Overblog Alle Blogs Top-Blogs Literatur, Comics & Gedichte
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
MENU
Werbung
Blog von TeddeMehr

"Briefprotokolle der Detektei" (25.10. - 25.11.), No. 1

28. Mai 2014 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #T-Rixi

Schreiben der Detektei Umschau an Herrn Doktor Gregorius Weil-Esch, Datum: 25.10.xxxx

 

 

"Sehr geehrter Herr Doktor Weil-Esch,

die Spur Herrn Drakonie Rupertus Wanks beziehungsweise Fransens ...

Thomas hat sich die letzten drei Tage dreimal einem genähert, der nach einem Penner ausschaute und einen Regenmantel der Marke Trenchcoat anhatte. 

Jedesmal war es nicht Fransen.

Den Mann, den Thomas gestern gesehen hat, der auch einen Trenchcoat trug, den kannte Thomas, weil der den zweimal bereits die letzten beiden Wochen, seit Thomas für Lebensmittel ansteht, auf der Tafel des Städtchens gesehen hat. Thomas hat die Type angeredet.

Was Thomas erzählt kriegte, empfinden wir unter anderem auch als Warnung, Herr Doktor Weil-Esch. Der, mit dem Thomas sich unterhielt, sagte Thomas, daß er den Trenchcoat nicht von der Kleiderausgabe hätte. Fransen hätte ihm den Regenmantel gegeben. Und einen Fuffi dazu. Wenn er den Mantel die nächsten Wochen ständig anhätte ...

Verstehen Sie das, Herr Doktor Weil-Esch, was das bedeutet?

 

Herr Josef Greitel alias Beppi fürchtet auch um sein Leben. Seit Wochen jetzt schon.

Selber schuld, der Idiot, wenn er ständig bei seinen Pokerrunden mit Freunden verliert. Deshalb sich seine Reise nach Mallorca nicht leisten kann. Weil er das nächstemal pleite gegangen ist.

Von uns von der Detektei Umschau kriegt Beppi auf alle Fälle nichts mehr, solange Beppi nicht was Neues einfällt, was uns interessieren könnte.

 

Deshalb schaut Fransen aber lange nicht bei Beppi vorbei.

Regine und Thomas, die Mitarbeiter der Detektei Umschau, haben im Nachbarhaus von Herrn Josef Greitel eine möblierte Zwei-Zimmer-Wohnung bezogen.

Zwei Fehlalarme hat Herr Josef Greitel die Tage bereits Regine und Thomas verursacht. Daß Regine und Thomas sehr angenervt sind von Beppi dem Seppi.

Andererseits habe ich Regine und Thomas heute bei unserem letzten Telefonat darauf aufmerksam gemacht, daß, falls sich mal etwas bei Herrn Greitel abspielen sollte, vielleicht ein Anruf bei der Polizei die bessere Wahl ist, statt selber einzuschreiten. Sich unnötig in Gefahr zu begeben, muß nicht unbedingt sein.

Wer ist Greitel denn? Solange er bei seiner Maulfaulheit bleibt.

 

Seitdem Herr Hans-Georg Tabert in der Justizvollzugsanstalt Eigner einsitzt, ist Fransen zwar in und um Geiersdorf zwar öfters gesehen worden. Aber nicht so wie ehemals. Eher als unregelmäßige Erscheinung. Die Frage stellt sich: Taucht Fransen erst wieder richtig bei Hans-Georg Tabert im Bauernhaus auf, um drinnen umzugehen, wenn Herr Hans-Georg Tabert aus dem Gefängnis entlassen wird?

Natürlich arbeiten wir, wir von der Detektei Umschau, mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln. Wir haben unsere Richtmikrophone öfters auf die verschiedensten Gebäude der Taberts gerichtet. Darüberhinaus kennen wir von der Tabert-Verwandtschaft mittlerweie jede Menge IP-Adressen, haben uns in Computer gehackt, lesen e-Mails.

Lediglich der große Bauernhof Herrn Hans-Georgs Taberts ist für uns ein einziges großes schwarzes Loch.

Dorthin, wo wir mit unseren Mitteln eindringen konnten, das hat alles bisher ziemlich langweilige Ergebnisse mit sich, Herr Doktor Weil-Esch. 

Die e-Mails, die zwischen den Mitgliedern der Tabert-Familie hin und her fliegen, lesen sich beinahe wie bereinigte Texte. Höchstens für die Suchmaschinen-Leute und die werbetreibende Wirtschaft von Interesse, diese Daten.

 

Alles die reinste Oberflächlichkeit.

Wovon ich spreche, Herr Doktor Weil-Esch, ist, daß, wenn wir, wir von der Detektei Umschau, nicht genau wüßten, daß die Tabert-Familie im Drogengeschäft ist, daß es sich hier um das Milieu von Prostitution und Menschenhandel, Geldwäsche dreht, daß von den Taberts Einbruchsserien finanziert, organisiert und koordiniert werden, wir denken könnten, die Taberts, das wären gewöhnliche Leute. Eine normale Großfamilie. Alles andere als schrecklich.

Klärchen und Minchen Tabert tauschen sich mit Kochrezepten aus, erzählen sich dann, wenn die eine das Rezept der anderen nachgekocht hat, wie es schmeckte. Marja, Tobias Taberts Frau, hat Kinder, die scheinen größere Schulprobleme zu haben, wie anderer Nachwuchs der Taberts sie momentan nicht in dem Maße. In Urlaub waren einige Tabert-Onkels und -Tanten; die Tabert-Verwandtschaft schickt untereinander fast ständig neue Urlaubsbilder hin und her. Heini Tabert hat letztens auf der Jagd einen kapitalen Keiler geschossen, postet das Bild des toten Tieres mit sich mit Gewehr nebendran bei Freunden. Dutzende von Aufnahmen, viele Perspektiven, Bilder stets auch mit Textzeilen.

Auf seiner eigenen Homepage hat Heini Tabert Fotos von seinem Treiben als Jägersmann in rauhen Mengen. Henriette, Heini Taberts Frau mutmaßt in einer e-Mail, die sie an eine Ronja, eine Geiersdorfer Landfrauenfreundin, abschickte, daß Heini ihr wieder fremdgegangen sein könnte; am liebsten würde Henni sich scheiden lassen.

Besonders heraus ragt, als Gusto für meine männlichen Mitarbeiter, momentan Klara, Heini Taberts vierzehnjährige Tochter. Klara sitzt beinahe täglich bis zwei, drei Uhr nachts auf ihrem Zimmer vor dem Laptop. Klara chattet, die Netz-Kamera an. Gerne macht Klara dabei die Beine breit, während sie auf bewegte Bilder starrt. Der nächste Freund Klaras, der sich selber umfaßt, Onanie betreibt. Während Klara die Hüfte heb, masturbiert. Wir fragen uns bei dem Thema: Trifft Klara sich eigentlich auch mal mit einem der Kerle? Oder ist das eigentlich alles? Zu verstehen wäre es, denn Heini Tabert ist ein strenger Vater. Einer, der dafür sorgt, daß seine Kinder ihre Hausaufgaben machen. Nur um den Schlaf seiner Tochter daheim scheint Heini T. sich nicht viel zu kümmern. Von ihrem nächtlichen Treiben kriegt Heini T. nichts mit. Andererseits, daß sie weniger Schlaf hat, scheint sich bis auf weiteres bei Klara, der Vierzehnjährigen, nicht auf die Schulaufgabennoten auszuwirken.

 

Was kümmert Sie das, fragen Sie sich, Herr Doktor Weil-Esch, nicht?

Finde, für die Atmosphäre hier ist das Obige schon notwendig. Einer Erwähnung wert.

Es ist doch etwas vorgekommen, etwas, was wir von der Detektei Umschau darüberhinaus mitgekriegt haben.

Soweit wir die Inhalte mehrerer mitgehörter Telefonate und von ein paar Smartphone-Kurznachrichten richtig interpretieren, sind die Tabert-Familienmitglieder Heini und Tobi derzeit irgendwie klamm. Die beiden haben nicht so viel Geld zur Verfügung, wie sie gerne hätten. Nicht im Detail erklärte diverse Geschäfte haben Heini und Tobias zu viele Unkosten verursacht und zu wenig eingebracht. An dieser Tatsache haben die Tabert-Brüder zu knabbern. Sogar der Verkauf von einigem Grundbesitz wird von Heini und Tobias Tabert in Betracht gezogen. Einzig und alleine die Furcht vor Hansi, die läßt Heini und Tobias zögern, das gemeinsame Tabert-Vermögen in einem größeren Ausmaß anzuknabbern. Weil Hansi keiner sei, mit dem zu spaßen sei. Hansi könnte Dinge nicht einfach einsehen, die mit Mißerfolg in Zusammenhang standen. Tobias meinte dann zu Heini, daß nur zu hoffen bleibt, daß seine kleine Familie knapp noch den Kern ihres Besitzes erhalten könnte, wenn sich nicht bald was Positives abspiele. Hoffentlich, daß es Hansi möglich würde, im nächsten Jahr rauszukommen. Wäre Hansi in Freiheit, liefe mit Hansis Kontakten bald wieder alles wie geschmiert; hätte man weniger Ärger an der Backe. Das würde etwas geben, wenn Hansi am Jahresende klargemacht werden müßte, daß die Renditen schmal geworden sind. Und das jetzt noch: der Ärger, wegen einer Scheißdreck-toten Nutte, die Nummern abgespeichert hatte, echte Nummern.

Heini hat Tobi aufgefordert, keinen Müll mehr am Telefon zu labern.

 

Was das Gerede Tabert-Tobis hinsichtlich einer toten Nutte anging, haben wir, wir von der Detektei Umschau, uns natürlich auf der Stelle in den Klubs und Lokalen im Landkreis umgehört. Es war jedoch nirgends in der näheren Landkreisumgebung in den Swingerklubs, Stripteaselokalen und so weiter Dazugehöriges irgendwas von einer zu erfahren. Keine tote Tänzerin, Mitarbeiterin in keinem Klub, in dem Tabert-Tobi Teilhaber ganz offiziell Teilhaber ist.

Entweder wissen die, die meine Leute angesprochen haben, wirklich nichts. Oder die Geldsumme, die Tobias Tabert gezahlt hat, die Angelegenheit aus der Welt zu schaffen, war ausreichend.

Eventuell meinte Tabert-Tobi sogar in Wirklichkeit keine Nutte. Sondern eine, mit der er außerhalb seiner Ehe was am Laufen hatte. Eine Freundin von ihm, Tabert-Tobi, daß mit der etwas los war. Daß Tabert-Tobi eine aus dem Weg räumen mußte, die zuviel von ihm gewußt hat, seine Ehe gefährdete oder so.

Nur haben wir von der Detektei Umschau keine Spur. Heini ist eigentlich der Fremdgeher der beiden Tabert-Brüder, nicht Tobi. Und bei Tobi in der Umgebung gibt es keine Abgänge.

Im Landkreis gab es die letzten drei Monate so zwanzig Frauen, Mädchen, die als verschwunden gemeldet wurden und verschwunden geblieben sind. Viel in den lokalen Medien berichtet wird von diesen Vermißten nicht. Vielleicht, weil das eigentlich ständig irgendwo vorkommt, daß Leute nicht nach Hause kommen. Nach drei, vier Tagen geht die Polizeibehörde einem Fall hinterher, bleibt es dabei, daß jemand nicht heimkommt. Bloß, solange das keine lokale Prominenz ist, scheint das nicht zu bekümmern, bleibt es beim Verschwinden.

Das heißt, Herr Doktor Weil-Esch, wir bräuchten dringend noch ein paar Informationen mehr, damit wir den einen oder anderen Vermißtenfall mit Tabert-Tobi in Verbindung bringen könnten.

 

Tabert-Hansi, wie der Kontakt zu seiner Großfamilie hält, sehr unübersichtlich. Der muß allerdings in der Lage sein, seine Brüdern Heini und Tobi, die Schwestern, Tanten, Onkels und sonstigen, die zur gesamten Organisation dazugehören, zu kontaktieren. Anders funktioniert das gar nicht.

Nur, Tabert-Hansi, im Grunde das Familienoberhaupt, der Chef des Ganzen, ist so gut wie ausgestorben. Zwei harmlose e-Mails, von Tabert-Hansi geschrieben, konnte Herr Augustin, auf seinen Rechner geladen, entdecken. Keiner der großen Familie erhält von Tabert-Hansi direkt einen Anruf, eine Kurznachricht. Als wäre Tabert-Hansi das schwarze Familienschaf, verstoßen aus dem Verbund.

Es läßt sich tatsächlich, kümmern meine Mitarbeiter sich um die Sache, nicht feststellen, ob Tabert-Hansi angerufen würde. Viel Familienneuigkeit will, wie es aussieht, keiner Tabert-Hansi mitteilen. Und seien es bloße Urlaubsfotoalbenbilder, schon gut, ein paar auch an Tabert-Hansi zu verschicken.

Aber, das gibt es nicht.

Tabert-Hansi muß jedoch kontaktiert werden können. Auch telefonisch.

Beispielsweise kann man bei der Anwaltskanzlei Main anrufen, Tabert-Hansi sprechen hören. Hinter einem Monitor mit Rechnerverbindung mit fetter Festplatte und großem Arbeitsspreicher hockt Tabert-Hansi in der Anwaltskanzlei Main, Werktags verbringt Tabert-Hansi dort praktisch Stunden. In der Anwaltskanzlei Main erledigt Tabert-Hansi Schreibkram, leitet Gespräche an die Anwälte, denen seine Arbeit dient, weiter.

 Strikt seiner Tagesarbeit für die Anwaltskanzlei Main scheint Tabert-Hansi nachzugehen. Als gäbe es nicht auch noch anderes, mit dem Tabert-Hansi beschäftigt sein könnte.

Bisher konnten wir von der Detektei Umschau Tabert-Hansi tatsächlich noch nicht auf die Spur kommen. Für uns sieht es weiterhin so aus, als würde Tabert-Hansi wirklich darauf verzichten, die Stricke bei sich in der Familie und der weiteren Umgebung in der Hand zu halten. Als wäre Tabert-Hansi daran auch ganz und gar uninteressiert.

Kaum zu glauben, daß es Tabert-Heini ist, der Herrn Hans-Georg Tabert den Rücken frei hält. Auch Tabert-Tobi mangelt es dafür am rechten Format, betrachten wir Tabert-Tobi. Soweit wir von der Detektei Umschau die Dinge überblicken, wären die einzelnen Pakete der Tabert-Landschaft lange in die Binsen gegangen, hätten Tabert-Heini oder -Tobi alleine das Sagen. Wer nun jedoch der Kitt ist, der große unbekannte Faktor, darauf sind wir leider noch nicht gekommen. Es muß dieses Glied der Kette allerdings geben.

 

Vor zwei Tagen haben wir, wir von der Detektei Umschau, in Gestalt von Herrn Augustin einen großen Angriffsversuch auf die im öffentlichen Telefonbuch genannte Nummer des Bauernhaus-Komplexes von Herrn Hans-Georg Tabert gestartet, Herr Doktor Weil-Esch. Schließlich kann bei Herrn Hans-Georg Tabert auf dem Bauernhaus angerufen werden. Leute können Herrn Hans-Georg Tabert ein Normalo-Fax schicken. Beides haben wir, wir von der Detektei Umschau, bereits gemacht, Tabert-Hansi anzufragen. Zum Beispiel in Manuela-Dombrowski-Angelegenheit.

Also, dachten wir von der Detektei Umschau, wir sollten mal sehen, ob wir auf diesem Wege nicht doch in Herrn Hans-Georg Taberts heimischen Rechner eindringen könnten.

Mit zehn geleasten Spielecomputern hat es sich Herr Augustin mit drei Bekannten aus dem Hacker-Milieu in einer gemieteten Wohnung im zweiten Stock des Wohnblocks mit direkter Sicht auf das Tabert-Gehöft am Geiersdorfer Dorfrand eingerichtet.

Als alles an- und die Rechner zusammengeschlossen waren, wurde unter der Leitung von Herrn Augustin erst mal durchgemessen, festgestellt, daß bei den Taberts mehrere PCs angeschlossen und eingeschaltet waren. Die Zahl schwankte. Zwischen drei und fünf. Tablets schienen auch dabei zu sein. Smartphones griffen auf verschiedene Netze zu. Am Abend hat Herr Augustin dann einen echten Angriff auf den Telefonanschluß Tabert-Hansis gestartet.

Zuerst einmal rief Thomas die Nummer Herrn Hans-Georg Taberts profan an. Nachdem Tabert-Tante Minchen abgehoben hatte, sich mit Thomas, der vorgab, sich verwählt zu haben, unterhielt, befanden wir uns drinnen in der Einrichtung Hansi-Taberts, wollten mit der Orientierung anfangen.

Leider gelang uns das nur für ein paar Momente, Herr Doktor Weil-Esch. Echt nur kurz, daß Herr Augustin und seine Kumpel Dateien aus der Tabert-Rechneranlage auf dem Monitor hatten. Denn Herr Augustin und Freunde erlebte einen Gegenschlag. Im Bruchteil einer Sekunde, daß nichts mehr funktionierte.

Alles war schwarz, blockiert. Um es so zu umschreiben: Was Herr Augustin und seine Bekannten bei den anderen vorhatten, passierte uns in ein paar Momentchen. Herr Augustins Rechnern wurden die Daten abgesaugt. Daraufhin war das Erleben, daß sämtliche zugeschaltene Monitore dunkel geworden waren.

Wir kappten, weil nichts mehr funktionieren wollte, die Stromzufuhr. Als wir unser internes Netz wieder einschalten wollten, blieben alle Bildschirme finster. Das heißt, wir hatten totalen Systemausfall.

Ein Kumpel Herrn Augustins meinte, daß der Standort lokalisiert werden konnte. Jemand, so was wie ein innerhalb von Minuten zusammengetrommelter Schlägertrupp der Taberts mit Schlagringen und Baseballschlägern, könnte in dem Wohnblock vorbeischauen kommen, in dem bis auf weiteres keine Rechner mehr funktionierte.

Schnellstens haben Herr Augustin und die andern mit Thomas und Agathe, die ebenfalls anwesend waren, das Gebäude verlassen. Nicht zu spät. Denn es fuhren plötzlich mehrere Autos vor. Männer und Frauen, die ausstiegen, seltsam wirkten.

Als Agathe am nächsten Morgen in die Etage hochgemacht hatte, in der Mietwohnung nachschaute, war die Wohnungstüre angelehnt. Aufgebrochen hatte man die Türe. In den Zimmern war im dem Sinne nichts zu Bruch gegangen. Aber, die Spiele-PCs, die Herr Herr Augustin für die Attacke auf die Tabert-Einrichtung angemietet hatte, waren allesamt ausgeschlachtet. Fachmännisch. Nur die Hardware war vorhanden, praktisch die äußere Hülle. In eine Pappschachtel, die auf dem Wohnzimmertisch stand, hat Agathe hineingesehen. Auf menschliche Fäkalien herabgeblickt.

Wie unser Vertrag lautet, Herr Doktor Weil-Esch: Sie kommen für die Unkosten auf. Sie zahlen die Summe, die leaseMedia als Schadenersatz für die kaputten PCs verlangt.

Die Rechnung durch leaseMedia erreicht uns in der Detektei Umschau die nächsten Tage auf dem Postweg. Den Brief schicke ich sofort an Sie weiter.

 

 Wir, wir von der Detektei Umschau, haben ausgiebig darüber diskutiert, Herr Doktor Weil-Esch, was das sein könnte, was Herr Hans-Georg Tabert da in seinem Bauerhaus stehen hat.

Antwort: eine gigantische Anlage. Einen Großrechner. Etwas mit einem Kostenpunkt von mehreren Millionen.

Seit drei Jahren hat Herr Hans-Georg Tabert jedes Dach seines Bauernhauskomplexes mit Sonnenkollektoren zugepflastert. Außerdem stehen auf den zu den Tabert-Hansi-Gebäuden gehörigen nahen Wiesen die Kollektoren in Dreierreihen.

Überdies war vor drei Jahren eine Hoch- und Tiefbaufirma mit Arbeiten bei Tabert-Hansi am Hof beschäftigt. Bauarbeiter mit Hochkran und allem Drum und Dran, die im klotzigen Silobau, dem Holz- und dem gemauerten Stall und dem großen Bauernhaus ein- und ausgingen.

Was das äußere Aussehen der Tabert-Hansi-Gebäude anging, wurde schließlich nichts verändert. Die Bauarbeiten dienten dazu, die Keller der besagten Gebäude besser auszubauen.

Jetzt ahnen wir, für was Tabert-Hansi den vielen Extrastrom braucht: Die Sonnenkollektoren zusammen mit der thermischen Speichertechnik sorgen bei einem Großrechner für die Stromversorgung.

Die einzelnen Rechnerparzellen müssen zudem gekühlt werden, erklärte mir Herr Augustin, wozu ebenfalls jede Menge elektrischer Strom nötig ist. Wahrscheinlich mit der modernsten Vierzig-Grad-Wasser-Kühlung.

 Gut für ein Ratespiel, Herr Doktor Weil-Esch, die Frage, mit wie vielen Petaflops Höchstleistung der Superrechner Tabert-Hansis möglicherweise arbeitet.

 

Um unsere Überlegungen zu untermauern, sind Regine und Thomas heute vormittag zum Sitz des lokalen Stromanbieters dort gefahren.

Nach einigem Hin und Her, nachdem Regine und Thomas von einem Büro zum nächsten geschickt wurden, fand sich ein Mann, der uns in seinem Büro sitzen ließ. Im ungefähren Auskunft gab er Auskunft. Für zwei weitere Extrascheine drauf und die Versicherung, daß sein Namen nirgends eine Rolle spielen wird.

Der Angestellte sagte, Herr Hans-Georg Tabert, der bezahle immer noch eine monatliche Stromrechnung, bekäme wie jeder andere gegen Ende des Jahres eine Jahresabschlußrechnung.

Man wisse davon, daß auf den Dächern des Gebäudekomplexes, das Herr Hans-Georg Tabert besitzt, und auf Wiesen, die Herrn Tabert gehören, Strom erzeugt wird. Herr Tabert speist sogar eine gewisse Menge überschüßigen Strom ins Allgemeinnetz ein. Dafür bekäme Herr Tabert aber keinen Abschlag auf seine Stromrechnung, weil Herr Tabert das sozusagen umsonst mache, obwohl Herr Tabert durchaus etwas dafür bekommen könnte, was Herrn Tabert sicherlich bekannt sein mußte.

 

Jetzt etwas aus der Welt der Spekulation,nach dem Zweck des Großrechnerzentrums im Bauernhaus Herrn Hans-Georg Taberts. Schließlich muß es einen Zweck für ein Großrechnerzentrum im Bauern Hans-Georg Taberts geben.

Da meinen wir, wir von der Detektei Umschau, dürfen wir bei Herrn Hans-Georg Tabert sicherlich groß denken. Vielleicht, daß Herr Hans-Georg Tabert eine Investition getätigt hat, Geld verdienen zu können, ohne großartig viel dafür tun zu müssen. Das heißt, indem er, Hans-Georg Tabert, eine Dienstleistung anbietet.

Das Zauberwort, auf das ist Herr Augustin, meine rechte Hand in der Detektei Umschau, gekommen: Server.

Herr Hans-Georg Tabert betreibt seinen eigenen Großserver betreibt. Eine Anlage, riesige Datenmengen zu verarbeiten. Geschützt mit einem Verschlüsselungsprogramm ungeheuren Ausmaßes. Richtig wie ein staatlicher Geheimdienst.

Sie kennen das ja, Herr Doktor Weil-Esch, jeder kleine PC sollte so was haben: Firewall, Virusschutz und all das. Sicherlich benutzen die, die Hans-Georg Tabert für sich arbeiten läßt, kein Programm, das jeder gewöhnliche Kleinbürger sich herunterladen kann. Sondern irgendwas, das Herr Hans-Georg Tabert mit seinen Geldmitteln - oder Anteilen einer Organisation, mit der Hans-Georg Tabert zusammenarbeitet, extra für sich seine Zwecke entwickeln hat lassen. Von Leuten aus dem Hacker-Milieu.

 

Was genau könnte die Geschäftsüberlegung Hans-Georg Taberts sein? Wer sind die im Hintergrund bei Herrn Tabert?

Uns von der Detektei Umschau wurde, was die Peson Hans-Georg Tabert angeht, bereits nahegebracht, daß Hans-Georg Tabert Verbindungen zum organisierten Verbrechen hat. Zu der kalabrischen Mafia etwa. Kontakte zu diesen Mafia-Kreisen soll Hans-Georg Tabert aufgebaut haben. Erinnern wir uns, Tabert-Heini, Hans-Georg älterer Bruder, konnte einmal nicht an sich halten, von seinem Bruder Hansi in der Küche von Hansis Bauernhaus zu schwärmen. Was für ein abgebrühter Kerl Hansi doch wäre. Den Mafia-Boß persönlich hätte Hansi getroffen. Den Ring vom Paten hätte Hansi geküßt. Beppi alias Josef Greitel hat uns das schließlich erzählt. Er, Beppi, ist an der Seite der Tabert-Tante Minchens Tochter Klärchen dabeigesessen, hat den Worten Tabert-Heinis stumm gelauscht.

Was nichts anderes aussagt: Herr Hans-Georg Tabert verfügt über Kontakte zu Mafia-Kreisen. Die sogar besser sein könnten, als es die Welt sich je vorzustellen wagen würde. Man stelle sich vor, was etwa die Mafia mit einem eigenen Rechenzentrum anstellen könnte.

Stellen wir uns vor, Herr Hans-Georg Tabert selber eher einer, der Investitionsprobleme hat. Aber darüberhinaus verfügt er auch über beste Beziehungen. Finanzkräftige Hintermänner könnte Hans-Georg Tabert sich ins Boot geholt haben. An höchster Stelle, beim Paten, könnte Hans-Georg Tabert sein Geschäftsmodell vorgetragen haben. Die Idee, die bei ihm dahinter steht, könnte von Herrn Hans-Georg Tabert plausibel gemacht worden sein. Daß der Plan vom Boß persönlich abgenickt wurde. Daraufhin warfür Unterstützung bei der Finanzierung gesorgt.

 

Wir, Herr Augustin und ich, Herr Doktor Weil-Esch, sind der festen Überzeugung, daß der Superserver dazu dient, bestimmte Datenströme zu verwalten. Bessere Verschlüsselung, Herr Augustin sagt, verwischen von Spuren im internationalen Netz.

Die gesamte Bandbreite von Verbrechen könnten die Kriminellen über einen oder mehreren eigenen Servern abwickeln. Selbst in den Provider-Dienst damit einsteigen. Auch zu Tarnzwecken mit ganz normalen Bürgern als Kunden.

Drogen-, Waffen-, Menschenhandel, Geldwäsche, Insiderhandel von Aktien. Alles, was das Herz eines Mafiosi begehrt.

Oder denken wir zum Beispiel an die Pädophilie. Dem Fahndungsdruck, der auf diesem Personenkreis lastet. Sehr unerfreulich für diese Leute.

Was für Datenspuren das Versenden eines Kinderpornos hinterläßt. Eine Datenflut, die für den Anbieter verbotener Pornografie sowie die Nachfrager danach anfällt. Dazu noch, daß der, der den Porno erhält, auch mit realem Geld für den Erhalt rüberkommen soll, muß. Dafür muß die neueste Verschlüsselungstechnik verwendet werden. Was bietet sich demzufolge Besseres an, als daß Dinge über Server laufen zu lassen, die man selber kontrolliert und für deren Schutz man sorgt.

Aus dem Grund ein einziger Vorteil, sollte das mit dem Datenaustausch in eigenen Netzwerken stattfinden, bestmöglich abgeschirmt. Welchen, in denen die von der Polizei nachvollziehbare Spuren hinterlassen.

 

Das ist das eine. Dann die interne Kommunikation.

Die Mafia-Leute haben doch dauernd nichts als Sorgen. Untereinander müssen sie sorgenfrei kommunizieren können. Per Telefon, Smartphone. An den Rechnern.

Nicht unbedingt der Bringer, auf einfachste Weise in den öffentlich verfügbaren Telekommunikationsnetzen entdeckt werden zu können. Überblick- und ortbar zu sein. Erst recht mit diesen ewigen Staatsgeheimdiensten im Hintergrund. So oder so braucht man nichts von denen.

Wenn immer die Gefahr von Lauschern an der Wand besteht ... Die man eigentlich nicht haben möchte, weil man sie nicht braucht.

Sicher lästig, muß man ständig daran denken, daß welche von Amts wegen elektronische Post lesen, frisch getippt und versandt - ehe sie überhaupt beim Empfänger angekommen ist. Das möchte sicherlich keiner, sich dauernd um Trojaner kümmern zu müssen, die unbemerkt auf die eigenen Rechner gelangt sein könnten, weil die Dienste- und Antivirusanbieter nichts gegen die Anfragen von staatlicher Stelle unternehmen können. Die behördliche Ansage ist schließlich klar, Polizei- und Geheimdiensten sollte im Verdachtsfall freie Hand gewährt werden. Staats-Trojaner und staatliche Virusprogramme dürfen nicht erkannt werden; blind hat man dagegen zu sein.

Das Thema ist Aufrüstung, Herr Doktor Weil-Esch. Hat die Firma - die Mafia - hauseigene Großserver, ist das gegenüber von Ermittlungs- und Staatsbehören sicherlich ein für das Geschäft nicht von der Hand zu weisender Vorteil. Da kann man als kriminelle Struktur, die über ungeheure monetäre Möglichkeiten verfügt, die Sache gut selber in die Hand nehmen. Sich beste Spezialisten einkaufen.

Wer vermutet so was außerdem in der tiefsten ländlichen Provinz irgendwo am Berg droben? Etwa in den ausgebauten Kellerräumen von Tabert-Hansis Bauernhof? Überdies arbeitet in den Kellerräumen bei Tabert-Hansi am Hof alles quasi autark. Die Abwehr des Rechenzentrums hat eine Reaktionszeit von höchstens ein paar Nano-Sekunden. Der anschließend folgende Gegenangriff kommt mit einer Wucht ...

Und, geschieht es, daß leibhaftige Polizei bei Tabert-Hansi zu Hause nachschauen kommt, müssen die Beamten erst mal erkennen, um was es sich da eigentlich handelt, was sie mit ihren eigenen Augen sehen. Weil es sein kann, daß Dinge anders ausschauen, als man sie eigentlich gewöhnlich kennt.

 Was denken Sie, Herr Doktor Weil-Esch? Wie wir von der Detektei Umschau stellen Sie sich auch die Frage, zu wieviel Prozent der Superrechner Herrn Hans-Georg Taberts ausgelastet ist, nicht?

Sicher läßt sich Herr Hans-Georg Tabert das mit einer monatlichen Apanage teuer bezahlen, daß er diesen Kreisen die Möglichkeit zur Verfügung stellt. Während Herr Hans-Georg Tabert seine Brüder und Schwestern und sonstigen Anverwandten und Leute relativ knapp bei Kasse hält. Er für ihre Fehlspekulationen und - tritte nicht in einem zu großen Maße aufkommt.

Herrn Hans-Georg Taberts Verwandtschaft, die wartet sehnsüchtig auf die Zeit, wenn Hansi, Hans-Georg wieder aus dem Gefängnis entlassen ist. Damit ihnen Lasten von den Schulter genommen werden. Dabei haben sie überhaupt nicht alle Last drauf, die Hansi ihnen aufbürden könnte.

 

 

Hiermit verbleibe ich,

mit freundlichen Grüßen

 

 

___________________

 

 

Anlage

3 Kopien der Grundumrisse des Tabert-Bauerngehöfts, früher und heute

9 Kopien der Rißzeichnungen des Tabert-Bauernhauses, der beiden Ställe

5 kopierte Grundbucheintragungen

2 Kopien einer monatlichen Stromabrechnung - Monat September, Oktober - für die Verbrauchsstelle Hans-Georg Tabert in Geiersdorf

1 Kopie der letzten Jahresabschlußrechnung des örtlichen Stromanbieters, Verbrauchsstelle Hans-Georg Tabert, Geiersdorf, versandt im November

1 Aufstellung sämtlichen bekanntgemachten Grundbesitzes von Herrn Hans-Georg Tabert

1 Liste der Wohnorte von Herrn Hans-Georg Taberts Verwandtschaft in und um Geiersdorf, mit den Anschriften, Telefon- und einigen Mobiltelefonnummern

Fünfzehn Fotos, von Herrn Gustav Denk, Beruf Bauer, Nachbar von Herrn Hans-Georg Tabert, Fotos, während der Zeit der Bauarbeiten auf Herrn Hans-Georg Taberts Bauernhof von Juni bis August vor drei Jahren aufgenommen

Zwanzig Fotos, wie es bei Herrn Hans-Georg Tabert auf dem Bauernhofgelände mit seinen Sonnenkollektoren drumherum heute aussieht

Fünfzehn fotografierte Besucher im Bauernhaus Herrn Hans-Georg Taberts (drei liefern zum Beispiel Pizzen an; bleiben aber eine Stunde oder länger im Haus)"

 

*

 

 

Schreiben der Detektei Umschau an Herrn Doktor Gregorius Weil-Esch, Datum: 05.11.xxxx

 

 

"Sehr geehrter Herr Doktor Weil-Esch,

ja, das stimmt, das ist ein interessanter Name: Drakonie Rupertus Wank.

Drakonie erinnert sehr an Drakul. Könnte man ein 'a' anhängen - Drakula.

Schon eine Sache.

Wir, wir von Detektei Umschau, wir verstehen das durchaus, welche Zusammenhänge das sind. Es könnte einem schaudern.

 

Denke, Herr Doktor Weil-Esch, ich werde Sie nicht wieder mit irgendwelchen Spekulationen, privaten Ansichten belästigen. Nicht so, wie am Ende des letzten Schreibens der Detektei Umschau an Sie.

Zwar ist Text Text. Darüber kann man durchaus in einem Brief an Sie, Herr Doktor Weil-Esch, in Textform diskutieren, was sich bei Herrn Hans-Georg Tabert drunten in den ausgebauten Kellerräumen finden könnte.

Schließlich die Tatsache, daß Herr Augustin und seine Freunde den Absturz der zusammengeschalteten Rechner erlebte.

Und hätte man die Möglichkeit nicht begriffen, daß der anderen Seite nicht nur der eigene Standort bekannt war, daß dadurch unmittelbare Gefahr bestand, hätten Herr Augustin, Herrn Augustins Kumpels, Thomas und Regine vielleicht jetzt Grüße aus dem Krankenhaus zu schreiben.

Ganz knapp, daß alle davor standen, körperlich angegriffen zu werden.

Zwei von denen, die aus dem herbeigefahrenen Fahrzeugen ausstiegen, in das Nachbargebäude des Tabert-Bauerhofes hineinspazierten, hatten Baseballschläger dabei. Das ist Herr Augustin sich sicher, daß er beim Vorüberblicken solches Sportgerät flüchtig gesehen hat.

 

Fransen scheint im Moment wieder spurlos aus der Geiersdorfer Gegend verschwunden.

Thomas und Regine halten in und um Geiersdorf ihre Augen offen, was Fransen angeht. Fransen scheint allerdings im Moment wieder aus der Geierdorfer Gegend verschwunden. Nur alte Neuigkeiten werden Thomas und Regine bei Nachfrage mitgeteilt.

Vielleicht, wenn die Arbeit von Herrn Hans-Georg Taberts Anwaltskanzlei Hansen während der nächsten Zeit erfolgreich ist, daß Herr Hans-Georg Tabert vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen werden kann, daß es möglich sein könnte, daß Fransen beziehungsweise Herr Drakonie Rupertus Wank auch zu Hans-Georg Tabert nach Geiersdorf zurückkehrt. Sich an seinem angestammten Platz an der Seite Herrn Hans-Georg Taberts einfindet.

Könnte durchaus sein, daß man dann, ist Herr Hans-Georg Tabert in die Freiheit entlassen, erlebt, daß Fransen zu jeder Tages- und Nachtzeit bei Hans-Georg Tabert ums Haus herumschleicht.

Trotz allem, was sich uns aus den Erzählungen Beppis beziehungsweise Herrn Josef Greitels als Bild von Fransen ergibt, welche Zwecke Fransen an der Seite Herrn Hans-Georg Taberts bereits erfüllte, allzuviel behördliche Aufmerksamkeit wurde Fransen aufgrund dieses Hintergrunds nicht zuteil. Daß Fransen sehr viele Straftaten über das übliche Maß von Landstreicherei, Trunkenheit hinaus begangen hätte, ist nicht der Fall.

Die staatlichen Ermittlungsbehörden bringen zum Beispiel das Ableben von Drogensüchtigen, wie Herr Josef Greitel es den Mitarbeitern der Detektei Umschau auseinandergesetzt hat, mit niemandem in Zusammenhang. Wenn jemand dem Sterben nachgeholfen hat, dann die Junkies selber. Sich eine Überdosis zu spritzen, das kann bei solchen Leuten durchaus vorkommen. Auch eine Sterbensrate, daß monatelang fast täglich ein, zwei, drei Einzelpersonen sterben. Ist es eben so, daß das, was in größeren Städten vorkommt, auch in einem eher ländlich geprägtem Landkreis möglich ist: jeden Tag ein Drogenopfer.

So sieht es die Polizei. Das heißt, Polizisten, mit denen wir von der Detektei Umschau nach einigem Hin und Her und verschiedenen Irritationen ins Gespräch kommen konnten. In der Gegenwart stehen wir von der Detektei Umschau gewissermaßen in einem ein klein wenig intensiveren Austausch mit den Behörden. Daß es durchaus vorkommt, daß für jemand von der Detektei Umschau etwas getan wird, kann er eine Frage vorbringen.

Für uns von der Detektei Umschau wurde also die gesamte Polizeiakte Herr Drakonie Rupertus Wank, besser bekannt unter seinem Spitznamen Fransen, nachgesehen. Aus der Akte geht hervor, daß Fransen vor knapp zwanzig Jahren das erste Mal dort in der Gegend polizeilich auffällig wurde. Vor zwanzig Jahren, daß Herr Drakonie Rupertus Wank von zwei Polizeibeamten wegen Landstreicherei, nicht erlaubtem Bettelns und zur Ausnüchterung festgenommen wurde.

Zum Zeitpunkt seiner Festnahme am einem frühen Sommerabend um neunzehn Uhr hatte Drakonie Rupertus Wank keinerlei Dokumente zur Identifikation der eigenen Person bei sich. Gesagt hat  Herr Drakonie Rupertus Wank zu den Beamten, die seine Festnahme herbeiführten, daß ihm sein Personalausweis und Reisepaß gestohlen worden wäre; seine Gesundheitskarte ebenso. Geld und alles sonstigen Sachen hätte man ihm geklaut.

Das wiederholte Herr Drakonie Rupertus Wank auf der Polizeiinspektion. Etwas anderes war nicht aus ihm herauszubekommen. Obwohl Herr Drakonie Rupertus Wank, der einen ehemals ziemlich guten Anzug anhatte, sich, was seine Datenlage wie Geburtsort, heutige und frühere Wohnsitze und ähnliches anbelangte, ausschwieg, wollte es für Herrn Drakonie Rupertus Wank für nicht mehr als zwei Tage Arrest reichen. Mit einem in Folie verpackten kleinen Papier zur Identifizierung hatte man Herrn Drakonie Rupertus Wank nach achtundvierzig Stunden in der Ausnüchterungszelle in die Freiheit entlassen. Das heißt, in das örtliche Obdachlosenasyl, daß man Herrn Drakonie Rupertus Wank mit einem Geleitbrief weiterschickte. Dort sollte Herr Drakonie Rupertus Wank bis auf weiteres seinen festen Wohnsitz haben. Im Falle, daß sich Herr Drakonie Rupertus Wank nicht täglich abends dort im Haus einfände, drohte die Polizei Herr Drakonie Rupertus Wank an, würde das bei der nächsten Festnahme nicht zwei Tage, sondern Wochen Zelle bedeuten. Trotzdem verschwand Herr Drakonie Rupertus Wank aus dem Haus für Obdachlose. Wie die Polizei erfuhr, trieb Herr Drakonie Rupertus Wank sich im Wald herum, erschreckte ab und zu Pilzsucher.

Länger als ein paar Tage einsperren, das konnte man Herrn Drakonie Rupertus Wank alias Fransen allerdings nie, wurde man seiner wieder habhaft. Anders wäre es gewesen, hätte es sich ergeben, daß Herr Drakonie Rupertus Wank doch irgendwo zur Fahndung ausgeschrieben war. Zu Herrn Drakonie Rupertus Wank paßte jedoch kein Fahndungsprofil. Auch keines aus der Vergangenheit, was bedeutete, daß der Mann nicht im Gefängnis gesessen hatte. Erstaunlicherweise. Ärgerlich, die Angelegenheit bei Herrn Drakonie Rupertus Wank, daß Herrn Drakonie Rupertus Wanks Finger nicht für Fingerabdrücke geeignet waren. Herrn Drakonie Rupertus Wanks Haut war an den Fingerkuppen geglättet. Daß der Verdacht aufrecht blieb, bei Herrn Drakonie Rupertus Wank handele es sich möglicherweise doch jemand anders, als den ordinären Straßenpenner, Stadtstreicher, als den er sich ausgab. Man schickte Anfragen mit Foto Wanks an befreundete ausländische Staatsbehörden, ging der Frage nach, ob die Person Herr Drakonie Rupertus Wank möglicherweise im europäischen Ausland gewisse Dinge auf dem Kerbholz hätte. Eine weitere Fragestellung war, ob Herr Drakonie Rupertus Wank in der Vergangenheit vielleicht sein Aussehen verändern hatte lassen. Selbst auf der Polizei konnte kein Mensch zaubern, mußte abwarten, inwiefern sich bei einem Mann, der das äußere Erscheinungsbild Herrn Drakonie Rupertus Wanks hatte, mit der Zeit klarere Hinweise ergaben. Schließlich war es ein Ding der Unmöglichkeit, daß einer aus dem Nichts auftauchte.

Aber es änderte sich nicht viel an der Datenlage bei Herrn Drakonie Rupertus Wank. Es blieb dabei, die Delikte, die Herr Drakonie Rupertus Wank sich polizeilich zuschulden kommen ließ, waren die Delikte von jemandem, der kein Geld besaß.

Dann hatte Herr Drakonie Rupertus Wank einen festen Wohnsitz vorzuweisen. Ganz offiziell. Plötzlich wohnte Herr Drakonie Rupertus Wank bei einem behördlich bekannten Kleinkriminellen namens Hans-Georg Tabert. Bei Herrn Tabert, der unvermutet plötzlich eine größere Erbschaft gemacht hatte. Mit der betreffenden Geldsumme ein Barzahler, legte sich Herr Hans-Georg Tabert in Geiersdorf einen lange Zeit leerstehenden alten Großökonomenhof mit dem dazugehörigen Grundbesitz zu. Ohne weiters renovierte Hans-Georg Tabert die große Haus und die Nebengebäude. Als Hausmeister war Herr Drakonie Rupertus Wank bei Herrn Tabert war Herr Drakonie Rupertus Wank in einer bezahlten Festanstellung. Auf dem Hof Hans-Georg Taberts wohnte Drakonie Rupertus Wank für jede Behörde in einem Gesindezimmer. Durch Herrn Hans-Georg Tabert erzielte Herr Drakonie Rupertus Wank ein geregeltes Einkommen, führte daraus Steuern an den Staat ab.

Sogar einen Ausweis besaß Herr Drakonie Rupertus Wank während jenen Tagen wieder. Das, was Herr Drakonie Rupertus Wank in seinem Besitz hatte, war gültig und als Neuausfertigung aus der Hauptstadt in das Gemeindehaus von Geiersdorf geschickt worden. Herr Drakonie Rupertus Wank hatte sich in der Umgebung Herrn Hans-Georg Taberts anscheinend doch sein Gedächtnis auffrischen und sich an frühere Belange seines Lebens erinnern können.

Danach war bei Herrn Drakonie Rupertus Wank nicht mehr großartig viel, mit dem Herr Drakonie Rupertus Wank in das Fadenkreuz polizeilicher Nachforschungen geraten wäre. Heftiger mit der Polizei zu tun hatte da schon Herrn Drakonie Rupertus Wanks Dienstherr, Herr Hans-Georg Tabert.

Herrn Drakonie Rupertus Wank hatte man zwar immer wieder in Strafsachen Hans-Georg Tabert vernommen. Nach der letzten Festnahme Herrn Hans-Georg Taberts ebenso. Der Mann - Herr Drakonie Rupertus Wank alias Fransen -, konnte jedoch nie viel mit seinen Auskünften dazu beitragen, einen Sachverhalt aufzuhellen. Er schien tatsächlich nie mehr zu sein als der kleine Hausmeister, den er als Berufsbezeichnung hatte. Nicht viel Ahnung hatte Herr Drakonie Rupertus Wank, was Aktivitäten seines Brotgebers, Herrn Hans-Georg Taberts, anbetrafen. Außerdem konnte Herrn Drakonie Rupertus Wank nie die direkte Beteiligung an einer Strafsache nachgewiesen werden. Mit irgendwelchen kriminellen Machenschaften Herrn Hans-Georg Taberts hatte Herr Drakonie Rupertus Wank anscheinend nichts zu tun.

 

Das muß jetzt hier Erwähnung finden, Herr Doktor Weil-Esch: Heute vormittag haben wir von Detektei Umschau auf dem üblichen Postweg eine Briefsendung erhalten. Aus dem Rathaus des besagten Städtchens.

Wurde auch Zeit, daß die Dame - Frau Ursula Tannbach heißt sie - sich meldet.

Frau Tannbach hat für ihre Bereitschaft, in der Sache Drakonie Rupertus Wank etwas für uns zu tun, und für den kleinen Teil ihrer Zeit, der damit in Anspruch genommen würde, als Obulus einen Fünfhunderter-Einkaufsgutschein angenommen. Den Frau Tannbach bereits am selben Tag, kaum daß sie den Gutschein in Besitz hatte, auch eingelöst hat, wie wir wissen.

Anscheinend war der Einkaufsgutschein, obwohl wir Frau Tannbach nicht an IHN erinnerten, uns um die Frau überhaupt nicht mehr weiter kümmerten, doch für etwas gut. Frau Tannbach dachte nach, kam bei ihrem Nachdenken zu dem Schluß, daß ihr das keine größere Probleme bereitete, das von uns Gewünschte aus verspätet zu liefern.

Tatsächlich, die Verspätung, mit der können wir von der Detektei Umschau sehr gut lebe. Das, was wir, wir von der Detektei Umschau, von Frau Tannbach zugesandt bekommen haben, Herr Doktor Weil-Esch, finden Sie in der Anlage dieses Schreibens. Den ganzen Inhalt des uns von Frau Tannbach geschickten großen Briefumkuverts.

Jetzt wissen wir durch Frau Tannbach jetzt über die Datenlage Bescheid, die Herr Drakonie Rupertus Wank angab, als er damals seinen neuen Personalausweis und Reisepaß orderte. Außerdem haben wir einen Ausdruck eines früheren Ausweises samt Bild von Herrn Drakonie Rupertus Wank von Frau Tannbach übermittelt bekommen.

Den alten Ausweis, den Herr Drakonie Rupertus Wank demnach doch noch hatte, der Ausweis, der ihm nach dem Erhalt des neuen entwertet wurde.

Auf dem älteren Ausweisfoto sieht Herr Drakonie Rupertus Wank im Grunde genommen aus wie auf dem Foto des neuen. Als hätte sich seit Jahren bei Herrn Drakonie Rupertus Wank irgendeine Art Alterung stattgefunden. Immer ist es der alte mit dem selben Äußeren.

Im alten Ausweis kann man eine Berliner Wohnadresse lesen: Berlin Kreuzberg, Gründelicherstraße 9.

 

Was sagen wir dazu, Herr Doktor Weil-Esch?

Frau Tannbach wird es denn unheimlich, daß sie unseren Einkaufsgutschein angenommen hat. Monate her, daß Frau Tannbach ihn schon eingelöst hat. Seitdem hat die Frau nichts für uns in unserer Sache unternehmen wollen, sich nicht das bißchen bei uns gerührt. Erst jetzt. Die Tage öffnet Frau Tannbach auf ihrem Behördenrechner doch die Seite mit den Gemeindedaten Herrn Drakonie Rupertus Wanks für uns.

Eine Weile, daß das alles bei Frau Tannbach gebraucht hat.

Jetzt haben wir, wir von der Detektei Umschau, durch Frau Tannbuch eine handfeste Adresse Herrn Drakonie Rupertus Wank in Berlin, die wir überprüfen können.

Das werden wir so bald wie möglich auch machen.

 

 

Hiermit verbleibe ich,

mit freundlichen Grüßen

 

 

___________________

 

 

Anlage

1. Ein paar für die Mitarbeiter der Detektei Umschau kopierte Polizeiunterlagen im Fall Herrn Drakonie Rupertus Wank

2. Der Inhalt des großen Kuverts, das Frau Tannbach, Beamtin, der Detektei Umschau zugesandt hat"

 

*

 

Werbung
Diesen Post teilen
Repost0
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post