena machen.

Einen Ausdruck der e-Mail, die Frau Angelika Annalena Rebhaus an ihre Mutter geschrieben hatte, haben Herr Augustin und Regina, Mitarbeiter der Detektei Umschau, von Mutter Annalena ausgehändigt bekommen.

In dem Text, um 07:13 Uhr abgechickt, schreibt Frau Angelika Annalena Rebhaus - eine verzweifelte junge Frau -, daß sie nicht mehr leben möchte. Zwar sei Bernd (Reil) tot. Trotzdem seien Bernds Gespenster weiter hinter ihr, Angelika, her. Die bösen Wesen verfolgten und bedrängten sie, Angelika. Weil sie Bernds Freundin war. Vor allem nachts forderten SIE von ihr, Angelika, IHNEN die Türe aufmache, wie sie es bereits getan hätte. Bald könne sie, Angelika, gegen das Drängen der Ungeheuer nichts mehr tun. Nachgeben müßte sie deren Begehr. Es wäre einfach nur noch alles unerträglich auf der Welt. Das größte Unglück ihres, Angelikas, Lebens wäre es, daß sie Bernd Reil kennenlernen hätte müssen. Der absolute Wahnsinn, den hätte Bernd über sie, Angelika, gebracht; den absoluten Wahnsinn. Den Tod wünsche sie, Angelika, sich. Sterben, ehe die wiederkamen, die nicht tot sein konnten. Während Bernd tot zu sein schien. Weil Bernd nicht bei den Ungeheuern mit dabei wäre, kriege sie, Angelika, sie zu Gesicht. Nich ein einzigesmal wäre Bernd bisher bei IHNEN dabei gewesen. Deshalb hoffe sie, Angelika, daß sie, wenn Bernd tot war, nach ihrem Ableben auch tot wäre. Sich mit den bösen Monstern abgeben, das wolle sie, Angelika, auf keinem Fall. Da wäre ihr das Sterben schon lieber. Und wenn sie für immer tot bliebe, wäre das auch kein Problem.

Ein für Vater und Mutter Rebhaus bis zum heutigen Tag im Grunde ziemlich unverständlicher Brief ihrer Tochter Angelika Annalena war das. Angelika Annalena, schwer verrückt. Obwohl Bernd Reil tot war, hätte Bernd Reil es geschafft, daß sein Wahnsinn bei Angelika Annalena blieb. Bernd Reil hätte Angelika wahnsinnig gemacht.

Bitte, Herr Doktor Weil-Esch, lesen Sie den Brief selber.

Die Kopie des Briefes, den Frau Angelika Rebhaus ein paar Stunden vor ihrem Ableben an ihrer Mutter Annalena auf den heimischen PC geschickt hat, liegt diesem Schreiben in der Anlage bei.

 

Letztens, Herr Weil-Esch, haben Sie mich gebeten, mich persönlich bei den Hausbewohnern und in der Nachbarschaft des Wohnhauses umzuhören, in dem Frau Angelika Annalena Rebhaus ihre letzte Studentenwohnung hatte.

Auf dem Hinterhof war ich, auf den Frau Angelika Annalena Rebhaus aufkam. Ein Sturz, vier Stockwerke in die Tiefe auf eine Teerfläche. Nicht einmal ein Kind könnte das Glück haben, solch einen Fall in die Tiefe zu überleben.

Selber habe ich mit verschiedenen Hausparteien gesprochen. Zwei Frauen, die mir ihre Wohnungstüren öffneten, meinten, daß sie bereits damals mit ihren Familien in dem Gebäude wohnten, in dem Frau Angelika Annalena Rebhaus zur Miete gewohnt hatte. Sie hätten beide Frau Angelika Annalena Rebhaus vom Gesicht her gekannt.

Fotos von Manuela Dombrowski habe ich den Damen unter die Nasen gehalten. Ohne daß eine der beiden auch nur mit der Wimper gezuckte hätte. Sie kannten die auf den Fotos nicht.

Die eine erzählte mir bereitwillig die Geschichte, daß eine Freundin bei ihr zu Besuch war. Zusammen mit ihrer Freunde ist sie zum Wäscheaufhängen aus der Wohnung die Stiegen ins Erdgeschoß hinunter. Als sie zur Hintertür ins Freie hinaustraten, haben sie und ihre beste Freundin Frau Angelika Rebhaus in einer Blutlache liegend am Teerboden vorgefunden. Sofort hätten sie Alarm geschlagen, den Notarzt angerufen, die Polizei ...

 

Frau Melanie Uschke aus dem Wohngebäude die Straße gegenüber ist die einzige, die damals, als Angelika Annalena Rebhaus das Flachdach herabstürzte, darüberhinaus etwas gesehen haben will.

Die Aussage von Frau Melanie Uschke, die steht. Frau Uschke bleibt dabei.Die Geschichte hat Frau Uschke mir überdies gestern nachmittag telefonisch wiederholt, mir versichert, daß sie jeden Eid schwören und mir alles unterschreiben würde, das wäre ihre Wahrnehmung gewesen, keine andere.

Was für eine Geschichte hat Frau Melanie Uschke mir erzählt? Frau Uschke sagte mir, daß sie Frau Angelika Rebhaus oben am Flachdach des Wohngebäudes gegenüber geblickt hätte. Zusammen mit einer zweiten Person. Mit der Frau Angelika Rebhaus gerungen hätte. Kein Mann, sondern eine Frau. Eine rothaarige Frau. Es hätte beinahe ausgesehen, Frau Rebhaus, die hätte sich losgerissen und die Rothaarige von sich weggestoßen. Aber die andere, die hätte Frau Rebhaus hinterhergesetzt. Nur ein paar flüchtige Momente, sagt Frau Melanie Uschke, daß sie das droben gesehen hätte. Dann wären beide Kämpferinnen außer Sicht verschwunden.

Über die Straße und drüben ins Haus hinein und zum Aufzug wollte Frau Uschke deswegen nicht laufen. In ihrer Kitteltasche suchte sie ihr Prepaid-Handy, entdeckte, daß sie das nicht einstecken hatte. Deswegen ist Frau Uschketatt zu sich in ihre Erdgeschoßwohnung gelaufen. In ihrer Wohnung hat Frau Uschke die Polizei angerufen.

Andere, die nebenan oder im Haus oder in der Nachbarschaft wohnten, zufällig was mitkriegten, hatten das schon zwei, drei Minuten früher getan, den Notruf zu wählen. Der Mann am anderen Ende der Leitung wußte Bescheid, informierte Frau Uschke, daß die Polizei bereits verständigt worden wäre, daß ein Sanitätswagen sich auf dem Weg befinden müßte.

Das stimmte. Kaum daß sie den Telefonhörer aufgelegt hatte, hörte Frau Uschke das Sirenengeheul von den Polizei-, Rettungs- und Notarztfahrzeugen auf der Straße außerhalb ihrer Wohnräume.

 

Im Fall des Todessturzes von Herrn Bernd Reil existiert im Grunde genommen eine ähnliche Zeugenaussage, wie sie Frau Melanie Uschke gegenüber den Polizeibeamten und uns, der Detektei Umschau, getätigt und gestern neu bekräftigt hat.

Von einem Menschen, der Leonard Wolk heißt.

Herr Leonard Wolk weigert sich allerdings, mit irgendwem Gespräche zu führen, der für die Detektei Umschau arbeitet. Mit Detektiv-Lackaffen unterhält er sich nicht.

Für uns von der Detektei Umschau ist da nichts zu machen, Herr Doktor Weil-Esch.

Herr Leonard Wolk bleibt bei seiner Meinung, daß er seine Aussage bei der Polizei gemacht habe. Damit hätte es sich. Jemandem andern hätte er nichts zu erzählen. Private Schnüffler - Fotzenschnüffler - solche wie wir von der Detektei Umschau - hätten bei ihm, Herrn Wolk, nichts verloren. Mit Detektiven hätte er genug Erfahrungen.

Grund für Herrn Wolks Abneigung gegen Detekteien ist, daß sich seine Ehefrau einen privaten Schnüffler genommen hat. Dieser Detektiv hätte die Schuld, daß für ihn, Herrn Wolk, die Scheidung sehr, sehr teuer geworden wäre.

Ehe der Herr Leonard Wolk die Drohung wahrmachte, die von der Polizeibehörde herbeizurufen, haben Herr Augustin und Agathe sich verabschiedet, sind gegangen. Was häten wir, wir von der Detektei Umschau, davon, Herr Doktor Weil-Esch, einer Polizeistreife zu begegnen und zu einem Verhör mitkommen zu müssen?

 

Die Kontakte der Detektei Umschau zu der Polizei sind so nicht die schlechtesten, wie Ihnen bekannt ist, Herr Doktor Weil-Esch.

Die Detektei Umschau ist eine bereits seit längerer Zeit eingeführte Marke, hat auch bei der Beamtenschaft gewisse Quellen. Eine solche haben wir angezapft. Anders hätten wir die Inhalte der protokollierten Zeugenaussage von Herrn Leonard Wolk kaum erfahren, könnten Sie Ihnen nicht präsentieren, Herr Doktor Weil-Esch.

Die Aussage Herrn Leonard Wolks in der Selbstmordsache Bernd Reil wurde zwar von Polizeibeamten aufgenommen und in einem Zeugenprotokoll dokumentiert. Weiterführend ernst genommen haben die staatlichen Ermittlungsbehörden Herrn Leonhard Wolks Wahrnehmungen jedoch nicht.

Ganz sieht es bei der Geschichte aus, als hätte es Herren Leonhard Wolks als Unglückszeugen nicht gegeben.

Da wurde auch nichts in die breite Öffentlichkeit getragen. Nirgends, daß Herr Leonhard Wolk ins Spiel kommen hätte können.

Die allgemeingültige Festlegung war, daß der Tod von Herrn Bernd Reil ein Selbstmord war. Darüberhinaus hätte es nichts gegeben.

Schließlich war es Herr Leonhard Wolk alleine, der der Meinung war, irgendwas gesehen zu haben. Für ein kurzes Momentchen. Kein Mensch sonst konnte das von Herrn Leonhard Wolk Wahrgenommene bestätigen.

 

Wahrscheinlich war der Grund, daß sich das mit Herrn Leonhard Wolks Zeugenaussage auf der Stelle erledigte, in Frau Angelika Annalena Rebhaus zu finden.

Frau Angelika Rebhaus sagte zu den Polizeibeamten, daß sie und Herr Bernd Reil sich alleine in den von Frau Angelika Rebhaus' gemieteten Wohnräumen befunden hätten. Seit Tagesanbruch wieder.

Des weiteren teilte Frau Angelika Rebhaus mit - wiederholte das später auch für die Vertiefung bei dem Gespräch auf der Polizeiwache -, daß Herr Bernd Reil am Morgen im Wohnzimmer der Mietwohnung schließlich ganz durchgedreht hätte. Auf sie, Angelika, habe Herr Bernd Reil eingeschrien, nach ihr geboxt. Herr Bernd Reil wollte Angelika den Umgang mit Freundinnen verbieten. Das heißt besonders mit einer bestimmten. Mit Manu. Von seiner Partnerin Angelika verlangte Bernd Reil, daß sie etwas unternehme, was den Kontakt zu Manu abbrach. Herr Bernd Reil wiederholte ihr, Angelika, zum tausendsten Mal, daß diese Manu Manuela Dombrowski wäre. Daß das Angelika wie auch ihm, Reil, klar wie Kloßbrühe sei, wer das war, diese Manu. Herr Reil warf Frau Angelika Rebhaus aufs neue vor, daß sie dafür gesorgt hätte, daß Manuela Dombrowski zu ihm, Bernd Reil, reinkommen hätte können. Alleine Angelikas Schuld wäre das mit der Wiederkehr und Gegenwart Manuela Dombrowskis bei ihm. Die Türe hätte, Angelika Rebhaus, Manu - Manuela Dombrowski - geöffnet, nicht er, Bernd. Ihr, Manuela Dombrowski, und auch Fransen hätte Angelika das Tor weit aufgemacht. Etwas, das Angelika nie im Leben tun hätte dürfen. Manu zu sich einzuladen, daß sie nach Belieben hereinmarschieren konnte, das wäre was Verbotenes gewesen. Jetzt hätten sie beide, er, Bernd Reil, und sie, Angelika Rebhaus, die Monster am Hals. Kriegten sie nicht mehr los. Bald wären er, Bernd Reil, und sie, Angelika, nur noch untote Zombies, müßten dienen und gehorsam sein. Das würde Angelika Rebhaus schon noch sehen, wie das welches Ende das nähme. Als Frau Angelika Rebhaus Herrn Bernd Reil daraufhin ein paar eindeutige Worte erwiderte, habe Bernd Reil nicht mehr nur hergeschubst, sondern sie, Angelika Rebhaus, seine Freundin und Geliebte, wirklich geschlagen. Erst inks und rechts mit der flachen Hand auf die Wangen. Wie man ein Kind züchtigt. Dann allerdings brutal, mit der Faust in den Bauch. Nach einem Kinnhaken, daß Frau Angelika Rebhaus zu Boden und K.O. ging.

Als Frau Angelika Rebhaus am Fußboden im Wohnzimmer liegend aus ihrer Bewußtlosigkeit zu sich kam, entdeckte sie sich alleine. Sogar die ganze Wohnung war verlassen; kein Bernd Reil weit und breit.

An ihrer Wohnungstüre hörte Frau Angelika Rebhaus es klingeln, öffnete die Türe. Draußen standen zwei uniformierte Polizeibeamte.

Die Beamten hätten herumgedruckst, sich bei ihr, Angelika Rebhaus, erkundigt, ob Bernd Reil ihr Freund wäre. Mußte Angelika Rebhaus bejahen. Die Männer in Uniform teilten Angelika Rebhaus mit, daß sich Bernd Reil, ihr Freund, vom Flachdach des Gebäudes heruntergestürzt habe. Leider sei nur noch der Tod festzustellen gewesen.

Für Frau Angelika Rebhaus trotzdem eine Überraschung. Für die Ermittlungsbeamten sah die Angelegenheit so aus, daß Angelika Rebhaus' Freund und Wohnpartner Bernd Reil, nachdem er Angelika Rebhaus bewußtlos geschlagen hatte, die Treppenstiegen hoch und auf das Flachdach des Gebäudes gelaufen war. Bernd Reil mußte sich gewiß gewesen sein, daß Angelika Rebhaus ihm die Schläge niemals verzeihen würde. Was seine Beziehung zu seiner Freundin Angelika Rebhaus anbetraf, befand sich Herr Bernd Reil in einer ausweglosen Situation. Außerdem fühlte Bernd Reil sich angesichts von Manu - Manuela Dombrowski -, die Bernd Reil entweder eine Untote oder einen Vampir nannte, eine Kreatur, unter Druck. Dieser Kreatur hätte Angelika Rebhaus die Tür aufgemacht. Oben am Gebäudeflachdach traf Herr Bernd Reil dann seine Wahl, lieber zu sterben, als Manu noch ein einzigesmal zu begegnen. Mit einem Sprung in die Tiefe setzte Herr Bernd Reil seinem Leben ein Ende.

 So reimte Frau Angelika Annalena Rebhaus sich die Geschichte zusammen, gab sie es in der Sache Suizid Bernd Reil bei der Polizei zu Protokoll, Herr Doktor Weil-Esch.

Die Kopie des Gespräches, das die Polizeibeamten im Verhörzimmer mit Frau Angelika Annalena Rebhaus geführt haben, haben wir für Sie, Herr Doktor Weil-Esch, in der Anlage diesem Schreiben hier beigelegt.

 

Apropos, Herr Doktor Weil-Esch, diese Manu ...

Frau Angelika Rebhaus konnte den ihrer Geschichte lauschenden Polizeibeamten nicht mitteilen, wo diese Manu, die öfters bei ihr, Angelika Rebhaus, in der Wohnung war, eigentlich in der Stadt wohnte.

Immer nur eins teilte Angelika Annalena Rebhaus mit: daß Manu zu Besuch gekommen sei. Zu ihr, Angelika Rebhaus, ins Gebäude und in die Mietwohnung sei Manu ab und zu für ein paar Stunden gekommen.

Etwas anderes, etwa ein Gegenbesuch Angelika Rebhaus' bei Manu daheim, hatte sich nicht ergeben wollen.

Jene Manu, die blieb bei den polizeilichen Nachforschungen ein Phantom.

Und wenn Frau Angelika Annalena Rebhaus jene Manu später, nach dem Ableben Herrn Bernd Reils irgendwo wiedertraf, Besuch von ihr erhielt, behördlich gemeldet hat Frau Angelika Annalena Rebhaus das nicht.

Obwohl Frau Angelika Annalena Rebhaus in der e-Mail, das ihre Mutter Annalena auf den heimischen PC erhielt, die bösen Gespenster ihres Freundes Bernd Reil beklagte, die sie weiter verfolgten, hinter ihr her wären - ist Frau Angelika Annalena mit dem Problem nie zur Polizei gegangen.

 

Schon frappierend, Herr Doktor Weil-Esch, die Übereinstimmung der Zeugenaussagen von Herrn Leonhard Wolk und Frau Melanie Uschke.

Herr Leonhard Wolk, leider der einzige Passant, der vom Gehsteig aus seinen Blick aufwärts richtete, die eine bestimmte Hauswand auf der gegenüberliegenden Straßenseite hoch - und etwas mehr wahrnahm als Herrn Bernd Reil alleine.

An der Kante des flachen Gebäudedaches sah Herr Leonhard Wolk zwei Gestalten. Eine, erkennbar männlich. Die zweite, eine kleinere Erscheinung. Weiblich und mit rotem Haar. Die beiden, miteinander im Clinch. Der Mann hatte die Frau anscheinend im Griff, will sie in seinen Haltegriff halten. Die Rothaarige reißt sich jedoch los, stößt den Mann vor die Brust. Daß der nach rückwärts taumelt. Die weibliche Person setzt ihm hinterher. Das streitende Paar gerät in einer Sekunde außer Sicht.

Herr Leonhard Wolk, der vor einem Schaufenster stehengeblieben war, die Auslage anschaute, bekommt wenige Minuten später eine Aufregung mit. Menschen schreien, laufen aus einem Hinterhof. Auf eine Frage hin wird Herrn Leonhard Wolk geantwortet, erfährt, daß jemand, ein Mann, sich vom flachen Hausdach gestürzt hätte.

Einen kurzen Blick wirft Herr Leonhard Wolk auf den Mann, der von Sanitätern auf einer Trage zum Sanitätsfahrzeug gefahren wird. Herr Leonhard Wolk war sich sicher, daß das der Mann. Der, den er im Händel mit der Rothaarigen an der Dachkante oben gesehen hatte.

Diesen Inhalt gibt Herr Leonhard Wolk auch ohne weiteres auf der Polizei zu Protokoll. Nur, ernst genommen hat Herrn Leonhard Wolk als Augenzeuge niemand.

Eine andere Zeugin - Frau Tamara Ümül - sagte noch etwas Interessantes aus. Und zwar das, daß sie zufällig am Wohnzimmerfenster ihrer Wohnung gestanden sei, als sie den Selbstmörder mit wedelnden Armen taumeln gesehen hätte, ehe er über den Rand gegangen ist.

Als wäre er einer, der das Gleichgewicht halten hätte wollen. Etwa nachdem er gestoßen wurde. Oder der Mann hätte gedacht, er könnte fliegen, wenn er anlief und mit den Armen Flugbewegungen mache.

 

Sie sehen, Herr Doktor Weil-Esch, es gibt hier in dem Fall der Selbstmordfälle Bernd Reil und Angelika Annalena Rebhaus Ungereimtheiten. Zeugen, -innen sagen Dinge, daß man meinen könnte, eine zweite Person wäre zugegen gewesen.

Das ist ganz in Ihrem Interesse, nicht wahr. Damit will ich jetzt aber meinen Text beschließen, Herr Doktor Weil-Esch.

Noch eine Frage: Sind Sie nun wirklich glücklicher mit mir? Oder wollen Sie, daß meine Mitarbeiter-, innen wieder ihre normalen Protokolle schreiben? Agathe, denke ich, schreibt ganz gut, informative Zeilen.

 

 

Hiermit verbleibe ich,

mit freundlichen Grüßen

 

 

___________________

 

 

Anlage

1 Kopie der e-Mail, die Frau Angelika Annalena Rebhaus ihrer Mutter Annalena auf den PC schickte

4 Polizeiprotokolle, ausgedruckt"

 

 

*

 

 

Schreiben der Detektei Umschau an Herrn Doktor Gregorius Weil-Esch, Datum: 12.10.xxxx

 

 

"Sehr geehrter Herr Doktor Weil-Esch,

am letzten Mittwoch waren meine Mitarbeiter Thomas und Regine für den nächsten Versuch bei Herrn Josef Greitel vor der Wohnungstüre.

In Herrn Bernd Reils digitaler Tagebuch-Geschichte ist Herr Josef Greitel jener Beppi.

Thomas und Regine hatten sich Beppi bereits als Mitarbeiter der Detektei Umschau vorgestellt. Aber Beppi beziehungsweise Herr Josef Greitel war alles andere als freundlich, wohlgesonnen und nicht zu einer Unterhaltung mit Thomas und Regine bereit.

Diesesmal jedoch - Überraschung - machte Herr Josef Greitel die Türe in seine Wohnung hinein weit auf, guckte fahrig an Thomas und Regine links und rechts vorbei. Herrn Josef Greitels Gestik, nicht mißzuverstehen, Thomas und Regine sollten ihre Münder ja geschlossen halten. Ein neuerlicher Wink Josef Greitels, Thomas und Regine durften eintreten.

Kaum zu glauben, nach den grobschlächtigen Ansagen Herrn Josef Greitels in Richtung Thomas', Regines und Agathes die Tage zuvor. Sogar zwei Hunnis, die Thomas Herrn Josef Greitel für ein kleines Interview mit ihm hinhielt, hatte Herr Josef Greitel Thomas mit dem Feuerzeug angezündet und verbrannt.

Jetzt kostete Thomas und Regine das Hineinkommen zu Herrn Josef Greitel nicht einen müden Cent. Voll nach dem äußerlichen Auftreten nach ein hypernervöser Mann war Herr Josef Greitel den ganzen Mittwochabend durch die Freundlichkeit in Person.

Auf alles, was Thomas und Regine von ihm wünschten, ging Herr Josef Greitel ein.

Mit Hilfe von Herrn Josef Greitel hat Herr Augustin am Donnerstagnachmittag ein Phantombild von Fransen erstellt.

Ausdrucke davon haben wir noch abends an diesem Donnerstag in verschiedenen Supermärkten der Umgebung an die Pinnwände geklebt. Bildtext: 'Wer kennt einen Mann dieses Aussehens? Spitzname Fransen. Übliche Kleidung: ein cremeweißer oder ockerfarbener Trenchcoat.'

Gemeldet haben sich daraufhin inzwischen die verschiedensten Personen auf dem Smartphone Regines. Allerdings nicht mit Einzelheiten, daß sich daraus etwas Handfestes ergeben hätte, nachdem Thomas, Regine und Herr Augustin den Informationen nachgegangen sind.

Fransen scheint jedoch kürzlich öfters in Geiersdorf und den Hügeldörfern der Umgegend gesehen worden zu sein. Was heißen könnte, Fransen ist nicht weit.

Jemand von der Detektei Umschau könnte Fransen tatsächlich begegnen. Zufällig oder nicht.

Allerdings habe ich, Herr Doktor Weil-Esch, Thomas, Regine und Agathe heute die Nachricht übermittelt, sie sollten sich nicht in Gefahr begeben. Doch gesünder für Thomas, Agathe und Regine, es zu unterlassen, Fransen direkt mit sich zu konfrontieren.

Wenn Thomas, Agathe, Regine Fransen aus der Ferne beobachten könnten, wäre das ausreichend genug. Zu weiterem braucht es wirklich nicht zu kommen. Also: nur Beschattung Fransens, Fotos von Fransen und von Leuten, die Fransen trifft, sonst nichts.

 

Ein echter Glücksgriff ist Herr Joesef Greitel für uns von der Detektei Umschau und somit auch für Sie, Herr Doktor Weil-Esch, geworden. Herr Josef Greitel, genannt Beppi, redete gegenüber meinen Mitarbeitern Thomas und Regine bereits wie ein Wasserfall.

Herr Josef Greitel hellt Dinge auf. Sogar enger in die Angelegenheiten der Tabert-Familie ist Herr Josef Greitel involviert, als es je zu vermuten gewesen wäre. Hätte Herr Josef Greitel nicht seinen Mund aufgemacht, um Thomas und Regine gegenüber aus dem Nähkästchen zu plaudern, wir hätten uns das so nicht gedacht, mit den Informationen, die wir hatten.

Wäre es heute unser Wunsch, Herr Doktor Weil-Esch, könnten wir Herrn Hans-Georg Tabert die Tour raus aus der gesiebten Justizvollzugsanstaltsluft in die Freiheit vermasseln. Dazu müßten wir von der Detektei Umschau nur die Tonaufnahmen, die Thomas und Regine bei Herrn Josef Greitel machen durften, den Behörden präsentieren.

Nur eine kurzer Anruf bei der Kriminalpolizei würde genügen.

Vielleicht könnte Herr Josef Greitel als Kronzeuge seine eigene Strafe reduzieren. Obwohl Herr Josef Greiltel gut mindestens zehn Jahre Zelle vertragen könnte. Locker, Herr Doktor Weil-Esch.

 

Aber, keine Angst, bis jetzt wollen wir von der Detektei Umschau nichts unternehmen, was Herrn Josef Greitel zu einer Gefängnisstrafe verhelfen könnte. Erst mal hat Herrn Josef Greitel nichts durch uns zu befürchten, was ihm plötzlich zu einem Leben in gesiebter Luft verhelfen könnte.

Fange ich jetzt erst mal damit an, Herr Doktor Weil-Esch, Ihnen Dinge mitzuteilen, die Beppi beziehungsweise Herr Josef Greitel Thomas und Regine, den Mitarbeitern der Detektei Umschau, von diesem Fransen erzählt hat ...

Herr Josef Greitel sagt, daß er mit siebzehn Herrn Hans-Georg Tabert kennengelernt hat. Herr Hans-Georg Tabert damals ein jüngerer Twen. Seitdem kennt Herr Josef Greitel aber auch Fransen.

Schon damals war dieser Fransen an der Seite Hans-Georg Taberts. Wenn Hans-Georg Tabert, so zweiundzwanzig, dreiundzwanzig Jahre alt, mit jemandem größere, kleinere Probleme hatte, tauchte irgendwann Fransen auf der Bildfläche auf. Fransen wie ein Leibwächter Hans-Georg Tabert. Aber auch Hans-Georg Taberts Ratgeber, rechte Hand. Gewisse Dinge diskutierte Hans-Georg Tabert bloß mit Fransen durch.

Fransen, die Jahre durch immer dieselbe äußere Fassade: schäbiger Trenchcoat, Hut, Hose, Spazierstock. Oft scharf riechend, der Mann. Nach allem möglichen. Dem Tod. Seitdem Herr Josef Greitel Fransen kennt, war Fransen stets der gleiche. Sowohl, was die Kleidungsfrage angeht wie von seinem körperlichen Äußeren her. Als wäre Fransen einer, alterslos.

Fransen stand im Sold Hans-Georg Taberts. Hans-Georg Tabert bezahlte für Fransens Dienste. Auch als Herr Hans-Georg Tabert noch nicht die große Nummer war. Da nahm Fransen eben dementsprechend ein bißchen weniger. Wie Hans-Georg Tabert, weil seine Geschäfte bestens liefen, Fransen für seine Mitarbeit Geldscheine von einem Bündel hinzählte, hat Herr Josef Greitel früher das eine oder ander Mal bei Hans-Georg Tabert im Haus mitgekriegt.

Die Jahre über wunderte sich Herr Josef Geitel des öfteren darüber, daß Fransen, anders als die anderen und sogar Hans-Georg Tabert, seinen Stil nie änderte. Es wirkte, als ob Fransen sich nie was Besseres zum Anziehen kaufen wollte. Obwohl Fransen doch jede Menge Kohle besaß. Sogar mehrere Plastikkarten nannte Fransen sein Eigen. Welche waren mit dem Aufdrucknamen Gold und Platin dabei.

Überdies kriegte Beppi alias Josef Greitel mit, Fransen, der war schon in der Lage, vor einem Rechner zu sitzen, als wäre er mit den Begebenheiten bestens vertraut. Mit allen möglichen Arten von Telefonen hat Josef Greitel Fransen im Laufe der Zeit umgehen sehen. Nicht zu glauben, wenn man sich Fransen so ansah.

Lieber blieb Fransen der ewige Penner, müffelte, daß sich sogar Hans-Georg Tabert ab und zu die Miene verzog, geriet ihm Duft in die Nase. Stets, daß Fransen aussah, als würde er sich nicht das bißchen was leisten können.

Nie war Fransen mit Weibern zu sehen, während andere sie im halben Dutzend abschleppten. Fransen begleitete auch niemanden mit in den Puff.

Was dann verschärfend hinzu kam, Fransen war niemandens Freund. Außer der von Hansi, Hans-Georg Tabert. Ausschließlich Hansi diente Fransen. In acht nehmen mußte man sich vor Fransen, war Fransen in der Nähe. Weil, an Hans-Georg Taberts Ohren flüsterte Fransen, und Fransen wurde gehört. Fransen war Hans-Georg Tabert gegenüber die Loyalität in Person. Daß er, Josef Greitel, sich schon die Frage stellte, wie es zu so einem Verhältnis zwischen Hansi und Fransen kommen konnte. Was könnte Hansi dafür getan hatte, daß Fransen ihm derart treu ergeben war? Immer blieb Hansi der Kopf, war der Befehlegeber. Hansi, der, dem Fransen gehorchte. Obwohl Josef Greitel sich Dinge durchaus andersrum vorstellen konnte.

 

Die meiste Zeit war Fransen in und um dem Wohnkomplex Herrn Georg Taberts anzutreffen, nachdem Hansi Tabert den Großbauernhof mit Anfang zwanzig plötzich erworben hatte. Es war Josef Greitel, Fransen wäre Fransen bei Tabert als Wächter angestellt.

Trotzdem blieb undurchsichtig, wo Fransen eigentlich hauste. Zwar hatte Fransen im Bauernhof Hans-Georg Taberts ein Zimmer, in dem sich Fransen jedoch kaum jemals aufhielt. Auf Stroh in einem der Ställe schlief Fransen nicht, das wäre nicht unentdeckt geblieben. Selten, daß Fransen sich tagsüber blicken ließ. Meistens, daß Fransen spät nachmittags oder am frühen Abend wie aus dem Nichts auftauchte.

Klärchen - Frau Klara Hannelore Tabert, die Tochter von Hans-Georg Taberts Tante Minchen, mit der Beppi gute vier Jahre liiert war - meinte an einem schwülen Sommerabend im August mal zu Beppi, der bei ihr auf dem Balkon hockte, daß sie vorhin etwas Komisches gesehen hätte. Fransen wäre sie einundzwanzig Uhr unvermittelt gegenübergestanden. In der Nase hätte Fransen gepoppelt. Dann hat Fransen etwas aus der Nase gezogen. Eine lange weiße Made. Deren Kopf Fransen zwischen den Fingern zerdrückte.

Als wäre Fransen eben irgendwo frisch aus der Erde gekrochen, kam Fransen Klärchen vor. Gewundert hätte sich Klärchen auch darüber, daß Fransen, der sich die eklige Made in den Mund mit den schwarzen Zahnstummeln steckte, sie nicht gesehen hatte. So unsichtbar und versteckt stand Klärchen auch nicht reglos beim Hollundergebüsch herum. 

Beppi setzte fort, daß er sich erinnerte, daß er draußen hinterm Haus bei einem Busch am Wasserlassen war, sich umdrehte und wie vom Donner gerührt stillstand., Mit ausdrucksloser Miene, starr glotzend, wie einer, der Hunger hatte, daß Fransen ganz nahe bei ihm herumstand. Fransen, wie eine finstere Drohung. Anderen erging es ebenso, denen der pure Schreck in den Gliedern fuhr, weil sie sahen, daß Fransen da war. Wie aus dem Nichts erschienen.

 

Die ganzen Jahre hindurch gab es oft Beweise für den hohen Stellenwert, den dieser Fransen bei Herrn Hans-Georg Tabert genoß. Zumeist dann, wenn Herr Hans-Georg Tabert zu Unternehmungen aufbrach, die Herrn Hans-Georg Tabert persönlich am Herzen lagen.

Hans-Georg Tabert sprach des öfteren davon, er müsse wieder mal eine mehrtägige Reise antreten. Beppi zählte ein paar Orte auf, wohin Hans-Georg Tabert, soweit Beppi das noch in Erinnerung hatte, aufgebrochen war. Nach Bologna, Neapel, Rimini, Anderlecht, Montpellier. Alleine fahren, das wollte Hani Tabert nie. Im Kreis seiner Brüder und Schwestern, präsenten Weibern, unter denen auch Manuela Dombrowski eine war, und anderer für ihn wichtigeren Leuten blickte Herr Hans-Georg Tabert herum. Dann hob Hans-Georg Tabert die Hand. Als erste zeigte Hans-Georg Taberts Finger immer geradewegs auf Fransen, der unparfümiert und mit schäbigem Kleid tatsächlich unbeachtet im Eck herumstand. Fransen, der würde auf alle Fälle mitkommen, stellte HansiTabert klar. Fransen wäre als Begleiter zu einhundert Prozent gebongt.

 

Besonders in Erinnerung blieb Beppi das, als Tabert ansagte, zu einer für die Familie und alle anderen wichtigen Fahrt nach Süditalien mit einem Abstecher in den Süden Frankreich aufbrechen zu wollen.

Brüder stellten sich erste Reihe, rechte und linke Hände präsentierten sich wichtig. Nur damit es sich am Schluß herausstellte, daß keiner mit einem Gefühl der eigenen Bedeutsamkeit aus seinem engeren Umfeld Hansi Tabert begleiten durfte. Kein Bruderherz, keiner der restlichen Vor- oder Randrängler. Nur Manu - Manuela Dombrowski, -, das Liebchen Hansi Taberts, sollte noch mitkommen. Für die Notgeilheit. Und die Betrachtung eines hübschen weiblichen Wesens an der Seite Taberts. Und dann nannte Hansi Tabert Fransen. Fransen, von dem während jenen Tagen keiner etwas länger gesehen hatte, der jedoch rechtzeitig vor der Abreise Taberts wie aus dem Nichts aufgetaucht war.

Dagegen hatte Malte, der an der Seite Taberts immer sichtbarer geworden war, etwas einzuwenden. Malte, der war anderer Meinung. Malte trat vor, sagte zu Hansi Tabert, er, Malte, sollte mitfahren, nicht der Penner.

Ehe Malte bei Tabert ein und aus ging, war Malte jahrelang Chef eines Motorradklubs. Nachdem der Klub von der Polizei aufgelöst worden war, tauchte Malte ab und bei Tabert auf. Machte sich rechts bei Tabert immer wichtiger. Mehrere Geschäfte und sonstige Unternehmungen für Hansi Tabert schloß Malte erfolgreich ab, fühlte hinter sich eine Hausmachte und sich deswegen auch aufgerufen, ungefragt Dinge im Raum ansagen zu dürfen.

Ein gewaltiger Kerl war Malte, ein Berg von einem Mann, muskulös. Bestens kannte Malte sich mit Dopingmitteln aus, handelte auch damit. Ein einziger Vorteil schien Malte zu sein. Aber Tabert, der zog plötzlich eine saure Miene. Es reichte Hansi Tabert jetzt mit Malte. Ein Wink Taberts, und Fransen näherte sich Malte. Kampfbereit war Malte, geübt in asiatischem Kampfsport. Trotzdem hatte Fransen Malte im Nu im Griff. Nichts mehr, das Malte trotz seiner stählernen Muskelkraft irgendwas gegen Fransen unternehmen konnte.

Mit einem Schlagstock aus einer Schublade drosch Hans-Georg Tabert minutenlang auf Malte ein. Zähne, Knochensplitter, Fleischfetzen Maltes flogen überall im Raum rum, daß jeder der in der Räumlichkeit zur Salzsäule erstarrten, später unter die Dusche mußte. Kopf und Gesicht Maltes waren eine einzige blutige breiige Masse. Blutblasen kamen bei Malte aus dem Mund heraus. Als Hans-Georg Tabert den Schlagstock von sich warf,von schleppte Fransen, der Malte mit einem Achselgriff um die Brust umfaßt hielt, Malte, von dem keiner genau sagen konnte, wie tot er eigentlich war, aus der Räumlichkeit hinaus.

Nie wieder, daß von Malte bei Hansi Tabert irgendwas zu sehen war. Maltes Motorrad fuhr nicht mehr bei Hansi Tabert auf den Hof ein. Kein Malte, der von dem Zweirad herunterstieg, sich den Sturzhelm herunternahm, seine Kumpels angrinste. Spurlos verschwunden war Malte ab dem Zeitpunkt. Regelrecht ausgelöscht, daß es jemals einen Malte bei Hansi Tabert gegeben hatte.

Niemand, der jemals nach Malte fragte. Keine Polizei oder ähnliches. Auch Maltes Hausmacht verschwand ins Nirgendwo. Was Fransen am Schluß mit Malte gemacht hatte, blieb der Phantasie jedes einzelnen überlassen. Gewiß niemand, der auf die Idee gekommen, wegen Malte mal bei Fransen nachzufragen. Oder bei Herrn Hans-Georg Tabert. Malte war ein Schatten, und jetzt umgab endgültig Dunkelheit Malte.

Als ob nichts gewesen wäre, fuhr Hansi Tabert mit Fransen und Manu mit eineinhalbstündiger Verspätung an dem Nachmittag in einem für die Reise extra neu angeschafften Angebergeländewagen Richtung Süditalien ab. Fransen in seinem Trenchcoat, Hut auf dem Kopf, dicke Sonnenbrille auf der Nase war der hinter dem Lenkrad. Haut pullte sich von Fransens Nase und Wangen ab, bemerkte Beppi, der Fransen scharf ins Auge gefaßt hatte. Außerdem war Fransen von den Blut- und dem sonstigen, mit dem Fransen wegen der Malte-Geschichte vollgesaut gewesen war, gesäubert. Umgezogen mußte Fransen sich ebenfalls haben, obwohl er wie sonst auch aussah.

 

Heinrich, der ältere Tabert-Bruder, war nach der Feierlichkeit der Rückkehr Hansi Taberts aus Südfrankreich auch tags drauf noch ziemlich besoffen.

Heini Tabert ließ sich tatsächlich von Klärchen, bei der Beppi mit schwerem Schädel in der Küche nebenbei hockte, entlocken, daß Hansi zu Mafia-Leuten gefahren war. Echte Mafia hätte Hansi getroffen. Echte wahnsinnige Mafia. Kalabrien. Kalabrische Mörder. Nicht die Sizilianer. Brutal, Hansi, einfach brutaler, Hansi. Kalt bis in den letzten Knochen.

Einen gewaltigen Drogen-Deal, den Hansi eingefädelt hätte. Mit den Italienern. Lieferungen aus Kolumbien und Afghanistan. Irre Exklusivrechte hätte Hansi gekriegt. Regionale Macht. Vom Paten persönlich. Hansi hätte dem den Ring geküßt, wie anderswo Leute das beim Papst in Rom machen. Die nächsten zehn Jahre, daß Hansi nie gute Ware fehlen würde. Der ganze unzuverlässige Rest, der wäre von jetzt an für den Arsch. Nur für 'n Arsch. Allesamt könnten sie sich das Klo runterspülen.

 

Geht Ihnen die obige Geschichte ein, Herr Doktor Weil-Esch? Wie ist das mit Ihrer Vorstellungskraft?

Können Sie sich das vorstellen, dieser heruntergekommen Fransen, der war bei Hansi Tabert im Auto der Fahrer. Hansi Tabert, der eineinhalb Stunden vorher einen umgebracht haben konnte, dessen Nasenpitze Hansi Tabert nicht mehr gefiel. Fransen durfte Hansi Tabert begleiten, zusammen mit Manuela Dombrowski. Manuela Dombrowski, die war bei der Italienreise mit Abstecher nach Südfrankreich auch dabei. Die sorgte für die Ausritte, das Erscheinungsbild des Weiblichen an Hans-Georg Taberts Seite.

Ohne sich großartig mit neueren Klamotten auszustaffieren, daß Fransen wie selbstverständlich auf der Fahrerseite bei Hansi Tabert in den besseren Geländewagen einstieg, dicke Sonnenbrille auf. Zu Manu auf dem Rücksitz, daß Hansi Tabert sich dazusetzte. Manu Dombrowski, die nickte, lasziv sich mit der Zunge über die Lippen leckend, zu Hansi Tabert hinüber. Dann hat Fransen, der hinter dem Lenkrad, Gas gegeben, während Taberts Mutti, die Tabert-Brüder Heini und Tobi, die Tabert-Schwestern Linchen und Krissi, die Kinder von Linchen, Krissi und noch ein paar andere der den Taberts eingeborenen Kinderschar, das Tantchen Minchen, Klärchen und Beppi dem großen Wagen zum Abschied hinterherwinkten. Hübscheste Familienszene. Hätte genausogut einem Film des Zwanzig-Uhr-Fernsehprogramms für die Herzerwärmung entstammen können.

Wenigstens hat Beppi das Thomas und Regine so beschreiben, Herr Doktor Weil-Esch.

 

Herr Josef Greitel hat zu Thomas und Regine, meinen beiden Mitarbeitern gemeint, daß er irgendwann der Meinung war, daß er bald der einzige wäre, der das immer wieder etwas davon mitkriegte, wie Tabert-Hansi und Fransen sich einander zuwandten und austauschten. Oder das bemerkte, wie Tabert-Hansi Fransen im Vorübergehen einen kleinen Wink in die Richtung von jemand gab.

Beinahe unbegreiflich für Herrn Josef Greitel die anderen, daß die Fransen einfach immer für nichts hielten. Im besten Falle für eine dümmliche Tabert-Hansi servile Unperson. Als könnte man nie die geringste Kleinigkeit von etwas darüberhinaus mitkriegen.

Dabei hätte man nur bei ihm, Beppi, nachfragen müssen. Er, Beppi, er hätte es jedem mitteilen können. Ihm sagen, daß, wenn es eine rechte Hand Hansi-Taberts gab, das nicht Heini war oder Tobi, die Brüder, waren. Oder einer des Rests aus dem Banden-Umfeld Tabert-Hansis, der sich momentan für bedeutend aufgestiegen hielt. Sondern alleine Fransen. Ausschließlich Fransen war für Tabert-Hansi von herausragender Wichtigkeit. Sonst beinahe keiner.

Wirklich, das könnte er, Beppi, nur wiederholen: Nicht den blassesten Schimmer hätte er, wie dieses Band zwischen Tabert-Hansi und Fransen entstanden war. Wo Tabert-Hansi einen wie Fransen kennengelernt haben könnte, kein Beppi nicht zu sagen.

Am schrecklichsten allerdings fand Beppi an der Beziehung zwischen Tabert-Hansi und Fransen immer das, daß, sobald Tabert-Hansi über Leute sprach, die Unbotmäßiges ausgeführt hatten, Tabert-Hansi Fransen dabei feste im Blick hatte.

So größere, kleinere Unfälle, die von Tabert-Hansi Genannten später nach Hansi Taberts Ansprache irgendwann passierten. Wie Zufälle. Und, wie es schien, kein Mensch, der die Ereignisse je großartig mit Fransen in Zusammenhang brachte. Als wären die Leute auf dem Auge blind.

 

Thomas und Regina, den Mitarbeitern der Detektei Umschau, hat Herr Josef Greitel von einer Eleonore erzählt. 

Diese Eleonore war erst zwölf, wurde dreizehn. Trotzdem, oder vielleicht deswegen, daß sie es in die Arme Hansi Taberts schaffte. Für ein paar Monate war Eleonore eine feste Größe an Tabert-Hansis Hofstaat. Dem Prinzen diente Eleonore mit ihren Küssen und ihrer Gelenkigkeit.

Nach der Schule fuhr Eleonore beim Prinzipal - Herrn Hans-Georg Tabert - vor, von einem Chaffeur mit großer Karosse zu ihm kutschiert. Dann und wann begleitete Klein Eleonore sogar ihre Mutti. Auch Eleonores Vati hatte schon Dinge mit Hansi-Tabert zu besprechen, die das Leben auf der Welt anbetrafen, wie dieses für ihn, den Vater Eleonores, ein wenig leichter werden könnte. Zum Beispiel mit einem schneller erhaltenen Meisterbrief. Obwohl Eleonores Vati kein sonderlich guter Handwerker war.

Also, für Eleonore lief alles bestens am Tabert-Hof. Nur, Tabert-Hansi, dem reichte es dann irgendwann mit Eleonore mitten unter seinem Hofstaat. Eleonore, die sich immer zwischen den Leuten immer hochherrschaftlicher, wichtiger gebärdete. Die Trennung verlangte der hohe Prinz. Und daß Eleonore auch wirklich wegblieb. Dort, wo immer sie abblieb, ihren Mund geschlossen hielt. Damit ihr, Vati, Mutti, Geschwistern, nichts geschah.

Statt dem Ratschlag Hansi-Taberts zu befolgen, ging Eleonores Mutter zur Polizei. Das Kind, das war schließlich erst zwölfeinhalb, als es in schöner Regelmäßigkeit bei Hansi Tabert im Bett landete, die Geschehnisse dort kennenlernte.

Ein paar Tage nach der Polizeianzeige von Eleonores Mutter später hatte Eleonores Schulklasse Wandertag. Die Klasse fuhr mit dem Bus in die Berge. In die Nähe von Geiersdorf.

Alles war tagsüber, wie es sein sollte, wenn Schulwandertag war. Bis Eleonore abrutschte, einen steilen, steinigen Abhang hinunterkugelte. Mit viel Glück, daß Eleonore ihren Gleichgewichtsverlust überlebte. Mit gebrochenem Arm und einem Schienbeinbruch mußte Eleonore ins Krankenhaus gefahren werden.

Im Krankenhausbett liegend, berichtete Eleonore ihrer Mutti eine Geschichte. Die Eleonores Mutter ein paar Tage drauf Beppi, mit dem Eleonores Mutter bekannt war, den die Frau zufällig auf der Straße traf, weitererzählte.

Hinter Gebüsch nahe des Hügelbruchs, teilte Eleonore ihrer Mutter mit, daß sie sich niedergehockt hatte. Ganz alleine war Eleonore während diesen Augenblicken auch nicht. Von Eleonores Mitschülerinnen befand sich Eleonores beste Freundin in der Nähe, stand auf Posten. Nur, geholfen hatte das Eleonore wenig. Denn Eleonore bemerkte, als sie wieder aufrecht dastand, sich plötzlich jemand hinter ihr befand. Ehe Eleonore viel zu einer Reaktion kam, wurde Eleonore geschubst und stürzte voran.

Alles, was Eleonore von ihrem Angreifer, der sich leise an sie herangeschlichen hatte, wahrnahm, war ein schwarzer Schattenumriß. Bei dem Eleonore aber trotzdem sofort an jemand dachte, den sie kannte, weil sie ihn schon öfters gesehen hatte. An Fransen dachte Eleonore unwillkürlich. Jenen seltsamen Penner mit Namen Fransen, den sie, Eleonore, am großen Bauernhof Hansi Taberts zu Gesicht gekriegt hatte.

Die Zusammenhänge waren Klein Eleonores Eltern unmittelbar klar. Unmißverständlich war das, worum es sich bei dem Sturz Eleonores, bei dem Eleonore sogar sterben hätte können, handelte. Daß Eleonore nicht sofort der Polizei was daherredete, erst verständig die Dinge mit ihrer Mutti bereden wollte, damit waren Eleonores Eltern voll einverstanden. Die Anzeige gegen Tabert-Hansi wegen Verführung einer Minderjährigen wurde zurückgezogen. Alle Aussagen auf der Polizei von Eleonore und Eleonores Eltern widerrufen. Eleonore selber gab ein paar Tage drauf auf der Polizeiinspektion zu Protokoll, daß sie sich die Geschichte, daß Herr Hans-Georg Tabert sie angefaßt habe, nur ausgedacht hätte. Großzügig, daß Herr Hans-Georg Tabert daraufhin davon absah, selber Anzeige wegen falscher Anschuldigung zu erstatten.

 

Über die Möglichkeit von Attentaten bei Leuten, die der Tabert-Familie quer kamen, wußte Beppi seit jeher Bescheid. Ähnlich lief erst jüngst bei den Taberts eine Geschichte mit einem Typen mit Namen Doldo, setzte Beppi Thomas und Regine, den Mitarbeitern der Detektei Umschau, auseinander.

Zusammen mit einem der Tabert-Familie bestens bekannten Kriminalinspektor war Doldo zufällig von einem Tabert-Bekannten in ein vertraut wirkendes Gespräch vertieft beobachtet worden.

Noch am selben Nachmittag desselben Tages erhielt Tabert-Hansi im Gefängnis Besuch von seinen Brüdern, erfuhr davon. Als Heini und Tobi im Gespräch auf Doldo kamen, wütete Tabert-Hansi gegen Doldo.

Gegen zwei, drei Uhr der folgenden Nacht brannte Doldos geparktes Auto lichterloh.

Jemand hatte einen Brandbeschleuniger darunter geworfen.

Ein paar Tage drauf verschwand Doldo, der sich für mehrere Nächte zu einer alten Freundin Beppis geflüchtet hatte, spurlos. Vom Einkauf war Doldo nicht zu der Bekannten Beppis zurückgekommen.

Beppi wollte neugierig wissen, ob seine Vermutungen, was das Schicksal Doldos angingen, stimmten. Bei Doldos Onkel schaute Beppi vorbei. Der sagte Beppi, daß Doldo bis auf den letzten Cent sein ganzes Geld bei der Bank abgehoben hatte. Möglicherweise, um sich mit der Kohle eine Weile ins Ausland abzusetzen.

Eher nicht, daß das das Gelaber von Doldos Onkel stimmte, befand Beppi bei sich. Viel wahrscheinlicher schien Beppi, daß Doldo etwas passiert war. Wie Herrmann.

 Herrmann, der ebenfalls mit Beppi, Doldo und anderen Kollegen zusammen zu einer Bande gehört hatte, die für Tabert-Hansi in Häuser einbrach, besaß eine Harley.

Stolz war Herrmann auf sein Gerät. Dauernd wienerte Herrmann an seiner Harley herum. Die Harley, Herrmanns Ein und Alles.

An der Harley flog allerdings unvermittelt ein Reifenventil weg. Als Herrmann sich auf seiner Harley in die Kurve legte, hat es Herrmann auf die Straße niedergebrettert. Weil der Raddruck abrupt nachgegeben hatte.

Der Unfallgutachter, der sich die Geschichte anschaute, stellte fest, daß das Ventil von vornherein schadhaft gewesen wäre.

Ein beschädigtes Teil an Herrmanns Harley. An der Harley Herrmanns war was kaputt. Vielleicht war das für andere Leute so, für jemanden, der nicht wußte, daß Herrmann täglich das kleinste Stäubchen von seiner Harley wegputzte. Und da hätte Herrmann ein Reifenventil nicht nachgesehen gehabt, nicht mitgekriegt, daß das hinüber war.

Wenn einer das merkte, daß an seiner Harley was beschädigt war, dann Herrmann. Da konnte demnach nur Sabotage im Spiel sein.

Ein nachfolgender Kleintransporter überrollte Herrmann auf der Straße.

Herrmann überlebte das Unglück zwar, war aber die Hüften abwärts gelähmt. Herrmann, von einer Moment zum andern vom Harley- zum Rollstuhlfahrer geworden.

Nur einen Nachmittag vor seinem Motorradunfall, der ebensogut ein tödliches Ende hätte nehmen können, hatte Herrmann einen üblen Streit mit Tabert-Heini persönlich gehabt. Herrmann verlangte von Tabert-Heini, daß dieser Hansi sage, er wolle mehr Geld. Oder er würde für Tabert-Hansi zukünftig nicht mehr den kleinsten Finger krumm machen. Auch zur Polizei gehen, das konnte Herrmann.

Bekommen hatte Herrmann in jedem Fall etwas, einen Anschlag auf sich. Mit Sicherheit von Fransen verübt.

 

Die Zahl der Drogentoten im Landkreis, eine statistische Zahl, die von Jahr zu Jahr schwankte. Einmal waren es weniger, einmal mehr.

Das Thema sprach Josef Greitel alias Beppi Thomas und Regine, den Mitarbeitern der Detektei Umschau, unvermittelt an. Besonders hoch jedoch wäre die Anzahl der an einer Überdosis Verstorbenen vor eineinhalb Jahren gewesen. Das könnten Thomas und Regine, die beide bei der Detektei Umschau beschäftigt waren, selber nachlesen. Es gäbe offizielle Statistiken, die die lokale Presse sogar veröffentlicht hatte.

Das Ableben dieser vielen Männer und Frauen, setzte Beppi fort, wäre nicht damit zu erklären, daß der Stoff plötzlich so gewesen sei, daß viele sich bei der Dosierung irren hätten können. Das Zeug war im Grunde genommen das gleiche wie immer.

Worüber Beppi jedoch besser als die Statistikerfasser Bescheid wußte, war, daß die meisten der betreffenden, die eine zu hohe Dosis dahinraffte, bei Tabert-Hansi Schulden hatten. Bei einigen waren hohe Beträge aufgelaufen. Unverschämmte Summen. Da hatte sich wirklich was zusammengeläppert. Das sagte das Klärchen eines Tages zu ihrem Beppi, mit dem Klärchen kuschelte, daß Heini, der ältere Bruder, gestern am Abend von einem Besuch bei Tabert-Hansi im Gefängnis nach Hause nach Geiersdorf kam. Auch das Klärchen war in der Küche des großen Tabert-Hauses, als Heini Tabert eintraf. Wie zufällig war jede Menge Tabert-Familie bereits seit dem frühen Nachmittag im Bauernhaus versammelt war. Genügend Leute für einen Familienrat, wenn es in der Familie größere Sachen zu bereden gab. Neben Tobi, dem zweiten Tabert-Hansi Bruder, noch ein paar Tanten und Onkel, diverse Schwiegereltern und von Tabert-Hansi bevorzugte Freunde. Die ganzen Nachmittagsstunden hatten überall haufenweise Kinder in der Gegend herumgespielt. Mit dem Eintreffen Heini Taberts war aber Ruhe. Den Anwesenden in der großen Küche berichtete Heini, daß Tabert-Hansi davon gesprochen hätte, daß jeder irgendwann einmal zahlen müßte. Jeder, der der Familie gegenüber Schulden hätte, hätte zu bezahlen. Umsonst gäbe es nichts, vielleicht die Luft zum Atmen, aber DAS nicht. DAS wirklich nicht. Hansi müßte schließlich auch für was bezahlen, säße jetzt bereits Jahre im Gefängnis ein. Die Wohlfahrt, die wäre woanders, die Tafeln. Keiner der Tabert wäre allerdings der Wohlfahrtsstaat. Den Wunsch hätte Tabert-Hansi geäußert, daß dafür gesorgt werden müßte, daß jeder, der etwas als Leistung haben wollte, sofort Geldscheine rüberwachsen lassen mußte. Wer nicht augenblicklich zahlte, der kriegte auch nichts mehr. Das hieß, daß nur mehr gegen Bares etwas abgegeben werden sollte. Wer darüberhinaus Schulden hätte, der bekäme trotzdem weiter etwas. Bei Barzahlung. Wer Schuldner wäre, der müßte die nächsten drei, vier Tage darauf aufmerksam gemacht werden, daß er innerhalb der nächsten vierzehn Tage den gesamten Betrag seiner Schuld zusammen haben müßte. Meinte eine Person, sie hätte nichts zu zahlen oder könnte es nicht schaffen, aufzubringen, müßte sie trotzdem bezahlen. Vierzehn Tage, restlos müßte gezahlt werden. Bis auf den letzten Knopf. Wer dazu nicht bereit war, nicht beglich, der mußte sich gewahr sein, daß das Leben Wirklichkeit war und Ernst.

Drei Wochen nach der Rede Heini Taberts, des älteren Bruders Hans-Georgs, in der Bauernhausküche Hans-Georg Taberts, daß das mit den Sterbefällen losging. Vor allem diverse Schuldner bei den vorgeschobenen Händlern der Tabert-Familie, die in zeitlich ziemlich knapper Abfolge aufeinander verstarben. Von einer zu hohen Dosis dahingerafft. Bis der letzte der Szene Bescheid wußte, was los war. Disziplin war ohnehin relativ schnell eingekehrt, was die Bezahlung der frischen Ware anging. Daß einer Schulden hätte machen können, das gab es nicht mehr.

Viel hörte Beppi während jener Tage vor eineinhalb Jahren, was in der Gegend los war. Das Gespenst des Todes ging um.

Betroffen machte Beppi jedoch das mit Tine. Tine, das war eine, die kannte Beppi seit der ersten Klasse Grundschule.

Es war früh am Abend im Joeys. Letztes Jahr im Mai rum. Da setzte Tine sich plötzlich zu Beppi an den Tisch. Nach fünf Minuten des Bettelns von Tine gingen Tine und Beppi bei Joeys raus, hockten sich im Stadtpark auf eine Parkbank. Tine erkundigte sich, wie es ihm, Beppi, denn so mit Klärchen, Tabert-Tante Minchens Töchterchen gehe. Beppi meinte, daß es einmal besser mit Klärchen ginge, dann wieder schlechter. Eine Tabert würde auch sie, Tine, gerne persönlich kennen, momentan.

Plötzlich redete Tine an der Seite Beppis davon, daß sie sich früh abends am Klo des Schnellimbisses am Bahnhof einen Schuß setzen hatte wollen. Als Tine eben mit allen Vorbereitungen fertig war, bei sich die Spritze ansetzen wollte, öffnete sich die Türe ins Damenklo. Schnelle Schritte bestiefelter Füße fand Tine komisch, ließen Tine zur Salzsäule erstarren. Unmittelbar vor Tines abgesperrter Klotüre sprang der Unbekannte ab, die Klokabinentüre hoch. Mit aufgerissenen Augen stierte Tine über sich in Fransens zu einem hämischen Grinsen verzerrte Visage hinauf, Fransen, der mit seinem mit einem Trenchcoat bekleideten Oberkörper oben auf der Kante der Türseite der Klokabine auflag.

Launig winkte Fransen zu Tine herab. Mit ihrem Namen grüßte Fransen Tine. Fransen meinte, er hätte was für seine Tine. Ein kleines, rechteckiges, weißes Pappestück schleuderte Fransen aus dem Handgelenk in die Richtung Tines. Dann stieß Fransen sich nach rückwärts ab, um außerhalb von Tines Klokabine mit den Beinen auf dem Fliesenboden aufzukommen. Fransens Laufschritte, wenige Momente, die Türe raus aus dem Damenklo ging auf, fiel ins Schloß. Fransen war fort wie ein Geist.

Nur daß Fransen für Tine die Realität war. Tine, die hob das auf, was knapp bei ihr am Fußboden lag. Auf was Tine schaute, war eine Visitenkarte. Die Hans-Georg Taberts. Mit der Wohnadresse Taberts in Geiersdorf, Telefon- und einer Handynummer. Auf der Rückseite Karte stand eine Zahl draufgeschrieben.

Nun begriff Tine, um was es sich drehte. Die unvermittelte Erscheinung Fransens war eine unverhohlene Drohung und eine Zahlungsaufforderung an sie, Tine. Tine sollte ihre Schulf bei den Tabert-Händlern begleichen. Oder es ereignete sich etwas mit ihr. Wie sich ähnliches schon bei anderen ereignet hatte.

Die volle Geldsumme aufbringen, das konnte Tine deswegen lange nicht. Obwohl auch das mit Ratenzahlungen ein Problem für Tina war, hätte Tine sich gerne auf Ratenzahlungen eingelassen, hätte es denn die Möglichkeit von Ratenzahlungen für Tine gegeben. Tine fragte Beppi, weil Beppi schließlich mit der Tabert-Familie bestens bekannt war, ob Beppi nicht ein gutes Wort bei den Taberts für Tine einlegen könnte. Vielleicht, daß Beppis Klärchen, wenn Klärchen was zu einem von Tabert-Hansis Brüdern sagte ... Einhundert könnte sie, Tine, im Monat. Einhundert.

Beppi versprach Tine, daß er mit Klärchen reden würde. Klärchen wäre schon eine Möglichkeit. Klärchen wäre eine Nette.

Aber Klärchen fiel es nicht ein, nett zu sein. Beppis Klärchen war eifersüchtig. Komische Ansagen machte Klärchen Beppi gegenüber. Tausend Weiber hätte Beppi außer seinem Klärchen noch, schwatzte es aus Klärchen heraus. Eine Tabert reiche Beppi nicht. Müßte Klärchen vielleicht mal weitersagen. Wenn Heini und Tobi davon mal was erfahren würden, die das Tabert-Hansi weitersagten, wäre Beppi bestimmt schneller irgendwo im Straßengraben, als Beppi bumsen sagen könnte.

Also war Beppi für Tine keine große Hilfe. Beppi schaute zu, sich von üblichen Plätzen fernzuhalten, Tine nicht über dem Weg zu laufen. Ein paar Wochen zogen ins Land, brach der Schlüsseldienst, gerufen von Tines Eltern, die Türe von Tines Wohnung auf. Leblos lag Tine im Badezimmer, den Arm abgebunden. Die Spritze hatte Tine weiter in der Armbeuge stecken. Tine, die nächste, die sich selber den goldenen Schuß gesetzt hatte. Vielleicht, weil Tine aufgeregt gewesen war, deswegen nicht auf die Dosierung achtete. Ehe sie sich den Schuß setzte, mußte Tine eine handfeste Auseinandersetzung mit jemandem gehabt haben. Aus Tines Nase hatte es geblutet; Tines Lippen waren aufgeplatzt. Der Hals Tines war voller Kratzer. Stand alles so sogar im Lokalteil der Zeitung. Artikelüberschrift: Tine, die Nr. 31. Untertitel: Die 31. Drogentote des Jahres im Landkreis.

Sonnenklar war das für Beppi das, daß Tine sich nicht einfach in der Dosierung vertan hatte. Sofort war Beppi das klar, daß Fransen der war, der Tine, ehe er sie umbrachte, mißhandelt hatte. Fransen, derjenige, der Tine auf dem Gewissen hatte. Fransen war der Mörder. Aber mit seinen Morden nur ein ausführendes Organ. Fransen war derjenige, der für Tabert-Hansi die Drecksarbeit machte. Tabert-Hansi, der Fransen von der Kette gelassen hatte. Fransen, das Monster hatte Tine und andere, zum Beispiel Marco, Didi und Renke, auf dem Gewissen.

Fransen, eine Mordmaschine. Ohne jeden Skrupel. Wenn am Jahresende landkreisweit einhundertundzweiundsiebzig über die Klinge gesprungen waren - wie viele davon hatte Fransen kaltgemacht?

Andererseits, er selber, Beppi, er mußte Fransen, solange er Fransen selber nichts Komisches daherlaberte, lange nicht fürchten. Auf Fransens Radar war Beppi nicht direkt. Drogenschulden hatte Beppi keine bei den Taberts. Außerdem war Beppi zu der Zeit weiterhin mit Klärchen Tabert zusammen.

Anders wie heute. Vor einem halben Jahr hatte Klärchen sich von ihm, Beppi, getrennt.

Jetzt war passiert, daß Zecke bei Arbeiten an seiner Waldhütte bei Geiersdorf von der Leiter gefallen war. Ein Leitersturz, der konnte schon passieren, wenn man sich das überlegte. Auf Zeckes Beerdigung war Beppi am neunten Oktober. Dort fiel Beppi plötzlich etwas auf. Und zwar das, daß nicht einer der Tabert-Familie auf Zeckes Beerdigung war. Mit Hanno, einem anderen der alten Bande hat Beppi sich daraufhin unterhalten. Trotz der Feindschaft, die zwischen Hanno und Beppi herrschte. Hanno hat Beppi darauf aufmerksam gemacht, daß außer ihm, Beppi, Herrmann, der höchstens halb zählte, nur noch er, Hanno, lebte. Die anderen hätte es die letzten Jahre jede Menge altvordere Bandenmitglieder von Tabert-Hansi irgendwie ihre Schicksalsschläge erlebten. Bis in den Tod. Acht Mann waren sie, und fast jedem war mal ein Unglück passiert. Gerd, im Urlaub auf Korsika ertrunken. Rosti beschritt beim Wandern in den Alpen einen schmalen Grat, ausgerutscht, in die Tiefe abgestürzt. Ali, mit der Karre und Kind und Kegel gegen einen Baum gefahren. Doldo, spurlos verschwunden. Denke und Mangold hatten unvermittlete Herzattacken. Und Zecke, Zecke, der war jetzt ungeschickt auf der Leiter. Da hatte Rocko echt Glück, daß er auf niederländischem Hoheitsgebiet im Gefängnis hockte.

 

Die Düse geht Herrn Josef Greitel alias Beppi seit der Unterhaltung mit Hanno so richtig, Herr Doktor Weil-Esch.

Beppi hätte heute gerne noch mehr Geld. Die Piepen, die Thomas Beppi hingezählt hat, hat Beppi gestern beim Pokern an Freunde verloren. Zusammen mit dem letzten Rest aus der eigenen Kasse, sechs Fünfhunderterscheine.

Wir, wir von der Detektei Umschau, sollten ihm, Herrn Josef Greitel, wenigstens so viel Geld geben, daß er wieder in eine Pokerrunde einsteigen kann. Den Rest, den würde Herr Josef Greitel dann selber erledigen. Indem er einen fetten Batzen gewinnen würde.

Dann bekäme jeder sein Geld von Beppi wieder, auch wir, wir von der Detektei Umschau. Und er, Beppi, würde sich nach Mallorca verziehen. Mindestens für ein Jahr. Auf Malle hätte er, Beppi, einen Bekannten. Bei dem könnte Beppi wohnen. Von dem wüßte niemand des Tabert-Gesocks etwas. Nach Malle müßte ihm, Beppi, das Aas Fransen erst mal nachkommen.

Was meinen Sie, Herr Doktor Weil-Esch - geben wir Beppi noch mal ein paar Scheine? Zumindest müßte der Kerl für uns die nächste Plauderrunde aufmachen. Das müßten wir sehen, was die Lieder, die Beppi uns singt, uns von der Detektei Umschau wert sind.

 

Hiermit verbleibe ich,

mit freundlichen Grüßen

 

 

___________________

 

 

Anlage

2 Speichersticks mit den Erzählungen Herrn Josef Greitels fürs Selberanhören"

 

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