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Blog von TeddeMehr

"Das digitale Tagebuch" (07.11. - 14.05.), No. 1

27. Mai 2014 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #T-Rixi

Siebter November, foxy.jpg. geöffnet.

Mittwoch am Abend. 21:13 Uhr.

 

 

Seit Montag ist schon was los bei mir ...

Eigentlich hatte Frau Doktor Hella vorgestern, gestern und auch heute vormittag noch die Absicht, mich ins Meinhardt-Sanatorium verbringen zu lassen.

Frau Doktor Hella wiederholte das Angelika gegenüber, daß sie der Meinung sei, ich wäre im Meinhardt-Sanatorium besser aufgehoben als in Angelikas Wohnung. Im Meinhardt-Sanatorium würde es mir schließlich an  nichts fehlen. Angelika könnte mich doch täglich nachmittags im Meinhardt-Sanatorium besuchen kommen. Stundenlange Besuchszeiten, während denen Angelika mit mir im Meinhardt-Sanatorium zusammensein könnte. So großzügig, wie es im Meinhardt-Sanatorium zuginge, solche Großzügigkeit wäre selten irgendwo zu finden.

Aber Angelika konnte Frau Doktor Hella klarmachen, daß ich auch bei ihr, Angelika, bestens aufgehoben wäre. Außerdem würde sie, Angelika, doch ständig mit ihr, Frau Doktor Hella, in Verbindung stehen. Knapp stündlich, daß man bald miteinander telefonieren würde.

Angelikas Argumente - in einer Geldspende an eine Stiftung ausgedrückt, die Frau Doktor Sybille Hella am Herzen lag, die Angelika bis übernächste Woche auf das Stiftungsbankkonto überwiesen haben sollte - gaben schlußendlich bei Frau Doktor Hella den Ausschlag, das mit dem Meinhardt-Sanatorium bis auf weiteres außen vor zu lassen. Daß ich jetzt weiterhin bei Angelika in Angelikas Wohnung sitze - und nicht ins Meinhardt-Sanatorium abgefahren bin.

 

Verständlicherweise sagt das nicht mehr, als daß solange bei Angelika daheimbleiben darf, wie Angelika das gefällt. Vorfallen darf von meiner Seite nicht viel.

Auch nichts derartiges wie am Montag, daß ich mich hinter meinem Liege- und Sitzsofa verkrieche. Daß Angelika mich nicht wieder Dort dahinter, geschüttelt von einer fürchterlichen Angst, wimmernd, sabbernd, wie toll flennend, sollte Angelika mich in nächster Zeit nicht wieder entdecken.

Soweit sich so was nicht bei mir wiederholt, darf ich darauf hoffen, bei Angelika in den Wohnräumen bleiben zu dürfen. Fahre ich nicht ins Meinhardt-Sanatorium ab.

 

Im Moment kann ich nur deswegen länger unbeobachtet von Angelika hier am Läppie sitzen, weil Angelika Besuch hat.

Angelikas zweite Baustelle ist heute für die Abendstunden bei Angelika in den Räumlichkeiten eingetroffen, eine mit Namen Betsy.

Gestern war Betsy den ganzen Nachmittag bei Angelika. Gegen neunzehn Uhr ist Betsy dann aber doch Richtung Heimat aufgebrochen.

Das Miststück mit Namen Betsy.

 

Zur Vorsicht, sieht Angelika einen Moment nach mir, habe ich f.-four aufgemacht. Höre ich Angelika, klicke ich foxy.jpg. schnell weg, spiele bei f.-four das Poker-Turnier weiter.

 Betsy habe ich das zu verdanken, daß Angelika und ich nicht im Wohnzimmer kuscheln. Betsy wird momentan von Angelika hergedrückt, daß mich das langsam an Lesbensex erinnert, wenn ich die zwei zusammen sehe.

Fast schon ist das Sex. Ich meine, wenn die anfangen, sich die Brüste herzutätscheln, ist das Vorspiel zum Sex.

Und ich bin nicht dazu eingeladen. Obwohl ich auch nicht in einem stabilen Zustand bin.

Könnte gut unvermittelt losflennen, mich bei Betsy an die Schulter anlehnen.

 

Kann eigentlich schon noch was ein bißchen ausführlicher dahertippen, was das mit Betsy-Baby schon war.

Vor knapp einer Stunde, da hat Betsy bei Angelika an der Wohnungstüre Sturm geläutet.

Leicht erschrocken war ich.

Das Herz hat mir schneller geschlagen, der Kehlkopf ist mir auf und ab gehüpft. Gewaltig hab ich den zweiten Blick gebraucht, daß die, die draußen vor der Wohnungstür dastand, Betsy war. Keine andere als Angelikas Freundin Betsy. Betsy mit dunkelblonden Haaren, schulterlang.

Angelika, die bei mir eingetroffen war, habe ich hingenickt, die Türe für Betsy weit aufgemacht.

Immer noch voll davon mitgenommen, daß Broker-Karlie sie verlassen hat, Betsy. Die Schminke in Betsys Gesicht, von den vielen Tränen Betsys aufgeweicht, verschmiert. Daß Betsy, die Angelika schluchzend in die Arme stürzte, ausschaute, wie eine, für einen Zombie-Film hergerichtet.

Beruhigend hat Angelika auf die arme Betsy eingeredet, Betsy, die ihre tränennasse Wange bei Angelika an die Shirt-Schulter drückte und schnappend heulte. Betsy, ein einziges schreiendes Häuflein Elend. Ein Jammertal hoch drei.

Hätte ich Betsy nicht schon anders kennengelernt, eine mit einer herablassenden, kalten Arroganz, weiß nicht, hätte ich vielleicht ein wenig Mitgefühl mit Betsy haben können.

 

Ha, weggewunken hat Angelika mich. Weil ich mich zu Betsy und ihr dazubegeben wollte.

Mein Verlangen war doch nur, auch ein bißchen was zu umarmen. Konnte das schließlich auch, Umarmungen. War in der Lage, zu trösten, konnte viel Trost spenden. Immer und überall. Hinten und vorne. Auch bei Betsy. Bei Betsy, die es so, so schlimm erwischt hatte. Böser Broker-Karlie. Böser, böser Broker-Karlie.

Auch im Wohnzimmer hatte ich die Absicht, mich rechts von Betsy aufs Sofa setzen. Aber Angelika hat mich mit einem hochfahrenden, gereizten Wink aufgefordert, augenblicklich von dem Platz aufzustehen, abzuziehen. 

Habe ich auch gemacht, mich rausbegeben.

Am Gang draußen hat Angelika mich eingeholt. Zu mir hat Angelika gemeint, daß ich ihr und Betsy keine Getränke zu bringen bräuchte. Die Wohnzimmertüre bliebe zu. Mit Betsy wolle sie, Angelika, alleine bleiben. Bald wieder hineinzukommen, das sollte mir abschminken.

Alles, damit Betsy ihrer überschäumenden Trauer und ihrem geifernd ausgesprochenen Haß auf Broker-Karlie bei Angelika freien Lauf lassen hat können.

Betsy, mit diesen vollen, harten Brüsten, das es mir vorkam, jede Sekunde müßte Betsy das hautenge weiße Shirt aus den Nähten platzen.

Und ich darf da an der Seite Angelikas nirgends dabei sein. Nicht mal nebendran sitzen. Auf der Seite. Oder auf der andern. Während Betsy abgeht. Voll die kreischende Furie. Durch die verschlossene Türe vernehmbar.

Statt mich dabeihaben zu wollen, bleiben die Weiber lieber unter sich, versenken die rotwangigen, tränenüberflossenen Gesichter aneinander.

Die Gluthitze wirft einen schon beim bloßen Drandenken um.

 

f-four?

Glaub, ich tu f-four jetzt weg. Habe ärgerlicherweise alles verloren. Nichts mehr für ein buy-in.

Müßte eine neue Zahlungsanweisung ausfüllen ...

Dazu habe ich keine Lust. Nicht heute schon wieder.

Habe noch ein anderes Spiel. Ein neues Lieblingsspiel: Tigerauge. Das Neanderthal-Geheimnis.

 

So!

Wir sind jetzt zwanzig Minuten später dran ... Mag aber keinen neuen Eintrag. Ist das hier ein Problem?

Bis vor ein paar Momenten war Angelika in der Zimmerflucht drinnen.

Hatte damit vollkommen recht, ein bißchen Tigerauge zu spielen. Das Spiel aufzuklicken. Groß hatte ich die Kampfszene am Monitor oben, mit den dazugehörigen Geräuschen.

Total richtig, weil Angelika plötzlich zu mir hereingeschossen kam. Als wollte Angelika mir ein Überraschungsmoment besorgen. Mich mal mittendrinnen bei was erwischen.

Ich frage Angelika, was denn los wäre. Hat Angelika mir auseinandergesetzt, daß Betsy und Broker-Karlie sich gerade Kurznachrichten schreiben.

Springe ich auf vom Drehstuhl. Auf Angelika mache ich zu. Ha! An Angelika drängele ich mich ran. Umfasse Angelika, wirble Angelika im Kreis herum. Sage Angelika, wie schön ich sie finde.

 Angelika wehrt sich gegen mich, meint, sie kann doch jetzt nicht lange. Betsy säße im Wohnzimmer. In einer Minute würde Betsy Angelika zurückerwarten. Dann käme es ganz drauf an, wie es Betsy gehen würde sie, wenn Broker-Karlie wieder anfinge, Betsy gröber anzureden.

Meine ich zu Angelika, Betsy, Betsy, die könnte doch bei uns mitmachen, Betsy bräuchte sowieso Ablenkung.

Pikiert schaut Angelika mich an. Angelika fragt, ob ich spinne. Betsy würde bei so was nicht mitmachen. Betsy doch nicht. Nicht Betsy. In dem Zustand, in dem Betsy außerdem war. Betsy wolle Broker-Karlie, sonst keinen. Broker-Karlie, der müßte zu Betsy zurückkehren, endlich wieder mit seinen Grobheiten aufhören, das wär alles.

Ich flüstere Angelika Zärtlichkeiten ins Ohr, küsse Angelika. Aber Angelika windet sich bei mir raus. Labere ich, daß Betsy aber doch dauernd Umarmungen möchte. Viele. Viele. Noch viele mehr. Da könnte man wirklich noch viel mehr machen. Ich könnte Betsy auch gut mit aushelfen, Betsy umarmen. Gut ich könnte Betsy behilflich sein. Angelika küßt Betsy die Tränen fort, und ich könnte hinter Betsy stehen ...

Angelika zeigt mir den Vogel. Meint, darüber müßte sie, Angelika, noch mit mir reden, wenn sie mir alleine nicht mehr reicht. Daß ich mich an einer ihrer Freundinnen ausprobieren möchte. Sage ich, daß sie, Angelika, den Part von mir bei Betsy übernehmen könnte; während ich bei ihr, Angelika ...

 Das nun fand Angelika zumindest ein klein wenig spaßig, grinste breit. Zweifelte das jedoch schwer an, daß momentan ein anderer als Broker-Karlie irgendwie besonders bei Betsy ankäme. Ob Betsy ihn nun vor sich stehen hat oder ihn im Rücken spürt. Verlangt hat Angelika von mir, daß ich auf meinem Zimmer bleibe. Daraufhin ist Angelika zu Betsy ins Wohnzimmer zurückgelatscht, mitzukriegen, wie das mit dem Simsen zwischen Betsy und Broker-Karlie weiterlief.

 

Wechseln wir also hier das Thema ...

Das ist für mich weiter die Frage: War das Christine Dombrowski, die zu mir in die Wohnheimbude hereingekommen war?

Ich höre die Frage, warum zweifele ich. Warum die Zweifel? Christine Dombrowski scheint Christine Dombrowski. Oder?

So kann man sich Christine Dombrowski vorstellen. Wie Christine Dombrowski aussah, als sie bei mir in die Wohnheimbude reinkam. Als käme sie da, so früh wie es bereits am Mittwochmorgen war, frisch von der Schicht. Auf dem übernächsten Straßenstrich. Für die Nacht hatte Christine Dombrowski Schluß gemacht dort. Nachdem Christine Dombrowski mit dem letzten ihrer Freier fertig war, sich wieder aufgemöbelt hatte, war ihr der Einfall gekommen, sie könnte kurz bei mir vorbeischauen und sich bei mir oben einladen.

Das paßte schon zusammen. Nach allem, was ich von Christine Dombrowski, der älteren Schwester Manuelas, weiß und wußte. Daß Christine Dombrowski überall und nirgends als Prostituierte arbeitete.

Aber - was war das mit den Vampirzähnen Christine Dombrowskis?

Diese spitz zulaufenden Eckzähne, mit denen Christine Dombrowski mich gebissen hat. Was waren das für Dinger?

Ich meine, ich hatte die Zähne oben und unten bestens im Blick. Ich habe sie deutlichst zu sehen gekriegt. Als wäre Vampirfilm gewesen.

 

Die Vampire-Tour Christine Dombrowskis.

Das glaubt einem leicht einer.

Trotzdem, was waren das für unglaubliche Beißer? Unvorstellbar. Nicht zu glauben ist.

Und zwar das, daß sich Christine Dombrowski extra Zähne ziehen läßt, um sich nach Lust und Laune ständig an ihre Gebißform angepaßte Prothesen einzusetzen.

Bei mir auf der Bude hatte Christine Dombrowski entweder ein Vampirgebiß drinnen oder solche Aufsetzer an den Eckzähnen dran. Oder: die Vampirzähne Christine Dombrowski waren echt. So, wie sie wirkten. Von einem Zahnarzt auf Christine Wunsch so hermodelliert.

Oder hatte Christine Dombrowski sich für so was extra Zähne ziehen lassen? Um sich nach Lust und Laune an ihre Gebißform angepaßte Zahnprothesen einwechseln zu können.

 

Für was brauchte Christine Dombrowski aber ein Gebiß, daß sie mit ihm eine Wirkung entfaltete, als wäre sie ein weiblicher Vampir?

Eine Antwort darauf hätte ich schon.

Wenn Christine Dombrowski in das Domina-Geschäft eingestiegen war.

Dabei war jede Rolle vorstellbar. Die der Herrin. Oder die der Devoten, die bei der Kundschaft für den Sex zuständig war. Der männliche, weibliche Freier, der sich gerne einen weiblichen Vampir vornimmt, von Christine Dombrowski gespielt. Eine Vampirin, die man sich vorknöpfte ...

Besorgte Christine Dombrowski es auch so Fetisch-, Lack- und Lederleuten? Welchen aus diesem erweiterten Umfeld?

Alle möglichen Dienste gab es in der Gegend schließlich gegen Bares zu kaufen. Ob die Krankenschwester, die dir im Schwesternkittel den Katheter legte, dir Spritzen verabreichte, intravenös oder nicht ... Und Christine Dombrowskis Nische war die einer Vampir-Braut, die fauchte, in die Haut biß.

Im Rollenspiel wählte Christine Dombrowski die Rolle des weiblichen Vampirs ...

 

Oder waren Christine Dombrowskis Zähne kein bloßer Zahnersatz, sondern waren in Echt angespitzt?

Wie handhabte Christine Dombrowski das allerdings bei zahlbereiten Kunden, die sich vor solchen Zähnen erschraken, präsentierten sich bei Christine Dombrowski die Zahnreihen?

Jedermanns Geschmack war das nicht unbedingt. Wie nicht jeder jede Tätowierung mochte. Überhaupt tätowierte Haut.

Tatsache, Christine Dombrowski hatte bei mir auf der Bude ihren Mund weit aufgerissen, mich mit ihren Vampirzähnen gebissen. Daß ich wie toll geblutet habe.

Nachdem ich ins Krankenhaus eingeliefert worden war, war ich außerdem sehr, sehr krank. Ernstlich krank, daß sich die Ärzte große Sorgen um mich machten. Eineinhalb Tage lang. Dann war das hohe Fieber bei mir auf einmal weg. Plötzlich, daß zur Überraschung der Krankenhausärzte, eine Kombination Antibiotika anschlug. Oder nicht?

Regelrecht komisch, wie gut es mir von einer Minute zur anderen danach wieder besser ging. Aufsetzen und sitzen bleiben konnte ich, selber trinken und feste Nahrung zu mir nehmen. Ich war in der Lage, Angelika und meine Mutti während der Besuchszeit zu empfangen. Keiner konnte daran hindern, auf meinen beiden Beinen herumzulaufen, die Leute zu nerven, weil ich unglaubliche Dinge daherredete und mich komisch aufführte.

Angelika und Mutti teilten die Ärzte Tage später noch mit, als ich aus dem Stadtkrankenhaus bereits ins Meinhardt-Sanatorium abgefahren worden war, daß ich ein Virus im Körper gehabt hätte. Eins, das die Leute im Labor als eins der HIV-Gruppe klassifizierten, aber doch ganz anders war. Nachdem es eineinhalbTage meinen Körper geflutet hatte, hatte es sich von einem Moment zum anderen zurückgezogen. Vorbei mit den schlimmen Zustände, die es bei mir auslöste, daß man glaubte, ich würde die nächste Viertelstunde nicht überstehen.

Jetzt war das Virus zwar weiter bei mir in den Blutbahnen. Bloß eine Krankheit resultierte daraus für mich nicht mehr.Schwer zu sagen, inwieweit die körpereigene Abwehr ihren Teil dazu beigetragen hatte, das Virus zu befrieden. Das unidentifizierte Virus der HIV-Klasse schien wie eingeschlafen.

Ob daran direkt die Antibiotika-Behandlung schuld hätte, wollten die von der Krankenhausärzteschaft Angelika gegenüber bei dem Thema nicht mehr recht glauben. Vielleicht war dem so. Vielleicht auch nicht. Aber das würden sie ihr, Angelika, nur unter der Hand sagen. Es schien ihnen, den Krankenhausärzten, eher so, als hätte sich der Virus abrupt den Begebenheiten des Körpers angepaßt. Um das Gleichgewicht der Kräfte im Wirt nicht länger stören, und in mir und mit mir fortleben zu können. Vielleicht jedoch, um mich in ein paar Jahren irgendwann wieder mit einem Ausbruch zu überraschen. Wie das normale HIV-Virus auch.

 

*

 

 

Achter November, mein foxy.jpg..

Donnerstag jetzt. Nach Mitternacht. Uhrzeit: 00:08 Uhr.

 

Sieht nicht so aus, als ob Angelika morgen zur Uni aufbricht. Betsy bleibt auch die Nacht über bei Angelika in der Wohnung.

Wann immer Angelika und Betsy demnächst zu Bett gehen, Angelika und Betsy werden in meinem und Angelikas gemeinsamem Schlafzimmer schlafen. Ohne mich mit dabei.

Schon alleine deswegen wird Angelika bei Betsy bleiben, weil Angelika fürchtet, Betsy könnte sich was antun. Wegen Broker-Karlie. Dem bösen, bösen Broker-Karlie.

Ist Betsy schließlich wieder gröber angegangen, Broker-Karlie seine Betsy. Daß es schlagartig mit dem Kurznachrichtenschreiben zwischen Broker-Karlie und Betsy vorbei war. Keine netten Antworten mehr, die Broker-Karlie Betsy auf ihre Zeilen hin geben wollte.

 

Vor einer Stunde, hier vorm Läppie bin ich gesessen.

Mir ist zu Bewußtsein gekommen, daß ein ganzes Weilchen keiner mehr nach mir geschaut hatte. Niemand, der wissen wollte, was ich denn so treibe. Da dachte ich, was das denn jetzt wäre. Wenn das Tatsache ist, daß keiner mehr zu mir reinspaziert kommt, nachzusehen, was ich Hübsches mache, muß ich wohl den Spieß umdrehen.

Kaum das gedacht, bin ich von meinem Drehstuhl aufgeshüpft. Hinaus aus meinem Arbeitszimmer, auf den Flurgang.

Nichts zu hören. Niemand redete was. Kein Lautsprecher, der sich meldete. Als wäre man ausgestorben.

Die Klinke der Wohnzimmertüre drückte ich runter, öffnte mir - was hab ich gesehen? Betsy und Angelika, eng aneinandergekuschelt am gelben Sofa.

Betsy, das Stück tiefrot verfärbter Wange an Angelikas nackter Schulter.

Der Shirt-Stoff da bei Angelika, Angelika, die keinen Büstenhalter anhatte, herabgerutscht.

Also, mir hatte das sehr nach was Sexuellem unter Weibern ausgeschaut. Nicht nach einer Szene, daß  jemanden vom andern nur Trost gespendet kriegen wollte.

Zwar standen zwei Smarties gegen eine dicke Blumenvase gelehnt. Die weißen Smarties Betsys. Nach denen Angelika und Betsy mit halb geschlossenen Augen, als könnten beide jede Sekunde wirklich einschlafen, hinglotzten.

Ich war mir das sicher, gerührt hatte sich bei diesen Geräten aus Betsys Besitz ewig nichts mehr. Von sich aus meldete Broker-Karlie sich nicht mehr.

Bei Angelika wandernde Finger Betsys habe ich vor meinem geistigen Auge gesehen, Fingerspitzen, die suchend zu den Brüsten Angelikas hinfanden. Bis eine Hand eine Brust umfaßte. Dort herumdrückte.

Ihre Jeans hatte Angelika weiter an, überblickte ich, als ich mich vorbeugte. Ebenso trug Betsy ihren knielangen blauen Faltenrock, wie ihn anderswo sicher ähnlich Mädchen als Teil ihrer Uniform im Schulbetrieb trugen.

Über den Daumen taxierte ich die ganze Angelegenheit.

Ich überlegte mir, bei Betsy, bei der ein paar Falten ihres Rockes bis zu der Mitte der Oberschenkel hochgerutscht waren, wäre leichter dazwischenzukommen als bei Angelika. Angelika, bei der der Hosenstoff ein wenig hinderlich war. Bei Angelika waren die Mühen weitaus größer, als bei Betsy, bis bei Angelika alles freilag. Erst hätte Angelika sich oder ich Angelika die Hose runterschieben müssen. Vielleicht hätte Angelika sogar ganz aus ihrer Jeans herausgewollt. Betsy dagegen, die mußte nicht viel machen. Höchstens die Beine auseinandermachen, das Popöchen anheben - und ich konnte bei Betsy den Schlüpfer herunterziehen ...

Auf dem großen Flachbildschirmmonitor huschten ohne Ton Bilder. Irgendeine Wüstendokumentation. Drei, vier Geländewägen fuhren öfters in einer Reihe hintereinander. Dann änderte sich die Szene. Kerle, bei denen eine Frau dabei war, hatten aussteigen müssen, es war was passiert. Trotz Allradantrieb hatte sich die geländegängige Karre festgefahren. Raus geholfen werden mußte ihr aus dem Sand, in dem sie sich festgefahren hatte ...

 

Den Trost, den Betsy gespendet bekam, hätte ich auch gerne gespendet bekommen. Voll ergießen hätte ich mich dabei können. Hatte heute noch nicht viel gehabt von Angelika, von ein paar Küssen hie und dort abgesehen. Blöde, daß Frau Doktor Hellas tägliche Pille, eine Umstellung, die Angelika sich gewünscht hatte, zur Zeit überhaupt nicht dämpfte. Vielmehr regte sie mich geradezu sehr an.

Vom Anblick der Umrisse von Betsys festen Brüsten unter dem orangenen Designer-Shirt mit der Aufschrift Hug you hatten meine Schwellkörper um die Körpermitte rum erst recht einen leichten Schub.

Hab ich Angelika gefragt, ob ich mich am Sofa dazusetzen dürfte

Nicht mit einem Mucks, daß Angelika auf meine Worte reagiert hat. Vollkommen unbewegt blieb Angelika. Was immer Angelika tranig vor ihrem inneren Auge hatte, das, was Angelika dort blickte, mußte Dramatik sein. Jedenfalls kam Angelika wegen mir nichts zu Bewußtsein.

Meine Hand legte ich auf Betsys Handrücken, streichelte zärtlich drüber.

Weil Betsy sich weiter nicht regte, habe ich Betsys Hand hochgehoben, legte sie mir in den Schoß.

Betsys Kopf blieb an Angelikas Nackedei-Schulter lehnen. Betsy jedoch hatte etwas, was sie mit den Fingerspitzen untersucht hat.

Vielleicht, weil Betsy geschluckt hatte. Etwas mußte Betsy dooferweise aufgeführt haben. Jedenfalls kam unvermittelt Leben in Angelika, Angelika reckte den Hals vor, daß Betsys Kopf ihr von der Schulter abrutschte. Das begriff Angelika, Betsy war zwischen ihr und mir, die in der Mitte. Und Betsy, die war mit ihren Fingern am Tasten, Grabschen ...

Ein scharfes Zischen entwich Angelikas Lippen. Ziemlich spät, die wegzuckende Patschehand Betsys. Schließlich unmöglich, daß Angelika nicht mitgekriegt hatte, womit Betsy zugange war.

Zu mir, nach meiner Seite hinüber, daß Angelika meinte, daß sie heute mittag zwei Flaschen roten Burgunders im Kühlschrank in der Küche kaltgestellt hätte.  Die Rotweinflaschen könnte ich schnell holen gehen. Zwei Weingläser dazu. Außerdem könnte ich zwei Chipspackungen in eine große Schüssel schütten, die Schüssel auf ein Serviertablett stellen.

Betsy, die sich in einer Sekunde gerade aufgesetzt hatte, hievte ihre bei mir zufassenden Finger erst jetzt von meiner Unterleibgegend weg, als hätte sie sich dort alle Fingerkuppen verbrannt.

Schulterzucken von mir Richtung Angelika, die mich feste im Blick hatte. Auf die Füße erhob ich mich, mit allem, was mir unter der Hose vorstand, was Betsy im Auge hatte. Zu Angelika hinunter hab ich gesagt, daß alles so schnell wie möglich kommt. In zwei, drei Minuten würde ich wieder zurückgekommen sein.

Daraufhin bin ich aus dem Wohnzimmer hinausmarschiert, in dem Angelika und Betsy zurückblieben. Ohne jede Lust, groß auf irgendein Getuschel Angelikas und Betsys horchen zu wollen, begab ich mich in Angelikas Küchenwelt.

Während ich gerade die zweite aufgerissene Chipspackung in die große, außen mit weiße, schwarze Kimonos tragende Japanerinnen mit prächtigen schwarzen Steckfrisuren, die aufgespannte schwarze, blaue Sonnenschirme über sich hielten, verzierte Keramikschüssel schüttete, trippelte Angelia zu mir in die Küchenwelt herein.

Ganz gespannt war ich, ob Angelika bei mir irgendwas anzubringen hätte. Aber Angelika hat mich nur angegrinst. Beim Aufschraufen der einen Rotweinflasche guckte Angelika mir zu. Dann erklärte Angelika mir, daß Betsy heute vielleicht bei uns in der Wohnung übernachten würde.

Frage ich, ob Betsy bei ihr, Angelika, im Schlafzimmer schlafen sollte, wollte.

Antwortet Angelika, daß Betsy natürlich normal im Gästezimmer ihr Bett hätte. Normal würde Betsy dort ihr Bett finden. Nur war nichts normal bei Betsy. Betsy war in keinem Zustand, daß Betsy lange wo alleine bleiben könnte. Also könnte es, daß Betsy mit ihr, Angelika, im Doppelbett im Schlafzimmer von mir und ihr, Angelika, schlief. Während ich in meinem Arbeitszimmer ja ein großes Sofa hätte, weiter herausziehbar; beinahe ein Einzelbett.

Außerdem bliebe es dabei, daß sie, Angelika, gemeinsam mit Betsy im Wohnzimmer in Ruhe gelassen werden wollte. Wie verwirrt Betsy wäre, hätte ich ja gerade vorhin mitbekommen, als ich im Wohnzimmer war.

Ein bißchen besser ginge es Betsy jetzt Zwar ginge Betsy seit einer halben Stunde wieder besse;, trotzdem wäre Betsy immer noch voll fertig. Zu weinen hätte Betsy wieder angefangen, kaum daß ich aus dem Wohnzimmer draußen war; schütteln würde es Betsy regelrecht, so einen Heulanfall hätte sie.

 

Mannomann! Betsy hat mich angetestet. Bloß wegen Angelika ist nichts weitergegangen.

Nichts, das jetzt weiterging. Obwohl, wenn Betsy mich anfaßt, ich Betsy auch gerne angetestet hätte.

Hätte Angelika doch mitmachen können ...

Erkundige ich mich bei Angelika, die an ihrem Weinglas, das ich ihr ein Drittel vollgeschenkt hatte, nippte, was denn genauer mit Karlie, dem Broker, wäre.

Schluß wäre für heute mit dem Kurznachrichtenschreiben, antworete Angelika mir. Betsy möchte Broker-Karlie jedoch später irgendwann noch mal anwählen. Sobald Betsy sich erholt hätte, mit festerer Stimme mit Broker-Karlie sprechen konnte. Sollte Betsy schließlich was rauskriegen können, wenn Broker-Karlie dranging. Betsy, für einen ihrer allerletzten Versuche, an Karlie-Brokers Liebe zu ihr zu appellieren. Sonst broke-love.

Erkundige ich mich bei Angelika, was Betsy und Karlie sich überhaupt noch groß auszusprechen hätten. Ich hätte die ganze Zeit gemeint, da sei gestern längst Schluß gewesen zwischen Betsy und Broker-Karlie. Ende, Schlagbaum. Weil Broker-Karlie derjenige einer war, der geschubst und zugehauen hätte.

Erklärt Angelika es mir, daß Betsy Broker-Karlie eben weiterliebt. Betsy, sie liebe Broker-Karlie immer noch, und Betsy, sie wäre sich sicher, daß Karlie-Broker dasselbe für sie, Betsy, empfände. Karlie-Broker aufgeben, das könnte Betsy nicht. Broker-Karlie irgendwohin weiterzulocken, das wäre die Absicht Betsys. Indem sie, Betsy, Karlie-Broker zum Beispiel nicht die alleinige Schuld an den Vorkommnissen zwischen ihm und Betsy gäbe. Weil Betsy Broker-Karlie liebe, hätte Betsy auch die Bereitschaft, die Attacken Broker-Karlies auf sie als Unfälle abzutun.

 

Na denn, Prost! Was betraf das mich?

Jede Menge Verständnis habe ich in Folge Betsy und Betsys Liebe zu Karlie-Broker entgegengebracht. 

Aufgegangen ist mir dabei die Blüte, daß Angelika und ich, statt lange bei den Betsy-und-Broker-Karlie-Verhältnissen zu palavern, uns doch fünf, zehn Minuten ohne weiteres um uns selber kümmern hätten können. Zumindest ein kurzes Liebesspiel in der Küche. Jenseits von Betsys Vorherrschaft.

Statt solches in die Tat umzusetzen, wurde der Inhalt der von mir geöffneten Weinflaschen in eine Glaskaraffe geschüttet. Die schmucke Karaffe wurde in einen kleinen Blecheimer mit Eiswürfelbad gestellt, der Eimer zu der Chipsschüssel auf dem Serviertablett. Dazu gesellten sich die beiden flachen Eßteller, auf die Angelika und ich Käsescheiben - verschiedene Sorten französischen und holländischen Weich- und Hartkäses von der Gourmet-Theke - gerollt fabriziert hatten. Zum Käse sollte Weißbrot gegessen werden.

Das Tablett mit allem droben ins Wohnzimmer zu schaffen, das, das setzte Angelika mir auseinander, das wäre jetzt ihre alleinige Angelegenheit; höchstselbst mache sie das. Ich sollte ihr nur kurz die Wohnzimmertüre aufhalten, diese hinter ihr zumachen, um mich im Anschluß daran in meine Zimmereinrichtung zu verdrücken. Bis auf weiteres sollte ich drinnen bleiben. Angelika würde bestimmt irgendwann kommen, nach mir zu sehen und mir ein Küßchen zu geben, bevor schlafengegangen würde.

 

So war es. Deshalb bin ich nun hier, habe foxy.jpg. offen. Für Getippsel.

Obwohl, ich könnte auch Tigerauge spielen. Oder bei f-four sogar online gehen. Zuschauen, ob ich an einen der vier fabulösen Tische komme.

Andererseits, ich könnte morgen früh aufstehen, an die Uni machen ... Zumindest, um mir Unterlagen zu beschaffen.

Das könnte ich am Freitag allerdings auch noch.

Wechseln wir das Thema.

Was war eigentlich, nachdem Christine Dombrowski - oder nicht Christine Dombrowski, das weiß ich schließlich nicht ganz so genau - bei mir bei der Wohnheimbude draußen war?

Den weiteren Fortgang der Geschehnisse könnte ich jetzt hier in allen Details ausführen.

Erst mal ...

Das Smartie, mit dem ich Angelika angerufen hatte, war mir am Ohr aus der Hand gerutscht.

Stark habe ich aus meinen Wunden am Hals rausgeblutet.

Die aufgeregten Wohnheimmitbewohner in meiner Umgebung habe ich wahrgenommen, nur äußerst schemenhaft. Haben sich auch einzelne verzweifelt um mich gekümmert, auf mich eingeredet. Ferne, fremde Stimmen. Ich konnte mitkriegen, daß ich am Hals heftig rausgeblutet habe. So als hätte jemand da Stöpsel rausgezogen. Angst hatte man, ich könnte verbluten. Das muß wirklich ein Blutfluß gewesen sein.

Sanis samt Notarzt trafen bei mir in der Wohnheimbude droben ein. Der Arzt, der seitlich neben mir kniete, war der, der dafür sorgte, daß bei mir die Bluterei an der Halsgegend richtig aufhörte. Trotzdem bin ich dem Mann kollabiert. Mit einer Herzmassage konnte er mich erst wieder in die Welt der Lebenden zurückholen.

An einen Tropf aufgehängt, bin ich anschließend in einer großen, starken Plastiktragetasche von den Sanitätern in den am Montagvormittag reparierten Fahrstuhl geschafft worden. Die Stockwerke hinuntergefahren. Um im Rettungswagen auf der Trage zu landen, dort festgeschnallt zu werden.

 

Wie ich im nachhinein aus Angelikas Mund erfahren habe, muß das doch ziemlich knapp mit mir gewesen sein. Daß ich nicht bei Charon vorbeigeschaut habe.

Daß Charon mich nicht übersetzen hat müssen. Hinüber.

Im Krankenhaus hatte ich, kaum daß ich einigermaßen stabilisiert wirkte, das eine oder andere mal sogar kürzer, länger ansprechbar war, das mit dem Virenattacke.

Stundenlang, daß ich zwischen Leben und Tod geschwebt bin. Ohne, daß ich Charon, meinen Ruderer in die jenseitige Welt, deutlicher zu sehen gekriegt hätte. Kann mich an nichts erinnern.

Dann bewirkte es eine bestimmte Antibiotikamischung, -dosis. Oder nicht. Jedenfalls vermehrten sich die der Immunschwäche ähnlichen und doch ungleichen Viren urplötzlich nicht mehr wie verrückt in mir. Starben sogar zum größten Teil aus. Der kleine Rest des Virusstammes ging schlafen, schwamm harmlos bei den handelsüblichen Bakterien- und Virenstämmen in meinem Körper mit, ohne für mehr zu sorgen, als die Population in mir am Leben zu erhalten.

Ich habe mich tatsächlich innerhalb kürzester Frist erholt, als hätte es nie irgendwas gegeben. Eindeutig verständlich war das den Krankenhausärzten nicht, wie das bei mir zugehen hatte können, daß ich urplötzlich wieder dermaßen fit werden konnte. Nur, ganz richtig im Kopf bin ich denen nicht vorgekommen.

 

Daran erinnere ich mich gut, wie ich im Krankenbett zu mir gekommen bin. Zufällig während der nachmittäglichen Besuchszeit im Krankenhaus. Angelika und Mutti, die auf der Station angekommen waren, sich erkundigen wollten, wie mein Zustand war, konnten ein paar Minuten nach meinem Erwachen zu mir hereinkommen, Mundschutz vor den Gesichtern. Erfrischt und putzmunter war ich, habe mich aufgeführt wie ein Schulkind, das nicht am Platz stillsitzen konnte. Mir war tatsächlich, als hätte ich nur kurz ein kleines Nickerchen gemacht.

Angelika, Mutti - jedem, der es hören wollte oder nicht - erzählte ich, daß Christine Dombrowski bei mir auf der Bude oben war. Christine Dombrowski, ein Vampir, der mich gebissen hätte. Mutti wüßte doch, daß mir Manuela Dombrowski über dem Weg gelaufen wäre, obwohl Manuela Dombrowski da seit Monaten tot war. Jetzt wäre Christine Dombrowski bei mir auf der Bude gewesen. Christine Dombrowski hätte mich in den Hals gebissen, wie ein Vampir. Die Stellen am Hals habe ich Mutti und Angelika gezeigt. Konnte man ja auch deutlich sehen, nahm ich beiden Heftpflaster dort weg.

Christine Dombrowski, ein Vampir, der bei mir gesaugt hätte. Ich hätte die Vampirzähne Christine Dombrowskis aus allernächster Nähe gesehen. In die linke Halsgegend hätte Christine Dombrowski, der Vampir, seine Zähne bei mir reingeschlagen. Und dann an mir gesaugt. Blut aus mir rausgesaugt. Mit blutverschmiertem Mund wäre Christine Dombrowski, der Vampir, bei mir zur Bude raus. Jede, jeder, der dort bei mir an der Budentüre gestanden wäre, müßte das gesehen haben. Schließlich hätten die Leute draußen die Tür bei mir aufgerissen. Die Tür stand offen. Einige, die bei mir auf der Türschwelle am Glotzen waren.

Nicht nur eine lebende Tote würde mir über dem Weg laufen, jetzt wäre ich auch noch das Opfer eines Vampirs geworden. Eines Vampirs. Der Vampir, der hätte Christine Dombrowskis Gestalt angenommen. Oder Christine Dombrowski wäre der Vampir selber gewesen. Und die Untote, von der ich rede, die war Manuela Dombrowski, Manuela Dombrowski, der ich vorm Unteren begegnet wäre. Dort wäre Manuela Dombrowski mir vor die Füße gelaufen, Christines Schwester. Obwohl Manuela Dombrowski da lange Monate tot war. Am Gnaden-Friedhof hätte Manuela Dombrowski ihr Grab. Könnte jeder hingehen, nachschauen, sich vor Manuela Dombrowski Grab aufstellen. Vielleicht sollte man den Sarg Manuela Dombrowskis ausgraben, hinein schauen, ob Manuela Dombrowski wirklich drinnen lag.

 

Diese Art Erzählungen abzusondern, damit habe ich nicht wieder aufgehört. Praktisch ständig war ich dort im Stadtkrankenhaus dabei, so was daherzuschwatzen, wenn ich den Mund aufgemacht hab. Bei den Ärzten und den Krankenschwestern, überall, wo ich gegangen und gestanden bin. Die Hand mit dem Scheibenwischer habe ich öfters in meine Richtung gesehen, Augen, die sich verdrehten.

Dann war es gegen halb elf Uhr am Abend. Da war eine blonde Krankenschwester, Marlene. Sehr hübsch. Der weiße, knielange, unförmige Kittel konnte auch nichts daran ändern, daß sie eine perfekte Figur hatte. Ich wußte, daß Marlene weiter im Dienst war. Auf meiner Station.

Zwar hatte ich ein Beruhigungsmittel verpaßt bekommen. Trotzdem war das ohne jede Auswirkung auf mich. Ich war in der Lage, obenauf zu sein. Dann war es soweit, ich habe meine Hand von meiner Körpermitte weggenommen, den Knopf am Telefon gedrückt. Das bedeutete, daß eine Schwester kommen würde. Mit großer Wahrscheinlichkeit, daß Marlene das war.

Sehr schnell, daß sich die Blondine bei mir einstellte, die Türe aufmachte, hinter sich zu. Mich hatte Marlene im Sitzen entdeckt, wach. Zu mir trat Marlene ans Bett, erkundigte sich bei mir, was mit mir wäre. Sage ich, daß ich nicht schlafen könne. Hat Marlene vorm Bett auf das Schreibbrett nachgeschaut, ob sie mir was zur Beruhigung gegeben hatte. Hatte sie. Marlene hat mich angeguckt. Nun laberte ich Marlene hin, wie hübsch sie sei. Voll hübsch. Von Marlenes schönen Beinen würde der weiße Kittel viel zuviel bedecken. Und ihre Oberweite, die könnte sich sicher auch sehen lassen. Wenn der Kittelstoff nicht vor wäre. Hätte sie einen Freund? Irgendwie schienen meine Schmeicheleien bei Marlene tatsächlich nicht schlecht anzukommen. Groß schaute Marlene mich an. Überraschend antwortete Marlene, daß sie momentan keinen Freund hätte. Ich spreche zu Marlene hinüber, das könnte doch nicht möglich sein, daß eine wie sie keiner gern hatte. Ich jedenfalls wäre gerne ihr Freund. Ab jetzt sofort. Und einen schönen Namen hätte Marlene erst. Marlene. Marlene, so heißen Schauspieler. Hätte sie, Marlene, schon daran gedacht, Schauspielerin zu werden. Mit ihrer Superfigur, der netten Stimme, da könnte noch alles mögliche aus Marlene werden. Man müßte sich nur vorstellen, Marlene würde die richtigen Leute kennen.

Die Arme vor der Brust verschränkt, hörte Marlene mir zu. Mir schien es, die Wangen Marlenes hatten einen ein wenig dunkleren Teint als vorhin. Hätte sie schon bei einem Schönheitswettbewerb mitgemacht, frage ich Marlene. Das dürfte sie, Marlene, mir ruhig glauben, wenn ich sagen würde, bei jedem Schönheitswettbewerb  könnte sie siegen.

Allerdings hatte ich keine Zeit für irgendwas, Marlene vielleicht mal in drei, vier Wochen mir vornehmen zu können. Sofort wollte ich sie haben, Marlene, auf der Stelle. Hier und jetzt. Unvermittelt, daß ich mich hochschwang, nach Marlene, die nicht allzu weit von mir wegstand, gefaßt habe. Zu mir hergezogen habe ich Marlene, die aufschrie. Zu mir auf die Bettkante mußte Marlene sich setzen.

Zwar wehrte Marlene sich gegen mich. Aber so richtig kam Marlene nicht gegen mich an. Wegen meines süßlichen Gesäusels, daß ich selten eine so Hübsche wie sie sehen hätte, dachte Marlene anscheinend, es wäre vernünftig mit mir zu reden. Marlene meinte, daß das, was ich hier täte, sie begrabschen und das, Folgen für mich haben könnte. Wenn sie, Marlene, es meldete, müßte das Folgen haben. Ließe ich sie los, würde sie, Marlene, vielleicht über diese eine Sache hinwegsehen. Vielleicht.

Ich wolle sie doch nur küssen, nur sie küssen, entfloh es mir. Einmal sie, Marlene, küssen. Dann noch mal sie küssen. Wäre ganz verrückt, so schön fände ich sie, Marlene.

Der Mann auf dem Nebenbett war aus seinem Dämmerschlaf aufgewacht. Er sagte, ich solle die Krankenschwester in Ruhe lassen, wenn sie nichts von mir möchte.

Ich habe Marlene festgehalten und Marlene, die blondhaarige Schönheit, geküßt. Wobei sie alles bei sich geschehen ließ, ohne einen Mucks zu machen. Auf die Wangen, meine Küsse Marlene. An den Lippen vorbei. Auf die sexy Lippen. Wobei Marlene mir nicht den Mund aufmachte. Am Hals busselte ich Marlene. Besonders der Hals, der es mir bei Marlene angetan hatte. Marlenes Hals, dort wollte ich fast mit der Küsserei nicht mehr aufhören. 

Voll der Wahnsinn brach mir plötzlich aus. Voll.

Ehrlich, während ich das hier tippe, kann ich das nicht begreifen, was ich im Krankenhaus dort bei Marlene gemacht habe. Wahnsinn, über dem Kehlkopfs Marlenes schnappen meine Zähne zu. Nicht nur das, bloßes Zuschnappen, ich beiße im wahrsten Sinne des Wortes bei Marlene zu. Schlage bei Marlene am Hals meine Zähne rein.

Daß das jetzt Marlene wirklich reicht. Wild wehrt sich Marlene gegen mich. Wie toll, daß Marlene sich gewunden hat, irre gellte. Kreischlaute Marlene, Abwehrversuche Marlenes gegen meinem Griff. Ohne daß Marlene mir entkommen hätte können.

 

Mein Zimmergenosse, von ihm wußte ich, daß er die letzten Tag seiner Krebs-Chemo hatte. Nur noch zur Beobachtung war er die nächsten zwei, drei Tage noch im Krankenhaus. Relativ erholt von allem aus sah der Mann in der Gegenwart aus, wenn man sich überlegte, was die Wochen zuvor bei ihm los gewesen sein mußte.

Aus seinem Krankenhausbett, daß der Glatzköpfige rausgemacht hat. Nicht etwa, um Marlene gegen mir beizustehen. Auf den Stationsflur ist er hinausgelaufen, hat geschrien, daß der bei ihm im Zimmer verrückt spielt. Die Schwester hätte der sich gegriffen, würde sie am Hals beißen.

Drei rotuniformierte Krankensanitäter und ein Stationsarzt befanden sich am Flur bereits auf dem Weg Richtung des Zimmers, aus dem der Arzt und die Sanitäter Marlenes Schreierei mitkriegten. Zu viert, daß man nachsehen wollte, was auf dem Krankenzimmer abginge. Zu mir und Marlene, der Krankenhausschwester, daß sie hereingestürzt kamen.

Links und rechts wurde ich angepackt. Fortgerissen wurde ich von Marlene. Marlene, die aus dem Hals am Bluten war. Davor bewahrt wurde die bewußtlose Marlene von dem Arzt, auf den nackten Fliesenfußboden zu stürzen. Während das kräftige Sanitäter-Trio mit mir rang, mich nach kleinem Kampf überwältigte. Beide Arme waren mir hinten auf den Rücken gedreht. Auf dem Bauch lag ich quer über meinem Patientenbett. Arschtritte kriegte ich noch ab.

Trotzdem war ich nur kurz zu beruhigen. Alsbald führte ich mich auf wie ein Tier. Ein wildes, ungehemmtes Tier, das heulte, gellte, kreischte. Nach allem, was in meiner Nähe war, biß ich mit meinen Zähnen.

Mich läppisch auf das Bett festzubinden, das reichte für mich und meine Kraft bei weitem nicht. Mit Geheul hab ich mich aufgebäumt, drohte, jede Sekunde die Fesseln zu zerreissen und die kräftigen Männer, die alle Hände voll mit mir zu tun hatten, wegzuschubsen. Frei wäre ich gewesen, alles zu tun, was ich tun hätte wollen.

Schlagartig war es jedoch mit meinem Treiben vorbei. Der Stationsarzt trieb mir eine Spritze in den Oberarm, verpaßte mir eine erhöhte Dosis irgendeines Beruhigungsmittels, eins, das mich im wahrsten Sinne des Wortes von einem Moment auf den anderen ins Reich der Finsternis schickte. Lebensgefahr bei mir, echt egal. Wäre ich an der Dosis verreckt, hätte es auch nicht geschadet.

 

Von den nächsten Krankenhausgeschehnissen weiß ich nur noch was, weil ich am Vormittag kurz erwacht war. Angelika und meine Mutti saßen mit sorgenvoller Miene bei mir am Bett. Angelika meinte, ich hätte Glück gehabt, es überlebt. Aber, ich könnte nicht im Krankenhaus bleiben. Müßte mich woanders hinbegeben, wo man mich betreuen könnte.

Dann entsinne ich mich, ist, daß ich im sanften gelben Licht auf einer Art Mattenboden in einer bettlosen, gummigepolsterten, kameraüberwachten Zelle mit kleinem Plumpskloloch und einer neuen Klopapierrolle zu mir gekommen bin.

Ich war dort, im Meinhardt-Sanatorium.

Ins Meinhardt-Sanatorium hatte Angelika mich nach einer ausgiebigen Unterhaltung mit Polizeibeamten und der Leitung des Stadtkrankenhauses verbringen lassen.

Angelika, die den Tipp mit dem Meinhardt-Sanatorium von einer Freundin herhatte. Wenn sie, Angelika, mal verrücktspielte, sollte sie dafür sorgen, ins Meinhardt-Sanatorium gebracht zu werden.

Angelika war jedoch nicht die, die man ins Meinhardt-Sanatorium schaffte, sondern mich. Die Kosten für meinen Aufenthalt im privaten Meinhardt-Sanatorium übernahm Angelika alleine. Angelika überwies, kaum daß ich im Meinhardt-Sanatorium war, sofort die Rechnung für meinen Transport und einen Wochenaufenthalt im Meinhardt-Sanatorium. Wäre ich einen Monat lang im Meinhardt-Sanatorium geblieben, hätte das Angelika billiger kommen können.

 

Das mit Marlene, der Krankenschwester, was mich da dazu getrieben hat, das so bei der zu machen, da bin ich mir selber fremd. Obwohl ich mich eigentlich recht deutlich an die ganzen Szenen erinnere. Sogar an das Empfinden, wie gut das Blut Marlenes schmeckte. Mehr wollte ich davon.

Sehr befremdlich, das alles.

Anders läßt sich das nicht ausdrücken.

Im Meinhardt-Sanatorium führte ich mich kein einzigesmal so auf wie in dem städtischen Klinikum. Nichts von einer größeren Angriffslust gegenüber irgendwen. Oder eines tollwütigen Beißzwanges, daß ich wem meine Zähne in den Hals hätte schlagen wollen.

Wie ich dazu gekommen war, Marlene, die Krankenschwester, nicht nur anzugreifen, sie auch noch über dem Kehlkopf in den Hals zu beißen, vollkommen unbegreilflich bin ich mir damit. So eine Schönheit, Marlene. Und ich führe mich derart bei ihr auf. In Marlenes Hals, daß ich meine Zähne schlage. Über mich kann ich nur den Kopf schütteln.

 

Mein Verhalten die Tage im Meinhardt-Sanatorium ist demnach normal zu nennen.

Was jedoch nicht heißt, daß daß ich gewöhnliche Dinge geredet hätte. Habe ich nicht. Die erste Zeit habe ich die Geschichte mit Christine Dombrowski wiederholt, Christine Dombrowski einen Vampir genannt. Angesteckt hätte mich Christine Dombrowski. Christine, die Schwester der Untoten - Manuela Dombrowski. Eine Freundin aus Teenagertagen, Manuela Dombrowski. Die mir jedoch im Juli begegnet war, obwohl Manuela Dombrowskis zu dem Zeitpunkt schon Monate verstorben war. Am Gnaden-Friedhof meiner Heimatstadt hätte Manuela Dombrowski ihr Grab. Todestag, alles stand ganz genau am Metallkreuz mit Bildchen Manuela Dombrowksi dran lesbar drauf.

 Mein Durchknallen gegenüber Marlene, der Krankenschwester im Stadtklinikum, erklärten die neurologischen Fachärzte im Meinhardt-Sanatorium Angelika gegenüber zunächst mit einem neuerlichen kurzfristigen Angriffs des Virusstammes. Das hätte mich für eine gewisse Zeit dermaßen aggressiv gemacht, als wäre bei einem Tier trotz der Impfung dagegen für eine kurze Weile die Tollwut ausgebrochen. Das, das müßte man verstehen, konnte bekanntlich bei geimpften Tieren trotzdem vorkommen.

Wobei, bei mir konnte eigentlich keine Rede davon sein, daß ich gegen jenen Virusstamm geimpft worden wäre, der in meinem Körper zu entdecken gewesen war. Der trieb sich einwandfrei bei mir in den Blutbahnen rum. Wollte das Virus mal was, konnte es ohne weiteres jederzeit.

 Außerdem will ich hier tippen, daß Meinhardt-Sanatorium-Ärzte Blutproben von mir an das Plank-Koch-Institut der näheren Umgebung weitergeschickt hatten.

Das Ergebnis der Untersuchungen: Die Forscher dieses Instituts haben entdeckt, daß Genabschnitte des in meinem Körper befindlichen Virusses in vielen Sequenzen dem Gen des Borreliose-Bakteriums ähnelten. Der Virus, der in mir in die Harmlosigkeit abgetaucht war, hatte durchaus mit Borreliose zu tun. Borreliose, etwas, das Zecken in sich trugen. Durch Zeckenbisse kann Borreliose übertragen werden.

 Im Meinhardt-Sanatorium wurde von der Ärzteschaft spekuliert, hat mich Frau Doktor Hella informiert, daß ich während meines Anfalles im Stadtkrankenhaus auch eine entzündete Gehirnhaut gehabt haben könnte. Eine Gehirnhautentzündung. Auf meinem Gemeinschaftszimmer, als ich die Krankenschwester biß, könnte das als Nachwirkung der Fall gewesen sein.

 

Andererseits, heute lebe ich frei, habe eher psychiatrische Sitzungen bei Frau Doktor Hella, als daß ich mit einer Krankheit, die mir jederzeit zu Schubattacken verhelfen konnte, in Verbindung gebracht werde. Das heißt, man sucht die Schuld eher bei mir und meinem Geisteszustand als daß man mit einer großartigen Rückkehr der Erkrankung rechnen würde.

Obwohl, Angelika hat mich im Auge.

Und im Meinhardt-Sanatorium, treffe ich dort ein, steht sofort das volle Programm mit Blutentnahme, Urinprobe und Gehirnstrommessungen und Einfahren in die Röhre an.

 

Marlene, die Krankenschwester, die ich am Hals verletzt habe, der ich zu einem Trauma verholfen habe - was mit der ist?

Marlene hatte mich bei der Polizei angezeigt. Wegen meiner gemeinen Angriffs auf sie. Mit Beißen und allem Drum und Dran.

Auch die Leitung des Klinikums, in dem Marlene als Krankenschwester arbeitet, hatte eine Anzeige bei den Behörden gegen mich in die Wege geleitet.

Warum trotzdem nicht viel davon in meiner offiziellen Vita steht?

Einfache Antwort: Angelika. Angelikas Scheckbuchpolitik.

Jede Menge Geld hat Angelika darauf verwendet, mir wieder zu einer reinen Weste zu verhelfen. Daß ich mich Wiedereinschreiben konnte, das habe ich nur Angelika zu verdanken.

Marlene, die Krankenschwester im Stadtklinikum, kriegte von Angelika einen vierwöchigen Kuraufenthalt mit Schönheitsoperationen bezahlt. Die Nase hat Marlene sich begradigen lassen, ein bei sich am Rücken eine Tätowierung entfernen. Ebenso die kleinen Narben, die aufgrund meines Zubeißens bei ihr am Hals zurückgeblieben waren. Dazu überwies Angelika eine größere Geldsumme auf Marlenes Bankkonto; für die Anwaltskanzlei Marlenes kam Angelika ganz auf.

Ans städtische Klinikum, in dem sich das mit Marlene, von mir verursacht, ereignet hatte, überwies Angelika über das Firmenkonto ihrer Eltern eine größere Spende. Eine Geldsumme, die auf die Anschaffung eines neuen Narkosegerätes für die Chirurgie verwendet wurde. Wie man Angelika auf Nachfrage mitteilte.

Rechnung um Rechnung hat Angelika bis heute bezahlt, was mich anbetrifft. Regelrecht horrende Summen, überlege ich mir das genauer.

Ohne Angelika wäre meine kleine Welt eine andere. Eine ganz andere.

Daß ich nach ein paar Tagen schon wieder aus dem Meinhardt-Sanatorium hinausmachen habe dürfen, habe ich Angelika zu verdanken. Schließlich hätte mich die Leitung des Meinhardt-Sanatoriums gerne noch ein paar Wochen, wenn nicht Monate behalten. Gäbe es Frau Doktor Hella, die Psychologin mit Stadtpraxis, nicht, die eng mit dem Meinhardt-Sanatorium zusammenarbeitet, hätte es das mit meiner Freiheit auch nicht gegeben. Mit Angelika zusammen jedoch kann ich mir sie, Frau Doktor Hella, leisten. Genauer gesagt, Angelika leistet sich die Frau, Frau Doktor Sybille Hella, alleine.

Im Grunde ist das meine Situation.

 

Wirklich unvorstellbar, was ohne Angelika bei mir los wäre.

Hatte schon daran gedacht, als ich noch auf meiner Wohnheimbude hockte, ob ich nicht Privatinsolvenz anmelden müßte. Mit einem Ausgabensverwalter, Gläubigerschutz  für mein Konto.

Vielleicht hätte ich in einer Arme-Männer-Kommune ein mickriges, verschimmeltes Zimmer. Mein Essen bekäme ich in der Armenspeisung. Oder müßte mir Lebensmittel nahe am Ablaufdatum irgendwo bei einer Stadttafel abholen.

So hatte ich das im Kopf. Das stand alles im Raum.

Was soll ich damit weitertippen? Es ist dem nur nicht so. Das alles ist mir erspart geblieben.

Weil ich Angelika habe.

Nur eins, das ist die Wahrheit: Voll bin ich von Angelika abhängig. Ohne Angelika an meiner Seite wäre ich nichts.

Da schätzen Angelikas Eltern die Situation vollkommen richtig ein. Angelikas Eltern, für die ich ein Möchtegern und Taugenichts bin. Täglich hoffen Angelikas Vati und Mutti auf das Moment, daß Angelika mich fallen läßt wie eine heiße Kartoffel. Daß ich im Dreck liegen bleibe, nicht mehr weiter von Angelika beachtet.

 

Für den, für den das nicht recht zu verstehen ist, warum Angelika die letzten Monate solch einen geldwerten Aufwand mit mir betrieben hat, kann Angelikas Verhältnis zu mir vielleicht mit einem einzigen Wort erklären. Damit könnte es erklärt sein.

Liebe.

Wie Betsy diesen Broker-Karlie liebt, so liebt Angelika mich.

Das kann nur Liebe sein, die Liebe machen.

Das Codewort ist: Liebe.

So romantisch.

So, so romantisch.

Was die Liebe nicht macht.

 

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