Overblog Alle Blogs Top-Blogs Literatur, Comics & Gedichte
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
MENU
Werbung
Blog von TeddeMehr

"Briefprotokolle der Detektei" (20.09. - 19.10.), No. 4

28. Mai 2014 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #T-Rixi

Schreiben der Detektei Umschau an Herrn Doktor Gregorius Weil-Esch, Datum: 19.10.xxxx

 

 

"Sehr geehrter Herr Doktor Weil-Esch,

meine Mitarbeiterin Agathe würde sich demnächst gerne ein paar Wochen Auszeit vom Beruf nehmen. Für Schönheitsoperationen.

Die Klinik Sonnenschein, die Agathe sich ausgesucht hat, hat keine überhöhten Preise, denke ich.

Ein kleiner Katalog mit allem, was die Klinik Sonnenschein dem Patienten zu bieten hat, liegt für Sie, Herr Doktor Weil-Esch, in der Anlage zur Ansicht bei.

Die Verkleinerung ihrer Brüste wird Agathe selber zahlen. Dann wird Agathe wieder die originale Körbchengröße haben. Denke sowieso, eine Brustvergrößerung wäre bei Agathe früher auch nicht nötig gewesen. Da war Agathe allerdings noch nicht bei der Detektei Umschau beschäftigt. Heute ist das wahrscheinlicher für Agathe, Schläge oder Tritte Richtung ihrer Brüste zu kriegen. Mit der Gefahr, daß ein Implantat mal zerplatzt.

 

Zurück zum eigentlichen Thema: Ihren Angelegenheiten, mit denen wir von Detektei Umschau beschäft sind, Herr Doktor Weil-Esch.

Pfand Stifter.

Bis zum letzten Freitag waren wir von der Detektei Umschau mit unseren Anfragen bei Pfand Stifter ziemlich erfolglos. Daß man uns, den Detektiven der Detektei Umschau, mit irgendwas Auskunft hätte geben mögen, nicht die Bohne. Einsicht in die Unterlagen zu erhalten, für die Detektei Umschau ein Ding der Unmöglichkeit.

Wir hätten schließlich schon seit längerem gerne gewußt, ob der besagte Gehstock - der mit der von Herrn Bernd Reil in foxy.jpg. beschriebenen Knaufbronze eines Drachenmonsters - tatsächlich von Herrn Bernd Reil bei Pfand Stifter versetzt worden war. Und ob Bernd Reil das gute Stück doch abgeholt hatte, obwohl Bernd Reil es ursprünglich bei Pfand Stifter belassen wollte. Und: Sollte niemand den metallene Gehstock ausgelöst haben, war die Frage, ob man den Drachenkopf-Gehstock versteigert hätte.

Am Freitagnachmittag aber hatten wir irgendwie Glück, Herr Doktor Weil-Esch. Agathe und Regine, die Mitarbeiterinnen der Detektei Umschau, begaben sich wie immer wieder die Tage zuvor zu Pfand Stifter hinein. Keiner der alten Herrschaften, der im Ladengeschäft des Pfandleihhauses Pfand Stifter den Ton angab, war diesesmal im Ladengeschäft anwesend. Den jungen Mann trafen Agathe und Regine alleine an. Siegfried Stegmann, hatte er als Name an einem silbernen Namensschild am Revers seines weißen Arbeitskittels stehen.

Mit Herrn Siegfried Stegmann unterhielten Agathe und Regine sich. Tiefe Dekolletés präsentierten Agathe und Regine, die bei mir in der Detektei Umschau Mitarbeiterinnen sind, als sie Herrn Siegfried Stegmann ihr Anliegen auf ein neues vorbrachten. Bei Agathe war das mit den Narben und blauen Flecken wieder so weit abgeklungen, daß Agathe ihren Ausschnitt sorgenfrei herzeigen konnte. Hübsche runde Formen hatten Agathe und Regine, auf die Jungmann Siegfried ganz unverhohlen bei beiden hinablinste.

Gerade war bei Pfand Stifter im Ladengeschäft Flaute, so daß Siegfried bereit war, Agathe und Regina zu erlauben, mit ihm nach hinten mitzukommen. Keine Ahnung, was Herr Siegfried Stegmann dachte, daß im Nebenzimmer alles zwischen Agathe, Regine und ihm sich abspielen könnte. Das Jahr der Abgabe des angesprochenen Gegenstands wurde Siegfried Stegmann wiederholt, und Siegfried Stegmann griff oben im Wandschrank nach dem Aktenordner des besagten Jahrgangs mit den Ausdrucken der Ausgabe- und Abholbelege. Siegfried Stegmann erklärte Agathe und Regine, außer dem Jahresordner gäbe es leider nichts mehr. In dem Jahr drauf hätte es nämlich ein Problem mit einem Virus auf den von Pfand Stifter genutzten Rechnern gegeben. Weil Meyerl, Meyerl, der früher bei Pfand Stifter angestellt war, während den Geschäftszeiten, weil kein Kunde weit und breit war, verbotenerweise eine Sex-e-Mail samt Anhang habe öffnen müssen. Damit habe Meyerl dem gesamten Computernetzwerk von Pfand Stifter ein Virus draufgeschafft. Einen, der am Schluß dafür gesorgt hat, daß die Rechner nicht mal mehr einzuschalten waren. Sämtliche PCs, Laptops des Firmennetzes von Pfand Stifter mußten neu aufgesetzt werden. Zum Glück existierten weiterhin die papiernen Ausdrucke, die fein säuberlich in dem Aktenordner abgelegt wurden, daß man bei Pfand Stifter nicht allzu großen Schaden davontrug. Trotzdem feuerten Herr und Frau Stifter Herrn Meyerl.

Wie der Kunde schnell noch mal geheißen hätte, der damals einen Gegenstand bei Pfand Stifter abgegeben hatte, fragte Siegfried Stegmann Agathe und Regine. Reil hätte der geheißen, wurde Siegfried Stegmann geantwortet; Bernd Reil. Herr Bernd Reil, das war der Name. Einen metallenen Spazierstock, den Herr Reil abgab. Einhundertzwanzig Euro, die Herr Reil damals dafür erhielt.

Herr Siegfried Stegmann hatte die Augen an den Brüsten Regines festgesaugt, mußte von Agathe daran erinnert werden, was er für Agathe und Regine eigentlich tun hatte wollen. Unvermittelt erlebten Agathe und Regine eine launenhafte Anwandlung Siegfried Stegmanns. Siegfried Stegmann quatschte daher, daß das bei Pfand Stifter nicht üblich wäre, irgendwelchen betriebsfernen Leuten Einblick in Kundenunterlagen zu gewähren. Höchstens der Polizei, daß sie von Pfand Stifter Dinge zeigen müßten, wenn von der Behörde etwas nachgefragt würde. Bei Privatleuten wie Agathe und Regina könnte er, Stegmann, sogar auf der nächsten Polizeiwache anrufen, Polizei würde bei Pfand Stifter vorbeikommen.

Vor beugte sich Regine zu Herrn Stegmann hin, daß die Schwerkraft Regines Brüste nach unten zog. Agathe und sie, Regine, sie seien doch Detektivinnen, plapperte Regine. Beide ermittelten sie in dem Fall. Wie die Polizei. Nur nicht im Auftrag des Staates, sondern privat. Einen ganz, ganz kurzen Blick bloß wollten sie, Regine, und ihre Kollegin Agathe auf die Unterlagen werfen, bestimmt nichts entnehmen. 

Siegfried Stegmann vergaß das mit seiner Bockigkeit, klappte den Aktenordner auf, fragte nach Monat, genauem Datum, Uhrzeit. Beim Umblättern meinte Siegfried Stegmann wie nebenbei, daß er ab achtzehn Uhr fünfzehn frei hätte. Nach viertel über sechs könnte man sich treffen. Um in einem Restaurant zu essen. Nach dem Abendessen müßte man dann lange nicht nach Hause gehen, sondern Tanzklub mit Live-Musik.

Regine säuselte, sie würde sich das mal überlegen. Agathe nickte mit Kopf, zupfte an ihrem Ausschnitt, als wäre bei ihr am tiefausgeschnittenen Shirt etwas, was kratzte.

Das betreffende Datum, von dem wir aus Herrn Bernd Reils Tagebuch-Datei foxy.jpg. wußten, kam zum Vorschein. Ein DIN-A4-Blatt für den Pfand, unten unterschrieben von Herrn Bernd Reil, zwei Beleg-Zettel; drei vergrößerte Fotos jeweils in einer Klarsichtfolie.

Auf zwei Fotos der Gehstock an eine braune Holzplattenwand angelehnt; die gesamte Länge fotografisch eingefangen, professionell fotografiert. Auf dem dritten: die Vergrößerung der Knauffratze eines zähnefletschenden Drachenungeheuers mit drei Hörnern am langgestreckten Schädel oben.

Exakt jenes Ding, das Herr Bernd Reil in seinen Tagebuch-Einträgen detalliert öfters beschrieben hatte. 

Relativ enttäuschend fanden Agathe und Regiea, daß die bei Herrn Bernd Reil vielfach als schrecklich, monströs erwähnte Bronze des Drachenungetüms mit dem aufgerissenen Maul auf den Fotos in ihren Augen eher gewöhnlich ausschaute. Da hatten Agathe und Regine in ihren Detektivinnen-Leben schon Schrecklicheres, Echteres gesehen hatten. In irgendeine Art unheimliche Stimmung versetzte Agathe und Regine die reine Fotobetrachtung auf alle Fälle nicht. Vielleicht, wenn sie den Gegenstand in der Realität in den Händen gehalten hätten.

Das Grundgebot bei der Auktion, sollte die bei Nichtabholung fällig werden, war damals bei Pfand Stifter auf fünfhundert Euro festgesetzt  worden.

Agathe und Regine erkundigten sich, was den Spazierstock denn so wertvoll mache.

Siegfried Stegmann zuckte die Schulter, erwiderte Agathe und Regine, mit Spazierstöcken kenne er sich nun wirklich nicht aus. Da müßten Agathe und Regine die alten Herrschaften, denen Pfand Stifter gehörte, fragen, warum Herr Meyerl den Spazierstock auf einen derartigen Wert fixierte. Vielleicht, wenn das Metall reines Silber war, die Bronze keine Bronze, sondern echtes Gold, bronzefarben.

Wenn diese Antwort Regine und Agathe nicht befriedigte, müßten sie dann die alten Stifter-Leute fragen, die bald zurückkehren müßten. Ob die aber erfahren durften, daß Agathe und Regine den Aktenordner eingesehen hatten, herumschnüffelten, das stand auf einem anderen Blatt. Herr Siegfried Stegmann grinste breit.

 

Wie in seinem Tagebuch geschrieben, hatte Herr Bernd Reil am Donnerstag dem zwölften Juli des besagten Jahres einhundertundzwanzig Euro für den Gehstock Fransens erhalten.

Abgeholt wurde der Spazierstock allerdings noch im Juli. Jedoch nicht von Bernd Reil.

Derjenige, der den Spazierstock abholte, Herrn Bernd Reils Leihschein dafür vorzeigte, unterschrieb den Beleg für den Erhalt in einer Art schnörkeligen, dünnen Spinnenschrift, dennoch alles andere als unleserlich. Der Namenszug: Drakonie Rupertus Wank.

Drakonie Rupertus Wank, Herr Doktor Weil-Esch, niemand anders als Fransen höchstpersönlich.

Fransen ist Drakonie Rupertus Wank, Fransen, der, der bei Pfand Stifter den fixen Geldbetrag und die für das Pfandgut aufgelaufene Gebühr bezahlte. Am neunundzwanzigsten Juli jenes Jahres, einem Montag, um siebzehn Uhr dreiundvierzig.

Drakonie Rupertus Wank alias Fransen, der den Leihschein Herrn Bernd Reils irgendwie von Herrn Bernd Reil erhalten haben muß.

Wie das geschehen war, das hat Herr Bernd Reil leider nirgends dokumentiert. Oder, der digitale Eintrag ist für uns bisher Verschütt geblieben. Über das hinaus, was wir in der Form seines digitalen Tagebuches haben, konnte bis jetzt nichts von uns von der Detektei Umschau aufgefunden werden. Obwohl wir jede Menge gelöschte Dateien von Herrn Bernd Reil Rechnern restauriert haben.

Keine Ahnung, ob und wo Herr Bernd Reil darüber geschrieben hat. Teil von foxy.jpg., dem Tagebuch Herrn Bernd Reils, ist jedenfalls nichts dergleichen.

 

Fransen beziehungsweise Herr Drakonie Rupertus Wank, derjenige, der bei Pfand Stifter seinen Gehstock sich zurückholte. Seinen Ausweis dafür vorzeigte, gegenüber Meyerl Daten wie Wohnort, Straße nannte. Die Meyerl notiert hat. Herr Meyerl ist übrigens unbekannt verzogen ist. Andererseits: Warum Herr Meyerl sich noch viel von irgendwas mit Pfandabholern bei Pfand Stifter in seiner Erinnerung haben müßte, daß wir Herr Meyerl unbedingt belästigen müßten, das wissen wir von der Detektei Umschau nicht.

Das müssen Sie sagen, Herr Doktor Weil-Esch. Die Informationen, die wir von der Detektei Umschau in der Sache von Pfand Stifter haben, reichen im Grunde genommen überallhin. Oder soll die Detektei Umschau zuschauen, Herrn Meyerl zu finden?

Schließlich haben wir von der Detektei Umschau jetzt den Namen, wissen, wie Fransen heißt: Rupertus Drakonie Wank. Rupertus Drakonie Wank, der üblicherweise nur Fransen genannt wird.

Der Eigentümer des Gehstockes höchstselbst hat seinen Gehstock bei Pfand Stifter abgeholt. Weil das mit der Bezahlung der erforderlichen Geldsumme reibungslos vonstatten gegangen war, reichte man bei Pfand Stifter den Gehstock auch an Herrn Drakonie Rupertus Wank weiter.

 

Das ganze Geheimnis, daß wir die Spazierstock-Fotos und kopierte Papierwirtschaft Pfand Stifters für Sie in der Anlage dieses Schreibens haben, Herr Doktor Weil-Esch, besteht darin, daß meine Damen Agathe und Regine mit Herrn Siegfried Stegmann abends ausgegangen sind.

Keine besondere Bestrafung für Agathe und Regine, weil Herrn Stegmanns äußere Erscheiung, soviel ich von Herrn Stegmann gehört habe, ansehnlich ist. Eine stattliche Gestalt hat Herr Stegmann.

Regine will sich auch in der Zukunft mal mit Siegfried treffen.

Ob sich mehr daraus entwickelt?

 

Die persönlichen Daten, die Fransen bei Pfand Stifter so freizügig von sich preisgab ...

Fast wollte ich in dem Schreiben hier dazu nichts dazu sagen. Weil die Adresse - wie Sie sicher bereits kombiniert haben, Herr Doktor Weil-Esch -, die kennen wir. Die Adresse ist die Anschrift von Herrn Hans-Georg Tabert in Geiersdorf ist.

Exakt die, keine andere.

Auch heute noch ist Herr Drakonie Rupertus Wank ganz offiziell als Bewohner des Tabert-Hauses in der Gemeinde von Geiersdorf gemeldet. Praktisch hat Herr Drakonie Rupertus Wank seinen Wohnort nicht aufgegeben oder gewechselt.

Der von Herrn Drakonie Rupertus Wank hergezeigte Personalausweis mit Ausweisbild ist nach dieser Datenlage ausgefertigt.

 

 

Hiermit verbleibe ich,

mit freundlichen Grüßen

 

 

___________________

 

 

Anlage

1 Werbekatalog der Klinik Sonnenschein mit Preisvorschlägen

Je eine Kopie des Pfandscheins Herrn Bernd Reils und der Abholbestätigung, unterschrieben von Herrn Drakonie Rupertus Wank.

4 Fotos des Spazierstocks, von Herrn Meyerl, ehemals Mitarbeiter bei Pfand Stifter, verfertigt"

 

*

Werbung
Diesen Post teilen
Repost0
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post